[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Forschung zum Thema Stress

Stress und Essverhalten

Es ist bekannt, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Essverhalten der Menschen und Stress, wobei man bisher annahm, dass Menschen, die auf Stress gewohnheitsmäßig mit mehr Kalorienaufnahme reagieren, ungesund sind und dick werden. Sproesser, Schupp & Renner (2013) gingen in einer experimentellen Studie davon aus, dass das menschliche Verhalten von Schwankungen und kompensatorischen Mustern gekennzeichnet ist. In einem Experiment erlebten die ProbandInnen entweder eine stressbehaftete, eine positive oder eine neutrale Situation, wobei anschließend gemessen wurde, wie viel die Teilnehmenden aßen. Dabei bestätigte sich, dass Stressesser, die unter Stress gesetzt worden waren, tatsächlich mehr aßen als die Stresshungerer. Es zeigte sich aber auch, dass die Stresshungerer, die zuvor in positive Stimmungslage versetzt worden waren, deutlich mehr aßen als die Stressesser. „Das Essmuster der Stressesser und Stresshungerer hat sich hier komplett umgedreht, so dass man von einem Kompensationsmuster sprechen kann. Stressesser wie Stresshungerer, die in die neutrale Seelenlage versetzt worden waren, aßen im Übrigen ungefähr gleich viel.

Daher sind Ermahnungen an Stressesser, sich in den entsprechenden Situationen mehr Selbstdisziplin aufzuerlegen, nicht nur obsolet, sondern sie könnten sogar kontraproduktiv sein. Die StudienautorInnen vermuten, dass die Aufforderung, weniger zu essen, noch mehr Stress auslösen und damit die Balance von positiven und negativen Situationen und dem entsprechenden Essverhalten stören könnte. Zumal biologische Untersuchungen gezeigt haben, dass durch essen in Stresssituationen das Stressempfinden nachlassen kann. Das Essverhalten von Stressessern kann in diesem Fall langfristig zu Übergewicht führen, wenn der Stress überhandnimmt, ohne dass es Ausgleich durch positive Situationen gibt. Entgegen der bisherigen Meinung legen die Ergebnisse jedoch nahe, dass Stressessen an sich kein maladaptives Essverhalten darstellt.

Literatur & Quellen

Sproesser, G., Schupp, H. & Renner, B. (2013). The bright side of stress-induced eating: Eating more when stressed but less when pleased. Psychological Science. doi: 10.1177/0956797613494849




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