Transaktionsanalyse |
Die Transaktionsanalyse ist ein psychologisches Modell zum Beobachten, Beschreiben und Verstehen von Persönlichkeit und sozialen Beziehungen zwischen Individuen und sozialen Systemen. |
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Ausgangspunkt der Transaktionsanalyse bildeten Versuche des Neurochirurgen Wilder Penfield. Dieser führte bei seinen Gehirnpatienten im Verlaufe von Operationen Experimente durch. Er reizte die Großhirnrinde des Schläfenlappens mit Hilfe einer elektrischen Sonde. Da die Patienten während des Eingriffes bei Bewußtsein waren, konnte er nicht nur die Reaktionen der Versuchspersonen beobachten, sondern auch erfahren, was diese Reizungen inhaltlich an Vorstellungen und Bildern auslösten. Er erkannte, dass durch die elektrischen Reize Erinnerungen bei seinen Patienten ausgelöst werden können. Wiederholte er die Reizung an derselben Stelle, löste er dieselbe Erinnerung aus, und zwar so intensiv, dass seine Patienten diese förmlich noch einmal erlebten. Der Einfluß der elektrischen Sonde war für die Patienten zwingend, d.h., sie konnten weder das Hervorrufen der Erinnerung verhindern noch auf diese Einfluß nehmen. Sie lief ab wie ein Film in dem die Darsteller waren und auf das Drehbuch (Skript) keinen Einfluß haben. Auch längst nicht mehr bewußt abrufbare Erinnerungen konnten so in den Tiefen des Gedächtnisses aufgespürt werden. Aus diesen Versuchen Penfields leite Thomas Harris das Modell des Gehirns als eine Art HiFi-Anlage ab, denn er glaubte, dass das Gehirn wie ein HiFi-Tonbandgerät originalgetreu jedes Erlebnis von der Geburt an aufzeichnet. |
Historischer Ausgangspunkt
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Wilder Penfield und Thomas Harris postulierten, dass auch Situationen im Alltag die Rolle der elektrischen Sonde übernehmen können. Eine schwierige oder erschreckende Situation kann ihrer Meinung nach dazu führen, dass eine ähnliche Situation aus der Vergangenheit wieder erlebt wird und die alten Gefühle "hervorkommen". Häufig läuft das Wiedererleben unterbewußt ab und als einziges Indiz bleiben die hervorgerufenen Gefühle übrig, welche dann schwer einzuordnen sind, da ihnen keine konkreten Inhalte zugeordnet werden können. Aus diesem Modell des Gehirns als Aufzeichnungsgerät (die Autoren sprechen von einem HiFi-Tonbandgerät) von Erinnerungen, das neben dem Erlebten auch die ursprünglichen Gefühle aufzeichnet und jederzeit wiedergeben kann, entwickelten Thomas Harris und Eric Berne dann das Modell der Transaktionsanalyse. |
Dieses Bild des Gehirns als Tonbandgerät entspricht nicht dem heutigen Wissensstand der Gehirnforschung und sollte nur als Metapher betrachtet werden! Siehe dazu |
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Eric Berne fiel auf, dass sich seine Patienten während der Behandlung von einem auf den anderen Moment völlig zu verändern schienen. Sie änderten Sprache, Gesichtsausdruck, Haltung und Gesten. Er führte das darauf zurück, dass durch einen externen Stimulus wie bei der Sonde Penfields eine Erinnerung ausgelöst wurde. Im Laufe des Lebens sammelt sich eine große Menge an Erinnerungen an, wobei die Erinnerungen von besonderer Bedeutung sind, die in den ersten fünf bis sechs Lebensjahren zusammengetragen werden. Berne entwickelte daraus ein theoretisches Modell, dass jeder Mensch aus drei verschiedenen "Personen" bestehe und drei verschiedene "Ich-Zustände", das Eltern-Ich, das Erwachsenen-Ich und das Kindheits-Ich in sich trage. Diese Zustände des Bewußtseins verkörpern aber nicht etwa Rollen sondern Realitäten. In dem Moment, in dem man sich im Kindheits-Ich befindet, ist man wirklich ein Kind von fünf Jahren. Gerät man später in eine ähnliche Situation, wie man sie schon in dieser frühen Zeit erlebt hat, so wirkt dies wie eine elektrische Reizung in Penfields Experimenten. Man erlebt die ursprüngliche Situation noch einmal. Im Original hatten diese drei Ich-Zustände - Berne spricht auch von psychischen Organen - "wissenschaftlichere" Bezeichnungen, die das Wesen vermutlich besser treffen und zu weniger Missverständnissen Anlass geben - siehe rechtsstehende Grafik. |
