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Mentale und körperliche Erregung bei Männern und Frauen

Frauen Männer

In einer Studie von Meredith L. Chivers (Queen’s Universität in Kingston) wurden 134 Untersuchungen über das sexuelle Verhalten aus der ganzen Welt analysiert, die die Kommunikation zwischen Gehirn und Körper im Stadium der Erregung untersuchten. Es zeigte sich, dass das männliche Gehirn und die Geschlechtsteile bei sexueller Erregung häufiger synchron funktionieren als bei Frauen. Wenn sich also Männer im Kopf erregt fühlen, ist die Chance groß, dass sich auch eine Erektion einstellt, während körperliche Anzeichen der Erregung bei Frauen nicht immer unmittelbar mit gedanklicher Erregung zu tun hatten. Offensichtlich funktioniert der Zusammenhang zwischen mentaler und physischer Erregung bei Frauen anders, denn sie können körperliche Reaktionen zeigen und trotzdem nicht erregt sein. Auch ließ sich aus den Untersuchungen schließen, dass die Chance bei Frauen, Lust sowohl körperlich als auch mental zu erfahren dann größer ist, wenn sie bestimmten visuellen Reizen ausgesetzt sind. Nach Meredith Chivers lassen sich die Resultate jedoch nicht so interpretieren, dass Frauen nicht wissen, was sie wollen, sondern dass das, was sie wollen, weniger stark mit ihrer körperlichen sexuellen Reaktion verbunden ist, als dies bei den Männern der Fall ist. In einer anderen Untersuchung von Chivers, bei denen die Probanden Videos von Sex zwischen Affen gezeigt wurden, wurden die Männer nicht erregt, während Frauen mit sexueller Erregung darauf reagierten - allerdings nur im physischen Bereich. Subjektive Lust im Kopf empfanden sie dabei keine. Auch reagieren Frauen generell auf eine größere Auswahl sexueller Stimuli als Männer.

Geschlechtsspezifische Reaktion auf emotionsauslösende Situationen

Wenn ein Mensch auf emotionsauslösende Situationen kaum oder nur verzögert reagiert, gilt sie als emotional zurückhaltend, wobei eine solche emotionale Zurückhaltung in modernen westlichen Gesellschaften eine wichtige kulturelle Norm für Männer und Frauen gleichermaßen gilt. In einem Experiment (Hess et al., 2016) zeigte man Probanden jeweils fünf Sekunden lang Bilder von emotionsauslösenden Reizen und danach mussten sie ein vier Sekunden langes Video betrachten, in dem ein Mensch entweder mit Traurigkeit oder mit Wut auf das zuvor gezeigte Bild reagierte. Die Probanden bewerteten im Anschluss, wie emotional kompetent, empfindsam und gesellig sie die Frau oder den Mann im Video empfanden und wie authentisch und angemessen deren Reaktion war. Männer wurden immer dann als emotional kompetenter und intelligenter eingeschätzt, wenn sie verzögert reagierten, wobei diese Reaktion zudem als authentischer und angemessener bewertet wurde als unmittelbare Reaktionen. Für Frauen allerdings ergab sich ein genau entgegengesetztes Muster, denn Frauen, die unmittelbar reagierten, wurden als emotional kompetenter und intelligenter beschrieben als Frauen, die verzögerte Reaktionen zeigten. Offensichtlich wird Frauen attribuiert, dass sie ihre Emotionen weniger kontrollieren, sodass bei ihnen eine unmittelbare Reaktion natürlicher und authentischer wirkt. Das bestätigt offensichtlich das Klischee, dass von Männern im Allgemeinen emotionale Zurückhaltung erwartet wird, während für Frauen die emotionale Spontaneität typisch ist.

