[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Stresstheorien

Stress

Cannons Stresstheorie (1932)

Walter B. Cannon war der erste Wissenschaftler, der folgendes Phänomen im Zusammenhang mit Stress beschrieb: Unser Stammhirn -das "Reptiliengehirn" als der stammesgeschichtlich älteste Teil unseres Gehirns, reagiert reflexartig auf alles überraschend Neue. Es gibt uns die Wahl zwischen zwei Alternativen: Fliehen oder Kämpfen. Im Bruchteil einer Sekunde wird in diesem Gehirnteil eine Situation als gefährlich eingeschätzt und die Entscheidung zur Flucht oder zum Kampf getroffen. Genau hier entsteht auch der Reflex des Wegziehens unserer Hand, wenn wir uns verbrennen.

Stress beeinflusst z. B. Entscheidungsprozesse sehr stark, wobei Menschen in Stresssituationen auf eine Art Autopilot schalten, was in belastenden Situationen nicht unbedingt negativ sein muss, da weniger kognitive Ressourcen verbraucht werden. Es wird in der Regel weniger reflektiert und bei der Abwägung einer Entscheidung werden eher die positiven Alternativen vorgezogen. Während Männer, wenn sie unter Stress stehen, eher bereit sind, Risiken einzugehen, zeigen sich Frauen in stressigen Situationen eher risikoscheu, wobei die unterschiedlichen Stress-Folgen bei Männern und Frauen evolutionsgeschichtlich erklärbar sein dürften, denn Männer neigen in schwierigen Situationen zu Kampf oder Flucht, während Frauen die Bindungen zu festigen versuchen.

Nach Cannon werden durch einen Stressor alle notwendigen Organe für eine defensive Aggression bzw. Flucht in Bereitschaft gesetzt, wobei das über die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin und über die Sympathikuswirkung erfolgt. Dazu gehört eine zentrale und kardiale Durchblutungserhöhung, Konstriktion der peripheren Gefäße, vermehrte Herzaktivität, Durchblutung von Muskeln und Blockierung des Magen-Darm-Traktes (der Parasympathikus fördert die Magen-Darm-Aktivität und der Sympathikus hemmt diese).

Den Anstoß zur intensiveren Stressforschung gaben Beobachtungen und Ideen von Hans Selye, der 1926 im zweiten Jahr seines Medizinstudiums zum ersten Mal auf das Problem einer stereotypen Reaktion auf belastende Aufgaben stieß. Er fragte sich, warum Patienten mit höchst unterschiedlichen Krankheiten so viele einheitliche Anzeichen und Symptome zeigen, ganz unabhängig davon, ob jemand einen schweren Blutverlust erlitten, eine Infektionskrankheit oder Krebs im fortgeschrittenen Stadium hatte, verlor er seinen Appetit, seine Muskelkraft und seinen Tatendrang; gewöhnlich nahm der Patient auch ab, und selbst der Gesichtsausdruck verriet, dass er krank war. Selye nannte diese Symptome zunächst "Syndrom des Krankseins", denn unabhängig von der Art der Belastung setzen eine Reihe allgemeiner und hinsichtlich der Auslösebedingungen unspezifischer körperlicher Reaktionen ein:

1936 injizierte Selye Ratten eine Substanz aus den Eierstöcken von Kühen, was zu Veränderungen führte, die sich immer als folgende charakteristische Triade darstellte:

Selye fand, dass diese Veränderungen allgegenwärtige Anzeichen körperlicher Schädigung bei Belastung waren. Diese Reaktion wurde später unter der Bezeichnung Allgemeines Adaptionssyndrom (A.A.S.) bzw. generalisiertes Anpassungssyndrom (GAS) oder biologisches Stresssyndrom bekannt.

