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Bedeutsame Entwicklungen in der Adoleszenz

Havighurst
Entwicklungsaufgaben nach Havighurst (Dreher & Dreher 1985)

Wachstum.

Die rasche körperliche Veränderung während der Adoleszenz erkennen sowohl die Jugendlichen selbst als auch deren Umfeld, denn während der ersten Stufe der Adoleszenz– der Pubertät nämlich – verändert sich der Körper wohl am signifikantesten, bei Mädchen zwischen 9,5 und 14,5, bei Jungen etwas später zwischen 10,5 und 16 Jahren. Neben bemerkenswerten Wachstumsschüben sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen kommt es zu extremen Hormonausschüttungen, die im Laufe der Adoleszenz jedoch wieder abnehmen. Auch der Wuchs von Körperbehaarung und der Wachstum im Genitalbereich beginnt mit der Pubertät – so beginnt bei Mädchen das Wachsen der Brüste, bei Jungen das der Hoden (vgl. Mietzel 2000, S. 351 f.).

Geschlechtsreife

Nach dem ersten Wachstumsschub kommt es bei Mädchen meist zur Ersten Regelblutung. So scheint es, dass die Natur zuerst einen kräftigen Körper entstehen lässt, bevor sich die Geschlechtsreife entwickelt. Ein weiterer Schutzmechanismus der Natur ist, dass der erste Eisprung meist nicht unmittelbar vor der ersten Blutung erfolgt, sondern erst 12 bis 18 Monate später – worauf sich schließen lässt, dass eine zu frühe Schwangerschaft aus natürlichen Gründen vermieden werden soll. Genau wie die Regelblutung für Mädchen, ist der erste Samenerguss für Jungen meist ein dramatisches Ereignis, das ihnen oft Probleme bereitet, wenn sie darauf nicht angemessen vorbereitet wurden (vgl. Mietzel 2000, S. 354).

Individuelle Unterschiede in der Entwicklung

Dass die Entwicklung mancher Jugendlichen schneller stattfindet als bei anderen, kann unterschiedliche Ursachen haben. Eine Theorie vermutet dahinter vor allem genetische Einflüsse. Die Zwillingsforschung ergab zum Beispiel, dass die erste Regelblutung bei eineiigen Zwillingen meist nicht weiter als 2 Monate auseinander liegt. Außerdem wurde herausgefunden, dass der Zeitpunkt der ersten Blutung bei Mädchen meist nicht weit von dem der Mutter abweicht (vgl. Mietzel 2000, S. 354 f.)

Auf keinen Fall außer Acht gelassen werden dürfen jedoch die Einflüsse der Umwelt des Jugendlichen, die mit der genetischen Komponente sehr eng im Zusammenhang stehen. Hierbei sind besonders Stressfaktoren von hoher Bedeutung. Neben häuslichen Konflikten als Hauptursache werden in der Literatur auch mangelhafte Ernährung, erhebliche Stressbelastung und Druck und Kindesmisshandlung als mögliche Ursachen für verzögerte Geschlechtsreife genannt. Auch die unterschiedliche Ausschüttung von Hormonen verursacht unterschiedliche Entwicklungen bei den Jugendlichen, wobei noch ungeklärt ist, weshalb die Hormonausschüttungen differieren (vgl. Mietzel 2000, S. 355).

Jugendliche in der Adoleszenz befinden sich in einer Restrukturierungsphase des Lebens, sodass sich ihr subjektives Erleben verändert und sich viele scheinbar paradoxe Verhaltensweisen zeigen. Neben diesen sichtbaren emotionalen und kognitiven Veränderungen der Adoleszenz verändern sich im Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen aber auch die Nervennetzwerke des Gehirns und deren Funktionsweise. In dieser Phase der Entwicklung gibt es auch eine Häufung psychiatrischer Krankheiten wie Schizophrenie oder affektive Störungen und auch das Risikoverhalten nimmt zu. Da sich in dieser Phase die Nervennetzwerke in der Großhirnrinde völlig neu organisieren und sich die funktionelle Architektur des Gehirns grundlegend verändert haben Einflüsse wie Drogenkonsum oft gravierende, da heißt, nachhaltige negative Folgen.

