Transaktionsanalyse

"Gebrauchsinformation"

Die Transaktionsanalyse ist ein psychologisches Modell zum Beobachten, Beschreiben und Verstehen von Persönlichkeit und sozialen Beziehungen zwischen Individuen und sozialen Systemen.

Ausgangspunkt der Transaktionsanalyse bildeten Versuche des Neurochirurgen Wilder Penfield. Dieser führte bei seinen Gehirnpatienten im Verlaufe von Operationen Experimente durch. Er reizte die Großhirnrinde des Schläfenlappens mit Hilfe einer elektrischen Sonde. Da die Patienten während des Eingriffes bei Bewußtsein waren, konnte er nicht nur die Reaktionen der Versuchspersonen beobachten, sondern auch erfahren, was diese Reizungen inhaltlich an Vorstellungen und Bildern auslösten.

Er erkannte, dass durch die elektrischen Reize Erinnerungen bei seinen Patienten ausgelöst werden können. Wiederholte er die Reizung an derselben Stelle, löste er dieselbe Erinnerung aus, und zwar so intensiv, dass seine Patienten diese förmlich noch einmal erlebten. Der Einfluß der elektrischen Sonde war für die Patienten zwingend, d.h., sie konnten weder das Hervorrufen der Erinnerung verhindern noch auf diese Einfluß nehmen. Sie lief ab wie ein Film in dem die Darsteller waren und auf das Drehbuch (Skript) keinen Einfluß haben. Auch längst nicht mehr bewußt abrufbare Erinnerungen konnten so in den Tiefen des Gedächtnisses aufgespürt werden.

Aus diesen Versuchen Penfields leite Thomas Harris das Modell des Gehirns als eine Art HiFi-Anlage ab, denn er glaubte, dass das Gehirn wie ein HiFi-Tonbandgerät originalgetreu jedes Erlebnis von der Geburt an aufzeichnet.

Historischer Ausgangspunkt


Wilder Penfield

Wilder Penfield und Thomas Harris postulierten, dass auch Situationen im Alltag die Rolle der elektrischen Sonde übernehmen können. Eine schwierige oder erschreckende Situation kann ihrer Meinung nach dazu führen, dass eine ähnliche Situation aus der Vergangenheit wieder erlebt wird und die alten Gefühle "hervorkommen". Häufig läuft das Wiedererleben unterbewußt ab und als einziges Indiz bleiben die hervorgerufenen Gefühle übrig, welche dann schwer einzuordnen sind, da ihnen keine konkreten Inhalte zugeordnet werden können.

Aus diesem Modell des Gehirns als Aufzeichnungsgerät (die Autoren sprechen von einem HiFi-Tonbandgerät) von Erinnerungen, das neben dem Erlebten auch die ursprünglichen Gefühle aufzeichnet und jederzeit wiedergeben kann, entwickelten Thomas Harris und Eric Berne dann das Modell der Transaktionsanalyse.

Dieses Bild des Gehirns als Tonbandgerät entspricht nicht dem heutigen Wissensstand der Gehirnforschung und sollte nur als Metapher betrachtet werden!

Siehe dazu
Das Gedächtnis

Eric Berne fiel auf, dass sich seine Patienten während der Behandlung von einem auf den anderen Moment völlig zu verändern schienen. Sie änderten Sprache, Gesichtsausdruck, Haltung und Gesten. Er führte das darauf zurück, dass durch einen externen Stimulus wie bei der Sonde Penfields eine Erinnerung ausgelöst wurde. Im Laufe des Lebens sammelt sich eine große Menge an Erinnerungen an, wobei die Erinnerungen von besonderer Bedeutung sind, die in den ersten fünf bis sechs Lebensjahren zusammengetragen werden.

Berne entwickelte daraus ein theoretisches Modell, dass jeder Mensch aus drei verschiedenen "Personen" bestehe und drei verschiedene "Ich-Zustände", das Eltern-Ich, das Erwachsenen-Ich und das Kindheits-Ich in sich trage. Diese Zustände des Bewußtseins verkörpern aber nicht etwa Rollen sondern Realitäten. In dem Moment, in dem man sich im Kindheits-Ich befindet, ist man wirklich ein Kind von fünf Jahren. Gerät man später in eine ähnliche Situation, wie man sie schon in dieser frühen Zeit erlebt hat, so wirkt dies wie eine elektrische Reizung in Penfields Experimenten. Man erlebt die ursprüngliche Situation noch einmal.

Im Original hatten diese drei Ich-Zustände - Berne spricht auch von psychischen Organen - "wissenschaftlichere" Bezeichnungen, die das Wesen vermutlich besser treffen und zu weniger Missverständnissen Anlass geben - siehe rechtsstehende Grafik.

Die drei Ich-Zustände

Die drei Ich-Zustände sind im Prinzip eine Einteilung der vorhandenen Erinnerungen in verschiedene Kategorien.

Bernes Konzeption der Ich-Zustände baut auf dem Ich-Konzept der Psychoanalyse Freuds auf, wobei sein Interesse mehr dem sozial-transaktionalen Geschehen galt als der individuellen Entwicklung.


http://de.wikipedia.org/wiki/Transaktionsanalyse

Das Eltern-Ich sammelt die Erinnerungen, die bis zum fünften oder sechsten Lebensjahr an das Kind von außen herangetragen werden. Harris schreibt dazu: "Das Eltern-Ich ist eine ungeheure Sammlung von Aufzeichnungen im Gehirn über ungeprüft hingenommene oder aufgezwungene äußere Ereignisse, die ein Mensch in seiner Kindheit wahrgenommen hat."

Diese von außen an das Kind herangetragenen Aufzeichnungen sind in erster Linie Befehle und Verhaltensregeln, die das Kind von seinen Eltern oder anderen Bezugspersonen übermittelt bekommt oder beobachtet. Sie werden ungeprüft aufgezeichnet, da das Kind in diesem Alter noch gar nicht in der Lage ist, das Erfaßte kritisch zu hinterfragen. Da in dieser Zeit die Hauptbezugspersonen für ein Kind in der Regel die Eltern sind, wählten Harris und Berne den Begriff Eltern-Ich.

Im Eltern-Ich sind alle Ermahnungen und Regeln, alle Gebote und Verbote aufgezeichnet, die ein Kind von seinen Eltern zu hören bekommen hat oder von ihrer Lebensführung ablesen konnte.

