Egozentrismus

4. Juli 2008 – 07:20

1. Definition
Eine egozentrische Person bezieht Ereignisse über das sachlich gerechtfertigte Maß hinaus auf sich selbst. Es besteht die Neigung, die eigenen Verhaltensweisen zum Maßstab für andere zu machen, was die Entwicklung enger Beziehungen erschwert. Der Egozentriker hat Schwierigkeiten hinsichtlich der Selbstreflexion und kritischen Auseinandersetzung mit seiner eigenen Persönlichkeit. Während ein gewisses Maß an Egozentrik als durchaus normal angesehen werden kann, besteht bei manchen Personen die Gefahr, im Lauf des Lebens ausgeprägte Wahnvorstellungen zu entwickeln (siehe psychische Störungen). Egozentrismus ist nicht gleichbedeutend mit Egoismus, wobei der Gedanke an den eigenen Vorteil im Vordergrund steht. (Thalhammer, Michael. „Egozentrismus.” Microsoft® Encarta® 2007 [DVD]. Microsoft Corporation, 2006.)

2. Definition
„Egozentrismus bedeutet totale bzw. überwiegende Ich-Bezogenheit. Abgesehen von krankhaften Ausformungen des Egozentrismus ist vor allem das frühkindliche Denken durch ihn bestimmt. Er äußert sich hier ganzheitlich im Selbstbewusstsein, in der Wahrnehmung, im Denken und in der Sprache. Das Selbst steht für das Kleinkind im Mittelpunkt aller Beziehungen, und alles Existierende hat seiner Meinung nach Sinn und Zweck auf dieses sein Selbst hin.“ (Köck & Ott, 1994, S. 155)

3. Definition
Wenn man selbst mit Schwierigkeiten im Leben zu kämpfen und diesen Kampf als schicksalsbedingt hinzunehmen gelernt hat, erwartet man gleiches auch vom anderen. Man lässt sich im letzteren Fall nicht auf die konkrete Situation des Mitmenschen ein, sondern erwartet von ihm ein gleiches härtegeprägtes Verhalten, wie man es selbst gezeigt hat – glaubte zeigen zu müssen. Damit wird aber auch deutlich, dass dieses Egozentrismus das Ergebnis einer komplexen Auseinandersetzung mit dem Leben ist. In ihm auch die Enttäuschungen und Auseinandersetzungen mit diesen verarbeitet. Es ist ein eher verhärmter, desillusionierter Egozentrismus, von dem wir hier sprechen. Dieser E. enthält keinerlei Illusionen mehr. (vgl. Schenk 1998, S. 208-210)

4. Definition
Egozentrismus geht vor allem auf Piaget zurück. Der Egozentrismus ist eine v.a. kindlich-kognitive Geisteshaltung, die davon ausgeht, dass der eigenen, subjektiven Sicht ein objektiver Status zukommt. Dies ist nicht mit einer reflektierten Selbstverliebtheit (Egoismus) und nur bedingt mit Freuds Narzissmus gleichzusetzen. Das egozentrische Kind ist kognitiv nicht in der Lage, diese fehlerhafte Weltsicht einzusehen, da es gar keine Vorstellung seines eigenen Ich besitzt. Das Kind stellt sich als die Welt vor, es ist die Welt. Die Entwicklung eines wahrhaftigen Selbstbewusstseins geht also mit der Sozialisation und der Erkenntnis der Subjektivität einher. (vgl. Böhm Adelheid, 1994)

5. Definition
„Im Kleinkindalter eine phasentypische Art der Gegenstanderfassung, die aus dem noch geringen Entwicklungsstand der kognitiven Funktionen resultiert. Er geht mit gedanklicher Fixierung an überwertige Motive und parallel dazu an unverarbeiteten Erlebnisstoff einher und ist durch Tendenz zu Fehldeutungen und Unterstellungen gekennzeichnet. Egozentrisches Verhalten des Kleinkindes wird unter normalen Erziehungsbedingungen im Laufe der weiteren Entwicklung vor allem durch die aktive Einbeziehung in kollektive Tätigkeiten allmählich überwunden.“ (Clauß, 1976, S. 116)

Verwendete Literatur

Thalhammer, Michael. „Egozentrismus.” Microsoft® Encarta® 2007 [DVD]. Microsoft Corporation, 2006.)
Köck, P. & Ott, H. (1994). Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer, S. 155
Clauß G. (1976). Fachlexikon ABC Psychologie. Köln: Pahl-Rugenstein Verlag, S. 116
Böhm Adelheid (1994). Die Egozentrismus-konzeption Jean Piagets: R.G. Fischer Verlag (S. 85-88)
Josef & Gisela Schenk (1998). Kommunikation als Herausforderung im Alltag und in der Wissenschaft: Verlag Königshausen & Neumann (S. 208-210)



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  1. Eine Antwort auf “Egozentrismus”

  2. Ich merke jetzt in diesem Moment, dass ich diese Seite wesentlich häufiger besuchen müsste ;-) – da kommt der Leser wirklich auf krasse Einfälle

    By roulette spielen on Dez 1, 2010