Ideenfindung durch Kreativitätstechniken

Ob beruflich oder privat - man steht immer wieder vor komplexen Problem- oder Fragestellungen, die man nun dann effektiv und kreativ lösen kann, wenn man in der Lage ist, das Problem auf verschiedene Arten anzugehen. Verschiedene Sichtweisen führen zu unterschiedlichen Lösungsansätzen. Probleme und Fragestellungen können sehr komplex sein. Um diese Komplexität zu erfassen, müssen wir das Problem von möglichst vielen Seiten beleuchten. Oft fällt es aber schwer, eine Sichtweise oder eine einmal eingenommene Position loszulassen. Dann halten Menschen in der Regel zu sehr am Vertrauten fest und stehen sich damit selbst im Weg. Die Fähigkeit zu einem schnellen, flexiblen Umdenken und das Vermögen verschiedene Standpunkte sehen zu können, sind in Diskussionen, Problemlösungs- oder auch Entscheidungsprozessen hilfreich. Eine solche Denkweise wird der Komplexität von Prozessen oder Problemen gerecht und eröffnet vollkommen neue Lösungswege und damit Möglichkeiten.

Kreativitätstechniken sind Methoden zur gezielten Erzeugung neuer Ideen zum Zweck einer Problemlösung. Insbesondere im Bereich der Wirtschaft wird der Begriff benutzt, etwa im Rahmen von Innovations-Workshops oder Innovations-Projekten. Häufig wird auch die Bezeichnung "Ideenfindung“ benutzt, der Schwerpunkt liegt hier aber oft auf dem Generieren von neuen Ideen als im Suchen bzw. Finden von schon vorhandenen Lösungswegen. Im Gegensatz zum eher zufälligen "Geistes-" oder "Gedankenblitz“ versteht man unter Ideenfindung das gezielte Erzeugen von Ideen zu einem festgelegten Zeitpunkt. Für die Ideenfindung wurden zahlreiche Methoden entwickelt. Diese Methoden besitzen meist keine festen Algorithmen, die zu einem "richtigen“ Ergebnis führen sondern es handelt sich um Heuristiken, also Verfahrensschritte, die sich in der Praxis oft als zielführend erwiesen haben.

Siehe auch Mindmapping und Clustering


Neben Brainstorming - 1953 von Alex F. Osborn in den USA entwickelt - gibt es zahlreiche Methoden der Ideeenfindung zu einem vorgegebenen Thema Ideen oder zum Finden von Lösungsmöglichkeiten. Von Osborn stammt auch die allgemein nach ihm benannte

Die Osborn-Methode

Für diese Methode entwarf er einen Fragenkatalog zur Problemanalyse, der sowohl im Berufs- als auch im Privatleben eingesetzt werden kann und neun Fragenkomplexe umfaßt:

Satzergänzung und Schreibkonferenz

Diese Methoden sind zur Sensibilisierung oder zur Einführung für Arbeitsgruppen bei einer Projekt- oder Gruppenarbeit aber auch für den Einstieg in eine Plenumsdiskussion geeignet. Die Satzanfänge bzw. Schreibaufträge können sich sowohl auf fachliche Anwendungsbereiche als auch auf Ziele, Abläufe oder Strukturierungsanliegen beziehen, sind also vom jeweiligen Zweck abhängig. Im Hinblick auf das Problem findet so eine Sammlung von subjektiven Aussagen oder auch nur eine subjektive Einstimmung auf ein Thema statt.

Die Satzanfänge beginnen alle mit "Ich …" und werden von den ModeratorInnen formuliert und schriftlich an alle TeilnehmerInnen verteilt. Jede/r TeilnehmerIn arbeitet individuell für sich alleine.

In einer Schreibkonferenz werden große Plakatbögen mit Filzschreibern auf Tischen ausgelegt, auf denen die TeilnehmerInnen ohne miteinander zu diskutieren ihre Statements zu dem jeweiligen Problem aufschreiben. Auch wenn Sie nicht miteinander reden sollen, so können sie schriftlich auf die Statements der anderen eingehen.