Entscheidend ist, dass nach den Ideen Bernes und Harris diese Aufzeichnungen als unzweifelhafte Wahrheiten im Eltern-Ich eines jeden aufgezeichnet sind, welche später nicht mehr korrigiert werden können. Besondere Bedeutung erlangt diese Tatsache dadurch, dass nicht nur die Aussagen und das Verhalten der Eltern aufgezeichnet werden sondern alles, was ein Kind in diesem Alter wahrnimmt. Verbringt ein Kind z.B. einen bedeutenden Teil seiner Zeit vor dem Fernseher, so kann auch das dort Gesehene zum Bestandteil des Eltern-Ich werden.

Einen Großteil der scheinbar alltäglichen Tätigkeiten verrichtet man später mit Hilfe von Verhaltensregeln aus dem Eltern-Ich, da diese in eben diesem Lebensabschnitt erlernt werden.

Negative Auswirkungen auf das spätere Leben können Widersprüche in den Aufzeichnungen dieses frühen Lebensabschnitts haben. Ein Kind zeichnet diese Widersprüche, laut Harris, mit auf und wird sie nicht mehr los. Diese Widersprüche werden z.B. durch unterschiedliche Verhaltensregeln von Mutter und Vater oder durch diesen Verhaltensregeln entgegengesetztes Verhalten von Seiten der Eltern hervorgerufen.

Das Eltern-Ich

 

Indizien des Eltern-Ich

Da sich häufig besondere Eigenarten der Eltern im Eltern-Ich eines Menschen manifestieren, können die körperlichen Indizien sehr unterschiedlich sein. Nichtsdestoweniger kann man allgemeine Tendenzen ausmachen. So führt Harris in einer Liste mit Indizien für das Eltern-Ich z.B. einem anderen den Kopf tätscheln, Stirnfalten oder Händeringen an.

Zu den sprachlichen Indizien zählen vor allem wertende Urteile über andere Menschen, die automatisch ohne Überlegung ausgesprochen werden.

Allgemeiner kann man sagen, dass unreflektierte klischeehafte Äußerungen sowie Vorurteile als Indizien des Eltern-Ich anzusehen sind. Passivität und die Befolgung von Regeln sind weitere Indizien.

Parallel zu den Eltern-Ich-Aufzeichnungen von äußeren Ereignissen läuft in den ersten Lebensjahren eine Aufzeichnung von inneren Ereignissen ab. Diese Sammlung von inneren Ereignissen wird als Kindheits-Ich bezeichnet. Sie umfaßt die Reaktionen des kleinen Kindes auf das von außen Wahrgenommene.

Da der kleine Mensch während seiner folgenreichsten Früherlebnisse noch über keinerlei sprachliche Mittel verfügt, bestehen die meisten seiner Reaktionen aus Gefühlen.

Um die im Kindheits-Ich gespeicherten Reaktionen beurteilen und erfassen zu können, muss man sich in die Lage eines fünf Jahre alten Kindes versetzen. Harris kommt zu dem Schluß, dass die Hilflosigkeit in dieser Zeit alle anderen Gefühle überdeckt. Er meint jedes Kind müsse zwangsläufig zu der Einstellung "Ich bin nicht o.k." gelangen.

Diese Überzeugung trägt jeder Mensch als Hypothek seiner Kindheit in seinem Kindheits-Ich. Gerät man in seinem späteren Leben in eine ausweglose Situation, dann sind es die Gefühle, die im Kindheits-Ich gespeichert sind, welche wieder erlebt werden. Harris nennt dies "... sein Kindheits-Ich hat die Führung übernommen."

Das Kindheits-Ich

 

Indizien des Kindheits-Ich

Zu den körperlichen Indizien zählen hier vor allem die Gefühlsäußerungen jeder Art, da diese einen großen Teil der Aufzeichnungen des Kindheits-Ich ausmachen.

Als sprachliche Anhaltspunkte gelten insbesondere Adjektive, die über emotionale Zustände Auskunft geben wie traurig, glücklich etc. sowie z.B. Ich will, Ich wünsche oder Wenn ich groß bin... .

Superlative entspringen ebenfalls meist dem Kindheits-Ich. Sie erwachsen dem Bedürfnis des Kindes, durch Überlegenheitsbekundungen gegenüber anderen, das eigene "Ich bin nicht o.k." zu kompensieren.

Waren es im Eltern- und Kindheits-Ich vor allem Reaktionen auf Erlebtes die jeweils gespeichert wurden, und die dann meist unbewußt in ähnlichen Situationen wieder erlebt wurden, so sind es im Erwachsenen-Ich Informationen, die der Mensch sich aktiv beschafft.

Von dem Moment an, da das Kind merkt, dass es selber durch eigenes Handeln Einfluß auf seine Umwelt und auf sein eigenes Befinden nehmen kann, beginnt es Informationen in seinem Erwachsenen-Ich zu sammeln.

Der zweite wichtige Unterschied zwischen Eltern- und Kindheits-Ich auf der einen und Erwachsenen ich auf der anderen Seite ist, dass ein Mensch, bei dem das Erwachsenen-Ich handelt, nicht mehr nur Situationen wieder erlebt ohne Einfluß nehmen zu können, sondern aktiv Entscheidungen treffen kann.

Das Erwachsenen-Ich wertet Informationen aus Eltern-, Kindheits- und Erwachsenen-Ich aus und trifft auf dieser Grundlage Entscheidungen. Damit ist auch eine der wichtigen Aufgaben des Erwachsenen-Ich angedeutet, nämlich das Überprüfen von Informationen, die im Eltern-Ich gespeichert sind. Das Erwachsenen-Ich kontrolliert, ob die Informationen, die ihm von der Außenwelt gegeben wurden, auch mit dem übereinstimmen, was es selbst durch eigene aktiv gesammelte Erfahrungen herausgefunden hat.

In den meisten Fällen wird das Erwachsenen-Ich den Sinn von Verboten und Geboten erkennen und sich auch weiterhin an diese halten. In diesem Fall kann es seine freien Kapazitäten nutzen um Kreativität zu entfalten. In den ersten Lebensjahren ist das Erwachsenen-Ich meist so schwach, dass es leicht von Eltern- oder Kindheits-Ich zurückgedrängt werden kann, aber auch später, wenn ein Mensch längst erwachsen ist, kann es unter zu großem Druck in das Kindheits-Ich zurückfallen.

Das Erwachsenen-Ich

 

Indizien des Erwachsenen-Ich

Personen, deren Erwachsenen-Ich die Führung übernommen hat, fallen durch besonders aufmerksames Zuhören während einer Transaktion auf. Ihr Gesicht ist offen und direkt dem Gesprächspartner zugewandt.

