[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Wenn man einem Kind Moral predigt, lernt es Moral predigen,
wenn man es warnt, lernt es warnen,
wenn man mit ihm schimpft, lernt es schimpfen,
wenn man es auslacht, lernt es auslachen,
wenn man es demütigt, lernt es demütigen,
wenn man seine Seele tötet, lernt es töten.
Es hat dann nur die Wahl, ob sich selbst,
oder die anderen oder beides.
Alice Miller, Im Anfang war Erziehung

Praktische Tipps zur Kindererziehung

Quellen:

Rohrhofer, Barbara (2007). Kinderleichte Hausarbeit. OÖN - Wochenende vom 24.02.2007, S. 1.

Rogge, Julia (2006). Der Familienführerschein. dtv.

Rogge, Julia (2006). Der Elternführerschein. Gräfe & Unze.

Tausch, R. & Tausch, A.-M (1991). Erziehungspsychologie. Begegnung von Person zu Person. 10., ergänzte und überarbeitete Auflage. Göttingen - Toronto - Zürich: Hogrefe - Verlag für Psychologie.

Siehe auch
Geschichte der Kindererziehung - Erziehung und Kultur
Wertewandel in der Kindererziehung - Neuere Entwicklungen in der Kindererziehung
Auswirkungen von Schichtunterschieden auf die Erziehung - Mögliche Ursachen dieser Unterschiede
Erziehungsstile - Begriffsbestimmung und Begriffsabgrenzungen
Grenzen der Erziehung
Die drei Phasen der Abhängigkeit

 

Eltern dirigieren Kinder und Jugendliche noch häufig durch eine Vielzahl von Befehlen, Anordnungen, Fragen sowie durch häufiges Reden. Häufige starke Dirigierung und Lenkung hat jedoch ungünstige Auswirkungen auf das Lernen von Selbstbestimmung, Selbstverantwortung, sozialer Ordnung. Außerdem beeinträchtigt es den sozial verantwortlichen Gebrauch der persönlichen Freiheit, verhindert Kreativität und Originalität (vgl. Tausch & Tausch 1991, S. 332).

Bei einem Erziehungsstil, bei dem keine Forderungen an das Kind gestellt werden und gleichzeitig die Eltern dem Kind keinen emotionalen Rückhalt geben, steigt die Zahl innerfamilialer Konflikte deutlich an. Außerdem erhöht eine leistungsthematische Vorbildwirkung der Eltern (Nachahmungslernen) in einer liebevollen Eltern-Kind-Beziehung die Leistungsmotivation des Kindes. Diese anlehnende Identifikation entwickelt sich aus der völligen Abhängigkeit des Kindes von der nährenden, liebevoll sorgenden und schützenden Pflegeperson. Als bewiesen gilt, daß Kinder mit freundlichen Vorbildern die Verhaltensweisen des Erwachsenen viel häufiger übernehmen als Kinder mit abweisenden Vorbildern.

Um die Kreativität eines Kindes zu fördern, sollte man es ermutigen, auf Fragen zuerst selbst eine Antwort zu finden, bevor man ihm hilft. Selbst gefundene Entdeckungen und Lösungen des Kindes sollte man auch dann anerkennen, wenn sie nicht tatsächlich eine Lösung eines Problems sind. Wichtig ist auch, dass sich Kinder hie und da auch einmal langweilen, denn in solche Phasen steckt oft kreative Energie, ebenso wie in Träumereien und Müßiggang, denn die besten Ideen entstehen bei Genies oft in solchen scheinbar untätigen Situationen. Auch zuviel Ordnung zu verlangen, kann die Kreativität hemmen, denn im Chaos produzieren Kinder häufig neue Ideen. Auch sollte man selber mit ungewohnten Einfällen und Vorschlägen dem Kind Kreativität vorleben. Natürlich sollte man seinem Kind immer zeigen, dass man fest an seine Fantasie und Kreativität glaubt.

