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[werner.stangl]s arbeitsblätter 

In der Rache und in der Liebe ist das Weib barbarischer als der Mann.
Friedrich Nietzsche

Beide Geschlechter produzieren sowohl männertypische Hormone wie Testosteron als auch frauentypische wie Östrogen und Progesteron, allerdings in sehr unterschiedlichen Konzentrationen: Die Menge an Testosteron im Körper eines Mannes ist im Mittel zehnmal so hoch wie die im Körper einer Frau. Der Hormonspiegel beeinflusst Eigenschaften, Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale wie die Extraversion oder auch die mütterliche Fürsorge, und entscheidet mit darüber, wie impulsiv ein Mensch handelt, wie viel Vertrauen er in andere und in sich selbst hat, wie er Gefühle empfindet und verarbeitet. Untersuchungen zeigen, dass Frauen negative Emotionen stärker empfinden, je niedriger ihr Testosteronspiegel ist bzw. desto sensibler reagieren sie in solchen Situationen. In den Gehirnen beider Geschlechter sind dabei die Amygdala, das Gefühlszentrum des Gehirns, das emotionale und insbesondere potenziell bedrohliche Reize bewertet und daher oft auch als Angstzentrum bezeichnet wird, und der präfrontale Cortex, das rationale Kontrollzentrum, das Signale mit bereits im Gedächtnis gespeicherten Eindrücken und Erfahrungen abgleicht und die zur Situation passenden Handlungen plant und emotionale Reize reguliert, besonders aktiv. Je höher der Testosteronspiegelist, umso stärker sind diese beiden Areale in ihrem Gehirn verknüpft. Frauen haben im Schnitt einen niedrigeren Testosteronlevel und zeigen daher eine schwächere Verknüpfung von Gefühls- und Kontrollzentrum bzw. reagieren stärker auf negative Reize. Das könnte erklären, weshalb Frauen etwa doppelt so häufig an Depressionen und Angststörungen leiden wie Männer. Individuell ist die Zusammensetzung der Hormonmischung allerdings sehr unterschiedlich bzw. sie verändert sich auch im Lauf der Zeit, denn kein Gehirn ist ein Leben lang dem immer gleichen Hormoncocktail ausgesetzt. Je nach Tages- und auch je nach Jahreszeit unterliegt der Hormonspiegel von Männern starken Schwankungen. Bei Frauen verändert sich die Konzentration der Botenstoffe im Blut im Laufe des Menstruationszyklus sowie mit dem Einsetzen einer Schwangerschaft oder der Menopause. Studien zeigen, dass die Hormonflut während einer Schwangerschaft das Gehirn in bestimmten Bereichen sogar umgestaltet, wobei auch die geringeren hormonellen Schwankungen im Monatsrhythmus der Menstruation ebenfalls die Hirnstruktur beeinflussen, etwa indem parallel zum ansteigenden Östrogenspiegel bis zum Eisprung das Volumen des Hippocampus zunimmt. Möglicherweise wirkt sich der Hormonspiegel daher nicht nur auf Emotionen und das Verhalten aus, sondern auch auf kognitive Leistungen, denn während ihrer Menstruation, wenn der Östrogenspiegel niedrig ist, zeigen Frauen in Experimenten ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen.

Entwicklung des Corpus Callosum durch Sexualhormone beeinflusst

Frauen Männer

Frauen schneiden für gewöhnlich in Tests besser ab, die den guten Umgang mit Sprache voraussetzen, und sie besitzen auch eine ausgeprägtere feinmotorische Koordination. Dagegen zeigen Männer Vorteile bei zielgerichteten motorischen Leistungen, wie dem Werfen und Auffangen von Gegenständen und bei Aufgaben zum räumlichen Vorstellungsvermögen. Ihre Gehirne scheinen also teilweise anders zu funktionieren. Allerdings sind die 'Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Verhältnis zu den Schwankungen unter den Angehörigen desselben Geschlechts eher gering. Solche Unterschiede werden sehr früh angelegt, denn nach der Geburt bilden die rund 100 Milliarden Nervenzellen immer mehr Verknüpfungen. Sexualhormone beeinflussen dabei den Feinbau, die zu Unterschieden bei weiblichen und männlichen Gehirnen führen. Zum Beispiel besitzt der Balken, der die rechte und linke Gehirnhälfte miteinander verbindet (Corpus Callosum), bei Frauen am hinteren Ende eine Verdickung. Das weibliche Gehirn kann dadurch Informationen effektiver mit beiden Hälften verarbeiten als das männliche, wodurch Frauen bezüglich ihres Sprachvermögens nicht nur auf ihre linke Hemisphäre angewiesen sind, wie man es bei Männern vermutet. Da bei Frauen die Brücke zwischen den beiden Hirnhälften stärker ausgeprägt ist, ist die linke Hirnhälfte für analytisches Denken und Sprache stärker mit der rechten, in der Emotionen und Einfühlungsvermögen ihren Sitz haben, verbunden. Bei Männer sind demnach Logik und Gefühl weniger intensiv verknüpft als bei Frauen.

