Ursachen für die Entstehung von Jugendgewalt
Großen Einfluss auf das Entstehen von Jugendgewalt hat das Elternhaus, in dem Kinder Liebe und Zuneigung, aber auch psychischen und körperlichen Missbrauch erfahren können. Besonders schwierig für Jugendliche ist diese Zeit auch deshalb, weil sie sich zwischen Kindheit und Erwachsensein bewegen, sie wünschen sich jedoch bereits Erwachsenenstatus, der oft mit falschen Mitteln erreicht werden soll. Weiters gilt es auch zwischen persistenter Delinquenz und Jugenddelinquenz zu unterscheiden.
Das Elternhaus
Der immer größere Wunsch nach Individualismus in der Gesellschaft hat große Auswirkungen auf die Institution Ehe und Familie. Durch diese Entwicklung erleben immer mehr Kinder familiäre Desintegration, dies führt zu Unsicherheiten und Belastungen innerhalb der Familie. Die zunehmende Verschlechterung des Familienklimas kann eine mögliche Erklärung für jugendliche Gewalt sein. Besonders ungelöste Streitigkeiten der Eltern, die zu keiner Klärung der Probleme führen, können einen Einfluss auf Kinder und Jugendliche haben. Weiters sind auch die Uneinigkeit der Eltern im Erziehungsstil, ein inkonsistentes Disziplinierungsverhalten der Eltern, geringe emotionale Nähe und Unterstützung der Kinder negative Zeichen für diese Entwicklung (vgl. Uslucan, Fuhrer, Rademacher 2003, S. 282).
Nicht nur Individualismus kann für die Entstehung von Gewalt eine Rolle spielen. Jugendliche, die in ihrer Kindheit oft physischer Gewalt ausgesetzt waren, tendierten viel öfter ebenfalls zu Gewalt, um ihre Ziele zu erreichen (vgl. Uslucan, Fuhrer, Rademacher 2003 S. 282). Kinder, die dieser Form von Gewalt ausgesetzt sind, werden oft mit Liebesentzug bestraft, was zu einem gehemmten Verhältnis zu Gleichaltrigen führen kann (vgl. Engfer 2002 S. 802). Wenn diese psychische Gewalt dauerhaft ist, wirken die Kinder im Kindesalter „ungehorsam, hyperaktiv, aggressiv und quengelig ( Engfer 2002, S. 803)“. Später können sich daraus nervöse Ticks entwickeln und die Jugendlichen können auch selbst zerstörerisches Verhalten zeigen (vgl. Engfer 2002, S. 803).
Auch das Erleben körperlicher Gewalt und der Wunsch der Bewältigung der Probleme im Elternhaus führen die Jugendlichen aber auch oft zu gewaltbereiten Gruppen (vgl. Uslucan, Fuhrer, Rademacher 2003, S. 282). Körperliche Bestrafungen nahmen aber im Laufe der Zeit ab. Es zeigte sich, dass Eltern, die selbst gewaltfrei heranwuchsen, auch ihre eigenen Kinder nicht mit Gewalt erzogen (vgl. Engfer 2002, S. 804). Die Missbilligung von körperlicher Gewalt in der Öffentlichkeit zeigt, dass diese Form von Gewalt in Familien nicht mehr anerkannt ist. Jedoch ist erstaunlich, dass Kinder genau aus diesem Phänomen heraus die eigene erfahrene körperliche Gewalt verharmlosen. Partnerschaftskonflikte, die oft auf die Kinder übergreifen oder die schwierige Situation alleinerziehender Mütter erhöhen ebenfalls die Gewaltbereitschaft (vgl. Engfer 2002, S. 805).
