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We need four hugs a day for survival,
eight hugs a day for maintenance,
and twelve hugs a day for growth.
V. Satir

Die Systemischen Familientherapie

ist eine Form der Psychotherapie, die Gesundheit und Krankheit eines Menschen sowie persönliche Lebensqualität im Zusammenhang mit seinen relevanten Beziehungen und Lebenskonzepten betrachtet. Interventionen setzen sowohl am Selbstbild wie am Beziehungsfeld einer Person an. Systemische TherapeutInnen versuchen mittels einer konsequenten ressourcen- und lösungsorientierten Haltung und Methodik, Einschränkungen und Störungen der Lebensentfaltung wie beispielsweise psychosomatische Symptome, Verhaltensauffälligkeiten, destruktive Interaktionsmuster u. ä. aufzulösen. Dadurch wird eine förderliche Beziehungsgestaltung und Wirklichkeitskonstruktion ermöglicht und gefestigt.

Eine Paartherapie kann bei Partnerschaften, die sich in einem lähmenden Stillstand befinden oder an massiven Kommunikationsstörungen leiden, durchaus hilfreich wirken. Es liegt oft nur am Erlernen einer konstruktiven Streitkultur, denn oftmals drehen sich Paare in destruktiven Kreisen, weil sie nicht gelernt haben, beim Streiten zu Lösungen zu kommen, sondern es ihnen ausschließlich darum geht, zu gewinnen. Männer reagieren in solchen verfahrenen Situationen häufig mit einer inneren Emigration, indem sie sich der verzweifelten Bitte ihrer Partnerin um Nähe widersetzen und sich ihr entziehen. Dieses zunehmende Nichtvorhandensein empfindet man häufig als die höchste und verletzendste Form der Aggression.

Zur Geschichte

Virginia Satir entwickelte ihren eigenen Stil in der Arbeit mit Familien und Gruppen, da sie davon ausging, dass der Körper oder das Selbst alles was geschieht von Anfang an speichert und dass der Körper entscheidet, welche dieser Erfahrungen im Bewusstsein bleiben und welche im Unbewußten aufgehoben werden. Satir sah als Ziel ihrer therapeutischen Arbeit, über Empfindungen des Körpers unbewusste Informationen über die Geschichte von Personen und Familien wieder zugänglich zu machen, sodass der Mensch Klarheit gewinnen und für ein neues Lernen frei werden kann. Virginia Satir setzte Kommunikationsformen in Familien in Körperhaltungen um und ließ die einzelnen Mitglieder des Systems sprachlos, also ausschließlich über ihren Körper interagieren. Diese Komplexitätsreduktion ließ die problemerhaltenden Kommunikationsmuster in einer Dichte und Deutlichkeit hervortreten, die es für die Betroffenen und Außenstehenden leichter machte, zu sehen und zu spüren, wofür es Lösungen bedurfte. Später nannte Satir diese in Körperhaltungen ausgedrückten Kommunikationsformen "Familienskulpturen". Der eigentliche Erfinder dieser Methode aber war David Kantor, der nach neuen Formen der Informationsvermittlung suchte und an Holzfiguren dachte, welche die Familienmitglieder repräsentieren und so zueinander positionieren sollten, dass sie die Beziehungen im Familiensystem darstellen. Um seine Idee zu erläutern, demonstrierte sie Kantor mit den Mitgliedern einer Gruppe. David Kantor, dessen ursprüngliche therapeutische Heimat das Psychodrama war, setzte seine Erfindung in Gruppen in einer sehr aufwendigen Form ein. Er nannte sie "Evocative Sculpture". Es beginnt mit einer Phase, in der die Klientin in Form einer Trancearbeit in eine bestimmte Zeit des Lebens versetzt wird, von der angenommen wird, daß sie einer neuen Sichtweise und eines neuen Erlebens bedarf. Dann werden sorgsam die passenden Rollenspieler ausgewählt und in einer aufwendigen Prozedur zueinandergestellt. Dabei wird die Beziehung durch Abstand (Nähe - Distanz), durch "Oben und Unten" (Macht und Einfluß) und durch Gestik und Mimik (Qualität der Beziehung) ausgedrückt. Nach Fertigstellung des "Problemgebildes" haben die Rollenspieler die Aufgabe, ohne Worte die Szene weiterzuspielen - und nach Lösungen zu suchen. Peggy Papp hat 1971 dann die "schnelle und statische Skulptur" entwickelt hat, um das Beziehungsgeschehen schneller zu erfassen und Lösungsbilder entwickeln zu können. Heute stellt die Skulpturtechnik einen Prozeß und eine "Sprache" dar, mit deren Hilfe Familien und Gruppenmitglieder die vielen Aspekte ihrer Beziehung umfassender und schneller darstellen können, als dies mit Worten möglich wäre.

