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Essstörungen

Essstörungen sind häufig auftretende psychosomatische Erkrankungen, zu denen die Anorexia nervosa (Magersucht) und die Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht) gezählt werden. Die Adipositas (Fettsucht) kann eigentlich nicht als Essstörung bezeichnet werden, da kein regelhafter Zusammenhang zu seelischen Problemen gefunden wird. Häufig werden psychosomatische Formen der Adipositas als psychogene Adipositas oder Binge-Eating-Disorder (Heißhungerstörung) klassifiziert.

Die Ursachen der Essstörungen werden durch viele Faktoren bedingt. Familiäre, soziale und soziokulturelle Einflüsse, biologische Faktoren sowie solche der Persönlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung spielen dabei eine Rolle. Ernährung dient einem fundamentalen menschlichen Basisbedürfnis und ist eine Voraussetzung für Gesundheit und Entwicklung. Ernährung erfüllt aber nicht nur das Bedürfnis der körperlichen Existenzerhaltung, sondern hat über ihre materiell-biologische Funktionhinaus weitere wichtige Funktionien:

  • Kommunikative Funktion: Ernährung hat immer auch soziale, kulturelle und psychische Funktionen. Nahrung ist ein wichtiges Ausdrucksmittel für soziale Beziehungen und Kommunikation.
  • Status-Funktion: Essen kann Freundschaft, Zugehörigkeit, Festtagsstimmung und Nähe, ebenso sozialen Status, Macht, Hierarchie und Ausgrenzung signalisieren. 
  • Statushöhe: Lebensmittel sind beispielsweise Champagner, erlesene Weine, teures, sehr zartes Fleisch, Öko-Brot, teure und edle Öle usw. Mit statushohen Lebensmitteln ist das Gefühl von Exklusivität, von Auserlesenem, von hoher Lebenskultur, hohen Ansprüchen usw. verbundenen.
  • Zudem können durch Nahrung und Essen Selbstwertgefühl und emotionale Sicherheit erzeugt werden, gleichermaßen Ängste und Schuldgefühle. Das konkrete Essverhalten ist in hohem Maße anfällig für soziale Beeinflussungen, für soziale Normen und kulturelle Regeln. 

Die massive Wirkung von sozialen Wertvorstellungen wird am modernen Schlankheitsideal deutlich. Insbesondere in der westlichen Wohlstandsgesellschaft existiert ein zunehmend negatives Image von Übergewichtigkeit. Übergewichtigen wird ein undiszipliniertes Ernährungsverhalten, mangelnde Selbstkontrolle und allgemein eine Abweichung von der dominierenden Leistungsideologie unterstellt. Insbesondere Mädchen und Frauen verbinden mit dem äußeren Aussehen und seit einigen Jahrzehnten mit Schlanksein hohe persönliche Bewertung, Achtung und damit auch Selbstwertgefühl. Bevorzugt Mädchen und Frauen registrieren, dass ihre Geschlechtsgenossinnen, die die gewünschten Merkmale aufweisen, hohe Zuwendung und Beachtung genießen, in vielen alltäglichen Lebenszusammenhängen Bevorzugungen erfahren. 
Umgekehrt erleben Mädchen und Frauen, die glauben, diese begehrten äußeren Erscheinungsformen nicht aufzuweisen, daß sie diese Art der Bewunderung, der Beachtung, der Bevorzugung nicht erfahren, eher im Gegenteil: Sie fühlen sich abgewertet, verhöhnt, ignoriert. In der Hoffnung, diese privilegierte Position der Schönen, Begehrten und Bewunderten beziehen zu können, sind viele Mädchen und Frauen nicht selten nahezu wahnhaft darum bemüht, diesem vermeintlichen Ideal der Schlankheit nachzueifern und darüber ihr natürliches Bedürfnis, sich ausgewogen und hinreichend zu ernähren, in gesundheitsschädigender Weise zu unterdrücken. 

Nach einer Erhebung aus dem Jahr 1998 leiden rund 200.000 ÖsterreicherInnen an Essstörungen.

 

 

"Ich wollte nicht mehr so pummelig aussehen. Ich fand mich am Bauch, den Oberschenkeln und an den Hüften viel zu dick und wabbelig. Ich wollte so aussehen wie Irina, der Star unserer Klasse. Deshalb nahm ich ab. Die ersten Pfunde purzelten rasch. Ich war ziemlich euphorisch. Doch dann ging es nur noch im Schneckentempo. Mit 37 Kilo fand ich mich in Ordnung, hatte aber panische Angst wieder zuzunehmen. (...) Wenn ich ein Mädchen in der U-Bahn in einen Krapfen beißen sah, dachte ich nur: 'Die kann sich das ja leisten, die ist dünn. Aber ich? Nein, ich kann das wirklich nicht machen. Ja, wenn ich noch schlanker wäre...'"

Entnommen aus
Muck, Evelyne (2003). Wenn Töchter nichts mehr essen - Magersucht bei jungen Mädchen. In Wassilios E. Fthenakis & Martin R. Textor (Hrsg.), Das Online-Familienhandbuch - www.familienhandbuch.de
WWW: http://www.familienhandbuch.de/
cmain/f_Fachbeitrag/a_Jugendforschung/
s_872.html (02-04-15)

Das Sprichwort "Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen" verweist auf die elementare Bedeutung des Essens im Leben jedes Menschen. Essen und Trinken sind daher ein Ereignis, das jeden Menschen körperlich und seelisch erfasst und durch individuelle, interpersonelle und soziokulturelle Faktoren beeinflusst wird. Dass seelische Konflikte oder Leiden sich in diesem zentralen Lebensbereich als psychosomatische Störungen des Essverhaltens widerspiegeln, ist daher nicht verwunderlich. Das Essen ist etwas Alltägliches, immer Wiederkehrendes, und scheint auf den ersten Blick das Natürlichste und Selbstverständlichste der Welt zu sein. Es gehört zu den grundlegenden Bedürfnissen des Menschen und ist verbunden mit sinnlichem Genuß und Wohlgefühl. Seit Menschengedenken gehört das gemeinsame Essen zum Ritual des Zusammenlebens. Redewendungen wie "Ich habe dich zum Fressen gern", "Es kotzt mich an" oder "So einfach lasse ich mich nicht abspeisen" zeugen davon, daß Menschen schon immer mit dem Essen eine Vielzahl unterschiedlicher Gefühle in Verbindung gebracht haben (Imgart 2002).

Am deutlichsten kann das bei Säuglingen beobachtet werden. Für sie ist die Aufnahme von Nahrung gleichzeitig Quelle der Sättigung und der Fürsorge. Nahrung und Zuwendung sind in diesem Stadium noch identisch

Im weiteren Entwicklungsverlauf ist für Babies und Kleinkinder von elementarer Bedeutung, die unterschiedlichen Bedürfnisse unterscheiden zu lernen. Dies setzt voraus, daß Eltern aufmerksam für die Bedürfnisse ihrer Kinder sind und nicht bei jedem Schreien des Säuglings automatisch Nahrung anbieten.

Die Untersuchung von Hintergrund-Faktoren zeigte, dass die Eltern übergewichtiger Kinder diese häufiger mit Nahrungsmitteln belohnen und dass übergewichtige Kinder in ihrem Essverhalten leichter durch äußere Reize und Emotionen störbar sind. Solche Unterschiede in der Mikrostruktur des Essverhaltens können langfristig zu einer erhöhten Kalorienaufnahme und damit zur Entstehung und Aufrechterhaltung des Übergewichts beitragen. Die Ergebnisse werden im Rahmen eines lerntheoretisch orientierten Modells diskutiert, das sowohl spezifischen innerfamiliären Konditionierungsprozessen als auch allgemeinen sozialen Stressreizen Bedeutung für den Erwerb eines ungünstigen Essstils zumisst (Laessle et al. 2001).