Weiters kann auch die Vernachlässigung bei Kindern und Jugendlichen zu großen Folgewirkungen führen. Unter Vernachlässigung wird keine ausreichende Ernährung, Pflege, Förderung, Gesundheitsversorgung, Schutz vor Gefahren verstanden. Sie lässt sich häufig in der Verbindung mit extremer Armut und sozialen Randgruppen feststellen. Auch Kinder von psychisch Kranken und Drogenabhängigen zeigen starke Entwicklungsrückstände, was auf die physische und psychische Vernachlässigung zurückzuführen ist. Die Entwicklungsrückstände beinhalten Rückstände in der kognitiven und sozial- emotionalen Entwicklung und ein ungepflegtes Äußeres, weshalb diese Kinder auch oft von Mitschülern und Lehrern abgelehnt werden. Vor diesen Rückständen können die Kinder nur durch Herausnahme aus der Familie geschützt werden (vgl. Engfer 2002, S. 801f).
Gewalt in der Familie kann auch als letztes Mittel gegen die Aggressivität oder den Ungehorsam der Kinder dienen. Die Auffälligkeiten, die Kinder zeigen, lassen sich von psychischen Problemen der Eltern ableiten. Die Verhaltensauffälligkeit liegt bereits vor, ehe überhaupt geschlagen wird. Beispielsweise sind behinderte Kinder dreimal so häufig Gewalttätigkeiten ausgesetzt. Bislang ist noch nicht geklärt, welche Auffälligkeiten zu Misshandlungen führen. Jedoch können bereits Streitereien mit den Geschwistern die Gewalt der Eltern hervorrufen. Kinder aus solchen Familien weisen oft kognitive und sprachliche Rückstände auf. Sie haben geringe soziale Kompetenzen, wenig Ausdauer und sind nur gering belastbar. Weiters haben sie Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen. Es gibt auch Spätfolgen dieser Misshandlungen. Beispielsweise können bei Jugendlichen eine höhere Aggressionsbereitschaft, Alkohol- und Drogenmissbrauch, emotionale Probleme und Suizidneigungen auftreten
(vgl. Engfer 2002, S. 806f).
Folgen elterlicher Gewalt
Durch das Erlernen von Gewalt und Aggressivität stabilisiert sich das Aggressivitätspotenzial in den Jugendlichen. Diese haben also nie gelernt, dass es auch andere Wege zur Lösung von Problemen gibt. Dies führt oft zu persistent delinquenten Jugendlichen, dieses Thema wird jedoch erst später behandelt (vgl. Montada 2002, S. 869).
Das Statusproblem Jugendlicher
Da die sexuelle Reife immer früher erfolgt, auf der anderen Seite die Ausbildung immer länger dauert, befinden sich immer mehr Jugendliche zwischen dem Status als Kind und Erwachsener. Eine große Zahl von familiären Verboten weckt das Bedürfnis nach Autonomie. Viele Jugendliche glauben, dass sie diese erreichen, indem sie Verbote brechen und dadurch endlich Zugang zu dem Status der Erwachsenen haben. Der Status, der dadurch erreicht wird, ist aber nur bei bestimmten sozialen Gruppen anerkannt, weshalb Jugendliche auch verstärkt zu diesen Gruppen Kontakt aufnehmen werden (vgl. Montada 2002, S. 865).
Schulische Misserfolge können auch zu Delinquenz führen, da hier die Anerkennung durch Lehrer/innen und Eltern eher gering ist. Gerade Jugendliche, für die Schulerfolg sehr wichtig wäre, werden durch Misserfolg verstärkt delinquent. Jedoch kann Status auch als Schutzfaktor gegen kriminelle Handlungen wirken, da Bildung den Lernenden einen Status verleiht. Sie erhalten dadurch Anerkennung von Lehrern und Lehrerinnen, Familie und Freunden
(vgl. Montada 2002, S. 866).
Erstaunlicherweise zeigten sich Jugendliche, die die Familie finanziell unterstützen mussten, ebenfalls nicht delinquent, da sie dadurch Anerkennung der Familie besaßen und sich ihr Status dadurch automatisch erhöhte. Weiters sind Mädchen seltener delinquent als Jungen, da sie meist einen größeren schulischen Erfolg haben, familiäre Verantwortung tragen, ein sozial verträgliches Verhalten als Ideal bei Mädchen gilt und das jugendliche Schönheitsideal zu größerem Selbstbewusstsein beiträgt (vgl. Montada 2002, S. 866).
