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Keine Macht den Drogen - No DrugsDrogen

Der Begriff "Drogen" leitet sich vom Adjektiv "trocken" ab. Ursprünglich bezeichnete er getrocknete Pflanzen und Pflanzenteile, die für Heilzwecke, als Stimulantia oder auch als Gewürze genutzt wurden. Das Wort Drogen gehört übrigens zu den von einer Jury gewählten Wörtern des 20. Jahrhunderts.

Als Drogen bezeichnet man jene psychotrope Substanzen bzw. Stoffe, die durch ihre chemische Zusammensetzung auf das Gehirn bzw. das Zentralnervensystem einwirken und dadurch auf das Denken, Fühlen, die Wahrnehmung und das Verhalten direkt Einfluß nehmen. Als Drogensucht wird die Abhängigkeit von Drogen und damit der Zwang zur ständigen Zufuhr eines chemischen Stoffes verstanden, der kein Nahrungsmittel sowie nicht lebensnotwendig ist. Die dabei auftretenden Symptome werden als Abhängigkeitssyndrom bzw. das Phänomen als pharmakologische Abhängigkeit bezeichnet. Dieser chemische Stoff kann auch ein körpereigener Stoff sein, der beispielsweise bei sportlicher oder sexueller Betätigung ausgeschüttet wird, die Übergänge zu nichtstofflichen Abhängigkeiten (abhängige Persönlichkeitsstörungen, ...) sind dabei fließend. Bei einer physisch bedingten Sucht treten in jedem Fall beim Absetzen des süchtig machenden Vorganges (meist der Stoffaufnahme) echte Entzugserscheinungen auf, weil die Droge Teil des normalen Stoffwechsels geworden ist.

Drogen werden in verschiedene Gruppen eingeteilt:

Nüchternheits-/Leistungsdrogen
Leistungsdrogen haben eine anregenden Wirkung auf den Organismus. Dieser wird durch eine verstärkte Ausschüttung von Stresshormonen (z.B. Dopamin) bewirkt, was sich in einer Erhöhung des Blutdrucks, verstärkter Muskelaktivität bis zum Zittern, geringerem Schlafbedürfnis und weniger Hunger ausdrückt. Ihr Wirkungsspektrum reicht von leichten Anregungszuständen bis zu Omnipotenzgefühlen. Nach dem Abklingen der Wirkung können unter Umständen Gefühle körperlichen Ausgelaugtseins und depressive Verstimmungen auftreten. Zu dieser Gruppe gehören Stoffe wie Koffein, Kokain, Nikotin, Thein. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2001 an 11.000 College-Schülern in den USA gaben vier Prozent der Befragten zu, mindestens einmal illegal verschreibungspflichtige Stimulanzien genommen zu haben. An manchen Schulen gab sogar jeder vierte Befragte solche Erfahrungen zu.

Hypnotika und Sedativa
Schlaf- und Beruhigungsmittel bewirken ein Herunterfahren körperlicher oder geistiger Aktivität. Der Stoffwechsel wird verlangsamt, Angstzustände und Depressionen werden nicht oder kaum mehr wahrgenommen. Deshalb werden diese Stoffe auch aus "Downer" bezeichnet. Auch nach dem Abklingen der unmittelbaren Wirkung können Müdigkeit, Benommenheit und Kreislaufschwäche auftreten. Zu dieser Gruppe zählen Alkohol, Barbiturate, Benzodiazepine (wie z.B. Valium).

Halluzinogene
Halluzinogene sind Stoffe, die eine sogenannte "bewußtseinserweiternde" Wirkung haben können. Ihre Wirkung beruht auf der Ähnlichkeit mit dem Botenstoff Serotonin, der eine Reizüberflutung des Gehirns verhindert. Durch die nach der Einnahme von Halluzinogenen hervorgerufene Reizüberflutung kommt es zu optischen, akustischen oder emotionalen Halluzinationen, die sich z.B. in besonders intensiver Farb- oder Musikwahrnehmung bis hin zu den viel beschriebenen "rosa Elephanten" ausdrücken kann. Negative äußere Einflüsse oder auch Unwohlsein bei der Einnahme können allerdings auch sogenannte "Horror-Trips" auslösen, die durch Angstzustände und Panikattacken gekennzeichnet sind. Die bekanntesten Halluzinogene sind Cannabis (Marihuana, Haschisch), Psilocybin, Meskalin und LSD.

Opiate
Opiate sind das im Schlafmohn enthaltene Opium und seine Derivate. Ihre Wirkung beruht auf ihrer großen Ähnlichkeit mit den Endorphinen. Diese sind natürliche Botenstoffe des Menschen, welche durch die Hirnangangsdrüse ausgeschüttet werden und Wohlbefinden und Glückszustände auslösen. Deshalb werden sie auch oft als "Glückshormone" bezeichnet. Die Zufuhr von Opiaten wird durch den Organismus als eine starke Steigerung des Endorphinspiegels wahrgenommen. Da sich dem Körper auf diese Weise weit mehr "Glückshormone" zuführen lassen, als dieser in der Lage ist, selbst zu produzieren, lassen sich mit den Opiaten derart starke Zustände von Wohlbefinden erzeugen, daß das Verlangen nach wiederholtem Konsum sehr schnell eintreten kann. Das Absetzen von Opiaten führt zu starken Depressionen, Magenkrämpfen, Schwitzen und Muskelzittern. Die bekanntesten Opiate sind Opium, Morphin, Codein und Heroin.

Wissenschafter der Universität Bristol haben 20 der populärsten Drogen untersucht und nach ihrer Gefährlichkeit geordnet. In die Beurteilung der Drogen flossen Faktoren ein wie lang- und kurzfristige körperliche sowie seelische Folgen, der psychische und physische Suchteffekt und die sozialen Schäden, die die Drogen anrichten. Heroin liegt an erster Stelle des Rankings, es folgen Kokain, Barbiturate, die als Beruhigungs- und Schlafmittel verordnet werden, sowie der Heroinersatzstoff Methadon. Auf Rang fünf liegt der Alkohol, die mit Abstand am weitesten verbreitete Droge. Er rangiert so weit oben wegen seiner massiven körperlichen Langzeitschäden sowie wegen seiner zerstörerischen sozialen Wirkung besonders weit vorne. Als zweitgefährlichste frei verkäufliche Droge liegt Tabak auf Platz neun, während die illegalen Rauschmittel Cannabis, LSD, Liquid Ecstasy und Ecstasy lediglich die Plätze elf, 14, 17 und 18 belegen. Damit widersprechen die Experten in vielen Punkten den europäischen Gesundheitsbehörden, die Drogen wie Heroin, LSD und Ecstasy als besonders schädlich einstuft, während Alkohol und Tabak in der Klassifizierung der englischen Behörden gar nicht auftauchen (Quelle: OÖNachrichten vom 12.3.2008).