In Brady's (Brady et al. 1958, 1963) berühmten Experimenten standen Affen unter mehrtägigem Stress (Elektroschocks), was zu vermehrten Magen- und Zwölfingerdarmgeschwüre führte. Die Tiere lernten danach durch Drücken einer Taste einen alle 20 Sekunden verabreichten Schock zu vermeiden (Versuchsdauer 20 Tage, täglich 6 Stunden Vermeidungstraining gefolgt von 6 stressfreien Stunden). Ab dem 23 Tag starben mehrere Affen, wobei Autopsien ergaben, dass Perforationen des Duodenums aufgetreten waren. Die Bildung der Ulcerationen fand aber in den Ruhepausen statt, in denen die Magensäureproduktion stark anstieg, da die Säureproduktion in den Stressphasen unterdrückt worden war. Die Tiere, die den Schocks ohne jegliche Kontrollmöglichkeit ausgesetzt wurden, starben nicht und wiesen auch keine Ulcerationen auf. Die Ulceration kam nach dem Schluss der Autoren allein durch die vermehrte psychische Belastung zustande. Andere Untersuchungen zeigten aber, dass auch andere Bedingungen zur Entstehung der Geschwüre beitrugen, etwa das Ausmaß der Aktivität der Tiere.

Literatur:

Cannon, W.B. (1914). The emergency function of the adrenal medulla in pain and major emotions. American Journal of Physiology 33, S. 356-372.

Cannon, W. B . (1928). Neural organisation of emotional expression. In C. Michison (Eds.) Feeling and Emotions. Worcester.

Cannon, W. B.(1929). Bodily Changes in Pain, Hunger, Fear and Rrage, New York.

Hans Selyes Theorie (1936)

Nach Selye ist Stresszustand als spezielles Syndrom, welches aus unspezifischen Veränderungen innerhalb eines biologischen Systems besteht. Selye beschreibt das Allgemeine Anpassungssyndrom (AAS) oder synonym das Generalisierte Anpassungssyndrom (GAS). Die Stressreaktionen des GAS bestehen aus drei Phasen, der Alarmreaktion, Widerstandsphase und der Erschöpfungsphase.

Alarmreaktion (alarm reaction)

In der Alarmreaktion kommt es zu einer Zerstörung des inneren Gleichgewichts (Schock-Gegenschock).

Es kommt zur Aktivierung des Sympathikus. Dieses führt zur

Es kommt zu einer Aktivierung des NNM, welches sympathisch innerviert ist. Diesbezügliche Hormone sind die Katecholamine NA und A. Die NA-Ausschüttung führt zu

Die Adrenalin-Ausschüttung führt zu

Bei länger anhaltendem Stress kommt es zur Cortisolausschüttung aus der Nebennierenrinde sowie Somatotropin aus der Hypophyse, welches den Kohlehydrat- und Fettstoffwechsel beeinflusst. Daraus entsteht eine hoher Blutzuckerspiegel und eine Übersäuerung des Blutes. In der Alarmphase wird eine Verbesserung des Blutzuflusses zu den Muskeln, zum Herz und Gehirn (fördert Denkprozesse) realisiert. Des weiteren kommt es durch einen vermehrten O2-Transport zu einer verbesserten Ventilation (Belüftung der Lungen) und es werden im EEG durch eine a-Blockade schnelle b-Wellen sichtbar.

Widerstandsphase (stage of resistence)

In dieser Phase erreichen die adaptiven Reaktionen zunächst ihren optimalen Wert. Hält die Stresssituation aber länger an, kommt es zu einer gegenregulatorischen Wirkung durch den Parasympathikus, was die sympathische Dominanz abschwächt. Allerdings bleibt die Hypophysenhormonsekretion hoch, womit auch bleibt die A, NA sowie Cortisolausschüttung hoch bleiben. Es kommt dann etwa über eine Schwächung der Schilddrüsen- und Sexualfunktionen zu Störungen im Menstruationszyklus. Durch die vermehrte Aldosteronausschüttung in der Nebennierenrinde kommt es zur Vasokonstriktion und zur Förderung entzündlicher Prozesse. Die Messung der Stressfolgen erfolgt über die Kontrolle der Katecholamine NA und A im Urin sowie Kontrolle des BZ und der Blutfette im Blutbild.