Im Jugendalter gibt es häufig rasante reale Veränderungen im Körper und in der Umwelt, etwa die Entwicklung der Brust und der Schambehaarung, die hormonell gesteuerte vermehrte Fetteinlagerung an den Hüften und am Gesäß sowie die phasenhafte, nicht steuerbare Erhöhung des Hormonspiegels. Familien müssen sich auf eine sich immer schneller ändernde Umwelt einstellen, die Pubertät und Adoleszenz eines Kindes verlangen daher eine Neudefinierung der Rollenverteilung. Ernährungsmuster von Jugendlichen können vor dem Hintergrund ihrer sozialen Herkunft, ihrer Einbindung in die Gleichaltrigengruppe und von jugendlichen Moden gedeutet werden. Ähnlich dem Drogenkonsum (Rauchen und Alkohol) ist auch das Ernährungsverhalten über soziale und jugendkulturelle Einflüsse bestimmt. Besonderheiten des Lebensstils und der Gleichaltrigengruppen-Zugehörigkeit bilden ebenso wichtige Faktoren des Ernährungsverhaltens wie Alter, Geschlecht, familiäre Einbindung und das soziale Umfeld. Wie auch bei Erwachsenen stehen im Jugendalter Mangel-, Fehl- oder Überernährung für eine Vielzahl von gesundheitlichen Beschwerden bzw. hyperkalorische und fettreiche Lebensmittel für eine gesundheitsabträgliche Ernährung. 

Aktuelle Studien berichten über eine Zunahme von essgestörtem Verhalten bei Schülern und Studenten. Diäten, Essattacken und exzessives Sporttreiben zur Gewichtsreduktion verbreiten sich immer mehr. In immer jüngerem Alter erkranken Mädchen, besonders die Bulimie breitet sich aus. Auch sind vermehrt Jungen davon betroffen.

Häufig werden die im Kindes- und Jugendalter eingespielten und verfestigten Gesundheitsverhaltensmuster und Ernährungsgewohnheiten im weiteren Lebensverlauf beibehalten. Aus diesem Grunde kommt der Analyse der Einflussfaktoren auf die Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen eine herausragende Bedeutung zu. 

Kinder und Jugendliche reagieren sehr sensibel auf problematische Konstellationen in ihren Lebensbedingungen. Häufig entstehen in diesem Zusammenhang Symptome der Gesundheitsbeeinträchtigung und gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen. Wichtige Einflussfaktoren auf das Gesundheits- und speziell das Ernährungsverhalten sind Beziehungsprobleme mit den Eltern, Belastungen und Anforderungen im Schulalltag, mangelnde Einbindung in die Gleichaltrigengruppe, schwierige Freundschaftsbeziehungen sowie Verunsicherungen durch politische und soziale Zukunftsperspektiven. Die verschiedenen Formen gesundheitsgefährdender Verhaltensweisen gehören in die Kategorie individueller Ausdruckmittel der Lebensbewältigung im Jugendalter. 

Generell kann gesagt werden: Je privilegierter die soziale Position und je stärker das elterliche Unterstützungsverhalten ist, desto positiver ist auch das Ernährungsverhalten. Dies belegt den starken Einfluss des sozialen und familialen Rückhalts für das Ernährungsverhalten der Jugendlichen. So wirkt sich die Anzahl der Abende, die außer Haus verbracht werden, sowie der Umfang des Fernsehkonsums deutlich negativ auf das Ernährungsverhalten aus. Je mehr Zeit vor dem Fernseher und je mehr Abend mit Freunden außer Haus verbracht werden, desto ungünstiger ist das Ernährungsverhalten.

In den Familien sind die gemeinsamen Mahlzeiten - oft der einzige - zentrale Ort der Kommunikation und Identitätsbildung, wie etwa die familiären Traditionen der Festtagsessen zu Weihnachten. Viele soziokulturelle Entwicklungen wurzeln in der Menschheitsgeschichte im gemeinsamen Erobern, Produzieren und Verzehren von Nahrung.

Auch wenn das Differenzierungsvermögen gut entwickelt werden konnte, kennen die meisten Menschen auch als Erwachsene bestimmte Situationen, in denen Essen mit unterschiedlichen Gefühlszuständen eng verbunden ist. Manchen können Spannungen "auf den Magen schlagen", so daß "nichts mehr runtergeht", andere "stopfen sich" gerade dann "den Bauch voll" und setzen "Kummerspeck" an.

Es finden sich charakteristische geschlechtsspezifische Unterschiede des Ernährungsverhaltens. Mädchen und Frauen bekommen noch immer ungleich stärker als Männer bzw. Jungen von ihrer Außenwelt vermittelt, dass ihr persönlicher Wert in hohem Maße mit dem körperlichen Erscheinungsbild im Zusammenhang steht. Konsequenterweise haben Frauen und Mädchen ein sehr großes Interesse an Fragen des Körpers, des Gewichts und der Ernährung. Dies führt in der Regel zu einem bewussteren Ernährungsverhalten, aber auch zu einer größeren Anfälligkeit für extreme Ausprägungen wie Essstörungen verschiedenster Art mit den extremen Folgen von Unterernährung auf der einen und Übergewicht auf der anderen Seite.

Während diese Essstörungen bei den meisten Menschen mit dem Beheben der Probleme wieder vergehen, gibt es inzwischen eine Vielzahl, vor allem Frauen, bei denen sich die Essstörung zur Krankheit verfestigt. Die davon Betroffenen verfügen nicht mehr über die Freiheit, sich angemessen zu ernähren. Neben persönlichen Problemen steht im Vordergrund das kollektive Werturteil, daß Schlankheit für die meisten Menschen der westlichen Industrienationen zur universellen Idealvorstellung des Körpers geworden ist und vor allem bei der Bewertung von Frauen gleichgesetzt wird mit Schönheit und Attraktivität. Diesem Schönheitsideal entsprechen zu wollen, bedeutet für viele Frauen, sich zu dick zu fühlen und auf Diäten zu setzen, die eine schnelle Gewichtsabnahme versprechen. Obwohl Eßprobleme nicht ausschließlich mit Gewichtsproblemen gleichzusetzen sind, kann eine Diät unbewußt den ersten Einstieg in eine Essstörung bedeuten.

Erste Hinweise auf ein gestörtes Essverhalten liegen vor, wenn eine übertriebene Beschäftigung mit der Nahrung und ständige Gedanken an das Essen bzw. Nichtessen bestehen. Fast jede Essstörung beginnt mit einer Diät.

Das Essen

 

"Binge-Eating" lässt sich am einfachsten mit dem Wort "Essattacke" übersetzen, wobei die Betroffenen innerhalb von kurzer Zeit ungewöhnlich große Mengen an Nahrungsmitteln konsumieren. Eine solche Attacke ist dadurch definiert, dass innerhalb von Minuten bis zu zwei Stunden ungewöhnlich große Mengen an Nahrungsmitteln konsumiert werden, wobei meist Nahrungsmittel verschlungen werden, die viele Kohlenhydrate und Fette enthalten, jedoch wenig Vitamine und Mineralstoffe, sodass daher langfristig Mangelerscheinungen auftreten. Betroffene können nicht kontrollieren, wie viel sie essen oder wann sie mit dem Essen aufhören müssen. Dieses Syndrom betrifft etwa 2 % der Bevölkerung. Viele der Betroffenen sind übergewichtig, aber nicht alle.

