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Der Einfluss von Medien auf die Entwicklung von Heranwachsenden

Literatur:

Hoppe-Graff, S. & Hye-On, K.(2002). Die Bedeutung der Medien für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. In Oerter, R. & Montada, L. (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 907-922). Weinheim: Beltz.

Züge, C., Möller, I., Meixner, S. & Scheithauer, H. (2008). Exzessive Mediennutzung und gewalthaltige Medien. In Scheithauer, H., Hayer, T. & Niebank, K. (Hrsg.), Problemverhalten und Gewalt im Jugendalter. Erscheinungsformen, Entstehungsbedingungen, Prävention und Intervention (S. 180-193). Stuttgart: Kohlhammer.

Nutzung von Medien durch Jugendliche

Wie aus der untenstehenden Grafik ersichtlich, spielen die Medien eine bedeutende Rolle im Leben der Jugendlichen. Fast jeder besitzt ein eigenes Handy und mehr als die Hälfte der Heranwachsenden verfügt über einen eigenen Fernseher und eine eigene Spielkonsole. Laut Züge et al. (2008, S. 181) besitzen jedoch Buben insgesamttmehr Medien als Mädchen.

Der Fernseher ist trotz neuer Medien immer noch das meist genutzte Medium. 92 % der Befragten gaben an, mehrmals pro Woche fernzusehen. Täglich oder mehrmals pro Woche wird der Computer von 71% der Befragten verwendet, wobei dieser vorwiegend als Musikstation, als Kommunikationsmedium, zum Spielen, zur Textverarbeitung und für die Schule eingesetzt wird. Daher zählen Computer- und Videospiele auch zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Jugendlichen, was nicht selten zu einem übermäßigen Konsum (exzessiver Konsum = ab zwei Stunden täglicher Spieldauer) führt (vgl. Züge et al. 2008, S. 181 f). Laut Six et al. (1995) stehen, im Gegensatz zu Kindern, Radio und andere Hörmedien in Bezug auf Verbreitung, Reichweiten und Nutzungsdauer sowie der Medienbindung bei Jugendlichen an erster Stelle (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 909).

Da die verschiedenen Medien bei den angehenden Erwachsenen schon so verbreitet sind und als etwas Alltägliches angesehen werden, nutzen sie die Heranwachsenden an jedem Ort und jederzeit, wobei sehr oft mehrere Medien gleichzeitig verwendet werden. Da die genannten Medien meist innerhalb der Peergruppe verwendet und diskutiert werden, nehmen sie eine wichtige soziale Funktion ein (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 909).

Mediennutzung
(vgl. Züge, C., Möller, I., Meixner, S. & Scheithauer, H.. 2008, S. 181)

Exzessive Nutzung von Medien und Mediengewalt

Die meisten Jugendlichen sehen fern, wenn sie sich langweilen, sie etwas Spannendes erleben möchten oder sie sich alleine fühlen (vgl. Züge et al. 2008, S. 183). „Exzessives Fernsehen wird im Zusammenhang mit aggressivem Verhalten, dem Konsum von Tabak und Alkohol, der Annahme stereotyper Geschlechterrollen sowie Übergewicht betrachtet“ (Strasburger & Donnerstein zit. nach Züge et al. 2008, S. 183). Faktoren, wie ein hoher sozialer Status der Eltern und klare Nutzungsregeln verringern die exzessive Nutzung sowohl der Kinder als auch der Eltern selbst im Vergleich zu Kindern, deren Eltern einen niedrigen Sozialstatus aufweisen oder die keine Grenze gesetzt bekommen. Weitere Faktoren, die die übermäßige Nutzung von Medien verstärken, sind Angst, Unsicherheit, Einfluss durch die Peergruppe und das Verwenden des Mediums zur Abwehr und Verdrängung von Problemen Wirklichkeitsflucht (vgl. Züge et al. 2008, S. 183).

