[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Night-Eating-Syndrome (NES)

Das bezeichnet eine Variante der Binge-Eating Störung, bei der die überwiegende Menge der Nahrungsmittel nach 20 Uhr zu sich genommen wird. Dabei werden in der Regel große Mengen Kohlenhydrate aufgenommen, aber nur wenig Proteine. Bis heute ist umstriten, ob es sich dabei um eine schlechte Angewohnheit oder eine Krankheit handelt. Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Dieses Phänomen ist bisher kaum erforscht, kann aber für die Betroffenen zu einer Belastung werden. Das Syndrom lässt sich auch recht schwer analysieren, da es in einer Grauzone verschiedener Störungen (Schlaf-, Ess- und affektiver Störungen) liegt, die in diesem Phänomen einander überschneiden.

Albert Stunkard beschrieb erstmals 1955 regelmäßiges nächtliches Essen als Night-Eating-Syndrom und schlug als Kriterium vor: Die Betroffenen schlafen schlecht, nehmen mindestens ein Viertel ihrer Nahrungsmenge spätabends oder nachts zu sich und haben am nächsten Morgen keinen Hunger. Quantitative Kriterien wären, dass jemand dann von dem Syndrom betroffen ist, wenn er entweder seit mindestens drei Monaten mehr als 25 Prozent seiner Nahrung nach dem Abendessen einnimmt oder mindestens zweimal pro Woche nachts zum Essen aufsteht.

Die Betroffenen schlafen meist auch schlecht, nehmen mindestens ein Viertel ihrer Nahrungsmenge spätabends oder nachts zu sich und haben am nächsten Tag in der Früh keinen Appetit. Diese nächtlichen Heisshungerattacken sind möglicherweise eine der häufigsten Ursachen von Übergewicht bzw. Adipositas, wobei in einigen Untersuchungen Zusammenhänge zwischen Schlaf bzw. Schlafstörungen und Übergewicht nachgewiesen wurden.

In einer Studie mit fettleibigen Frauen machte jede fünfte Frau nächtliche Ausflüge in die Küche, wobei sich dicke Menschen eher vom Hunger den Schlaf rauben lassen, doch nicht jeder Nachtesser ist adipös. Betroffene schildern das Phänomen so:

NES "äussert sich dahingehend, dass ich keine Nacht durchschlafen kann. Ich wache 1-5x auf und lege dann meist eine Pinkelpause ein. Der springende Punkt ist nun aber, dass ich nicht mehr einschlafen kann, bis ich etwas gegessen habe. Das Ganze läuft wie im Schlafwandel ab! Mittlerweile versuche ich des Nachts wenigstens nicht zu viel und nicht zu ungesund zu essen. Das lässt sich aber nicht immer steuern."
"Ich wache auch nachts ständig auf und trotte wie ein Schlafwandler erst zur Toilette und dann schnurstracks zum Kühlschrank. Und dann geht´s los: meistens Yoghurts, Eis, Schokolade, halt alles was man leicht wegschlabbern kann. Eine Zeit lang habe ich solche Sachen nicht mehr gekauft bzw nicht mehr vorrätig gehabt. Dann bin ich aber halt so lange herumgegeistert, bis ich irgendetwas Essbares aufgetrieben hatte. Haferflocken, Wurstscheiben, man kann ja auch nachts problemlos noch Nudeln kochen. Ich habe auch schon versucht, abends richtig gut zu essen, damit es über Nacht vorhält, aber das bringt es auch nicht."

Der Leidensdruck des Syndroms basiert auf einer deutlichen Zunahme des Körpergewichts, oft aber auf Tagesmüdigkeit und Reizbarkeit, die aus dem unterbrochenen Schlaf resultieren. Für manche ist das Gefühl unerträglich, den nächtlichen Hungerattacken hilflos ausgeliefert zu sein. Bei manchen Menschen verschwindet diese Gewohnheit wieder, bei anderen chronifiziert sie mit den Jahren.

Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen, bestimmte Auslöser und mögliche Alternativen für dieses gestörte Verhalten zu erkennen, wobei das Führen eines Essprotokolls ein guter Weg sein kann, um die Selbstaufmerksamkeit und Kontrolle über die Symptomatik zu verbessern.

Siehe auch

Quelle: Diese Arbeitsblätter entstammen der Studie von Ursula Gruber "Essstörungen an Berufsbildenden Höheren Schulen Österreichs. Wahrnehmung, Behandlung, Prävention".





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