Die Bedeutung der Identitätsfindung

Auf der Suche nach dem Ich...

Dem heutigen Menschen steht ein breiter Freiraum zu allen möglichen Themen zur eigenen Lebensgestaltung zur Verfügung. Auch wenn viele Wahlmöglichkeiten zu einer unterschiedlichen Identitätsfindung gegeben sind, kann der Jugendliche nicht über alle Aspekte seiner Identität frei entscheiden, wie z.B. über das Geschlecht und die ethnische Herkunft. Bevor der Jugendliche Entscheidungen über die Berufslaufbahn, die Wahl des zukünftigen Geschlechtpartners oder über seine Rolle in der Gesellschaft trifft, muss herausgefunden werden, wer er selbst ist (vgl. Mietzel 2002, S. 385).

Ein Kind verfügt noch nicht über das nötige Bewusstsein seiner Identität, vielmehr ist seine Identität als eine Ansammlung einzelner Komponenten zu sehen, die noch nicht vereinheitlicht wurde. Der Jugendliche beginnt nach Erreichen einer gewissen Selbständigkeit und nachdem der größte Teil seines Wachstums beendet ist, sich verstärkt der eigenen Person zuzuwenden. Jugendliche entdecken dann oftmals Wesensmerkmale bei sich, die nicht unbedingt zusammenpassen. Diese Auseinandersetzung mit den zunächst noch widersprüchlichen Selbstbildern wirkt sich aber positiv auf die Identitätsfindung aus, da sich der Jugendliche verstärkt um eine Weiterentwicklung bemüht. Zunächst noch unsicher von den unterschiedlichen Wesensmerkmalen, hat der Jungendliche in der späten Adoleszenz ein ziemlich realistisches Selbstbild entwickelt. Er weiß mittlerweile, dass er nicht in allen Lebenssituationen seinem Selbstbild gerecht werden kann und kennt seine Stärken und Schwächen (vgl. Mietzel 2002, S. 385 ff).

Geschlechtsunterschiede in der Identitätsfindung

Die Identitätsentwicklung einer heranwachsenden Frau entspricht nicht unbedingt jener eines heranwachsenden Mannes. Der Geschlechtsunterschied in der Entwicklung liegt vor allem darin, dass die Identitätsfindung für das weibliche Geschlecht viel komplexer und verwirrender ist als für das männliche. Der Grund ist, dass Jungen sich hauptsächlich an Vätern und Männern orientieren, wobei von den Mädchen gefordert wird, sich sowohl mit männlichen als auch weiblichen Vorbildern auseinandersetzen (vgl. Mietzel 2002, S. 393 f).

Eine amerikanische Studie von Marianne Taylor bei fünf- bis 18-jährigen Kindern und Jugendlichen zeigte übrigens, dass die jüngeren Kinderteilweise der Auffassung sind, dass Männer und Frauen verschiedenen Arten angehören. Sie glauben auch, dass die Vorliebe von Buben, Fußball zu spielen, angeboren ist wie die Vorliebe für Puppen bei Mädchen. Kinder bis zu zehn Jahren unterscheiden offensichtlich nicht zwischen „Geschlecht“ und „Art“, wie es Erwachsene üblicherweise tun, und verstehen auch nicht, dass die Umwelt das Handeln geschlechtsspezifisch beeinflussen kann.

