[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Entwicklungsaufgaben im Jugendalter

Die Zeit des Erwachsenwerdens ist voller Gegensätze, sodaß Eric Erikson (1988) in seinem Modell der psychosozialen Krisen bei der Adoleszenz von Identität versus Identitätskonfusion spricht: "Die Grundmuster der Identität müssen aber (1) aus der selektiven Anerkennung und Nichtanerkennung des Individuums aus der Kindheit hervorgehen und (2) aus der Art und Weise, in der der soziale Prozeß der erlebten Zeit junge Menschen identifiziert - im besten Fall in ihrer Anerkennung als Personen, die so werden mußten, wie sie sind und denen man, so wie sie sind, vertrauen kann" (Erikson, 94f. 1988).

Die Heranwachsenden selbst und die sie umgebende Umwelt muß aktive Integrationsarbeit leisten, damit notwendige Entwicklungsfortschritte für die weitere Persönlichkeits- und Identitätsbildung gesichert sind. Die Integration kann gelingen oder mißlingen, sodaß die Heranwachsenden die gesellschaftlich vorgebahnten Wege und Alternativen verlassen und wenig integrierbare Lebenspläne entwickeln, die dann die Form von Opposition annehmen und eine Ablehnung der etablierten Gesellschaft zur Folge haben. Gesellschaftliche Integration heißt auch, in der Lage sein, die Faktoren, die das Leben beeinflussen, mitzubestimmen, sie als veränderbar, als aushandelbar zu begreifen und zu handhaben, im Unterschied zu einem Lebensverständnis, das die gesellschaftlichen Prozesse als unabhänderlich vorgegeben deutet und passive und fatalistische Unterordnung zur Folge hat.

Jugendliche entwickeln ihren eigenen Lebensstil, ihre eigenen Wertmaßstäbe in bezug auf ein bedürfnisgerechtes Leben. Dies schließt Bewertungskategorien für Freizeitformen, für Unterhaltungselemente, für kulturelle Erfahrungen und soziale Beziehungen usw. ein. Die Entfaltung einer eigenen und stabilen Identität wird angesichts der zeitgeistigen Zerstückelung und Diffusion des individuellen Selbstverständnisses für viele Jugendlichen in einer pluralistischen Wertewelt erschwert. In der Regel ist im überwiegend kommerziell gesteuerten Freizeit- und Konsumbereich der Spielraum Jugendlicher für die Ausgestaltung eines eigenes Lebensstils sehr groß, aber viele Jugendliche fühlen sich gerade dadurch überfordert und alleingelassen.

Für die Ausgestaltung eines eigenen Lebensentwurfs haben die Gleichaltrigenbeziehungen eine besondere Bedeutung, wobei darin zahlreiche Chancen für Jugendliche liegen, weil diese Begegnungen ein geeigneter Platz zum Ausloten von Rollen- und Identitätsmustern sind. Allerdings sind diese Beziehungen auch nicht konflikt- bzw. risikofrei. Das "Ausgegrenzt-Sein", das "Nicht-Dazugehören" zu dieser oft in den Medien propagierten informellen "Jugend"-Kultur ruft bei vielen Jugendlichen das Gefühl des "Am-Rande-Stehens" aus und erhöht die Neigung, sich am Rande stehenden Jugendlichen anzuschließen, die mit dieser Gesellschaft nicht mehr viel im Sinn haben, um um dort sinnstiftende Identität zu gewinnen.
Erwachsenwerden ist ein Wechselspiel vom Erfahren von Grenzen, vom Ausloten und vom Finden von gänzlich eigenem Neuen. Die Selbstfindung verlangt es, im ständigen Ausloten von Grenzen, Neues zu erforschen. Nichts wird so sein, wie es einmal war. Jugend ist eine Zeit des Abschieds. Die Kindheit ist vorbei. Um Neues kennenzulernen, muß Altes losgelassen werden.
Abgrenzung ist ein wichtiger Schritt, denn Jugendliche beginnen, ein eigenes Leben jenseits der Familie zu führen und sich abzulösen. Jugendliche wachsen vermehrt in ihre peer-group hinein. Einerseits benötigen sie Zuwendung, andererseits sind sie oft sehr konfrontierend. Junge Menschen brauchen eigene Reviere. Diese sollten für die anderen tabu sein. Jugendliche müssen sich von ihren Eltern abgrenzen können und die Eltern dürfen nicht mehr alles wissen. Jugendliche brauchen eigene Zimmer, eigene Reliquien und ein eigenes Tagebuch. Einer der großen Fehler der Erwachsenen in der Erziehung von Jugendlichen ist es, diese Reviere nicht zu respektieren. Die Spannung für die Erwachsenen muß in dieser Lebensphase darin liegen, nicht alles zu wissen.
Mit dem Verschwinden der Kindheit gehen auch wichtige Rituale verloren: wenn Kinder von Anfang an kleine Erwachsene sind, sie zu allem Zugang haben, dann können sie nicht mehr in Form von Ritualen und Initiationen "eingeweiht" werden. Rituale werden zum Teil von den Eltern überliefert, aber wenn dies nicht erfolgt, suchen sich die jungen Menschen ihre Rituale selbst. Alle diese Rituale dienen dem Eintritt in die Erwachsenenwelt und haben eine wichtige Funktion bei der zunehmenden Übernahme von Verantwortung.

