Die Wissenschaft Psychologie

Wenn man von der durchaus nicht trivialen Begriffsbestimmung der Psychologie absieht, daß diese dadurch definiert sei, was PsychologInnen eben so tun, versteht man allgemein darunter jene Wissenschaft, die sich mit dem Erleben und Verhalten von Lebewesen, insbesondere von Menschen, beschäftigt. Vom "Alltag" psychologischer Tätigkeit - und zwar nicht nur vom wissenschaftlichen sondern auch praktischen psychologischen Handeln - ausgehend kann man vier zentrale Tätigkeitsfelder unterscheiden: Beschreiben, Erklären, Vorhersagen und Verändern.

Lexikon zur Psychologie
Classics in the History of Psychology
einführung in die psychologie Videos: Einführung in die Psychologie

Psychologie ist die Wissenschaft vom geistigen Leben
William James

Aus dem Nachdenken und Spekulieren über die Natur des Menschen, seine Erkenntnisfähigkeit, seine Gefühle und die Beweggründe seines Handelns entwickelte sich die moderne Psychologie mit ihren heute vorwiegend naturwissenschaftlich geprägten Methoden. Die Psychologie hat eine lange Vergangenheit, aber nur eine kurze Geschichte, schrieb schon 1908 der Gedächtnisforscher Hermann Ebbinghaus, denn seit Jahrtausenden beschäftigen sich die Menschen mit den Geheimnissen der Seele, weshalb die Wurzeln der Psychologie weit in die vorchristliche Zeit hinabreichen. Wissenschaftlich im Sinne empirischer,d.h. methodisch überprüfbarer Forschung, wird Psychologie jedoch erst seit dem 19. Jahrhundert betrieben, also seit jener Zeit, in der sich die Naturwissenschaften zu emanzipieren begannen und gegenüber den Geisteswissenschaften und Religion die Deutungshoheit über Mensch und Welt beanspruchten. Was vorher in die Zuständigkeit von Dichtern und Philosophen gefallen war, wurde nun zum Arbeitsfeld für Biologen, Physiker, Chemiker und Mediziner. Die noch junge Wissenschaft der Psychologie verstand sich selbst überwiegend als naturwissenschaftlicher Forschungszweig der Philosophie, was auch darin sichtbar wird, dass sie an den Universitäten trotz ihrer experimentellen Methoden ein Teil der philosophischen Fakultäten blieb. Daneben besteht aber bis heute eine zweite, geisteswissenschaftlich orientierte Psychologie, die sich am Verstehen statt am naturwissenschaftlichen Experiment orientierte. Dieser doppelte methodische Ansatze prägt die Psychologie bis heute und rührt vermutlich daher, dass ihre eigenständige Entwicklung genau in jener Epoche begann, in der sich Geistes- und Naturwissenschaften voneinander trennten. Innerhalb der Psychologie kommt es dabei immer wieder zu Phasen interessanter innerwissenschaftlichen Dispute, etwa im Zusammenhang mit der Psychoanalyse. Während sich die Psychoanalyse entfaltete, erforschten andere die Wahrnehmung und das Verhalten, das menschliche Lernen, die Intelligenz, die Kommunikation und vieles mehr. In der praktischen Anwendung fanden die verschiedenen Themen dann nicht selten wieder eklektisch zusammen und stießen auf diese Weise neue Forschungen an. Dieser Zustand prägt auch das aktuelle Bild der Psychologie. Sie ist heute eine äußerst differenzierte Wissenschaft mit einer hochentwickelten, teilweise völlig eigenständigen Fachsprache, geworden. Die gegenwärtige Psychologie ist sowohl in ihrer Grundlagenforschung als auch in ihren Anwendungsfeldern fachübergreifend orientiert, daher bedient sie sich auch zahlreicher Begriffe aus biologisch-medizinischen und sozialwissenschaftlichen Nachbargebieten.