Die drei Ich-ZuständeDie drei Ich-Zustände sind im Prinzip eine Einteilung der vorhandenen Erinnerungen in verschiedene Kategorien. Bernes Konzeption der Ich-Zustände baut auf dem Ich-Konzept der
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Das Eltern-Ich sammelt die Erinnerungen, die bis zum fünften oder sechsten Lebensjahr an das Kind von außen herangetragen werden. Harris schreibt dazu: "Das Eltern-Ich ist eine ungeheure Sammlung von Aufzeichnungen im Gehirn über ungeprüft hingenommene oder aufgezwungene äußere Ereignisse, die ein Mensch in seiner Kindheit wahrgenommen hat." Diese von außen an das Kind herangetragenen Aufzeichnungen sind in erster Linie Befehle und Verhaltensregeln, die das Kind von seinen Eltern oder anderen Bezugspersonen übermittelt bekommt oder beobachtet. Sie werden ungeprüft aufgezeichnet, da das Kind in diesem Alter noch gar nicht in der Lage ist, das Erfaßte kritisch zu hinterfragen. Da in dieser Zeit die Hauptbezugspersonen für ein Kind in der Regel die Eltern sind, wählten Harris und Berne den Begriff Eltern-Ich. Im Eltern-Ich sind alle Ermahnungen und Regeln, alle Gebote und Verbote aufgezeichnet, die ein Kind von seinen Eltern zu hören bekommen hat oder von ihrer Lebensführung ablesen konnte. Entscheidend ist, dass nach den Ideen Bernes und Harris diese Aufzeichnungen als unzweifelhafte Wahrheiten im Eltern-Ich eines jeden aufgezeichnet sind, welche später nicht mehr korrigiert werden können. Besondere Bedeutung erlangt diese Tatsache dadurch, dass nicht nur die Aussagen und das Verhalten der Eltern aufgezeichnet werden sondern alles, was ein Kind in diesem Alter wahrnimmt. Verbringt ein Kind z.B. einen bedeutenden Teil seiner Zeit vor dem Fernseher, so kann auch das dort Gesehene zum Bestandteil des Eltern-Ich werden. Einen Großteil der scheinbar alltäglichen Tätigkeiten verrichtet man später mit Hilfe von Verhaltensregeln aus dem Eltern-Ich, da diese in eben diesem Lebensabschnitt erlernt werden. Negative Auswirkungen auf das spätere Leben können Widersprüche in den Aufzeichnungen dieses frühen Lebensabschnitts haben. Ein Kind zeichnet diese Widersprüche, laut Harris, mit auf und wird sie nicht mehr los. Diese Widersprüche werden z.B. durch unterschiedliche Verhaltensregeln von Mutter und Vater oder durch diesen Verhaltensregeln entgegengesetztes Verhalten von Seiten der Eltern hervorgerufen. |
Das Eltern-Ich
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Parallel zu den Eltern-Ich-Aufzeichnungen von äußeren Ereignissen läuft in den ersten Lebensjahren eine Aufzeichnung von inneren Ereignissen ab. Diese Sammlung von inneren Ereignissen wird als Kindheits-Ich bezeichnet. Sie umfaßt die Reaktionen des kleinen Kindes auf das von außen Wahrgenommene. Da der kleine Mensch während seiner folgenreichsten Früherlebnisse noch über keinerlei sprachliche Mittel verfügt, bestehen die meisten seiner Reaktionen aus Gefühlen. Um die im Kindheits-Ich gespeicherten Reaktionen beurteilen und erfassen zu können, muss man sich in die Lage eines fünf Jahre alten Kindes versetzen. Harris kommt zu dem Schluß, dass die Hilflosigkeit in dieser Zeit alle anderen Gefühle überdeckt. Er meint jedes Kind müsse zwangsläufig zu der Einstellung "Ich bin nicht o.k." gelangen. Diese Überzeugung trägt jeder Mensch als Hypothek seiner Kindheit in seinem Kindheits-Ich. Gerät man in seinem späteren Leben in eine ausweglose Situation, dann sind es die Gefühle, die im Kindheits-Ich gespeichert sind, welche wieder erlebt werden. Harris nennt dies "... sein Kindheits-Ich hat die Führung übernommen." |
Das Kindheits-Ich
