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[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Zusammenspiel zwischen Gehirnentwicklung und sozialem Verhalten

Frauen Männer

Bei menschlichen und nichtmenschlichen Primaten erklären die Geschlechtsunterschiede in der Regel zahlreiche interindividuelle Variabilitäten, wobei männliche und weibliche Verhaltensweisen möglicherweise eine wichtige Rolle bei der Koevolution von zunehmendem Gehirnvolumen und komplexerer sozialer Dynamik gespielt haben. Um solche Unterschiede in der sozialen Hirnmorphologie zwischen Männern und Frauen, die in unterschiedlichen sozialen Umgebungen leben, zu untersuchen, wurden verschiedene Modelle für die TeilnehmerInnen der britischen Bio-Bank angewandt. Man vermutete, dass das soziale Gehirn beim männlichen und beim weiblichen Geschlecht anders ausgeprägt ist, was an der jeweiligen Rolle in der Gemeinschaft liegen könnte, denn so kümmern sich etwa bei den meisten Affenarten die Weibchen um den Nachwuchs und diese pflegen auch häufiger andere Sozialkontakte, während bei Männchen in der Regel Machtverhältnisse und Dominanz im Mittelpunkt ihres Verhaltens stehen. Mit solchen Modellen versuchte man abzubilden, ob die Menschen in größeren Familienverbänden oder allein leben, ob sie einem Beruf mit vielen Sozialkontakten nachgehen, ob sie viele Freunde haben, in Vereinen engagiert sind und wie zufrieden sie mit all diesen Beziehungen sind.

Man fand dabei starke Volumenseffekte insbesondere im limbischen System, aber auch in Regionen der sensorischen, intermediären und höheren Assoziationsnetzwerke. Geschlechtsspezifische Volumenseffekte im limbischen System konnten dabei mit der Häufigkeit und Intensität der sozialen Kontakte in Verbindung gebracht werden, etwa in Bezug auf Haushaltsgröße und soziale Unterstützung. So war das Gehirnvolumen in manchen Regionen größer, wenn ein Individuum in einem reichhaltigen sozialen Umfeld mit häufigen, vielfältigen und intensiven Kontakten lebte. Wie und wie sehr sich das Sozialleben auf die Anatomie auswirkt, dürfte daher tatsächlich auch mit dem Geschlecht zu tun haben, denn so war etwa die Amygdala bei Frauen im Verhältnis deutlich größer als bei Männern, wenn sie einen Haushalt mit vielen Personen teilen oder wenn sie viele enge Sozialkontakte hatten. In einem Bereich des Frontallappens, in dem Kontrollmechanismen, abstraktes und rationales Denken verankert sind, fanden sich bei geselligen bzw. einsamen Frauen stärkere Veränderungen gegenüber dem Durchschnitt bei Männern. Das könnte damit zu tun haben, dass sie vielleicht mehr als die meisten Männer über ihre jeweilige soziale Situation nachdenken. Auch fand die Zufriedenheit mit Freundschaften und ihr Vertrauen in diese im Frauengehirn in emotionalen wie in rationalen Arealen größeren Niederschlag.

Soziale Erfahrungen spiegelten sich bei Männern in neuronalen Belohnungszentren stärker wider, wobei das besonders deutlich bei Männern mit niedrigem Einkommen war, was bedeutet, dass gute Sozialkontakte bei ihnen Gefühle der positive Gefühle der wie erlebte Anerkennung auslösen. Bei sozial gut eingebetteten Frauen fanden sich auch mehr Veränderungen in Gehirnarealen, die mit der Wahrnehmungsebene von Hören oder Sehen in Zusammenhang stehen, was bei Männern nicht der Fall war, was erklären könnte, warum Frauen oft besser in Gesichtern lesen können.

Auch wenn es sich bei diesen Daten nur um graduelle Differenzen zwischen den Geschlechtern handelt, könnten über die Verarbeitungshierarchie neuronaler Netzwerke hinweg unterschiedliche Bedingungen für das soziale Verhalten in der Hirnanatomie in geschlechtsabhängiger Weise zumindest mitschwingen und von ihr mit beeinflusst werden.

Literatur

Kiesow, Hannah, Dunbar, Robin, Kable, Joseph, Kalenscher, Tobias, Vogeley, Kai, Schilbach, Leonhard, Marquand, Andre, Wiecki, Thomas & Bzdok, Danilo (2020). 10,000 Social Brains: Sex Differentiation in Human Brain Anatomy. Science Advances, doi:10.1126/sciadv.aaz1170.

https://science.orf.at/stories/3200287/ (20-03-19)


‹berblick Arbeitsblätter "Geschlechtsunterschiede ;-)"



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