Erschöpfungsphase (stage of exhaustion)

In dieser Phase geht die adaptive Kapazität verloren und es kommt zu Energiebereitstellungsproblemen (Glucose und Muskelenergie), d.h. Adaptationsproblemen. Die Wachstums-, Fortpflanzungsprozesse und die Immunabwehr funktionieren nicht mehr. Wenn die Nebennierenrinde ihren Vorrat entleert hat, kann das GAS die Stressbewältigung nicht mehr erfüllen. Es kommt zur Vergrößerung der NNR (wie beim Cushing-Syndrom ein Krankheitsbild, das bei übermäßiger Ausschüttung von Nebennierenrindenhormonen auftritt. Symptome: u.a. Fettleibigkeit, Vollmondgesicht, hoher Blutdruck mit abnormer Vermehrung der Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten wie man es auch bei langer Cortisoneinnahme beobachten kann), Schrumpfung der Thymusdrüse, Ulcusbildung, Störungen im Darmbereich, Gewichtsverlust und psychosomatischen Störungen. Langzeitfolgen sind echte Erkrankungen wie Hypertonie, Herz-Nierenerkrankungen und Entzündungskrankheiten sowie Allergien. Das GAS ist ein stereotyp-hormonelles Muster, das unabhängig von der Art der Reizung bei jeder intensiven Reizeinwirkung abläuft.

Nach Selye gibt es zwei Möglichkeiten der Entstehung von Krankheiten im Zusammenhang mit dem generalisierten Anpassungssyndrom:

Hans Selyes (*1907 in Wien, + 1982 in Montreal) Mutter war Österreicherin und sein Vater Ungar, er ging in Ungarn zur Schule und studierte dort auch Medizin. 1931 ging er in die USA und später nach Kanada, wo er in Montreal Biochemie unterrichtete. 1936 definierte er in seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit "Stress" und begründete die Lehre vom Adaptationssyndrom für stressbedingte Reaktionen des Körpers. Insgesamt hat er mehr als 1700 Arbeiten und 39 Bücher über dieses Thema geschrieben. Seine wichtigsten Werke: "Einführung in die Lehre vom Adaptationssyndrom" (1953), "Stress beherrscht unser Leben" (1957), "Hormones and Resistance" (1971), "Stress Without Distress" (1974) und "The Stress of my Life" (1979, wurde in 17 Sprachen übersetzt). 1979 gründete Hans Selye zusammen mit Alvin Toffler das Canadian Institute of Stress.

Eine Studie von Shelley Taylor (University of California, Los Angeles) zeigte, daß das Hormon Oxytocin (das im Hypothalamus gebildete Hormon fördert den normalen Gebärvorgang und stimuliert später die Lactation) Frauen bei der Stressbewältigung unterstützt. Forschungsergebnisse belegen, daß Oxytocin eine bedeutsame Rolle in Stresssituationen spielt und möglicherweise für eine geschlechtsspezifische Bewältigung von Bedeutung sein könnte. Während Männer unter Stress aggressiv gegen den Stressor ankämpfen oder sich in aussichtsloser Situation durch Flucht aus der unangenehmen Lage befreien, reagieren Frauen unter Oxytocineinfluß deutlich anders, indem sie auf Gespräche und gegenseitige Hilfe setzen. Ihre vorwiegende Taktik ist es zu schützen und Kontakt aufzunehmen. Allerdings produzieren auch Männer unter Stress vermehrt Oxytocin, jedoch wird diese Wirkung bei Männern durch die männlichen Geschlechtshormone (vorwiegend Testosteron) wieder aufgehoben. Frauen verarbeiten also Stress, indem sie sich vermehrt ihren Kindern zuneigen und Kontakte in ihrem sozialen Umfeld suchen.

Oxytocin wird manchmal auch als Liebes- oder Orgasmushormon bezeichnet, denn es ist sowohl für die Zusammenziehung der glatten Muskulatur verantwortlich, etwa wenn sich beim Orgasmus bei der Frau die Gebärmutter oder beim Mann der Samenleiter rhythmisch kontrahiert. Die Produktion von Oxytocin ist auch beim Stillen erhöht und scheint sich damit auch auf das Bindungsempfinden generell auszuwirken: Je mehr von dem Hormon in die Blutbahn gelangt, desto mehr fühlt man sich demnach zu Partner oder Kind hingezogen.

