Was ist Amok?Eine willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblich destruktiven Verhaltens, gefolgt von Amnesie oder Erschöpfung. Vermutlich vom malayischen Wort für "wütend" stammend (mengamuk = einen wütenden Angriff machen), wird der Begriff in unseren Breiten dann verwendet, wenn ein Mensch wie im Rausch wahllos andere fast immer wehrlose Menschen angreift, verletzt und tötet. Dabei unterscheidet die Psychologie zwei Formen von Gewalt, die allgemein mit "Amoklauf" bezeichnet werden: spontane Wut des Amokläufers gegen andere und den erweiterten Suizid, der häufig bei jugendlicher Täter der Hintergrund ist. Die meisten Ereignisse treten scheinbar ohne Vorwarnung auf, einigen geht ein Zeitraum mit intensiver Angst oder Feindseligkeit voraus. Einige Studien lassen daran denken, dass diese Fälle im Zusammenhang stehen mit einer traditionell hohen Wertschätzung extremer Aggression und suizidaler Attacken im Rahmen von Kriegshandlungen. Analysen der Amokläufe haben ergeben, dass die Täter vorher oft Hinweise gegeben haben. Solch eine Tat kommt in der Regel also meist nicht aus dem Nichts, doch man muss die Zeichen lesen können. Solche Phänomene werden in der Psychologie unter dem Begriff "Leaking" (leck sein, durchsickern lassen) erforscht. Nicht selten werden Gewalttaten über Monate oder Jahre geplant, manche Täter führten sogar "Todeslisten". Oft liefert ein Amokläufer schon lange vor seiner Tat immer wieder versteckte Hinweise auf ein mögliches Verbrechen, die erkannt werden könnten, etwa Andeutungen, Drohungen, Zeichnungen, Pläne oder seit neuestem auch Kommentare im Internet. Manchmal haben Amokläufe ein "Vorspiel" von mehreren Jahren, wobei aber nicht jedes dieser Warnsignale auch in eine Tat mündet. Die soziale Umwelt ist häufig mit Drohungen konfrontiert, aber überfordert, diese richtig zu deuten, wobei vor allem stille und verschlossene Menschen unbeachtet bleiben. Der Entschluss zu einem Amoklauf reift daher meist langsam heran, die Gewaltphantasien bauen sich allmählich auf. Aber der potentielle Täter lässt fast immer immer wieder etwas über seine Pläne verlauten, er sendet Signale aus. Oft sind diese Signale unbewusste Forderungen danach, doch noch von der geplanten Tat abgehalten zu werden. Nach Amokläufen erinnern sich in vielen Fällen Eltern, Nachbarn, MitschülerInnen, LehrerInnen an solche Andeutungen. Der Versuch ein typisches Täterprofil "Amokläufer" zu finden, misslingt, denn den "typischen Amokläufer" gibt es nicht. Die Motive für solche Bluttaten sind vielfältig: Heftige Eifersucht, Rachegefühle, Ungerechtigkeitserlebnisse, Verzweiflung. Als Auslöser eines Amoklaufs findet man im Nachhinein oft eine fortgeschrittene psychosoziale Entwurzelung des Täters, den Verlust beruflicher Integration etwa durch Arbeitslosigkeit, Rückstufung oder Versetzung, erfahrene Kränkungen im beruflichen oder privaten Bereich sowie Partnerschaftskonflikte. Bei Amokläufern erkennt man nachträglich meist eine kontinuierliche Entwicklung, nämlich eine gewisse Form der abgebrochenen, fehlgeleiteten Kommunikation, aus der soziale Angst entsteht und aus der Angst wiederum entsteht Aggression. Durch das Fehlen von Kommunikationspartner entstehen in der Isolation destruktive Phantasien, durch die ein Entwicklungsprozess in Gang gesetzt wird, den der Täter - viel seltener die Täterin - ab einem gewissen Punkt alleine nicht mehr stoppen kann. Oft sind es Täter mit psychischen Erkrankungen oder schweren Persönlichkeitsstörungen, vor allem wahnhafte Täter, die solche Verbrechen verüben. In vielen Fällen kommt es zu einem monströs übersteigerten "erweiterten Selbstmord", d.h., dass der Täter versucht vor dem Suizid, so viele Menschen wie möglich zu töten. Dabei steht die Absicht im Mittelpunkt, das eigene Leben möglichst spektakulär zu