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Der Einfluss von Medien auf die Entwicklung von Heranwachsenden

Literatur

Hoppe-Graff, S. & Hye-On, K.(2002). Die Bedeutung der Medien für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. In Oerter, R. & Montada, L. (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 907-922). Weinheim: Beltz.

Jünger, Nadine (2013). Themeninteressen Heranwachsender (S. 21-46). In Bernd Schorb (Hrsg.), Jugend – Information – Medien. Report des Forschungsprojektes Medienkonvergenz Monitoring zur Aneignung von Information durch 12- bis 19-Jährige. Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft, Universität Leipzig.

Kuttner, Claudia (2013). Den medialen Informationshandeln Jugendliche nachspüren (S. 6-20). In Bernd Schorb (Hrsg.), Jugend – Information – Medien. Report des Forschungsprojektes Medienkonvergenz Monitoring zur Aneignung von Information durch 12- bis 19-Jährige. Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft, Universität Leipzig.

Züge, C., Möller, I., Meixner, S. & Scheithauer, H. (2008). Exzessive Mediennutzung und gewalthaltige Medien. In Scheithauer, H., Hayer, T. & Niebank, K. (Hrsg.), Problemverhalten und Gewalt im Jugendalter. Erscheinungsformen, Entstehungsbedingungen, Prävention und Intervention (S. 180-193). Stuttgart: Kohlhammer.

te Wildt, B. (2010). Medialität und Verbundenheit. Zur psychopathologischen Phänomenologie und Nosologie von Internetabhängigkeit. Lengerich: Pabst.


"Die Geschichte der Medien ist eng verknüpft mit der Aneignung von Information, insofern letztere den medientechnischen Fortschritt einerseits vorantreibt, andererseits Wissen und Kompetenzen im Umgang mit Information in einer zunehmend technisierten und digitalisierten Gesellschaft konstitutive Bedeutung erlangen. Die Proklamierung von postmoderner Gesellschaft als Wissens- bzw. Informationsgesellschaft ist Spiegel dieser Entwicklung, die nunmehr von der (lebensbegleitenden) Herausforderung getragen wird, Bildungsprozesse anzustoßen, die geeignet sind, die Subjekte sowohl zu angemessener gesellschaftlicher Partizipation als auch zu einem Umgang mit Information zu befähigen, der den individuellen Anforderungen und Bedürfnissen entspricht. Anhaltspunkte für die Anleitung entsprechender Prozesse lassen sich nur vor dem Hintergrund differenzierter Kenntnisse um deren (informationsbezogenes) Medienhandeln und lebensweltliche Bezüge identifizieren. Mit dem Internet als digitale Erweiterung des Sozialraums Jugendlicher und der Diversifikation (mobiler) Zugangsgeräte haben sich zudem die Spielräume für die informationsbezogene Zuwendung zu Medien immens gewandelt. Angesichts nahezu grenzenloser Möglichkeiten wird Medien- und damit auch Informationshandeln nicht nur immer komplexer, sondern (zumindest auf den ersten Blick) auch individueller – wenn auch nicht völlig autonom von medialen Vorgaben. Ohne jugendkulturelle Freiräume unnötig einengen zu wollen, sondern um zu verstehen, was Jugendliche, wie und warum mit Medien machen, welche Inhalte sie sich aneignen und welche Bedeutung diese im Prozess der Persönlichkeitsentwicklung haben, gilt es, sich mit deren Informationshandeln auseinanderzusetzen" (Kuttner, 2013, S. 6).