Auch in ihrer Sprache stechen Wörter die vorrangig der Informationsfindung dienen hervor, wie z.B. was, wo, wie, warum und so weiter.

Das Erwachsenen-Ich äußert sich nur, nachdem es nachgedacht hat. Wertungen die von ihm vorgenommen werden, sind reflektiert und enthalten eine innere Logik.

Das zweite Element der Transaktionsanalyse ist die Theorie der vier Lebensanschauungen. Auch die Entwicklung dieser Theorie geht wieder auf Penfields Forschungsergebnisse zurück. Aus ihnen schließt Harris, dass wir die frühesten Erlebnisse insofern wiedererleben können (und das auch tun), als wir zu dem Gefühlszustand des Neugeborenen zurückkehren.

Das Geburtstrauma ist das erste Gefühl, das auf diese Weise im menschlichen Gehirn gespeichert wird. Vor seiner Geburt an lebt der Mensch in einer praktisch perfekten Umgebung. Daraus wird er dann durch die Geburt innerhalb kürzester Zeit in eine für ihn fremde, kalte und ungemütliche Umgebung befördert.

Für kurze Zeit ist der Säugling abgeschnitten, abgetrennt, allein gelassen, beziehungslos. Der erste Mensch, der den Säugling aufnimmt und sich um ihn kümmert, beendet diese für ihn erschreckende Situation. Sein "Streicheln" (wobei streicheln in der Transaktionsanalyse immer die Bedeutung von generellem sich um jemandem kümmern und ihm Zuneigung entgegenbringen hat) zeigt dem Säugling, dass die neue Umwelt auch gute Seiten zu bieten hat. Von diesem Moment an befindet sich der Säugling in einem Wechsel vom angenehmen Zustand des gestreichelt werden und unangenehmen Zustand des nicht gestreichelt Werdens.

Dieses Wechselbad ist für ihn umso entscheidender, als er den Zustand des Nicht- Gestreichelt-Werdens mit Alleingelassen-Sein gleichsetzt, da er die Zusammenhänge noch nicht begreifen kann. Er befindet sich in einem ständigen für ihn unverständlichem Wechselbad von angenehmen und unangenehmen Gefühlen.

In dem Augenblick, wo es dem Säugling gelingt, eine erste Regelmäßigkeit in diesen Zuteilungen von Zuneigung zu erkennen, beginnt er sich eine Lebensanschauung zurechtzulegen. In der Transaktionsanalyse werden vier dieser Lebensanschauungen unterschieden:

 

Bis zum dritten Lebensjahr hat sich der junge Mensch für eine der ersten drei Lebensanschauungen entschieden.

Die vier Lebensanschauungen

 

Dies ist die von den meisten Menschen seit ihrer Kindheit gewählte Lebensanschauung. Sie ist praktisch die direkte Folge aus dem oben beschriebenen Wechselbad von Zuneigung und Alleingelassen sein.

Die Einstellung "Ich bin nicht o.k." resultiert aus der Beobachtung des Unwohlseins im Falle des Alleinseins. Das "Du bist o.k." auf der anderen Seite resultiert aus der Erkenntnis, derjenige Mensch, der durch sein Streicheln für so viel Wohlbehagen sorgen kann, müsse gut sein.

Mit dem Hintergedanken "was muss ich tun, um das Streicheln der o.k. Personen zu erreichen... ?" gelangt ein Mensch mit einer solchen Lebensanschauung zu einem der beiden folgen Lebens-Drehbücher:

  • Die erste Möglichkeit ist ein Zurückziehen in sich selbst. Eine solch introvertierte Lebenseinstellung wird angenommen, da es als quälend empfunden wird von lauter o.k.-Menschen umgeben zu sein.
  • Die andere Möglichkeit ist ein "Gegendrehbuch". Dies beinhaltet das Suchen nach Personen mit starkem Eltern-Ich. Nur diese o.k.-Personen sind in der Lage, das Bedürfnis eines Menschen mit dieser Lebensanschauung auch gestreichelt werden zu erfüllen.

Beide Drehbücher führen jedoch nicht zur Aufgabe der Einstellung "Ich bin nicht o.k." und erlauben es somit nicht, glücklich zu werden.

Ob ein kleines Kind wirklich zu der Überzeugung kommt es sei nicht o.k., ist allenfalls eine Hypothese. Fraglich erscheint auch, ob ein Kind im Alter von sechs Jahren wirklich schon alle Emotionen und Verhaltensregeln kennen gelernt haben kann. Für die Verfechter der Transaktionsanalyse ist jedoch klar zu sein, dass ein Kind im Alter von fünf Jahren alle möglichen Emotionen schon einmal erlebt hat und dass alles folgende nur noch Verstärkung von schon einmal Erlebtem ist.

Ich bin nicht o.k. - Du bist o.k.

 

Diese Lebenseinstellung ist bei Menschen mit gefühlskalten Eltern anzutreffen. Im Alter von etwa einem Jahr beginnt der Säugling zu laufen. Von diesem Moment an sind die Eltern von der Pflicht entbunden, ihr Kind in der Gegend herum zu tragen.

Das Kind vermißt von nun an nicht nur die Geborgenheit in den Armen der Eltern, sondern es muss auch immer häufiger Strafen auf sich nehmen, durch welche die Eltern versuchen, seinen Bewegungsspielraum einzuschränken.

Da das Streicheln nun mehr und mehr ausbleibt, gelangt das Kind allmählich zu der Ansicht "Du bist nicht o.k.". Eine solche Lebensanschauung führt auf Dauer zur totalen Resignation. Die extremste Form dieser Resignation kann sogar ein Selbstmord sein.

Ich bin nicht o.k. - Du bist nicht o.k.

 

Diese Lebensanschauung wird von Menschen eingenommen, die in ihrer Kindheit dem Terror ihrer Eltern ausgesetzt waren. Das "du bist nicht o.k." geht direkt auf die durch die Hand der Eltern erlittene Gewalt zurück.

Die eigene "Ich bin o.k." Einschätzung geht auf die Abwesenheit von Gewalt im Zustand des Alleinseins zurück. In dem Moment, in dem das Kind nicht von seinen Eltern drangsaliert wird, merkt es, dass die Schmerzen nachlassen und Wunden verheilen. Somit wird das Alleinsein als angenehm empfunden und das Kind folgert daraus "Ich bin o.k.", wenn ihr mich nur in Ruhe laßt.

Die so entstandene Lebensanschauung bezeichnet Harris als die kriminelle Lebensanschauung. "Das sind Menschen 'ohne Gewissen' und mit der Überzeugung, dass sie o.k. sind, egal, was sie tun, ... . ... Die letzte Konsequenz dieser Anschauung ist Mord, der vom Mörder als gerechtfertigt empfunden wir... "

Ich bin o.k. - Du bist nicht o.k.