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Waren es im Eltern- und Kindheits-Ich vor allem Reaktionen auf Erlebtes die jeweils gespeichert wurden, und die dann meist unbewußt in ähnlichen Situationen wieder erlebt wurden, so sind es im Erwachsenen-Ich Informationen, die der Mensch sich aktiv beschafft. Von dem Moment an, da das Kind merkt, dass es selber durch eigenes Handeln Einfluß auf seine Umwelt und auf sein eigenes Befinden nehmen kann, beginnt es Informationen in seinem Erwachsenen-Ich zu sammeln. Der zweite wichtige Unterschied zwischen Eltern- und Kindheits-Ich auf der einen und Erwachsenen ich auf der anderen Seite ist, dass ein Mensch, bei dem das Erwachsenen-Ich handelt, nicht mehr nur Situationen wieder erlebt ohne Einfluß nehmen zu können, sondern aktiv Entscheidungen treffen kann. Das Erwachsenen-Ich wertet Informationen aus Eltern-, Kindheits- und Erwachsenen-Ich aus und trifft auf dieser Grundlage Entscheidungen. Damit ist auch eine der wichtigen Aufgaben des Erwachsenen-Ich angedeutet, nämlich das Überprüfen von Informationen, die im Eltern-Ich gespeichert sind. Das Erwachsenen-Ich kontrolliert, ob die Informationen, die ihm von der Außenwelt gegeben wurden, auch mit dem übereinstimmen, was es selbst durch eigene aktiv gesammelte Erfahrungen herausgefunden hat. In den meisten Fällen wird das Erwachsenen-Ich den Sinn von Verboten und Geboten erkennen und sich auch weiterhin an diese halten. In diesem Fall kann es seine freien Kapazitäten nutzen um Kreativität zu entfalten. In den ersten Lebensjahren ist das Erwachsenen-Ich meist so schwach, dass es leicht von Eltern- oder Kindheits-Ich zurückgedrängt werden kann, aber auch später, wenn ein Mensch längst erwachsen ist, kann es unter zu großem Druck in das Kindheits-Ich zurückfallen. |
Das Erwachsenen-Ich
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Die Theorie der drei Ich-Zustände und die Idee der vier Lebensanschauungen bilden die Grundlage der Transaktionsanalyse. Eine Transaktion besteht aus dem Reiz, den ein Mensch ausübt, und aus der Reaktion eines anderen Menschen auf diesen Reiz, wobei die Reaktion wiederum zum neuen Reiz für die Reaktion des ersten wird. Die Transaktionsanalyse versucht herauszufinden, welche Ich-Anteile der Beteiligten an einer Interaktion den jeweiligen Reiz oder die Reaktion auslösen. Sie versucht innerhalb relativ kurzer Zeit durch reines Beobachten des Patienten beurteilen zu können, welcher Teil seines Eltern-, Erwachsenen- oder Kindheits-Ich momentan die Führung übernommen hat. Diese Erkenntnis wird kombiniert mit dem Wissen, welche Situation ihn in diesen Ich-Zustand versetzt, und liefert eine Möglichkeit der Ursachenergründung und somit der Problemlösung. |
Das Modell der Transaktion |
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Zahlreiche typische körperliche und sprachliche Gesten (Indizien, s.o.) verraten dem trainierten Beobachter, welcher Teil der drei Iche in seinem Gegenüber die Kontrolle übernommen hat. Bei allen diesen Indizien bleibt jedoch zu beachten, dass sie nur Indizien und keine Beweise sind. Sie geben einem gleichwohl ein erstes Mittel an die Hand um zu erkennen, welcher Teil des Gegenübers sich gerade an der Kommunikation beteiligt. Mit der Vorstellung im Hinterkopf, erkennen zu können, welcher Teil des Menschen sich an der Transaktion beteiligt, wurde ein Modell entwickelt, um sich dies zu veranschaulichen. Man symbolisiert in diesem Modell die beiden Kommunizierenden jeweils durch drei Kreise, die wiederum jeweils einen der drei Ich-Zustände symbolisieren sollen. Durch Pfeile verdeutlicht man dann welcher Teil des El-Er-K der einen Person mit welchem Teil des El-Er-K der andren Person interagiert. Eric Berne beschreibt auch, dass Transaktionen auf zwei Ebenen ablaufen. Er bezeichnet diese Ebenen als die soziale und die psychologische Ebene.