Nach Ansicht von manchen Experten (te Wildt, 2010) tritt aktuell erstmalig eine Medienabhängigkeit von klinischem Ausmaß in Erscheinung, die sowohl die psychotherapeutische Praxis als auch die Geisteswissenschaften beschäftigt. Die Entwicklung des Medialen hat sich über Jahrtausende hinweg vollzogen, wobei die Ausflüge des Menschen in künstlerische und künstliche Welten immer ausgedehnter und raffinierter geworden sind. Mit der Erschaffung des Cyberspace ist das Mediale nicht nur zum entscheidenden Referenzbereich, sondern zu dem zentralen Lebensbereich des Menschen schlechthin geworden, denn nicht die zentralen Plätze der Länder, Städte und Dörfer, sondern die medialen Plattformen bilden die Mitte der nunmehr digitalen Gesellschaft. Das Mediale selbst wird damit zu einer übergeordneten Kategorie, von der eine ungeheure Macht ausgehr, wobei im Zuge der aktuellen Überbewertung der Mensch begonnen hat, sein Leben immer mehr im Hinblick auf seine konkrete oder potenzielle mediale Verwertbarkeit zu gestalten und zu beurteilen. Menschen fragen sich immer häufiger, ob ihre Lebenserfahrungen medientauglich sind, denn entweder soll das Erlebte an eine mediale Erfahrung wie an einen Film, erinnern, oder es soll medial in Form von Bildern und Videos in den sozialen Netzwerken festgehalten werden. Diese Medialisierung des Alltagslebens wird von immer mehr Menschen nicht nur als Möglichkeit, sondern als Notwendigkeit erlebt, wobei sich neben einem gedanklicher Filter auch ein technischer vor die Sinnesorgane bzw. das eigene Erleben setzt. Die Parallelwelten von Internet und Computerspielen werden immer realistischer und faszinierender, sodass Teile der heranwachsenden Generationen versäumen, ihre Existenz in der konkret-realen Welt auf eine Weise einzurichten, die ihnen die Grundlage für ein autonomes Erwachsenenleben bietet. Im Extremfall haben sie gar nicht mehr das Bedürfnis, Helden in dem zu sein, was man bislang als das eigene Leben bezeichnet, weil sie es ja in ihren virtuellen Stellvertretern (Avataren) längst sind. In letzter Konsequenz mag die aktuelle Entwicklung darauf hinauslaufen, dass der Mensch nicht mehr existiert bzw. Mensch ist, wenn er es nicht durch beziehungsweise in den Medien ist. Prototypenhaft leben dies Menschen vor, die bereits hier und heute derart vom Cyberspace abhängig geworden sind, dass sie mit massiver Angst und Depression reagieren, wenn sie im Medienentzug diesem Nichts ausgeliefert sind, das die Reste ihrer konkret-realen leiblichen Existenz ausmacht.

Nutzung von Medien durch Jugendliche

Wie aus der untenstehenden Grafik ersichtlich, spielen die Medien eine bedeutende Rolle im Leben der Jugendlichen. Fast jeder besitzt ein eigenes Handy und mehr als die Hälfte der Heranwachsenden verfügt über einen eigenen Fernseher und eine eigene Spielkonsole. Laut Züge et al. (2008, S. 181) besitzen jedoch Buben insgesamt mehr Medien als Mädchen.

Der Fernseher ist trotz neuer Medien immer noch das meist genutzte Medium. 92 % der Befragten gaben an, mehrmals pro Woche fernzusehen. Täglich oder mehrmals pro Woche wird der Computer von 71% der Befragten verwendet, wobei dieser vorwiegend als Musikstation, als Kommunikationsmedium, zum Spielen, zur Textverarbeitung und für die Schule eingesetzt wird. Daher zählen Computer- und Videospiele auch zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Jugendlichen, was nicht selten zu einem übermäßigen Konsum (exzessiver Konsum = ab zwei Stunden täglicher Spieldauer) führt (vgl. Züge et al. 2008, S. 181 f). Laut Six et al. (1995) stehen, im Gegensatz zu Kindern, Radio und andere Hörmedien in Bezug auf Verbreitung, Reichweiten und Nutzungsdauer sowie der Medienbindung bei Jugendlichen an erster Stelle (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 909).

Da die verschiedenen Medien bei den angehenden Erwachsenen schon so verbreitet sind und als etwas Alltägliches angesehen werden, nutzen sie die Heranwachsenden an jedem Ort und jederzeit, wobei sehr oft mehrere Medien gleichzeitig verwendet werden. Da die genannten Medien meist innerhalb der Peergruppe verwendet und diskutiert werden, nehmen sie eine wichtige soziale Funktion ein (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 909).