Jugenddelinquenz
Entwicklung der Jugenddelinquenz:
Weiters ist aufgefallen, dass die Jugenddelinquenz generell in den letzten 50 Jahren stark angestiegen ist. Besonders deutlich kann man dies bei den verübten Gewaltdelikten zwischen 1984 und 2000 erkennen, wo es zu einer Verdreifachung der Tatverdächtigen zwischen 14 und 18 Jahren kam (vgl. Montada 2002, S. 862).
Dieser starke Anstieg und die vorher genannte starke Verringerung der Straffälligkeit von Personen, die dem Jugendalter entwachsen sind, führten zu der These der Jugenddelinquenz und der persistenten Delinquenz (vgl. Montada 2002, S. 864).
Jugenddelinquenz und persistente Deliquenz:
Persistent Delinquente weisen eine große Stetigkeit an antisozialem Verhalten auf, welches sich durch ihr gesamtes Leben zieht (vgl. Montada 2002, S. 864). Anders ist dies bei der Jugenddelinquenz. Dieses häufige Phänomen ereignet sich zwischen Adoleszenz und dem frühen Erwachsenenalter, danach hört es meist wieder auf (vgl. Montada 2002, S. 865). Jugenddelinquenz kommt hauptsächlich bei Personen mit normalen Intelligenzwerten, ohne pathologischen Auffälligkeiten vor, die oftmals überdurchschnittlich beliebt in ihrer Peergroup sind und sich in einem Anpassungsprozess aufgrund des zuvor genannten Statusproblems befinden. Außerdem ist der/die Jugenddelinquente nicht grundsätzlich antisozial und hat die Chance durch Partnerschaft, Beruf, Familiengründung und Umgang mit nicht delinquenten Peergroups sich aus der Delinquenz zu lösen (vgl. Montada 2002, S. 867).
Natürlich gelingt diese Neuorientierung nicht jedem Jugenddelinquenten. Ursachen für die andauernde Delinquenz können, die durch das Probieren verursachte Abhängigkeit von Drogen sein oder aber das Fehlen neuer Ziele, insbesondere von Ausbildungsabschlüssen. Dies setzt sich weiter fort, da die Gewinnung wirtschaftlicher Stabilität von der Ausbildung abhängig ist und die wirtschaftliche Stabilität auch die Gründung stabiler Partnerschaften erleichtert (vgl. Montada 2002, S. 867).
Bei persistent Antisozialen liegen die Ursachen bis in die früheste Kindheit zurück. Oft sind diese antisozialen Muster mit pathologischen Störungen wie Hirnschädigungen, Aufmerksamkeitsstörungen und auch mit dem Syndrom des „schwierigen Kindes“ verbunden. „Schwierige Kinder“ haben diverse Verhaltensauffälligkeiten wie exzessives Schreien und unstabile Tagesrhythmen. Ebenso lassen sie sich kaum beruhigen, wodurch vielfach ungünstiges Verhalten der Eltern, das bis zur Misshandlung des Kindes führen kann, hervorgerufen wird. Diese ungünstige Erziehung kann sich durch aggressives Verhalten der Kinder zeigen, welches wiederum Ablehnung durch seine Umwelt erfährt (vgl. Montada 2002, S. 869).
Siehe dazu Kriminalität bei Jugendlichen
Präventive und korrektive Maßnahmen
Durch die Einflussnahme der Eltern aggressiver Kinder stehen die Chancen bis zur Pubertät noch relativ gut, aggressionsauslösende Deutungsmuster zu korrigieren. So können Aggressionen durch den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung und durch konstruktive Arbeit abgebaut werden. (vgl. Montada 2002, S. 869). Auch außerhalb der Familie gibt es viele rechtliche und institutionelle Maßnahmen, welche sich der Delinquenzprävention bei Jugendlichen widmen. Rechtsstrafen, Jugendschutzgesetze, Beratungsstellen, Sozialarbeit, Maßnahmen zur Senkung der Arbeitslosigkeit und viele weitere gehören dazu (vgl. Montada 2002, S. 870). Dabei muss man sich jedoch bewusst sein, dass aufgrund der hohen Komplexität der Ursachenzusammenhänge bei delinquenten Jugendlichen kurzzeitige Interventionen und generelle Präventionsmethoden meist nicht die gewünschten langfristigen delinquenzverhindernden Effekte mit sich bringen (vgl. Montada 2002, S. 871).