Wenn man die Transaktion analysiert, sind beide Ebenen zu betrachten, da der Konflikt ja oft eher auf der psychologischen Ebene stattfindet. Mit Hilfe des Schemas und aufgrund der Auswertung zahlreicher Transaktionen lassen sich drei Transaktionstypen unterschieden: |
Wie kann man erkennen, welches Ich gerade die Beteiligten beherrscht? |
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Transaktionen werden komplementär genannt, wenn im Transaktionsschema die Pfeile parallel verlaufen. Für solche Transaktionen gilt die erste Kommunikationsregel der Transaktionsanalyse: Wenn Reiz und Reaktion im El-Er-K-Transaktions-Schema auf parallelen Linien verlaufen, dann ist die Transaktion komplementär (d.h. sie ergänzt sich selbst immer wieder von neuem) und kann endlos weitergehen. Dieses sich immer wieder von neuem Ergänzen einer solchen Transaktion, erklärt sich damit, dass die Reaktion jeweils dem entspricht, was die den Reiz aussendende Person erwartet hat. Damit eine Transaktion als komplementär bezeichnet werden kann, muss sie sich nicht zwischen zwei gleichen Ich-Zuständen abspielen. Es wird lediglich gefordert, dass die Pfeile im Transaktionsschema parallel verlaufen. |
Komplementär Transaktion
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Beispiele |
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Für eine Überkreuz Transaktion gilt die zweite Kommunikationsregel der Transaktionsanalyse: Wenn Reiz und Reaktion sich im El-Er-K - Schema überkreuzen, wird die Kommunikation unterbrochen. Hier gibt es zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten der Iche und meist führen die Überkreuz-Transaktionem zu Konflikten. Die Transaktionsanalyse liefert sowohl einen Erklärungsansatz für die Entstehung von Konflikten wie auch einen Ansatz zur Beilegung. Häufigste Ursache einer Überkreuz-Transaktion ist die nicht-o.k.-Lebensanschauung einer der an der Kommunikation Beteiligten. Diese nicht o.k. Anschauung kann sich auf zwei Arten auf die Kommunikation auswirken. Bei Menschen, die meist mit ihrem Kindheits-Ich agieren, hat diese Lebensanschauung zu Folge, dass sie sich ständig angegriffen fühlen. Sie interpretieren in alles, was ihnen entgegengebracht wird, eine negative Absicht hinein. Ausgelöst wird dies durch die tiefe Überzeugung, nicht o.k. zu sein. Selbst positive Äußerungen deuten solche Menschen um, damit sie in ihr Weltbild passen. Zu einer echten Auseinandersetzung mit der Realität sind sie gar nicht mehr fähig. Ähnlich ergeht es nicht o.k.-Menschen, welche meist mit ihrem Eltern-Ich an Transaktionen teilnehmen. Ihre nicht o.k.-Einstellung versuchen sie zu kompensieren, indem sie sich in einer Transaktion auf den Standpunkt du bist nicht o.k. zurückziehen. Sie probieren ständig, schlechte Seiten des Gegenübers herauszuarbeiten. Dies ermöglicht ein Überlegenheitsgefühl, welches zumindest kurzfristig das eigene nicht o.k. erträglicher macht. Auch dies führt jedoch zwangsläufig zu einer Überkreuz-Transaktion und somit zum Konflikt. Die einzige Möglichkeit sich aus dieser Konfliktspirale zu befreien liegt darin sich seiner eigenen nicht o.k. Anschauung bewußt zu werden und wenn dies gelungen ist, zu versuchen mit seinem Erwachsenen-Ich an Transaktionen teilzunehmen. Dies ist jedoch ein langwieriger Prozeß, der genaue Kenntnis der eigenen Kindheits- und Eltern-Ich Aufzeichnungen voraussetzt. |
Überkreuz-Transaktion
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Beispiele |
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In vielen Gesprächen finden "verdeckte Transaktionen" statt. Daran sind mehrere Ich-Zustände beteiligt, wobei zwei davon "offen" sind, die anderen aber verdeckt wirken
Um solche verdeckten Transaktionen zu erkennen, sollte man auf Körpersprache, Gestik, Mimik, Tonfall und ähnliches achten, denn dort zeigen sich die verdeckten Ich-Ebenen. Für verdeckte Transaktionen spielen vor allem auch Vorerfahrungen der Gesprächspartner miteinander eine große Rolle. Wer mit einem Menschen zusammenlebt, der eine starke Tendenz hat, den anderen ständig zu erziehen, wird seine Äußerungen sehr viel empfindlicher deuten, als ein Außenstehender, der sich dann oft über die heftige Reaktion auf eine scheinbar harmlose Äußerung erstaunt zeigt. |