Beispiel für Aufgaben aus einer Schreibkonferenz zum Thema "Schulentwicklung - Neue Medien": 

Schreiben Sie bitte ihre gefühlsmäßigen Stimmungen oder auch schon länger überlegte und reflektierte Einsichten zum gesellschaftlichen, technischen, pädagogischen und medialen Hintergrund der "Neuen Medien" in Form von persönlich formulierten Sätzen auf. Die Sätze sollten beginnen mit:

Beim Schreiben soll nicht miteinander gesprochen werden. Schreibend kann jedoch auf die Stimmungen und Meinungen der anderen eingegangen werden.

Die Umkehr-Methode

Bei der Umkehr-Methode werden die Probleme auf den Kopf gestellt. Etwa statt sich z.B. zu fragen, wie die Produktion gesteigert werden kann, denkt man darüber nach, wie der Absatz verringert werden kann. Damit soll das Denken aus dem jeweilig üblichen Blickwinkel gerückt werden und zu neuen Perspektivengelangt werden. Man formuliert das Problem in sein Gegenteil und versucht etwa mit Hilfe eines Brainstormings Lösungsvorschläge zu finden. Danach kehrt man diese Ideen wieder in ihr Gegenteil und analysiert die Umsetzbarkeit für das eigentliche Problem. Die Umkehrmethode macht den Kopf freiund ist auch mit Gruppen erfolgreich. Zum Beispiel kann man sich überlegen, wie man ein Unternehmen in drei Monaten in den Ruin treiben und durch Marketingmaßnahmen auch noch den allerletzten treuen Zulieferer und Kunden verprellen kann. Was kann jeder persönlich dazu beitragen, die Situation noch zu verschlimmern? Durch diese Methode wir der Druck, eine gute Idee zu produzieren, plötzlich entschärft. Es wird eine destruktive Lust aktiviert, wobei die Vorschläge manchmal zynisch werden, hemmungslos und für Heiterkeit sorgen. Alllerding sollte die Lust am Untergangsszenario nicht überstrapaziert werden, sondern sollte gemeinsam anschließend überleent, wie man gute Strategien daraus ableiten kann. Diese Methode ist auch bekannt unter dem Namen

Flip-Flop-Technik

Für sie braucht man eine Tafel oder Papier mit zwei breiten Spalten außen und einer schmalen in der Mitte. Diese Technik eignet sich für Aufgaben, Fragen oder Situationen, für die es bisher keine befriedigende Lösungen gab. Man kann diese Methode oder allein anwenden. Dabei sollte man immer das Gegenteil dessen formulieren, was man erreichen möchte, z.B. „Was muss ich tun, damit meine Noten schlechter werden?“ In der linken Spalte werden alle Ideen zu dieser Frage gesammelt, z. B. „lange Computer spielen“. Anschließend werden die einzelnen Vorschläge mit „Ist“ (Tue ich das schon?) oder „Soll“ (Das will ich künftig tun) bewertet. „Ist“-Punkte sollten sofort verändert werden, um das eigentliche Ziel zu erreichen. Die mit „Soll“ markierten Punkte, wie z.B. „oft in Urlaub fahren“, umkehren („nicht fahren und stattdessen lernen“), in die rechte Spalte schreiben und befolgen.

Die Kuchen-Methode

Auf der Suche nach einer Lösung für ein Problem oder auch nach einer Idee kann man mit der Kuchen-Methode versuchen, diese Blockade zu lösen.