Sind das männliche und weibliche Gehirn unterschiedlich aufgebaut? Wie wirken Hormone und Geschlecht zusammen? Gibt es geschlechtsspezifische kognitive Fähigkeiten? Sind Entwicklungsstörungen eine männliche Domäne? Sind nur Frauen essgestört? Welche Rolle spielen Geschlechtshormone bei der Multiplen Sklerose, bei Schizophrenie und Depression? Ist die Demenz bei Frauen und Männern das gleiche Problem?
Bestätigt wird das dadurch, dass Frauen nach einem Schlaganfall, der die linke Gehirnhälfte stärker beeinträchtigt, sich schneller wieder mit der Sprache zurechtfinden als die meisten Männer.

Menstruelle und hormonelle Einflüsse auf Gehirnfunktionen

Die Funktionen unseres Gehirns werden auch während des späteren Lebens auf vielfältige Weise durch Sexualhormone beeinflusst. Die hormonellen Schwankungen beim Monatszyklus der Frau scheinen einen Einfluss auf das Gehirn zu haben, denn Tests, bei denen Frauen in den verschiedenen Phasen ihres Zyklus auf bestimmte Fähigkeiten untersucht wurden, zeigen, dass nach dem Eisprung das Gehirn der Frau unter dem Einfluss des Gelbkörperhormons "typisch weiblich" arbeitet, das heißt, beide Hirnhälften zeigen annähernd die gleiche Aktivität. Jetzt sind die sprachlichen Fähigkeiten, wie die Wortgewandtheit der Frau am größten. Zu Zeiten der Menstruation sinkt die Konzentration dieses Hormons ab und das weibliche Gehirn arbeitet ähnlich dem der Männer, indem ihr räumliches Wahrnehmungsvermögen größer ist.

Nach neueren Studien sind Frauen weniger vergesslich, wobei man vermutet, dass es vielleicht am weiblichen Sexualhormon Östrogen liegt, denn wenn der Östrogenspiegel während der Menopause bei Frauen absinkt, reduziert sich auch über einige Zeit deren durchschnittliche Gedächtnisleistung, reguliert sich aber der Östrogenhaushalt nach den Wechseljahren wieder, verbessert sich auch wieder das Erinnerungsvermögen.

Eine Untersuchung von Karim et al. (2016) zeigte, dass der Zeitpunkt des Kinderkriegens, die Anzahl der Geburten und die Einnahme der Pille die mentale Fitness von Frauen nach den Wechseljahren beeinflusst. Für diese Studie unterzogen die Forscher 830 Frauen im Alter von durchschnittlich 60 Jahren verschiedenen Tests, um ihr verbales Gedächtnis, ihre Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, ihre visuelle Wahrnehmung und das allgemeine Gedächtnis zu ermitteln. Jene Frauen, die ihr erstes Kind erst mit 24 Jahren oder später bekommen hatten, verfügten über ein besseres Arbeitsgedächtnis, eine bessere Aufmerksamkeit und schnitten in Problemlösetests besser ab. Die Frauen, die mit 35 Jahren oder später zuletzt schwanger waren, besaßen ein besseres verbales Gedächtnis als Frauen ohne Kinder oder mit früheren Geburtszeiten. Auch ein früher Beginn der ersten Menstruation bei jungen Mädchen und die Einnahme der Pille über mindestens zehn Jahre hinweg scheinen sich positiv auf die mentalen Leistungen im Alter. Möglicherweise fördern die Geschlechtshormone wie Östrogen und Progesteron die geistigen Leistungen, denn Östrogen hat eine positive Wirkung auf den Hirnstoffwechsel und die Hirnfunktion, Progesteron hingegen fördert das Wachstum und die Entwicklung des HGehirngewebes. Eine späte Schwangerschaft sorgt daher für einen Schub dieser Hormone, der sich sogar noch über die Wechseljahre positiv auf das Gehirn auswirken. Diese Studie liefert starke Belege dafür, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen später letzter Schwangerschaft und den geistigen Fähigkeiten im Alter gibt.