Anders als bei der Magersucht oder der Bulimie sind da auch viele Männer betroffen (35% der Patienten). Eine Erkrankung liegt dann vor, wenn wenigstens an zwei Tagen in der Woche Essattacken auftreten und zwar über einen Zeitraum von sechs Monaten. Als weitere Symptome gelten besonders schnelles Essen, das Essen ohne Hunger, aufgrund von Gefühlen der Schuld, Scham oder Peinlichkeit wird allein gegessen, danach treten Gefühle von Ekel, Schuld oder Depressionen auf, und die Essattacken werden als belastend empfunden. Im Gegensatz zur Bulimie, bei der ebenfalls Essattacken auftreten wird nicht durch drastische Maßnahmen zu verhindern versucht, die aufgenommene Nahrungsmenge wieder auszuscheiden. Dieses Syndrom steht auch im Gegensatz zum Essverhalten des typischen Übergewichtigen, das geprägt ist von einem ständigen Überessen. Mehr noch als alkoholkranke Menschen verstehen es Binge-eater geschickt, die Erkrankung selbst vor nahne Freunde oder Familienangehörigen zu verbergen. Im anglo-amerikanischen Raum gibt es die "Overeaters Anonymous", die davon ausgehen, dass Nahrung genauso Abhängigkeit erzeugen kann wie Alkohol oder andere Drogen, und mit einem ähnlichen 12-Punkte-Programm wie die Alkoholiker-Gruppen arbeiten.

Die verhaltenstherapeutische Behandlung ähnelt den Behandlungsstrategien, die für die Bulimie entwickelt worden sind. Das Ziel ist dabei, das Essverhalten zu normalisieren und den Essrhythmus zu regulieren. Oft wird dazu ein Tagebuch über die gegessene Nahrungsmenge geführt. Das hilft, um Stimmungen, Gefühle und Gewohnheiten herauszufinden, die zu Essattacken führen. Verhaltenstherapeutische Strategien können dann helfen, eine vermehrte Selbstkontrolle zu gewinnen. Außerdem werden Bewältigungsstrategien für Stressfaktoren, die zu Essattacken führen, erarbeitet. Gelegentlich wird dies Vorgehen mit psychodynamischen Therapieansätzen kombiniert. Hier wird vor allem untersucht, welche Konflikte und Belastungen sich hinter der Störung verstecken und welchen Stellenwert diese in der eigenen Lebensgeschichte haben. Solche Therapieverfahren berücksichtigen die negative Selbsteinschätzung des eigenen Körpers und Aussehens, die viele Betroffene haben. Es wird versucht, ihnen zu helfen, das bestehende Gewicht zu akzeptieren und sich gut im eigenen Körper zu fühlen. Eine Gewichtsabnahme soll sich dann durch das normalisierte Essverhalten von selbst einstellen.

Essattacken, Binge-Eating-Disorder

 

Der Begriff der "Binge-Eating-Disorder" wurde erstmals 1959 geprägt. Als eigenständige Diagnose gibt es ihn in den USA erst seit 1994. Das Wort "Binge" wird in der englischen Sprache im Zusammenhang mit exzessiven Trinken gebraucht, so dass "Binge-Eating" auch "Essen wie ein Besäufnis" bedeuten kann. Dies sagt bereits viel über die Natur der Störung aus und deutet ihre Nähe zu den Suchterkrankungen an.

 

Quelle:
http://www.m-ww.de/krankheiten/
psychische_krankheiten/
binge_eating_stoerung.html (04-03-20)

Die Adipositas ist eine weit verbreitete Erkrankung und ist in traditionellen Gesellschaften häufiger in der Oberschicht anzutreffen, denn diese prägt meist auch das gesellschaftliche Schönheitsideal. In unserer Gesellschaftsform findet man sie jedoch eher in der Unterschicht, denn Dicksein widerspricht unserem Schönheitsideal. Lange Zeit wurden Adipöse als undisziplinierte Menschen angesehen, die sich gehen lassen. Heute werden genetische und organische Einflüsse als stark prägend für eine solche Entwicklung erkannt:

  • Übergewicht beginnt bei einem BMI von 25 bis 30.
  • Adipositas beginnt bei einem BMI von 30.
  • Extreme Adipositas beginnt bei einem BMI von 40.

Adipositas bedingt ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Zuckererkrankung, Bluthochdruck, Gelenkschäden und manche Krebsarten. Aber: Übergewicht ist nicht in jedem Fall gesundheitsschädlich. Seine Art (Fettverteilung am Körper) und die der Ernährung sind wichtige Einflussgrößen. Diäten können über den "Jojo-Effekt" eine Adipositas aufrechterhalten oder verschlimmern. Durch sie kommt es zu einer besseren Nahrungsmittelverwertung, aber nach Ende der Diät zu einer übermäßigen Gewichtszunahme.

Da die Adipositas gesellschaftlich unerwünscht ist, kann sie seelische Verstimmungen auslösen. Als Psychogene Adipositas werden die Formen bezeichnet, die vor allem seelische Ursachen haben. Ungefähr 5 Prozent aller Adipösen leiden an einer Heißhungerstörung (Binge-Eating-Disorder), das heißt, sie leiden an Essattacken, die durch Unlustspannungen ausgelöst werden. Ungefähr 10 % sind Nachtesser, die tagsüber ein eingeschränktes Essverhalten haben.

Immer mehr Jugendliche leiden an einer Adipositas. Häufig ist die Erkrankung mit einer depressiven Störung verbunden. Die Betroffenen leben traurig und zurückgezogen und essen vermehrt. Das Übergewicht fördert dann den weiteren sozialen Rückzug.

Adipositas

 

Orthorexia nervosa charakterisiert eine Besessenheit vom gesunden Essen bzw. krankheitswertigem Gesundessen. Dabei handelt es sich um eine Essstörung, bei der die ständige Sorge um Gesundheit zu einer krankhaften Fixierung auf gesundes Essen führt. Wie auch bei der Anorexie oder Bulimie wird der Nahrungsaufnahme ein übertrieben hoher Stellenwert im Alltag eingeräumt. Es kommt zu einem Genussverlust bei der Nahrungsaufnahme, denn Lebensmittel werden ständig in gut und schecht, gesund und ungesund einteilt, wobei man mit der Zeit immer weniger verschiedene Nahrungsmittel zu sich nimmt. Meist findet man diese Esssucht noch im subklinischen Bereich, aber Orthorektiker mit vollem Krankheitsbild sind besessen davon, ihre Umwelt zu missionieren, denn sie können nicht akzeptieren, dass andere Menschen etwas anderes essen wollen.

Orthorexia nervosa

 

Kunze, Michael, Kiefer, Ingrid & Kinzl, Johann (2004). Besessen vom Essen. Kneipp Verlag.