Was sind Entwicklungsaufgaben?

Unter einer Entwicklungsaufgabe versteht man jene kulturell und gesellschaftlich vorgegebenen Erwartungen und Anforderungen, die an Personen einer bestimmten Altersgruppe gestellt werden. Sie definieren für jedes Individuum in bestimmtem Lebenslagen objektiv vorgegebene Handlungsprobleme, denen es sich stellen muß. Sie fungieren auch als Bezugssysteme, innerhalb derer die personelle und soziale Identität entwickelt werden muß.

Das Konzept der Entwicklungsaufgaben wurde von Havighurst (1948) definiert und beschreibt den Lebenslauf als eine Folge von Problemen, denen sich das Individuum gegenüber sieht und die es bewältigen muß. Er geht davon aus, daß die verschiedenen Anforderungen, die in einem bestimmtem Lebensabschnitt erfüllt werden müssen, durch eine besondere Kombination von innerbiologischen, sozio-kulturellen und psychologischen Einflüssen entstehen. Das Modell von Havighurst unterscheidet sich damit grundlegend von anderen Modellvorstellungen der menschliche Entwicklung.

Die Festlegung einer Aufgabe, die die Gesellschaft an den Einzelnen stellt, ist normativ, die Altersgrenzen für die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben sind jedoch variabel. Ebenso variiert der Grad der normativen Verpflichtung: einige Entwicklungsaufgaben sind als Angebote mit Empfehlungscharakter zu verstehen, andere sind durch Sanktionen gestützte Forderungen. Nicht alle Aufgaben sind jedoch vorgegeben, ein weiterer Teil setzt sich aus persönlichen Zielen und Projekten zusammen. Entwicklungsaufgaben gliedern also den Lebenslauf und geben dem einzelnen Jugendlichen Sozialisationsziele vor (Oerter & Montada 1995).

Die Gesellschaft stellt an die Erfüllung von "normativen Entwicklungsaufgaben" von Jugendlichen bestimmte Erwartungen. D.h. erwachsene Personen haben spezifische Erwartungen darüber, zu welchem Zeitpunkt und auf welche Art Jugendliche Entwicklungsaufgaben lösen sollen. So wird eine verfrühte Lösung von Entwicklungsaufgaben von den erwachsenen Personen am meisten geschätzt, gefolgt von der Lösung von Entwicklungsaufgaben zum gesellschaftlich erwarteten Zeitpunkt und dem Nichtlösen mangels Kompetenz (Grob u.a. 1995, S. 59f.). Willentliches Unterlassen der Erfüllung von Entwicklungsaufgaben wird am wenigsten akzeptiert.

