[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Präventionsprogramme bei Essstörungen*)

Maßnahmen gegen Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen

Quellen

Gruber, Ursula (2006). Essstörungen an Berufsbildenden Höheren Schulen Österreichs. Wahrnehmung, Behandlung, Prävention. Unveröffentlichte Diplomarbeit. Johannes Kepler Universität Linz: PPP der jku.
Oberösterreichische Nachrichten vom 16.03.2007

Gegen Fettleibigkeit haben sich zwei Therapiekonzepte durchgesetzt: Eine auf Jahre angelegte persönliche, jedoch kosten- und personalintensive Therapie mit Psychologen, Diätassistenten und Sportpädagogen oder ein Diätlager für Kinder im Sommer.

Ziel von "Diätferien" ist die langfristige Gewichtsreduktion durch gesunde Bewegung. Mit Hilfe von ausgebildeten Sportwissenschaftern und Sportinstruktoren wird der Körper mit viel Bewegung und den beliebtesten Trendsportarten wieder in Schwung und Form gebracht. Ohne Leistungsdruck und mit viel Spaß wird die Lust zur Bewegung geweckt und die körperliche Konstitution verbessert. Spezielle erlebnispädagogische Bewegungsspiele, abgestimmt auf die Teilnehmer, stehen im Vordergrund. Trendige Sportarten wie Basketball, Baseball, Volleyball, Fußball, Inlineskaten, Badminton, Radfahren, Schwimmen usw. werden durchgeführt. Diese Kombination von Bewusstseinsbildung und Steigerung der körperlichen Aktivitäten scheint die ideale Lösung für das Problem Übergewicht und Fettleibigkeit zu sein.

"Power Kids"-Koffer

Zur Hilfestellung für Kinder und Eltern wird etwa in Oberösterreich ein eigener "Power Kids"-Koffer (http://www.powerkids.de/) eingesetzt, der in Deutschland speziell für 8 bis 12-Jährige entwickelt wurde. Mit diesen Behelfen inklusive Video können Kinder, aber auch Erwachsene spielerisch ihre Ernährung innerhalb von zwölf Wochen umstellen und wieder die Freude an der Bewegung finden, wobei das System nicht auf Verboten sondern Motivation basiert.

Fachstelle für Suchtvorbeugung in Niederösterreich: ICH BIN ICH
Projekt zur Prävention von Essstörungen 

Zielgruppe des ambitionierten Präventionsprogrammes der Fachstelle sind SchülerInnen ab der 7. Schulstufe gemeinsam mit engagierten Lehrkräften. Die SchülerInnen bekommen im Rahmen eines Workshops die Gelegenheit, sich mit körperbezogenen Themen auseinander zu setzen, Informationen zu erhalten und eigene Erfahrungen einzubringen. Beiden Zielgruppen, junge Menschen und PädagogInnen, soll dadurch ein konstruktiverer Umgang mit sich selbst und mit auftretenden Problemen im Umfeld Schule ermöglicht werden. Dabei können Inhalte wie Körper und Sexualität, Werbung und Medien, Rollenbilder und Identität, Selbstwert, Essen und Genuss sowie der Bereich eigener Bedürfnisse, Gefühle, Beziehungen und Grenzen in einem sechs- oder zwölfstündigen Programm miteinander behandelt werden. Für Lehrkräfte, eventuell auch SchulärztInnen oder BetreuerInnen werden zusätzliche Fortbildungsmodule  im Umfang von vier Unterrichtseinheiten angeboten – zur Theorie der Essstörungen, zu kulturellen Hintergründen und Schönheitsidealen sowie zum Umgang mit Betroffenen an der Schule.

Informationen:

Sonja.schmidinger@suchtvorbeugung.at (06-06-13)

Online: www.suchtvorbeugung.at (06-06-13)

ISIS. Gesundheit und Therapie für Frauen Salzburg:
„Iss was?!“ – Prävention von Essstörungen an Salzburger Schulen

Bei „Iss was?!“ handelt es sich um ein Schulungsprogramm für LehrerInnen, welches von externen Fachinstitutionen für Suchterkrankungen (Frankfurter Zentrum für Essstörungen, Traunsteiner Caritas Fachambulanz für Suchterkrankungen) entwickelt wurde. Ziel der Schulung ist es, den Lehrkräften „Werkzeuge“ in die Hand zu geben, um gemeinsam mit den SchülerInnen ihre psychischen, sozialen und physischen Schutzfaktoren so zu aktivieren, dass die Jugendlichen in Hinkunft vor Essstörungen geschützt sind. Das Projekt wird in drei Ausbildungsmodulen umgesetzt, welche die InteressentInnen über Hintergründe von und Fakten zu Essstörungen sowie über präventive Möglichkeiten und konkrete schulische Hilfsangebote aufklärt.