Im Rahmen einer Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 1998 wurden auch die Ernährungsgewohnheiten der 11- bis 15jährigen anhand der Angaben über den täglichen Verzehr bestimmter Lebensmittelgruppen untersucht. Danach verzehren 76 % der Mädchen und 71 % der Jungen im Alter von 11 Jahren täglich frische Früchte. Dieser Anteil sinkt mit zunehmendem Alter auf 63 % bei den Mädchen und 54 % bei den Jungen im Alter von 15 Jahren. Diese Raten sind, im internationalen Vergleich, etwa gleich mit denen anderer mitteleuropäischer und nordamerikanischer Jugendlicher. Lediglich in Südeuropa sowie in Polen und Tschechien werden häufiger Früchte gegessen. Der tägliche Konsum von Kartoffelchips wird in NRW von 14 % der 11jährigen Mädchen und 21 % der Jungen angegeben. Auch diese Raten sinken bei den Älteren auf 7 % unter den 15jährigen Mädchen und 10 % bei den Jungen dieses Alters. Diese Nahrungsmittel haben im angelsächsischen Raum eine größere Bedeutung. Hier verzehren weit über die Hälfte der Befragten täglich Kartoffelchips. Sehr ähnlich sind die Raten des täglichen Verzehrs von Pommes Frites und gebratener Kartoffeln mit einem hohen Fettgehalt. Milch wird von etwa 1/3 der deutschen Jugendlichen aller Altersgruppen täglich konsumiert. Auch diese Raten sind in angelsächsischen Ländern und in Osteuropa nahezu doppelt so hoch. Etwa die Hälfte aller 11- bis 15jährigen Deutschen essen täglich Süßigkeiten in Form von Bonbons oder Schokolade. Diese Rate ist wesentlich geringer in Skandinavien und wesentlich höher in Großbritannien. Auch der Konsum zuckerhaltiger Limonaden (Softdrinks) wurde von etwa der Hälfte der deutschen Jugendlichen angegeben. Für Jungen konnte hier eine leicht erhöhte Quote festgestellt werden.

Ernährungsgewohnheiten Jugendlicher

Quelle;
Ohne Autor (2003). Health Behavior in School-Children (HBSC) Ausgewählte Ergebnisse der Studie aus dem Jahr 1998.
WWW: http://www.uni-bielefeld.de/
gesundhw/ag4/projekte/
hbscergeb.html (03-07-20)

In Deutschland leiden 5 Prozent aller Frauen zwischen dem 14. und 35. Lebensjahr an einer Magersucht oder Bulimie. Die Bulimie tritt zwei- bis viermal häufiger auf als die Anorexie. An einer Magersucht erkranken am häufigsten weibliche Jugendliche, an einer Ess-Brechsucht junge Frauen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. 15 Prozent der Gesamtbevölkerung sind behandlungsbedürftig adipös. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen; eine Häufung der Erkrankung gibt es zwischen dem 40. und 65. Lebensjahr.

Allerdings leiden immer mehr Männer an Anorexie und Bulimie, derzeit sind 5 bis 10 % aller Erkrankten Männer. Trotz der Vielzahl von essgestörten Frauen und zunehmend Männern bleiben die meisten unbehandelt. 90 % der Betroffenen sind Frauen im Alter zwischen dem Beginn der Pubertät und dem 45. Lebensjahr. Sie leiden entweder an Eß-Brechsucht (Bulimia nervosa), Magersucht (Anorexia nervosa), Essattacken (Binge-Eating-Disorder) oder an Esssucht oder latenter Esssucht.

Nach Angaben des Ernährungspsychologischen Instituts der Universität Göttingen ist jede zweite deutsche Frau eßgestört. Es "gibt (...) kaum eine Frau, die auf ganz natürliche Weise mit dem Essen umgehen kann, die keine Waage, keine Diäten kennt, und ißt, worauf sie Appetit hat." Bereits 1984 erklärte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, daß die Essstörungssymptomatik verstärkt und erschreckend bei jungen Mädchen um sich greife, mindestens 50 % der bis 18jährigen habe mindestens schon eine Diät gemacht. Kennzeichnend für eine Essstörung ist die Tatsache, daß der Alltag der Betroffenen zwanghaft um das Thema Essen kreist. Aber nur wenige gestehen sich ein, daß mit ihrem Eßverhalten etwas nicht stimmt.

Die Betroffenen

Siehe dazu die
Körperwahrnehmung Jugendlicher

Die Übergänge der Essstörungs-Erscheinungsformen sind fließend Grundsätzlich sind die Erscheinungsformen der Essstörungen nicht eindeutig voneinander abgrenzbar, die Übergänge können fließend sein. So können sowohl Esssüchtige als auch Magersüchtige nach dem Essen erbrechen. Magersucht kann sich zur Esssucht oder Eß-Brechsucht wandeln und umgekehrt.

Kennzeichnend für eine Essstörung ist die Tatsache, daß der Alltag der Betroffenen zwanghaft um das Thema Essen kreist. Während Magersüchtige mit größtem Energieaufwand versuchen, das Essen auf ein Minimum zu reduzieren, fühlen Esssüchtige sich ohne Einfluß ihrem Eßzwang ausgeliefert, und Eß-Brechsüchtige versuchen dem Dickwerden zu entfliehen, indem sie ihr Essen wieder erbrechen. Essen ist mit Angst, Scham, Depressionen und Wut verbunden. Ansonsten werden Gefühle jedoch verleugnet und die Sucht wird vor sich selbst und vor anderen verborgen. Hunger und Sattheit können nicht mehr differenziert wahrgenommen werden. Ein zentrales Element aller Essstörungen ist der ständige Kampf um Kontrolle, sodaß aus Angst vor totaler Zügellosigkeit und Überwältigung Hunger und alle Arten von Gefühlen unterdrückt und verdrängt werden. Der eigene Körper wird ständig überwacht, damit die Betroffenen das Gefühl haben, wenn schon nicht das Erscheinungsbild doch wenigstens die physischen und psychischen Bedürfnisse im Griff haben zu können. Viele von Essstörungen Betroffene ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück und haben große Schwierigkeiten, in einen tieferen Beziehungskontakt mit anderen Menschen zu treten. Hinzu kommt, daß die Betroffenen gerade in diesem Bereich besonders viel Kraft aufwenden müssen, um mit dem Konflikt zwischen dem Bedürfnis nach Nähe und Verständnis und der Angst vor zu engen Kontakten zurechtkommen zu können. Generell werden Bedürfnisse nur indirekt über die Sucht geäußert, da betroffene Menschen mit Situationen, die mit Stress, Angst und Anspannung verbunden sind, nur schwer aushalten. Sie lösen diese Situationen ausschließlich mit übermäßiger Nahrungsaufnahme oder -verweigerung, denn alternative Strategien wurden nie richtig erlernt.

Neben der Beschäftigung mit dem Thema "Essen" nimmt das Thema "Heimlichkeit" einen wichtigen Platz ein. Eßgestörte Frauen essen in der Regel ganz oder teilweise in Abgeschiedenheit von anderen Personen. Den meisten Frauen fällt es schon schwer, vor sich selbst einzugestehen, daß mit dem eigenen Eßverhalten etwas nicht stimmt. Noch schwieriger ist es, darüber mit anderen Menschen zu reden. Häufig nehmen sie erst nach mehreren Jahren einen Anlauf, sich für ihre Krankheit professionelle Unterstützung zu suchen.

Alle von Essstörungen Betroffenen haben wenig Zugang zu ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Sie erleben ihren Körper als nicht zu ihnen gehörend und sind in der Regel wenig konfliktfähig. Statt Ärger und Konflikte nach außen zu tragen, werden sie selbstschädigend und aggressiv im und am eigenen Körper ausgetragen.