Skulpturtechnik

Bei der Skulpturtechnik in der Einzel-, Paar-und Familientherapie wird ein Mitglied des Familiensystems gebeten, die anderen Personen so zueinander zu stellen, wie (gegenwärtig oder zu bestimmten Zeiten) die Familienbeziehungen erlebt wurden. Oft wird auch noch ein weiteres Familienmitglied aufgefordert, ein (unterschiedliches) Bild zu stellen. Sind keine weiteren Mitglieder im Therapieraum anwesend (wie in der Einzeltherapie), behilft man sich mit Sesseln oder anderen Gegenständen (z. B.: Holzklötzen auf einem Brett, Markierungsscheiben auf dem Boden . . . ), die die Plätze der Angehörigen markieren. In dieser Komplexitätsreduktion und damit auch Verdichtung des Beziehungsprozesses finden folgende Elemente ihren Ausdruck: Raum (ausgedrückt durch den Abstand zwischen den Personen und ihre Blickrichtung), Zeit (Zeitpunkt in der Familiengeschichte, der betrachtet wird) und Energie (ausgedrückt durch Mimik und Gestik und durch "oben" und "unten" in der Skulptur).

In den verbalen Rückmeldungen der Mitglieder des Familiensystems über ihr körperliches und emotionales Erleben in der Skulptur zeigt sich oft sehr schnell das Problem, das einer Lösung bedarf. Die Lösungsschritte können entweder vom Therapeuten aus der Außenperspektive angeboten werden, oder die Mitglieder entwickeln aus der Innenperspektive ein Beziehungsbild, das mehr ihren Wünschen und Sehnsüchten entspricht. Als Lösungsskulptur wird dann jene verstanden, in der sich alle mitwirkenden Personen wohl fühlen.

Die Skulpturarbeit in solch gewachsenen Systemen hat aber auch Beschränkungen. Die von einem Mitglied des Systems in die Skulptur gestellten anderen Mitglieder sind keine "neutralen" Stellvertreter, sondern haben verständlicherweise ihre Wünsche oder Widersprüche zu dem Problem- oder Lösungsbild. Sie halten sich in ihren Aussagen über den Platz im System entweder sehr bedeckt, oder sie lassen ihre eigenen Interessen einfließen. Ebenso nehmen diejenigen, die die Skulptur stellen, oft Rücksicht auf die anderen Familienmitglieder und halten die Unterschiede so klein, daß die Skulptur zu ja keiner Intervention im System führen kann. Vielleicht hat Virginia Satir sich deshalb in ihrer Arbeit mit Familien oft darauf beschränkt, ihre Bilder aus der Außenperspektive anzubieten, sowohl für das Problem, als auch für die Lösung.

Arbeitet man mit Materialien, die den Platz von Familienmitgliedern im System darstellen, so können die betroffenen Personen oft eine entlastende Außenperspektive zu ihrem Familiensystem einnehmen, aus der sie Erkenntnisse gewinnen, die ihnen aus der Innenperspektive nicht möglich waren. Aber Sesseln, Klötze usw. können wiederum nicht sprechen und keine Information über den Platz im System weitergeben; die Perspektive ist immer die der Person, die das System aufgestellt hat, und die Perspektive des Therapeuten, wenn dieser durch Umstellen neue Lösungen vorschlägt. Der systemische Ansatz der Gruppentherapie nutzt die Ressource der Gruppe, um Systeme zu rekonstruieren und neukonstruieren, deren Mitglieder als Personen nicht anwesend sind.