Individuelle Unterschiede in der Identitätsentwicklung

Die persönliche Identität ist ein fortdauernder persönlicher Prozess, der sich über die gesamte Lebensspanne erstreckt. Die wiederkehrende Suche nach dem Ich kann nach dramatischen Lebensereignissen (z.B. Scheidung, Berufswechsel usw.) neu entfacht werden. Man spricht von erarbeiteter Identität als wünschenswertes Ziel, sobald ein Mensch klare persönliche Vorstellungen über seine Ziele, seine politischen und religiösen Überzeugungen und Wertvorstellungen getroffen hat. Ein Mensch wird nicht in allen Lebensabschnitten den Status der erarbeiteten Identität gewinnen. Ein Student weiß zwar über seine Berufsabsichten Bescheid, was nicht heißen muss, dass er sich über seine politischen oder religiösen Absichten bereits im Klaren ist. Ein Jugendlicher, der niemals Anerkennung bei jenen Menschen erfährt, die ihm bedeutsam sind, wird seine inneren Konflikte durch die Entwicklung einer negativen Identität lösen, d.h. er wird sich so verhalten wie es seine Eltern nicht von ihm erwarten. Ladendiebstähle, Drogenhandel oder Prostitution sind oft die Folge einer negativen Identität. Jugendliche, die sich eine Identitätssuche weitgehend ersparen und eine Identität übernehmen, verpassen meist die volle Auskostung ihrer Möglichkeiten (vgl. Mietzel 2002, S. 389 ff).

Egozentrismus in der Adoleszenz

Um die Bedeutung der genannten Begrifflichkeit richtig zu verstehen, bedarf es vorher einer kurzen Erklärung. Die Literatur meint, dass man dann von Egozentrismus spricht, wenn es einem schwer fällt, sich in die Sichtweise eines anderen hinein zu versetzen. Die eigene Sichtweise wird als die einzig richtige bzw. mögliche betrachtet und nicht hinterfragt. Egozentrismus hat also nichts mit dem Begriff des Egoismus (Ichbezogenheit) zu tun (vgl. Mönks & Knoers, S. 88).

Egozentrismus und seine Verstärkung

Egozentrische Verzerrungen begleiten die Menschheit ein Leben lang und haben ihren Anfang bereit in der frühen Kindheit. Zwei Psychologen bringen die einseitige Sichtweise in der frühen Kindheit mit folgendem Beispiel sehr deutlich auf den Punkt:

Peter, hast du einen Bruder?
Ja.
Wie heißt denn dein Bruder?
Hans.
Hat Hans auch einen Bruder?
Nein.“ (Mönks & Knoers, S. 157)

Trotzdem, dass Egozentrismus unser Leben begleitet, tritt er in der Zeit der frühen Adoleszenz in einer verstärkten Form auf. David Elkind meint, dass Jugendliche im Alter von 1215 Jahren glauben, im Rampenlicht der Ereignisse zu stehen. Sie fühlen sich von allen beobachtet. Diese Wahrnehmung haben sie deshalb, weil sie sich selbst einer ständigen Beobachtung aussetzen und die eigene Sichtweise (nach dem Motto:„Wir denken alle gleich!“) auf die anderen übertragen wird. Durch diese verstärkte egozentrische Denkweise erlangt das äußere Erscheinungsbild immer mehr an Bedeutung, denn ein Publikumsstar muss perfekt sein. Stundenlanges Betrachten im Spiegel und Versuche, Störfaktoren (z.B. Pickel) zu überdecken sind die Folge (vgl. Oerter & Montada, S. 339 f).

Viele Jugendliche machen sich jedoch auch Gedanken über körperliche Eigenheiten, welche nicht veränderbar sind. Beispielsweise finden sie ihre Nase zu groß, ihren Körper nicht muskulär genug oder sind mit der Frühoder Spätentwicklung überfordert. Nicht selten führen solche Unzufriedenheiten zu Alkohol. und Drogenkonsum, Magersucht oder anderen riskanten Handlungen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Dieser Hinweis führt uns zum Gefühl der Unverwundbarkeit in der Adoleszenz, was ebenfalls mit egozentrischen Verzerrungen in Verbindung steht (vgl. Oerter & Montada, S. 357 ff).