Mediennutzung
(vgl. Züge, C., Möller, I., Meixner, S. & Scheithauer, H.. 2008, S. 181)

Interessen bei der Mediennutzung

In einer deutschen Untersuchung aus dem Jahr 2013 zeigte sich, dass Informationen zu Medienthemen im Vergleich zu den anderen Themen von einem Großteil der Jugendlichen als wichtig erachtet werden, wobei am wichtigsten ihnen Informationen zum Thema ‚Handy/Computer/Internet‘ sind, gefolgt von ‚Musik‘ sowie ‚Filme/Fernsehsendungen‘. Mit knappem Abstand folgte das Thema ‚Zukunftsplanung: Ausbildung/Beruf‘ sowie politische bzw. gesellschaftlich relevante Themen. "Insgesamt sind die Interessen Jugendlicher eher unsystematisch gestreut. Im Mittelfeld der Themeninteressen befanden sich sowohl Freizeitthemen wie ‚Sport‘ als auch weitere politische bzw. gesellschaftlich relevante Themen wie ‚Lebensbedingungen von Kindern/Jugendlichen/Familien‘, wobei letztere im Vergleich zu dem Thema ‚Politik‘ bedeutend höher eingestuft werden. Dies verweist darauf, dass Heranwachsende zwar der mit klassischen Politikfeldern und staatlichen Institutionen wie etwa Parteipolitik assoziierten ‚offiziellen‘ Politik distanziert bis ablehnend gegenüberstehen, jedoch Informationen über ‚Politisches‘ im Sinne eines breiten Spektrums an möglichen politischen bzw. gesellschaftlich relevanten Inhalten als wichtig erachten. (…) Es zeigt sich einerseits, dass Jugendliche die Relevanzzuschreibung des öffentlichen medialen Diskurses sowie die gesellschaftliche Erwartungshaltung, über das Geschehen in der Welt informiert zu sein, übernommen haben, andererseits sind dies aber auch Themen, die weit von ihrer eigenen Lebenswelt entfernt sind, was sich in einer weniger intensiven Beschäftigung mit denselben niederschlägt. Darüber hinaus entsprechen Formate, allen voran Nachrichtensendungen, hinsichtlich ihrer sprachlichen und inhaltlichen Aufbereitung kaum den Voraussetzungen und Vorstellungen auf Seiten der Jugendlichen" (Jünger, 2013, S. 44).

"Ein Vergleich der Relevanz von Informationen zu den verschiedenen Themen zeigte zahlreiche Differenzierungen nach dem Bildungshintergrund und insbesondere nach dem Geschlecht und dem Alter der Heranwachsenden. Jüngere beschäftigen sich entwicklungsbedingt eher mit Themen, die sich um Inhalte populärer Medien und Freizeitinteressen ranken und die zur Integration in die Gleichaltrigengruppe beitragen, während Ältere hingegen zu größeren Teilen als die jüngeren Heranwachsenden Themen verfolgen, die in Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit möglichen Berufsperspektiven stehen. Darüber hinaus konnte für die Älteren ein größeres Interesse an politischen und gesellschaftlich relevanten Inhalten ausgemacht werden. Erst mit zunehmendem Alter entwickeln Jugendliche das Bedürfnis, sich zur Gesellschaft in Beziehung zu setzen und ihre Rolle darin einzunehmen. In Bezug auf das Geschlecht lassen sich sozialisationsbedingte Unterschiede im Bereich der Freizeitinteressen ausmachen. Während sich Mädchen stärker mit Inhalten um Mode oder Stars beschäftigen, bevorzugen Jungen vermehrt Themen um (Computer-)Technik und Sport. Es zeigen sich darüber hinaus geschlechtsspezifische Unterschiede im Interesse an politischen bzw. gesellschaftlich relevanten Themen. Zwar sind Mädchen und Jungen gleichermaßen an entsprechenden Inhalten interessiert, jedoch bezieht sich das Interesse der Mädchen stärker auf sozialpolitische Themenfelder wie etwa ‚Lebensbedingungen von Kindern/Jugendlichen/Familien‘, während sich Jungen eher noch als Mädchen Informationen zu dem Thema ‚Politik‘ wünschen, das vorwiegend mit klassischen Politikfeldern assoziiert wird. Das Thema ‚Liebe/Partnerschaft/Sexualität‘ stößt bei Jugendlichen mit niedrigem Bildungshintergrund auf stärkeres Interesse als bei den Befragten mit hohem Bildungshintergrund. Letztere sind hingehen stärker an Themen interessiert, die sich den klassischen Politikbereichen zuordnen lassen" (Jünger, 2013, S. 45).