beenden, um es "den anderen noch einmal zu zeigen". Hinweise auf erweiterten Suizid sind ausgedehnte Planungen sowie eine lange Phase der Introvertiertheit vor der Tat. Amokläufer planen die Tat oft hunderte Male, sie planen, welche Kleidung sie tragen, welche Schuhe, sie planen, welche Waffen sie benützen, sie planen die Örtlicheit, die Uhrzeit, sie planen alles, bis auf einen einzigen Punkt: Die Exit-Strategie - diese Konsequenzen ihrer Tat planen sie nicht. Suizidprävention ist wohl das effektivste Mittel, um die Zahl der Fälle zu reduzieren, in denen ein mit dem eigenen Leben fertiger Jugendlicher seine Mitmenschen ins Verderben reißt. Eine völlige Kontrolle ist allerdings in keinem Fall möglich. "Es kommt darauf an, die Warnsignale zu erkennen und den Jugendlichen dann auf dreifache Weise zu begegnen. Weitere Informationen müssen gesammelt werden, Normen des Zusammenlebens müssen verdeutlicht werden, vor allem aber muss den Jugendlichen klargemacht werden, dass ihre im Vorfeld subjektiv unlösbar erscheinenden Probleme nicht unlösbar sind. Sie müssen begreifen, dass ihnen von diesem Zeitpunkt an Erwachsene zur Seite stehen - nicht um zu strafen, sondern um auch Hinweise zu geben auf die Lösung der immer gleichen Kernprobleme: Wege zu Anerkennung, Kontroll-Erleben, sozialen Bezugspersonen, Einbindung in die Gesellschaft und Umgang mit Kränkungen. Schwere, zielgerichtete Gewalt ist immer die allerletzte Option für diese Jugendlichen, also muss ihnen eine Alternative aufgezeigt werden. Das können Schulpsychologen, jedoch auch Lehrer tun, die das Wohlergehen ihrer Schützlinge ernst nehmen" (Robertz 2009). Die Täter stehen vor der Tat oft in einem affektiven Ausnahmezustand, sodass ein einfacher Auslöser für den Beginn des Amoklaufes genügt. Ein einheitliches psychologisches Erklärungsmodell existiert daher nicht, gemeinsam ist allen nur das plötzliche Auftreten einer auch vom Täter nicht kontrollierbaren Zerstörungswut, oft eine ungerichtete Gewaltanwendung nach einem persönlichen Verlusterlebnis. Obwohl Amokläufe eher selten sind, können sie sich jederzeit und überall ereignen. Eine Vorbeugung ist nur über die Zugänglichkeit zu Waffen möglich. Alarm- oder Sicherungspläne für gefährdete Institutionen scheitern an der Aussichtslosigkeit, Ort und Zeit für einen solchen Gewaltausbruch vorherzusagen. Die meisten Amoktaten treten ohne Vorwarnung auf, dauern oft nur kurz und die Motive bleiben oft im Dunkeln. Forensische Experten sind sich einig, dass sie überall dort häufiger auftreten, wo extreme Aggressionen und die Neigung zur Selbstzerstörung, aber auch eine Kultur der Waffengewalt herrscht (z. B. in Kriegsgebieten) und auch dort wo Waffen leicht zugänglich sind. Darin liegt aber gleichzeitig die einzig sinnvolle vorbeugende Maßnahme zur Bekämpfung einer der schwersten Formen von Gewaltverbrechen: Den Zugang zu Waffen von gesetzlicher bzw. behördlicher Seite zu erschweren. Aber ein Täter mit einer hoher Motivation findet wohl immer und überall Zugang zu den Waffen, die er braucht. Amokläufe sind in letzter Zeit vor allem in Form von "school shootings" bekannt geworden, als an der Columbine-Highschool in den USA, am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt oder in der südwestfinnischen Kleinstadt Kauhajoki Jugendliche zahlreiche Menschen ermordeten. Diese Form des Amok ist eher selten als "blindwütige Raserei" angelegt, denn die jugendlichen Täter hatten sich zuvor bereits gedanklich mit der bevorstehenden Gewalttat beschäftigt und diese auch sorgfältig geplant. In manchen Fällen wurden diese sogar vorher im Internet angekündigt. Bei den meisten Fällen werden die Opfer bewusst ausgewählt und regelrecht hingerichtet ("Todeslisten)". Dieser Schul-Amoklauf ist zu einer besonderen Form des Amoklaufs geworden, bei der sich jugendliche