Zum jeweiligen Lösungsstand von Entwicklungsaufgaben werden auch emotionale "Stellungnahmen" abgegeben, und zwar reagieren erwachsene Personen

mit Ablehnung, Ärger und Verachtung, wenn Jugendliche diese Entwicklungsaufgaben willentlich nicht lösen.

Wichtige Entwicklungsaufgaben in der Jugendphase sind z.B.

Diese Aufgaben werden als Grundlage für die zukünftige Entwicklung betrachtet. Bezüglich der zeitlichen Zuordnung geht Havighurst davon aus, daß es innerhalb der Lebensspanne Zeiträume gibt, die für die Erledigung bestimmter Aufgaben besonders geeignet sind. Die Annahme solcher sensitiver Perioden bedeutet jedoch nicht, daß bestimmte Prozesse nicht auch zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff genommen werden können, aber der Lern- oder Entwicklungsprozeß erfordert dann aber einen wesentlich höheren Aufwand als zuvor. Darüber hinaus unterscheidet Havighurst zwischen Aufgaben, die zeitlich abgeschlossen sind, und solchen, die sich über mehrere Perioden der Lebensspanne erstrecken.

In jedem Lebensabschnitt lasten bestimmte Anpassungsanforderungen auf dem Jugendlichen, deren erfolgreiche Bewältigung führt zu Zufriedenheit und Erfolg bei den nächsten Aufgaben, während der Mißerfolg zu Unzufriedenheit, zur Mißbilligung durch die Gesellschaft und zu Schwierigkeiten mit späteren Aufgaben führt:

A developmental task is a task which arises at or about a certain period in the life of an individual, succesful achievment of which leads to happiness and to success with later tasks, while failure leads to unhappiness in the individual, disapproval by the society, and difficulties with later tasks" (Havighurst, 1948).


Adventure seeker on an empty street
Just an alley creeper, light on his feet
A young fighter screaming, with no time for doubt
With the pain and anger can't see a way out
It ain't much I'm asking, I heard him say
Gotta find me a future move out of my way

I want it all, I want it all, I want it all, and I want it now.

Listen all you people, come gather round
I gotta get me a game plan, gotta shake you to the ground
But just give me, huh, what I know is mine
People do you hear me, just gimme the sign
It ain't much I'm asking, if you want the truth
Here's to the future for the dreams of youth

Queen


Entwicklungsaufgaben Havighurst


Siehe dazu Entwicklungsaufgaben als Initiationsrituale

Zentrale Entwicklungsaufgaben

Eine wesentliche Entwicklungsaufgabe besteht darin, den schulischen und beruflichen Herausforderungen in wachsendem Maße in Selbstverantwortung nachzugehen, diesbezüglich eigene Normen und Ansprüche herauszubilden und diese als verbindlich und orientierend anzusehen. Ziel der Bewältigung schulischer und beruflicher Qualifikationsanforderungen ist die Ausübung eines Berufes, der ökonomische und soziale Absicherung in Aussicht stellt, außerdem ein Mindestmaß an persönlicher Entfaltung und gesellschaftlicher Anerkennung garantiert.

In der Tatsache, daß der Übergang in das Beschäftigungssystem und damit der Erwerb einer wesentlichen Teilrolle des Erwachsenenstatus strukturell erschwert ist, liegen erhebliche Risiken und Belastungen für die Jugendlichen. Selbst hochwertige schulische Abschlüsse bieten heute keine Garantie für den Zugang zum Erwerbsleben. Der erschwerte Zugang zum Beschäftigungssystem bedeutet nicht nur Konkurrenz und Leistungsdruck, sondern gefährdet auch den Aufbau einer sicheren Zukunftsperspektive.

Es gibt einige wesentliche Rahmenbedingungen bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben, sodass die Jugendlichen unterschiedlich gerüstet bzw. beeinträchtigt an die Bearbeitung ihrer Entwicklungsaufgaben herangehen können:

Organische Faktoren geben Aufschluss über den körperlichen Zustand des Kindes wie z.B. äußeres Erscheinungsbild, körperliche Aktivitäten,... Anomalien und Defekte des physischen Organismus (körperliche Behinderungen wie z.B. Sprachbehinderungen) können die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben erschweren oder verhindern. Wichtig für die Entwicklung des Kinds ist die Beziehung der Familienmitglieder untereinander, d.h. entscheidende Indikatoren sind hierbei Liebe, Geborgenheit und Anerkennung. Belastend für das Verhalten des Kindes wirken sich Konflikte zwischen den Eltern, Uneinigkeiten in Erziehungsfragen (Lob und Strafe, Liebesentzug) aus.

