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Die Behandlung von Schlafstörungen

Zur Behandlung von Schlafstörungen gibt es in der Psychologie eine Vielzahl von Strategien der Verhaltensänderung, Entspannung oder Psychotherapie. Diese Methoden zielen auf einen veränderten Umgang mit dem Schlaf. Hilfreich sind in manchen Fällen auch Schlafphasenwecker, die über die Feststelllung der Weckschwelle den richtigen Zeitpunkt zum Aufwachen finden.

Machen Sie vor der Lektüre vielleicht den Kleinen Test zur Tagesschläfrigkeit!

Schlafexperten raten, den Schlaf nicht als selbstverständliches Ende des Tages zu verstehen, sondern ihn vorsichtig zu inszenieren, d.h., möglichst zur gleichen Zeit zu Bett zu gehen, in ein gelüftetes und gut, aber nicht zu sehr geheiztes Zimmer, gekoppelt an ein entspannendes Einschlafritual. Auch die Temperatur der Füße sollte durch kühlende oder wärmende Maßnahmen auf ein angenehmes Niveau gebracht werden, weil die dort stark vertretenen Nervenenden das Wohlgefühl im gesamten Körper beeinflussen. Kürzer als eineinhalb Stunden vor der geplanten Nachtruhe noch Sport zu beitreiben ist keine gute Idee, denn das entstehende Adrenalin ist alles andere als einschläfernd. Auch Alkohol ist ein unterschätzter Einschlafverhinderer, denn man dämmert zwar durch die Entspannung zunächst leichter weg, doch die Aktivität des Körpers, der über Nacht daran arbeitet, den Alkohol zu verarbeiten, stört den Schlafprozess.

Feste Abendrituale können daher mancher Schlafstörung vorbeugen: entspannende Musik hören, kurzen Spaziergang einplanen. Streit nicht mit ins Bett nehmen. Sorgen aufschreiben und ablegen, bevor man ins Bett geht. Ein ansteigendes Fußbad mit dem Zusatz von Kamille, Lavendel, Baldrian oder Melisse wirkt ebenfalls schlaffördernd, nicht zuletzt durch die wärmende Wirkung auf die Füße.

Zur Behandlung nicht erholsamen Schlafes bietet die kognitive Verhaltenstherapie eine Reihe von Interventionen an, deren Wirksamkeit jedoch geringer ausgeprägt ist als etwa die für affektive Störungen und Angststörungen.

Stimulus-Kontrolltherapie

Ziel dieses Verfahrens ist es, dass das Zubettgehen wieder mit angenehmen Gefühlen und der Erfahrung einschlafen zu können, assoziativ verbunden wird. Viele Schlafgestörte versuchen verzweifelt einzuschlafen, wollen den Schlaf erzwingen und geraten so immer mehr in einen Zustand von Ärger und Erregung. Oft führt schon das Betreten des Schlafzimmers, spätestens das "Sich-ins-Bettlegen" wie bei einem trainierten Reflex zu vollständiger Wachheit. Das Bett wirkt dabei als Signal für die über lange Zeit gemachten Erfahrungen, in ihm nicht schlafen zu können, wach zu liegen, zu grübeln und sich zu ärgern.

Bei der Stimuluskontrolltherapie geht es darum, folgende Regeln einzuhalten:

 

Literatur

Abeln, V., Kleinert, J., Strüder, H.K. & Schneider, S. (2013). Brainwave entrainment for better sleep and post-sleep state of young elite soccer players – A pilot study. European Journal of Sport Science, doi: 10.1080/17461391.2013.819384.

Gieselmann, A., De Jong-Meyer, R. & Pietrowsky (2012). Schlaf und Selbststeuerung - Theoretische Annahmen und Praktische Implikationen. Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin, Heft 2.

Ngo, Hong-Viet V., Claussen, Jens Christian, Born, Jan & Mölle, Matthias (2012). Induction of slow oscillations by rhythmic acoustic stimulation. Journal of Sleep Research, 22, 22-31.

