Was bedeutet schlußfolgerndes Denken? |
Man kann aus einem falschen Satz Schlüsse ziehen.
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Begriffsbestimmung |
Allgemein bedeutet schlußfolgerndes Denken, daß man von etwas Gegebenem zu etwas Neuem kommt. Im einzelnen kann dies z.B. bedeuten,
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Schlußfolgerndes Denken hat also verschiedene Aspekte, die durch zwei Fragen systematisch erschlossen werden können: |
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Die Antwort auf die erste Frage verweist auf die Logik. Es ist an dieser Stelle wichtig, darauf hinzuweisen, daß logisches Vorgehen keinen psychischen Prozeß im Sinne eines bestimmten geordneten Denkablaufs meint, sondern die Anwendung von (formalen) Regeln unabhängig vom Inhalt der Aussagen. Logik stellt Kriterien zur Verfügung, an Hand derer die Gültigkeit von Schlußfolgerungen bewertet werden kann, logische Prinzipien beschreiben jedoch nicht den Prozeß des Schlußfolgerns. |
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Das deduktive Schließensiehe dazu im Detail: |
Schlußfolgerndes Denken, bei dem die logische Gültigkeit im Vordergrund steht, wird als deduktives Schließen oder "logisches Schließen" bezeichnet. Logische Gültigkeit bedeutet, daß sich aus etwas Vorgegebenem (Prämissen) eine Schlußfolgerung (Konklusion) zwingend (notwendig) ergibt. Beim deduktiven Denken wird in der Regel zugrundegelegt, daß vom Allgemeinen (vom allgemein Gültigen) auf das Besondere (den Einzelfall) geschlossen wird. Von daher gilt: Deduktive Schlußfolgerungen sind zwar sicher, bringen aber eigentlich keine neue Erkenntnis (bzw. nur insoweit als sie die Prämissen explizieren). |
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Das induktive Schließensiehe dazu im Detail: |
Dem deduktiven Schließen kann (im Hinblick auf die zweite Frage) eine andere Art des Schlußfolgerns gegenübergestellt werden, (vom Besonderen auf das Allgemeine). Ausgangspunkt für die Erweiterung von Wissen und Erkenntnis sind Einzelbeobachtungen oder einige Fälle, von denen aus auf andere Fälle oder allgemeine Regelhaftigkeiten (Gesetzmäßigkeiten) geschlossen wird. Induktive Schlußfolgerungen sind unter dem Aspekt der logischen Gültigkeit problematisch, da sie mit Unsicherheit belastet sind. Sie gehen über das Vorgegebene (Vorgefundene) hinaus und verlieren bei nur einem Gegenbeispiel den Anspruch auf Allgemeingültigkeit. "(Alle) Metalle sind schwerer als Wasser" galt nur solange, bis Metalle entdeckt wurden, die leichter als Wasser sind (z.B. Kalium). Obwohl die induktiv gewonnen Schlußfolgerungen nur eine bestimmte Wahrscheinlichkeit haben, werden Induktionsschlüsse nicht nur im Alltag - hier häufig in Form von Vorurteilen - sondern auch in der Wissenschaft fast ausschließlich verwendet. Da unser Wissen letztlich über Induktion gewonnen wird, kommt dem induktiven Denken eine vorrangige Bedeutung zu. |
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Kleiner Exkurs:
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Induktion ist die
philosophische bzw. wissenschaftliche Methode,
welche vom einzelnen Besonderen auf etwas
Allgemeines, Gesetzmäßiges
schließt. Sie ist daher immer eine
Verallgemeinerung. Die Deduktion ist die Ableitung von
Erkenntnissen aus anderen, allgemeineren. Sie darf
an Faktischem nichts hinzufügen, was nicht
schon in der Verallgemeinerung enthalten
wäre. Beide müssen sich in einer Erfahrungswissenschaft ergänzen; denn das Allgemeine, von dem das Besondere abgeleitet wird, wird durch Induktion gewonnen. Jedes methodische Vorgehen setzt Deduktion und Induktion voraus, da sie die beiden Pole der Erkenntnis miteinander verknüpfen. In einer deduktiven Wissenschaft hängt die Wahrheit von Aussagen von ihrer Ableitbarkeit aus den zugehörigen Axiomen ab. Rein deduktiv sind eigentlich nur die Mathematik und die Logik, weil sich hier aus den allgemeinen Erkenntnissen des Raumes und der Zahl, bzw. des Denkens alle speziellen Eigenschaften ableiten lassen. Teilweise deduktiv sind die ethischen Disziplinen (Ethik, Rechtslehre, Pädagogik), weil ihre allgemeinen Grundsätze zur Beurteilung von Besonderem dienen können. Alle anderen Wissenschaften gewinnen nur aus der Erfahrung die Kenntnis allgemeiner Gesetze.
Der Elfenbeinturm, in dem die
philosophische Seele spukt, besteht aus reich verzierten
logischen Stufen und ist mit Silberglöckchen der Ethik
behangen. Das heitere Gespenst schreitet bedächtig
induktiv die Stufen hinan und läßt sich sanft
deduktiv an ihnen herunter. Bei dieser reizvollen Übung
läßt sie fromm die Glöckchen der moralischen
Lehre erschallen, und entzückt lauscht die
lehrbegierige Menge.