Täter ausgegrenzt fühlen und sich an einer zu zurückweisenden Welt rächen, in dem sie versuchen, gemeinsam mit ihr unterzugehen. Teilweise liegt die besondere Aufmerksamkeit, die man diesen Fällen zuwendet, auch an dem Alter der Opfer. Peter Langman, Autor des Buchs „Amok im Kopf“ und psychologischer Leiter der Kinderhilfsorganisation "KidsPeace", hält bei Amokläufern vielmehr eine schwer gestörte Psyche der Täter für ausschlaggebend. Er widerspricht nach dem Studium von zehn amerikanischen Schulamokläufern auf Basis von Zeugenaussagen, Ermittlungsakten und Tagebucheinträgen der Vorstellung, wonach es sich bei Schulattentätern in der Regel um Mobbingopfer handle, denn alle bis auf einen hatten einen Freundeskreis, manche verabredeten sich auch mit Mädchen und gingen auf Partys. Auch der hohe schulische Leistungsdruck sei keine Teilursache gewesen, denn einige Schüler hatten sehr gute Noten und waren bei den Lehrern beliebt. Bei Amokläuen wird auch ein Werther-Effekt vermutet - es gab nach der Veröffentlichung des Buches 'Die Leiden des jungen Werthers' von Johann Wolfgang von Goethe eine Selbstmordreihe, die sich an dem Buch orientierte. Eine Untersuchung der Universität Würzburg und einer amerikanischen Universität belegt auch, dass nach einem Zeitraum von zehn Tagen nach einem Amoklauf ein weiterer stattfindet, dieser eine Art Initialzündung für den nächsten darstellt. Eine Statistik der "School Shootings"Eine Analyse der weltweit bis Ende 2006 aufgetretenen Fälle von Amok in Schulen - Schulen werden gezielt als Tatort gewählt, denn sie sind der "Ort der größten Kränkung", an dem jugendliche Täter demonstrativ ihre subjektive Handlungsunfähigkeit und das Gefühl von Kontrollmangel vor den Augen der Weltöffentlichkeit wettmachen wollen - belegt, dass solche Taten bereits seit 1974 auftreten, jedoch seit 1999 stark zunahmen. 99 Taten waren bis zu diesem Zeitpunkt weltweit zu verzeichnen, davon 74 in den USA, 6 in Kanada und sechs Deutschland. In Deutschland treten sie erst seit 1999 auf, also 25 Jahre nach den USA und Kanada. Das Durchschnittsalter der Täter liegt bei knapp 16 Jahren, nur vier der Taten weltweit sind von Mädchen verübt worden, wobei dieser Prozentsatz für schwere Gewaltkriminalität generell gilt. Frauen sind auf Grund personaler physiologischer als auch sozialer Merkmale viel eher und effektiver in der Herausbildung sozialer Beziehungen, die einen wesentlichen schützenden Faktor gegen Gewaltausübung darstellen. Grundsätzlich stehen zwar alle potenziellen Amokläufer – Männer wie Frauen – vor demselben Problem, denn sie sehen sich an einem Punkt angelangt, wo der Amoklauf für sie die letzte Option ist, um ihre Probleme zu lösen. Frauen und Mädchen erreichen diesen Punkt aber nicht so leicht wie Männer, denn sie haben andere Ressourcen und kulturelle Möglichkeiten zur Auswahl, um sich nicht in ein solche Sackgasse zu manövrieren. Weltweit gesehen ist der Anteil weiblicher Amokläuferinnen daher sehr gering, doch die eigentlichen Auslöser für Gewaltausbrüche sind geschlechtsunabhängig, denn viele der Gewalttäter haben Kränkungen, soziale Brüche oder Verlusterfahrungen erlitten. In der Regel gehen Frauen und Mädchen mit solchen Problemen jedoch anders um als Männer und Jungen, denn sie machen sozialisationsbedingt ihre Schwierigkeiten eher mit sich selbst aus oder kompensieren sie etwa über Krankheiten wie Bulimie oder Essstörungen. Männer haben auch genetisch bedingt hingegen eine aggressivere Art und Weise, sich mit Problemen auseinanderzusetzen. Unterschiede bei der Waffenwahl sind bei männlichen oder weiblichen Amokläufern nicht festzustellen, sie greifen in gleicher Weise zu Pistolen, Sprengstoffsätzen, Messern, doch sind die Daten nicht repräsentativ, denn die Zahl der weiblichen Amokläufer ist dafür auch weltweit zu