Das Hormon Oxytocin stärkt nicht nur das Vertrauen in andere Menschen, sondern wie in einer Studie von Ulrike Rimmele und Peter Klaver (Universität Zürich) nachgewiesen, hilft es auch beim Wiedererkennen von Gesichtern: Wer eine Dosis des Hormons als Nasenspray verabreicht bekommt, kann besser zwischen vertrauten und fremden Gesichtern unterscheiden. Die Erinnerung an leblose Gegenstände wie Häuser oder Statuen wird von dem Hormon nicht beeinflusst. Die Studie zeigt, wie wichtig Oxytocin für den Umgang mit anderen Menschen und das Sozialverhalten im Allgemeinen ist.

Man hat auch nachgewiesen, dass Umarmungen durch den Partner zu einer höheren Ausschüttung von Oxytocin führen und damit zu einem niedrigeren Blutdruck. Das traf allerdings in hohem Ausmaß nur bei Frauen zu, denn bei Männern stellte sich kein so deutlicher Effekt ein, obwohl auch bei ihnen ein höherer Oxytocin-Spiegel gemessen wurde. Bei Frauen scheint sich das auch manchmal als "Bindungs-Hormon" bezeichnete Oxytocin direkt auf das Nervensystem und verschiedene Körperfunktionen auszuwirken.

Literatur:

Selye, H. (1953). Einführung in die Lehre vom Adaptationssyndrom. Stuttgart.

Ulrike Rimmele et al.: Journal of Neuroscience, DOI:10.1523/jneurosci.4260-08.2009.

 

Lazarus kognitives Modell (1974)

Das transaktionale Erklärungsmodell von Lazarus betrachtet in der Kritik an Selyes Modell Stresssituationen als komplexe Wechselwirkungsprozesse zwischen den Anforderungen der Situation und der handelnden Person. Er differenziert nach der Frage, ob das Individuum glaubt, die Situation kontrollieren zu können und ob die Gefahr höher eingeschätzt wird als die eigenen Kräfte. In diesem Modell werden Persönlichkeitsfaktoren sowie Variablen der Situationsdeutung als wichtige vermittelnde Größen berücksichtigt. So wird z.B. ein Individuum mit positivem, stabilen Selbstbild sowie hoher Kontrollüberzeugung aktiv auf jene Umstände einwirken, die den Stress verursachen und entsprechende Lösungsversuche einleiten, d.h., manche Menschen können für einen bestimmten Stressor höchst unterschiedlich anfällig sein. Bedeutsam für den Stressgehalt einer Situation oder eines Ereignisses sind aber nicht die objektiven Merkmale dieser Situation, sondern die Gedanken, Empfindungen und Überlegungen der davon betroffenen Person. Ein Reiz ist nicht deshalb stressend, weil er, wie Selye annahm, eine bestimmte Intensität übersteigt, sondern er wir erst durch die subjektiven Wahrnehmungen und Bewertungen dessen, der ihn erlebt, zu einem Stressreiz.

Bei dieser individuellen Bewertung der Belastungssituation über ihre Bedrohlichkeit im Sinne einer realen, antizipierten oder bloß projizierten Schädigung gibt es drei Stufen:

Alle Handlungen, die darauf gerichtet sind, die Bedrohlichkeit einer Situation abzuwenden, werden dabei als "Coping-Prozesse" betrachtet, die eine Art Selbstregulierungs-Mechanismus bilde.

Siehe dazu auch die
Kognitive Theorie der Emotionen nach Schachter und Singer

.Lazarus Stressmodell

 

Levis Stressmodell (1975)

Nach Levi führen Stressoren wie crowding

Untersuchungen

Filmpräsentationen

Es wurden lustige, aggressive oder Gruselfilme gezeigt. Es ergaben sich keine spezifischen Reaktionsmuster, sondern eher Reaktionsstereotypien unspezifischer Reaktionen. Beim Gruselfilm wurde eine vermehrte NA-Ausschüttung gefunden.

Feldforschung

Es wurden Frauen in einer Fabrik unter der Bedingung Lohnarbeit versus Akkordarbeit untersucht. Unter Akkordarbeit zeigten die Frauen 40% mehr Adrenalin-Ausschüttung als die Kontrollgruppe. Auch die NA-Ausschüttung und die Kreatininwerte (Nierenstoff im Blut nachweisbar) waren erhöht. Fragebogenergebnisse ergaben, daß die Frauen sich gehetzt, müde fühlen und körperliches Unwohlsein angeben.