Exzessive Nutzung von Medien und Mediengewalt

Die meisten Jugendlichen sehen fern, wenn sie sich langweilen, sie etwas Spannendes erleben möchten oder sie sich alleine fühlen (vgl. Züge et al. 2008, S. 183). „Exzessives Fernsehen wird im Zusammenhang mit aggressivem Verhalten, dem Konsum von Tabak und Alkohol, der Annahme stereotyper Geschlechterrollen sowie Übergewicht betrachtet“ (Strasburger & Donnerstein zit. nach Züge et al. 2008, S. 183). Faktoren, wie ein hoher sozialer Status der Eltern und klare Nutzungsregeln verringern die exzessive Nutzung sowohl der Kinder als auch der Eltern selbst im Vergleich zu Kindern, deren Eltern einen niedrigen Sozialstatus aufweisen oder die keine Grenze gesetzt bekommen. Weitere Faktoren, die die übermäßige Nutzung von Medien verstärken, sind Angst, Unsicherheit, Einfluss durch die Peergruppe und das Verwenden des Mediums zur Abwehr und Verdrängung von Problemen Wirklichkeitsflucht (vgl. Züge et al. 2008, S. 183). Von den 1000 befragten Jugendlichen dieser Studie haben 900 ein eigenes Handy, das zum Telefonieren, zum Verschicken von SMS und MMS dient, und zunehmend auch internetfähig ist.

Sexting

Als Sexting bezeichnet man die private Verbreitung erotischen Bildmaterials des eigenen Körpers über Multimedia Messaging Services bzw. über Mobiltelefone. Sexting setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern „sex“ und „texting“, wobei immer mehr soziale Netzwerke wie Facebook oder Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp, Instagram oder Snapchat genutzt werden. Durch die in fast allen Smartphones eingebauten Kameras bzw. die Internetverbindung wird es den Menschen immer leichter gemacht, erotische Fotos oder auch Nacktfotos via Handy an andere zu verschicken, wobei nach einer amerikanischen Studie der „National Campaign to Prevent Teen and Unplanned Pregnancy“ jeder fünfte Jugendliche und jeder zweite junge Erwachsene bereits „Sextings“ versendet hat, bzw. die Hälfte der Jugendlichen schon erotische Bilder erhalten hat, denn in manchen Gruppen gilt das Versenden derartiger Bilder als Freundschafts- oder Liebesbeweis. Die Forscher hatten Männer und Frauen zwischen 18 und 24 befragt, von denen sich fast die Hälfte als Anhänger vom regelmäßigem Sexting bekannten. Dabei zeigten die Testpersonen sonst kein kein risikoreicheres sexuelles Verhalten und hatten keine Anzeichen von psychologischen Problemen wie niedriges Selbstbewusstsein oder Depressionen. In einer englischen Studie wurden 2000 Erwachsene zu diesem Thema befragt, wobei sich zeigte, dass 48 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer provokante erotische Bilder, Videos oder Nachrichten verschicken. Diese besondere Art von Kommunikation für Paare macht es für sie offenbar einfacher, ihre Wünsche und Neigungen auf diesem Weg zu zeigen. Sind solche Nachrichten und Bilder erst einmal verschickt oder gar online irgendwo gespeichert, ist die Gefahr groß, dass sie irgendwann einmal missbräuchlich verwendet werden, wobei diese manchmal auch gezielt zum Mobbing eingesetzt werden, indem solche kompromittierenden Fotos öffentlich online gestellt werden. Sexting-Fotos, die ungewollt weitergereicht werden, sind eine öffentliche Bloßstellung, denn betroffene SchülerInnen werden häufig von Klassenkameraden ausgegrenzt oder ausgelacht, wobei Mobbing und Cyber-Mobbing die Folgen sein können. Auch können die Fotos zur Erpressung genutzt werden: „Tu, was ich will, oder ich schicke dein Nacktfoto rum!“ Viele Sexting-Opfer leiden unter Depressionen und bedürfen psychologischer Betreuung, zum Teil sogar stationär, da nicht wenige Selbstmordgedanken hegen.