Mithilfe bei der Hausarbeit

In den OÖN vom 24. Februar 2007 gibt die Psychologin Christa Schirl praktische Hinweise zur Beteiligung von Kindern an der Hausarbeit. So lernen sie allmählich, Verantwortung zu übernehmen. Eltern sollten jedoch bei der Einbingung in den alltägliich Hausarbeitsablauf nicht davon ausgehen, dass die Hilfe der Kinder von Anfang an eine Entlastung darstellt. Oft brauchen Mütter und Väter viel Durchhaltevermögen, wenn sie die Kinder in die Hausarbeit einbinden wollen. Als Erwachsener ist man meist versucht, etwas selbst zu machen, weil es schneller geht. Damit werden aber dem Kind Lernchancen genommen. Kinder tun sich dann auch als junge/r Erwachsene/r leichter, wenn sie wissen, wie gewisse Sachen gekocht werden, wie man bügelt, die Waschmaschine bedient. Echte Prinzen und Prinzessinnen, die total verwöhnt wurden, besitzen oft keinerlei lebenspraktische Fertigkeiten.

Eltern müssten sich anfangs Zeit nehmen und zeigen, wie man zum Beispiel Kakao macht, den Staubsauger bedient, den Tisch deckt etc. Spaß und Freude dürften dabei nicht zu kurz kommen. Alles sollte zu Beginn spielerisch passieren.

Achtung: Wenn Väter und Mütter dauernd über die unangenehme Hausarbeit schimpfen und jammern, dann wird es mit der Motivation der Kinder natürlich schwierig.

Nach Untersuchungen (Allensbach-Umfrage) wünschen sich 45 Prozent der Eltern von Kindern zwischen sechs und 15 Jahren, dass der Nachwuchs zu Hause mehr mit anpackt. In 78 Prozent der Familien beteiligen sich Kinder "gut" bis "sehr gut", wenn auch die Väter mithelfen. Manchmal gelingt es mit Tricks, Kinder zum Mithelfen zu animieren, z.B. ein Belohnungssystem mit Punkten: Wenn eine gewisse Anzahl erreicht ist, gibt es einen Kinobesuch oder eine extra Eisportion beim Stadtbummel. Hilfreich ist dabei auch ein Plan, auf dem für alle sichtbar ist, was erledigt werden muss. Überfordern darf man Kinder natürlich nich, denn die Aufgaben im Haushalt müssen altersgemäß sein.

Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen,
sie machen uns sowieso alles nach.
Karl Valentin

Siehe auch Wie erzieht man widerstandsfähige Kinder?

Gegen übermäßigen Medienkonsum ganzheitliche Erfahrungen fördern

Kinder machen viele Erfahrungen aus zweiter Hand, d.h., sie beziehen ihr Wahrnehmungsrepertoire immer weniger aus dem eigenen, sinnlichen Erleben als vielmehr aus der Medien- und Computerwelt, weshalb sie auch dazu neigen, manchmal die Wirklichkeit mit den Trugbildern der Medien gleichzusetzen. Bei Fernsehen und Computerspielen werden Augen und Ohren überstimuliert, Riechen, Tasten, Schmecken und der Gleichgewichtssinn verkümmern daneben, denn Sehen und Hören geht nicht unter die Haut, das Kind bleibt letztlich körperlich passiv. Auch deshalb brauchen Kinder die Erfahrung aller Sinne, um aktiv werden zu können und Verantwortung zu lernen, denn lang andauernde, einseitige "Sinneskost" bringt Kinder aus dem Gleichgewicht, wodurch es zu Wahrnehmungs-, Schlaf- und Konzentrationsstörungen kommen kann. Eltern sollten deshalb in der Erziehung auf den Gleichklang der Sinne achten, denn Kinder brauchen Bewegung, Freiraum und viele sinnliche Erfahrungen. Wenn das im Alltag auch manchmal nicht immer möglich ist, sollten Eltern nach einem Wochenende mit viel passivem Mediengenuss am nächsten Wochenende mit den Kindern in die Natur hinausgehen.

Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten,
die sie selbst ihnen anerzogen haben.
Marie von Ebner-Eschenbach

Sieben Arten, Kinder zu (v)erziehen

Etwas plakativ beschreibt Felicitas Römer die verschiedene Methoden, Kinder erfolgreich zu erziehen, mit all ihren Vor- und Nachteilen.

Die Chef-Methode: Eltern mit Chef-Faktor nehmen erzieherische Verantwortung gerne wahr. Ihre natürliche Autorität ist Ausdruck von Liebe, und sie haben ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Ihr Regel- und Wertesystem ist durchschaubar. Chef-Eltern haben eine klare innere Haltung und klare Forderungen. Der Tagesablauf dieser Familien ist fest strukturiert.

Der Kuschel-Faktor: Eltern, die über einen ausgeprägten Kuschel-Faktor verfügen, bemühen sich stets um ein friedliches Familienklima. Damit dies gelingt, sind sie kompromissbereit und sehr rücksichtsvoll. Hilfsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit zählen zu ihren Stärken. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht auch die Pflege des Familienzusammenhalts. Konflikte werden rasch gelöst.

Das Animations-Prinzip: Eltern, die nach diesem Prinzip erziehen, sind hoch ambitioniert. Sie engagieren sich sehr für ihre Töchter und Söhne, vor allem, wenn es darum geht, sie in ihrer Leistungsfähigkeit zu unterstützen. Sie motivieren ihre Kinder von Anfang an, geben ihnen viele Lernanreize und ermutigen sie, Neues auszuprobieren. Sie spornen ihren Nachwuchs auch zu sportlichen Höchstleistungen an und belohnen Lernfortschritte.

Selbsterfahrungsweg: Mütter und Väter, die diesen Weg eingeschlagen haben, legen besonderen Wert auf innere Werte und emotionale Tiefe in ihren Familienbeziehungen. Sie lassen sich nicht blenden von Oberflächlichkeiten und äußerlichen Erfolgen. Ihre Devise: Einfühlung statt Erziehung. Güte und Mitgefühl bestimmen das Leben in diesen Familien.

Der Büllerbü-Stil: Nicht nur die Generation der Astrid-Lindgren-Leser träumte von gewitzten Bilderbuchkindern und heiler Familienwelt. Gerade heute, da es kaum noch naturbelassene Freiräume für eine unbedarfte Kindheit gibt, wächst die Sehnsucht danach. Büllerbü-Eltern ist es wichtig, dass jedes Kind in seinem eigenen Tempo lernt. Eigeninitiative und Eigenantrieb des Kindes sind wichtiger als elterliche Vorgaben. Entdeckergeist und Neugier werden gefördert. Kinder bekommen genügend Freiräume.

Schlauberger-Strategie: Diese Eltern setzen in der Erziehung auf überzeugende Argumente und vernunftgesteuerte Strategien. Sie sind der festen Ansicht, dass sich vieles leichter regeln und durchsetzen lässt, wenn die Kinder die elterlichen Ansagen rational nachvollziehen können. Sie erklären ihren Kindern so viel wie möglich und versuchen, ihnen auch abstrakte Zusammenhänge zu veranschaulichen. Das Familienleben der „Schlaubergers“ ist durchgeplant, das Familienmanagement souverän, Konflikte werden auf der sachlichen Ebene gelöst, Verständnis und Einsichtsfähigkeit des Kindes werden gefordert.

Die Coaching-Formel: Der Coaching-Erziehungsstil ist derzeit „in“, besonders in den gehobenen Schichten und bei gebildeteren Menschen. Kinder zu haben ist für viele Coach-Eltern eher ein Akt der Selbstverwirklichung als eine konventionelle Selbstverständlichkeit. Für diese Eltern sind Kinder Luxus, den man sich bewusst gönnt. Sie sind das heiß ersehnte i-Tüpfelchen im ohnehin bereits recht erfolgreichen Leben. Coaching-Eltern entdecken und fördern die Talente ihrer Kinder. Mutter und Vater haben zu ihrem Kind eher ein partnerschaftliches Verhältnis als ein hierarchisches.