Nach neuesten Erkenntnissen zur Verhaltenstherapie bei Schlafstörungen sollten diese mit differenzierten Methoden behandelt werden. Während Betroffene mit guten Selbststeuerungskompetenzen (Handlungsorientierte) von Methoden der Stimuluskontrolle (konkrete Psychoedukation, Vermittlung von Schlafhygieneregeln, Tagesstrukturierung) profitieren, können für Menschen mit weniger guten Selbststeuerungskompetenzen (Lageorientierte) Methoden der Stimuluskontrolle geradezu kontraindiziert sein. Wenn nämlich die Regulation des negativen Affekts und entsprechend die Fähigkeit zur Selbstberuhigung beeinträchtigt ist, sollten Methoden der Entspannung und Achtsamkeit hilfreich sein, denn diese müssen zunächst entsprechende Strategien zur Loslösung von ungewünschten kognitiven und affektiven Lagen erlernen. Bei Beeinträchtigungen in beiden Dimensionen wäre im Einzelfall die Reihenfolge oder der spezielle Fokus zu wählen (Gieselmann et al., 2012).

In einer Tübinger Untersuchung in einem Schlaflabor spielte man den TeilnehmerInnen in der Tiefschlafphase immer dann einen Ton vor, wenn der Rhythmus ihrer Hirnaktivität das Maximum der Amplitude erreichte. Im Kontrollexperiment ertönte im Tiefschlaf nur ein wiederkehrender Ton, der nicht im Einklang mit dem Gehirnrhythmus stand. Hörten die ProbandInnen während des Tiefschlafs den synchronen Ton, verstärkte sich die Intensität ihrer Hirnwellen, und auch die Dauer der Tiefschlafphasen erhöhte sich, während bei den asynchronen Klängen dieser Effekt nicht auftrat. Man hofft, mit einer solchen Tonstimulation den Schlafrhythmus und damit die Schlafqualität beeinflussen bzw. auch verbessern zu können (Ngo et al., 2012).

Auch Sportler klagen häufig über Schlafprobleme, wobei guter Schlaf aber gerade bei ihnen für die Regeneration und Leistungsfähigkeit von enormer Bedeutung ist. Solche Schlafstörungen zu beheben ist daher ein wesentlicher Bestandteil einer umfassenden Athletenbetreuung. Während bei allgemein Schlafgestörten ein positiver Effekt von Tönen auf die Tiefschlaffrequenzen und die Schlafdauer nachgewiesen wurde, wurde dieser schlaffördernde Effekt nun auch in einer Gruppe von Leistungssportlern bekräftigt. Im Schlaf wurden dabei die Gehirnwellen durch modifizierte Audiosignale (binaurale Beats) mit schlaftypischen Frequenzen stimuliert. Die Stimulationsfrequenzen waren in elektronische Musik eingebettet und wurden über ein ergonomisch geformtes Kissen wiedergegeben. Innerhalb von acht Wochen verbesserte sich die subjektiv bewertete Schlaf- und Aufwachqualität sowie die morgendliche Befindlichkeit der Athleten signifikant. In der Kontrollgruppe zeigten sich hingegen keine Verbesserungen. Offensichtlich wirken sich diese psychologischen Verbesserungen auch auf physiologischer Ebene aus bzw. werden durch physiologische Veränderungen hervorgerufen (Abeln et al., 2013).

Schlafrestriktionstherapie - Schlafdiät

Bei dieser Methode wird den Schlafgestörten die Zeit zum Schlafen verknappt, sodass dann die Gedanken nicht mehr ums Schlafenmüssen kreisen, sondern darum, wann man endlich ins Bett darf. Eine gesunde Schlafdauer bei Erwachsenen liegt bekanntlich bei etwa sieben Stunden, egal, ob man Früh- oder Spätaufsteher ist. Manchmal muss man bei dieser Methode auch die maximale Schlafenszeit auf sechs oder auch auf fünf Stunden reduzieren. Dieses Verfahren zielt in einem verhaltenstherapeutischen Sinn darauf ab, das Fehlverhalten bei Schlafstörungen, das sich mit der Zeit bei langdauernden Schlafstörungen eingeschlichen hat, zu korrigieren. Dazu gehört auch z.B. wieder zu "verlernen", länger als erforderlich im Bett zu bleiben, um dadurch mehr Schlaf zu bekommen. Das "Schlaffenster" orientiert sich dabei an den Lebensgewohnheiten der Schlafgestörten, die vor Beginn der Behandlung ein Tagebuch führen müssen. Danach werden Einschlaf- und Aufstehzeit ermittelt: immer zur gleichen Zeit ins Bett und immer, auch an den freien Tagen, zur gleichen Zeit aufstehen. Viele Patienten müssen sich schon nach ein paar Tagen zum Wachbleiben zwingen. Sie dürfen auch nicht fernsehen, denn zu groß ist die Gefahr, dabei einzunicken. Durch das Schlafprotokoll wird sehr schnell das Missverhältnis zwischen der wirklichen Schlafzeit und der im Bett verbrachten Zeit verdeutlicht. Diese Methode ist sehr anstrengend und verlangt den festen Willen zur Mitarbeit von Seiten des Betroffenen. Viele können es nur umsetzen, wenn sie Urlaub haben und vorübergehende Einschränkungen ihrer Befindlichkeit am Tage in Kauf nehmen können.