Verdeckte Transaktionen |
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Die Transaktionsanalyse bietet auch ein Konzept zur Behandlung psychischer Erkrankungen sowie ein Entwicklungs- und Beratungskonzept zur Förderung des individuellen, sozialen und kollektiven Wachstums. Somit ist die Transaktionsanalyse eine Methode, die sowohl in der Psychotherapie wie in der Beratung, der Pädagogik, der Erwachsenenbildung und der Arbeit in Organisationen verwendet werden kann. Die Transaktionsanalyse ist eine integrative Theorie, da sie verhaltenstherapeutische Ansätze und tiefenpsychologische Denkweisen kombiniert und sich dabei am Menschenbild der humanistischen Psychologie orientiert. Die Vertreter der Transaktionsanalyse gehen davon aus, dass jeder bereits in frühester Kindheit Entscheidungen darüber trifft, wie er leben und sterben wird. Diesen Lebensplan nennt man Skript. In ihm spiegeln sich die Grundeinstellungen, wie sie in der Transaktionsanalyse beschrieben werden, wider. Wenn in der Psychotherapie mit der Transaktionsanalyse gearbeitet wird, so wird das individuelle Skript analysiert und es wird versucht, den Lebensplan positiv zu beeinflussen und eine positive Grundhaltung in Richtung "Ich bin o.k., du bist o.k." zu erreichen. Trotz mancher Kritikpunkte scheint es durchaus sinnvoll, einige Grundideen der Transaktionsanalyse zur Konflikterkennung und Beilegung in der Praxis anzuwenden, da sie als Analyseinstrument für TherapeutInnen hilfreich sein kann. |
Anwendungsbereiche
Einführend zum Thema |
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Das Modell der Transaktion beschreibt zunächst einmal nur einzelne Gesprächsausschnitte. Mit der Analyse der "Spiele" erklärt Eric Berne komplexere Situationen bzw. ganze Reihen von Transaktionen zwischen zwei Personen, die immer nach dem gleichen Muster ablaufen. Ein Spiel besteht dabei aus einer immer gleichen Abfolge verdeckter Transaktionen, die zu einem voraussagbaren Ergebnis führen und in negativen Emotionen enden können. Für einen Außenstehenden scheinen die Transaktionen plausibel, sie sind aber von verborgenen Motiven beherrscht. Dabei bevorzugt jeder ganz bestimmte Spiele, die die/der einzelne in seiner Kindheit gelernt hat, um sich in seiner Familie durchzusetzen. Jedes Spiel läuft nach einem Schema ab:
Es werden von Eric Berne eine ganze Reihe von solchen Spielen benannt und beschrieben, z.B. das "Ja-aber-Spiel", das "Du-wirst-schon-sehen,-was-dabei-herauskommt-Spiel", und andere mehr. Für jedes Spiel gilt es Ausstiegsstrategien zu entwickeln. Grundsätzlich hat man die Möglichkeit solche Spiele zu umgehen, indem man dem anderen Achtung und Aufmerksamkeit zukommen läßt und ihm positive Zuwendung (Lob u.a.) gibt. Allerdings ist es für die Akteuere verständlicherweise schwierig, diese Spiele zu durchschauen. |
Spiele der Erwachsenen |
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Nach der Transaktionsanalyse lassen sich vier Arten der Zuwendung unterscheiden, die besonders in der Kindheit von Belang sind, da im Laufe der Entwicklung die einzelnen Ich-Zustände mit ihren jeweiligen positiven und negativen Eigenschaften erst erworben werden. Hier müssen Eltern durch positives Vorbild diese Ich-Zustände "leihen" und in der Kommunikation mit ihren Kindern ihre jeweiligen Ich-Zustände gezielt nutzen, um positive Gefühle zu erzeugen. Dabei hat jeder Ich-Zustand seine Berechtigung. Durch das Eltern-Ich erhalten die Kinder Betreuung, Schutz und Ernährung. Mit dem Erwachsenen-Ich holen sich die Eltern Informationen ein über die Erziehung und organisieren den Alltag. Mit dem Kind-Ich fühlen sich die Eltern in die Bedürfnisse und Gefühle der Kinder ein. Je älter ein Kind wird, um so mehr muss das "einfühlen" und "ernähren" zurücktreten und bei älteren Kindern und Jugendlichen sollten die Eltern nur noch Vorbild sein und ihre Kinder insbesondere im Erwachsenen-Ich bestärken.