Wirkung metabotroper Rezeptoren: Suchtmittel hinterlassen Spuren im Gehirn, denn nach der Einnahme einer Droge kommt es zu einer verstärkten Reizübertragung im Gehirn, wobei biochemische Prozesse wie beim Lernen die Synapsen langfristig verändern (drogenvermittelte synaptische Plastizität), sodass sich mit der Zeit ein zwanghaftes Verlangen nach der Droge entwickelt (Sucht). Lüscher & Bellone (2008) konnten bei Kokain zeigen, dass sich diese durch Drogen hervorgerufene Plastizität wieder rückgängig machen lässt. Sie entdeckten Proteine (metabotrope Rezeptoren) im Gehirn, die als eine Art Verteidigungssystem gegen Sucht dienen, indem sie das Verlangen nach der Droge reduzieren. Diese Forschungen erklären möglicherweise, weshalb manche Menschen besonders suchtanfällig sind und andere weniger. Sind die metabotropen Rezeptoren nämlich zu wenig ausgeprägt, können die Betroffenen das Verlangen nach der Droge nicht mehr kontrollieren. Möglicherweise hängt dieses biochemische Verteidigungssystem von genetischen Voraussetzungen ab.

Wirkung von der Art des Drogenkonsums abhängig

Der Weg in den Körper ist ein wichtiger Faktor für das Suchtpotenzial einer Substanz, denn wenn Substanzen geraucht oder injiziert werden, steigt und fällt die Menge im Gehirn rasanter als bei Geschnupftem oder Geschlucktem, was vor allem für Kokain gilt. Wird Kokain gespritzt, tritt die maximale Berauschung innerhalb von einer bis fünf Minuten auf, wurde die Droge geschnupft, tritt der Höhepunkt erst nach fünfzehn bis zwanzig Minuten auf. Das Gehirn ist offensichtlich ein Organ, das auf Veränderungen reagiert, d. h., je schneller die Veränderung, desto stärker auch die Veränderung im Gehirn, wobei einige dieser Veränderungen die Droge immer unwiderstehlicher bis hin zur Abhängigkeit machen. Diese Zusammenhänge lassen sich auch bei Nikotin beobachten, denn beim Rauchen einer Zigarette steigen und fallen die Nikotinlevel im Gehirn sehr schnell, während bei einem Nikotin-Pflaster der Anstieg langsam erfolgt und stabil bleibt. Daher kann das Rauchen eher abhängig machen, Pflaster hingegen eher nicht. Im Übrigen führen fast alle Drogenformen zu Abhängigkeit, sodass es wichtig ist zu wissen, dass das Rauchen oder Injizieren einer Substanz das Risiko exponentiell ansteigen lässt.

Legale und gesellschaftlich akzeptierte Drogen (Kulturdrogen)

Alkohol (Ethanol) - Nikotin - Koffein (Trimethylxanthin)

Quelle: Personality and Individual Differences
Jones, S.R., Fernyhough, C., & Meads, D. (2009). In a dark time: Development, validation, and correlates of the Durham hypnagogic and hypnopompic hallucinations questionnaire. Personality and Individual Differences, 46, 30-34.

Die häufigsten Drogen

Anabole Steroide

Anabole Steroide wurden in den späten 1930er Jahren entwickelt und zunächst medizinisch zur Behandlung von "Hodenunterfunktion" eingesetzt. Etwas später erkannten ForscherInnen, daß anabole Steroide das Wachstum der Skelettmuskulatur beschleunigen. Aus diesem Grund wurden Steroide in den letzten Jahrzehnten vermehrt benützt, um die sportliche Leistungsfähigkeit zu steigern und einen "athletischen Körper" heranzubilden. Anabol wirkende Steroide wurden zunächst in den Vereinigten Staaten als Substanzen mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial eingestuft und in der Folge in das Verzeichnis der staatlich kontrollierten Substanzen aufgenommen. Medizinisch wurden Steroide in der Vergangenheit zur Behandlung von Untergewicht, Appetitlosigkeit, Altersschwäche, Osteoporose und zur rascheren Heilung nach schweren Operationen eingesetzt. Heute kommen anabole Steroide in der Medizin vor allem bei der Therapie der sogeannten "aplastischen Anämie", einer speziellen Form der Blutarmut und bei schwerem Muskelschwund nach Verletzungen zum Einsatz.

Quelle:
http://www.checkyourdrugs.at/data/substanzen/steroide/01/index.html (01-07-07)

Gammahydroxybuttersäure (GHB, Liquid ecstasy)

Gammahydroxybuttersäure (GHB) - in der Clubszene unter Liquid Ecstasy, Flüssiges Ecstasy, Flüssiges oder Fantasy bekannt - wurde vor mehr als 30 Jahren vom französischen Wissenschaftler Laborit zum ersten Mal künstlich hergestellt, als er sich intensiv mit dem GHB-ähnlichen Neurotransmitter GABA beschäftigte. Ecstasy und "flüssiges Ecstasy" führen zwar unter gewissen Umständen zu ähnlichen Wirkungen, haben aber chemisch gesehen nichts miteinander zu tun: Die Bezeichnung "liquid ecstasy" ist eine Marketingmaßnahme. In der Medizin ist GHB in der Anästhesie als Narkosemittel und als Hilfsmedikament beim Alkoholentzug eingesetzt worden - hauptsächlich um das starke Verlangen nach Alkohol und Symptome wie Ängstlichkeit zu verringern. Wegen ihrer muskelentspannenden Wirkung wird GHB vereinzelt auch zur Geburtsunterstützung eingesetzt. Als Schlafmittel konnte sich GHB nicht durchsetzen, da Betroffene aufgrund der spezifischen Wirkweise nach 3 Stunden abrupt wieder aufwachen. Aufgrund ihrer Nebenwirkungen verliert GHB in der Medizin rasch an Wichtigkeit. Innerhalb der Bodybuilder-Szene und von Leistungsportlern wird sie allerdings - vor allem in den U.S.A - zur Förderung der Wachstumshormone eingesetzt. Nach ersten Vergiftungsfällen aufgrund von Überdosierungen und der gleichzeitigen Einnahme weiterer Mittel, sowie einzelnen Meldungen über Todesfälle kommt es in den Vereinigten Staaten neben dem Verbot von GHB als Dopingmittel ab Ende 1990 zu einer generellen Einschränkung des freien Verkaufs von GHB. Anfang 2000 wird GHB schließlich ins amerikanische Suchtmittelgesetz aufgenommen. Mitte der 90er Jahre ist GHB zuerst in der englischen Club-Szene und seitdem in mehreren europäischen Staaten - so auch vereinzelt in Österreich - aufgetaucht.