Gemeinsame Aspekte

Diese Bezeichnung steht für ein andauerndes, streng kontrolliertes Essverhalten (lebenslange Diät). Für latent esssüchtige gehört die Beschäftigung mit dem Essen und der Figur zum Alltag. Sie sind davon überzeugt, daß sie ihr "normales" Gewicht nur durch ein stenges Kontrollsystem halten können. Das "eine Mal zuviel essen" wird mit Fasten oder Diät ausgeglichen. Auch latent esssüchtige Frauen haben häufig ein verzerrtes Selbstbild und eine Fremdheit dem eigenen Körper gegenüber. Der Übergang zur Magersucht oder Bulimie kann fließend sein. Die Verhaltensweisen von latent esssüchtigen Frauen werden innerhalb unserer Gesellschaft als fast alltäglich und normal akzeptiert. Das gesellschaftlich anerkannte Idealbild der schlanken Frau wirkt sich fatal für immer mehr Menschen, die diesem Ideal nicht entsprechen, aus. Sie leiden, auch ohne esssüchtig zu sein, unter Minderwertigkeitsgefühlen, Hemmungen, Kontaktschwierigkeiten und einem gestörten Körpergefühl. Gerade bei mäßigem Übergewicht entstehen körperliche Folgeschäden oft erst durch das seelische und soziale Leiden, ausgelöst durch das Schlankheitsideal. Siehe dazu auch die Orthorexia nervosa.

Latente Esssucht

Die Gründe für Essstörungen sind vielfältig und können individuell sehr verschieden sein. Allen Arten von Süchten liegen multifaktorielle Ursachen zu Grunde; eventuell gibt es einen bestimmten Auslöser - die Hintergründe sind jedoch immer vielschichtig.

Biologische Faktoren

Das genetische Potential eines Organismus wird im Augenblick seiner Empfängnis festgelegt, doch das Ausmaß, in dem sich dieses Potential entfaltet, hängt von seiner Interaktion mit der Umgebung ab. Manche Genotypen gedeihen in einer bestimmten Umgebung und in einer anderen nicht, oder eine spezielle Umgebung kann gewisse Anlagen verstärken und andere hemmen Die Untersuchungen, die zum Thema Genetik und Essstörungen gemacht wurden, sind bis jetzt sehr widersprüchlich ausgefallen. Manche Studien zeigen, daß von eineiigen Zwillingen in der Regel nur einer erkrankt und schließen daher eine genetische Disposition mehr oder weniger aus. Andere Forschungsergebnisse besagen das Gegenteil. Eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es noch nicht, , aber man kann jedoch jetzt schon davon ausgehen, daß Essstörungen keine rein erblichen Krankheiten sind, wobei die Möglichkeit von "begünstigenden" Faktoren nicht ausgeschlossen werden kann. So ist zum Beispiel auch der Neurotransmitter Serotonin, dem u.a. bei der Regulierung von Gefühlszuständen und der Nahrungsaufnahme eine bedeutende Funktion zukommt, Gegenstand vieler Untersuchungen.

Soziokulturell - gesellschaftliche Faktoren

Bei den Ursachen von Essstörungen spielen sicherlich der "Schlakheitswahn" und der schon erwähnte Diätkreislauf eine Rolle, sie können jedoch nicht allein für das Krankheitsbild der Essstörungen verantwortlich gemacht werden. Besonders bei Frauen kommt neben den Ansprüchen nach einem schlanken Körper auch noch mit eine Vielzahl von anderen Anforderungen hinzu: Erfolg und Durchsetzungsfähigkeit lassen sich nur schwer mit den als typisch weiblich zugeordneten Eigenschaften wie Sensibilität, Einfühlungsvermögen, Warmherzigkeit und Nachgiebigkeit vereinbaren. Die Verbindung von Kindern und Karriere steht in starkem Konflikt zu den alten Rollenverteilungen und -vorstellungen. Je weniger eine Frau ihre eigenen Bedürfnisse kennt und je schlechter ihr Selbstbewußtsein ausgebildet ist, desto mehr versucht sie, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Um den Vorstellungen der Familie, der Mannes, der Kinder und der Gesellschaft zu entsprechen und die dazugehörigen Konflikte auszuhalten, gibt es oft nur einen Weg - den Weg in die Essstörung.

Familiäre Faktoren

Von großer Bedeutung, ob Menschen Essstörungen bekommen oder nicht, ist die jeweilige psychische Entwicklung innerhalb der Herkunftsfamilie. Abgesehen von den Eßgewohnheiten einer Familie (z.B. häufige Diäten der Mutter) können auch andere Faktoren die Entstehung von Essstörungen begünstigen. Die betroffenen Familien wirken nach außen hin oft perfekt; Konflikte und Emotionen werden jedoch lediglich totgeschwiegen. Dieses zur Schau gestellte Zusammengehörigkeitsgefühl verhindert jede Art von gesunder Individualität: Kinder können sich innerhalb der Familie nicht entfalten und selbständig werden. Auf diesem Weg kann kein gesundes Selbstbewußtsein aufgebaut werden. Die Abgrenzung zur Familie gelingt meist nur schwer - hier haben viele Essstörungen ihren Anfang. Die Betroffenen lehnen sich damit gegen Erwartungen auf und versuchen, sich von den Eltern zu lösen. Gleichzeitig signalisieren sie jedoch das Bedürfnis, umsorgt zu werden. Das Ausdrücken eigener Bedürfnisse kann durch eine Essstörung geschehen - so gelingt im Konflikt zwischen Anpassung und Autonomie eine Abgrenzung, ohne die Regeln zu brechen oder die Erwartungen der Familie zu enttäuschen.

Säuglinge und Kleinkinder können ihre Bedürfnisse oft noch nicht eindeutig artikulieren. Eltern können manchmal schwer erkennen, was ihr Kind möchte und adäquat darauf reagieren. Manchmal hat es Hunger und bekommt nichts, dann ist es satt und zufrieden und muß trotzdem essen. Wird Nahrung als großer "Schnuller" ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Gründe für das Unbehagen des Kindes oder als Belohnung für "braves" Verhalten verabreicht oder als Bestrafung für unerwünschtes und mißbilligtes Verhalten verweigert, wächst das Kind verwirrt heran und wirde unfähig, verschiedene Bedürfnisse voneinander zu unterscheiden. Es fühlt sich hilflos in der Steuerung seiner biologischen Triebe und emotionalen Impulse, sodaß hier die Grundsteine für eine Essstörung oder aber für ein gesundes Eßverhalten gelegt werden.

Magersüchtige Mädchen entwickeln z.B. ihre Essstörung häufig in der Pubertät als Abgrenzungskampf gegen ihre Eltern, und wollen unter keinen Umständen so werden wie die eigene Mutter. In erster Linie wird der eigene Körper abgelehnt. In der sogenannten "anorektischen" Familie gibt es in der Regel keine offenen Konflikte, die Probleme werden "unter den Teppich gekehrt". Nach außen herrscht harmonische Eintracht. Zwischen den Familienmitgliedern gibt es wenig Distanz und Eigenständigkeit. Das Magern betrachten die Mädchen und jungen Frauen als einzige Möglichkeit, wenigstens über den eigenen Körper Autonomie zu besitzen.

Esssüchtige Frauen mußten schon sehr früh Verantwortung übernehmen und eigenständig sein. Häufig wurde ihnen zu früh die Sorge um ihre jüngeren Geschwister übertragen. Obwohl bei den betroffenen Frauen eine große Bedürftigkeit besteht, endlich selbst einmal etwas zu bekommen, gelingt ihnen dies in der Regel nicht auf dem direkten Weg, sondern über den Umweg des "Gebens". Die bulimische Frau, die in der Regel, ähnlich der anorektischen Frau, eine sehr verwobene Mutter-Tochter-Beziehung hat, ist häufig sehr bemüht, nach außen alle an sie gestellten Anforderungen zu erfüllen. Sie kann als "Superfrau" gesehen werden, die eine brave Tochter für die Eltern ist, eine attraktive Frau für den Partner und leistungsorientiert für den Arbeitgeber ist. Mit großer Anstrengung versucht sie nach außen diesen unterschiedlichen Rollenanforderungen gerecht zu werden, und entstehende Konflikte werden mit dem Körper ausgetragen. Eß-Brech-Anfälle sind, wenn auch sprachlos, als Protest gegen die massiven, oft nicht zu vereinbarenden Anforderungen zu verstehen. Das Erbrechen erleben viele Frauen als symbolische Reinigung von Fremdansprüchen.