Jeder Mensch braucht notwendigerweise Zuwendung, um leben zu können und fordert diese Zuwendung ein. Jedoch lernen Kinder dabei oft von ihren Eltern, dass es nicht gut ist, bedingungslos gelobt zu werden. Deshalb holen sie sich dann eben bedingte positive Zuwendung oder negative Zuwendung, je nach dem, was sie als Kind häufiger erhalten haben, um überhaupt eine solche zu erhalten. Ähnlich funktioniert es, wenn ein Kind gar nicht beachtet wird, z.B. weil alles in Ordnung ist, oder weil sich die Eltern mehr um ein anderes Kind kümmern müssen. Dann versucht das Kind durch Auffälligkeit Zuwendung zu bekommen. |
Arten von Zuwendung |
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Wenn der Transaktionsanalytiker etwa von "Rabattmarken-Sammeln" spricht, so bezeichnet er damit das Ansammeln negativer Gefühle in einer Reihe von Transaktionen mit einem Gegenüber, um sie später in einem "Racheakt" einzulösen. Z.B. ärgert sich jemand in einem Gespräch über etwas, was der Gesprächspartner sagt oder wie dieser sich verhält, äußert dies aber nicht, sondern behält es für sich. Dieses Verhalten wiederholt sich nun einige Male, bis sich so viele negative Gefühle angesammelt haben, dass alles auf einmal "herausplatzt", selbst wenn die aktuelle Situation gar nicht so schlimm ist. Der andere weiß natürlich nichts von den vielen gesammelten Rabattmarken,wundert sich bloß über die aus seiner Sicht überzogenen Reaktion und ist nun seinerseits verärgert. Da das aus dem Englischen kommende Wort "Stroke" sowohl "Streicheln" als auch "Schlag", "Streich" bedeutet, kann ein solcher lustvoll, angenehm, unangenehm oder sogar tödlich sein. Eric Berne wählte das Wort "Stroke", um damit das ursprüngliche Bedürfnis des Säuglings nach körperlicher Berührung ("Streicheln") deutlich zu machen. Ein "Stroke" wird in der Transaktionsanalyse als "Einheit der Anerkennung" oder auch als "Einheit der Wahrnehmung" definiert. Jedesmal, wenn man durch irgendeine kommunikative Handlung einem anderen Menschenn signalisiert, dass man ihn wahrnimmt und zwar so, dass er das Signal auch wahrnehmen kann, hat man ihm einen "Stroke" gegeben. Wenn etwa ein Bekannter sich heute morgen, als Sie deutlich "Guten Morgen" sagten, einfach weggedreht hätte und Sie nicht beachtet hätte, hätten Sie vielleicht das Gefühl gehabt, dass Ihnen etwas fehlt. Der Bekannte hätte ein "Stroke" verweigert, den Sie intuitiv erwartet hatten. Nach Berne sind "Strokes" für das physische und psychische Überleben eines Menschen unbedingt notwendig und verglich das Bedürfnis nach Stimulierung mit dem physischen Hunger. Wenn Menschen gelernt haben, mit einer symbolischen Form der Zuwendung auszukommen, haben sie so das ursprüngliche Bedürfnis nach körperlicher Zuwendung sublimiert. Den Hunger nach solchen symbolischen Formen der Zuwendung bezeichnete Berne als "Anerkennungshunger". Da "Strokes" lebensnotwendig sind und in unserer Kultur wenige direkte physische "Strokes" ausgetauscht werden, bewertet man als Ersatz alle symbolischen Formen von "Strokes" hoch: das Protokoll bei Staatsempfängen, Begrüßungen, Geld, Preise, Lob etc.. Arten von "Strokes"Verbale "Strokes" sind alle "Strokes", bei denen A etwas zu B gesagt hat. Nonverbale "Strokes" sind "Strokes", die durch nonverbale Mittel, wie Lächeln, Grimassen, Körperhaltung, Stimmlage, Berührung gegeben werden etc. Jedes Gespräch, jede Interaktion zwischen