[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Kurioses zum Thema Schlaf

Wer zu spät ins Bett geht und früh heraus muss,
weiß, woher das Wort Morgengrauen kommt.
Robert Lembke

Wenn der Fuß oder der Arm eingeschlafen sind

Wenn man z.B.im Schneidersitz sitzt, wird der Nerv abgeklemmt, der dem Gehirn mitteilt, dass man einen Fuß besitzt. Diese Information kommt dabei für eine bestimmte Zeit nicht an, und dein Gehirn speichert nur die Mitteilung: "Es gibt keinen Fuß", was natürlich eine Fehlermeldung ist. Dann fängt es an zu Kribbeln, was ein Zeichen für den gestörten nervösen Informationsaustausch zwischen Fuß und Gehirn darstellt. Liegt man im Schlaf auf seinem Arm, stellt sich manchmal eine ähnliche Wirkung ein, denn dann wird die Blutzufuhr in den Adern des Arms abgeklemmt. Verändert man dann seine Lage, kann das Blut wieder zirkulieren.

Wie man schläft so liebt man …

In einer Tageszeitag fanden sich unter dem Titel "Zeig mir, wie du schläfst, und ich weiß, wie du liebst" einige Erkenntnisse, was die Schlafposition von Menschen über ihre Charaktere aussagen:

Quelle: OÖnachrichten vom 31.07.2008


Bettposition im Schlafzimmer evolutionär bedingt?

Im Durchschnitt wacht ein Mensch in einer Nacht etwa 25 Mal auf, und zwar so kurz, dass er sich in der Regel am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern kann. Diese Unterbrechungen sind vermutlich evolutionär bedingt, denn als sich die Menschen nächtens in Höhlen gegen wilde Tiere oder andere Höhlenmenschen verteidigen mussten, war das häufige kurze Aufwachen während der Nacht überlebensnotwendig.
Untersuchungen von Spörrle & Stich (2010) haben übrigens gezeigt, dass Menschen bei ihrer Einrichtung des Schlafzimmers nach Möglichkeit ihr Bett möglichst weit von der Tür entfernt aufstellen, und zwar so, dass sie auf die Schlafzimmertür einen guten Blick haben, wobei sie auch dafür sorgen, dass sich die Tür zur bettfernen Seite öffnet, denn so sind sie für einen Eintretenden nicht unmittelbar sichtbar. Wenn allerdings auch ein Kinderbett positioniert werden soll, dann stellen sie dieses Bett an den sichersten Platz, den sie sonst für sich gewählt hätten. Dann stellen sie ihr eigenes Bett in der Nähe der Tür, und zwar so, dass sich diese direkt zu ihnen öffnet, um Nachts die Verteidigung des Nachwuchses zu sichern.

Literatur
Spörrle, Matthias & Stich, Jennifer (2010). Sleeping in Safe Places: An Experimental Investigation of Human Sleeping Place Preferences from an Evolutionary Perspective. Evolutionary Psychology, 8, 405-419.


Irrtümer über den Schlaf

Der Schlaf vor Mitternacht ist der beste: Frühes Zubettgehen führt in der Regel zu einem frühen Erwachen. Das erste Drittel des Schlafs ist durch einen hohen Tiefschlafanteil geprägt, tritt aber weitgehend unabhängig von der Tages- beziehungsweise Nachtzeit auf.

Acht Stunden Schlaf sind notwendig, um wirklich erholt zu sein: Tatsächlich ist die Schlafdauer individuell sehr unterschiedlich. Es gibt Kurzschläfer, die mit nur vier bis fünf Stunden Schlaf pro Nacht auskommen. Auch normale Acht-Stunden-Schläfer können ihre Schlafdauer häufig relativ unproblematisch auf fünf bis sechs Stunden verkürzen.

Wer gut und gesund schläft, wacht nachts nicht auf: Tatsächlich ist es physiologisch sinnvoll und auch charakteristisch für einen gesunden Schlaf, dass dessen Verlauf mehrmals unterbrochen wird.

Nach einer schlechten Nacht muss der Schlaf in der darauffolgenden Nacht durch eine längere Schlafdauer nachgeholt werden: Fakt ist, dass der Körper verlorenen Schlaf durch eine bessere Schlafqualität ausgleicht und nicht durch eine längere Schlafdauer.

Wenn man eine Nacht schlecht geschlafen hat, muss man sich am nächsten Tag schonen: Tatsächlich ist das Befinden von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Schlechter Schlaf kann schnell als Ausrede herangezogen werden. Wer regelmäßig gut schläft und nur hin und wieder zu wenig Schlaf bekommt, braucht um seine Leistungsfähigkeit am Folgetag nicht zu fürchten.Darüber hinaus wäre es falsch, sich zu schonen, denn die ausreichende Aktivität während des Tages stellt eine notwendige Bedingung für einen gesunden Nachtschlaf dar.