Familienrekonstruktion

Virginia Satir nannte später ihre Arbeit "Familienrekonstruktion" und nützte vor allem die damals bekannten Rollenspielmethoden aus dem Psychodrama und Elemente aus der Gestalttherapie. Im Laufe der Hunderten Familienrekonstruktionen, die sie geleitet hat, entwickelte sie einen eigenen Stil, der über das Rollenspiel des Psychodramas hinausführte. Vor allem der Einsatz der Skulpturarbeit ermöglichte es in kurzer Zeit, Informationen aus der Familiengeschichte zu bündeln, ihre problemaufrechterhaltende Bedeutung zu verstehen und Lösungen (z. B. die Veränderung von einschränkenden Lebensregeln, die mit "du mußt" oder "du darfst nicht" beginnen) zu entwickeln. Die Klientin oder der "Star", wie Virginia Satir sie nennt, bekommt in der Familienrekonstruktion die Gelegenheit, die Geheimnisse ihres Lebens zu rekonstruieren und die fehlenden Teile des Puzzles, also die Quellen des frühen Lernens, aufzuspüren. Satir gibt einer ihrer Beobachtung eine besonders große Bedeutung, daß nämlich Kinder, die in Familien mit unterschiedlichen Botschaften über Ereignisse und Erwartungen aufwachsen, den Widersprüchen einen Sinn zu geben versuchen. Denn diese subjektiven Reaktionsmuster wurden zu einer Zeit gelernt, als die Person höchst verletzbar war (in den ersten fünf Jahren) und das Gelernte nicht relativieren konnte. "Es ist deswegen beinahe mit Blut in das Buch der persönlichen Geschichte eingeschrieben." Satir glaubt aber auch, daß Menschen in jedem Alter lernen können, von der Fülle ihrer Möglichkeiten wieder Gebrauch zu machen. Die Entwicklung eines Bildes der Menschlichkeit der Eltern. Denn auch diese waren als Kinder Lernerfahrungen ausgesetzt, die ihnen nicht ermöglichen, ihr volles Potential als liebende Eltern auszuschöpfen. Der "Star" erhält die Möglichkeit, die eigene Familiengeschichte neu zu schreiben. "Wenn man das menschliche Leben als heilig betrachtet - so wie ich das tue -, dann wird Familienrekonstruktion zu einer spirituellen Erfahrung und führt zu Erkenntnissen, die die menschliche Energie aus den Fesseln der Vergangenheit befreien und den Weg zur vollen menschlichen Entfaltung öffnen" (Satir 1985).