Dabei soll der Schlafgestörte seinen Aufenthalt im Bett auf die Zeit begrenzen, die er glaubt in den letzten Nächten wirklich geschlafen zu haben. Er darf aber wenigstens viereinhalb Stunden schlafen. Tagesschlaf ist nicht erlaubt, so dass zu Beginn Müdigkeit und Schlafdruck zunächst deutlich zunehmen. Wenn der Patient über mehrere Nächte in der Woche zumindest 85% seiner im Bett verbrachten Zeit schläft, darf er eine Viertelstunde länger im Bett bleiben. In dieser Weise wird so lange verfahren, bis er die für ihn individuell richtige Schlafzeit erreicht hat. Während dieser Schlafdiät wird die innere Uhr neu programmiert, die nach langjährigen Schlafstörungen oft außer Takt geraten ist. Der Körper gewöhnt sich an das vorgegebene "Schlaffenster", merkt sich die Zeiten. In einem Schlaftagebuch notieren die Klienten, wie lange und wie gut sie geschlafen haben, aber auch, wie oft sie wach waren, ob sie vielleicht Medikamente genommen oder Alkohol konsumiert haben. Wichtig ist auch zu erreichen, dass das Bett nicht mehr als stressiger Ort empfunden wird.

Entspannungsverfahren

können ebenfalls dazu beitragen Ruhe und Entspannung herbeizuführen. Die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson ist leicht zu erlernen und hat sich gut bewährt. Dabei werden bestimmte Muskelgruppen für eine kurze Zeit angespannt und dann wieder locker gelassen. Über die dadurch eintretende körperliche Entspannung kann sich auch eine geistige Entspannung ergeben.

Ein weiteres Entspannungsverfahren ist das Ruhebild. Sie stellen sich eine besonders angenehme Situation vor, beispielsweise einen schönen Sommertag am Strand. Vor Ihren Augen lassen Sie die entsprechenden Bilder von Sonne, Wärme, Möwen usw. entstehen. Überlegen Sie was Sie mit Ihren Sinnen wahrnehmen: hören, sehen, riechen, spüren, schmecken. So können Sie in ein beruhigendes Bild "eintauchen" und dabei abschalten.

Entspannungstechniken muss man jedoch systematisch und regelmäßig betreiben, und nicht bloß ein-, zweimal ausprobieren!

Eine Entspannungsübung nach Jin Shin Jyutsu

Manche Menschen können nicht einschlafen, vor allem, wenn Sie grübelnd und besorgt auf den Tag zurückblicken oder an den nächsten Tag oder die Zukunft denken, und ihre Gedanken nicht zur Ruhe kommen wollen. Eine etwas esoterisch angehauchte Übung stammt aus dem Jin Shin Jyutsu oder Strömen, einer östlichen Technik, die nach eigenen Angaben auf dem Wissen beruht, dass alle Leiden und Krankheiten aus einem Mangel an Harmonie im menschlichen Körper entstehen. Für das Jin Shin Jyutsu ist daher auch die Schlafstörung ein Ungleichgewicht von Energien im Körper, sodass es mit Strömen gilt, dieses gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen. Bei Schlafstörungen hält man daher am besten den Daumen einer Hand mit der anderen Hand leicht umklammert, und wechselt nach etwa fünf Minuten die Hand und hält den anderen Daumen, nach weiteren fünf Minuten wechselt man wieder zurück usw. Nach einigen Wechseln sollte man dann eingeschlafen sein.

