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Die Struktur von Entwicklungsaufgaben

Beschreiben Sie das Konzept der Entwicklungsaufgaben von Havighurst im Vergleich mit anderen Modellen der Entwicklung.

Havighurst definiert:

Eine Entwicklungsaufgabe ist eine Aufgabe, die sich in einer bestimmten Lebensperiode des Individuums stellt. Ihre erfolgreiche Bewältigung führt zu Glück und Erfolg, während Versagen das Individuum unglücklich macht, auf Ablehnung durch die Gesellschaft stößt und zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung späterer Aufgaben führt.

Der Autor unterscheidet drei Quellen der Entwicklungsaufgabe: physische Reife, kultureller Druck (Erwartungen der Gesellschaft) und individuelle Zielsetzungen oder Werte. Diese drei Komponenten lassen sich, wenn man sich eine etwas allgemeinere theoretische Sichtweise zu eigen macht, heute fassen als:

  • individuelle Leistungsfähigkeit,
  • soziokulturelle Entwicklungsnorm und
  • individuelle Zielsetzung in einzelnen Lebensregionen.

Diese Komponenten zeigen, daß die Entwicklungsaufgabe ein zentraler Erklärungsbegriff einer ökologischen Entwicklungspsychologie ist: Sie verbindet Individuum und Umwelt, indem sie kulturelle Anforderungen mit individueller Leistungsfähigkeit in Beziehung setzt, und sie räumt zugleich dabei dem Individuum eine aktive Rolle bei der Gestaltung der eigenen Entwicklung ein. Im Gegensatz zu den meisten Entwicklungsbegriffen erklärt sie Entwicklung nicht nur als Resultat vergangener Ereignisse, sondern aus vorweggenommenen zukünftigen Geschehnissen. Dabei wird ein merkwürdiges, spezifisch menschliches Charakteristikum betont, nämlich daß sich Menschen monatelang, jahrelang und jahrzehntelang um etwas bemühen, für etwas kämpfen, das erst in Zukunft - und auch dann nicht mit Sicherheit - Wirklichkeit wird.

 

Die Vorwegnahme zukünftiger Ereignisse, auch solcher in ferner Zukunft, ist ein entscheidender Motor menschlicher Entwicklung. Das Ungleichgewicht, das nach Piaget zu höheren Entwicklungsniveaus führt, besteht hier in der Diskrepanz zwischen jetzigem Entwicklungsstand und erwünschtem aktiv vorweggenommenem Status.

Das Konzept der Entwicklungsaufgaben ist dem verwandt, was Alfred Adler "Lebensstil" nennt, nämlich die gleichmäßige, zielgerichtete Bewegung, die Ausdruck der individuellen, schöpferischen Auseinandersetzung in der frühen Kindheit mit den angeborenen Anlagen und den umweltbedingten Anforderungen des Lebens ist. Entwicklung beinhaltet sowohl nach Adler als auch nach Havinghurst ein lebenslanges Überwinden von Problemen, das dem Individuum eine aktive Rolle bei der Gestaltung einräumt. Verschiedene Entwicklungsaufgaben oder entwicklungsspezifische Varianten der Lebensaufgaben werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Entwicklung eines Individuums aufgrund kultureller Anforderungen relevant. Das Meistern der Aufgaben gelingt am besten, wenn die der vorangehenden Phase bewältigt wurden.

Entwicklungsaufgaben

[Quelle: http://ulrichtemme.de/download/Paed_Jgst_12/Hurrelmann-gesamt.pdf]

Was ist Coping?

Die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben wird in der Psychologie oft mit dem Konzept des Coping in Verbindung gebracht, wobei dieser Begriff vor allem unter dem Gesichtspunkt des Mißlingens bzw. der Furcht davor betrachtet wird.

In der Psychologie, insbesondere in der Verhaltenstherapie, wird unter Coping im engeren Sinne  die Reaktion (oder Reaktionen) auf eine Bedrohung verstanden. Die Bedrohung besteht im Gewahrwerden der Möglichkeit, daß unangenehme Ereignisse eintreten können, wobei keine routinemäßigen Handlungen zur Verhinderung der unangenehmen Ereignisse bekannt sind, bzw. ausgeführt werden können. 

