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Mitgefühlsbereitschaft im Jugendalter

Quelle:

Volland, C. Ulich, D. Kienbaum, J. & Hölzle, E. (2008). Die geschlechtsspezifische Entwicklung der Mitgefühlsbereitschaft im Jugendalter. Psychologie in Erziehung und Unterricht.

Unterschied sympathy/empathy

Mittels einer Studie wurde die geschlechtsspezifische Entwicklung der Mitgefühlsbereitschaft im Jugendalter erfasst. Hierbei ist jedoch deutlich zu unterscheiden zwischen:

Sympathy (= Mitgefühl/Mitleid)

Für „sympathy“ ist der Auslöser immer das Leid der anderen Person. „Sympathy“ äußert sich meist in Betroffenheit, Beunruhigung, Bedauern, Bekümmertheit und Besorgtheit. In der Studie konnten jedoch im Falle von „sympathy“ sowohl keine deutlichen Alterstrends als auch keine Geschlechtsunterschiede festgestellt werden (2008, S.28).

Empathy

Für „empathy“ sind sowohl die Auslöser als auch die Reaktionen völlig offen (2008, S.28). „Empathy“ bezeichnet man als „einfühlen“, wie dies zum Beispiel Priester tun. Es zeigt sich sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungen eine jährliche Zunahme in der Bereitschaft, Empathie zu zeigen. Im Vergleich der Geschlechter ergaben sich jedoch bei den Mädchen höhere Empathiewerte als bei Jungen.

Interessant zu beobachten ist auch, dass Mädchen im Alter zwischen 13 und 16 Jahren für beide Geschlechter gleich viel Mitgefühl entwickelten. Bei den Jungen allerdings ist die Mitgefühlsbereitschaft deutlich vom Geschlecht abhängig. Bei weiblichen Personen nahm das Mitgefühl mit dem Alter zu und bei männlichen immer mehr ab (vgl. Volland et al. 2008, S. 29).

Methoden zur Datenerhebung

Die Stichprobe bestand aus insgesamt 740 Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren. Die Untersuchung fand an mehreren Schulen (Real-, Hauptschulen, Gymnasiasten, Montessori- und Berufsschulen) in Deutschland statt. Die Jugendlichen wurden in ihren Schulklassen befragt. Die Fragebögen wurden den Jugendlichen vorab anhand einiger Beispiel-Items erklärt. Unklarheiten konnten durch Rückfragen an die Versuchsleiterinnen ausgeräumt werden. Die Mitgefühlsbereitschaft der Jugendlichen wurde mit Hilfe eines Fragebogens, dem sogenannten Mitgefühl-Reaktionsverfahren erfasst, das bereits in einer Studie mit Erwachsenen eingesetzt und für Jugendliche adaptiert wurde. Hierbei werden den Probanden zwei Stimulussituationen vorgelegt. Die erste Stimulussituation lautete: „Stell Dir vor, Du siehst auf der Straße, wie eine Mutter einem etwa achtjährigen Kind eine Ohrfeige gibt. Das Kind weint. Was würdest Du dir dabei denken?“ Die zweite Stimulussituation lautete: „Stell Dir vor, Du siehst im Fernsehen einen Bericht über die Lebensgeschichte einer drogenabhängigen, jungen Frau. War würdest Du Dir dabei denken?“ In beiden Fällen wurden als Antwortmöglichkeit den Probanden sieben Reaktionsmöglichkeiten vorgegeben und sie wurden gebeten zu beurteilen, ob die jeweilige Reaktionsmöglichkeit zu treffe oder nicht (1= „stimmt überhaupt nicht“, 6= „stimmt genau“) (vgl. Volland et al. 2008, S. 31).

Mitgefühlsbereitschaft gegenüber dem geschlagenen Kind

11- bis 17-jährige Mädchen drücken eine nahezu konstant hohe Mitgefühlsbereitschaft gegenüber dem geschlagenen Kind aus. Bei den 11- bis 16-jährigen Jungen stellt sich jedoch eine abnehmende Mitgefühlsbereitschaft ein. Lediglich bei den 17-jährigen Jungen stieg die Mitgefühlsbereitschaft gegenüber dem Kind wieder leicht an. Generell erkennt man jedoch, dass im Alter zwischen 12 und 17 Jahren Mädchen signifikant mehr Mitgefühlsbereitschaft äußerten (vgl. Volland et al. 2008, S. 33).

Mitgefühlsbereitschaft gegenüber der Drogenabhängigen

Die 11- bis 17-jährigen Mädchen zeigten gegenüber der Drogenabhängigen eine hohe – wenn auch leicht schwankende – Mitgefühlsbereitschaft. Die größte Bereitschaft äußerten die 13-Jährigen, wo hingegen gerade die 14-und 15-Jährigen die geringste Mitgefühlsbereitschaft zeigten. Hinsichtlich der Jungen wird eine schwankende Mitgefühlsbereitschaft der 11- bis 17-Jährigen deutlich. Zu beachten hierbei ist jedoch, dass die Bereitschaft, ähnlich wie bei den Mädchen, bei den 14-Jährigen ebenfalls den absoluten Tiefpunkt erreichte. Außerdem ist bemerkenswert, dass bei beiden Geschlechtern gleichermaßen bei einer weiblichen Drogenabhängigen deutlich mehr Mitgefühlsbereitschaft gezeigt wird, als bei einem männlichen Abhängigen (vgl. Volland et al. 2008, S. 34).





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