Handynutzung

Von den 1000 befragten Jugendlichen dieser Studie haben 900 ein eigenes Handy, das zum Telefonieren, zum Verschicken von SMS und MMS dient, und zunehmend auch internetfähig ist. Vor diesem Hintergrund und einer steigenden Nutzungsdauer der Mobiltelefone lohnt es sich für die Eltern, die verschiedenen Handytarife gründlich miteinander zu vergleichen, damit sie beim Lesen der Telefonrechnung nicht ihr blaues Wunder erleben. Dabei ist es wichtig, die Gewohnheiten der eigenen Kinder so gut wie möglich zu kennen. Wer viele Kurznachrichten verschickt, braucht eine SMS-Flatrate, wer viel im Netz surft, einen günstigen Internettarif.

Sexting

Als Sexting bezeichnet man die private Verbreitung erotischen Bildmaterials des eigenen Körpers über Multimedia Messaging Services bzw. über Mobiltelefone. Durch die in fast allen Smartphones eingebauten Kameras bzw. die Internetverbindung wird es den Menschen immer leichter gemacht, erotische Fotos oder auch Nacktfotos via Handy an andere zu verschicken, wobei nach einer amerikanischen Studie der „National Campaign to Prevent Teen and Unplanned Pregnancy“ jeder fünfte Jugendliche und jeder zweite junge Erwachsene bereits „Sextings“ versendet hat, bzw. die Hälfte der Jugendlichen schon erotische Bilder erhalten hat, denn in manchen Gruppen gilt das Versenden derartiger Bilder als Freundschafts- oder Liebesbeweis. Die Forscher hatten Männer und Frauen zwischen 18 und 24 befragt, von denen sich fast die Hälfte als Anhänger vom regelmäßigem Sexting bekannten. Dabei zeigten die Testpersonen sonst kein kein risikoreicheres sexuelles Verhalten und hatten keine Anzeichen von psychologischen Problemen wie niedriges Selbstbewusstsein oder Depressionen. In einer englischen Studie wurden 2000 Erwachsene zu diesem Thema befragt, wobei sich zeigte, dass 48 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer provokante erotische Bilder, Videos oder Nachrichten verschicken. Diese besondere Art von Kommunikation für Paare macht es für sie offenbar einfacher, ihre Wünsche und Neigungenauf diesem Weg zu zeigen. Sind solche Nachrichten und Bilder erst einmal verschickt oder gar online irgendwo gespeichert, ist die Gefahr groß, dass sie irgendwann einmal missbräuchlich verwendet werden, wobei diese manchmal auch gezielt zum Mobbing eingesetzt werden, indem solche kompromittierenden Fotos öffentlich online gestellt werden.

Auswirkungen exzessiver Mediennutzung auf den Lern- und Leistungsbereich

Der Konsum von Medien kann sich sowohl positiv als auch negativ auf den Lern- und Leistungsbereich auswirken. Fernsehen zum Beispiel erhöht den aktiven Wortschatz, bestimmte Videospiele trainieren das strategische und vernetzte Denken oder die räumliche Wahrnehmung. Beim exzessiven Gebrauch von Medien kommt jedoch die Verdrängungstheorie zur Geltung. Hiermit ist gemeint, dass die Zeit die für Medien verwendet wird nicht mehr für andere Aktivitäten wie Lernen zur Verfügung steht. Es wird vermutet, dass dies eine sowohl negative Auswirkung auf den Lernerfolg als auch auf die Lese- und Schreibfertigkeit hat (vgl. Züge et al. 2008, S 188).