Prävention vor Schlafstörungen

Es empfiehlt sich, bereits am Nachmittag eine halbe Stunde Zeit zum Reflektieren des Tagesgeschehens zu nehmen, etwa indem man sich fragt: "Wie war der Tag heute?" "Was habe ich für die nächsten Tage vor?" Stellt man sich solche Fragen erst abends im Bett vor dem EInschlagen, dann wird dieses zur Qual. Hat man einmal die Angst vor dem Nichtschlafenkönnen verinnerlicht, dann wird das Bett zum unbesiegbaren Gegner!

Hausmittel gegen Schlafstörungen

Die Hausmittel der früheren Generationen waren etwa eine Tasse Tee mit Baldrian oder Zitronenmelisse, ein Glas warmer Milch mit Honig oder Anis, aber auch saure Milch zum Abendessen sollte gegen Einschlafprobleme helfen. Geradezu Wunder wirken sollen auch Zwiebeln in Milch aufgekocht oder roh zu sich genommen. Auch nach einem Glas Bier soll der Schlaf kommen, da Hopfen müde macht. Man kann die Wirkung des Hopfen noch verstärken, indem man das Bier erwärmt und es mit etwas Honig süßt. Aus der Kneippkur stammen kalte Ganzkörperwaschungen, nach denen man sich ohne abzutrocknen ins Bett legt. Auch kalte Wadenwickel oder Arm- und Kniegüsse werden empfohlen. Ein altes Hausmmittel ist auch ein mit Rosenöl benetzter Wattebausch, den man neben das Kopfkissen legt. In manchen Naturläden findet man Polster mit Brennnesselblättern oder Säckchen gefüllt mit Hopfen, Johanniskraut und Lavendel. Diese legt man auf die Brust oder unter den Kopf, sodass durch die Wärme des Körpers beruhigende Düfte freigesetzt werden. Inwieweit hier Placeboeffekte wirksam werden, mag dahingestellt bleiben, solange es tatsächlich hilft …

Siehe auch 5-Minuten-Basisübung für Meditationseinsteiger und Übung aus dem Yoga-Kreis

Schlafmittel

Schlafmittel sorgen nur kurzfristig für besseren Schlaf, aber sie lösen in der Regel das Problem des Einschlafens nicht und bergen immer auch die große Gefahr der Abhängigkeit. Selbst wenn sich keine körperliche Sucht aus der regelmäßigen Einnahme entwickelt, kann sich die Psyche schnell an die Medikamente gewöhnen, denn es entwickelt sich allmählich die Überzeugung, ohne Tablette nicht mehr schlafen zu können, was in der Regel neue Schlaflosigkeit verursacht - der berühmte Teufelskreis stellt sich ein. Dieses psychische Suchtrisiko bergen nicht nur die chemischen Schlafanbahner sondern auch Naturpräparate wie Baldrian, Zotronenmelisse oder Hopfen.
Barbiturate waren früher das Hauptmedikament, doch werden sie wegen Suchtgefahr, Gewöhnungseffekt und atembehindernder Wirkung kaum noch verwendet. Sie gehören zu den schlaferzwingenden Mitteln und verändern den natürlichen Schlafablauf stark und können bei Überdosierung und gleichzeitigem Alkoholgenuss sogar lebensbedrohlich werden. Die Wirkung der Benzodiazepine lässt bei täglichem Schlafmittelgebrauchs in der Wirkung nach, es werden immer mehr Tabletten notwendig, um dieselbe Wirkung zu erzielen und der Schlafgestörte entwickelt eine Tablettenabhängigkeit. Wenn Schlafmittel über eine längere Zeit eingenommen wurden, müssen sie nur ärztlicher Aufsicht langsam abgesetzt werden, um die Entzugssymptomatik und die Absetz-Schlaflosigkeit (Rebound-Effekt) - die Schlaflosigkeit tritt sofort nach Absetzen der Tabletten wieder auf, häufig sogar verstärkt.