 

Dies ist nun die Lebensanschauung, die auch dem Buch von Harris den Titel gab. Wie oben schon erwähnt, ist Harris davon überzeugt, dass jeder Mensch bis zu seinem dritten Lebensjahr eine dieser ersten drei Anschauungen angenommen hat.

Da diese Annahme jedoch eine Entscheidung (wenn auch eine unterbewußte) war, meint Harris man könne diese Entscheidung ändern. Der erste Schritt dazu sei das Bewußtmachen der eigenen Lebensanschauung und der Kindheitssituation, die zu dieser geführt hat.

Man könne zwar nicht die überwiegend negativen Erinnerungen der Kindheit löschen, aber man sei in der Lage zu versuchen, eine Sammlung von positiven Erlebnissen "aufzunehmen". Dies ist jedoch nur über einen langen Zeitraum möglich und verlangt eine Menge Geduld. Gesteuert werden muss dieser Prozeß vom Erwachsenen-Ich.

Die Transaktionsanalyse ist nun ein Mittel, um bei eben dieser bewußten Entscheidungsfindung zu helfen.

Ich bin o.k. - Du bist o.k.

 

Die Theorie der drei Ich-Zustände und die Idee der vier Lebensanschauungen bilden die Grundlage der Transaktionsanalyse.

Eine Transaktion besteht aus dem Reiz, den ein Mensch ausübt, und aus der Reaktion eines anderen Menschen auf diesen Reiz, wobei die Reaktion wiederum zum neuen Reiz für die Reaktion des ersten wird.

Die Transaktionsanalyse versucht herauszufinden, welche Ich-Anteile der Beteiligten an einer Interaktion den jeweiligen Reiz oder die Reaktion auslösen.

Sie versucht innerhalb relativ kurzer Zeit durch reines Beobachten des Patienten beurteilen zu können, welcher Teil seines Eltern-, Erwachsenen- oder Kindheits-Ich momentan die Führung übernommen hat. Diese Erkenntnis wird kombiniert mit dem Wissen, welche Situation ihn in diesen Ich-Zustand versetzt, und liefert eine Möglichkeit der Ursachenergründung und somit der Problemlösung.

Das Modell der Transaktion

Zahlreiche typische körperliche und sprachliche Gesten (Indizien, s.o.) verraten dem trainierten Beobachter, welcher Teil der drei Iche in seinem Gegenüber die Kontrolle übernommen hat.

Bei allen diesen Indizien bleibt jedoch zu beachten, dass sie nur Indizien und keine Beweise sind. Sie geben einem gleichwohl ein erstes Mittel an die Hand um zu erkennen, welcher Teil des Gegenübers sich gerade an der Kommunikation beteiligt.

Mit der Vorstellung im Hinterkopf, erkennen zu können, welcher Teil des Menschen sich an der Transaktion beteiligt, wurde ein Modell entwickelt, um sich dies zu veranschaulichen. Man symbolisiert in diesem Modell die beiden Kommunizierenden jeweils durch drei Kreise, die wiederum jeweils einen der drei Ich-Zustände symbolisieren sollen. Durch Pfeile verdeutlicht man dann welcher Teil des El-Er-K der einen Person mit welchem Teil des El-Er-K der andren Person interagiert.

Eric Berne beschreibt auch, dass Transaktionen auf zwei Ebenen ablaufen. Er bezeichnet diese Ebenen als die soziale und die psychologische Ebene.

  • Die soziale Ebene ist die Transaktion, die offenkundig ist. Also das, was gesprochen wird, was sachlich an Information mitgeteilt wird.
  • Die psychologische Ebene ist die verdeckte Transaktion. Damit bezeichnet man das, was "zwischen den Zeilen" steht. Dies kann sich z.B. durch Mimik oder Körperhaltung ausdrücken. In der verdeckten Transaktion können sich die Sprecher in ganz anderen Ich-Zuständen befinden, als in der offenen Transaktion.

Wenn man die Transaktion analysiert, sind beide Ebenen zu betrachten, da der Konflikt ja oft eher auf der psychologischen Ebene stattfindet.

Mit Hilfe des Schemas und aufgrund der Auswertung zahlreicher Transaktionen lassen sich drei Transaktionstypen unterschieden:

Wie kann man erkennen, welches Ich gerade die Beteiligten beherrscht?

Transaktionen werden komplementär genannt, wenn im Transaktionsschema die Pfeile parallel verlaufen. Für solche Transaktionen gilt die erste Kommunikationsregel der Transaktionsanalyse:

Wenn Reiz und Reaktion im El-Er-K-Transaktions-Schema auf parallelen Linien verlaufen, dann ist die Transaktion komplementär (d.h. sie ergänzt sich selbst immer wieder von neuem) und kann endlos weitergehen.

Dieses sich immer wieder von neuem Ergänzen einer solchen Transaktion, erklärt sich damit, dass die Reaktion jeweils dem entspricht, was die den Reiz aussendende Person erwartet hat.

Damit eine Transaktion als komplementär bezeichnet werden kann, muss sie sich nicht zwischen zwei gleichen Ich-Zuständen abspielen. Es wird lediglich gefordert, dass die Pfeile im Transaktionsschema parallel verlaufen.

Komplementär Transaktion

 

A: "Ich möchte Sie über den Termin der nächsten Sitzung informieren. Sie findet am Freitag um 17.00 Uhr statt." (Erwachsenen-Ich fragt Erwachsenen-Ich)

B: "Vielen Dank, das werde ich mir gleich notieren." (Erwachsenen-Ich antwortet Erwachsenen-Ich)

A: "Sag mal, musst du dich immer so benehmen?" (Eltern-Ich fragt Kind-Ich)

B: "Ich benehme mich wie ich will." (Kind-Ich antwortet Eltern-Ich)

Beispiele

Für eine Überkreuz Transaktion gilt die zweite Kommunikationsregel der Transaktionsanalyse:

Wenn Reiz und Reaktion sich im El-Er-K - Schema überkreuzen, wird die Kommunikation unterbrochen.

Hier gibt es zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten der Iche und meist führen die Überkreuz-Transaktionem zu Konflikten. Die Transaktionsanalyse liefert sowohl einen Erklärungsansatz für die Entstehung von Konflikten wie auch einen Ansatz zur Beilegung.