Einstellung: „Mir kann nichts passieren, ich bin einzigartig!“

Drogen, unerwünschte Schwangerschaften und eine erhöhte Unfallquote der Jugendlichen in der späten Adoleszenz erwecken den Eindruck, dass Jugendliche Risiken auf die leichte Schulter nehmen und nicht über mögliche Folgen nachdenken. Diese Meinung ist völlig falsch, denn Jugendliche wissen sehr wohl über die Risiken Bescheid und vergleichen diese mit deren Nutzen. Die Gründe für riskantes Verhalten liegen viel mehr darin begründet, dass Jugendliche nach Aufmerksamkeit suchen. Sie wollen von ihren gleichaltrigen Freunden bewundert werden und nehmen dafür mögliche Risiken in Kauf. Sie versuchen, die Grenzen von Verhalten zu erfahren und kosten neue Freiheiten aus. Dieses Testverhalten hat jedoch häufig weitreichende Folgen, welche Jugendliche ein Leben lang prägen können. Interessant ist hierbei jedoch, dass das Gefühl der Unverwundbarkeit im Laufe des Lebens wiederkehrt und zwar im späten Alter (vgl. Oerter & Montada, S. 341 ff).

Engagiertheit versus Naivität bzw. Reifedefizit

Der jugendliche Idealismus zeigt sich in der Adoleszenz nicht nur im Ausdruck der Findung des eigenen Idealbildes, sondern auch dadurch, dass sich Jugendliche in dieser Zeit verstärkt für ihre Umwelt interessieren. Ungerechtigkeiten, Interesse für sozial Schwache und Umweltschutz gewinnen an Bedeutung. Dieses Engagement ist jedoch von Widersprüchen geprägt, weil Jugendliche vergessen, dass Erwartungen nicht nur für andere sondern auch für sie selbst gelten. Während sich Jugendliche beispielsweise eifrig an einer Wanderung zu Gunsten der Reinigung eines Gewässers beteiligen, hinterlassen sie auf der Wanderstrecke einen Berg von Abfällen. Man sieht, dass das Verhalten wiederum durch Egozentrismus geprägt ist, was Jugendliche zu einem widersprüchlichen Verhalten anleitet. Sie befinden sich auf einer Abzweigung und wollen einen bestimmten Weg einschlagen, sind aber nicht bereit dafür bzw. können diesen Weg nicht zu Ende gehen, weil ihnen die Gesamtperspektive bzw. Reife fehlt (vgl. Oerter & Montada, S. 348 f).

Dennoch sind solche verantwortungsvollen Aktivitäten während der Jugendzeit sehr wichtig, nämlich um Jugendliche zu disziplinierten Menschen zu erziehen. Damit solche Aktivitäten jedoch gelingen und Sinn stiften, sind strikte Regeln und Anordnungen sowie eine Überwachung dieser notwendig (vgl. Geist 2007, S. 25ff).

Die Bedeutung der Gleichaltrigen-Gruppen

Durch die unzähligen Fragen, die während der körperlichen und emotionalen Entwicklung stattfinden, wenden sich die meisten Jugendlichen an Gleichaltrige, die sich in zumindest ähnlichen Situationen befinden. So scheinen jene, die von gleichen Problemen betroffen sind, diese auch besser zu verstehen und hilfreichere Lösungen anbieten zu können. Besonders in den letzten Jahrzehnten hat die Kommunikation und somit die Bedeutung der so genannten Peergroups an Bedeutung gewonnen (vgl. Mietzel 2002, S. 361).

Funktionen der Gleichaltrigen

Aufgrund der Tatsache, dass wir uns heute in einer Kultur befinden, in der sich Gesellschaft extrem verändert (in einer so genannten „konfigurativen Kultur“), veraltet angelerntes Wissen relativ rasch. Deshalb scheint es vor allem für Jugendliche sinnvoller, sich auch bei Wissensfragen an Gleichaltrige zu wenden. Und obwohl die emotionale Unterstützung der Eltern noch immer hohe Bedeutung beigemessen wird, sind es oft Jugendliche, die in fachlichen Dingen die Lehrerrolle übernehmen (vgl. Mietzel 2002, S. 362).