K.O.-Tropfen

Gammahydroxybuttersäure wird auch häufig in Form von K.o.-Tropfen missbraucht. Gewonnen werden solche Tropfenmanchmal aus einem Putzmittel, das von Süchtigen auch als Drogenersatz verwendet wird, allerdings mit zahlreichen Nebenwirkungen. Andere Substanzen, die ähnlich wirken und ebenfalls als K.o.-Tropfen missbraucht werden, sind Opiate und Benzodiazepine.
Liquid Ecstasy ist praktisch geschmack- und geruchlos, daher nur in Wasser bemerkbar, während in süßen und alkoholischen Getränken der Geschmack überdeckt wird. Anzeichen wie übertriebene Fröhlichkeit oder starke Übelkeit treten bei K.o.-Tropfen schneller auf, als durch den Konsum von alkoholischen Getränken. Etwa zehn Minuten, nachdem sie in den Körper gelangt sind, wird den Betroffenen übel, es folgen Schwindel und Benommenheit bis zur tiefen Bewusstlosigkeit. Wie das Mittel wirkt, hängt nicht nur von der Dosierung, sondern auch von der körperlichen Konstitution ab und ob die Betroffenen vorher etwas gegessen haben, wobei Alkohol die Wirkung noch verstärkt. Ab dem Einsetzen der Wirkung kann sich der Betroffene später an nichts mehr erinnern, was auch als Filmriss bezeichnet wird. Gefährlich an K.O.-Tropfen ist auch, dass TäterInnen nicht wissen, wie die Tropfen zu dosieren sind, denn bei einem Zuviel der Droge besteht die Gefahr eines Atemstillstands, sodass eine Überdosierung von Liquid Ecstasy ohne Behandlung tödlich enden kann.

Keiner Kontrolle unterliegende Drogen

Schnüffelstoffe

Das Einatmen der Dämpfe verschiedener organischer Lösungsmittel löst im Gehirn Rauschzustände aus. Die Wirkungen erfolgen über innere Unruhe bis zur Erregtheit, Übelkeit und das Gefühl der Atemnot. Bei Fortdauern des Rauschzustandes tritt ein Entspannungszustand ein, der als angenehm erlebt wird. Nach regelmäßiger Inhalation stellt sich eine körperliche Abhängigkeit ein. Diese Lösungsmittel findet man z.B. in Klebstoffen, Lacken, Farbverdünnungen, Putzmittel, Benzinen, Filzschreibern, Nagellackentfernern, Haarsprays.

Gebräuchliche Stoffe sind Kohlenwasserstoffe und chlorierte Kohlenwasserstoffe, wie sie etwa in Benzin oder Fleckenwasser enthalten sind. Da Schnüffelstoffe sehr billig zu haben sind, schnüffeln in den Dritte-Welt-Ländern oft schon achtjährige Kinder. Auch werden Stoffe wie Butangas oder Flüssiggas geschnüffelt, in ärmeren Ländern sogar anscheinend Pinkelsteine (enthalten etwa Paradichlorbenzol und Naphthalin).

Besonders das als Feuerzeug- und Campinggas im Handel frei erhältliche Butangas ist in jüngster Zeit in Zusammenhang mit einigen Todesfällen ins Gerede gekommen. Akute Wirkung: Gehobene Stimmung; kurzer, intensiver Rausch; Erleben für kurze Zeit distanziert und gelöst. Es wird von kurzfristigen emotionalen Überreaktionen infolge Kontrollverlusts über das Gefühlsleben berichtet. Nebenwirkungen: Häufig Übelkeit bis zum Erbrechen, mitunter bedrohliche Unterversorgung des Gehirns und anderer Organe mit Sauerstoff. Das Risiko liegt insbesondere in der Schwierigkeit der Dosierung und der möglichen Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff.

Spätfolgen: Französische Untersuchungen zeigen übrigens, dass Menschen, die Dämpfe von Klebern, Lacken und Reinigungsmitteln während ihrer Berufstätigkeit über einen längeren Zeitraum einatmen, im höheren Alter Probleme mit Gedächtnis und Denkfähigkeit haben. Auffallend ist auch, dass kognitive Probleme selbst bei jenen auftraten, bei denen der Kontakt mit solchen Stoffen schon länger zurücklag, und zwar bis zu 50 Jahre. Dies deutet darauf hin, dass die schädlichen Auswirkungen von höheren Konzentrationen dieser Stoffe auf Gedächtnis und geistige Fähigkeiten nicht vollständig verschwinden, selbst wenn viel Zeit vergeht.

Dem Schnüffler fallen meistens, wie auch bei allen anderen Drogen, Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Strukturen zum Opfer. Oftmals wird aus Neugier ein überall erhältlicher Klebstoff ausprobiert. Erstaunlich ist, daß die Schnüffler zu keinem Zeitpunkt physisch abhängig sind. Trotz dieser Tatsache ist die Rückfälligkeit ähnlich der von Kokain und Opium. Es wird oftmals bis ins Erwachsenenalter hinein geschnüffelt. Im einzelnen spielen sich beim Schnüffeln die Phasen einer Inhalationsnarkose ab, und zwar unterschiedlichen Zeitverhältnissen. Bei den ersten Atemzügen können Reizerscheinungen der oberen Atemwege, Atemnot, Herzklopfen und Blutdrucksteigerungen auftreten. Bei weiterem Einatmen kann es zur Euphorie kommen. Die Personen können in solchen Stadien wie alkoholisiert wirken. Bei etwas tieferen Stadien treten Verkennungen der Umwelt und von Gegenständen auf. Die Farbwahrnehmung und die akustischen Sinneseindrücke können verändert sein. Schließlich treten insbesondere in den ersten sechs Monaten des Mißbrauchs halluzinatorische Erlebnisse auf. Sie betreffen häufig kleine bewegte Objekte wie Spinnen, Käfer, Ameisen oder Blätter. Für die Intoxikationsperiode kann ein teilweiser oder totaler Erinnerungsverlust bestehen. Für den Außenstehenden zeigt sich das Bild einer ausgeprägten Lösemittel- Vergiftung in Form von Gang-, Stand- und Bewegungsstörungen. Die Personen torkeln und lallen, bewegen sich ungeschickt oder sogar selbstgefährdend, sie wirken psychisch verändert, umdämmert, verwirrt, häufig auch distanzlos, gereizt und enthemmt und in späteren Stadien apathisch oder schläfrig. Bei Fortsetzung kommt es zum Tiefschlaf, schließlich bis zum Koma.