Häufigste Ursache einer Überkreuz-Transaktion ist die nicht-o.k.-Lebensanschauung einer der an der Kommunikation Beteiligten. Diese nicht o.k. Anschauung kann sich auf zwei Arten auf die Kommunikation auswirken.

Bei Menschen, die meist mit ihrem Kindheits-Ich agieren, hat diese Lebensanschauung zu Folge, dass sie sich ständig angegriffen fühlen. Sie interpretieren in alles, was ihnen entgegengebracht wird, eine negative Absicht hinein. Ausgelöst wird dies durch die tiefe Überzeugung, nicht o.k. zu sein. Selbst positive Äußerungen deuten solche Menschen um, damit sie in ihr Weltbild passen. Zu einer echten Auseinandersetzung mit der Realität sind sie gar nicht mehr fähig.

Ähnlich ergeht es nicht o.k.-Menschen, welche meist mit ihrem Eltern-Ich an Transaktionen teilnehmen. Ihre nicht o.k.-Einstellung versuchen sie zu kompensieren, indem sie sich in einer Transaktion auf den Standpunkt du bist nicht o.k. zurückziehen. Sie probieren ständig, schlechte Seiten des Gegenübers herauszuarbeiten. Dies ermöglicht ein Überlegenheitsgefühl, welches zumindest kurzfristig das eigene nicht o.k. erträglicher macht.

Auch dies führt jedoch zwangsläufig zu einer Überkreuz-Transaktion und somit zum Konflikt. Die einzige Möglichkeit sich aus dieser Konfliktspirale zu befreien liegt darin sich seiner eigenen nicht o.k. Anschauung bewußt zu werden und wenn dies gelungen ist, zu versuchen mit seinem Erwachsenen-Ich an Transaktionen teilzunehmen. Dies ist jedoch ein langwieriger Prozeß, der genaue Kenntnis der eigenen Kindheits- und Eltern-Ich Aufzeichnungen voraussetzt.

Überkreuz-Transaktion

 

A: "Was hast du dir eigentlich dabei gedacht?" (Eltern-Ich spricht Kind-Ich an)

B: "Und was denkst du dir dabei, so mit mir zu reden?" (Eltern-Ich antwortet und spricht das Kind-Ich des anderen an)

A: "Wollen wir in diesem Jahr vielleicht einmal in Spanien Urlaub machen?" (Erwachsenen-Ich stellt eine Frage an das Erwachsenen-Ich des anderen)

B: "Immer willst du entscheiden, wohin wir fahren!" (Kind-Ich antwortet)

Beispiele

In vielen Gesprächen finden "verdeckte Transaktionen" statt. Daran sind mehrere Ich-Zustände beteiligt, wobei zwei davon "offen" sind, die anderen aber verdeckt wirken

A: Das ist das dritte Stück Kuchen. (Auf den ersten Blick eine Aussage des Erwachsenen-Ichs an das Erwachsenen-Ich des anderen, aber durch einen unterschwellig mißbilligenden Ton eigentlich eher eine Ermahnung vom Erwachsenen-Ich an das Kind-Ich des anderen, nicht so viel zu essen.)

B: Du hast dich verzählt. (Scheinbar antwortet das Erwachsenen-Ich, aber durch den unterschwelligen Ton wird der trotzige Tonfall des Kind-Ichs deutlich.)

Um solche verdeckten Transaktionen zu erkennen, sollte man auf Körpersprache, Gestik, Mimik, Tonfall und ähnliches achten, denn dort zeigen sich die verdeckten Ich-Ebenen.

Für verdeckte Transaktionen spielen vor allem auch Vorerfahrungen der Gesprächspartner miteinander eine große Rolle. Wer mit einem Menschen zusammenlebt, der eine starke Tendenz hat, den anderen ständig zu erziehen, wird seine Äußerungen sehr viel empfindlicher deuten, als ein Außenstehender, der sich dann oft über die heftige Reaktion auf eine scheinbar harmlose Äußerung erstaunt zeigt.

Verdeckte Transaktionen

Die Transaktionsanalyse bietet auch ein Konzept zur Behandlung psychischer Erkrankungen sowie ein Entwicklungs- und Beratungskonzept zur Förderung des individuellen, sozialen und kollektiven Wachstums.

Somit ist die Transaktionsanalyse eine Methode, die sowohl in der Psychotherapie wie in der Beratung, der Pädagogik, der Erwachsenenbildung und der Arbeit in Organisationen verwendet werden kann. Die Transaktionsanalyse ist eine integrative Theorie, da sie verhaltenstherapeutische Ansätze und tiefenpsychologische Denkweisen kombiniert und sich dabei am Menschenbild der humanistischen Psychologie orientiert.

Die Vertreter der Transaktionsanalyse gehen davon aus, dass jeder bereits in frühester Kindheit Entscheidungen darüber trifft, wie er leben und sterben wird. Diesen Lebensplan nennt man Skript. In ihm spiegeln sich die Grundeinstellungen, wie sie in der Transaktionsanalyse beschrieben werden, wider. Wenn in der Psychotherapie mit der Transaktionsanalyse gearbeitet wird, so wird das individuelle Skript analysiert und es wird versucht, den Lebensplan positiv zu beeinflussen und eine positive Grundhaltung in Richtung "Ich bin o.k., du bist o.k." zu erreichen.

Trotz mancher Kritikpunkte scheint es durchaus sinnvoll, einige Grundideen der Transaktionsanalyse zur Konflikterkennung und Beilegung in der Praxis anzuwenden, da sie als Analyseinstrument für TherapeutInnen hilfreich sein kann.

Anwendungsbereiche

 

Einführend zum Thema
Schlegel, Leonhard (o.J.). Was ist Transaktionsanalyse? Was sind ihre Eigenheiten im Vergleich zu anderen psychotherapeutischen Richtungen.
WWW: http://www.dgta.de/ta/was_ist_ta.pdf (04-11-03)

Das Modell der Transaktion beschreibt zunächst einmal nur einzelne Gesprächsausschnitte. Mit der Analyse der "Spiele" erklärt Eric Berne komplexere Situationen bzw. ganze Reihen von Transaktionen zwischen zwei Personen, die immer nach dem gleichen Muster ablaufen.

Ein Spiel besteht dabei aus einer immer gleichen Abfolge verdeckter Transaktionen, die zu einem voraussagbaren Ergebnis führen und in negativen Emotionen enden können.

Für einen Außenstehenden scheinen die Transaktionen plausibel, sie sind aber von verborgenen Motiven beherrscht. Dabei bevorzugt jeder ganz bestimmte Spiele, die die/der einzelne in seiner Kindheit gelernt hat, um sich in seiner Familie durchzusetzen.