Vilém Flusser, Die Geschichte des Teufels |
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Analoge Schließensiehe dazu im Detail: |
Die dritte Art des Schlußfolgerns ist das analoge Schließen - der Analogieschluß kann auch als induktiver Schluß verstanden werden. Hierbei wird von der Übereinstirnmun in einigen Punkten auf Entsprechung/Ähnlichkeit auch in anderen Punkten bzw. auf die Gleichheit von Verhältnissen geschlossen. Diesem Schluß wird zwar aus logischer Perspektive die geringste Verläßlichkeit zugewiesen, seine erkenntnisgenerierende Funktion ist jedoch unumstritten. Siehe dazu:
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Abduktives Schließen |
Abduktion bezeichnet Schlußfolgerungen, bei denen unbekannte Ursachen aus bekannten Effekten oder Konsequenzen abgeleitet werden. In formallogischer Hinsicht handelt es sich bei Abduktion um eine "ungültige" Form des Schließens. Im einfachsten Fall wird bei abduktiven Schlüssen aus der Aussage, daß A die Ursache von B ist und aus dem Vorliegen von B A als Ursache abgeleitet. Zum Beispiel: Die Abduktion liegt z.B. der klinischen Diagnostik, der juristischen Interpretation von Sachverhalten und vielen Kausalattributionen des Alltags zugrunde. Derartige Schlußfolgerungen sind auch Grundlage der Fehlersuche in technischen Systemen oder in Computerprogrammen und letztlich auch des wissenschaftlichen Entdeckens. Für sie ist charakteristisch, daß eine Menge von - bekannten - Beobachtungen oder Evidenzen durch eine Konfiguration von - unbekannten, aber wahrscheinlichen - Ursachen "erklärt"werden muß. Es läßt sich zeigen, daß die Abduktion im Zusammenspiel mit Induktion und Deduktion einfachen Lernprozessen zugrundeliegt. |
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Eimertheorie vs Scheinwerfertheorie
Quelle:
Riegler, Alexander (1999). Können wir das Problem der Echtzeitkognition lösen? WWW: http://www.zum-thema.st/ wissensbank/Riegler1.html (02-05-18) Popper, Karl R. (1979). The Bucket and the Searchlight: Two Theories of Knowledge. In Objective Knowledge: An Evolutionary Approach (rev. ed.). Oxford: Clarendon Press.
Warum schwimmt hier
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Die Eimertheorie des Denkens schließt an die
Ansicht "Nihil in intellectu quod non prius in sensu" an,
d.h., daß wir nicht über etwas denken
können, das uns nicht zuvor durch unsere Sinne erreicht
hat. Diese Analogie vergleicht Kognition mit einem Eimer,
der sukzessiv mit Wissen durch unsere Sinnesorgane
gefüllt wird. Lernpsychologisch betrachtet entspricht
das weitgehend dem Black-Box-Modell der Diese Vorstellung ist ähnlich der
Situation, die man in einer tiefschwarzen Nacht bei
Stromausfall in der eigenen Wohnung vorfindet. Im
Allgemeinen hat man trotz der fehlenden Beleuchtung keine
Probleme, sich in den eigenen vier Wänden
zurechtzufinden. Das Wissen über räumliche
Zusammenhänge helfen bei der Orientierung,
unterstützt durch gelegentliches Herumtasten, um die
Richtigkeit der momentanen "Vermutung" zu
überprüfen.
Kann die Scheinwerfertheorie gerechtfertigt werden? Arbeitet unser Denken nach der Scheinwerfermethode, die Erfahrung sekundär einstuft, so stellt sich die Frage, ob wir damit nicht von einer Tabula Rasa starten müssen, wir also anzunehmen haben, daß wir zu Beginn kein Wissen über die Umwelt haben. Tatsächlich ist dies der Fall, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß unser Nervensystem keinerlei Information über die Bedeutung einer übertragenen Nachricht liefert. Dieses Prinzip der indifferenten Kodierung verlangt geradezu die Annahme, daß das Gehirn erst "Sinn" erzeugt. Damit ist unser Denken dadurch charakterisiert, dass es Gebäude von Vermutungen verwendet, die diesen anonymen Nervensignalen entspringen. In weiterer Konsequenz ist damit die Auffassung einer Korrespondenztheorie überflüssig, nämlich, dass Kognition Information von der Umgebung abbildet, vielmehr liegt eine (auf die Informationsverarbeitung bezogene) operationale Geschlossenheit vor: Jede Zustandsänderung der relativen Aktivität einer Neuronengruppe führt zu einer Zustandsänderung der relativen Aktivität dieser oder einer anderen Neuronengruppe. Sinnesreize stellen dabei nur Perturbationen dar, welche den kognitiven Apparat in seinem Operieren zwar beeinflussen, aber nicht determinieren. Nicht "Information von Außen" charakterisiert die Funktionsweise des kognitiven Apparates, sondern die fortdauernde interne Konstruktion der Welt, die ankommende Perturbationen lediglich zu interpretieren sucht. Die Entwicklung vom Neugeborenen zum Erwachsenen im Speziellen und die evolutionäre Entwicklung kognitiver Kompetenz im Allgemeinen spiegelt diese fortdauernde Konstruktion wider.
Ein in diesem Zusammenhang vielfach
zitiertes Beispiel ist das des Unterseebootnavigators, der
sich (in Anbetracht der undurchdringlichen Finsternis in
großen Tiefen) völlig auf Anzeigeinstrumente
(also indifferente Nervensignale) verlässt und in
Abhängigkeit davon gegebenenfalls diverse Hebeln und
Knöpfe bedient. Aus unserer Perspektive zeigen die
Instrumente selbstverständlich "etwas draußen"
an, aber das ist für das korrekte Navigieren
irrelevant. Worauf es ankommt, ist das Aufrechterhalten von
Relationen zwischen Instrumenten. Popper belegt diesen
Umstand mit der Aussage: "Observations are secondary to
hypotheses".
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Quellen: |
Oerter, Rolf & Dreher, Michael (1995): Entwicklung
des Problemlösens. In Oerter, Rolf & Montada, Leo
(Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Weinheim: PVU. |
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