Die InitiatorInnen gehen davon aus, dass es möglich ist, das Selbstwertgefühl von Mädchen und Jungen an den Schulen mit Hilfe der LehrerInnen zu stärken, ihre Kritik- und Selbstbehauptungsfähigkeit weiter zu entwickeln, ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung zu verbessern und miteinander ein positives Körperbild zu entwickeln. Auch will man versuchen, dass die LehrerInnen indirekten Einfluss auf das Essverhalten der SchülerInnen „erlernen“, in dem sie durch ihren Unterricht ein stärkeres Bewusstsein für Ernährung und Genuss in einem Umfeld der Überreizung und des Überangebotes in den Jugendlichen aufbauen. Eine anspruchsvolle Aufgabe, welche unter anderem durch das Angebot einer „Gesunden Jause“ an den Schulen oder durch die gezielte Bearbeitung von Werbeannoncen in der Gruppe bewältigt wird.

Leider konnten die Ideen der ISIS aus budgetären Gründen bisher nur an sieben Schulen umgesetzt werden. Auch ist eine Evaluation bisheriger Ergebnisse aus personellen und finanziellen Engpässen heraus nicht möglich. Zwar wurde das Schulungsprogramm bereits in die PädagogInnenausbildung an der Salzburger Universität übernommen, dennoch wäre eine Ausweitung des Programmes auf mehrere Schulen überaus sinnvoll.

Online: www.avos.at (06-06-13)

Institut für Suchtprävention der Pro Mente Österreich
Seminar „Essstörungen: Ansätze der Prävention in der Schule“

Auch die Pro Mente Österreich bemüht sich in ihrem Programm, Basiswissen zum Thema Essstörungen an Lehrkräfte zu vermitteln. Die Prävention der Suchterkrankungen sowie konkrete Möglichkeiten ihrer Umsetzung an den Schulen stehen dabei im Mittelpunkt. Aufgearbeitet werden die Themen durch Vorträge, Kleingruppenarbeit und die Begutachtung von Videos. Die Institution bietet den Lehrkräften aber nicht nur Information, sondern auch methodisch-didaktische Ansätze schulischer Suchtprävention, Unterrichtsmaterialien, Übungen und Projektideen an.

Online: www.praevention.at/fortbildung (06-06-13)

Peergroup Education

Dieses Trainingsprogramm trägt bundesweit an verschiedenen Institutionen einer neuen Entwicklung in der Jugendkultur Rechnung: der Peergroup. Unter solchen Gruppen versteht man eine Anzahl an gleichaltrigen, meist jugendlichen,  Personen, die gewisse Werte im gleichen sozialen System vertreten. Jede Peegroup besteht aus mehr als zwei Mitgliedern und einem Leader. Dabei handelt es sich um eine/n Jugendliche/n, welche/r besonderes soziales Ansehen innerhalb der Gruppe genießt, der/dem die anderen Adoleszenten folgen, seine Meinung anerkennen. Nicht mehr Erwachsene, Erziehungsberechtigte sind also meinungsbildend unter jungen Heranwachsenden, sondern ihresgleichen.

Das Ministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz bietet nun in Workshops Strukturen, Ressourcen und Know-How zu bestimmten Themen für eben diese Gruppenleader an, sie werden geschult und können ihr Wissen an die Gruppenmitglieder weitergeben, Diskussionen anleiten und Werte verändern oder schaffen.

Themen der Peergroup Education sind breit über viele Felder, vor allem über Bereiche der jugendlichen Entwicklung, gestreut. Beispiele hierfür wären: Sexualität, AIDS, Suchtthematiken, Jugendrechte, Körperwahrnehmung - Essstörungen und viele andere mehr. In Bezug auf Suchtprävention läuft das Peergroup-Modell in Österreich seit einigen Jahren sehr erfolgreich in der Steiermark, in Salzburg und Wien. Pro Jahr nehmen rund vierzig jugendliche Groupleader an den Fortbildungen teil.

Peergroups und Suchtprävention

Ziel einer Ausbildung in Suchtvorbeugung, besonders auch in der Prävention von Essstörungen, ist es, für die Jugendliche Erlebnisse und Einsichten zu gestalten, damit sie dieses Empfinden in ihren Schulklassen und Jugendverbänen weiter geben können. Das Ziel der Ausbildung ist die Vermittlung positiver Lebensstrategien, des konstruktiven Umgangs mit Konflikten und Krisen, um eine Abhängigkeit bei den Heranwachsenden vor ihrem Entstehen zu unterbinden.

De Trainer der Projekte in der Steiermark, in Salzburg und in Wien besuchen zu diesem Zweck Schulklassen fü die Dauer von zwei Einheiten und versuchen im Gespräch zu klären:

Die jungen Menschen sollen für die Problematik einer Sucht sensibilisiert und zum Nein-Sagen angeregt werden.

