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Veränderte Lebensbedingungen und Lebensgewohnheiten von Jugendlichen - Konsequenz und Ausweg

Quelle:

Grabner, Margot & Pauc, Edith (2006). Projekt „Erfolgsgeflecht“ . Skript. Berufsschule Linz 9.

(Hervorhebungen von mir; W.S.)

Die Lebensbedingungen und Lebensgewohnheiten unserer Schüler haben sich in den letzten 20 Jahren stark gewandelt. Dieser Umbruch stellt unser Lehren und das Lernen der Schüler vor grundlegend neue Herausforderungen.

In den Schulklassen fehlt es an einem überwiegenden Anteil an Kindern mit sozialverträglichen Verhaltensweisen.

Medienkinder, verwöhnte Kinder, vernachlässigte Kinder, hedonistische Kinder, Kinder ohne hinreichendes Sozialverhalten, Kinder mit ausländischen Prägungen und Kinder mit sprachlichen Defiziten – solche Phänomene und Problemstellungen kennzeichnen den heutigen Schulalltag und lassen die alltägliche Erziehungs- und Unterrichtsarbeit zunehmend schwieriger und für viele Lehrer auch frustrierender werden.

Viele Kinder sind im Laufe der letzten Jahrzehnte angriffslustiger und zappeliger, kindischer und altkluger, trauriger und kranker geworden. Das betrifft einen Kern von vielleicht zehn bis dreißig Prozent der Schülerschaft – je nach Schule und Klasse. In der Berufsschule ist der Prozentsatz wahrscheinlich sogar noch höher. Diese Kinder sind nervös, können sich schlecht konzentrieren, bedürfen immer neuer Reize, können nicht für sich alleine sein, behalten wenig, strengen sich kaum an. Das Konstante ihrer Persönlichkeit ist die Flüchtigkeit. Glücklich sind dieses Kinder nicht. Sie empfinden ihre Flüchtigkeit und Trödelei keinesfalls als wohltuend, ihre Angriffslust nicht als befreiend. Ihr schulisches Misslingen lässt sie nicht gleichgültig. Es macht sie eher unsicher. Deshalb sind sie dankbar für Zuwendung und Bestätigung jeglicher Art.

Eine Erklärung für diese Veränderung liegt sicher auch in der Auflösung der Kernfamilie. Die hier traditionell erlernte Erziehungs- und Sozialisationsaufgabe wird nicht mehr wahrgenommen.

Ein-Kind-Familien, Kinder mit nur einem Elternteil, Scheidung während der Schulzeit kennzeichnen heute beinahe die Hälfte aller Familien.

Das innerfamiliäre soziale Lernen findet nur noch begrenzt statt. Die instabilen Familienstrukturen verunsichern viele Kinder und verstärken das Bedürfnis nach Bestätigung. Der Erwartungsdruck an diese Kinder bewirkt nicht selten, dass sie chronisch überfordert sind.

Auch der Einfluss der modernen Medien auf die Kinder ist prägnant. Vielfältiges Fernsehangebot, Videos, Musik, Computerspiele – beschäftigen unsere Kinder oft drei Stunden und noch mehr. Diesen Medienkindern fehlen das konstruktive Kommunizieren, das kreative Tun und das Problemlösen. Sie werden zu Konsumenten. Kein Wunder also, dass herkömmliche Lehrmethoden als langweilig empfunden werden.

Eine weitere Veränderung im Leben der Jugendlichen besteht darin, dass immer weniger Gelegenheiten zur Eigentätigkeit stattfinden. Das Erfinden von Spielen und von Spielzeugen zum Beispiel wird ersetzt durch den Kauf von vorfabrizierten Spielsachen, die man dann nicht mehr eigentätig herstellen sondern nur mehr bedienen muss. Selbsterprobung und Selbsterfahrung kommen zu kurz – Punkte auf die es im Erwachsenenleben ankommt, wenn man selbstständig, eigeninitiativ, zielstrebig, problemlösungsorientiert arbeiten bzw. leben soll. Man wird abhängiger von Lob und Tadel, von Weisungen, Hilfen und Kontrollen.

Folglich ist es schwerer geworden Kind zu sein und Erwachsener zu werden. Die Sozialisations- und Lebensbedingungen sind anregungsreicher aber auch unübersichtlicher und unverbindlicher geworden. Der Druck auf die Eltern wächst und die Zerstreuungsangebote vermehren sich beständig. Die Folgen sind verbreitete Schulunlust, sinkende Anstrengungsbereitschaft und zunehmende Verhaltensauffälligkeiten auf Schülerseite. Erlernte Hilflosigkeit ist auch eine Methode, deren sich die Jugendlichen bedienen.

Die Anzahl der Jugendlichen, die demonstrativ Desinteresse zeigen, herumkaspern, verbal ausfällig werden, keine Frustrationstoleranz haben, ständig im Mittelpunkt stehen wollen, ausgeprägte Zuwendung verlangen, ständig Spaß haben wollen, die soziale Gemeinschaft stören und dennoch geliebt und möglichst in ihrem Tun bestätigt werden wollen, ist groß geworden.

 

Konsequenz

Die Defizite, die Kinder und Jugendliche im Alltag erfahren, leben sie häufig in der Schule aus. Daher muss ihre Lebenssituation in der Schul- und Unterrichtsstruktur angemessen berücksichtigt werden.

Die Vermittlung von Sozialkompetenz im Unterricht ist wichtig, da sonst die durch die Lehrpläne gesetzten Anforderungen in keiner Weise erfüllt werden können. Ohne entsprechende sozial-emotionale Kompetenzen können keine kognitiven Lernleistungen erreicht werden.

Es fordert dem Lehrer ab, dass er die Rahmenbedingungen für den Unterricht so erstellt, dass die Schüler nicht nur motiviert mitarbeiten, sondern auch breit gefächerte Lernerfolge erzielen. Handlungs-, erfahrungs- und erlebnisbetontem Lernen soll Rechnung getragen werden.

Ausweg

Selbstbestimmtes Lernen zur Erreichung von Fach-, Sozial- und Lernkompetenz umfasst fünf Erkenntnisse:



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