Für den Notfall: Rettungsdienst bei Atem- und Herzstillstand bzw. Bewusstlosigkeit rufen, inzwischen für eine stabile Seitenlage sorgen, geschlossene Kleidung öffnen und für Frischluftzufuhr sorgen. Bei der betreffenden Person bleiben, bis die Rettung kommt. Eventuell Sicherstellung von Spraydosen, damit die Rettung weiß, was konsumiert wurde.

Poppers

Die in grell verpackten Fläschchen mit Namen wie "Rush", "Rave", oder "Hardware" angebotenen Flüssigkeiten enthalten die chemischen Substanzen Amylnitrit oder Butylnitrit. Poppers werden durch Inhalation über Mund oder Nase aufgenommen und lösen innerhalb weniger Sekunden eine Senkung des Blutdrucks und eine Erhöhung der Herzschlagfrequenz aus. KonsumentInnen verspüren einen für ein- bis zwei Minuten anhaltenden Rausch mit Glücksgefühlen sowie einer veränderten akustischen und visuellen Wahrnehmung. Diese verbotenen organischen Nitrite wie Amylnitrit und Butylnitrit sind wegen ihrer angeblichen aphrodisierenden Wirkung und Enthemmung oft in Tanz-clubs und Sexshops erhältlich. Amylnitrit wurde früher bei Angina Pectoris verabreicht. Der medizinische Gebrauch von Amylnitrit wurde eingestellt, weil die Nebenwirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit bei den Weiterentwicklungen nicht mehr auftraten. Tausende Menschen haben über Jahrzehnte Poppers zur Behandlung ihrer Herzanfälle regelmäßig genommen. Butylnitrit ist in sehr geringen Mengen in Raumduftaromen oder auch der Flüssigkeit für Tonkopfreiniger enthalten.

Zu den Schnüffelstoffen zählen, neben Poppers, eine Reihe weiterer psychoaktiv wirksamer Substanzen, die durch Inhalation über Mund oder Nase aufgenommen werden: Klebstoffe, chemische Fleckenmittel, Farbentferner und -verdünner, Nagellackentferner, Treibmittel in Sprühdosen, wie Farb-, Lack-, und Haarsprays, Fahrzeugbenzin, Stickstoffmonoxid, Halothan oder Amylnitrit Das Inhalieren mancher Farben, Klebstoffe und Gase ist besonders schädlich und kann zu langen Konzentrations- und Koordinationsschwierigkeiten sowie bleibenden Gehirnschäden führen. Da die meisten als Schnüffelstoffe verwendeten Substanzen im Alltagsgebrauch für andere Zwecke eingesetzt werden, unterliegen die Inhalantien nicht dem Suchtmittelgesetz.

Einnahmeart: Inhalieren (Konzentration in der Atemluft kann durch das Stecken des Kopfes in einen Nylonsack erhöht werden).

Akute Wirkung

Chronischer Mißbrauch

Gefahren:

 

Quelle

http://myweb.iea.com/~orlandod/medizin1.htm (02-03-13)

Schon vor vielen Jahren wurde die Existenz von drogenähnlichen Substanzen (Exorphine) in einigen alltäglichen Nahrungsmitteln vermutet und man fand opiatähnliche Aktivität bei Weizen, Mais und Gerste, bei Kuh- und Muttermilch entdeckte man das Kasomorphin, wobei das Exorphin des Getreides stärker wirkt als das Kasomorphin der Kuh.

Siehe auch Haushaltsdroge Industriezucker?

Junk Food als Droge

Paul J. Kenny und Paul M. Johnson berichten 2010 in „Nature Neuroscience“ von Tierversuchen, nach denen fettreiches Essen wie Junk Food ebenso süchtig macht wie Drogen, d.h., im Experiment mit kalorienreicher Nahrung gefütterte Ratten verloren zunehmend die Kontrolle über ihr Essverhalten. Offensichtlich reagiert das Belohnungssystem des Gehirns auf extrem kalorienreiches Essen auf die gleiche Weise wie auf Drogenkonsum. Dopamin wird vom Gehirn bekanntlich als Reaktion auf Reize wie Sex, Schlemmen und Drogengenuss ausgeschüttet. Der Dopamin-Rezeptor sprach in den Tierversuchen auch auf den Genuss von übermäßigem Junk Food an, indem er, um die Flut von Dopamin besser verarbeiten zu können, einen Gang nach dem anderen zurückschaltete. Der Rezeptor benötigte bei den Ratten also immer mehr vom Junk Food-Essen ausgelöstes Dopamin, um noch ein Wohlgefühl auszulösen.

Wenn ein Tier die Gehirnzentren für das Wohlbefinden mit dem schmackhaften Essen überreizt, passt sich das System also offensichtlich an und schraubt seine Aktivität zurück. Wie bei der "normalen" Drogensucht giert das Gehirn daher beständig nach weiterer Zufuhr von Junk Food, um nicht in einen Zustand negativen Befindens zu verfallen.

Der Mechanismus in den Rattengehirnen ist vermutlich vergleichbar mit dem, der bei der menschlichen Sucht nach Rauschmitteln auftritt: Der Konsum aktiviert das Belohnungssystem des Gehirns und sorgt für Wohlgefühl. Doch je mehr man konsumiert, desto mehr Nachschub verlangt das Gehirn, um das gleiche Glücksgefühl wie beim letzten Mal zu erzeugen. Die Entwicklung von Fettleibigkeit geht also mit einem immer größer werdenden Defizit in der neuronalen Belohnung einher.