Eine wichtige Rolle spielt auch das soziale Umfeld des Kindes, zu welchen Gruppen das Kind Kontakt hat, welche Verhaltensnormen in der Gruppen Anerkennung finden, welchen Status das Kind innerhalb der Gruppe einnimmt. Dies wirkt sich wiederum auf das Selbstwertgefühl des Kindes aus. Anerkennung, Liebe und das Gefühl von Geborgenheit unter Gleichaltrigen sind für das Kind von besonderer Bedeutung.

Schulische Faktoren wie Zeugnisse, Prüfungsergebnisse oder Abschlüssehängen mit den intellektuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten zusammen, die in der Schule, im Beruf und im sozialen Umfeld aktualisiert werden können. Behinderungen wie z.B. Krankheit können die Bewältigung neuer Aufgaben erschweren, was zu Misserfolgserlebnissen führen kann, was wiederum die Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigen kann.

Überzogenen Leistungserwartungen der Eltern stellen besondere Ausgangsrisiken für das Auftreten von Stresssymptomen bei Jugendlichen dar, bedeuten ein besonderes Konfliktpotential innerhalb der Familien. Viele Jugendliche fühlen sich einer ständigen Überforderung ausgesetzt und befinden sich im Dauerkonflikt mit ihren Eltern.

Der Übergang ins Erwachsenenalter ist demnach erst dann zufriedenstellend möglich, wenn alle jugendaltersspezifischen Entwicklungsaufgaben bewältigt und zugleich die psychodynamischen Veränderungen sowie der Prozeß der inneren Ablösung von den Eltern abgeschlossen sind, wenn also die "Adoleszenzkrise" bewältigt wurde. Die Gewinnung der Identität wird als der Kernkonflikt des Jugendalters verstanden, denn das von der Gesellschaft angebotene Weltbild wird systematisch nach seiner Deutungsleistung abgefragt, wobei Defizite und Leerstellen, Widersprüche und Ambivalenzen Ausgangspunkt und Auslöser für heftige Orientierungs- und Selbstwertkrisen sein können. Die Suche nach der eigenen Identität ist somit ein phasenspezifisches Charakteristikum des menschlichen Entwicklungsrozesses, das in der gegebenen Form typisch und charakteristisch für das Jugendalter ist und in der Regel in dieser Form auch nur im Jugendalter auftritt.

Nach Hurrelman et al werden in heutigen Industriegesellschaften für die Adoleszenzphase im menschlichen Lebenslauf folgende Entwicklungsaufgaben klassifiziert (Hurrelmann, Rosewitz & Wolf, 1985):

Dekovic, Noom & Meeus (1997) orientieren sich an der Veränderung der Eltern-Kind-Beziehung während der Adoleszenz und unterteilt die Entwicklungsaufgaben im Jugendalter in drei Gruppen. Übergeordnetes Ziel ist es, ein neues und bewusstes Verhältnis zu sich selber und der Welt zu erreichen.

Persönliche Aufgaben (intrapersonaler Bereich):

Beziehungsaufgaben (interpersoneller Bereich):

Sozioinstitutionale Aufgaben (kulturell-sachlicher Bereich):

Entwicklungsaufgaben müssen in täglichen konkreten Handlungen an bestimmten Orten mit bestimmten Personen bewältigt werden, denn die Persönlichkeit eines Jugendlichen entwickelt sich durch diese Auseinandersetzungen mit Aufgaben im sozialen Kontext von Eltern, Gleichaltrigen, Freunden, Lehrern und/ oder Kollegen am Arbeitsplatz.