Vor allem in der Pubertät probieren Jugendliche vieles aus: Alkohol, Rauchen, zum Teil leichte Drogen und natürlich auch die eigene Sexualität, wobei Sexting als Teil davon betrachtet werden kann, u. U. auch als eine neue Art des digitalen Flirts. Jugendliche machen Sexting als Mutprobe, aus Spaß, Neugier oder Gruppenzwang, aber auch auf Druck des Partners hin oder um diesem oder dem heimlichen Schwarm zu imponieren. Zwar gab es selbstgeschossene Nacktfotos schon früher, allerdings brauchte es bei der analogen Kameratechnik Zeit, die Fotos zu entwickeln und weiterzureichen, also Zeit genug, um alles noch einmal zu überdenken. Auch behielt man dank der Negative und Abzüge zumindest eine gewisse Kontrolle darüber, wer die Fotos zu sehen bekam. Im Zeitalter der digitalen Vernetzung ist eine solche Kontrolle nicht mehr gegeben. Ein Foto ist heutzutage in Sekunden erstellt und ebenso schnell weitergeleitet. Das Smartphone als mobiler Alleskönner mit Kamera und unzähligen sozialen Diensten macht es möglich. Und das Internet vergisst niemals, denn was einmal im Netz ist, bleibt im Netz. Besonders Kinder und Jugendliche sind sich dieses Risikos aber noch nicht bewusst, denn häufig bekommen sie eigene Smartphones, noch ehe sie mit diesen verantwortungsvoll umgehen können.

Quelle: pro.schule.news vom 29. Jänner 2015

Auswirkungen exzessiver Mediennutzung auf den Lern- und Leistungsbereich

Internetsuche führt zu Überschätzung des eigenen Wissens

Das Internet und die darin zur Verfügung stehenden großen Mengen an Informationen bringen einerseits Vorteile in unterschiedlichen Bereichen, doch es gibt auch Schattenseiten, denn durch die permanente Recherche wird die Einschätzung des eigenen Wissensstandes zu einem schwierigen Unterfangen. Untersuchungen zeigen, dass sich Menschen, die Suchmaschinen im Internet benutzen, sich klüger fühlen, als sie tatsächlich sind. Das liegt daran, dass man allmählich beginnt, das eigene Wissen mit diesem externen Wissen zu verwechseln. Es zeigte sich, dass das Benutzen einer Suchmaschine ausreicht, damit sich die Teilnehmer dieser Studie im Gegensatz zu anderen Gruppen für insgesamt klüger hielten, wobei sie anschließend auch ihr Wissen im Bezug auf völlig andere Themen plötzlich ebenfalls höher einschätzten. Selbst wenn die Studienteilnehmer des Experiments Antworten auf komplexe Fragen finden sollten, bei denen ihnen Suchmaschinen nicht weiterhalfen, fühlten sie sich gleich viel kompetenter. Die Überschätzung des eigenen Wissens ist vor allem für Kinder und Jugendliche in der Lernphase problematisch, da es auch Aufgaben gibt, in denen Fehleinschätzungen schwerwiegende Konsequenzen haben können.
Quelle: Fisher, M, Goddu, M K. & Keil, F. C. (2015). Searching for Explanations: How the Internet Inflates Estimates of Internal Knowledge. Journal of Experimental Psychology.