zwei Menschen ist ein Austausch von "Strokes". Es gibt Interaktionen, bei denen nur nonverbale "Strokes" ausgetauscht werden, wie z.B. dem Flirt. Umgekehrt gibt es keine Interaktionen, in denen nicht auch nonverbale "Strokes" ausgetauscht werden. Ein positiver "Stroke" ist ein "Stroke", der vom Empfänger als angenehm erlebt wird, ein negativer "Stroke" ist ein "Stroke", der vom Empfänger als unangenehm erlebt wird. Ob ein "Stroke" positiv oder negativ ist, entscheidet nicht der Geber, sondern der Empfänger. Es gibt auch "Plastik-Strokes": Das sind übertrieben positive "Strokes". Wenn etwa der Gesprächspartner auf Ihr "Guten Tag" antwortete: "Toll, also dass Sie auch hier sind, dass finde ich ja ganz super, ich habe erst letzte Woche zu xyz gesagt: Wie geistreich und brillant y immer ist und jetzt sehe ich Sie......" Plastik- oder Kunststoff-"Strokes" sind "Strokes", die aus einer inkongruenten Haltung heraus gegeben werden. Sie sind nicht wirklich ehrlich gemeint, auch wenn sie positiv klingen. Der Geber möchte nicht nur den Empfänger "stroken", sondern vielleicht auch noch Schuld- oder Schamgefühle auslösen. Es sind letztlich Manipulationsversuche. Unechte "Strokes" sind solche, die ebenfalls als Resultat einer inkongruenten Haltung des Gebers dem Empfänger gegenüber gegeben werden. Diese "Strokes" beginnen positiv, so dass es so aussieht, als ob der Empfänger einen positiven "Stroke" bekommt, und dann enden diese "Strokes" negativ: "Der Mantel steht Ihnen sehr gut - haben Sie ihn gebraucht gekauft?" Ein bedingter "Stroke" bezieht sich auf das, was man tut, ein bedingungsloser "Stroke" auf das, was man ist.
Säuglinge bekommen im Normalfall die wichtigen physischen "Strokes" in großer Anzahl, aber je älter sie werden, desto seltener werden sie. Auch die Zahl der negativen "Strokes" nimmt zu: "Du schreist mir heute zu laut. Deine Unruhe stört mich. Du gefällst mir heute nur, wenn du artig bist, wenn Tante Frieda kommt." usw. Wenn die Zahl der physischen "Strokes" abnimmt, lernt das Kind, sich um symbolische "Strokes" zu bemühen. Kinder probieren alle möglichen Verhaltensweisen aus, um herauszufinden, welche "Strokes" sie einbringen. Wird eine bestimmte Verhaltensweise als "Stroke"-verschaffend erkannt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Verhaltensweise wiederhot wird. Irgendwann vergißt man, dass es noch mehr "Strokes" gibt, als die, die man in der Familie bekommen hat. Dann bemüht man sich nur noch um die "Strokes", von denen man meinen, dass man sie sicher erhalten kann. Folglich schränkt sich das Spektrum möglicher Verhaltensweisen stark ein und man zeigt nur noch jene Verhaltensweisen, die sicher zu "Strokes" führen. Das tun Kinder ebenso wie Erwachsene, sodass "Strokes", die man haben will, unter anderem auch die Berufs- und Partnerwahl bestimmen. Man könnte annehmen, dass sich sowohl Erwachsene als auch Kinder vor allem um positive "Strokes" bemühen würden. Das tun sie zwar in der Regel, aber "Strokes" sind für das physisches und psychisches Überleben so wichtig, dass auch negative gesucht werden, wenn man keine positiven "Strokes" bekommen kann. Diese verstärken das Verhalten, das zu diesem "Stroke" führt, genauso, wie ein positiver "Stroke". Wenn man als Elternteil, als Vorgesetzter oder Therapeut ein unerwünschtes Verhalten negativ "strokt", verstärkt man damit immer auch das unerwünschte