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Das analoge Schließen

Auf dieser Seite finden sich Informationen zum analogen Schließen, dem in der kognitiven Psychologie große Bedeutung zugemessen wird. Diskutiert werden Analogien beim Problemlösen, die klassische Analogien, die eine wichtige Rolle beim logischen Denken und der Entscheidungsfindung (deduktives Schließen, modus ponens, modus tollens, Schließen mit Quantoren, induktives Schließen, Bayes-Theorem, Monte-Carlo-Effekt, subjektiver Nutzen, subjektive Wahrscheinlichkeit) spielen. Die deduktive Logik umfaßt die Fälle in denen Schlüsse mit Gewißheit gefolgert werden können.

Was ist analoges Schließen?

Dem analogen Denken wird in der kognitiven Psychologie große Bedeutung zugemessen, da es in den verschiedensten Bereichen eine zentrale Rolle spielt, z.B. für das Lernen an Beispielen, für effektives Problemlösen und kreatives Denken; nicht zuletzt werden wichtige wissenschaftliche Entdeckungen zurückgeführt auf "Denken in Analogien".

Analogie (griech. Übereinstimmung) bedeutet das Verhältnis von Gleichartigkeit oder Ähnlichkeit zwischen zwei oder mehreren Dingen. So wird z. B. oft die Analogie bzw. Ähnlichkeit zwischen dem menschlichen Herzen und einer mechanischen Pumpe hervorgehoben. In der Logik bezeichnet man als Analogie eine induktive Form der Beweisführung. Wenn zwei oder mehrere Größen in einer oder mehreren Hinsichten einander ähnlich sind, besteht die Möglichkeit, daß sie auch in anderen Hinsichten einander ähnlich sind. Wenn sich z. B. ein Schüler in der Schule meist erfolgreich zu Wort meldet, daraufhin bei den Aufnahmeprüfungen für die Universität sehr gute Ergebnisse erzielt und schließlich ein überdurchschnittlich guter Student wird, so wird ein zweiter Schüler bei gleichem Verhalten in der Schule an der Universität voraussichtlich auch ein hervorragender Student sein.

Zwei Bereiche lassen sich unterscheiden:

Analogien beim Problemlösen:

Hier geht es darum, inwieweit das Lösen eines Problems dadurch erleichtert werden kann, daß auf die Lösung eines anderen Problems, das ein analoges Prinzip enthält, Bezug genommen wird.

Beispiele für analoge Zuordnungen:

Die Lösung der Bestrahlungsaufgabe von Duncker, bei der ein inoperabler Tumor im Körperinneren nur durch die Zentrierung schwacher Strahlen abgetötet werden kann, soll erleichtert werden durch die Analogie zur Belagerungsaufgabe, bei der Truppen verteilt aufmarschieren, um vermintes Gelände zu überwinden.

In einem anderen Beispiel erfahren Kinder wie ein Magier mit Zauberkräften seinen Teppich zu einer Röhre zusammenrollt, um Edelsteine durchgleiten zu lassen; in der nachfolgend zu lösenden Aufgabe geht es dann - diesem Prinzip entsprechend - darum, einen Bogen Papier zu einer Röhre zusammenzurollen, um darin Bälle in ein nicht direkt erreichbares Gefäß zu befördern.

Klassische Analogien:

Die klassische Analogie ist - zurückgehend auf Aristoteles - definiert als Gleichheit der Relation von vier Termen/Begriffen (A, B, C, D), wobei der zweite (B) mit dem ersten (A) in der gleichen Beziehung steht wie der vierte (D) mit dem dritten (C).

Abgekürzt dargestellt A:B = C:D.

Mit solchen Analogie-Aufgaben, z.B. dunkel:hell = naß:trocken, wird in psychometrischen Verfahren die Fähigkeit des analogen Schließens als wichtige Teilkomponente der Intelligenz erfaßt.

Siehe auch zum Schließen aus psychologischer Sicht:

Die Abduktion

Die entwicklungspsychologische Frage, ab welchem Zeitpunkt Kinder analoges Schließen beherrschen, wird zum einen aus Ergebnissen psychometrischer Forschung beantwortet; sie zeigen, daß viele Kinder noch im Alter von 11-12 Jahren einfache Analogien nicht "richtig" bilden können und häufig assoziative Verknüpfungen bzw. Ergänzungen vornehmen.

Diese Befunde entsprechen auch der Theorie Piagets, die analoges Denken als sich erst spät entwickelnde Fähigkeit annimmt und der Stufe des formal-operatorischen Denkens (ca. ab dem 12. Lebensjahr) zuweist.

Diese Annahme stützt Piaget auf die Unterscheidung von zwei Arten von Relationen, die den Stufen der konkreten und formalen Operationenrzugeordnet sind:

1. Relationen erster (niedrigerer) Ordnung betreffen - voneinander unabhängig - nur die Beziehung zwischen den jeweiligen Vergleichspaaren A: B bzw. C: D. Die Relationen werden sukzessiv verarbeitet.

2. Relationen zweiter (höherer) Ordnung verbinden die Beziehungen erster Ordnung in dem Sinne, daß sie auf Gleichheit/Ähnlichkeit der Beziehung zwischen den Paaren abzielen ("relationale Ähnlichkeit").

Psychologische Theorien zur Erklärung des analogen Schließens

Strukturalistische Position
Modell derInformationsverarbeitung
Wissensbasierter Ansatz

Quellen

Luchins, A. S. (1942). Mechanization in Problem Solving. In: Psychological Monographs 54 (S. 248).

Duncker, Karl (1935). Zur Psychologie des produktiven Denkens. Berlin: Springer.

Popper, Karl R. (1979). The Bucket and the Searchlight: Two Theories of Knowledge. In Objective Knowledge: An Evolutionary Approach (rev. ed.). Oxford: Clarendon Press.

Oerter, Rolf & Dreher, Michael (1995): Entwicklung des Problemlösens. In Oerter, Rolf & Montada, Leo (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Weinheim: PVU.
Schütz, Tassilo (2000). Problemlösen und Entscheidungsfindung.
WWW: http://www.informatik.tu-muenchen.de/~schuetz/psycho/paper/paper.htm (01-01-06)
Riegler, Alexander (1999). Können wir das Problem der Echtzeitkognition lösen?
WWW: http://www.zum-thema.st/wissensbank/Riegler1.html (02-05-18)



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