Quelle: OÖN vom 25. Oktober 2011


Ein kurioser Mix aus teilweise unverstandenen Forschungsergebnissen aus dem Bereich Schlaf und Traum wurde mir von einer Userin zugeschickt - sie hatte diese Werbemail aus einer hier ungenannt bleibenden Quelle erhalten:

Hallo XY,

vermutlich kennen auch Sie den Spruch „Träume sind Schäume“ recht gut? Meist soll dadurch suggeriert werden, Träume seien letztlich zwar ggf. schöne, aber letztlich wertvolle „Abfallprodukte“ des Gehirns, denen man keine größere Bedeutung beimessen sollte.

Dass dem aber mitnichten so ist zeigen viele Untersuchungen, die nicht zuletzt aufgrund bildgebender Verfahren zu teils völlig neuen Erkenntnissen geführt haben. Menschen, die beispielsweise ernsthaft von sich behaupten nicht zu träumen, verkennen völlig die Situation. Träumen gehört elementar zum Schlafen dazu, und ermöglicht vor allem äußerst wichtige und hilfreiche Lernprozesse, die in unterschiedlichen Schlafphasen stattfinden. Menschen, die ernsthaft behaupten, nicht zu träumen, haben oftmals nur nicht gelernt sich an ihre Träume zu erinnern.

Dieser Artikel hier wird Ihnen zeigen, dass Träume nicht nur sehr wohl eine „Realität“ darstellen, sondern dass Sie sie effektiv für sich und Ihre Lernziele einspannen könnten. Des nachts, wenn Sie schlafen, arbeitet Ihr Gedächtnis teils auf Hochtouren. Wichtige und zum Teil sehr umfangreiche Umstrukturierungsprozesse in Ihrem gigantischen, neurologischen Netzwerk (Gehirn) sorgen dafür, dass z. B. vielfältige Sinneseindrücke eines Tages neu verknüpft werden, und sich nahtlos in das jeweils bestehende Wissensnetz einfügen. Insbesondere während der REM-Phasen (REM: Rapid-Eye-Movement – Phasen schneller Augenbewegungen) finden umfangreiche Um- und Neustrukturierungsprozesse in Ihrem Gehirn statt.

Träume erfüllen viele Funktionen, von denen einige nachfolgend kurz genannt werden sollen:

• Träume als Spielfeld für unbewusste Wünsche
• Träume als Mentaltrainer für Ihre Gedanken
• Träume als Reorganisatoren Ihres Gehirns
• Träume als Konfliktberater und Konfliktlöser
• Träume als elementare Voraussetzung dafür Neues lernen zu können

In Ihren Träumen werden u. a. Ihre unbewussten Wünsche und Sehnsüchte verarbeitet, die Ihnen im Wachleben entweder gar nicht oder nur sehr bruchstückhaft bewusst sind. Träume, in die Sie als „versierte(r) TräumerIn sogar während der Traumphasen aktiv gestaltend eingreifen können, erzeugen mitunter neue Gedanken, die Ihnen im Wachleben so nicht in Ihr Bewusstsein kämen. Träume tragen aktiv dazu bei Hirnstrukturen neu zu organisieren, indem sie z. B. viele Sinneseindrücke eines Tages in das jeweils bereits bestehende Netzwerk integrieren. Insbesondere geübte TräumerInnen können ihre Träume auch als Konfliktberater oder Konfliktlöser nutzen, die ihnen während der Traumphase plötzlich neue Lösungswege aufzeigen, an die Sie im Wachleben so nicht denken. Nicht zuletzt im Rahmen komplexer Lernprozesse erfüllen Träume eine ebenso notwendige wie wichtige Funktion. Kurz: Lernen können ohne Träume zu haben, ist nicht möglich.

Eine weitere Trivialisierung und Fehlinterpretation von Forschungsergebnissen zum Thema Schlafposition fand sich ebenfalls in einer Werbemail unter dem Titel "Mit der richtigen Schlafposition entgiftet Ihr Gehirn besser":

Müllabfuhr des Gehirns
Eine zwar unschöne aber durchaus treffende Bezeichnung von Schlaf ist die der Müllabfuhr des Gehirns. Ähnlich einer nächtlichen Putzkolonne nach einer Party, die die Exzesse des Tages beseitigt, reinigt der Schlaf unser Gehirn von Giftstoffen, die sich über den Tag hinweg angesammelt haben. Die Giftstoffe werden dabei über die Gehirn-Rückenmarkflüssigkeit abtransportiert. Untersuchungen dieser Flüssigkeit zeigen, dass während des Schlafs besonders viele Rückstände von Amyloid und Tau-Proteinen zu finden sind. Beide Substanzen werden mit der Entstehung von Alzheimer in Verbindung gebracht, auch wenn der genaue Wirkmechanismus nach wie vor nicht verstanden ist.

Schlafposition entscheidend
Doch ist Schlaf gleich Schlaf? Eine neue, im Journal of Neuroscience veröffentlichte Studie legt nahe, dass die Schlafposition einen Einfluss darauf hat, wie effektiv die nächtliche Reinigung des Gehirns funktioniert. In der Studie wurden Nagetiere betäubt und in verschiedene Schlafpositionen gebracht (auf den Bauch, Rücken oder die Seite gedreht). Mithilfe von Magnetresonanztomografen (MRT) wurde sodann untersucht, wie effektiv das Abtransportieren der Giftstoffe funktioniert. Dabei zeigte sich, dass bei seitlicher Schlafposition die meisten Giftstoffe abtransportiert werden.