Siehe dazu auch die "Verballhornung" dieser Methode bei Hellinger

Prägende Eltern für die spätere Beziehung

Aus zahlreichen Untersuchungen weiß man, dass in vielen Fällen die Partnerschaft der Eltern unbewusst prägend für die eigenen Beziehungen ist, sei es als Vorbild oder auch als Gegenbild. Kinder nehmen die Atmosphäre daheim unbewusst auf und wiederholen später unbewusst sehr viel, um alte Muster zu erleben, denn im Altbekannten fühlen sich Menschen wohl und sicher. Schließlich handelt es sich in der kindlichen Familie um die ersten Erfahrungen, die Menschen machen, denn Kinder lernen vom Modell der Eltern, für sie ist in der Regel die Mutter die erste Frau und der Vater der erste Mann in ihrem Leben. Kinder beobachten dabei ganz genau, wie die Eltern miteinander umgehen, und erproben beim Spielen diese erlebten Rollen. Besonders stark werden Kinder von der Rollenverteilung im Elternhaus beeinflusst, und es gibt etwa ein Drittel der Erwachsenen, die in ihrer Partnerschaft zwar alles ganz anders machen wollen als die Eltern, doch wenn man nur aus Protest versucht, das Gegenteil zu leben, wird von diesen kaum ein eigenes Modell entwickelt und so verfallen sie in die alten Rollenbilder. Auch in der Kommunikation lernt man im Elternhaus, wie Konflikte ausgetragen werden, wobei dieses Vorbild das eigene Verhalten massiv beeinflusst. Wenn die Eltern ihre Auseinandersetzungen etwa aggressiv oder schweigend oder auch gar nicht austragen, diese um jeden Preis vermeiden, liefern sie ihren Kindern ein Modell für deren spätere eigene Beziehungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder gegenüber ihrem Partner ein ähnliches Verhalten zeigen, ist damit sehr groß. Besonders Kämpfe zwischen den Eltern sind für Kinder oft prägende Erlebnisse, denn in solchen Situationen erlebt sich das Kind als ohnmächtig, wobei solche emotional belasteten Situationen als traumatische Erfahrung für immer gespeichert bleiben. Da vieles verdrängt wird, wird später in einer eigenen Beziehung ähnlich kommuniziert, ohne das bewusst wahrzunehmen, wobei die in solchen Situationen gezeigte Emotionalität, mit der ein solcher Streit einhergeht, für den Partner in der Situation dann unverständlich bleibt und als Überreaktion interpretiert wird, was die Beziehung belastet. Es nicht erstaunlich, dass die Ehen von Scheidungskindern häufiger in die Brüche gehen als die von Kindern aus intakten Familien, wobei nach Untersuchungen das Scheidungsrisiko um etwa 50 Prozent erhöht ist, wenn die Ehe der Eltern geschieden wurde. Ob man sich bei der Partnerwahl am Beispiel der Eltern orientiert, ist nicht immer eindeutig, auch wenn vieles dafür spricht, d.h., es ist naheliegend, dass man sich auch bei der Partnerwahl unbewusst vom Modell der Eltern beeinflussen lässt. Manche suchen in ihrer Beziehung auch das Gegenteil, doch zeigt sich, dass diese Komplemantarität oft nur ein Schein ist, weil sich der andere in der Partnerwahl vielleicht ebenfalls an einem Gegenmodell orientiert, aber im Verlaufe der Partnerschaft die alten Muster zum Vorschein kommen.
Siehe dazu die Imago-Paar-Therapie.

Psychotherapieforschung

Sydow et al. (2007) geben einen aktuellen Überblick zur systemischen-familientherapeutischen Psychotherapieforschung und stellen systematisch den aktuellen Stand der systemischen/familientherapeutischen Forschung dar. Insbesondere werden die derzeit vorliegenden kontrollierten randomisierten Outcome-Studien sowie Studien zum Psychotherapieprozess vorgestellt. Insgesamt werden in diesem Buch 33 Studien zusammengefasst. Als Name für das Verfahren schlagen die Autoren "Systemische Therapie/Familientherapie" vor, unter Anerkennung der Tatsache, dass Familientherapie primär ein therapeutisches Setting und keine theoretische Orientierung bezeichnet (S. 14). Die verfügbaren Forschungsdaten zur Wirksamkeit Systemischer Therapie machen deutlich, dass die Systemische Therapie/Familientherapie auch unter quantitativen Forschungsgesichtspunkten gegenüber anderen Psychotherapieverfahren durchaus bestehen kann, wenn sie diesen nicht sogar in einzelnen Bereichen überlegen ist. Insgesamt wird deutlich, dass die Wirksamkeit von Systemischer Therapie/ Familientherapie für eine Reihe von Störungsbildern gut belegt ist, sowohl im Kindes- und Jugendalter (z.B. für Störungen des Sozialverhaltens, Substanzstörungen, Depressionen und Suizidalität, Essstörungen und psychische/ soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten) als auch bei Erwachsenen (z.B. für Substanzstörungen, Depressionen, Essstörungen, psychische/soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten und Schizophrenie). Besondere Vorteile des systemischen/ familientherapeutischen Ansatzes sind die meist geringeren Drop-out-Raten, eine hohe Zufriedenheit der Patienten und Angehörigen mit der Therapie und eine günstige Kosten-Nutzen-Relation. Häufig können schon mit wenigen Sitzungen in größeren Abständen positive Ergebnisse erzielt werden (vgl. Levold 2007).