In der Copingforschung wird Entwicklungsaufgaben der Stellenwert von potentiellen Stressoren eingeräumt, wobei dies in Abhängigkeit von der Menge, ihrer Bedeutsamkeit sowie den zur Verfügung stehenden Strategien zu ihrer Bewältigung zu bewerten ist. Coping bezeichnet einen andauernden Prozeß, in dem das Individuum auf die Erreichung eines Ziels hin arbeitet. Kennzeichen des Coping-Konzepts nach Olbrich & Todt (1984):

Der Prozeß der Ablösung von den Eltern und die Bewältigung der anstehenden Entwicklungsaufgaben führt auch immer wieder zu abweichendem Verhalten und zu Normverletzungen. Parallel zur sozialen und emotionale Ablösung vom Elternhaus läuft der Aufbau stabiler Beziehungen zu Gleichaltrigen, die Entwicklung einer Partnerbeziehung. Die Beziehungen zu den Eltern verkomplizieren sich oft dadurch, daß Jugendliche einerseits sehr früh einen von den Eltern unabhängigen Lebensstil in Freizeit- und Konsumbereich entfalten, andererseits aber aufgrund der zum Teil langen Ausbildungswege materiell lange von den Eltern abhängig sind.

Manche Besonderheiten adoleszenten Verhaltens lassen sich allerdings eher als Begleiterscheinungen des Versuchs ansehen, aufgetretene Probleme zu bewältigen und wieder zu stabilen Handlungsorientierungen zu gelangen. Die bekannten Schwierigkeiten werden dann zu Problemen im engeren Sinne, wenn sie mit den Strategien und Problemlösungsroutinen, die einer Person aktuell zur Verfügung stehen, nicht bewältigt werden können.

Verhaltensprobleme Jugendlicher

Probleme bei der Lösung von Entwicklungsaufgaben

Konkrete Verhaltensprobleme Jugendlicher, wie etwa Rauschmittelkonsum, Deliquenz usw. können also zunächst als Handlungen verstanden werden, die zur Bewältigung von Orientierungsproblemen und Entwicklungsanforderungen beitragen sollen. Auch bestimmte Symptome psychosozialer und psychosomatischer Störungen der Entwicklung der Persönlichkeit von Jugendlichen können zu den Erscheinungsformen einer abweichenden und anormalen Problemverarbeitung im Jugendalter gezählt werden. Im Jugendalter rücken auch Symptomgruppen wie Depression, Magersucht und versuchter Selbstmord in den Vordergrund.

Die Bewältigung solcher Problemkonstellationen hängt u.a. von individuellen Kompetenzen und Kapazitäten ab, die ein Jugendlicher aufgebaut und aktuell zur Verfügung hat. Die unterschiedliche Ausprägung der Kompetenzen für die Problembewältigung ist ein maßgeblicher Faktor dafür, ob eine solche Konstellation in ihren Folgen und Auswirkungen zu einem schweren und dauerhaften Problem wird oder nicht.

Foto: http://www.jugendkultur.at/

Unsicherheiten im Umgang mit den Herausforderungen der Zeit

Martina Beham (1997) subsummiert anhand von Fallstudien jene Faktoren, die es Eltern und Jugendlichen erschweren bzw. erleichtern die Herausforderungen in der Pubertät zu bewältigen, insbesondere die sich stellenden Entwicklungsaufgaben

Spezifische innerfamiliäre Dynamiken

Richtig verstandener Zusammenhalt

Zusammenhalt in der Familie bedeutet nicht, daß es keine Konflikte geben darf und daß individuelle Wünsche und Bedürfnisse nicht geäußert und gelebt werden dürfen. Familien, die den Zusammenhalt falsch verstehen, die aus Angst vor Veränderung des familiären Gleichgewichts keine Konflikte und keine Änderungen familiärer Regeln zulassen, behindern die Entwicklung des Jugendlichen. Konstruktive Auseinandersetzungen und Konflikte, die die Chance beinhalten, neue Rollen, Positionen sowie einen veränderten Umgang des Miteinanders auszuhandeln, sind für die Identitätsfindung notwendig und wichtig.