klein. In 87 Prozent aller Fälle wurden Schusswaffen gebraucht. Die jugendlichen Täter führen weit mehr Waffen mit sich, als sie nutzen können, womit die Täter ihre Potenz und Kontrolle demonstrieren. Dieser Kampf endet in drei Viertel aller Fälle mit ihrer Festnahme, zu einem Viertel mit ihrem Suizid, wobei die Selbstmorde im Anschluss an School Shootings in den vergangenen zehn Jahren zugenommen haben, vermutlich um die finale Symbolik hervorzuheben. Verletzt wurden bei diesen Taten zu je einem Drittel nur Schüler, nur Schulpersonal oder Schüler und Schulpersonal gemeinsam. Bei fünf Taten haben mehr als zehn Menschen ihr Leben gelassen. Täter orientieren sich deutlich an der Ausgestaltung und Vorgehensweise ihrer Vorgänger, d.h., sie gleichen Kleidung (Trenchcoat und dunkle Kleidung) und Waffen aneinander an, posieren damit im Internet und nutzen Jahrestage vorangegangener Taten. Meist handelt es sich um eher introvertierte Jugendliche, die soziale Brüche und Verlusterfahrungen erleben mussten und sehr empfindlich auf diese Ereignisse reagiert haben. Kurz vor der Tat gibt es oft ein Ereignis, das als schwere persönliche Niederlage erlebt wurde, und den Taten ging jeweils eine Grübelphase voraus, in der auf verschiedenste Art Hinweise auf die Tat gegeben wurden. Alle verfügbaren Studien belegen auch: Diese Taten geschehen nicht plötzlich, sondern sind im Vorfeld erkennbar (Zusammengefasst nach Robertz 2009). Allerdings warnen Gewaltforscher wie Wilhelm Heitmeyer davor, Listen mit Risikofaktoren aufzustellen, denn die Folgekosten für das soziale Zusammenleben wären immens. Alle Amokläufer leiden unter Anerkennungsverlusten, deshalb sollte sich an Schulen eine neue Anerkennungskultur entwickeln, wo es nicht nur auf die Leistungen in den Schulfächern ankommen sollte, sondern es müssten auch andere Präsentationsmöglichkeiten für ein Individuum gegeben sein. Die Schule sollte die Persönlichkeitsentwicklung fördern, wobei man berücksichtigen sollte, dass Gewaltexplosionen vor allem an weiterführenden Schulen stattfinden, dass also hinter diesem Phänomen vermutlich ein strukturelles Problem steckt, das mit Leistungsdruck, Isolation und wohl auch Überforderung zu tun hat. Kanadische Forscher um Alain Lesage von der Universität Montreal haben 949 Opfer eines Amoklaufes an einer Schule befragt, bei dem eine Frau und der Täter starben und 19 Menschen verletzt wurden. Bei zwei Prozent der Befragten trat eine posttraumatische Belastungsstörung auf, sieben Prozent haben drei Jahre danach noch schwere Stresssymptome, einige LehrerInnen berichteten, sie fühlten sich machtlos und unfähig, ihren Schülern zu helfen. Schüler und Angestellte hatten die damals angebotene psychologische Hilfe nur widerwillig angenommen und lehnten die Hilfsangebote wegen ihrer Vorurteile über psychische Krankheiten ab oder aus Angst davor, Schwäche zu zeigen oder bei den Vorgesetzten als verletzlich zu gelten. Von den Befragten, die die psychologische Hilfe in Anspruch genommen hätten, sind jedoch 80 Prozent mit der Betreuung zufrieden gewesen. Neuere Studien zeigen, dass keine psychologische Intervention als Routineverfahren nach traumatischen Erfahrungen empfohlen werden kann, wobei die "Critical Incident Stress Management"-Methode (CISM) nach Jeffrey Mitchell und George Everly, die oft angewendet wird, bei vielen Betroffenen erst recht Wunden in die Seele schlägt und zu Retraumatisierungen führen kann. Dabei sollen Opfer oder Zeugen eines traumatischen Ereignisses unmittelbar nach dem Vorfall in einer Gruppe ihren Emotionen freie Bahn geben. Gruppengespräche nach einem potenziell traumatisierenden Ereignis sind manchmal aber prinzipiell kontraindiziert. Man sollte demnach in der Akutphase der ersten 48 Stunden auf jede therapeutische Intervention verzichten, sondern nurversuchen zu stabilisieren, etwa mit Essen, Wärme, Kontakt. Eine Gruppe von "Selbstheilern" kann die Erfahrungen oft mit eigenen Ressourcen bewältigen, nur die "Risikogruppe" braucht in der Regel therapeutische Unterstützung. Literatur und Quellen Robertz, Frank (2009). Die Statistik des Leids. Nach Amoklauf in Winnenden. |