Beispiele erfolgreicher Präventivprogramme kann man in drei Kategorien unterteilen.
- Das frühe Erkennen von Risikofaktoren in der frühen Kindheit und die Versuche diese Faktoren zu eliminieren oder zumindest die Kinder dagegen resistent zu machen, sind die Ziele der primären Prävention. Durch Elterntrainings wird versucht auf den Erziehungsstil der Eltern Einfluss zu nehmen. Dies setzt jedoch eine starke Mitarbeit der Eltern voraus, die gerade bei Familien mit den Risikofaktoren Armut und ungünstigen familiären Interaktionsformen nicht gegeben sind. Langfristig erfolgreicher waren familiäre Unterstützungsmaßnahmen für Mittelschichtfamilien, wobei die Maßnahmen allgemeiner gehalten waren (vgl. Montada 2002, S. 871ff).
- Die sekundäre Prävention beschäftigt sich mit Heranwachsenden, die durch antisoziales Verhalten auffällig gewordenen sind. Um das Risiko des Schulversagens und der damit erhöhten persistenten Delinquenzgefahr zu reduzieren, gibt es positive Versuche durch Reduktion von Lerninhalten in Form von modularem Unterricht. Zur Steigerung der sozialen Kompetenz gibt es durchaus erfolgreiche Programme zur Kommunikation und Interaktion sowie zum Konfliktmanagement. Des Weiteren wäre es wichtig, dass persistente Delinquenzgefährdete innerhalb ihrer Ausbildung auch berufliche und soziale Verantwortung übernehmen. Dies bedürfte jedoch einer teilweisen Reform des Schul- und Ausbildungswesens (vgl. Montada 2002, S. 871ff).
- Die tertiäre Prävention versucht schon straffällig gewordene Täter vor wiederholter Straffälligkeit zu schützen, indem Rechtsstrafen zur Abschreckung verhängt werden und sozialtherapeutische Maßnahmen ergriffen werden. Durch individuelle psychotherapeutische Behandlungen konnten die Rückfallquoten deutlich – im Vergleich zum Standardvollzug – verringert werden, wobei die Validität dieser Versuche nicht mit Sicherheit gegeben ist. Die Haftstrafe wird im Allgemeinen als problematisch bezüglich der erneuten Delinquenz gesehen. So vermindert die Haft die Angst vor erneuter Inhaftierung, wodurch die abschreckende Wirkung von Haftstrafen durchaus in Frage gestellt werden kann. Jedoch beinhaltet eine Haftstrafe weitere abschreckende und auch für die Zeit nach der Haft erschwerende Effekte, wie die Beeinträchtigung der späteren sozialen Eingliederung, Verminderung des Selbstwertgefühles und der beruflichen Chancen (vgl. Montada 2002, S. 871ff).
Bei all den rechtlichen und institutionellen Präventionsmöglichkeiten gilt jedoch zu beachten, dass es auch Beispiele vieler Jugendlicher gibt, die einer Häufung an Risikofaktoren für Delinquenz ausgesetzt sind, jedoch trotzdem nicht straffällig werden (vgl. Montada 2002, S. 861). Somit kann man auch erkennen, dass Jugendliche selbst immer die wichtigsten Gestalter ihrer Entwicklung sind, und dass sie durch ihr Handeln nicht nur sich selbst sondern auch ihr soziales Umfeld beeinflussen können (vgl. Uslucan, Fuhrer, Rademacher 2003, S. 291).
Jean Decety et al. (2008) verglichen in einer Studie die Gehirnaktivität von aggressiven und nicht aggressiven Jugendlichen mittels Magnetresonanztomografie (fMRI), wobei sie ihnen Szenen zeigten, in denen Menschen absichtlich Schmerz zugefügt wurde. Es zeigte sich, dass bei den aggressiven Jugendlichen spezifische Belohnungszentren im Gehirn aktiviert werden, d.h., dass sie es möglicherweise auch genossen, Schmerz zu sehen. Demnach finden bei verhaltensgestörten Jugendlichen andere neuronale Prozesse statt als bei ihren Peers.