Quelle: OÖN vom Montag, 10. Jänner 2011

Was Kinder sich von den Eltern wünschen

Quelle: http://www.zeitblueten.com/news/2931/was-sich-ihr-kind-von-ihnen-wuenscht/ (11-01-20)

Misstrauen Sie Erziehungsratgebern!

In den letzten Jahren häufen sich die Angebote von Erziehungsratgebern und Elternbildungskursen, bei denen - nicht zuletzt durch die in der Werbung dafür entwickelten Horrorszenarien - verunsicherte Eltern Zuflucht suchen, doch verwirren diese mit ihren einander widersprechenden Ratschlägen oft noch mehr, denn propagieren die einen mehr Strenge, Disziplin und Grenzen, argumentieren die anderen für Liebe und Gelassenheit und eine gesunde Bindung zwischen Eltern und Kind, ohne die eine erfolgreiche Erziehung nicht funktionieren kann. Dazwischen verkümmert die elterliche Intuition. Dort heißt es zum Beispiel vollmundig:

"Hätten Sie schon immer gerne eine „Bedienungsanleitung“ für Ihr Kind gehabt, da Sie sich viel Zeit für Ihr Kind nehmen und einen demokratischen Erziehungsstil pflegen, der Sprössling aber häufig trotzdem nicht so will wie Sie? Dann sind Sie mit Ihren Problemen nicht allein. Diese Broschüre enthält die besten Strategien bei Erziehungsproblemen, die im Umgang mit Klein- und Kindergartenkindern häufig auftreten:

• Wie verbannen Sie das Chaos aus dem Kinderzimmer?
Grenzen setzen – aber richtig: Die 3 häufigsten Gründe, warum Grenzen missachtet werden!
• Strafen? Jein! Denn diese 5 Fehler sollten Sie auf keinen Fall dabei machen!
• Wie schaffen Sie es, dass Ihr Kind ohne Theater einschläft?
Ständig Widerworte? Versuchen Sie einmal diese 8 erfolgsbewährte Techniken
• Was tun, wenn Ihr Kleinkind im Kaufhaus einen Trotzanfall bekommt?
• Die besten Strategien gegen Dauergequassel
• Wie stellen Sie Jammern und Quengeln ab?
• Wie schaffen Sie es, dass Ihr Kind ohne Zu-Bett-Geh-Theater einschläft?
• So behutsam gehen Sie vor - wenn Ihr Kind nachts aufwacht und immer bei Ihnen ins Bett möchte
• Wie helfen Sie Ihrem Kind, wenn es sich vor dem „Monster unter dem Bett“ fürchtet
• Was hält Geschwister vom Streiten ab? Und vieles mehr!"

Doch Erziehung kann man nicht aus dem Lehrbuch heraus lernen, sondern sollte aus dem Bauch kommen, doch helfen Ratgeber manchmal insofern, als sie neue Perspektiven auf die eigenen Erziehungsfragen liefern können. Was dann aber oft fehlt, ist die objektive Bewertung, ob eine in solch einem Ratgeber gefundene Maßnahme zum Kontext der eigenen Erziehung passt, also was Kinder dann als sinnvolle Normalität im Alltag erleben. Entscheidend ist nach Kenntnis der Entwicklungspsychologie eine feste Bezugsperson, die viel Zeit mit dem Kind verbringt, denn nur so können soziale Kontakte angstfrei aufgebaut werden. Erziehung bedeutet, Kindern mit Liebe und auf positive Weise die richtige Zeit und den richtigen Ort für ihr Handeln zu zeigen. Kinder brauchen eine gewisse Normalität, zu der feste Regeln gehören, die jede Familie ihrer Lebenssituation anpassen sollte, denn Regelmäßigkeit, auf die Verlass ist, macht ein Zuhause aus, in dem man sich wohl fühlt, und das Kinder später, nachdem sie es einmal verlassen haben, gerne wieder aufsuchen.

Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ERZIEHUNG/ (11-03-21)

 



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