Dr. Stephan Hametner (Psychotherapeut in Wien) stellte mir in einer Mail vom 12. März 2007 zahlreiche weitere Forschungsergebnisse zur Effektivität der Systemischen Familientherapie zur Verfügung, die er seinerseits von Konrad Peter Grossmann (Psychologe und Psychotherapeut am Institut für Familienberatung in Linz, er ist Lehrtherapeut und Lehrbeauftragter für systemische Familientherapie mit zahlreichen Veröffentlichungen zur Paartherapie, Interventionstheorie und narrativen Therapie) erhalten hatte:

Strukturelle Therapie

Im Kontext struktureller Therapie liegt u.a. eine Untersuchung Minuchins zur Behandlung anorektischer KlientInnen vor, die auf eine hohe Erfolgsrate verweist; Details der Untersuchung sind allerdings nicht angegeben (vgl. Minuchin 1983).

Eine von Stanton und Todd durchgeführte Untersuchung zur strukturellen Familientherapie mit heroinabhängigen PatientInnen weist diese als nachhaltig effektiv aus (vgl. Stanton & Todd 1979).

Gustafsson et al. verglichen ausschließlich medizinische Asthmabehandlung mit einer Kombination medizinischer Behandlung und struktureller Familientherapie bei schwer asthmaerkrankten Kindern; im Kontext medizinischer und pädiatrischer Maße erwies sich die Behandlungsgruppe mit struktureller Familientherapie jener mit ausschließlich medizinischen Behandlung signifikant überlegen (vgl. Gustafsson et a. 1986); das Ergebnis bestätigte eine analog angeordnete Untersuchung von Lask und Mathew (vgl. Lask & Mathew 1979).

Im Kontext einer Untersuchung von Szapocznik et al. wurde strukturelle Familientherapie mit psychodynamischer Kindertherapie bei 13- bis 14-jährigen männlichen Klienten verglichen. In beiden Therapien reduzierte sich das Problemverhalten, welches Anlass der Behandlung war, in etwa vergleichbarem Maß. Unterschiedliche Wirkung trat erst im weiteren Verlauf nach Therapieende auf. Während sich bei den familientherapeutisch behandelten Kindern die familiären Beziehungen verbesserten, verschlechterten sich diese nach der Ende der psychodynamischen Therapie (vgl. Szapocznik et al. 1989).

Wiggins und Muehleisen verglichen eine strukturell ausgerichtete Paartherapie mit einer kognitiv orientierten Einzeltherapie beider Partner. Insgesamt wurden 48 Paare mit Eheproblemen behandelt. Die Therapien erstreckten sich über vier Monate mit unterschiedlicher Sitzungsfrequenz. Während es im Kontext der Einzeltherapien zu signifikant größeren Verbesserungen der Zufriedenheit mit dem Partner und der Ehe kam, zeigte sich im paartherapeutischen Setting keine Verbesserung, auch die Zufriedenheit mit der Therapie war bei einzeltherapeutisch behandelten Paaren signifikant größer als bei paartherapeutisch behandelten Paaren (vgl. Wiggins & Muehleisen 1986).