Zwar ist das Suchtrisiko bei den neuesten Wirkstoffen nicht mehr so hoch wie bei früheren, dennoch sollten Medikamente nie über einen längeren Zeitraum hin eingenommen werden. Schlafmittel sind Psychopharmaka, wirken also im Gehirn und verändern dort einige Regelkreise, wie etwa die Benzodiazepine, die massiv in die Gehirnchemie eingreifen und schnell abhängig machen. Oft werden auch niedrig dosierte Antidepressiva verschrieben hat, die aber mehr Nebenwirkungen als die neueren Schlafmittel zeigen. Neuere Medikamente erzwingen zwar wie die härteren Drogen den Schlaf nicht, sondern bahnen ihn nur an, sodass das Einschlafen leichter gelingt. Doch auch diese Substanzen greifen in die natürliche Schlafchemie ein, indem sie die Gehirnaktivität herunterregeln, indem sie den körpereigenen Botenstoff Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) und dessen schlaffördernde Wirkung verstärken Chemische Eingriffe in den natürlichen Schlafablauf haben immer Nebenwirkungen, so etwa fühlt man sich am nächsten Tag manchmal unkonzentriert, schwindelig oder schläfrig, das Reaktionsvermögen ist eingeschränkt, was etwa beim Autofahren gefährlich ist. Chemischen Substanzen verschlechtern die Architektur des Schlafes, denn die stärkeren Schlafmittel unterdrücken den erholsamen Tiefschlaf und auch die REM-Phasen. Antidepressiva, verkürzen besonders die REM-Phasen, verändern jedoch nicht den etwa für das Lernen wichtigen Tiefschlaf.

ADHS und Schlafprobleme

Kinder und Erwachsene mit ADHS leiden oft unter Schlafproblemen, wobei diese meist täglich aufteten. Die Betroffenen sollten rechtzeitig mit dem Bett gehen beginnen, wobei Schlafenszeitroutinen, gleichmäßige Abläufe und ihre konquente Durchführung wichtig sind. Günstig für solche Rituale sind auch entspannende Aktivitäten, wie ein Bad nehmen, Lesen, Meditieren oder sogar Fernsehen, solange keine zu starken Eindrücke entstehen. Zum optimalen Schlaf gehören natürlich die richtige Temperatur sowie eine gute Matratze, die alle Geräusche vermindert. Kinder und Erwachsene mit ADHS reagieren nämlich äußerst empfindlich auf kleinste Störungen. Auch Gerüche wie Lavendel, Baldrian, Johanniskraut in Duftkissen können solche Rituale verstärken.

Nächtliches Wachwerden, Probleme und Alpträume

Nächtliches Wachwerden ist häufig ein Zeichen für Stress und unverarbeitete Probleme, wobei manche Schläfer mehr als fünfundzwanzig Mal pro Nacht wach werden, doch in der Regel werden diese Wachmomente vergessen und man schäft problemlos wieder ein. Belastend werden solche Wachphasen nur dann, wenn der Betroffene im Bett liegt und sich darüber ärgert, wieder einmal zu wenig zu schlafen. Meist liegt es daran, dass man Probleme und Stress des Tages nicht abschließen kann und sie mit in den Schlaf nimmt. Statt sich im Nachtschlaf zu erholen, arbeitet das Gehirn auf Hochtouren, wälzt Probleme und registriert normale Wachphasen durch die erhöhte Anspannung sofort als weitere Störung. Bei immer wiederkehrenden Alpträumen, die ein Signal für unverarbeitete und belastende Konflikte sind, sollte man versuchen, den Traum bewusst weiterzuträumen (Stichwort: luzides Träumen) und zu versuchen, sich ein gutes Ende für den Alptraum auszudenken und sich diese Geschichte immer wieder in Erinnerung zu rufen. Durch eine solche positive Wiederholung lernt das Gehirn allmählich, die Spannung abzubauen und der Schlaf wird langsam wieder ruhiger.

Schlafstörungen nach Traumata

Baran et al. haben in einem Experiment überprüft, welche Funktion Schlaflosigkeit nach Traumata haben könnte. Sie zeigte 108 Männer und Frauen zwischen 18 und 30 Jahren das Video einer verstörenden Situation (schwerer Unfall). Ein paar Tage später, nachdem ein Teil der ProbandInnen nachts immer wieder geweckt worden war und danach einige Zeit benötigte, um wieder einzuschlafen, und der andere Teil durchschlafen konnte, wurde das traumatisierende Video abermals gezeigt, wobei die Durchschlafenden beim zweiten Betrachten des Videos schockierter waren als jene, die nachts geweckt worden waren. Offensichtlich wird man durch Schlaflosigkeit nach einem traumatischen Erlebnis davor schützt, dass sich diese Erlebnisse ins Gedächtnis einprägen. Rebecca Spencer: “This study suggests the biological response we have after trauma might actually be a healthy. Perhaps letting people go through a period of insomnia before feeding them sleeping meds is actually beneficial (…) Just because we have a bad day doesn’t mean we should stay awake. We need to maintain some memories and emotional context to know what to avoid. We do learn something from them.”