Siehe dazu das "Alternative" Know-How für Diplomarbeiten

Die Walt-Disney-Methode

ist benannt nach dem bekannten amerikanische Erfinder der Mickey Mouse und Filmproduzenten, der erst nach großem Zaudern wagte, einen 90-Minuten-Film zu drehen. Es geht bei dieser Methode darum, die widerstreitenden Stimmen in einer Person räumlich und zeitlich zu trennen, um aus normalen Denktunneln und -fahrstraßen herauszukommen. Die Walt-Disney-Strategie ist eine Methode zur Persönlichkeitsentwicklung und unterstützt sowohl Einzelpersonen als auch Teams darin, die Träumer, Realisten und Kritiker in sich gezielt und konstruktiv zu nutzen. Viele Menschen haben im Alltag Träume und Visionen, setzen diese aber nicht um. Andere sind harte Realisten, planen konsequent und gut, aber es fehlt ihnen an Kreativität, um neue Wege einzuschlagen. Andere wieder sind gute Kritiker, wissen warum etwas gehen könnte oder wie ein Problem angegangen werden sollte, tun es aber nicht. Die Methode funktioniert durch das Verwenden drei eigener Fähigkeiten, denn anstatt ein berufliches Projekt, einen Karriereschritt oder ein Problem nur anzupacken, wird das Vorhaben zuerst aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchtet: aus der des Träumers, jener des Planers und der des Kritikers. Jeder Mensch trägt diese drei Grundfähigkeiten in sich und erst durch diese Methode können alle drei zu Wort kommen und die Vorteile jeder Perspektive werden genutzt

Dazu verwendet man drei Stühle, die symbolhaft für den Träumer, den Planer bzw. Realisten und den Kritiker bzw. Bedenkenträger stehen. Der Träumer entwickelt Ideen, Ziele und Visionen. Dabei lässt er der Fantasie freien Lauf und kümmert sich nicht um mögliche Einschränkungen. Der Realist liefert praxisbezogene Vorschläge für die Umsetzung der Träume. Er erstellt einen konkreten Plan mit Einzelschritten, die es zur Erreichung des Ziels braucht. Er entscheidet, was möglich ist und was nicht. Der Kritiker betrachtet nüchtern die Idee und hinterfragt einzelne Schritte aus einer gewissen Distanz. Wenn an der Grundausrichtung etwas nicht stimmt, muss der Träumer nochmals nachdenken. Wenn einzelne Schritte des Plans unzureichend durchdacht sind, ist erneut der Realist gefragt.

Bevor die Methode konkret angewendet werden kann, ist eine klare Sicht der aktuellen Situation und eine gute Zielarbeit notwendig: Vom Ist-Zustand ausgehend, wird ein konkretes Ziel gesetzt und erst dann schlüpft man in die Rolle des Träumers. Hier ist alles erlaubt: Man darf phantasieren, träumen und Visionen haben, wie es aussehen könnte, wenn das angestrebte Ziel erreicht wird. Dazu sollte man es sich auf einer Couch oder einem Sessel bequem machen. Wer darauf Platz genommen hat, sollte seinen Traum vollständig beschreiben und konkret an seinem Traumbild arbeiten. Etwa die Angestellte, die von einem Berufswechsel und einem eigenen Laden träumt. Schließlich setzt sich die Ratsuchende auf Stuhl zwei und überlegt konkrete Schritte, skizziert einen konkreten Ablaufplan für sein Vorgehen. Nun ist Tatkraft angesagt, denn in dieser Perspektive sollte geplant werden, was zur Umsetzung des Traums gebraucht wird. Die zeitliche Abfolge, die finanzielle Gestaltung, welche Ressourcen man dazu benötigt, wobei die gesamte Planarbeit schriftlich oder grafisch zu Papier gebracht werden sollte. Erst in einem dritten Schritt kommt der Kritiker zu Wort. Auf Stuhl Nummer drei wird im genannten Beispiel überlegt: Was könnte dabei schiefgehen? Wenn ich scheitere, wer stellt mich dann noch ein? Wichtig dabei ist, dass es konstruktive Kritik ist, nicht destruktives Dagegenreden. In dieser Rolle wird der Plan kontrolliert, ob die zu Papier gebrachten Punkte das Erreichen des Zieles tatsächlich möglich machen. Der Kritiker in sich kann Vorschläge zur Änderung oder Ergänzung des Planes bringen.