Definition Mediengewalt und Theorien zum Entstehen aggressiver Verhaltensweisen

Mediengewalt ist „[…]die Darstellung zielgerichteter, direkter Schädigung von Menschen durch Menschen bzw. […]“ (Merten zit. nach Züge et al. 2008, S 186) der körperliche Angriff auf Sachen. Aufgrund vieler durchgeführter Studien, könnte festgestellt werden, dass sich Gewalt in Medien aggressionsfördernd auf das Verhalten der Menschen auswirken kann (vgl. Züge et al. 2008, S. 185). Hierzu gibt es nach Züge et al. (2008, S. 186 f) vier verschiedene theoretische Ansätze:

Mediengewalt und Aggression bei Jugendlichen

Aggressives Verhalten von Kindern und Jugendlichen - verstanden als die absichtliche Schädigung anderer Personen durch den Einsatz körperlicher oder verbaler Mittel oder die Schädigung ihrer sozialen Beziehungen - ist nie auf nur eine einzige Ursache zurückzuführen, sondern kommt durch das Zusammenwirken mehrerer Risikofaktoren zustande. Aber auch wenn ein einzelner Risikofaktor für sich genommen nicht ausreicht, um aggressives Verhalten auszulösen, kann er doch die Wahrscheinlichkeit aggressiven Verhaltens erhöhen, insbesondere als Reaktion auf eine Provokation.
Unter Berücksichtigung zahlreicher Einflussfaktoren auf Seiten des Kindes und seiner Umwelt, einschließlich gegebener Schutzfaktoren, hat die Forschung eindeutig belegt, dass der Konsum gewalthaltiger Medien das Risiko aggressiven Verhaltens erhöht. In den letzten 50 Jahren wurde in zahlreichen Studien gezeigt, dass die Nutzung gewalthaltiger Fernsehsendungen, Filme und Computerspiele die Auftretenswahrscheinlichkeit aggressiven Verhaltens erhöht. Dabei zeigte sich, dass je intensiver Menschen Gewaltmedien nutzen, desto ausgeprägter ihr aggressives Verhalten im wirklichen Leben ist, wobei eine kleine Zahl von Längsschnittstudien auch gezeigt hat, dass Kinder und Jugendliche, die intensiv Gewaltinhalte nutzen, im weiteren Entwicklungsverlauf ein erhöhtes Risiko für aggressives Verhalten aufweisen.
Für den Zusammenhang zwischen Mediengewalt und Aggression liegen mittlerweile zahlreiche Meta-Analysen vor, die insgesamt statistisch überzufällig durch eine stärkere Nutzung gewalthaltiger Medien eine erhöhte Aggressionsneigung der NutzerInnen belegt (Krahé, 2012).

Die Nutzung von Mediengewalt ruft nicht allein aggressives Verhalten in verschiedenen Erscheinungsformen hervor, vielmehr können auch aggressive Gedanken und Gefühle sowie körperliche Erregung gesteigert und die Bereitschaft zu hilfreichem Verhalten herabgesetzt werden. Die Auswirkungen von Mediengewalt können dabei von Person zu Person variieren und sich in subtiler Form zeigen, vor allem wenn sie im Entwicklungsverlauf untersucht werden. Effekte lassen sich jedoch für alle Arten von Medien und weisen über verschiedene Medien, Alters- und Geschlechtsgruppen sowie Kulturen bemerkenswerte Übereinstimmungen auf.

Aus diesem Grund haben mehrere wissenschaftliche Fachgesellschaften in einer gemeinsamen Stellungnahme festgestellt, dass die vorliegenden Daten mit klarer Mehrheit für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Mediengewalt und aggressivem Verhalten sprechen.

Aussagen auf den Zusammenhang von Mediengewaltkonsum mit aggressivem Verhalten beziehen sich nicht auf Gewaltkriminalität, denn nur sehr wenige Studien haben bisher die Rolle des Mediengewaltkonsums für die Entstehung gewalttätigen Verhaltens untersucht. In diesen Studien wird theoretisch begründet und empirisch belegt, dass der Effekt von Mediengewalt auf kriminelles Gewalthandeln schwächer ist als auf aggressives Verhalten im allgemeinen, auch wenn sich für männliche Nutzer ein signifikanter Zusammenhang nachweisen ließ (Krahé, 2012).