Mobbing
Grundsätzlich versteht man unter Mobbing das Phänomen, dass eine von der Norm abweichende Person von anderen ausgegrenzt und erniedrigt wird. Diese Attacken weisen eine gewisse Regelmäßigkeit auf – so finden sie mindestens einmal pro Woche statt – und ziehen sich über eine bestimmte Dauer hinweg – nämlich über mindestens ein halbes Jahr lang (vgl. Martini 2002).
Ursprünglich wurde der Begriff Mobbing in der Arbeitswelt geprägt, dennoch findet man dieses Phänomen auch in diversen anderen Lebensbereichen vor, so beispielsweise auch in Schulen. Gemeint sind hier nicht alltägliche Konflikte zwischen Schüler/innen, sondern Handlungen von Jungendlichen, um eine/n bestimmte/n Schüler/in zu „attackieren“.
Man unterscheidet nun zwischen verschiedenen Erscheinungsformen:
- Verbales Mobbing drückt sich in Form von Hänseleien, Beschimpfungen, … aus und kann zwischen Jugendlichen ebenso wie zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen stattfinden.
- Davon unterschieden wird das Mobbing durch körperliche Gewalt, auch Bullying genannt.
- Letzte Erscheinungsform ist das stumme Mobbing. Hier werden Personen aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und ignoriert (vgl. Fliegel 2000).
Die Beteiligten
Forschungen zu Folge soll jede/r zehnte Schüler/in Opfer dieser Gewalttaten sein; im Gegensatz dazu ist jedoch mehr als jede/r Zehnte Täter.
Von Mobbing betroffen und als besonders gefährdet gelten vor allem Personen, die sich von anderen Mitschüler/innen der Klasse abheben, sei es durch ihre Kleidung, eine körperliche Behinderung oder durch andere abweichende Merkmale. Unterschiede bezüglich der Opferrolle im Geschlecht ergeben sich nicht.
Für Täter/innen ergibt sich grundsätzlich folgendes Bild: Wird aktivem Bullying in Form von Sanktionen nicht entgegengewirkt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Täter/innen später straffällig zu werden um ein Vielfaches (vgl. Fliegel 2000).
Folgen von Mobbing
Die Folgen von Mobbing können oftmals schwerwiegend sein, so fallen Schätzungen zu Folge etwa 20 % aller Selbstmorde darauf zurück. Weiters führen psychische Belastungen oft zu körperlichen Erkrankungen. Langfristig gesehen können bei Mobbing-Opfern sogar chronische Krankheiten wie Depressionen auftreten, womit sich die Selbstmordgefahr um ein Vielfaches erhöht (vgl. Fliegel 2000).
Im Bereich Schule kann festgehalten werden, dass Jugendliche häufig nicht mit ihren Lehrern, Lehrerinnen und Eltern über das Problem sprechen wollen, da sie aus Opfersicht einerseits Angst davor haben als „Petze“ dargestellt zu werden, andererseits haben Täter/innen Angst vor Bestrafungen. Beide Seiten wollen in der Klassengemeinschaft nicht als unbeliebt gelten.
Mädchen leiden unter den Folgen von Mobbing – langfristig gesehen – weniger als Jungen, da sie sich besser in eine Gemeinschaft reintegrieren können. Männliche Mobbing-Opfer hingegen haben oft Angst vor körperlichen Verletzungen, was sich im Erwachsenen Alter in einem Mangel sozialer Kompetenzen wieder finden lässt (vgl. Fliegel 2000).