Frühere Studie haben übrigens gezeigt, dass Frauen mittleren Alters ihre Sexualität mehr genießen können, weil sie mehr Selbstvertrauen und bessere kommunikative Fähigkeiten besitzen. Darüber hinaus hat eine Studie (Maunder et al., 2016) an heterosexuellen Frauen unter Dreißig auch gezeigt, dass Sexualität mit Gedächtnisfunktionen zusammenhängen, weil Sexualität vermutlich eine Art körperliche Ertüchtigung darstellt und hilft, Depression oder Stress abzubauen. Es hat sich in den Experimenten nämlich gezeigt, dass Frauen mit einem aktiven Sexualleben ein besseres Gedächtnis besitzen.

Studien zeigen auch, dass medikamentöse Verhütungsmittel auch strukturellen Einfluss auf das Gehirn haben und die kognitiven Fähigkeiten beeinflussen. Dabei kann es zu einer Reihe von Veränderungen im Denken, Fühlen und Handeln kommen. Bei einer längeren Einnahme komt es sogar zu Veränderungen in der Gehirnstruktur, wobei auch Areale betroffen sind, die für Funktionen wie das Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Gesichtserkennung oder Sprache zuständig sind. Beenden Frauen die Einnahme frühzeitig, sind diese Veränderungen oft reversibel, doch nehmen Frauen die Pille über viele Jahre ein, können diese Veränderungen auch unumkehrbar sein. Problematisch scheint auch zu sein, dass schon in der Pubertät viele Mädchen die Pille nehmen, wobei besonders in dieser Entwicklungsphase die Auswirkungen einen nachhaltigeren Einfluss haben könnten. Auch auf das emotionale Erinnerungsvermögen nimmt nach Untersuchungen die Einnahme eines hormonellen Verhütungsmittels Einfluss. Hinzu kommt auch, dass synthetischen Hormone nicht nur den Spiegel der körpereigenen Hormone senken, sondern teilweise auch eine deutlich stärkere Wirkung entfalten als körpereigene Geschlechtshormone.

Sozialverhalten von Frauen durch Östrogenspiegel beeinflusst

Hormonschwankungen tragen bekanntlich dazu bei, dass sich das soziale Verhalten einer Frau über den Menstruationszyklus hinweg ändert, wobei vor allem die Stimmungsschwankungen und die Reizbarkeit vor der Regelblutung sowie die erhöhte Bereitschaft zu Geschlechtsverkehr um die Zeit des Eissprungs herum bekannt sind. In einer Studie (Anderl et al.,2015) hat man nun entdeckt, dass auch die Bereitschaft, eigene Ressourcen mit Fremden zu teilen mit dem Hormonspiegel schwankt, d. h., dass während und kurz nach der Menstruation Frauen eher bereit zur Kooperation sind. Wesentlich war dabei der Östrogenspiegel, denn je geringer dieser war desto geringer war auch die Teilungsbereitschaft der Frauen. Auch Hormone wie Oxytocin und Testosteron beeinflusst die menschliche Kooperationsbereitschaft.

Literatur

Anderl, C., Hahn, T., Notebaert, K., Klotz, C., Rutter, B., & Windmann, S. (2015). Cooperative preferences fluctuate across the menstrual cycle. Judgment and Decision Making, 10, 400–406.

Karim, Roksana, Dang, Ha, Henderson, Victor W.,Hodis, Howard N., St. John, Jan, Brinton, Roberta D. & Mack, Wendy J. (2016). Effect of Reproductive History and Exogenous Hormone Use on Cognitive Function in Mid- and Late Life. Journal of the American Geriatrics Society, doi.org/10.1111/jgs.14658.

Maunder, L., Schoemaker, D. & Pruessner, J.C. (2016). Frequency of Penile–Vaginal Intercourse is Associated with Verbal Recognition Performance in Adult Women. Archives of Sexual Behavior, doi:10.1007/s10508-016-0890-4.

https://www.geo.de/wissen/22301-rtkl-geschlechterforschung-wie-sich-frau-und-mann-unterscheiden-verblueffende (19-12-06)


‹berblick Arbeitsblätter "Geschlechtsunterschiede ;-)"



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