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Es zeigt sich bei der Betrachtung von Geschlechtsunterschieden, dass Geschlecht und Sexualität innerhalb der traditionellen Psychologie kaum ausführlich thematisiert werden. Nur Thorndike widmet der Frage nach Geschlechterunterschieden ein eigenständiges Kapitel. Bei Pawlov finden sich keine relevanten Textstellen, Watson und Skinner erwähnen Geschlechtlichkeit und Sexualität hauptsächlich in Beispielen und Nebenbemerkungen. Es ist daher auch weitgehend unklar, inwieweit die behavioristischen Prinzipien der Lernbarkeit, Veränderlichkeit und Formbarkeit auf vergeschlechtlichtes oder sexuelles Verhalten bezogen werden, denn einerseits wird die Lernbarkeit auch dieser Verhaltensweisen postuliert, andererseits werden hiervon zentrale Bereiche ausgeklammert: Heterosexualität, geschlechtsspezifisches Sexualverhalten und z.T. mütterliches Fürsorgeverhalten und männliche Aggression. In der wissenschaftlichen Psychologie scheinen sich also wie durch die Hintertür heteronormative und sexistische Setzungen einzuschleichen (Sieben, 2010).

Bei Männern entwickelt sich im präoptischen Areal unter anderem die Sexualität, und dieses Areal ist bei Männern nicht nur größer sondern dichter verschaltet, verursacht von Sexualhormonen, die in der frühen Embryonalentwicklung über das Geschlecht entscheiden, sowohl bei der Entwicklung der Organe und im Gehirn: Beide sind ursprünglich weiblich und bleiben es bzw. sie werden vermännlicht. Im Gehirn ist das auch in der Amygdala so, in der männlichen Variante sorgt diese dafür, dass der männliche Nachwuchs Tob- und Kampfspiele bevorzugt.

Frauen Männer

Frauen und Männer denken unterschiedlich oft an Sex

Die Fisher et al. (2012) haben untersucht, wie oft der Gedanke an Sex in den Köpfen von Männern und Frauen auftaucht, und statteten 283 Studenten mit einem Beeper aus, den sie eine Woche lang immer dann drücken sollten, wenn ihnen ein solcher Gedanke kam. Männer dachten in dieser Zeit durchschnittlich 34 Mal am Tag an Sex, Frauen 19 Mal, wobei es unabhängig vom Geschlecht große individuelle Unterschiede von nur einem bis zu 400 Gedanken pro Tag gab.

real sizeIn diesem Experiment wurde auch erhoben, wie oft die VersuchsteilnehmerInnen an Essen und an Schlafen dachten: die jungen Männer dachten auch hier deutlich häufiger an Essen und Schlafen als Frauen, wobei es aber ProbandInnen gab, die häufiger an Essen und Schlafen als an Sex dachten.

Literatur

Fisher, Terri D., Moore, Zachary T. & Pittenger, Mary-Jo (2012). Sex on the Brain? An Examination of Frequency of Sexual Cognitions as a Function of Gender, Erotophilia, and Social Desirability. Journal of Sex Research, 49, 69-77.

Sieben, Anna (2010). Zur Konstruktion von Geschlecht und Sexualität in behavioristischen Lerntheorien. Ein wissenschaftshistorischer Beitrag. Journal für Psychologie, 18, 1-23.

 


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