Ursachen von Mobbing
Die Ursachen von Mobbing liegen in Konflikten, die sich vielfältig präsentieren können. So können unterschiedliche Auslöser wie Unterforderung, Überforderung, aber auch ein gestörtes Klassenklima verantwortlich für gemobbtes Verhalten sein. Als häufige Mobbing Grundlage wird auch der familiäre Status genannt: So können Eltern aus finanziellen Gründen ihren Kindern beispielsweise teure Kleidungsstücke nicht kaufen; somit wird die Bekleidung Auslöser für Mobbing. Daraus ergibt sich, dass auch Fremdes oder Anderes zur Mobbingursache werden kann. Eine andere Religion, Sprache, Nationalität, usw. spielen hier eine wesentliche Rolle (vgl. Fliegel 2000).
Lösungen
Lösungen für das Phänomen Mobbing lassen sich einerseits in der Familie andererseits aber auch im Schulsystem finden. Innerhalb der Familie sollten Eltern ihren Kindern Selbstvertrauen geben, ihre Persönlichkeit und soziale Kompetenz stärken. Lehrer/innen sollten das Thema Mobbing nicht zum Tabu machen und die Augen davor verschließen. Hinschauen und Handeln ist der erste Schritt, um das Problem zu lösen. Ebenso sollten Lehrer/innen Opfern Hilfe anbieten, denn diese können sich selbst nicht mehr wehren und sind auf Unterstützung von außen angewiesen. In vielen Schulen werden mittlerweile Trainings zur Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikationstrainings und Konfliktbewältigungstrainings angeboten. Diese sollten aber nicht als Alibifunktion für die Schule gelten, um sonstige Maßnahmen zu umgehen, sondern eher als Präventivmaßnahme verstanden werden (vgl. Fliegel 2000).
- Lebensbedingungen und Lebensgewohnheiten von Jugendlichen
- Beziehungen zwischen Eltern und ihren jugendlichen Kindern
- Jugendsüchte - Süchte der Jugend
- Die Alkoholszenen der Jugend
- Essstörungen bei Jugendlichen
- Ursachen für die Entstehung von Gewalt bei Jugendlichen
- Schulgewalt und Selbstwertempfinden
- Psychosomatische Beschwerden und psychisches Wohlbefinden in der Schule
- Rolle der Medien für die Entwicklung im Jugendalter
- Moralische Entwicklung
- Mitgefühlsbereitschaft im Jugendalter
- Bedeutsame Entwicklungen
- Von der Adoleszenz ins Erwachsenenalter
- Bedingungen für die Entstehung von Jugendgewalt
- Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Eltern und Peers
- Jugendgewalt und familiale Desintegration
- Die Peergroup
- Eltern und Freundschaften der Jugendlichen
- Die Bindung Eltern-Jugendliche
- Familienklimas und Auszug aus dem Elternhaus
- Zusammenhang zwischen kognitiver Entwicklung und Lerntechniken
- Moralische Entwicklung
- Kriminalität bei Jugendlichen
- Körperliche Entwicklung und Sexualität
- Selbstverletzung
- Innerfamiliäre Beziehungen und ihre Auswirkung im Jugendalter
- Entwicklung von Familienbeziehungen im Jugendalter
- Was ist Jugendlichen im Leben wichtig?
Verwendete Literatur
Decety, Jean, Michalskaa, Kalina J., Akitsukia Yuko & Laheyc, Benjamin B. (2008). Atypical empathic responses in adolescents with aggressive conduct disorder: A functional MRI investigation. Biological Psychology 10.
Engfer, A. (2002). Misshandlung, Vernachlässigung und Missbrauch von Kindern. In Entwicklungspsychologie (S. 800 – 817). Verlag: Beltz Verlage
Fliegel, S. (2000). Mobbing in der Schule.
Online im Internet: WWW:http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/MobbingSchule.shtml
(07-11-10)
Fuhrer, U., Rademacher, J., Haci-Halil, U. (2003). Jugendgewalt und familiale Desintegration. In Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2003, 50, (S. 281- 293). Verlag: Ernst Reinhardt Verlag München Basel
Martini, S. (2007). Was ist Mobbing eigentlich?
Online im Internet: WWW: http://www.hsu-hh.de/mobbing/index_mfdruEIKwRNQAuS7.html
(07-11-10)
Montada, L. (2002). Delinquenz. In Entwicklungspsychologie (S. 859 – 873). Verlag: Beltz Verlage
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