Wie lange eine solche Ein-Personen-Strategie-Sitzung dauert, kommt sehr auf das Projekt an und wie viel kritische und wichtige Ergänzungen in den Plan eingearbeitet werden müssen. Diese Methode kann man alleine anwenden, aber manchmal ist auch die Hilfe eines Coaches angebracht.

 

Die Morphologische Matrix

Das Problem wird in kleinere Einheiten aufgespalten und so analysiert. Dann wird für jedes Teilproblem eine Teillösung entwickelt wird, alle Teillösungen werden schließlich zu einer Gesamtlösung kombiniert.

Wie bei allem Methoden benennen man zunächst das Problem und unterteilt es in Unterprobleme. Dafür schreibt man die Eigenschaften dieser Einheiten auf die linke Seite eines Blatt Papiers und erstellen auf der rechten Seite ein Raster, in das die entsprechenden Merkmale eingetragen werden. Ein Beispiel (Kolb & Miltner 1998):

Ein neues Telefon soll entwickelt werden. Wie könnte es aussehen? Analysieren Sie die möglichen Eigenschaften eines Telefons, und tragen Sie sie in die linke Spalte ein. Jetzt schreiben Sie zu jeder Eigenschaft auf, was Ihnen dazu einfällt. So erhalten Sie - übersichtlich in ein Raster strukturiert - eine Fülle von Lösungsmöglichkeiten.

Eigenschaft

Lösungen

Material

Holz Plastik Keramik Bimsstein

Farbe

weiß braun rot bunt

Form

Tischstation Wandstation Handy Kombination

Motiv

klassisch Disney-Figur Uhr Kugelschreiber

Signal

Klingel Summer Gong Lichtzeichen

Gewicht

schwer mittel leicht superleicht

Kabel

Spiralkabel mit Einzug ohne Kabel

Wählvorrichtung

Scheibe Drucktasten Sensoren Spracheingaben

Funktion

Sprechen Datenübertragung Bildübertragung

Die Reizworttechnik

Bei dieser Methode werden wie bei der Umkehrmethoden Dinge miteinander verbunden, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.

Nach der Problemformulierung schlägt man ein Lexikon auf einer beliebigen Seite auf und wählt spontan einen Begriff - das Reizwort. Zuerst schreibt man alle Eigenschaften auf, die man mit diesem Reizwort verbindet, danach ordnet man sie dann dem Problem zu.

Das 6-Hut-Denken nach Edward de Bono

Das 6-Hut-Denken ist ein Instrument, das es ermöglicht, systematisch unterschiedliche Positionen zu einer Frage einzunehmen und so verschiedene Denkansätze durchzuspielen. Auf diese Weise erhältt man sehr viel mehr Problemlösungen oder Ideen, als wenn man nur auf einem Standpunkt beharrt.

Die Methode kann von einer Person allein oder innerhalb von Gruppen eingesetzt werden. Sie ist schnell zu erlernen und ohne materiellen oder organisatorischen Aufwand durchzuführen.

Das 6-Hut-Denken fördert das flexible Umdenken. Das flexible Umdenken ist eine Fähigkeit, die wir erlernen und trainieren können. Was uns anfangs noch so schwer erscheint, wird dann immer mehr zur Gewohnheit. Die Methode beruht auf folgendem Modell:

Jedem von uns stehen verschiedene "Hüte" zur Verfügung, die symbolhaft für eine bestimmte Denkrichtung stehen (z.B. kritisch, kreativ, neutral, usw). Diese Hüte können wir nach Belieben und Bedarf aufsetzten und somit unsere jeweilige Denk- und Sichtweise verändern. 