Literatur
Baran, B., Pace-Schott, E. F., Ericson, C. & Spencer, R. M. C. (2012). Processing of emotional reactivity and emotional memory over sleep.  Journal of Neuroscience, 32:1035-42.

Sorgen vor dem zu Bett gehen über die Schulter werfen

Eine gute Möglichkeit, die Last eines Tages, die einem am Einschlafen hindert, diese hinter sich zu lassen, indem man den Schulterwurf durchführt, d. h., symbolisch wirft man alles, was an diesem Tag gestört hat, einfach hinter sich. Das macht man dann so lange, bis man das Gefühl hat, dass man jetzt ohne diese Sorgen schlafen kann.

Ferber-Methode für Einschlafstörungen bei Kindern

Die Ferber-Methode ist eine Art Einschlafhilfe für Kinder über einem halben Jahr. Entwickelt hat sie der amerikanische Kinderarzt Richard Ferber, als er feststellte, dass die Eltern selbst ihren Kindern manchmal ungewollt schlechte Schlafgewohnheiten beibringen. Seine Lösung: Das Kind wird stets wach und jeden Abend zur gleichen Zeit zu Bett gebracht, jedoch mit einem regelmäßigen Einschlafritual.

Kurioses zum Thema Schlafstörungen: Weighted Blankets

Gegen Schlafstörungen sollen auch „Weighted Blankets“ wirken, künstlich beschwerte Decken, die sich wie eine Umarmung um den Körper schmiegen. Gefüllt sind sie mit Granulat, das mit der Bewegung des Körpers mitgeht und ihn umhüllt. Entwickelt wurden diese Decken schon Ende der 1990er Jahre für hyperaktive Kinder, die unter der acht bis zehn Kilogramm schweren Last abends angeblich leichter zur Ruhe kommen, doch in letzter Zeit werden sie aber auch von Erwachsenen mit Schlafproblemen gekauft, die sich darunter geborgener fühlen.

Apnoe Schlafstörung NarkolepsieRegeln der Schlafhygiene

Falsche Vorstellungen von gesundem Schlaf können unter Umständen zu Schlafstörungen führen. Deswegen ist eine umfassende Information über den gesunden und gestörten Schlaf von großer Bedeutung.

 

Warum Männer schlafloser sind als Frauen

Quelle:
http://www.uni-marburg.de/
sleep/dgsm/fachinfo/tutorial/
fragen/f025.htm (05-11-20)
Unter den von einer chronischen Schlaflosigkeit betroffenen Menschen über 40 Jahre ergibt sich ein Verhältnis der Geschlechter von etwa 7-8 Frauen auf einen Mann. Die Gründe für dieses Ungleichgewicht sind bisher nicht bekannt. In diesem Zusammenhang wurden Menopause, erwachsene und das Zuhause verlassende Kinder (»leeres-Nest« - Syndrom) und andere Auswirkungen bestimmter Lebensphasen angeführt. Bei Einbeziehung aller Altersgruppen schlafen jedoch Männer im Durchschnitt wesentlich schlechter als Frauen. Einer der Hauptgründe dafür ist die deutlich stärkere Veranlagung zu schlafassoziierten Atemstörungen. Männliche Säuglinge haben im Gegensatz zu weiblichen von Geburt an häufiger Atemschwierigkeiten und erliegen häufiger dem plötzlichen Kindstod. Mediziner machen hierfür z. T das weibliche Hormon Progesteron verantwortlich, das möglicherweise durch einen bislang ungeklärten Mechanismus vor im Schlaf auftretenden Atemstörungen schützt. Männer, die sich rühmen, auch ein Bombeneinschlag könne ihren Schlaf nicht stören, können genau besehen sogar krank sein. Diese so »kontrollierbare« Entspanntheit, so daß man »überall« und zu »jeder Zeit« gut schläft, könnte viel eher ein Zeichen einer eingeschränkten Atmung und dadurch bedingter Schlafunterbrechungen sein. Daraus folgt eine anhaltende Schläfrigkeit, die einen Zustand vollständigen Wachseins praktisch ausschließt. Die Betroffenen sind nicht in der Lage, ihren Schlaf auf feste Zeiten innerhalb des 24-Stunden-Tages zu beschränken.