Psychologe/Psychologin - Psychiater/in - Psychotherapeut/in - Eine Begriffsklärung

Quellen: http://www.psychotherapiesuche.de/Begriffe.htm (05-07-10)
Englbrecht, Arthur (2004). Was macht eigentlich ein Schulpsychologe?
Das Online-Familienhandbuch.
WWW: http://www.familienhandbuch.de/ (05-12-12)
http://leonie-wichmann.blogspot.com/
2010/01/prof-klenner-zu-psychologischen.html (10-01-17)
http://www.familiengutachter.de/gutachten.htm (09-11-11)
Roth, M., Schmitt, V. & Herzberg, P.Y. (2010). Psychologische Diagnostik in der Praxis - Ergebnisse einer Befragung unter BDP-Mitgliedern. Report Psychologie, 118-128.
(10-03-10)

All professions are conspiracies against the laity.
George Bernard Shaw (1856-1950),
The Doctor's Dilemma, act 1 (1911).

Die Psychologie befasst sich mit dem Erleben und Verhalten von Menschen und ist als Sozialwissenschaft historisch und systematisch zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften einzuordnen. Zu den Grundlagenfächern wie Neuropsychologie, Kognitive Psychologie, Motivationspsychologie, Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie, Allgemeine Psychologie usw. kommt auch deren Anwendung in Schule, Beruf und Gesellschaft sowie im klinischen Bereich hinzu. Von der Klinischen Psychologie (s.u.) gibt es einen gleitenden Übergang zur Psychiatrie, die sich auch dem psychisch kranken Menschen widmet, jedoch als Teilgebiet der Medizin in der Forschung, Diagnostik und Therapie in der Regel auf biologische Methoden zurückgreift.

Psychologe, Psychologin

ist stets ein/e Hochschulabsolvent/in, der/die das Fach Psychologie studiert hat. PsychologInnen beschäftigen sich damit, menschliches Erleben (z.B. Gedanken und Gefühle) und Verhalten zu beschreiben, zu erklären, vorherzusagen und zu ändern. PsychologInnenen gehen von der psychischen Seite an psychische Probleme heran. Die Berufsbezeichnung "Psychologe/Psychologin" darf nur von Personen geführt werden, die über den Abschluss eines Hochschulstudiums im Fach Psychologie verfügen. Durch das akademische Studium, das mit dem Diplom abgeschlossen wird (Diplom-Psychologe/Psychologin), erwirbt der Psychologe/die Psychologin in den verschiedenen Gebieten der Psychologie wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse und ein umfangreiches Wissen über menschliches Denken und Fühlen, Lernen und Verhalten und auch darüber, wie man menschliches Verhalten beeinflussen kann.

Praktisch tätige Psychologinnen und Psychologen verbringen nach einer Umfrage bei Mitgliedern des BDP (Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen) etwa ein Viertel ihrer Arbeitszeit mit Diagnostik, wobei die klassische Testdiagnostik eine geringere Relevanz hat und explorative Gespräche und Verhaltensbeobachtung (traditionell) im Vordergrund stehen (vgl. Roth, Schmitt, &Herzberg 2010).

Im Hauptstudium kann sich der Psychologe/die Psychologin auf die Schwerpunke Klinische Psychologie und psychologische Behandlungsmethoden spezialisieren. Dabei erarbeitet sich der/die angehende Psychologe/Psychologin umfassende Kenntnisse über die seelisch-körperliche Gesundheit und Krankheit sowie die Grundlagen der wissenschaftlichen Psychotherapie. Eine Spezialisierung ist dabei besonders häufig:

Schulpsychologe, Schulpsychologin

SchulpsychologInnen unterstützen die Zusammenarbeit aller an der Schule Beteiligten (SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen) durch die Beratung und Hilfe bei Lern- und Lehrproblemen, arbeiten in der Fortbildung von LehrerInnen und SchulleiterInnen und bei der Weiterentwicklung der Schule. Sie bieten über Beratung und Hilfe in akuten und krisenhaften Situationen, arbeiten aber auch im Bereich der Prävention. Sie besitzen häufig eine Doppelqualifikation als PsychologenInnen und LehrerInnen, sind spezialisiert für bestimmte Schularten und mit der Schulpraxis sowohl aus der Lehrerperspektive als auch aus der Schüler- und Elternperspektive vertraut.