Literatur:
Johnson, Paul M. & Kenny Paul J. (2010). Dopamine D2 receptors in addiction-like reward dysfunction and compulsive eating in obese rats. Nature Neuroscience.
WWW: http://www.nature.com/neuro/journal/vaop/ncurrent/full/nn.2519.html (10-03-27)

Nicht substanzgebundene "Drogen"

Es gibt eine zunehmende Zahl von Personen, die Auffälligkeiten und Störungen in gemeinhin als alltäglich betrachteten Verhaltensweisen wie Arbeiten, Spielen, Kaufen, Essen usw. aufweisen und zum Teil heftig darunter leiden. Diese Auffälligkeiten und Störungen sind mehr als schlechte Gewohnheiten, Marotten oder individuelle "Abweichungen vom Normalen", da ein Verlust der Kontrolle über diese Tätigkeit, schwere psychische Abhängigkeit und der überwältigende Wunsch, diese Handlungen unter allen Umständen fortzusetzen und dabei möglicherweise auch die Dosis zu erhöhen, entstanden sind. Auf die Verwendung des Begriffes "Sucht" sollte bewußt nicht verzichtet werden, denn

So wird es möglich, Sucht als einen psychologischen Terminus zu verstehen, der in seiner Bedeutung vom psychiatrischmedizinischen Abhängigkeitsbegriff abweicht, durchaus aber psychiatrische Diagnosekriterien dieses Störungsbildes einbezieht.

Übrigens werden manche Menschen süchtig nach einem häufigen Solarienbesuch, da sich viele schon Dunkelgebräunte noch immer blass und unattraktiv finden, und durch eine hohe Frquenz an Solienbesuchen ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, in die Höhe treiben. Verzichten die Betroffenen einige Zeit auf einen Solariumsbesuch, leiden manche von ihnen an Nervosität, depressiven Verstimmungen und einem starken Drang nach Sonnenlicht. Offensichtlich werden auch durch die UV-Strahlen Glückshormone ausgeschüttet, sodass der Besuch eines Solariums wie eine Droge wirkt und glücklich macht. Besonders junge Menschen wollen ihr Wohlbefinden und ihre Attraktivität durch Bräune steigern, unterschätzen dabei aber die Gefahr, an Hautkrebs zu erkranken, denn das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, verdoppelt sich, wenn Solarien bis zu einem Alter von 35 Jahren regelmäßig einmal im Monat genutzt werden. Manche Solariumssüchtige bräunen sich jedoch wöchentlich, im Extremfall sogar täglich, was darauf schließen lässt, dass bei ihnen wie etwa bei Esstörungen ein verzerrtes Selbstbild vorliegt. Diese Abhängigkeit von der künstlichen Sonne bzw. das extreme, zwanghafte Bräunen der Haut wird daher auch als Tanorexie bezeichnet.

Quelle:

Poppelreuter, Stefan & Gross, Werner (Hrsg.). "Nicht nur Drogen machen süchtig". Stoffungebundene Süchte.
W3: http://www.psychologie.uni-bonn.de/wiorg/forschung/suechte.htm (02-09-23)

 

"Harte" und "weiche" Drogen

In den Medien werden Drogen oft in sogenannte "harte" und "weiche" Drogen unterteilt. In der Regel werden Drogen, die über ein psychisches Abhängigkeitspotential verfügen, als "weich" bezeichnet, wie z.B. Cannabis. Psychische Abhängigkeit bedeutet, daß der Konsument oder die Konsumentin ein starkes Verlangen nach Wiedereinnahme der Droge verspürt, ohne daß körperliche Entzugserscheinungen auftreten. Wenn auch das der Fall sein kann, z.B. in Form von starken Schweißausbrüchen, Magenkrämpfen, Muskelzittern usw., dann haben Drogen ein körperliches, ein physisches Abhängigkeitspotential. Drogen die psychisch und physisch abhängig machen können, werden als "harte" Drogen bezeichnet. Das ist bei Alkohol und Opiaten der Fall. Bei Kokain hingegen ist kein physisches Abhängigkeitspotential gegeben. Trotzdem wird es zumeist auch als "harte" Droge bezeichnet, da das psychische Abhängigkeitspotential als besonders hoch gilt. Koffein hingegen, welches nach Definition als "harte" Droge zu gelten hätte, wird in diesem Zusammenhang zumeist gar nicht erwähnt. Dies zeigt, daß die oft betriebene Unterteilung in "harte" und "weiche" Drogen keinen Sinn macht, da sie willkürlich und ohne stringente Systematik erfolgt.

Im medizinischen Journal "The Lancet" wurde eine Rangreihe der gefährlichsten Drogen veröffentlicht:
1. Heroin, 2. Cocaine, 3. Barbiturates, 4. Street methadone, 5. Alcohol, 6. Ketamine, 7. Benzodiazepines, 8. Amphetamine, 9. Tobacco, 10. Buprenorphine, 11. Cannabis, 12. Solvents, 13. 4-MTA, 14. LSD, 15. Methylphenidate, 16. Anabolic steroids, 17. GHB, 18. Ecstasy, 19. Alkyl nitrates, 20. Khat.

Substitution

Substitution bedeutet, daß Heroinabhängige mit Ersatzstoffen (Substituten) behandelt werden, die das Auftreten von Entzugserscheinungen verhindern. Da es sich bei den Ersatzstoffen um synthetische Opiate (Opioide) handelt, besteht bei den Behandelten die Sucht zunächst weiter; es gibt verschiedene Varianten: Die Kurzzeitbehandlung dient in der Regel dazu, den Abhängigen in einer langsam reduzierten Dosis zu entziehen. Dieser sogenannte "weiche Entzug" ist eine Alternative zum "harten Entzug". Sinn dieser Form der Behandlung ist die Reduktion von Entzugsbeschwerden. Zudem soll damit verhindert werden, daß Angst vor Entzugssymptomen konditioniert wird. Diese Angst könnte bei einem Rückfall eine neue Behandlung verhindern oder verzögern. Mittelfristige Programme ("Maintenance-to-abstinence-programmes") sollen Abhängige mittelfristig, evtl. im Laufe mehrerer Jahre, zur Abstinenz führen.
Hauptziel dieser Programme ist eine soziale und berufliche Reintegration der Patienten. Zudem sollen sie sich durch den Aufbau von Beziehungen außerhalb der Drogenszene aus dieser lösen. Von daher ist intensive ambulante psychtherapeutische Behandlung Teil der maintenance-to-abstinence-programmes. Langzeitbehandlungen (Erhaltungsprogramme) dienen dazu, Drogenabhängige ohne zeitlichen Druck mittels Methadon zur Drogenabstinenz zu führen. Besonders langjährige Heroinabhängige, die für Abstinenztherapien nicht mehr gewinnbar sind, sollen mit diesem Angebot angesprochen werden. Auf dem Wege soll ein Minimum an menschenwürdiger Existenz gesichert und die Polytoxikomanie gebremst werden. Niederschwellige Substitutionsbehandlungen unterscheiden sich von den anderen dadurch, daß sie mit keinen Erwartungen an die Behandelten verbunden sind. Rückfälle und der zusätzliche Gebrauch anderer Drogen oder Medikamente führen nicht zum Ausschluß von der Behandlung.