Eine weitere wichtige Funktion der PeerGroups ist, dass sie die Loslösung vom Elternhaus erleichtern. Dies geschieht einfach dadurch, dass der Zusammenhalt der Gruppe das Gefühl der Verlassenheit und Vereinsamung verhindert. Außerdem ermöglichen sie neue Formen des Zusammengehörigkeitgefühls und helfen bei familiären Problemen (vgl. Mietzel 2002, S. 362 f).

Natürlich darf auch der gegenseitige Vergleich innerhalb der Gruppen nicht vernachlässigt werden. So werden Gefühle, Einstellungen und auch Lebensstandards verglichen und daraus resultierend auch Entscheidungen beeinflusst. Wie im vorigen Kapitel bereits angemerkt, helfen Gruppen von Gleichaltrigen auch bei der Identitätsfindung, da Cliquen oder PeerGroups bei mangelnder Selbstsicherheit hilfreiche Unterstützung bieten. Beinahe nebenbei werden auch noch soziale Fertigkeiten wie Austausch, Anerkennung oder Teilen erlernt und sogar prosoziale Motivation eingeübt. Dies bedeutet, dass sich Jugendliche selbst dazu motivieren, zu helfen und sich für andere einzusetzen, wie auch schon beim Thema „Egozentrismus“ erwähnt wurde (vgl. Mietzel 2002, S. 363).

Freundschaften

Während Freunde im Kindesalter hauptsächlich die Bedeutung von Freizeitpartner bzw. Spielgenossen haben, verändert sich die Rolle des besten Freundes während der Adoleszenz enorm. Vor allem durch die bereits erwähnten Probleme während der körperlichen Entwicklung kommt es vermehrt zu vertraulichen Gesprächen mit Gleichaltrigen, die ja genau so betroffen sind und deshalb großes Verständnis gewährleisten. Eine wichtige – und neue – Rolle spielt hierbei die Vertrauenswürdigkeit bzw. Vertraulichkeit: es müssen sich beide Gesprächspartner so aufeinander verlassen können, dass sie wissen, dass ihre Geheimnisse beim Gegenüber ebenfalls gut aufgehoben sind wie bei einem selbst (vgl. Mietzel 2002, S. 363 ff).

Die Bedeutung von Konflikten für die Entwicklung

Verlangen nach Unabhängigkeit

Junge Menschen wollen ihren Lebensweg meist selbst bestreiten und sich von den Eltern nicht kommandieren lassen. Sie fordern mehr Unabhängigkeit und rebellieren gegen die Autorität jener, die sie in der Kindheit mehr oder weniger bevormundet haben. Kritische Stellungnahmen der Erwachsenen gegenüber den Bemühungen der Jugendlichen für mehr Unabhängigkeit sind dabei keine Seltenheit (vgl. Mietzel 2002, S. 379).

Traditionelle versus „moderne“ ElternKindBeziehung

Ein kurzer Rückflug in die Familiensoziologie zeigt, dass Eltern vor 50 Jahren im Vergleich zu heute zwar mehr Macht zugestanden ist, die Jugendlichen sich den Einstellungen und Wertvorstellungen der Erwachsenen jedoch eindeutig widersetzten. Heute versuchen die Eltern ihre adoleszenten Kinder mehr als Freund und weniger als Autoritätsperson zu begegnen. Entscheidungen sollen gemeinsam getroffen werden, Kompromisse werden ausgehandelt und in vielen Hinsichten passen sich die Eltern den Prinzipien und Verhaltensmustern ihrer Töchter und Söhne an. Es müssen Freiräume und Einschränkungen nicht immer in freundschaftlich geführten Diskussionen innerhalb der Familie ausgetragen werden. Man spricht von einem autoritativen Erziehungsstil, der es jungen Menschen ermöglicht, eigene Standpunkte und Meinungen zu vertreten, wobei das Verhalten im Einklang mit wichtigen Regeln, Normen und Werten steht. Kinder von autoritativen Eltern sind meist reifer, leistungsorientierter, weniger aggressiv und erbringen bessere schulische Leistungen als jene, die aus autoritären Elternhäusern stammen. Dieser Stil ermöglicht es den Eltern wiederum mehr Einflussnahme auf die Kinder auszuüben, da aufgrund des warmenharmonischen Verhältnisses die Kinder sich oftmals mit ihren Eltern identifizieren und eine starke emotionale Bindung aufgebaut wird (vgl. Mietzel 2002, S. 380 ff).

