[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Medienerziehung

Literatur

Hoppe-Graff, S. & Hye-On, K.(2002). Die Bedeutung der Medien für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. In Oerter, R. & Montada, L. (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 907-922). Weinheim: Beltz.

Nathanson, A. I. (2003). The effects of mediation content and form on children’s responses to violent television. Human Communication Research, 29, 111-134.

Züge, C., Möller, I., Meixner, S. & Scheithauer, H. (2008). Exzessive Mediennutzung und gewalthaltige Medien. In Scheithauer, H., Hayer, T. & Niebank, K. (Hrsg.), Problemverhalten und Gewalt im Jugendalter. Erscheinungsformen, Entstehungsbedingungen, Prävention und Intervention (S. 180-193). Stuttgart: Kohlhammer.

Weiner, J. (2011). „Medienkompetenz“ – Chimäre oder Universalkompetenz? APuZ 3.


Digitale Kompetenz ist inzwischen ebenso wie Lesen, Schreiben und Rechnen eine Kulturtechnik geworden, die für ein selbstbestimmtes Leben, berufliches Wirken und gesellschaftliche Teilhabe unabdingbar ist. Wer die Veränderungsprozesse einer globalisierten, kulturell vielfältigen und wissenschaftlich-technisch geprägten Welt verstehen und aktiv mitgestalten will, muss mit digitalen Medien reflektiert umgehen können, denn es gibt kaum noch einen Lebensbereich, der nicht mittel- oder unmittelbar von der Digitalisierung betroffen ist. Daher muss digitale Kompetenz auch selbstverständlicher Bestandteil der Allgemeinbildung sein, denn der Einsatz digitaler Medien bietet zahlreiche Möglichkeiten des individuellen Lernens. Die neuen Medien sind aber kein Allheilmittel, d.h., der kritische und reflektierte Umgang mit ihnen ist notwendigerweise zu erlernen. Verbote helfen übrigens nicht weiter, vielmehr sollten Kinder und insbesondere Jugendliche über die Chancen und Risiken digitaler Medien aufgeklärt werden, was etwa für den Umgang mit persönlichen Daten als auch für die Nutzung von Medien im Unterricht angeht. Der Konsum von Medien kann sich sowohl positiv als auch negativ auf den Lern- und Leistungsbereich auswirken. Fernsehen etwa erhöht den aktiven Wortschatz, bestimmte Videospiele trainieren das strategische und vernetzte Denken oder die räumliche Wahrnehmung. Beim exzessiven Gebrauch von Medien kommt jedoch die Verdrängungstheorie zur Geltung. Hiermit ist gemeint, dass die Zeit die für Medien verwendet wird nicht mehr für andere Aktivitäten wie Lernen zur Verfügung steht. Es wird vermutet, dass dies eine sowohl negative Auswirkung auf den Lernerfolg als auch auf die Lese- und Schreibfertigkeit hat (vgl. Züge et al. 2008, S 188).

Der Erwerb von Medienkompetenzen ist für Kinder und Jugendliche eine bedeutsame Entwicklungsaufgabe. Zum einen sind Kinder und Jugendliche den Medien nicht ausgesetzt, sondern interessiert daran, sich diese anzueignen und dadurch auch mehr Wissen und Erfahrungen zu sammeln und andererseits wird der kompetente Umgang mit den Medien in der heutigen Berufs- und Arbeitswelt erwartet. Die Bedeutung der Medienkompetenz in der heutigen Zeit wird dadurch ersichtlich. Daher ist es auch notwendig, den Kindern und Jugendlichen den verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu ermöglichen und zu erlernen und den Umgang mit Medien als eigenständige Entwicklungsaufgabe zu betrachten (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 911, 920).

Baacke (1997) untergliedert den erfolgreichen Erwerb der Medienkompetenz in vier Dimensionen: Die erste Dimension ist das Erlangen der Fähigkeit zu einer medienkritischen Haltung. Die zweite Dimension beschreibt das Wissen über heutige Medien, die dritte Dimension beinhaltet die Fähigkeit der bewussten Mediennutzung und die vierte Dimension äußert sich in der bewussten Mediengestaltung (vgl. Züge et al. 2008, S. 190). Die Medienkompetenz wird heute bereits als wichtige Schlüsselqualifikation betrachtet und erlangt in der Ausbildung immer mehr an Bedeutung (vgl. Züge et al. 2008, S. 190).