Wie wirken Drogen auf das Gehirn?

Man muß zwischen verschiedenen Drogen unterscheiden, aber jede Droge wirkt direkt am Neuron.

Natürlich können Drogen nur auf einzelne Areale des Gehirns wirken, d.h., die Drogen beeinflußen modulatorische Kerne, welche dann sehr spezifisch auf unterschiedliche Areale einwirken können und die dortigen Synchronisationsbedingungen beinflussen.

Quelle:
http://brain.exp.univie.ac.at/Allgantworten.html (01-10-26)

Risikofaktoren und Entwicklungsmechanismen

Übergreifende Prinzipien

Gebrauch wird von sozialen Erfahrungen beeinflußt, Mißbrauch wird auf interne psychische Faktoren, einschließlich psychopathologische Prozesse, deren Wurzeln in der Kindheit liegen zurückgeführt. Verketten sich aber frühere Risikofaktoren genetischer, personaler und sozialökologischer Art und verstärken so ihre Wirkung, und können Protektionsfaktoren dieser Risikokumulation nicht die Waage halten, droht anhaltende Belastung durch Alkohol und Drogengebrauch.

Dem Mißbrauch harter Drogen geht regelmäßig der Gebrauch weniger problematischer Substanzen ("gateway drugs") voraus. Vor deren Konsum steht wiederum der Gebrauch von Alkohol. Dabei spielen auch der Abbau von Hemmungen durch abträgliche soziale Kontakte und auch physiologische Prozesse eine Rolle. Die Minderheit der Konsumenten harter Drogen bleibt häufig nicht bei einer bestimmten Substanz, sondern sie kombinieren z.B. Opiate, Barbituriate und Alkohol.

Diese Verhaltensweisen treten häufig gemeinsam als Problemverhaltenssyndrom auf, ohne daß man sinnvoll sagen könnte, was Anlaß und was Folge war.

Genetische Disposition

Die Frage muß bei psychoaktiven Drogen derzeit unbeantwortet bleiben, es scheint aber hinsichtlich des Alkoholgebrauchs eine genetisch begründete Vulnerabilität gesichert zu sein, die sich vor allem beim Vorliegen ungünstiger Umweltbedingungen äußert. Der vermittelnde Mechanismus könnte eine genetische Disposition zu hohem Stimulationsbedürfnis und niedriger Angstvermeidung sein. Wer sich leicht durch Unbekanntes mitreißen läßt und dabei Furcht nicht kennt, dessen Risiko zu künftigem Alkohol und Drogenmißbrauch ist unvergleichlich höher als bei durchschnittlicher Ausprägung dieser Dimensionen.

Attribute der Person

Probleme mit der Selbsteuerung während der Kindheit spielen eine wichtige Rolle. Zum einen steht das wechselseitige Aufschaukeln von kindlichen Entwicklungsproblemen und inadäquatem Elternverhalten hinter dem Zusammenhang zwischen Kindheit und Jugendverhalten und zum anderen werden Kinder mit Verhaltensproblemen als Jugendliche eher an Gruppen gleichaltriger ähnlichen Hintergrunds geraten, in deren Kontext sie dann die ersten Erfahrungen mit Alkohol und Drogen machen.

Familiäre Risiken

Die Kombination von geringer Konventionalität, wenig Aufsicht und Herausforderung, geringer Einflußnahme und wenig Unterstützung und die Kennzeichnung des häuslichen Milieus durch Desinteresse und Instabilität können Anzeichen für späteren Drogen und Alkoholmißbrauchs darstellen. Inkonsistenz in normativen Anforderungen und Nachlässigkeiten in der Aufsicht sind weitere Besonderheiten einer sich eventuell später negativ auswirkenden Drogen und Alkoholgebrauchs. Unter solchen Umständen werden frühe Vorboten des Umgangs mit problematischen Peergruppen übersehen.

Problematische Peerkontexte

Von Gleichaltrigen ausgehende Einflüsse für kulturell nicht tradierte Substanzen sind stärker als familiäre Risikofaktoren. Die Bildung eines eigenen Verhaltenkodex, der im Sinne eines wechselseitigen Unterstützungssystems emotionale Sicherheit in der Gruppe verleiht und erste Identitätsentwürfe ermöglicht, geschieht dann auf der Basis von Werten, die im Gegensatz zu positiven Entwicklungszielen stehen. Jugendliche suchen Möglichkeiten, ihre beeinträchtigte Selbstachtung zu stabilisieren und gewinnen dadurch Kontakt zu Umfeldern, die Alkohol und Drogengebrauch fördern, wie z.B. Diskotheken und ander jugendtypische Treffpunkte.

Konsequenzen für die psychosoziale Entwicklung

Man muß bei Jugendlichen, deren Konsum von Alkohol und Drogen weiter fortgeschritten ist, über die kurzfristigen Effekte hinaus, mit einer Beschleunigung psychosozialer Übergänge zu Erwachsenenrollen rechnen. Wer in diesem Sinne schneller Verantwortung als Erwachsener übernimmt, kann die Optionen des jugendtypischen Moratoriums für die Ausbildung einer eigenen Identität nicht ausschöpfen und verliert, wenn nicht ein funktionierendes soziales Netzwerk die Belastungen auffängt, an Qualität und Flexibilität der weiteren Entwicklung. Langfristig droht bei Mißbrauch das gänzliche Scheitern in der Bewältigung jugendtypischer Entwicklungsaufgaben. Befördert durch die Schwäche des sozialen Umfeldes können diese Jugendlichen soziale Fertigkeiten, Bewältigungsmechanismen und Entscheidungsstrategien nicht erwerben, die Voraussetzungen für eine positive Entwicklung sind.