Während der Menopause findet eine Reihe hormoneller Veränderungen statt, die mit Schlafproblemen verbunden zu sein scheinen. Menopausale und postrnenopausale Frauen klagen häufiger über Schlaflosigkeit als Männer vergleichbaren Alters. Nach dem 65. Lebensjahr aber werden diese geschlechtsbezogenen Unterschiede von im Schlaf auftretenden Atemstörungen wesentlich geringer. Der statistische Unterschied zwischen den Geschlechtern gleicht sich mit zunehmendem Alter aus.

Dies ist nur ein Beispiel für zahlreiche Antworten auf Fragen zum Schlaf aus dem Ratgeber des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums Hessen.

Schlafstörung Narkolepsie

Eine evolutionäre Erklärung der Differenz im Schlafverhalten von Männern und Frauen findet sich hier: Wenn Männer und Frauen nebeneinander schlafen.

Ebenfalls empfehlenswert der Ratgeber für Parienten "Schlafstörungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten"

(http://www.charite.de/dgsm/rat/welcome.html)

 


Nachdem Studien aufgezeigt hatten, wie tief der Schlaf in den Stoffwechsel eingreift, ist man heute überzeugt, dass sich Schlafstörungen multiorganisch auswirken. Schlafmangel führt schon nach kurzer Zeit dazu, dass der Körper Glukose schlechter verwerten kann, was zu Diabetes führen kann. Eine kurze Schlafdauer, auch schon bei Kindern, kann auch zu einer später auftretenden Adipositas führen. Gesichert ist, dass der Schlafprozess über Hormone gesteuert wird, wobei Schlafstörungen den Hormonhaushalt durcheinanderbringen. Da auch Diabetes hormonell gesteuert wird, zeigen Menschen mit zu wenig Schlaf eine Abnormalität in der Produktion des Hormons Leptin, das Hungergefühle hemmt und eine Rolle bei der Regulierung des Fettstoffwechsels spielt.

Laut Österreichischer Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung (ÖGSM) leiden 25% der Bevölkerung in Österreich an Schlafstörungen. Gut zehn Prozent leiden an Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien), zwei Drittel davon sind Frauen ab 40. Nächtliche Atemstörungen, vor allem die Apnoe (Aussetzen der Atmung) betrifft etwa zwei Prozent der Bevölkerung, davon 70% Männer. Bei motorischen Schlafstörungen ist das Restless-Legs-Syndrom am häufigsten (4% der Bevölkerung). Schlafwandeln (eine Form der Parasomnie) weisen 15 Prozent der Kinder und ein Prozent der Erwachsenen auf.

Ratgeber für Menschen mit Schlafstörungen und den möglichen Behandlungsmethoden
Das Inhaltsverzeichnis der site:

  • Der Schlaf und Empfehlungen zum Schlaf
    • Zirkadiane Rhythmik
    • Schlafprobleme bei Schichtarbeit
    • Schlafhygiene
  • Schlafstörungen
    • Insomnie
    • Parasonmnien
    • Syndrom der ruhelosen Beine und periodische
    • Gliedmaßenbewegungen
    • Narkolepsie
    • Schlaf und Depression
  • Schlafstörungen bei spezifischen Gruppen
    • "Mein Kind kann nicht schlafen..."
    • Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen
    • Der spezifische Schlaf von Frauen
    • Schlaf im Alter
  • Schlaf und Atmung
    • Schlafapnoe und Schnarchen
    • Syndrom der Obstruktiven Schlafapnoe
    • Positive Überdruckbeatmung zur Behandlung von Schlafapnoe
  • Das Schlaflabor
  • Die Untersuchung im Schlaflabor

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Überblick Hypertext "Der Schlaf"




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