Online: http://www.bmsg.gv.at/cms/site/detail.htm (06-08-20)

Körperbildtraining

Es gibt Menschen, die bewerten in der Wahrnehmung Details ihrer Umgebung deutlich über, sodass sie einen vermeintlichen kleinen Makel oft als so störend empfinden, dass ihr eigenes Selbstwertgefühl stark darunter leidet und sie sich aus ihrem sozialen Umfeld zurückziehen. Menschen, die sich etwa selbst als unattraktiv oder gar hässlich wahrnehmen, sehen oft auch andere Objekte verzerrt, was möglicherweise an einer Funktionsstörung im Gehirn liegt. Solche Menschen haben meist insgesamt Schwierigkeiten, Objekte einschließlich ihrer eigenen Gesichter oder Körper als Ganzes wahrzunehmen, d.h., auch bei neutralen Gegenständen wie Geräten oder Häusern fokussieren sie auf einzelne Details, die dann als störend wahrgenommen und auf das Objekt generalisiert werden. Vermutlich haben Menschen mit gestörtem Körperbild wie bei Essstörungen auch deshalb verzerrte Gedanken über ihr Aussehen.

Körperbildstörungen treten besonders häufig bei Frauen auf, wobei die mentale Repräsentation des Körpers nicht mit der Realität übereinstimmt. Frauen sehen sich selbst als dicker, als andere das tun, wobei die Aufmerksamkeit selektiv auf einzelne Körperpartien gerichtet wird. Symptomatisch für Körperbildstörungen sind eine Vermeidungsstrategie (body avoidance) wie auch übermäßige Kontrolle des Körpers etwa durch ständiges Wiegen oder das Ausmessen von Körperteilen und die Kontrolle der Passform bestimmter Kleidungsstücke (body checking), was manchmal auf eine Essstörung wie Bulimie hindeutet.

Die Arbeitsgruppe Essstörungen (Abt. Klinische Psychologie & Psychotherapie in Freiburg) führt Forschungen zu Bulimie, Anorexie und Essanfallsstörung (Binge Eating) durch und prüft die Hypothese, dass Körperbildprobleme (große Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper; starker Einfluss des Körpergewichts oder der Figur auf das Selbstwertgefühl) ein zentrales Symptom der Magersucht (Anorexie), der Bulimie und vermutlich auch der Essanfallsstörung sind. Essgestörte richten ihre Blicke vorrangig auf die eigenen körperlichen Problemzonen, bei anderen achten sie eher auf die schönen Partien und verstärken damit ihr Gefühl, unzulänglich gebaut zu sein. Gesunde Frauen haben eine wesentlich positivere Einstellung zu ihrem Körper und betrachten relativ häufig die ansehnlichen Teile ihrer Figur. Ein "gesunder Blick" kann gelernt und die zwanghafte Tendenz zum allzu selbstkritischen Urteil abgebaut werden durch gezieltes Körperbildtraining.

Das Körperbildtraining basiert auf der Figurexpositions-Komponete eines nachgewiesenermaßen wirksamen kognitiv-behavioralen Behandlungskonzepts bei Bulimie. Ziel des intensiven, Therapeut geleiteten Trainings ist es negative Gefühle, Gedanken sowie das Verhalten bulimischer Frauen beim Anblick des eigenen Körpers im Spiegel aufzugreifen um idividualisiert und wiederholt daran zu arbeiten. Dabei wird im Trainingsverlauf die Akzeptanz des eigenen Körpers und der Figur unterstützt und aufgebaut sowie Körperunzufriedenheit abgebaut. Insgesamt umfasst das Körperbildtraining neun Sitzungen zur Korrektur der Körperunzufriedenheit.

Quelle: http://www.psychologie.uni-freiburg.de/abteilungen/Klinische.Psychologie/forschung/projekte/arbeitsgruppe (08-09-09)

Langsam essen

Es ist in zahlreichen Studien nachgewiesen worden, dass schnell essen die Gewichtszunahme fördert, denn Schnellesser überholen ihren Körper bei der Verdauungsarbeit, da die Verdauungsorgane nach dem ersten Bissen etwa eine Viertelstunde brauchen, um Sättigungshormone freizusetzen, d.h., erst dann senden sie dem Gehirn ein Stoppsignal, doch bis dahin haben Schnellesser oft schon ihre Mahlzeit beendet. Daher ist langsam zu essen eine einfache Methode, um das Gewicht zu halten oder sogar zu verringern. Man sollte sich daher bei einer Mahlzeit mindestens 20 Minuten Zeit geben, nur kleine Bissen langsam kauen und das Besteck immer wieder ablegen.

Siehe auch die Webseiten


Quelle: Diese Arbeitsblätter entstammen der Studie von Ursula Gruber "Essstörungen an Berufsbildenden Höheren Schulen Österreichs. Wahrnehmung, Behandlung, Prävention".



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