Lesenlernen reduziert Gehirnareale zur Gesichtserkennung
12. November 2010 – 16:11
Da die Menschen die Schrift erst relativ spät in ihrer Geschichte erfunden haben, ist es sehr unwahrscheinlich, dass das menschliche Gehirn über evolutionäre Prozesse spezielle Areale für das Lesen ausgebildet hat. Bei einem Vergleich von Lesefähigen, Analphabeten und Personen, die entweder als Kinder oder erst als Erwachsene das Lesen gelernt hatten, zeigte sich, dass alle Lesefähigen horizontale, zeilenförmige orientierte visuelle Stimuli besser verarbeiten konnten als die völligen Analphabeten. Menschen, die früh Lesen gelernt haben, besitzen auch eine kleinere Region des linken occipitaltemporalen Cortex und reagieren auf Bilder von Gesichtern anders als Analphabeten. Die Fähigkeit des Lesens, steht also wie jede Form von erworbenen Fähigkeiten, auch in Konkurrenz zu anderen Leistungen des visuellen Cortex. Bei den Lesekompetenten hatte sich auch eine Gehirnregion entwickelt, die auf die Verarbeitung von Wörtern spezialisiert ist, wobei bei diesen auch ein Areal verkleinert war, die für die visuelle Verarbeitung von Gesichtern zuständig ist. Offensichtlich hat hier auf Kosten des Lesens ein neuronaler Schrumpfprozess stattgefunden, wobei noch unklar ist, ob dieser tatsächlich praktische Auswirkungen für das Erkennen anderer Menschen im Alltag hat.
Eine Antwort auf “Lesenlernen reduziert Gehirnareale zur Gesichtserkennung”
Interessanter Post.Ich habe einige tolle Gedankenanstoesse bekommen. Warte auf neue Beiträge.
By Micha on Nov 13, 2010