Häufig finden sich in der Biographie der Patientinnen Ereignisse, die auf mehr oder weniger schweren sexuellen Mißbrauch hinweisen, wobei die Täter meist aus dem Bekanntenkreis oder der Familie kommen. Kinder, die kein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen konnten, versuchen um jeden Preis, die Erwartungen der Familie zu erfüllen und auf diesem Weg Anerkennung und Liebe zu bekommen. Sie wagen nicht, Grenzen zu ziehen und zu widersprechen und werden damit zu idealen Opfern.

Individuelle, persönlichkeitsspezifische Faktoren

Als Grundkonflikt bei Essstörungen wird die Suche nach der eigenen Identität angesehen. Häufig ist sie begleitet von langjährigen inneren Kämpfen zwischen Abhängigkeit und Selbstbestimmung. Anfangs innerhalb der Familie, später in Beziehungen zu Partnern und im öffentlich-gesellschaftlichen Leben. Esssüchtige haben meist ein äußerst instabiles Selbstwertgefühl und versuchen, sich Liebe und Anerkennung durch Leistung oder Anpassung zu verdienen. Frauen mit Essstörungen sind oft perfektionistisch veranlagt, denn sie haben das Gefühl, sich anderen ständig beweisen zu müssen und nichts, was sie tun, ist gut genug. Ziele, die erreicht wurden, werden entweder konsequent verleugnet und ignoriert oder durch neue, höhere ersetzt. Die Ansprüche, die die Betroffenen sich selbst gegenüber haben, sind in der Regel völlig übertrieben und können daher gar nicht erreicht werden. Der eigene Körper wird konsequent abgelehnt und alle Versuche, sich mit ihm auseinanderzusetzen und anzufreunden, werden genauso abgeblockt wie positive Kommentare von anderen Menschen. Viele Betroffene erwecken das Eindruck, sich gar nicht helfen lassen zu wollen. Die Sucht ist das einzige, worauf sie sich verlassen können, denn nur hier erleben sie hin und wieder ein Gefühl von Macht und Kontrolle über ihr Leben. Die Essstörung ermöglicht ihnen, unangenehme Gefühle nicht spüren und nicht ausdrücken zu müssen. Frauen, die von Essstörungen betroffen sind, haben grundsätzlich Probleme mit Nähe und Distanz; sie haben nicht gelernt, ihre Grenzen richtig wahrzunehmen. Bei Übergewichtigen offenbart es sich in ihrem Körperfett als unscharfer Ich-Grenze, bei Bulimikerinnen in der extremen Durchlässigkeit ihrer Grenzen - sie lassen zuviel hinein und müssen es dann gewaltsam wieder hinausbefördern - und bei Magersüchtigen in einem Zuviel an Grenzziehung - sie lassen zuwenig in sich hinein. Esssüchtige sagen immer "ja", Bulimikerinnen immer "ja, aber" und Magersüchtige immer "nein".

Ursachen

 

 

 

 

 

Auf den Fidschi-Inseln verfünffachte sich die Zahl der bulimiekranken Frauen, nachdem 1995 der Fernseher eingeführt wurde und vorwiegend schlanke Mädchen zu sehen waren.

Obwohl bei der Essstörungssymptomatik Anteile süchtigen Verhaltens zu finden sind und auch von Esssucht, Magersucht und Eß-Brech-Sucht gesprochen wird, können in der Beratung und Behandlung nicht automatisch Suchtkonzepte übernommen werden. Ein ganz wesentlicher Unterschied zur Tablettensucht, Alkoholismus und zur Drogensucht besteht darin, daß es keine Abstinenzregel geben kann, da es ja nicht möglich ist, auf das Essen zu verzichten.

Im Laufe der letzen Jahre hat sich jedoch ein breites Angebot mit speziellen Konzepten an Hilfsmöglichkeiten für Eßgestörte etabliert. Es gibt inzwischen Beratungsstellen für Essstörungen und Spezialabteilungen in psychosomatischen Kliniken und Suchtkliniken. Darüberhinaus gibt es Suchtberatungsstellen, freie Praxen und wissenschaftliche Forschungsteams, sowie in fast jeder Stadt Selbsthilfegruppen, an die sich Betroffene wenden können.

Wichtigste Voraussetzung ist die Bereitschaft, eine Unterstützung von außen anzunehmen. Mit anderen Worten: Betroffene müssen sich der eigenen Krankheit bewußt stellen und einen ersten Kontakt zu einer der genannten Stellen machen. In einem Informationsgespräch besteht die Möglichkeit, für sich zu klären, welche Einrichtung ihnen am angemessensten erscheint; ob z.B. eine klinische oder eine ambulante Betreuung in Frage kommt. Je nach Einrichtung besteht die Möglichkeit, Einzel-, Gruppen-, Familien- oder Paar-therapie/beratung zu nehmen. Allen gemeinsam ist jedoch, daß sie keine schnellen Erfolge versprechen können. Eine oft langjährig bestehende Symptomatik kann eben nicht in kurzer Zeit behoben werden. Als Therapieerfolge können beispielhaft folgende Veränderungen eintreten: Das Leben dreht sich nicht mehr ausschließlich um Essen oder Nicht-Essen. Das Selbstwertgefühl hat sich so weit stabilisiert, daß es nicht mehr allein vom Körpergewicht abhängig ist. Hungergefühle und Gefühle des Sattseins werden wahrgenommen. Der eigene Körper wird als zu-sich-selbst-gehörend angenommen. In Problemsituationen wird Ärger und Wut auch einmal ausgedrückt, statt diese Gefühle "wegzuessen". Rückfälle in Krisensituationen können akzeptiert werden.

Behandlungsformen

Die Schwierigkeit bei der Behandlung von Essstörungen liegt darin, eine Balance zu finden zwischen der Beachtung der physischen Probleme, die jede Art von Aufmerksamkeit und Konzentration unmöglich machen und vor allem schnell lebensbedrohlich werden können, und der Richtung des Augenmerks auf das, was hinter der Sucht liegt. Bei schlechter physischer Verfassung kann eine ärztliche Behandlung oder sogar die Einweisung in ein Krankenhaus unbedingt notwendig sein. Erzwungene Maßnahmen berücksichtigen jedoch nicht, daß die Betroffenen die Situation selbst meistern können sollte und behindern somit vorerst die Möglichkeit, allmählich eine eigene Kontrolle aufzubauen. Eine an Zwangsmaßnahmen anschließende Therapie müßte daher dazu beitragen, eigene Gefühle und Grenzen kennenzulernen und zuzulassen. Ein weiteres Ziel jeder Therapie muß sein, den eigenen Körper zu akzeptieren und Bedürfnisse nicht mehr nur mit dessen Hilfe auszudrücken.

Eine Behandlung, die sich nur auf die körperlichen Symptome der Betroffenen konzentriert, kann natürlich nicht die Sucht selbst beseitigen. Magersüchtige Patientinnen, die in einem Krankenhaus künstlich ernährt werden, haben dadurch noch lange nicht ihre Eßverhalten geändert und erleiden nach der Entlassung oft sofortige Rückfälle. Als Ergänzung zu anderen Maßnahmen helfen auch Medikamente, die Heißhungeranfälle und depressive Verstimmungen dämpfen können, welche oft Begleiterscheinungen von Essstörungen sind (Serotoninregulation).