Strategische Therapie

Im Kontext strategischer Therapie berichtet Haley von eigenen katamnestischen Untersuchungen im Kontext von vierzehn durchgeführten Familientherapien; die Patientengruppe bestand aus Jugendlichen, die als schizophren eingestuft waren. Haley gibt eine Misserfolgsrate von 29 Prozent an. Die Behandlungen erfolgten nach der ersten Hospitalisierung der Jugendlichen, in allen Fällen waren beide Eltern für Therapiegespräche verfügbar, der Behandlungszeitraum betrug insgesamt bis zu vier Jahre. Das TherapeutInnenteam umfasste psychiatrische Fachärztinnen, PsychologInnen und einen Sozialarbeiter. Haley selbst beurteilte die Validität seiner Untersuchung kritisch, da eine unbehandelte Kontrollgruppe fehlte und die Nachuntersuchung durch die behandelnden TherapeutInnen durchgeführt wurde (vgl. Haley 1981). Bei sechs der vierzehn behandelten Jugendlichen kam es zu vorübergehenden Hospitalisierungen; bei den restlichen acht Jugendlichen kam es in der zwei- bis vierjährigen Nachuntersuchungsperiode zu keiner Rehospitalisierung

Weitere Studien zur strategischen Therapie nach J. Haley wurden am Family Therapy Institute in Washington und am Psychiatry Department der Universität Maryland durchgeführt; die Altersgruppe der KlientInnen lag zwischen siebzehn und dreißig Jahren, den untersuchten TherapieklientInnen waren heterogene Diagnosen wie etwa Psychose und Anorexie zugeordnet; die Misserfolgsrate wird mit 22 Prozent angegeben (vgl. Haley 1981).

In einer Studie von Boelens et al. wurde systemische Paartherapie nach einem strategischen Ansatz mit einer verhaltenstherapeutischen Paartherapie verglichen. Die Behandlungen umfassten jeweils zehn Sitzungen, beide Behandlungen bewirkten deutliche Verbesserungen der ehelichen Zufriedenheit und der individuellen Probleme. Nach Ende derTherapien bestand kein Unterschied zwischen den Behandlungsbedingungen, nach einem bzw. sechs Monaten war die verhaltenstherapeutische Behandlung der systemorientierten signifikant überlegen (vgl. Boelens et al. 1980).

Gemäss katamnestische Befragungen von Watzlawick et al. von 97 KlientInnen bei unterschiedlicher Diagnosestellung beschrieben 72 Prozent aller KlientInnen die Störung/ Problematik, die Anlass strategischer Therapie nach dem BTC war, als geheilt oder verbessert (vgl. Watzlawick et al. 1974).

Mailänder Modell

Carr berichtet über zehn nach dem Mailänder Modell durchgeführte Therapiestudien, von welchen vier ein Kontrollgruppendesign aufwiesen; seine Zusammenfassung verdeutlicht, dass der systemische Ansatz nach dem Mailänder Modell zu vergleichbaren oder besseren Ergebnissen als jeweilige Vergleichstherapien führte, und zwar sowohl hinsichtlich der Symptomreduktion als auch hinsichtlich familialer Funktionsmaße. In 60 bis 75 Prozent aller berichteten Fälle konnten Symptomverbesserungen festgestellt werden, Verschlechterungen traten nur bei etwa 10 Prozent der KlientInnen auf; die beschriebenen Verbesserungen ließen sich katamnestisch bestätigen; 9 der 10 Studien schlossen follow - up - Messungen mit ein (vgl. Carr 1991).

Zu diesen Studien zählen auch zwei Vergleichsuntersuchungen von Bennun, innerhalb welcher systemische Therapie nach dem Mailänder Modell mit verhaltenstherapeutischen Familientherapieansätzen verglichen wurde; die erste Studie fokussierte heterogene Störungsbilder, die zweite die Alkoholabhängigkeit eines Familienmitgliedes. In beiden Studien zeigten sich deutliche Verbesserung bei allen untersuchten Maßen bei beiden Verfahren (vgl. Bennun 1986 1988).

Ein von Liedtke et al. vorgenommener Vergleich zwischen stationärer psychoanalytischer Gruppentherapie mit ambulanter systemischer Familientherapie nach dem Mailänder Modell bei bulimischen KlientInnen ergab in beiden Behandlungsmodalitäten signifikante Verbesserungen der Symptomatik; zwischen den Ansätzen konnten keine Wirkunterschiede festgestellt werden, allerdings bestanden leichte Tendenzen zugunsten der analytischen Gruppentherapie; die Ergebnisse blieben über einen follow - up - Zeitraum von zweieinhalb Jahren stabil (vgl. Liedtke et al. 1991).