Zentralen Arbeitsfelder sind die Beratung bei Lern- und Leistungsstörungen (z.B. bei Teilleistungsstörungen, Motivationsprobleme, Arbeitsverhalten), die Beratung bei speziellen Schullaufbahnentscheidungen (z.B. besondere Förderbedürfnisse und Begabungen) und die Beratung bei akuten Krisen (z.B. bei plötzlichem Leistungsabfall oder Schulverweigerung, Disziplinproblemen, Selbstaggression, Konflikte und Gewalt) (vgl. Englbrecht 2004).

Psychotherapeut, Psychotherapeutin

Ein/e Psychotherapeut/in übt Psychotherapie aus. Das kann ein/e Psychologe/Psychologin ("Psychologische/r Psychotherapeut/in"), oder ein/e Mediziner/in ("Ärztliche/r Psychotherapeut/in") sein - beide dürfen Kinder, Jugendliche und Erwachsene behandeln - oder ein/E Pädagoge/Pädagogin, der/die für die Therapie von Kindern und Jugendlichen ausgebildet ist (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/in).

Psychiater, Psychiaterin

Facharzt/Fachärztin für seelische Erkrankungen oder Störungen. Psychiater/innen gehen von der körperlichen Seite an psychische Probleme heran. Der/Die Psychiater/Psychiaterin hat Medizin studiert. In seinem/ihrem Studium hat er/sie sich in erster Linie mit der Funktionsweise und den Erkrankungen des menschlichen Körpers - kaum mit der Psyche des Menschen - beschäftigt und gelernt, diese Krankheiten hauptsächlich mit Medikamenten zu behandeln. Nach Abschluss des Medizinstudiums hat er/sie in medizinischen Einrichtungen eine mehrjährige Facharztausbildung zum Psychiater absolviert. In dieser Ausbildung hat er/sie spezielle Kenntnisse über Entstehung und Verlaufsformen von Krankheiten des Geistes und der Seele erworben und gelernt, diese Krankheiten zu erkennen und zu behandeln, zumeist mit Medikamenten, den so genannten Psychopharmaka.

PsychologInnen als Gutachter und Sachverständige

Eine häufige Aufgabe von PsychologInnen als Sachverständige ist es, unparteiisch und nach bestem Wissen und Gewissen ein Gutachten zu erstellen, wobei sie sich dabei auf objektive und überprüfbare Argumente gründen müssen. Da die Psychologie eine Humanwissenschaft darstellt, haben PsychologInnen bei der Ausübung ihres Berufes auch eine humanitäre Aufgabe zu erfüllen, etwa wie ein Arzt. Das bedeutet, dass sie für die Kinder und Erwachsenen, denen sie bei der Begutachtung zur Erstellung des von ihm verlangten Gutachtens begegnen, stets deren individuelles Wohl im Blick haben müssen. Sie sind also etwa nicht ausschließlich dem Auftraggeber, etwa dem Gericht verpflichtet, sondern nach wie vor ihrer eigenen Berufsethik, was letztlich für sie bedeutet, dass etwa das Gericht die Aufgabe hat, den Rechtsfrieden zu bewahren oder wiederherzustellen, die PsychologInnen aber den Seelenfrieden der am Verfahren beteiligten Kinder und Erwachsenen im Fokus behalten müssen.

Ein Beispiel für eine typische psychologische Gutachtertätigkeit ist das familienpsychologische Gutachten und findet sich auf der Site www.familiengutachter.de detailliert beschrieben. Dort heißt es: "Familienpsychologische Gutachten werden in der Regel durch das Familiengericht angeordnet. Hintergrund ist ein laufendes Verfahren, in dem in der Regel um die elterliche Sorge oder um den Umgang mit einem minderjährigen Kind gestritten wird. Der Familienrichter beauftragt zur Vorbereitung seiner Entscheidung eine Fachkraft mit der Erstellung eines Gutachtens. Dabei wird in der Regel ein Dipl.-Psychologe als Sachverständiger bestellt. Der Richter ist in seiner Auswahl des Sachverständigen frei, es muss nicht ein Psychologe aus der Region beauftragt werden. (…) Bei der familienpsychologischen Begutachtung sind fachliche Kompetenzen erforderlich, über die in der Regel nur ein Dipl.-Psychologe verfügt. Häufig kommen psychologische Testverfahren und weitere Diagnostik zur Anwendung. (…) Der psychologische Gutachter sollte zusätzlich als Psychologischer Psychotherapeut approbiert sein und über mehrjährige klinische Erfahrung in der Arbeit mit Familien verfügen. (…) Der Sachverständige wird vom Familiengericht mit einer bestimmten Fragestellung beauftragt. Diese Fragestellung wird vom Familiengericht in einem entsprechenden Beschluss festgelegt. Der Sachverständige ist, im Rahmen einer allgemeinen Überwachungsfunktion des Familienrichters, in seinem methodischen Vorgehen eigenständig. Er ist neutral und nicht an Weisungen gebunden. Der Sachverständige wird so vorgehen, dass er alle wichtigen Beteiligten (in der Regel die Elternteile, das betroffene Kind, seine Geschwister und weitere Bezugspersonen) ausführlich befragt und deren Beziehungen und Lebensverhältnisse unter der jeweiligen Fragestellung erkundet. Grundsatz ist hier, dass die Beteiligten ausreichend Gelegenheit bekommen, ihre jeweilige Sichtweise darzustellen und die Ergebnisse vom Sachverständigen gewürdigt werden. In der Ausgestaltung seiner Meinung und der abschließenden Empfehlung ist der Sachverständige eigenständig."