Die Psychoanalyse geht davon aus, daß unbewußte und unbewältigte Konflikte der Kindheit die Ursache psychischer Störungen sind. Dies ist zumindest teilweise auch bei Essstörungen der Fall. Ziel dieser therapeutischen Behandlung ist es, Beziehungsmuster und unverarbeitete Probleme bewußt zu machen und dadurch zu verarbeiten. Die akuten Symptome (z.B. die Sucht ) werden außer acht gelassen, da man davon ausgeht, daß sie automatisch verschwinden, wenn die Verletzungen der Vergangenheit bewältigt sind und alte Verhaltensmuster erkannt wurden.

Die Gesprächspsychotherapie, z.B. die klientenzentrierte Ausprägung bei Rogers, beschäftigt sich im Gegensatz zur Psychoanalyse mit den aktuellen Problemen der Patientinnen. Der Therapeut verbalisiert regelmäßig, wie die Erzählungen und die Körpersprache der Betroffenen auf ihn wirken und vermittelt ihr dadurch eine Art Spiegelbild, sodaß die Betroffenen in die Lage sind, sich praktisch "von außen" zu betrachten. Dieser veränderte Blickwinkel bringt es oft mit sich, daß die Klientin ihr Handeln und Erleben besser versteht, sie es aber auch ändern kann. Der Therapeut gibt jedoch grundsätzlich keine Handlungsanweisungen, denn die Änderung der problematischen Verhaltens -weisen soll durch Selbsterkenntnis erfolgen.

Bei der Verhaltenstherapie geht es darum, unerwünschtes Verhalten zu erkennen und Alternativen zu entwickeln. Es wird davon ausgegangen, daß jedes erlernte Verhaltensmuster auch wieder verlernt werden kann. Bei einer Essstörung analysiert man, unter welchen Bedingungen sich das gestörte Eßverhalten entwickelt hat und warum es aufrechterhalten wird. Da die Essstörung in vielen Fällen als Ersatz für fehlende Konzepte zur Lösung von Problemen und Konflikten dient, werden neben der "Symptombehandlung" andere Konfliktlösungsstrategien erarbeitet, die auf Dauer eine Stabilisierung der Fortschritte bewirken sollem. Zu Beginn der Therapie werden kurz -, mittel - und langfristige Ziele festgelegt und es wird gemeinsam erarbeitet, wie man sie erreichen kann. Es werden Regeln entwickelt, die zum Aufbau eines gesunden Eßverhaltens beitragen sollen, z.B. mit Hilfe von Selbstbeobachtungsprotokollen die von der Patientin geführt werden müssen. Sie helfen, Auslöser, Art und Schwere der Erkrankung zu erkennen und Therapieziele zu kontrollieren. Situationen, in denen es zu einer Verschlimmerung der Symptome kommt, werden auf diesem Weg erkannt und alternative Verhaltensweisen können entwickelt werden.

In einer Gruppentherapie fördert die ähnliche Problematik aller Teilnehmerinnen das Gefühl, in der Sucht nicht alleine zu sein. Die Selbstexploration wird gefördert; man hat die Möglichkeit, sich in den Geschichten der anderen selbst wieder zu entdecken. Die Gruppe wirkt häufig als Gegengewicht zu den sehr engen und verstrickten Beziehungen innerhalb der Familie. Bei Gruppen mit Essstörungen haben sich besonders Körperübungen bewährt. Berührungen, Massagen und Wahrnehmungsübungen fördern das Vertrauen zwischen den Betroffenen und helfen, das verzerrte Bild des eigenen Körpers realistischer einzuschätzen und zu korrigieren. Probleme entstehen vor allem dann, wenn die Betroffenen beginnen, miteinander zu konkurrieren. Besonders magersüchtige Frauen vergleichen sich ständig mit anderen und versuchen, weniger zu wiegen, wie ihr Umfeld.

Da die Ursachen oder Auslöser von Essstörungen oft im familiären Bereichliegen und diese Ausdruck für die Konflikte sind, die in der Familie existieren, kann eine Familientherapie angebracht sein, denn jedes Mitglied wird damit zu einem mehr oder weniger großen Teil der Sucht und wird in die Behandlung mit einbezogen. Oft ist nicht klar, wieviel eine Person im Familiensystem mit seinem eigenen Verhalten zur Entstehung und Beibehaltung einer Sucht beiträgt, daher kann das mit Hilfe einer Familientherapie analysiert und verändert werden. Alte, unbewußte Strukturen werden auf diesem Weg aufgebrochen und es wird klar, daß die Essstörung oft nur ein Symptom für ein Problem ist, das die gesamte Familie betrifft und unbewußt oder bewußt totgeschwiegen wird.

Im Psychodrama werden Gefühle und Ereignisse nicht nur beschrieben und analysiert, sondern aktiv ausgedrückt. Es gibt dabei keine Zuschauer; auch die anderen Gruppenmitglieder sind in der Regel an der Darstellung der einzelnen, persönlichen Problematik beteiligt. Konflikte können auf diesem Weg aufgearbeitet werden. Alte Verhaltensmuster kristallisieren sich deutlich heraus und können mit Hilfe der Gruppe durch neue ersetzt werden. Festgefahrenes Verhalten kann durch die Methodik des Rollentausches erkannt und verändert werden. Das Psychodrama bietet die Möglichkeit, sich selbst von anderen darstellen zu lassen und damit einen tieferen Einblick in die eigene Persönlichkeit zu gewinnen. Betroffene können in Rollen schlüpfen, die ihnen bisher fremd waren und damit zum Beispiel lernen, Aggressionen und Gefühle besser zu äußern. Da das Psychodrama die verbale Kommunikation überschreitet, und den Akzent auf das handelnde Moment legt, bedient es nicht das Verlangen nach Versorgung, das mit einer jeden Sucht verbunden ist, sondern das Geheimste und Stummste einer Esssüchtigen wird öffentlich und erhält Sprache.

Veränderungen durch Therapie - Behandlung - Beratung - Selbsthilfe

 

Neben der Möglichkeit, sich professionelle Hilfe zu suchen, gibt es auch die Möglichkeit, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen oder selbst eine Gruppe zu gründen. Besondere Voraussetzungen sind dafür nicht erforderlich. Es gibt jedoch bestimmte Regeln, die eingehalten werden sollten. Für viele Beteiligte bedeutet die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe, aus Isolation und Heimlichkeit herauszutreten und im Kontakt mit anderen Betroffenen Verständnis für die eigene Problematik zu erfahren. Voraussetzung ist auch hier, die Verantwortung für sich selbst und die eigenen Handlungen übernehmen zu wollen.

Angehörige und Freunde

Vertrauen ist der erste Schritt zur Hilfe Angehörige und Freunde sollten wissen, daß es wenig Sinn hat, Betroffene zur Beratung und Behandlung zu zwingen. Genausowenig hilfreich ist es, die Augen vor der Essstörung zu verschließen. Ein offenes und ehrliches Gespräch mit einer guten Freundin oder einer anderen vertrauten Person kann der erste Schritt für Betroffene sein, sich konkrete Hilfsangebote zu suchen. Auch die Angehörigen selbst haben die Möglichkeit, sich an Beratungsstellen oder andere Einrichtungen zu wenden und z.B. im Rahmen von Familiengesprächen die Betroffenen zur Selbstverantwortung zu motivieren.