Hier stellt sich die Frage, ob diese Werbemail ihre Adressaten wirklich erreicht ;-)

Um sich an seine Träume zu erinnern …

Robert Stickgold, Professor für Psychiatrie an der Universität Harvard, behauptet, wer kurz vor dem Schlaf drei Gläser Wasser trinkt, kann sich am Folgetag an seine Träume erinnern, denn die drei Gläser Wasser unterdrücken die fünfte REM-Schlafphase. Die drei Gläser Wasser führen nämlich dazu, dass man kurz vor Eintritt der fünften Schlafphase auf die Toilette muss und der Traum in Erinnerung bleibt. Allerdings sollte man beim Aufwachen nicht sofort die Augen öffnen, sich bewegen oder sprechen. Die drei Gläser Wasser und der Toilettengang mitten in der Nacht haben aber die Nebenwirkung, dass der Schlaf nicht besonders erholsam ist.
Quelle: http://www.focus.de/gesundheit/videos/helfen-sie-ihrem-gedaechtnis-trinken-sie-drei-glaeser-wasser-bevor-sie-schlafen-gehen-am-naechsten-morgen-werden-sie-ueberrascht-sein_id_6592435.html (17-02-04)

Behinderte träumen wie Nichtbehinderte

Bei einem Vergleich der Träume von taubstumm oder gelähmt geborenen Menschen mit denen von Menschen ohne Handicap konnten auch Experten nicht zuordnen, von welcher Personengruppe die jeweiligen Traumbilder stammten. An dieser Studie nahmen vier taubstumme, zehn gelähmte und 36 nicht behinderte Probanden teil, wobei die Probanden ein Traumtagebuch führten und darin ihre nächtlichen Phantasien notierten. Interessanterweise spielte die Behinderung in den wenigsten Träumen eine Rolle, denn Gelähmte gingen, rannten oder schwammen, obwohl sie diese Bewegungen in der Realität noch nie vollzogen hatten, aber auch Taubstumme kommunizierten im Schlaf nicht in Gebärdensprache, sondern konnten hören und sprechen. Wie Voss (2014) betont, gibt es in den Träumen offenbar auch keine Freudsche Wunscherfüllung, denn in den Träumen der gelähmten Probanden spielte das Motiv Bewegung keine besondere Rolle und tauchte weder häufiger noch seltener auf als bei Nichtgelähmten. Auch die Gehörlosen kommunizierten in den Träumen nicht in Gebärdensprache, sondern hörten und sprachen ganz normal. Man vermutet daher, dass diese mit jenem Teil ihres Gehirns träumen, der nicht behindert ist.

Quelle: Voss, U. (2014). Dream Representation of Disability in Studies of Handicapped People. In Dream Consciousness, pp. 221-222. Springer International Publishing.


Die gesellschaftliche Konversation wäre ein ausgezeichnetes Schlafmittel,
wenn die Leute sich angewöhnen könnten, etwas leiser zu sprechen.
George Bernard Shaw

William C. Dement, einer der ersten Schlafforscher, definiert den Schlaf eher phänomenologisch durch zwei Wesensmerkmale: "Das erste und bei weitem wichtigere ist die Wahrnehmungsmauer, die der Schlaf zwischen Bewusstsein und Außenwelt errichtet. Das Schließen der Augenlider erleichtert das Schlafen, aber wir würden genauso ohne Augenlider schlafen. (…) Das zweite Merkmal des normalen Schlafes ist seine unmittelbare Reversibilität. Selbst wenn jemand tief schläft, kann er durch eine intensive und hartnäckige Stimulation immer geweckt werden. Wenn nicht, ist die Person bewusstlos oder tot."

Der Psychologe Kai-Ching Yu (Shue Yan Universität, Hong Kong) hat ProbandInnen über ihre Schlafpositionen befragt, und fand, dass jemand, der auf dem Bauch schläft, eher zu Träumen mit sexuellem Inhal neigt. Beim Bauchschlafen irritiert möglicherweise die verringerte Sauerstoffzufuhr zum Gehirn und erzeugt erotische Träume. Yu macht auch die Körperhaltung der Bauchschläfer für diese Trauminhalte verantwortlich, denn der Druck auf den Körper, auf die Lunge und nicht zuletzt auf die Geschlechtsorgane werden möglicherweise im Traum symbolisch verarbeitet. ProbandInnen, die in der Nacht die Seiten- oder Rückenlage bevorzugen, zeigten kaum Unterschiede in ihren Trauminhalten, nur wer auf der rechten Seite liegt, bekommt seltener Alpträume, als auf der linken Seite.
Quelle: http://www.heute.at/love/erotik/art23700,789484 (12-09-22)


Was dieser Hund wohl geträumt hat?


[Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=z2BgjH_CtIA&feature=player_embedded]

Überblick Hypertext "Der Schlaf"




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