Handlungsmöglichkeiten für Eltern, Lehrer und Erzieher

Abgesehen davon, dass Kinder und Jugendliche heute einem unkontrollierbaren Medieneinfluss unterliegen, ist die den Eltern und LehrerInnen zugemutete Medienkompetenzvermittlung kaum zu leisten, denn sie sprengt den dafür zur Verfügung stehenden Zeitrahmen und übersteigt in vielen Fällen auch deren pädagogische Fähigkeiten, geistigen Kapazitäten und deren Wissenshorizont. Dabei wird von manchen Medienpädagogen die Medienkompetenz mehr und mehr zu einer Universalkompetenz der digitalen Gesellschaft aufgebläht, denn es gibt kaum ein problematisches soziales Phänomen, das nicht auf einen Mangel an Medienkompetenz zurückgeführt wird. Im übrigen erschöpft sich schulische Medienerziehung meist darin, dass die SchülerInnen lernen, mit den gängigen Officeprogrammen umzugehen, mäßig sicher im Internet zu surfen, problemlos E-Mails zu schreiben und vielleicht eine eigene Website zu erstellen, oft im Rahmen der sozialen Medien, die eine eigene Problematik hinsichtlich Medienkompetenz und Medienerziehung darstellen. Die Vermittlung von Fähigkeiten und Kenntnissen, die für die erfolgreiche Erschließung des im Internet zur Verfügung stehenden Informationsangebots unabdingbar notwendig sind, scheitert häufig schon an der geringen Lesefähigkeit und dem mangelnden Textverständnis vieler Kinder und Jugendlicher (Weiner, 2011).

Für Eltern wird es zunehmend schwieriger, das Mediennutzungsverhalten ihrer Kinder im Blick zu behalten, vor allem aufgrund der immer größeren Verbreitung mobiler Geräte. Dennoch haben Studien (Nathanson, 2003) gezeigt, dass Eltern viel zur Überwachung des Medienkonsums ihrer Kinder und der Vermittlung kritischer Nutzungskompetenzen beitragen und dadurch dem negativen Effekt von Mediengewalt entgegenwirken können.

Grundsätzlich kann der Schutz vor Medieninhalten, welche die Entwicklung der Kinder gefährden durch zwei Bereiche vollzogen werden. Der passive Schutz besteht in der gesetzlichen Verankerung wie der Kennzeichnungspflicht von Filmen und Spielprogrammen sowie dem Kinder- und Jugendschutz (vgl. Züge et al. 2008, S.188). Die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) hat die Aufgabe der Kennzeichnung von Filmen durch 5 Stufen. Stufe 1 ist jenes Filmmaterial, das ohne Altersbeschränkung freigegeben ist. Stufe 2 ist gekennzeichnet durch eine Freigabe ab sechs Jahren. Stufe 3 erlangt die Freigabe ab zwölf Jahren, Stufe 4 ab 16 Jahren und Stufe 5 erlangt keine Jugendfreigabe von Filmmaterial (vgl. Züge et al. 2008, S. 188f). Diese 5 Stufen sind für Eltern und Erzieher ein Richtmaß zur Orientierung und verhindern den Erwerb solchen Materials von Kindern, die diese Altersbeschränkung noch nicht erfüllen. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass Stufe 1 keine Gewaltszenen vorweist und für jeden völlig unbedenklich wäre. Speziell deshalb nicht, da jedes Kind individuell auf Medieninhalte reagiert, ist eine Kontrolle von Seiten der Eltern und Erzieher daher trotzdem notwendig (vgl. Züge et al. 2008, S. 188f). Der passive Schutz kann weiters dadurch erlangt werden, dass die Zugänglichkeit zu solchen Programmen für Kinder beschränkt wird. Eine gesetzliche Regelung, gewalthaltiges Filmmaterial nicht vor 22:00 Uhr zu senden, kann diese Beschränkung ermöglichen (vgl. Züge et al. 2008, S. 189).

Der passive Schutz kann jedoch nur als Unterstützung für den aktiven Schutz wirken, den vor allem Eltern und Erzieher ausüben sollten. Gerade diese Bezugspersonen können viel für eine positive Medienerziehung von Kindern und Jugendlichen beitragen. Im Folgenden werden 3 Regeln aufgezeigt, die Eltern beim aktiven Schutz unterstützen können (vgl. Züge et al. 2008, S. 189):

Die Bundeszentrale für politische Bildung in Deutschland gibt Eltern auf Grund der Ergebnisse von Forschungen folgende knappen Hinweise zum Medienkonsum von Grundschulkindern:

Siehe auch



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