Unter Coping im weiteren Sinne faßt man alle Handlungen auf, die darauf ausgerichtet sind, potentielle Bedrohung erst gar nicht entstehen zu lassen.

Coping ist dann angemessen, wenn es der persönlichen Zielerreichung im Sinne der Förderung der seelischen Gesundheit dienlich (zumindest aber nicht abträglich) ist, also wenn es die Lebenszufriedenheit zuverlässig und möglichst langfristig fördert (zumindest diese aber nicht reduziert). Ein Coping ist dann angemessener als ein anderes, wenn es dem Individuum insgesamt mehr nützt, d.h., die Folgen sollen für das Indviduum insgesamt positiver im Sinne von Zufriedenheit sein.

Verkürzt: Coping A ist angemessener als Coping B, wenn A dem Individuum insgesamt mehr nützt als B. Genauer: Die Folgen von A (einschließlich A) sollen für das Indviduum insgesamt positiver im Sinne der Zufriedenheit sein, als die Folgen von B (einschließlich B).

Da sich für fast alle Copings Bedingungskonstellationen finden lassen, welche die Anwendung dieses Copings als angemessen qualifiziert, wäre zweifellos von Vorteil, das Individuum verfüge über eine große Vielfalt unterschiedlicher Coping-Capabilities, die, um die Fiktion zu vervollständigen, dann auch noch gemäß eines optimalen diagnostischen Verfahrens quasirational, je nach den situationalen Erfordernissen, zur Anwendung kämen. 

Die frühen Copingmodelle lassen sich in reiz- oder reaktionszentrierte Konzepte differenzieren. Die reizzentrierten Stressmodelle verstehen einzelne oder umfassende Stimulusbedingungen als Stress und gehen davon aus, daß diese Bedingungen weitgehend unabhängig vom Individuum Stress hervorrufen. Für die Psychosomatik hat die "Life-event-Forschung" als reizorientiertes Stressmodell lange Zeit eine hervorragende Bedeutung gehabt. Der Begriff "life event" bezeichnet ein Lebensereignis, wobei hauptsächlich ein belastendes und lebensveränderndes Ereignis gemeint ist (Tod des Ehepartners, Scheidung, Geburt eines Kindes, berufliche Veränderung usw). Diese Forschungsrichtung versucht einen Zusammenhang zwischen den äußeren Veränderungen und den seelischen sowie körperlichen Folgen herzustellen.

Die klassisch reaktionszentrierten Stresskonzepte verstehen eine unspezifische Aktiviertheit des Organismus als Stress, die durch humorale und physiologische Reaktionen vermittelt wird. Reaktionszentrierte Copingmodelle betonen die individuelle Seite der Verarbeitung von Ereignissen, untersuchen insbesondere den Bedeutungsgehalt (z. B. Erwünschtheit oder Unerwünschtheit), dem ein Ereignis von dem betreffenden Individuum zugemessen wird.

Das elaborierteste Copingmodell ist der transaktionale Ansatz von Lazarus, der von einer prozeßhaften bidirektionalen Beziehung zwischen Umwelt- und Personenvariablen ausgeht. Als zentrale Mechanismen bei der Adaptation von Individuen an belastende Person-Umwelt-Beziehungen (z. B. die Krankheit) werden kognitive Bewertungsprozesse angesehen, die sich entweder auf das subjektive Wohlbefinden des Individuums oder seine Bewältigungsmöglichkeiten beziehen. Nach Lazarus und Mitarbeitern ist es willkürlich, ob bei der Analyse des Copingverhaltens die situativen Bedingungen oder die individuellen Copingmechanismen fokussiert werden, da sich beide über die ständige wechselseitige Beeinflussung stetig verändern. Für Lazarus spielen zeitlich überdauernde "stabile" Persönlichkeitsmerkmale ("traits") bei der Bewältigung gegenüber eher situativ determinierten Merkmalen ("states") keine besondere Rolle.

Der Coping-Begriff ist insofern verwirrend, als er einmal in einer eher biologischen Bedeutung als erfolgreicher Anpassungsprozeß verstanden wird, zum anderen als ein breites Muster von Reaktionen, die mobilisiert werden, um eine Situation zu handhaben. Sie können mehr oder weniger adaptativ sein.