Jedes Spiel läuft nach einem Schema ab:

  • "Trick": Der Trick besteht darin, dass Spieler A bei sich, beim anderen etwas übersieht oder mißversteht oder verzerrt darstellt. Dies ist ein "Köder", der den Auslöser für das Spiel darstellt.
  • "Wunder Punkt": Wenn Spieler B mit dem "Trick" an einem "wunden Punkt" getroffen wurde, dann steigt er in das Spiel mit ein.
  • "Verdeckte Transaktion" Nun entsteht eine Transaktion, bei der sowohl eine offene, als auch eine verdeckte Transaktion ablaufen.
  • "Wechsel des Ich-Zustands": Einer der Spieler wechselt vom scheinbar vernünftigen Ich-Zustand in einer anderen Ich-Zustand und dabei wird die verdeckte Transaktion offenbar.
  • "Verblüffung": Der andere erkennt den Wechsel und reagiert auf das Gesprochene verblüfft, bzw. verärgert. Damit endet in der Regel das Spiel.
  • "Nutzeffekt": In der Regel enden solche Spiele mit unguten Gefühlen. Aber Berne geht davon aus, dass diese unguten Gefühle unbewußt "erwünscht" und absichtlich herbeigeführt sind, da sie eine Art von Zuwendung darstellen.

Es werden von Eric Berne eine ganze Reihe von solchen Spielen benannt und beschrieben, z.B. das "Ja-aber-Spiel", das "Du-wirst-schon-sehen,-was-dabei-herauskommt-Spiel", und andere mehr. Für jedes Spiel gilt es Ausstiegsstrategien zu entwickeln. Grundsätzlich hat man die Möglichkeit solche Spiele zu umgehen, indem man dem anderen Achtung und Aufmerksamkeit zukommen läßt und ihm positive Zuwendung (Lob u.a.) gibt. Allerdings ist es für die Akteuere verständlicherweise schwierig, diese Spiele zu durchschauen.

Spiele der Erwachsenen

Nach der Transaktionsanalyse lassen sich vier Arten der Zuwendung unterscheiden, die besonders in der Kindheit von Belang sind, da im Laufe der Entwicklung die einzelnen Ich-Zustände mit ihren jeweiligen positiven und negativen Eigenschaften erst erworben werden. Hier müssen Eltern durch positives Vorbild diese Ich-Zustände "leihen" und in der Kommunikation mit ihren Kindern ihre jeweiligen Ich-Zustände gezielt nutzen, um positive Gefühle zu erzeugen. Dabei hat jeder Ich-Zustand seine Berechtigung. Durch das Eltern-Ich erhalten die Kinder Betreuung, Schutz und Ernährung. Mit dem Erwachsenen-Ich holen sich die Eltern Informationen ein über die Erziehung und organisieren den Alltag. Mit dem Kind-Ich fühlen sich die Eltern in die Bedürfnisse und Gefühle der Kinder ein. Je älter ein Kind wird, um so mehr muss das "einfühlen" und "ernähren" zurücktreten und bei älteren Kindern und Jugendlichen sollten die Eltern nur noch Vorbild sein und ihre Kinder insbesondere im Erwachsenen-Ich bestärken.

  • Bedingungslose positive Zuwendung
    Diese Art von Zuwendung, z.B. ein Lob oder eine Liebeserklärung, gibt es ohne dass man etwas dafür tun muss, also ohne Bedingung. Man bekommt sie einfach so für das Da-Sein.
  • Bedingte positive Zuwendung
    Diese Zuwendung bekommt man für etwas, das dem anderen an einem gefällt, für eine Leistung oder ein bestimmtes Verhalten. Diese Art von Zuwendung fördert die Lern- und Leistungsbereitschaft und ist daher sehr wichtig für uns.
  • Bedingte negative Zuwendung
    Für Fehler, störendes Verhalten o.ä. erhält man negative Zuwendung (z.B. Tadel). Auch diese Art von Zuwendung hat seine Berechtigung, um uns zu korrigieren, Irrtümer aufzuklären und Veränderungen zu bewirken.
  • Bedingungslose negative Zuwendung
    Sie richtet sich gegen die ganze Person und wirkt vernichtend und verletzend. Auch Prügel, Drohungen und Diffamierungen gehören dazu.

Jeder Mensch braucht notwendigerweise Zuwendung, um leben zu können und fordert diese Zuwendung ein. Jedoch lernen Kinder dabei oft von ihren Eltern, dass es nicht gut ist, bedingungslos gelobt zu werden. Deshalb holen sie sich dann eben bedingte positive Zuwendung oder negative Zuwendung, je nach dem, was sie als Kind häufiger erhalten haben, um überhaupt eine solche zu erhalten. Ähnlich funktioniert es, wenn ein Kind gar nicht beachtet wird, z.B. weil alles in Ordnung ist, oder weil sich die Eltern mehr um ein anderes Kind kümmern müssen. Dann versucht das Kind durch Auffälligkeit Zuwendung zu bekommen.

Arten von Zuwendung


Wenn der Transaktionsanalytiker etwa von "Rabattmarken-Sammeln" spricht, so bezeichnet er damit das Ansammeln negativer Gefühle in einer Reihe von Transaktionen mit einem Gegenüber, um sie später in einem "Racheakt" einzulösen.

Z.B. ärgert sich jemand in einem Gespräch über etwas, was der Gesprächspartner sagt oder wie dieser sich verhält, äußert dies aber nicht, sondern behält es für sich. Dieses Verhalten wiederholt sich nun einige Male, bis sich so viele negative Gefühle angesammelt haben, dass alles auf einmal "herausplatzt", selbst wenn die aktuelle Situation gar nicht so schlimm ist. Der andere weiß natürlich nichts von den vielen gesammelten Rabattmarken,wundert sich bloß über die aus seiner Sicht überzogenen Reaktion und ist nun seinerseits verärgert.

Da das aus dem Englischen kommende Wort "Stroke" sowohl "Streicheln" als auch "Schlag", "Streich" bedeutet, kann ein solcher lustvoll, angenehm, unangenehm oder sogar tödlich sein. Eric Berne wählte das Wort "Stroke", um damit das ursprüngliche Bedürfnis des Säuglings nach körperlicher Berührung ("Streicheln") deutlich zu machen. Ein "Stroke" wird in der Transaktionsanalyse als "Einheit der Anerkennung" oder auch als "Einheit der Wahrnehmung" definiert. Jedesmal, wenn man durch irgendeine kommunikative Handlung einem anderen Menschenn signalisiert, dass man ihn wahrnimmt und zwar so, dass er das Signal auch wahrnehmen kann, hat man ihm einen "Stroke" gegeben. Wenn etwa ein Bekannter sich heute morgen, als Sie deutlich "Guten Morgen" sagten, einfach weggedreht hätte und Sie nicht beachtet hätte, hätten Sie vielleicht das Gefühl gehabt, dass Ihnen etwas fehlt. Der Bekannte hätte ein "Stroke" verweigert, den Sie intuitiv erwartet hatten.