Telekolleg Psychologie (1) - Was ist Psychologie?

 

 

 

Alltagspsychologie vs wissenschaftliche Psychologie

Es ist wohl hier relativ wenig ergiebig, eine Differenz zwischen psychologischem Alltagswissen und wissenschaftlich-psychologischem Wissen zu konstruieren, ohne dabei eine generelle Überlegenheit des letzteren über das erstere zu postulieren. Es ist schließlich auch für den Experten schwierig, beide vollkommen voneinander zu trennen, zumal ein solches Unterfangen über die Zwecke spezifischer Fragestellungen hinaus bis heute wenig erfolgreich war und wohl aus prinzipiellen Gründen auch in Hinkunft zum Scheitern verurteilt sein dürfte. Schließlich können wissenschaftliche Erkenntnisse in der Psychologie in vielen ihrer Fachbereiche als als mehr oder minder methodisch kontrollierte Stilisierungen alltäglicher Wissensbestände gelten.

Wie jede Wissenschaft nimmt auch die Psychologie ihren Ausgang bei der Einführung von Elementaraussagen und landet bei einer Differenzierung unterschiedlicher Wahrheitsbegriffe bzw. mehr oder minder plausiblen Wissensidealen. Konsequenterweise sollte man daher bei der Psychologie für eine Gleichberechtigung unterschiedlichster Formen der psychologischen Erklärung eintreten, auch wenn hier in den Arbeitsblättern eher dem deduktiv-nomologischen und induktiv-statistischen Erklärungsmodell gefolgt wird. Ohne eine solche wissenschaftstheoretische Verankerung würde eine Auseinandersetzung mit Psychologie in den Verdacht der bloßen Beliebigkeit geraten, wobei die Wahl eines psychologischen Erklärungsmodells natürlich immer in Abhängigkeit von der jeweils zu bearbeitenden psychologischen Fragestellung argumentiert werden muss.

Siehe dazu Psychologische Messung als Modellbildung und die Grundlagen der wissenschaftlichen Psychologie PsychologieGrundlagen.

Psychologie in den Medien

Literatur
Abele, Andrea (1990). Psychologie in den Medien – Anmerkungen zu einem diffizilen Thema. Psychologische Rundschau, 37 – 45.

Psychologie ist seit Bestand der Medienverbreitung ein tief in der Gesellschaft verankertes Thema. Der Schwerpunkt hierbei wird auf die Gesellschaft gelegt, da die wissenschaftliche Botschaft an jedes Individuum herangetragen wird, sei es in Zeitungen, Journalen, TV oder Radio. Fachgerechte psychologische Forschung wird dabei immer wesentlicher und stellt einen essentiell markanten Punkt dar, welchen Wissenschaftler und Journalisten gerne einander zuweisen und welcher darüber hinaus die Schwierigkeit der Behandlung des Sachverhalts aufweist. Diese aufgeworfene Diskrepanz zwischen Forschung und Mediendarstellung spiegelt sich in der Berichterstattung und im Medienimage wieder.

Siehe dazu um Detail Psychologie in den Medien – Anmerkungen zu einem diffizilen Thema

   
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