Literatur
Krahé, B. (2012). Report of the Media Violence Commission. Aggressive Behavior, 38, 335–341.
Joint Statement on the Impact of Entertainment Violence on Children (2000).
WWW: http://www2.aap.org/advocacy/releases/jstmtevc.htm

Interpretation von Medienerfahrung

Eine äquivalente Szene in einem Film wird von Jugendlichen und Kindern sehr unterschiedlich interpretiert, da dies von ihrem kognitiven Entwicklungsstand abhängig ist. Ein Kleinkind zum Beispiel weiß noch nicht, dass die Personen im Film nicht im Fernseher sind. Mit zunehmendem Alter weiß es dies zwar, kann aber noch nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. In einer Studie von Van der Voort (1996) konnte festgestellt werden, dass Gewalt abhängig vom Genre des Films sehr unterschiedlich von Kindern wahrgenommen wird. Zum Beispiel sehen Kinder in Zeichentrickfilme kaum Gewalt, obwohl sie hier sehr oft gezeigt wird. Kunczik und Zipfel (1996) glauben, je höher die Realität des Filmes von den Zusehern eingeschätzt wird, desto gewalttätiger werden die Gewaltszenen empfunden (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 910 ff). Mediengewalt kann realitätsnah oder realitätsfern dargestellt werden und dies beeinflusst die Wahrnehmung bei den Zusehern. Kinder und Jugendliche müssen daher zwischen verschiedenen Realitäten unterscheiden. Nach Doelker (1989) gibt es drei Wirklichkeiten (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 913 f):

Mediennutzung

Medienkommunikationsmodell der “drei Wirklichkeiten”
nach Doelker (übernommen aus Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 914)

Dieses Modell von Doelker kann die Komplexität dieses Vorgangs natürlich nicht darstellen, dennoch wird erkennbar, welchen Anforderungen Kinder und Jugendliche dadurch ausgesetzt sind (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 914): Sie müssen den Realitätsstatus von Medienprodukten ermitteln, indem sie zwischen der Direkt- und Medienrealität unterscheiden und die Relation zwischen beiden verstehen (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 914).

Das Realitätsverständnis von Kindern und Jugendlichen

Das Realitätsverständnis kann in die „Faktizität“ und in den „sozialen Realismus“ untergliedert werden. Die Faktizität stellt die Frage, ob der Zuschauer glaubt, dass die Ereignisse auf dem Bildschirm in der Direktrealität passiert sind. Das korrekte Verständnis von Faktizität ist von der Entwicklung und dem Lebensalter des Individuums abhängig. Sie ist somit von der kognitiven Entwicklung und nicht von der Fernseherfahrung abhängig. Der soziale Realismus behandelt die Frage, inwieweit die Ereignisse im Fernsehen, dem realen Leben ähneln. Der soziale Realismus ist im Gegensatz zur Faktizität nicht von der kognitiven Entwicklung jedoch aber von der Fernseherfahrung abhängig. Kinder, die eine hohe Fernseherfahrung haben, halten Fernsehen für realistischer und denken, dass diese Informationen auch für die Direktrealität nützlich sind (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S.914 - 915).

Schlussfolgerungen des Einflusses von Medien auf Heranwachsende

Die modernen Medien sind ein Teil unseres Lebens geworden. Sowohl in Bezug auf den Sozialisationsprozess als auch in Bezug der Anforderungen der Berufswelt auf das Individuum. Es ist daher notwendig, nicht nur die Vor- oder Nachteile der modernen Medien zu betrachten sondern diese bewusst und sinnvoll in den Entwicklungsprozess der Kinder zu integrieren. Deshalb sind gerade Eltern und Erzieher gefordert, die Kinder und Jugendlichen nicht von den modernen Medien fern zu halten, sondern ihnen vielmehr bei der kritischen Betrachtung der Medien zu helfen und sie so für einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit den Medien zu sensibilisieren.

Siehe auch



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