Belastende Phase für die Eltern

Soziologische Jugendbefragungen kamen zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Jugendlichen ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern hat. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es zwischen den Generationen keine Meinungsverschiedenheiten gibt, denn diese finden sich in jeder sozialen Beziehung. Auch wenn häusliche Konflikte als völlig normal gelten, kann daraus für Eltern eine belastende Situation entstehen, weil sich ihre heranwachsenden Kinder immer mehr der häuslichen Kontrolle entziehen, dafür höhere finanzielle Zuwendung fordern und weniger emotionale Zuwendung geben. Dieser Prozess ist aber sehr wichtig für die Entwicklung der eigenen Identität und zur Gewinnung von Selbständigkeit eines jeden jungen Menschen. Grund zur Sorge besteht nur dann, wenn sich ein Jugendlicher immer den Wünschen und Vorstellungen von Vater und Mutter stellt. Dann hätte man nämlich zu befürchten, dass der Jugendliche keine Bedingungen vorfindet ein eigenes Ich zu entwickeln (vgl. Mietzel 2002 S. 381 ff).

Konflikte resultieren meist aus der unterschiedlichen Betrachtungsweise zwischen Eltern und Kind. Den Eltern ist es wichtig, dass das Kind keine Sitten verletzt und für das Kind steht das Durchsetzen der eigenen Anschauungen im Vordergrund. Auch wenn das Austragen der Konflikte eine wichtige entwicklungspsychologische Funktion besitzt, verlangt es eine gewaltige Leistung von den Eltern ab. Eltern, die ihre Kinder nicht in zunehmendem Maße als erwachsene Menschen behandeln, schaffen keine guten Bedingungen für die Identitätsbildung ihrer jugendlichen Kinder (vgl. Mietzel 2002, S. 382 f).

Problemverhalten und Risikoverhalten

Aus entwicklungspsychologischer Perspektive stellt sich die Frage, ob das jeweilige Problemverhalten mit Entwicklungsgefährdungen verknüpft ist, die es nicht mehr zulassen, darin lediglich von einer „subjektiven Norm abweichendens Verhalten“ zu sehen. Aktuell umfassen Problemverhaltensweisen im Jugendalter Verhaltensweisen wie Rauchen, (regelmäßiger) Alkoholkonsum, Konsum illegaler Drogen, frühzeitiges Sexualverhalten, Fahren unter Substanzeinwirkung, Schulschwänzen, Probleme im Schul- und im familären Umfeld, gewalttätige Handlungen sowie Delinquenz. Diese Problemverhaltensweisen werden mitunter auch als Risikoverhaltensweisen bezeichnet, so dass sich gesundheitliches, delinquentes sowie finanzielles Risikoverhalten differenzieren lassen.

Verwendete Literatur

GEIST, S. (2007). Ernstfall und Einsicht. Pubertierende lernen Disziplin an sinnträchtigen Aufgaben. Pädagogik 01/07, S. 2529.

MIETZEL, G. (2002). Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend. Weinheim: Beltz.

MÖNKS, F. J. & KNOERS, A. M. P. (1996). Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. Münche: Reinhardt.

OERTER, R. & MONTADA, L. (2002). Entwicklungspsychologie. Weinheim: Beltz.



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