Definition Mediengewalt und Theorien zum Entstehen aggressiver Verhaltensweisen

Mediengewalt ist „[…]die Darstellung zielgerichteter, direkter Schädigung von Menschen durch Menschen bzw. […]“ (Merten zit. nach Züge et al. 2008, S 186) der körperliche Angriff auf Sachen. Aufgrund vieler durchgeführter Studien, könnte festgestellt werden, dass sich Gewalt in Medien aggressionsfördernd auf das Verhalten der Menschen auswirken kann (vgl. Züge et al. 2008, S. 185). Hierzu gibt es nach Züge et al. (2008, S. 186 f) vier verschiedene theoretische Ansätze:

Interpretation von Medienerfahrung

Eine äquivalente Szene in einem Film wird von Jugendlichen und Kindern sehr unterschiedlich interpretiert, da dies von ihrem kognitiven Entwicklungsstand abhängig ist. Ein Kleinkind zum Beispiel weiß noch nicht, dass die Personen im Film nicht im Fernseher sind. Mit zunehmendem Alter weiß es dies zwar, kann aber noch nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. In einer Studie von Van der Voort (1996) konnte festgestellt werden, dass Gewalt abhängig vom Genre des Films sehr unterschiedlich von Kindern wahrgenommen wird. Zum Beispiel sehen Kinder in Zeichentrickfilme kaum Gewalt, obwohl sie hier sehr oft gezeigt wird. Kunczik und Zipfel (1996) glauben, je höher die Realität des Filmes von den Zusehern eingeschätzt wird, desto gewalttätiger werden die Gewaltszenen empfunden (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 910 ff). Mediengewalt kann realitätsnah oder realitätsfern dargestellt werden und dies beeinflusst die Wahrnehmung bei den Zusehern. Kinder und Jugendliche müssen daher zwischen verschiedenen Realitäten unterscheiden. Nach Doelker (1989) gibt es drei Wirklichkeiten (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 913 f):

Mediennutzung

Medienkommunikationsmodell der “drei Wirklichkeiten”
nach Doelker (übernommen aus Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S.914)

Dieses Modell von Doelker kann die Komplexität dieses Vorgangs natürlich nicht darstellen, dennoch wird erkennbar, welchen Anforderungen Kinder und Jugendliche dadurch ausgesetzt sind (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 914): Sie müssen den Realitätsstatus von Medienprodukten ermitteln, indem sie zwischen der Direkt- und Medienrealität unterscheiden und die Relation zwischen beiden verstehen (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 914).

Das Realitätsverständnis von Kindern und Jugendlichen

Das Realitätsverständnis kann in die „Faktizität“ und in den „sozialen Realismus“ untergliedert werden. Die Faktizität stellt die Frage, ob der Zuschauer glaubt, dass die Ereignisse auf dem Bildschirm in der Direktrealität passiert sind. Das korrekte Verständnis von Faktizität ist von der Entwicklung und dem Lebensalter des Individuums abhängig. Sie ist somit von der kognitiven Entwicklung und nicht von der Fernseherfahrung abhängig. Der soziale Realismus behandelt die Frage, inwieweit die Ereignisse im Fernsehen, dem realen Leben ähneln. Der soziale Realismus ist im Gegensatz zur Faktizität nicht von der kognitiven Entwicklung jedoch aber von der Fernseherfahrung abhängig. Kinder, die eine hohe Fernseherfahrung haben, halten Fernsehen für realistischer und denken, dass diese Informationen auch für die Direktrealität nützlich sind (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S.914 - 915).

Handlungsmöglichkeiten für Eltern und Erzieher

Grundsätzlich kann der Schutz vor Medieninhalten, welche die Entwicklung der Kinder gefährden durch zwei Bereiche vollzogen werden. Der passive Schutz besteht in der gesetzlichen Verankerung wie der Kennzeichnungspflicht von Filmen und Spielprogrammen sowie dem Kinder- und Jugendschutz (vgl. Züge et al. 2008, S.188). Die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) hat die Aufgabe der Kennzeichnung von Filmen durch 5 Stufen. Stufe 1 ist jenes Filmmaterial, das ohne Altersbeschränkung freigegeben ist. Stufe 2 ist gekennzeichnet durch eine Freigabe ab sechs Jahren. Stufe 3 erlangt die Freigabe ab zwölf Jahren, Stufe 4 ab 16 Jahren und Stufe 5 erlangt keine Jugendfreigabe von Filmmaterial (vgl. Züge et al. 2008, S. 188f). Diese 5 Stufen sind für Eltern und Erzieher ein Richtmaß zur Orientierung und verhindern den Erwerb solchen Materials von Kindern, die diese Altersbeschränkung noch nicht erfüllen. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass Stufe 1 keine Gewaltszenen vorweist und für jeden völlig unbedenklich wäre. Speziell deshalb nicht, da jedes Kind individuell auf Medieninhalte reagiert, ist eine Kontrolle von Seiten der Eltern und Erzieher daher trotzdem notwendig (vgl. Züge et al. 2008, S. 188f). Der passive Schutz kann weiters dadurch erlangt werden, dass die Zugänglichkeit zu solchen Programmen für Kinder beschränkt wird. Eine gesetzliche Regelung, gewalthaltiges Filmmaterial nicht vor 22:00 Uhr zu senden, kann diese Beschränkung ermöglichen (vgl. Züge et al. 2008, S. 189).

