[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Beispiel für eine systematische nicht teilnehmende Beobachtung

Hintergrund

Beobachtete Person: Mareike 5;4 J.
Beobachter: Praktikantin
Beobachtungsort: Kindergarten, Gruppenraum 
Beobachtungsanlass: Vorher wahrgenommene Kontaktschwierigkeiten des Kindes 
Gegenstand der Beobachtung: Überprüfung des Kontakt- und Sozialverhaltens bei M.

Vorgeschichte

Mareike wurde vor eineinhalb Jahren in den Kindergarten aufgenommen. Sie lebte vorher in einer anderen Stadt und ist nach der Trennung der Eltern mit ihrer Mutter zugezogen. Sie hat noch einen zwei Jahre älteren Bruder, der bereits in eine Grundschule geht. Die dreiköpfige Familie wohnt in einem großen Mehrfamilienhaus unweit des Kindergartens. Mareikes Sprachentwicklung ist zum Zeitpunkt der Beobachtung noch zurück. Sie verwendet teilweise noch kleinkindhafte Ausdrücke und verfügt nur über eine begrenzte Aufnahmefähigkeit verbaler Arbeitsanweisungen. Im Kontakt mit gleichaltrigen Kindern fällt auf, dass sie nur kurzfristig in der Lage ist, Spielkontakte zu knüpfen und  konzentriert ein Spiel durchzuhalten. 

Protokoll

Beobachtungstag: Di, 22.6.99
Beginn der Beobachtung: 9.56 Uhr
Ende: 10.19 Uhr 

9.56 / Mareike steht am Maltisch im Gruppenraum und bemalt mit großen schnellen Bewegungen ein Blatt Papier. (So wie ich aus 3 m Entfernung sehen kann, sind es bunte Linien, Kreise, diverse andere Formen.)

9.58 / Sie faltet das Blatt einmal zusammen, geht zu Petra (Erzieherin), gibt ihr das Blatt und sagt: "Ein Brief für dich, lies!" Petra liest (den imaginären Text): Liebe Petra, viele Grüße von Mareike." Sie gibt den Brief an Mareike zurück. Mareike lächelt (zufrieden). Sie geht zurück an den Tisch.

10.01 / Mareike geht (langsam) zurück in die Malecke, beugt sich über den Tisch und faltet den "Brief" erneut (diesmal etwas kleiner). Sie geht mit dem Papier zur Praktikantin, (die mit im Raum ist), und sagt: "Ich hab einen Brief". Sie faltet das Papier nochmals zusammen und gibt es der Praktikantin. Dann dreht Mareike sich um, geht zum Spielteppich, wo andere Kinder im Moment spielen.

10.03 / Sie bleibt in ca. 112 m Abstand einige Sekunden stehen, kommt zum Maltisch und faltet (hastig) ein weiteres Blatt. Sie schaut zur Erzieherin herüber und ruft: "Ich geh jetzt frühstücken." Mareike lässt das Blatt fallen und verlässt kurz den Raum. (Sie will zu ihrer Tasche im Flur.)

10.04 / Mareike betritt mit einer Frühstückstüte in der Hand wieder den Raum und geht (zielstrebig) zum Frühstückstisch. Sie setzt sich an den Frühstückstisch, wo bereits 2 andere Kinder - Christine und Nadine - und die Erzieherin sitzen

10.05 / Sie hält die Tüte hoch und fragt Petra (Erz.), die gerade Christine eine Apfelsine abschält, "Was habe ich mit?" Petra "errät" das in der Tüte befindliche Brötchen. Mareike öffnet (stolz, freudig") ihre Tüte und beißt ein kleines Stück Brötchen ab.

10.08/ (Unruhig) rutscht Mareike auf dem Stuhl hin und her, schaut sich im Zimmer um und spricht mit der kleineren Nadine, die ebenfalls frühstückt, über ihr Brötchen, das sie mit hat. Mareike bricht ein kleines Stück Brötchen ab und bietet es Petra an, die es dankend entgegennimmt. Den anderen Kindern am Tisch bietet sie in ähnlicher Weise kleine Brötchenstücke an. In kleinen Stückchen "knibbelt" Mareike am Brötchen und isst zuende. Sie faltet die Tüte zusammen.

10.12 / Mareike hat ihr Frühstück beendet. Circa eine Minute bleibt sie noch sitzen und schaut sich im Raum um. Sie steht auf und bringt das zusammengefaltete Papier in die Papiertonne in der anderen Ecke des Raumes. Sie geht durch den Raum, bleibt an einem Tisch stehen, wo 2 Jungen mit einem Holzpuzzle beschäftigt sind. Sie verweilt kurz und geht wieder zum Maltisch.

10.13 / Mareike steht neben der Erzieherin am Maltisch und entdeckt Markus unter dem Tisch. Sie bemerkt an Petra gewandt: " Markus ist da drunter." Sie bückt sich, kriecht unter den Tisch, kommt aber nach wenigen Sekunden wieder zum Vorschein.

10.14 / Mareike dreht sich um, holt ein Blatt Papier aus dem Beistellschrank am Maltisch und fragt Petra: "Machst du mir einen Drachen"" Nadine, die in der Nähe steht, mischt sich ein: " Das kann ich dir wohl auch zeigen." Beide falten den Drachen. Mareike malt ihrem Drachen ein Gesicht mit schnellen (kritzelhaften) Bewegungen. Dann malt sie auf Nadines Drachen Augen. Nadine protestiert. Jessica, ein weiteres Kind aus der Gruppe, fragt Mareike: "Soll ich dir eine Schultüte falten"" Mareike antwortet: "Ja." Jessica faltet eine  Schultüte und gibt diese Mareike. Mareike lächelt (freundlich).

10.19 / Ende der Beobachtung 


Inhaltsübersicht Forschungsmethoden der Psychologie und Pädagogik




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