Die Hüte haben verschiedene Farben, welche die jeweilige Einstellung symbolisieren, die man mit dem entsprechenden Hut bekommt. Insgesamt stehen sechs verschiedene Hüte zur Verfügung. Damit ist die Zahl der verschiedenen Möglichkeiten übersichtlich und trotzdem vielseitig genug. Wenn man sich nun einem Problem oder einer Fragestellung gegenübersiehst, kann man systematisch alle sechs Hüte aufsetzen und seine Erkenntnisse zu der jeweiligen Denkrichtung aufschreiben. Damit erhält man ein sehr umfassendes Bild von dem Problem. Folgende sechs Hüte sind dafür vorgesehen:

Der weiße Hut: Objektivität und Neutralität

Der weiße Hut steht dafür, Informationen zu sammeln, ohne sie zu werten. Wer den weißen Hut aufsetzt, ist einem Computer ähnlich: nun zählen nur die nackten Fakten und Zahlen. Versuche mit dem weißen Hut auf dem Kopf dich konsequent freizumachen von allen Emotionen oder Urteilen - keine Angst, du musst deine Gefühle ja nicht für immer wegschieben, denn mit einem anderen Hut kannst du alle eine Gefühle rauslassen! Der Träger des weißen Huts verschafft sich einen objektiven Überblick über alle verfügbaren Daten und Informationen - vollkommen unabhängig von der persönlichen Meinung. Dieser Hut wird häufig zu Beginn einer Diskussion oder eines Prozesses aufgesetzt, um einen ersten Überblick zu erhalten.

Der rote Hut: das ganz subjektive Empfinden, die persönliche Meinung

Ganz im Gegensatz zum weißen Hut steht der rote Hut nun für Emotionen. Lasse alle Gefühle zu, die in dir sind. Gemeint sind sowohl positive als auch negative Gefühle, wie z.B. Ängste, Freude, Zweifel, Hoffnungen, Frustration oder was auch immer. Zusätzlich geht es hier aber auch um "allgemeinere" Ansätze, wie z.B. Intuition. Lasse mit dem roten Hut immer deinen Bauch sprechen, nicht den Kopf. Als Träger des roten Hutes kannst du alles äußern, was du in dir fühlst, unabhängig davon, wie klar du es artikulieren kannst oder ob die anderen in der Gruppe etwas damit anfangen können. Alles Diffuse, alles Gefühlsmäßige kann mit dem roten Hut ausgesprochen werden, ohne daß du dich rechtfertigen musst.

Der schwarze Hut: objektiv negative Aspekte

Beim schwarzen Hut geht es darum, die objektiv negativen Aspekte des Problems oder der Fragestellung zu finden. Dazu gehören Bedenken, Zweifel, Risiken, u.ä. - also alle sachlichen Argumente, die gegen ein Projekt bzw. eine Entscheidung sprechen oder die eine Fragestellung verneinen. Wer den schwarzen Hut aufsetzt, strebt an, objektiv (!) alle negativen Aspekte eines Themas herauszufinden, z.B.: "Gegen dieses Projekt spricht...", "Die objektiv erkennbaren Gefahren unseres Vorhabens sind..." usw. Bringe hier aber bitte wirklich nur objektive Bedenken an und nicht deine persönlichen negativen Gefühle &endash; diese werden mit dem roten Hut geäußert.

Der gelbe Hut: objektiv positive Aspekte

Der gelbe Hut steht für das Gegenteil des schwarzen Huts: Hier geht es darum, das objektiv Positive zu entdecken. Wer den gelben Hut aufsetzt, hat die Aufgabe, Chancen oder Pluspunkte zu finden, aber auch realistische Hoffnungen und erstrebenswerte Ziele zu formulieren. Auch hier geht es wieder darum, die positiven Aspekte aus einer möglichst objektiven Sicht zu erkennen und nicht aus einer Gefühlsstimmung heraus (so gehört z.B. Euphorie zum roten Hut). Hier geht es auch noch nicht darum, Ideen zu entwickeln (grüner Hut), sondern um das Erkennen aller Aspekte, die für ein Projekt, eine Entscheidung oder eine Idee sprechen.