Welche Situationsvariablen vom Individuum als Stress empfunden werden determiniert die Bewältigungsstrategien. Wird eine falsche Variable als Stressor interpretiert kommt es zu Irrfahrten der Bewältigung, so daß uneffektive Strategien bestehen bleiben bis der eigentliche Stressor gefunden worden ist und somit adäquate Strategien verwendet werden.

Physiologische Stressindikatoren

EEG-Desynchronisation, Herzfrequenz-Erhöhung, Erhöhung des systolischen BD, erhöhte periphere Durchblutung, erhöhte Muskeldurchblutung, erhöhte phasische EDA, Konzentrationsanstieg von NA, A, Lipiden und Kortikoiden. Bei permanenten Stress soll eine ständige sympathische Dominanz zu Herzerkrankungen führen. Bei LärmStress kommt es hingegen zu einer verzögerten Adrenalinausschüttung.

Stressmodell nach Mc Grath

Grundlage und mitentscheidende Steuergröße im Stressgeschehen ist die subjektive Einschätzung der zu erwartenden Vor- und Nachteile. Grundschema des Stress-Zyklus ist folgendes:

Aus dem Ergebnis ergeben sich Auswirkungen auf die Situation, d. h. Erfolg/Mißerfolg bewirken erneute Bewertung. Neben situativen Effekten ist es wichtig den Einfluß der agierenden sozialen Partner ihre Einstellung, Anforderungen, Fähigkeiten etc. miteinzubeziehen, wenn man individuelles Verhalten beurteilt. Eine Erweiterung und Modifikation des Stressmodells nach Mc Grath basiert auf Untersuchungen aus dem Sportbereich. Kriterien waren

Beim konstanten Arousal kam es zu einer Verminderung der Güte bei ansteigender Schwierigkeit. Bei ansteigendem Arousal kam es zu einer verbesserten Leistung bei gleichbleibender Schwierigkeit. Das Arousal sank bei unbedeutenden Konsequenzen und sicherem Spielausgang ab. Das Arousal stieg bei bedeutenden Konsequenzen und unsicherem Spielausgang an. Es ergaben sich 3 Grundpositionen:

Es werden sechs Stressoren benannt: Aufgabe, Rolle, Handlungsrahmen, physikalische Umwelt, soziale Umwelt und Person. Einzelne oder mehrere dieser Kombinationen werden als Stressoren angenommen. Bei falscher Stressorannahme kann es zu Irrfahrten und einem inadäquaten Einsatz von Bewältigungsstrategien kommen. Damit eine angemessene Stressbewältigung erfolgen kann müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

Es gibt nicht den Stressor und die Reaktion, sondern ein System von Interdependenzen, Reizkonfigurationen und erzielte Effekte. Aus diesen Abhängigkeitsbeziehungen entstehen wichtige Komplikationen, die den fortbestehenden Stress und seine negativen Konsequenzen verständlich werden lassen.

Literatur:
Levi, L. (1974). Was ist und bedeutet Stress . Ztschr. Für Praxis Klinik, Arbeitshygiene, Begutachtung, Rehabilitation 9 , S. 210-211.

"Misfit-Modell" von Harrison (1978)

Nach Harrison tritt Stress immer dann auf, wenn (aus der Sicht des Individuums) zwischen Fähigkeiten des Individuums und den leistungsbezogenen Anforderungen Divergenzen bestehen und/oder wenn die Ressourcen/Möglichkeiten der Arbeitssituation nicht den Bedürfnissen/Motiven des Individuums entsprechen. Ein „Misfit" zwischen „Environment" (E) und „Person" (P) wirkt demnach als Stressor (P-E-fit-Modell). Dieses Konzept ist sehr allgemein, zumal über die jeweils von Individuen gewählten Stressreaktionen bzw. Bewältigungsstrategien nichts Spezifisches ausgesagt wird.