Es bestehen also unterschiedliche Auffassungen darüber, wie eng die Beziehung zwischen Coping und Effektivität der Bewältigung ist. Kriterien für ein adaptives und erfolgreiches Coping zu finden, ist naturgemäß schwierig. Was die Bandbreite der Coping-Reaktion und deren Schematisierung betrifft, unterscheiden sich die verschiedenen Autoren beträchtlich  Aufgrund des bisher begrenzten Wissens über Coping-Prozesse schlagen manche eher breite Dimensionen für eine Taxonomie vor und unterscheidet Coping-Reaktionen, die auf Problembewältigung ausgerichtet sind, von Copingmechanismen, die auf die Bewältigung von Emotionen abzielen.

Beide Coping-Aktivitäten können sich jeweils sowohl auf der Verhaltens- als auch auf der kognitiven Ebene abspielen. Hierbei werden, wie schon bei Lazarus, neben offenen handlungsbezogenen auch intrapsychische Umbewertungsprozesse berücksichtigt, die teilweise auch aus dem psychoanalytischen Abwehrkonzept abgeleitet wurden.

Soweit Abwehr nicht nur als ein dysfunktionaler und pathologischer Prozeß aufgefaßt wird, sondern auch als eine anpassungsfördernde Ich-Leistung verstanden wird, erscheint eine Gegenüberstellung von Abwehr und Coping, nicht sinnvoll. Sowohl die Abwehr als auch das Coping können als Ich-Funktionen verstanden werden, die jeweils integriert im Individuum ablaufen. Die Abwehr diente primär der intrapsychischen Regulation (Affektverarbeitung), und das Coping wäre stärker mit der realitätsnahen und problemlösenden Anpassungsaufgabe im Prozeß der Krankheitsbewältigung befaßt.

Die angemessene Abwehr bedrohlicher, die Integrität des Selbst gefährdender Affekte oder Erfahrungen stellt somit die Voraussetzung dafür dar, daß ein Individuum sich in einer konstruktiven Weise mit den mit der Erkrankung verbundenen Anforderungen auseinandersetzen kann (Coping, Bewältigung).

Andere Modellvorstellungen von Entwicklung

Siehe dazu auch

Entwicklungsperiode

Entwicklungsaufgaben

Frühe Kindheit
(0-2 Jahre)

  • Anhänglichkeit (social attachment)
  • Objektpermanenz
  • Sensumotorische Intelligenz und schlichte Kausalität
  • Motorische Funktionen

Kindheit
(2-4 Jahre)

  • Selbstkontrolle (vor allem motorisch)
  • Sprachentwicklung
  • Phantasie und Spiel
  • Verfeinerung motorischer Funktionen

Schulübergang und frühes Schulalter
(5-7 Jahre)

  • Geschlechtsrollenidentifikation
  • Einfache moralische Unterscheidungen treffen
  • Konkrete Operationen
  • Spiel in Gruppen

Mittleres Schulalter
(6-12 Jahre)

  • Soziale Kooperation
  • Selbstbewußtsein (fleißig, tüchtig)
  • Erwerb der Kulturtechniken (Lesen, Schreiben etc.)
  • Spielen und Arbeiten im Team

Adoleszenz
(13-17 Jahre)

  • Körperliche Reifung
  • Formale Operationen
  • Gemeinschaft mit Gleichaltrigen
  • Heterosexuelle Beziehungen

Jugend
(18-22 Jahre)

  • Autonomie von den Eltern
  • Identität in der Geschlechtsrolle
  • Internalisiertes moralisches Bewußtsein
  • Berufswahl

Frühes Erwachsenenalter
(23-30 Jahre)

  • Heirat
  • Geburt von Kindern
  • Arbeit/Beruf
  • Lebensstil finden

Mittleres Erwachsenenalter
(31-50 Jahre)

  • Heim/Haushalt führen
  • Kinder aufziehen
  • berufliche Karriere

Spätes Erwachsenenalter
(51 und älter)

  • Energien auf neue Rollen lenken
  • Akzeptieren des eigenen Lebens
  • Eine Haltung zum Sterben entwickeln

Siehe auch Werner Stangl: Anlage und Umwelt in der kindlichen Entwicklung. Versuch über die Veränderung der psychologischen Perspektive

Quelle: Oerter, Rolf & Montada, Leo (Hrsg.) (1995). Entwicklungspsychologie. Weinheim: PVU.

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