Der grüne Hut: hin zu neuen Ideen

Dieser Hut steht für die Kreativität, für Wachstum und für neue Ideen. Wer diesen Hut trägt, begibt sich auf die Suche nach Alternativen. Der grüne Hut befähigt, über das hinauszudenken, was bereits getan wird oder angedacht ist. Mit dem grünen Hut kannst du Kreativitätstechniken einsetzen oder auch das Mittel der Provokation nutzen, um andere zum Widerspruch zu reizen. Träger des grünen Huts dürfen alles formulieren, was zu neuen Ideen und Ansätzen führt, unabhängig davon, wie verrückt oder unrealistisch die Ideen sind. Mit dem grünen Hut auf dem Kopf sind kritische Bemerkungen untersagt (dafür steht der schwarze Hut).

Der blaue Hut: Dirigent sein

Der blaue Hut steht für Kontrolle und für die Organisation des gesamten Denkprozesses. Wer den blauen Hut trägt, begibt sich auf die sogenannte Meta-Ebene, blickt also von einem übergeordneten Punkt auf den gesamten Prozeß und erlangt so einen Überblick. Die Aufgaben des Trägers des blauen Hut bestehen z.B. daraus, die Ergebnisse zusammenzufassen oder Entscheidungen darüber treffen, welche Hüte im weiteren Prozeß überhaupt oder noch einmal aufgesetzt werden müssen. Oft wird dieser Hut am Ende einer Sitzung aufgesetzt. Es bietet sich aber auch an, daß eine Person den blauen Hut über den ganzen Prozeß hinweg aufbehält und somit Moderator in der Besprechung, Diskussion oder Problemlösung ist.

In einer letzten Phase können die Hüte dann auch ganz gezielt aufgesetzt werden, z.B. setzen alle Teammitglieder den grünen Hut auf, damit so viele Ideen wie möglich gesammelt werden. Die Ideen können dann mit dem gelben und schwarzen Hut "geprüft" werden. Der blaue Hut würde dann eingesetzt werden, um aus den Ideen konkrete Ziele und Maßnahmen festzulegen.

Siehe auch Edward de Bono - The intelligence trap

Weil wir schon bei Farben sind …

Blau fördert angeblich die Kreativität: Ravi Mehta und Rui Zhu (Universität British Columbia, Vancouver) ließen in einer Studie 600 Freiwillige verschiedene Aufgaben an einem Computerbildschirm lösen. Einmal war dessen Hintergrund blau, einmal rot oder auch weiß. Roter Hintergrund verbesserte dabei die Leistung bei einer Detailaufgabe wie Korrekturlesen, blaue Farbe jedoch steigerte die Kreativität. Eine mögliche Erklärung ist, dass Menschen mit der roten Farbe Warnsignale assoziieren, etwa eine Ampel, und daher lässt Rot stärker auf Details achten. Mit Blau verbindet man eher den Himmel oder Wasser - im übertragenen Sinne also Freiheit und Offenheit. Und solche Gedanken fördern die Kreativität. Dieses Forschungsergebnis deckt sich übrigens mikt einer Studie, in der nachgewiesen wurde, dass Rotstifte Lehrer strenger machen. Siehe dazu Rotstifte machen Lehrer strenger

Literatur & Quellen

De Bono, Edward (1990). Six Thinking Hats. London: Penguin.

Buzan, Tony (1993). Kopftraining - Anleitung zum kreativen Denken. Tests und Übungen. Mosaik Verlag.

Kolb, Klaus & Miltner, Frank (1998). Kreativität - frei für neue Ideen und Lösungen. Die besten Methoden für Alltag und Beruf. Graefe & Unzer.

Osborn, Alex F. (1953). Applied imagination. New York: Scribner.

Scholles, Frank (2000). Brainstorming.
WWW: http://www.laum.uni-hannover.de/ilr/lehre/Ptm/Ptm_KreaBrain.htm (00-05-09)

http://www.schule.suedtirol.it/blikk/angebote/schulegestalten/medio.htm (05-09-05)

http://paedpsych.jku.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/LEHRTECHNIKORD/SechHut.html (01-03-03)

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