Der passive Schutz kann jedoch nur als Unterstützung für den aktiven Schutz wirken, den vor allem Eltern und Erzieher ausüben sollten. Gerade diese Bezugspersonen können viel für eine positive Medienerziehung von Kindern und Jugendlichen beitragen. Im Folgenden werden 3 Regeln aufgezeigt, die Eltern beim aktiven Schutz unterstützen können (vgl. Züge et al. 2008, S. 189):

Die Bundeszentrale für politische Bildung in Deutschland gibt Eltern auf Grund der Ergebnisse von Forschungen folgende knappen Hinweise zum Medienkonsum von Grundschulkindern:

Quelle: http://www.bpb.de/lernen/unterrichten/medienpaedagogik/71044/gewalt (12-02-11)

Erziehung zur Medienkompetenz

Der Erwerb von Medienkompetenzen ist für Kinder und Jugendliche eine bedeutsame Entwicklungsaufgabe. Zum einen sind Kinder und Jugendliche den Medien nicht ausgesetzt, sondern interessiert daran, sich diese anzueignen und dadurch auch mehr Wissen und Erfahrungen zu sammeln und andererseits wird der kompetente Umgang mit den Medien in der heutigen Berufs- und Arbeitswelt erwartet. Die Bedeutung der Medienkompetenz in der heutigen Zeit wird dadurch ersichtlich. Daher ist es auch notwendig, den Kindern und Jugendlichen den verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu ermöglichen und zu erlernen und den Umgang mit Medien als eigenständige Entwicklungsaufgabe zu betrachten (vgl. Hoppe-Graff & Hye-On 2002, S. 911, 920).

Baacke (1997) untergliedert den erfolgreichen Erwerb der Medienkompetenz in vier Dimensionen: Die erste Dimension ist das Erlangen der Fähigkeit zu einer medienkritischen Haltung. Die zweite Dimension beschreibt das Wissen über heutige Medien, die dritte Dimension beinhaltet die Fähigkeit der bewussten Mediennutzung und die vierte Dimension äußert sich in der bewussten Mediengestaltung (vgl. Züge et al. 2008, S. 190). Die Medienkompetenz wird heute bereits als wichtige Schlüsselqualifikation betrachtet und erlangt in der Ausbildung immer mehr an Bedeutung (vgl. Züge et al. 2008, S. 190).

Schlussfolgerungen des Einflusses von Medien auf Heranwachsende

Die modernen Medien sind ein Teil unseres Lebens geworden. Sowohl in Bezug auf den Sozialisationsprozess als auch in Bezug der Anforderungen der Berufswelt auf das Individuum. Es ist daher notwendig, nicht nur die Vor- oder Nachteile der modernen Medien zu betrachten sondern diese bewusst und sinnvoll in den Entwicklungsprozess der Kinder zu integrieren. Deshalb sind gerade Eltern und Erzieher gefordert, die Kinder und Jugendlichen nicht von den modernen Medien fern zu halten, sondern ihnen vielmehr bei der kritischen Betrachtung der Medien zu helfen und sie so für einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit den Medien zu sensibilisieren.

 

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