Weinen und Geschlecht

Bis zum 13. Lebensjahr weinen Buben und Mädchen noch ungefähr gleich häufig, später weinen Männer 6 bis 17 Mal pro Jahr, Frauen hingegen 30 bis 64 Mal, wobei diese dabei auch ausdauernder sind, denn sie weinen sechs Minuten lang, während Männer es maximal auf vier Minuten bringen. Weinen geht auch nur bei 6 Prozent der Männer in Schluchzen über, bei Frauen jedoch in 65 Prozent, wodurch weibliches Weinen länger, dramatischer und herzzerreißender wirkt. Frauen weinen am ehesten, wenn sie sich unzulänglich fühlen, vor schwer lösbaren Konflikten stehen oder sich an vergangene Zeiten erinnern, Männer hingegen weinen häufig aus Mitgefühl oder wenn die eigene Beziehung gescheitert ist.

Dianne van Hemert et al (2011) haben mit anonymisierten Fragebögen über 5500 Menschen in 37 Ländern nach ihren Weingewohnheiten befragt, wobei sich zeigte, dass in Ländern, deren Einwohner als besonders glücklich gelten oder die vergleichsweise weit entwickelt sind, am meisten geweint wird. So weinen Schwedinnen und Brasilianerinnen weltweit am meisten, und unter den Männern sind es die Italiener. In glücklichen und wohlhabenden Ländern wird offensichtlich mehr geweint, wobei Weinen in diesem Fall nicht so sehr einen Ausdruck des Unglücks darstellt, sondern eher ein Zeichen für Meinungsfreiheit und Toleranz, d. h., die Menschen müssen den Mut haben, ihre Gefühle zu zeigen.

In allen befragten Ländern weinten Frauen häufiger als Männer, wobei auch die Emanzipation nicht dazu führt, dass Männer eher Gefühle zeigen und Frauen seltener Grund zum Weinen haben. In Skandinavien, wo die Gleichberechtigung von Mann und Frau weit fortgeschritten ist, lagen Männer und Frauen bei der Weinfrequenz noch weiter auseinander. Männern kommen ein bis drei Mal in zwei Monaten Tränen, bei Frauen ist das rund viermal so häufig, wobei vier Faktoren den Unterschied erklären könnten: Frauen haben öfter Anlass zum Weinen, denn Frauen sind tendenziell öfter emotionalen Situationen ausgesetzt als Männer. Vor allem in Konfliktsituationen fühlen Frauen sich hilfloser in ihrer Wut, die sich dann in Tränen äußert. Auch senkt der Botenstoff Prolaktin die Hemmschwelle zu weinen, wobei, in der Pubertät die Produktion dieses Hormons bei Mädchen ansteigt, sodass es ab diesem Zeitpunkt auch die ersten Geschlechterunterschiede beim Weinen gibt. Schwangere weinen übrigens am meisten, denn sie haben sehr viel Prolaktin im Blut, da der Botenstoff auch die Milchproduktion steuert, während bei männlichen Jugendlichen das Testosteron die Hemmschwelle für Tränen erhöht. Weinen wird aber auch kulturell gelernt, denn in westlichen Ländern bekommen männliche Kinder und Juendliche von klein an gesagt, dass Buben nicht weinen sollen.

Literatur

Chivers, M. L., Seto, M. C., & Blanchard, R. (2007). Gender and sexual orientation differences in sexual response to the sexual activities versus the gender of actors in sexual films. Journal of Personality and Social Psychology, 93, 1108–1121.

Chivers, M. L., Seto, M. C., Lalumière, M. L, Laan, E., & Grimbos, T. (in press). Agreement of genital and subjective measures of sexual arousal in men and women: A meta-analysis. Archives of Sexual Behavior.

van Hemert, D. A., van de Vijver, F. J. R. & Vingerhoets, A. J. J. M. (2011). Culture and Crying: Prevalences and Gender Differences Cross-Cultural Research, 45, 399-431.

Hess, U., David, S. & Hareli, S. (2016). Emotional restraint is good for men only: The influence of emotional restraint on perceptions of competence. Emotion, 16, 208–213.

Suschinsky, K., Lalumière, M. L., & Chivers, M. L. (2009). Sex differences in patterns of genital arousal: Measurement artifact or true phenomenon? Archives of Sexual Behavior, 38, 559–573.

 


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