Prävention

Erfolgskriterien für vorbeugende Maßnahmen sind das Hinausschieben, Reduzieren oder Einstellen des Konsums. Versuche den Drogengebrauch junger Leute durch gesetzliche Vorschriften oder soziale Kontrolle zu verhüten waren wenig erfolgreich.

Als Primärprävention wirksam in der Verhütung von Alkohol und Drogengebrauch sind Maßnahmen, welche die Jugendlichen befähigen, den insbesondere von Gleichaltrigen ausgehenden Verlockungen zum Mitmachen zu begegenen. Vermittlung von "life skills", welche das Treffen überlegter Entscheidungen erleichtern, oder das Einfühlungsvermögen in die Lage anderer steigern. Die rechte Zeit für solche Maßnahmen liegt noch vor der Adoleszenz, und muß sich im Prinzip an alle Jugendlichen wenden.

Säkundärpräventiv sind "funktionelle Alternativen", die mit einer geringeren Gefährdung aber vergleichbaren psychosozialen Anregungsgehalts zu beeinträchtigenden Aktivitäten anbieten, um so das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wieder zu gewinnen. Hinzukommen müssen der Aufbau sozialer Kompetenzen sowie Angebote, um die über die Jahre des Mißbrauchs aufgelaufene Defizite in Ausbildung und Beruf zu kompensieren. Die vermeintliche Großzügigkeit solcher Programme ist in der Öffentlichkeit häufig umstritten.

Beim Hineinwachsen in die Erwachsenenrolle unserer Kultur und Gesellschaft muß der verantwortliche Gebrauch und Vermeidung von Mißbrauch die Devise sein. Vor diesem Hintergrund kann die Legalisierung des Gebrauchs bestimmter Drogen in kleinen Mengen gesehen werden, wie sie gegenwärtig diskutiert wird.

Siehe auch:

Risikofaktoren und Entwicklungsmechanismen für jugendlichen Drogengebrauch und -mißbrauch

Quelle:
Oerter, Rolf & Montada, Leo (Hrsg.) (1995). Entwicklungspsychologie. Weinheim: PVU.

Die Drogenkonsumenten werden immer jünger

Der Konsum von legalen und illegalen psychoaktiven Substanzen setzt immer früher ein. Schon im Grundschulalter haben Medikamente mit schmerzstillender oder leistungssteigernder Wirkung große Verbreitung. Im Alter von sieben Jahren gibt es die ersten Probierer von Zigaretten, im Alter von neun die ersten Probierer von Alkohol. Im Alter von zwölf Jahren muß bereits mit fünf Prozent regelmäßigen Alkoholkonsumenten und sieben Prozent regelmäßigen Zigarettenrauchern gerechnet werden. Bei den illegalen Substanzen liegt Cannabis an der Spitze der Entwicklung; der Einstieg erfolgt meist im Alter um die 15 Jahre mit etwa vier Prozent regelmäßigen Nutzern pro Jahrgang. In den letzten Jahren haben auch Designerdrogen mit aufputschender und anregender Wirkung stark an Verbreitung gewonnen; sie erreichen im Alter von 15 Jahren eine Verbreitung von etwa vier Prozent regelmäßiger Nutzung.

Diese Ergebnisse aus Erhebungen und Analysen eines Forschungsteams unter Leitung von Professor Klaus Hurrelmann (Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld) zeigten, daß überwiegend psychische und soziale Motive für den Einstieg in den Drogenkonsum wirksam sind. "Dreh- und Angelpunkt" ist eine Einschränkung des Selbstwertgefühls. Der Hintergrund kann in gestörter Anerkennung in der Familie und in Konflikten mit den Eltern, in schulischen Leistungskrisen, Kontaktproblemen in der Gleichaltrigengruppe und gegenüber dem anderen Geschlecht und in einer unklaren Zukunftsperspektive liegen.

Vorbeugende Strategien müssen unmittelbar auf die soziale und psychische Ausgangslage der Konsumenten Rücksicht nehmen. In Zusammenarbeit mit Schulklassen in Dortmund und Bielefeld wurden von der Bielefelder Gruppe in den letzten Jahren Konzepte für den schulischen Bereich entwickelt. Durch eine betont sachliche Information über legale und illegale psychoaktive Substanzen, die altersangemessen aufgebaut wird, konnte bei den Schülerinnen und Schülern der 5. bis 7. Jahrgänge kritisches Wissen über Drogen und Sucht aufgebaut werden. Sowohl gegenüber Tabak als auch gegenüber Alkohol konnte eine "mentale Distanz" gebildet werden: Die Schülerinnen und Schüler aus den zehn Schulklassen mit einem vorbeugenden Programm zeigten nach zwei Jahren deutlich höhere Ablehnungen des Konsums von Tabak und Alkohol als die Schülerinnen und Schüler aus den Vergleichsklassen, in denen kein Programm durchgeführt wurde.

Ein besonderes Problem für die vorbeugende Arbeit stellen nach den Bielefelder Studien diejenigen Jugendlichen dar, die schon häufig zu legalen und illegalen Drogen greifen. Diese Jugendlichen werden von schulischen Vorbeugeprogrammen nicht mehr angesprochen. In Zusammenarbeit mit mehreren Beratungseinrichtungen in Dortmund, Köln und Bielefeld wurde hierzu eine systematische Bestandsaufnahme vorgenommen. Ergebnis ist, daß auch die Jugendhilfe, Drogenhilfe und psychiatrische Kliniken nur schwer in der Lage sind, die unter 18-jährigen stark Drogengefährdeten zu erreichen. Die Untersuchungen zeigen zugleich, wie schnell es zu einer Verfestigung einer "Drogenkarriere" kommt, wenn nicht frühzeitige Hilfen einsetzen. Die Untersuchung schätzt, daß etwa fünf Prozent aller unter 18-Jährigen in deutschen Großstädten zu dieser Risikogruppe gehören.