Lösungsorientierte Therapie

Nach einer Studie von deShazer und Molnar kam es bei 57 Prozent aller KlientInnen im Kontext lösungsorientierter Therapie zu Verbesserungen nach dem Erstgespräch, von 34 Prozent der KlientInnen wurden Probleme als gleichbleibend, von 9 Prozent als verschlechtert eingestuft (vgl. deShazer & Molnar 1984).

Gemäß einer katamnestischen Untersuchung von TherapieklientInnen im Kontext lösungsorientierter Therapie berichteten 82 Prozent aller KlientInnen auf der Basis eines Follow - up - Questionary von wesentlichen Verbesserungen nach einem sechsmonatigen Katamneseabstand; 45 Prozent der KlientInnen beschrieben eine Verbesserung sog. "Sekundärprobleme", 55 Prozent der KlientInnen beschrieben Verbesserungen in Bereichen, welche in der Therapie nicht behandelt wurden; 60 Prozent der KlientInnen erklärten, dass nach dem Ende der Therapie keine neuen Beschwerden auftraten (vgl. deShazer 1985a). Das untersuchte Sample umfasste 28 KlientInnen, die durchschnittliche Behandlungsdauer betrug 6 Sitzungen.

Einer anderen Follow - up - Studie deShazers zufolge kam es bei 72 Prozent aller KlientInnen zu signifikanten Verbesserungen im Kontext von durchschnittlich 6 Therapiesitzungen; untersucht wurde ein zufallsrandomistiertes Sample von 400 KlientInnen (vgl. deShazer 1985a).

Eine weitere katamnestische Studie zur lösungsorientierten Therapie wurde bei 53 Kindern und Jugendlichen im Kontext eines ambulantes Settings durchgeführt; die Therapie wurde von einem einzelnen Therapeuten bei durchschnittlich 4 Therapiesitzungen durchgeführt, die Katamnese erfolgte ein halbes bis ein Jahr nach Therapieende. In 77 Prozent der Fälle zeigte sich die Beschwerde gebessert: "In keinem einzigen Fall... (ist) nach Therapieende eine weitere oder andersartige Therapie in Anspruch genommen worden" (Burr 1993, S. 20).

Narrative Therapie

Im Kontext einer am Family Center of the Berkshires durchgeführten Studie zur narrativen Therapie n. Sluzki zeigten sich bei der Hälfte der untersuchten Familien mit unterschiedlichen Problemstellungen erfolgreiche Transformationsereignisse und Veränderungen des "affektiven Tonfalls" von Familien sowie deutliche Einstellungsveränderungen von Familienmitgliedern KlientInnen gegenüber (vgl. Coulehan, Friedlander & Heatherington 1998).

Weitere Quellen

Fehlinger, Margarete (1998). Familien am Schachbrett Skulptur-Rekonstruktion-Aufstellung - Umstrittene Methoden in der Familientherapie. Wiener Zeitung vom 18.12.
Levold, Tom (2007). Rezension von Sydow, K. v., Beher, S., Retzlaff, R. & Schweitzer-Rothers, J. (2007). Die Wirksamkeit von Systemischer Therapie/Familientherapie. Göttingen: Hogrefe.
Satir, V. (1985). Meditations, Inspirations. Berkeley: Celestial Arts.
Sydow, K. v., Beher, S., Retzlaff, R. & Schweitzer-Rothers, J. (2007). Die Wirksamkeit von Systemischer Therapie/Familientherapie. Göttingen: Hogrefe.
WWW: http://www.systemagazin.de/buecher/neuvorstellungen/2006/12/sydow_wirksamkeit.php (07-03-12)
http://www.la-sf.at/la-sf/front_content.php?idcat=3 (07-03-12)

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