Nach Berne sind "Strokes" für das physische und psychische Überleben eines Menschen unbedingt notwendig und verglich das Bedürfnis nach Stimulierung mit dem physischen Hunger. Wenn Menschen gelernt haben, mit einer symbolischen Form der Zuwendung auszukommen, haben sie so das ursprüngliche Bedürfnis nach körperlicher Zuwendung sublimiert. Den Hunger nach solchen symbolischen Formen der Zuwendung bezeichnete Berne als "Anerkennungshunger". Da "Strokes" lebensnotwendig sind und in unserer Kultur wenige direkte physische "Strokes" ausgetauscht werden, bewertet man als Ersatz alle symbolischen Formen von "Strokes" hoch: das Protokoll bei Staatsempfängen, Begrüßungen, Geld, Preise, Lob etc..

Arten von "Strokes"

Verbale "Strokes" sind alle "Strokes", bei denen A etwas zu B gesagt hat. Nonverbale "Strokes" sind "Strokes", die durch nonverbale Mittel, wie Lächeln, Grimassen, Körperhaltung, Stimmlage, Berührung gegeben werden etc. Jedes Gespräch, jede Interaktion zwischen zwei Menschen ist ein Austausch von "Strokes". Es gibt Interaktionen, bei denen nur nonverbale "Strokes" ausgetauscht werden, wie z.B. dem Flirt. Umgekehrt gibt es keine Interaktionen, in denen nicht auch nonverbale "Strokes" ausgetauscht werden.

Ein positiver "Stroke" ist ein "Stroke", der vom Empfänger als angenehm erlebt wird, ein negativer "Stroke" ist ein "Stroke", der vom Empfänger als unangenehm erlebt wird. Ob ein "Stroke" positiv oder negativ ist, entscheidet nicht der Geber, sondern der Empfänger. Es gibt auch "Plastik-Strokes": Das sind übertrieben positive "Strokes". Wenn etwa der Gesprächspartner auf Ihr "Guten Tag" antwortete: "Toll, also dass Sie auch hier sind, dass finde ich ja ganz super, ich habe erst letzte Woche zu xyz gesagt: Wie geistreich und brillant y immer ist und jetzt sehe ich Sie......" Plastik- oder Kunststoff-"Strokes" sind "Strokes", die aus einer inkongruenten Haltung heraus gegeben werden. Sie sind nicht wirklich ehrlich gemeint, auch wenn sie positiv klingen. Der Geber möchte nicht nur den Empfänger "stroken", sondern vielleicht auch noch Schuld- oder Schamgefühle auslösen. Es sind letztlich Manipulationsversuche. Unechte "Strokes" sind solche, die ebenfalls als Resultat einer inkongruenten Haltung des Gebers dem Empfänger gegenüber gegeben werden. Diese "Strokes" beginnen positiv, so dass es so aussieht, als ob der Empfänger einen positiven "Stroke" bekommt, und dann enden diese "Strokes" negativ: "Der Mantel steht Ihnen sehr gut - haben Sie ihn gebraucht gekauft?"

Ein bedingter "Stroke" bezieht sich auf das, was man tut, ein bedingungsloser "Stroke" auf das, was man ist.

  • Positiv und bedingt: "Das haben Sie aber gut gemacht."
  • Positiv und bedingungslos: "Es ist so schön, dass du da bist."
  • Negativ und bedingt: "Ihre Strümpfe gefallen mir nicht."
  • Negativ und bedingungslos: "Ich hasse dich."

Säuglinge bekommen im Normalfall die wichtigen physischen "Strokes" in großer Anzahl, aber je älter sie werden, desto seltener werden sie. Auch die Zahl der negativen "Strokes" nimmt zu: "Du schreist mir heute zu laut. Deine Unruhe stört mich. Du gefällst mir heute nur, wenn du artig bist, wenn Tante Frieda kommt." usw. Wenn die Zahl der physischen "Strokes" abnimmt, lernt das Kind, sich um symbolische "Strokes" zu bemühen. Kinder probieren alle möglichen Verhaltensweisen aus, um herauszufinden, welche "Strokes" sie einbringen. Wird eine bestimmte Verhaltensweise als "Stroke"-verschaffend erkannt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Verhaltensweise wiederhot wird. Irgendwann vergißt man, dass es noch mehr "Strokes" gibt, als die, die man in der Familie bekommen hat. Dann bemüht man sich nur noch um die "Strokes", von denen man meinen, dass man sie sicher erhalten kann. Folglich schränkt sich das Spektrum möglicher Verhaltensweisen stark ein und man zeigt nur noch jene Verhaltensweisen, die sicher zu "Strokes" führen. Das tun Kinder ebenso wie Erwachsene, sodass "Strokes", die man haben will, unter anderem auch die Berufs- und Partnerwahl bestimmen.

Man könnte annehmen, dass sich sowohl Erwachsene als auch Kinder vor allem um positive "Strokes" bemühen würden. Das tun sie zwar in der Regel, aber "Strokes" sind für das physisches und psychisches Überleben so wichtig, dass auch negative gesucht werden, wenn man keine positiven "Strokes" bekommen kann. Diese verstärken das Verhalten, das zu diesem "Stroke" führt, genauso, wie ein positiver "Stroke". Wenn man als Elternteil, als Vorgesetzter oder Therapeut ein unerwünschtes Verhalten negativ "strokt", verstärkt man damit immer auch das unerwünschte Verhalten.

Manche Menschen ertragen mehr negative "Strokes", andere weniger, manche Menschen ertragen auch kaum positive "Strokes", weil sie es nicht gewöhnt sind, solche "Strokes" zu bekommen. Manche Menschen, die eine sehr schmerzhafte Kindheit hatten, haben beschlossen, keine oder nur sehr wenige "Strokes" von außen hineinzulassen und zeigen als Ersatz ein Verhalten, das ihnen in ihrer phantasierten Weit internal konstruierte "Strokes" einbringt. In aller Regel zeigen sie ein Verhalten, das Menschen mit einem anderen Modell von Welt als "merkwürdig" oder "verrückt" etikettieren. Andere wieder haben den Glaubenssatz entwickelt, dass man positiven "Strokes" besser mit Mißtrauen begegnet. Strokes werden selektiv gefiltert, man läßt nur die "Strokes" emotional zu, die zu den "Lieblings-Strokes" passen. Auf diese Weise halten Menschen das Bild aufrecht, das sie sich von sich selbst gemacht haben.