 

Physiologische Stressreaktionen

Laceys Fraktionierungstheorie

Lacey kritisierte die eindimensionalen Aktivierungstheorien im Sinne einheitlicher sympathischer Aktivierung und postulierte eine richtungsabhängige Fraktionierung. Lacey beschreibt die Intake-Reaktion bei Umweltveränderungen (z.B. Darbietung eines 60 dB Tons), die mit einer Dezeleration der HF (Abnahme der HF) und niedrigem systolischen BD einhergeht. Dieser physiologische Zustand erleichtert die Rezeption von Umweltreizen.

Des weiteren beschreibt er aber auch die Rejection (zurückweisende Reaktion) bei Umweltveränderungen (z.B. Darbietung eines 100 dB Tons). Infolge kommt es zu einer Akzeleration der HF (HF-Anstieg) und einem Anstieg des systolischen BD. Diese physiologische Reaktion dient der Abschottung von Umweltreizen.

Herz- und Gefäßkennwerte

Unter Stress ist der BD und der Puls erhöht.

EDA-Befunde

Bei der Untersuchung der EDA ergaben sich folgende Befunde:

Erklärung nach Katkin: Nur die SRRs reflektieren emotionale Belastungskomponenten. Die SRL soll eher Ausdruck kognitiver Prozesse sein. Demgemäß müssen beide Maße erfaßt werden, da bei allen Stresszyklen emotionale Reaktionen sowie Verarbeitungsstrategien involviert sind.

Atemfrequenz

Unter Stress kommt es zu einer Verlangsamung der Ausatmungszeit und Verkürzung der Einatmungszeit. Dies kovariiert mit Ängstlichkeit, Depressionsneigung und Feindseligkeit.

Endokrine Maße

Unter Stress kommt es zu einer regelmäßigen Erhöhung der Katecholamine (NA und A) sowie der Kortikoide (Cortisol und Corticosteron). Man zeigte in Experimenten auch, dass ProbandInnen nicht nur eine gesteigerte Herzfrequenz und erhöhte Blutdruckwerte besitzen, wenn sie Aufgaben unter Stress lösen mussten, sondern im Blut von einigen stieg auch der Level des Interleukin-6, einem Botenstoff des Immunsystems, das Entzündungsreaktionen des Organismus reguliert. Probanden mit dem höchsten Interleukin-6-Wert reagierten auch emotional am stärksten auf die Aufgabe. Man vermutet, dass Menschen, die selbst auf kleine Herausforderungen in ihrem Leben schnell ärgerlich oder ängstlich reagieren, was diese Menschen anfälliger für bestimmte entzündliche Erkrankungen, beispielsweise Herz-Kreislauf-Leiden machen könnte.

Literatur:
Lacey, B. C. (1967). Somatic response patterning and stress: Some revisions of activation theory. In M.H. Appley & R. Trumbull (Eds.), Psychological stress: Issues in research. New York: Appleton-Century-Crofts.

Lacey, B. C. & B.C. Lacey (1958). Verification and extension of the principle of autonomic response stereotypy. American Journal of Psychology, 71, pp 50-73.

Lacey, B. C. & B.C. Lacey (1970). Some autonomic-central nervous system interrelationships. In P. Black (Eds.): Physiological correlates of emotion. New York: Academic Press.

Lacey, B. C. & J.I. Lacey (1974): Studies of heart rate and other bodily processes in sensorimotor behavior. In P. A. Obrist, A.H. Black, J. Brener, J. & L.V. DiCara (Eds.), Cardiovaskular psychophysiology. Chicago: Aldine.

Siehe dazu auch die Arbeitsblätter

Quellen:
http://www.stud.uni-wuppertal.de/~ya0023/phys_psy/stress.htm (01-12-24)
http://141.90.2.11/ergo-online/Krank-beschw/G_Stress.htm (02-05-26)
http://www.ibw.uni-hamburg.de/personen/studierende/appelt/files/ws2002/schmale-nitsch.doc (02-06-15)
Roth, Gerhard (2002). Warum sind Lehren und Lernen so schwierig?
WWW: http://www.uni-koblenz.de/~odsssfg/seminar/wahlmodule2003/unterlagen/b07/b07.4.pdf (03-07-11)
Guttmann, G. (1882). Lehrbuch der Neuropsychologie. Bern: Huber.

inhalt :::: kontakt :::: news :::: impressum :::: autor :::: copyright :::: zitieren
navigation:
linz 2016