Verhalten. Manche Menschen ertragen mehr negative "Strokes", andere weniger, manche Menschen ertragen auch kaum positive "Strokes", weil sie es nicht gewöhnt sind, solche "Strokes" zu bekommen. Manche Menschen, die eine sehr schmerzhafte Kindheit hatten, haben beschlossen, keine oder nur sehr wenige "Strokes" von außen hineinzulassen und zeigen als Ersatz ein Verhalten, das ihnen in ihrer phantasierten Weit internal konstruierte "Strokes" einbringt. In aller Regel zeigen sie ein Verhalten, das Menschen mit einem anderen Modell von Welt als "merkwürdig" oder "verrückt" etikettieren. Andere wieder haben den Glaubenssatz entwickelt, dass man positiven "Strokes" besser mit Mißtrauen begegnet. Strokes werden selektiv gefiltert, man läßt nur die "Strokes" emotional zu, die zu den "Lieblings-Strokes" passen. Auf diese Weise halten Menschen das Bild aufrecht, das sie sich von sich selbst gemacht haben. |
Kuriosa: Das "Rabattmarken-Sammeln" und "Strokes"Die Vertreter der Transaktionanalyse verwenden häufig Alltagsausdrücke, um ihr Modell anschaulicher und verständlicher zu machen, womit sie sich manchmal auch das Problem der Ontologisierung, Verselbständigung bzw. ungerechtfertigen Generalisierung der Phänomene und der damit verbundenen Begriffe einhandeln. Die beiden hier besprochenen Begriffe sind jedoch vermutlich auch aus Sicht der wissenschaftlichen Psychologie recht gut verankert und entsprechen Grundformen des menschlichen Lernens. Quelle:
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Zur Verbesserung der Strokes-Technik
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Eric Berne (1910-1970)kam 1935 nach seinen medizinischen Doktorat an der McGill University und einer psychiatrischen Praxis bei Yale nach New York (Mount Zion Hospital) und übernahm die Schulung am psychoanalytischen Institut von N.Y. Nach zehnjähriger Angliederung an das psychoanalytische Institut von San Francisco, freundete er sich mit der Freudschen Bewegung an und veröffentlichte 5 Jahre später seine "Transaktionale Analyse in Psychotherapie" (1961). Die meiste Zeit verbrachte er mit privater klinischer Praxisarbeit. Obwohl es für fachkundige Leser gedacht war, wurde das Buch "Games people play" (1964) zum Bestseller. Er war dafür bekannt, eine Gruppe eine zweite beobachten zu lassen und sie später mit Kommentaren aus den Beobachtungen zu begleiten; die Rollen wurden dann getauscht. Das Transaktionale Analyse Journal, begründet von Berne, knüpft daran an, wie es auch die International Transactional Analysis Association tut, indem sie Gutachten in der TA ausstellt. |
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Literatur und Quellen
Harris, Thomas A. (1975). Ich bin o.k. Du bist o.k.. Reinbek: Rowohlt. Berne, Eric (1967). Spiele der Erwachsenen, Reinbek: Rowohlt. Penfield, Wilder (1975). The Mystery of the Mind: A Critical Study of Consciousness and the Human Brain. Princeton: Princeton University Press.
Unter Verwendung von
http://www.dsgta.ch/ (01-10-23) http://www.transaktionsanalyse.net/ (01-10-22) http://www.zeitzuleben.de/inhalte/kommunikation/ transaktionsanalyse/transaktionen.html (01-10-24)
Bildquellen: http://www.transaktionsanalyse.de/images/berne.jpg http://particle.physics.ucdavis.edu/bios/Penfield.html (05-05-18) |
Siehe dazu auch: Selbst- und Fremdwahrnehmung: Das Johari-Fenster
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