Kuriosa: Das "Rabattmarken-Sammeln" und "Strokes"

Die Vertreter der Transaktionanalyse verwenden häufig Alltagsausdrücke, um ihr Modell anschaulicher und verständlicher zu machen, womit sie sich manchmal auch das Problem der Ontologisierung, Verselbständigung bzw. ungerechtfertigen Generalisierung der Phänomene und der damit verbundenen Begriffe einhandeln. Die beiden hier besprochenen Begriffe sind jedoch vermutlich auch aus Sicht der wissenschaftlichen Psychologie recht gut verankert und entsprechen Grundformen des menschlichen Lernens.

Quelle:
http://www.transaktionsanalyse.de/ (02-12-23)

 

 

 

  • Geben Sie den Mensch, die auf Ihre positiven Strokes negativ reagieren, regelmäßig ernstgemeinte Strokes. Ihre Ablehnung hängt wahrscheinlich mit dem Wunsch nach mehr oder ernshaften Strokes zusammen.
  • Passen Sie die Art, wie Sie anderen Strokes geben, Ihrem eigenen Temperament und der jeweiligen Situation an. Strokes müssen ehrlich, spontan und aufrichtig gegeben werden und dies muss auf eine natürliche Weise geschehen. Verwenden Sie deshalb keine Superlative und überströmende Wendungen.
  • Schenken Sie reine Aufmerksamkeit, Interesse und Wertschätzung (anschauen, zuhören und nachfragen oder zustimmen bzw. ergänzen etc.) - das sind die besten Strokes.
  • Prüfen Sie Ihre Einstellung! Sind Sie wirklich und ehrlich der Meinung, dass der Betreffende den Stroke verdient hat? Steckt eine verborgene Absicht dahinter? Wollen Sie nur schmeicheln oder selbst Strokes haben? Sie werden ein besserer Stroke-Geber, wenn Ihnen die folgende Einstellung in Fleisch und Blut übergeht. „Ich bin O.K. - die anderen auch, obwohl sie sich in einigen Punkten von mir unterscheiden. Ich bin der Meinung, dass andere Leute Strokes verdienen, wenn sie etwas "Gutes" geleistet haben - und es soll nicht davon abhängen, ob ich Strokes für meine Leistungen bekomme“.
  • Je mehr Strokes Sie einem anderen Menschen geben, desto eher wird der andere Lust verspüren, auch Ihnen Strokes zu geben.
  • Vermeiden Sie Phrasen, Klischees und Stereotype, wenn Sie Strokes geben. Seien Sie ganz Sie selbst, sonst wirken die Strokes gekünstelt.
  • Geben Sie unbedingte Strokes. Diese haben die größte Bedeutung. Gewöhnen Sie sich an, Ihre positiven Gedanken zum Ausdruck zu bringen, wenn Sie sehen, dass jemand etwas „gut“ macht. Arbeiten Sie an Ihren Fähigkeiten, spontane Aufmerksamkeit und Freude auszudrücken, statt bloß daran zu denken oder diese stets ironisch zu äußern.
  • Verlieren Sie nicht den Mut, wenn Sie nicht sofort positive Reaktionen auf Ihre positiven Strokes erzielen. Geben Sie weiter positive Strokes. Denken Sie daran, dass es einen gewissen Zusammenhang gibt zwischen der Zeit für die Etablierung einer bestimmten Stroke-Bilanz und der Zeit für eine merkliche Änderung.
  • Versuchen Sie, die meisten Strokes auf den Gebieten zu geben, die für den anderen die größte Bedeutung haben. Diese Gebiete können sich durchaus von denen unterscheiden, auf die Sie selbst großen Wert legen. Bemühen Sie sich herauszufinden, was für andere von Bedeutung ist, indem Sie aufmerksam für die Werte des anderen sind.
  • Strokes sind in allen Dienstleistungsbereichen von entscheidender Bedeutung. Die Beurteilung z. B. eines Kundenberaters hängt direkt mit der Aufmerksamkeit zusammen, die der Kunde spürt und erlebt.

Zur Verbesserung der Strokes-Technik

 

Eric Berne (1910-1970) 

kam 1935 nach seinen medizinischen Doktorat an der McGill University und einer psychiatrischen Praxis bei Yale nach New York (Mount Zion Hospital) und übernahm die Schulung am psychoanalytischen Institut von N.Y. Nach zehnjähriger Angliederung an das psychoanalytische Institut von San Francisco, freundete er sich mit der Freudschen Bewegung an und veröffentlichte 5 Jahre später seine "Transaktionale Analyse in Psychotherapie" (1961). Die meiste Zeit verbrachte er mit privater klinischer Praxisarbeit. Obwohl es für fachkundige Leser gedacht war, wurde das Buch "Games people play" (1964) zum Bestseller.

Er war dafür bekannt, eine Gruppe eine zweite beobachten zu lassen und sie später mit Kommentaren aus den Beobachtungen zu begleiten; die Rollen wurden dann getauscht. Das Transaktionale Analyse Journal, begründet von Berne, knüpft daran an, wie es auch die International Transactional Analysis Association tut, indem sie Gutachten in der TA ausstellt.

 


[Eric Berne]

Literatur und Quellen
Harris, Thomas A. (1975). Ich bin o.k. Du bist o.k.. Reinbek: Rowohlt.
Berne, Eric (1967). Spiele der Erwachsenen, Reinbek: Rowohlt.
Penfield, Wilder (1975). The Mystery of the Mind: A Critical Study of Consciousness and the Human Brain. Princeton: Princeton University Press.
Unter Verwendung von
http://www.dsgta.ch/ (01-10-23)
http://www.transaktionsanalyse.net/ (01-10-22)
http://www.zeitzuleben.de/inhalte/kommunikation/
transaktionsanalyse/transaktionen.html (01-10-24)
Bildquellen: http://www.transaktionsanalyse.de/images/berne.jpg
http://particle.physics.ucdavis.edu/bios/Penfield.html (05-05-18)

Siehe dazu auch:

Selbst- und Fremdwahrnehmung: Das Johari-Fenster

 


Nutzen Sie die Diskussionsforen!

Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons License.
Valid CSS!
Webliga-Webkatalog - Wissenschaft Webliga - Webkatalog