In der ICD-10 Kodierung F68.8 sonstige näher bezeichnete Persönlichkeits- und Verhaltensstörung
Verwandte Syndrome:
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Es haben nur 15-20% der Soldaten im 1. Weltkrieg ihre Waffen tatsächlich benutzt, denn es braucht ganz besondere Bedingungen, dass ein Mensch Gewalt ausübt. Auch Gangs und Schlägertypen üben Gewalt meist nur dann erfolgreich aus, wenn ein solches ungleiches Kräfteverhältnis vorliegt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Polizisten gewalttätig werden, ist am höchsten, wenn sie dem Verdächtigen zahlenmäßig weit überlegen sind. Im Krieg geschehen Massaker meist dann, wenn der Feind plötzlich passiv wird, wenn er etwa in einen Schockzustand gerät und zu einer Gegenwehr nicht mehr fähig ist. Bei dieser Gewaltform ist die psychologische Dominanz viel wichtiger als die physische. Im verkleinerten Maßstab wird dieses Prinzip der "signalisierten Unterlegenheit" in den meisten Fällen von häuslicher Gewalt sichtbar. Wer im Konfliktfall "Schwäche" signalisiert, wird demnach eher angegriffen. Häusliche Gewaltopfer kamen, nachdem sie Selbstverteidigungskurse besuchten, praktisch nicht mehr in die Verlegenheit , die erlernten Techniken auch anwenden zu müssen, da sie nicht mehr angegriffen wurden. |
Bedingungen für MassakerCollins, R. (2008). Violence: A Microsociological Theory. Princeton University Press. |
Wolfgang Schmidbauer beschäftigt sich in einer neuen Publikation mit der „Psychologie des Terrors” und nennt die psychische Entgleisung eines Selbstmordattentäters "explosiven Narzissmus", die durch die Erfindung moderner Waffen und das zunehmende Unvermögen der Menschen, mit Kränkungen richtig umzugehen (begründet in der Kindheit, bestärkt durch die globalisierte Entwurzelung) ermöglicht worden sind. Automobile, Computer, Waffen, mediale Systeme sind Stützen der Grandiosität, die das Selbstgefühl unmerklich aufblähen, sodass sich Menschen großartiger fühlen, als sie eigentlich sind. Kleine Kinder schlagen bekanntlich in Kränkungswut ohne jede Rücksicht um sich, doch schrittweise lernen fast alle Menschen, diese Impulse zu zügeln. Gegenwärtig sind diese erlernten Aggressionshemmer überfordert, d.h., Eltern und Pädagogen können sie gar nicht so schnell aufbauen, wie sie von den Medien und dem Waffenangebot wieder ruiniert werden. Für Schmidbauer ist eine gute Elternbindung, das Urvertrauen, ein Schlüssel der Kriminalitätsbekämpfung, denn nur echtes Selbstbewusstsein kann mit Enttäuschungen und Verletzung umgehen. Er sieht eine enge Verwandtschaft von politisch oder religiös motivierten Attentätern zu jugendlichen Amokläufern: Beiden ist gemeinsam, Kränkungen nicht verarbeiten zu können und beide bieten die Möglichkeit, leicht und bequem in den Zustand des Nicht-Seins überzutreten, ein vom Scheitern ehrgeiziger Wünsche, von mangelnder Anerkennung behelligtes Leben in einer einzigen Tat zu erheben und – indem es ausgelöscht wird – jenseits aller Kränkbarkeit zu vollenden. |
Psychologie des Terrors
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Inhaltsverzeichnis Theorien zur Erklärung - Genetischer Ansatz - Ethologisches Konzept - Huesmann und Berkowitz - Lernpsychologische Erklärung - Katharsishypothese - Psychoanalytische Erklärung - Frustrationshypothese - Exkurs - Amok - ein interkulturelles Phänomen - Selbstverletzung - Wahrnehmung in der Familie - Familie - Hooliganismus - Medienwirkung - Elterntipps - Trainingsprogramm - Schule - Literatur