Prävention

Da die Eltern-Kind-Beziehung bei der Entstehung von Essstörungen eine große Rolle spielen, gibt es Möglichkeiten, jedem Kind im Laufe der Erziehung hilfreiche oder aber auch schlechte Voraussetzungen für eine spätere psychische und physische Gesundheit mitzugeben. Seelisch ausgeglichene und selbstbewußte Kinder mit stabilen Ich sind belastbarer als andere. Ein gesundes Eßverhalten vorzuleben und gleichzeitig den eigenen Körper als etwas Schönes, Wertvolles und Liebenswertes darzustellen, kann späteren Essstörungen vorbeugen. Alles, was dazu führt, daß ein Kind sich selbst und seinen Körper annehmen kann, fördert das Selbstbewußtsein und wirkt somit leztlich präventiv. In der Schule können spezielle Unterrichtseinheiten, Referate oder aber die Einführung von Beratungsstunden aufklärend helfen. Maßnahmen auf gesundheitspolitischer Ebene können mit einem Abbau von Abhängigkeiten und Mehrfachbelastungen insbesondere bei Frauen insgesamt unterstützend wirken.

Selbsthilfegruppen

 

In Österreich gibt es eine Telefon-Hotline, die anonym für Anfragen zum Thema Essstörungen zur Verfügung steht: 0810/810 400
(zum Ortstarif)

Essstörungen bleiben lange im Verborgenen, meist gibt es nur allgemeine Hinweise. Mädchen, die an einer Anorexia nervosa leiden, versuchen am Anfang, familiäre Mahlzeiten zu meiden und benutzen dafür Ausreden wie: "Ich habe schon gegessen", oder "Ich habe gar keinen Hunger." Dabei widmen sie sich häufig mit Ausdauer dem Wohlergehen der Familie, kochen aufwendige Gerichte für andere. Auch innerlich sind die Betroffenen ständig mit dem Essen beschäftigt, alle Lebensmittel werden in gute (nicht dick machende) und schlechte (dick machende) eingeteilt. Kalorien und Fettpunkte werden genauestens kontrolliert. Unter dem Vorwand, sich gesund zu ernähren, wird lange Zeit eine stark einseitige Ernährung durchgeführt. Viele Früchte und Gemüse werden konsumiert, manchmal ausschließlich Babybrei.

Das Essverhalten erfährt mit zunehmender Erkrankung eine immer stärkere Kontrolle. Dabei wird es auch zur Kontrolle von anderen eingesetzt. Häufig bestimmen Mädchen mit Essstörungen das Familienklima. Es besteht eine krankhafte Furcht, dick zu werden, was bei längerem Krankheitsverlauf zum völligen Vermeiden größerer Mahlzeiten oder sozialer Situationen, in denen gegessen wird, führt. Nach einer Nahrungsaufnahme versuchen die Mädchen, die Kalorien wieder abzutrainieren oder aus dem Körper zu entfernen. Übermäßiges Sporttreiben ist ein sichtbares Warnzeichen.

Im Sozialbereich ziehen sich die Mädchen häufig aus bestehenden Freundschaften zurück, haben keine Lust mehr, mit anderen etwas zu unternehmen. Nicht selten kommt es zu einem Rückzug ins Elternhaus, wobei sozial erwünschte Kontakte wie der Gang zur Kirche oder zur Schule lange aufrechterhalten werden. Im körperlichen Bereich wird die Abmagerung der Mädchen verdeckt durch Schlabberkleidung oder Tragen dicker Pullover und Mäntel; es fällt eine schlechte Durchblutung der Hände auf.

Bulimische Mädchen sind dagegen normalgewichtig, man sieht ihnen die Bulimie nicht an. Bei chronischem exzessiven Erbrechen schwellen die Ohrspeicheldrüsen wie bei Mumps an, und es entsteht ein "Hamstergesicht". Diese Patientinnen sind oft sozial unangepasster als solche mit einer Anorexia nervosa. Schule schwänzen, aber auch Ladendiebstähle kommen öfter vor. Sie leiden an starken Stimmungsschwankungen und depressiven Verstimmungszuständen. Absichtlich zugefügte Schnittwunden, meist an den Unterarmen, können mit dieser Erkrankung verbunden sein.

Warnzeichen für Essstörungen

Quelle:
Imgart, Hartmut (2002). Essstörungen.
WWW: http://www.efg-hohenstaufenstr.de/
downloads/texte/essstoerungen1.html (04-10-22)

Das Prader-Willi-Syndrom führt zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr zu einer starken Esssucht, die zwangsläufig zu Übergewichtigkeit führt. Diese genetisch bedingte Krankheit tritt durchschnittlich bei jedem sechzehntausendsten Neugeborenen auf. Die davon betroffenen Kinder wachsen verlangsamt heran und sind meist in Grobmotorik und Intelligenz unterdurchschnittlich entwickelt. Im Erwachsenenalter beträgt die durchschnittliche Grösse von Patienten mit Prader-Willi-Syndrom 146 cm (Frauen) und 152 (Männer). Folgeerkrankungen sind häufig.

Die genetischen Defekte, die dem Prader-Willi-Syndrom zu Grunde liegen, sind weitgehend bekannt, wobei die Symptome durch eine Fehlfunktion des Zwischenhirns verursacht werden. Bei vielen Patienten können Wachstum und Körperproportionen mit Hilfe von mit Wachstumshormonen normalisiert werden.

Genetisch bedingte Esssucht

Quelle:
http://www.childgrowth.org/
praderwillisyndrom/index.htm (04-12-13)‚

Eine Befragung von 8- bis 14-Jährigen in Oberösterreich durch das Österreichische Institut für Kinderrechte & Elternbildung kam zu folgenden Ergebnissen:

  • Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler ist über- oder untergewichtig.
  • Mehr als ein Drittel der Befragten findet sich selbst zu dick, wobei Mädchen unzufriedener mit ihrer Figur sind als Buben. Mädchen möchten dünner sein, Burschen muskulöser.
  • Rund 10 Prozent haben schon Diät-Erfahrung. 70 Prozent davon sind Mädchen.
  • Als Lieblingsspeisen nennen die Befragten Pizza, Spaghetti, Schnitzel und Fleisch als Favoriten, von Salat und Obst halten sie nicht viel.
  • Ein Viertel der Kinder frühstückt nicht, ein Drittel nimmt das Mittagesen in Schule oder Hort ein.

Ernährungsgewohnheiten bei 8- bis 14-Jährigen in Oberösterreich

om 13.04.2005: OÖN vom 13.04.2005

Amerikanische Neuropsychologen fanden schließlich heraus, daß bei einigen Menschen der Genuß von Schokolade zur Sucht führen kann. Bei Versuchspersonen, die sich schnell mit Schokolade vollstopfen, fanden die Forscher vermehrte Gehirnaktivität in den Bereichen, die mit Sucht in Verbindung gebracht werden. Bei den Probanden, die nur genußvoll Schokolade verzehrten, zeigte die Gehirnregion keine Aktivität.

Kurioses Detail

Quelle:
Oberösterreichische Nachrichten, 7. Jänner 2002

Quellen:
Teile des Textes entstammen Schriften des "GVS Gesamtverbandes für Suchtkrankenhilfe", Kassel.

Laessle, R. G. et al. (2001). Familiäre Einflussfaktoren für den Essstil übergewichtiger Kinder. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 2.
Imgart, Hartmut (2002). Essstörungen.
WWW: http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/texte/essstoerungen1.html (04-10-22)
http://wwwm.htwk-leipzig.de/~schweika/Drogenprojekt/Gruppe3/Ordner1/Kauf3.html (00-04-27)
http://sozialarbeitspsychologie.de/bed.htm (02-01-19)
http://www.ginespage.de/referat.html (03 01 11)




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