Das Team unter der Leitung von Hurrelmann befragte Jugendliche aus dieser Risikogruppe an verschiedenen Szene-Orten in Köln, Dortmund und Bielefeld, die dafür bekannt sind, daß sich dort Drogen konsumierende Jugendliche aufhalten. Die Interviews mit über 165 Jugendlichen zeigen nicht nur einen hohen Zigaretten- und Alkoholkonsum, sondern auch einen gefährlichen Mix von psychoaktiven Arzneimitteln, Cannabis und LSD. "Die viel konsumierenden Jugendlichen haben oft sehr schlechte Beziehungen zu ihren Eltern und erleben zuhause Spannungen und Krisen, haben einen Freundeskreis, der selbst viele legale und illegale Drogen nimmt, schwänzen die Schule, haben schlechte Noten und meist auch ein geringes Selbstvertrauen. Viele von ihnen sind sozial und psychisch labil und ohne festen Halt. Die Straßenszene ist ihr eigentliches Zuhause, hier rutschen sie immer mehr in die Drogenszene hinein. Nur wenn durch sozialpädagogische Fachleute und Drogenhelfer in dieser Phase aufsuchende Beratung angeboten wird, können diese Jugendlichen noch aus einer Drogenkarriere aussteigen," so Hurrelmann.

Die 165 stark suchtgefährdeten Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahre glauben, über genügend Kenntnisse für einen kontrollierten Umgang mit Drogen zu verfügen. Niemand der Befragten nahm eine Drogenberatungsstelle in Anspruch. Nahezu 65 Prozent der suchtgefährdeten Jugendlichen bevorzugte bei Drogenproblemen Ratschläge und Hilfe eines Freundes oder einer Freundin. Professionelle Helferinnen oder Helfer wurden gemieden, aber immerhin 20 Prozent konsultierten einen Arzt.

"Diese Verhaltensweise unterstreicht, daß jugendliche Drogenkonsumenten eine enge Vertrauensbasis benötigen, um über ihre Drogenprobleme reden zu können. Dies spricht dafür, Ärztinnen und Ärzte stärker als bisher in die Beratung einzubeziehen." Professor Hurrelmann und sein Team fordern eine Kooperation von Schule, Gesundheitsamt, Kassenärztlicher Vereinigung, Jugendhilfe und Polizei: "Durch frühzeitiges Eingreifen kann bei suchtgefährdeten Jugendlichen die Entwicklung zu manifester Abhängigkeit unterbrochen werden. Dies würde eine Verringerung der Zahl chronischer Abhängigkeitserkrankungen nach sich ziehen und sich wiederum in einer Verringerung der finanziellen Belastungen für die Gesellschaft in Form sinkender Gesundheits-, Sozial- und Gerichtskosten äußern. So ließen sich beispielsweise Folgekosten durch stationäre Entwöhnungsbehandlungen reduzieren. Am besten wäre es, wenn in Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen regelmäßig Ärzte und Jugendfachleute Beratungen abhalten.

Quelle:

Informationsdienst Wissenschaft (idw)

Ein Projekt der Universitäten Bayreuth, Bochum und der TU Clausthal

WWW: http://idw-online.de/

Kontakt-Adresse: service@idw-online.de

Psychische Störungen bei Jugendlichen

Das Ausmaß seelischer Störungen bei Jugendlichen wird nach Expertenmeinung weitgehend unterschätzt. Unter den 14- bis 17-Jährigen haben bereits 55 Prozent einmal in ihrem Leben unter Depressionen, krankhafter Angst, psychisch bedingten körperlichen Störungen, einer Sucht oder Ess-Störungen gelitten. Dies sind die Ergebnisse einer Langzeitstudie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München. Für die repräsentative Untersuchung waren 1395 junge Leute zwischen 14 und 17 Jahren sowie deren Eltern befragt worden. 

Bei 29 Prozent der Jugendlichen wurde eine Abhängigkeit von Nikotin, Alkohol oder Drogen diagnostiziert. Bei 28 Prozent lag nach den Untersuchungsergebnissen eine Angststörung vor, bei 14 Prozent eine Depression und 2 Prozent litten unter Essstörungen. Häufig seien bei den Kindern und Jugendlichen auch mehr als nur eine psychische Störung nachzuweisen gewesen, erklärten die Experten. 

Der Würzburger Psychotherapeut Prof. Gerhardt Nissen riet, den Jugendlichen zunächst "ruhig zuzuhören", ihre Beschwerden weder zu dramatisieren noch zu bagatellisieren, sondern sie zunächst organisch abzuklären zu lassen. Bei extremer Schulangst müsse ein Facharzt den Grund klären. Dies könnten Trennungsangst von der Mutter oder die Angst vor Versagen im Unterricht sein, sagte Nissen. Versuche der Eltern, dem Kind mit Hilfe ärztlicher Atteste aus der Patsche zu helfen, verschleppten das Problem nur, ohne es wirklich zu lösen. 

Quelle:
http://www.rp-online.de/news/wissenschaft/2001-1121psycho.html (01-12-10)

Quellen & Literatur

Oerter, Rolf & Montada, Leo (Hrsg.) (1995). Entwicklungspsychologie. Weinheim: PVU.

http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at:4711/JUGENDPSYCH/JUGENDPSYCHREFERATE96/Thema9.html (97-04-28)

http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at:4711/JUGENDPSYCH/JUGENDPSYCHREFERATE97/THEMA10/Thema10.html (97-04-28)

http://wwwm.htwk-leipzig.de/~schweika/Drogenprojekt/Gruppe3/Ordner1/Kauf3.html (00-04-27)

http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~clabudda/drogen/drogen-texte.html (01-01-28)

http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~clabudda/drogen/politik-arbeiten-1998labudda.html (00-04-29)

http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~clabudda/drogen/politik-arbeiten-1995fromberg.html (00-04-29)

http://62.116.40.181/content/search.asp (01-07-01)

http://www.checkyourdrugs.at/data/substanzen/downer/ghb/index.html (01-07-01)

http://www.drogenberatung-jj.de/html/xtc_inf.htm (01-07-07)

http://www.checkyourdrugs.at/data/substanzen/schnueffelstoffe/index.html (01-07-07)

http://www.chill-out.de/LSD25.html (01-07-12)

http://www.bielefeldts.de/skript/s_entw2.html (01-11-17)

http://www.teachersnews.net/news2001/011103_33.htm (01-11-26)

http://www.milazzo.ch/kokain_crack.htm (02-12-31)

Lüscher, C. & Bellone, C. (2008). Cocaine-Evoked Synaptic Plasticity: a Key to Addiction? Nature Neuroscience, 11, 737-738.

http://www.conncoll.edu/news/news-archive/2013/student-faculty-research-shows-oreos-are-just-as-addictive-as-drugs-in-lab-rats-.htm (13-10-28)

http://www.aponet.de/aktuelles/forschung/20140513-loesungsmitteldaempfe-schaden-gehirn.html (14-05-14)

 



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