Klare Familien- und Subsystemgrenzen

Ist die Familiengrenze sehr dicht, verhindert dies die Außenorientierung. Der Auf- und Ausbau außerfamiliärer Beziehungen wird erschwert; dies ist vor allem bei Jugendlichen, bei denen die gleichaltrigen Freunde und Freundinnen einen unverzichtbaren Beitrag zur Entwicklung und Sozialisation leisten, problematisch. Gerade in der Pubertät des Kindes ist es aber gleichzeitig wichtig, daß innerhalb der Familie die Subsystemgrenzen klar sind. Jugendliche dürfen nicht zu "Ersatzpartnern" werden und Eltern nicht zu "Ersatzgeschwistern". Jugendliche, die zum Partnererstz werden, können Eltern nicht im ausreichenden Maß loslassen bzw. die notwendigen Selbstbestimmungswünsche artikulieren.

Beziehungsprobleme der Partner

Beziehungsprobleme und Konflikte zwischen den Partnern, die nicht direkt miteinander ausgetragen werden, sondern über den/die Jugendliche/n, behindern dessen/deren Ablösung. Versucht jeder der beiden Elternteile, den/die Jugendliche "für sich zu gewinnen", kommt es häufig zu Loyalitätskonflikten, die Jugendlichen fühlen sich für die Zwistigkeiten unter den Eltern verantwortlich.

Erziehungsunsicherheiten

Erziehungsstile und -ziele haben sich geändert. Eltern können die Erziehungsmethoden, die sie selbst in ihrer Kindheit und Jugend erlebt haben, nicht auf die Erziehung der eigenen Kinder anwenden - zu sehr haben sich die gesellschaftlichen Bedingungen und Herausforderungen an die Erziehung geändert. Schwanken Eltern im Alltag zwischen traditionellen und neuen Erziehungswerten, wissen sie nicht, woran sie sich in der Erziehung orientieren sollen und können und wie sie auf die neuen Herausforderungen der Zeit (Vielfalt an Werten und Lebensformen, veränderte Bedeutung von Kindern, wachsende Bedeutung von 'Miterziehern' wie Medien etc.) in der Erziehung adäquat reagieren sollen, wird ihre Erziehung oft inkonsequent. Jugendlichen fällt es dann schwer, sich zu orientieren.

Uneinigkeiten in der Erziehung

Die Orientierung für Jugendliche wird aber auch erschwert, wenn Eltern bei ihrem Versuch, den "richtigen" Weg in der Erziehung zu finden, sehr unterschiedliche Erziehungsvorstellungen vertreten und sehr unterschiedliches Erziehungsverhalten praktizieren. Fehlt in Familien zwischen den Partnern Übereinstimmung in grundsätzlichen Erziehungsfragen, ist es schwer, zu der für die Ablösung des/der Jugendlichen und den Zusammenhalt in der Familie nötigen Ausgewogenheit zwischen zugestandenen Freiräumen und Grenzziehungen zu kommen.
Siehe dazu auch Stangl, Werner (1987). Konsistenz elterlichen Erziehungsverhaltens. Psychologische Beiträge, 29, S. 349-375.

Zusätzliche Stressoren

Nichtbeachtung der Herausforderungen durch kritische Life-events

Die Pubertät eines Kindes erfordert sowohl von den Jugendlichen als auch den Eltern Umorientierungen. Sie verlangt neue Rollenverteilungen, eine Modifikation der bisher in der Familie geltenden Regeln. Diese Anpassungsleistungen bedürfen Zeit und Energie. Haben Familien zusätzliche kritische Life-events, wie z.B. Wiederverheiratung bzw. Aufbau einer neuen Partnerbeziehung, Hausbau, Arbeitslosigkeit etc. zu bewältigen, die ihrerseits von jedem einzelnen in der Familie viel Energie erfordern, besteht die Gefahr, daß die Herausforderungen durch die Pubertät nicht entsprechend wahrgenommen und die notwendigen Umorientierungen und Anpassungsleistungen nicht erbracht werden (können).

Siehe auch Studien zur Entwicklung im Jugendalter

Quellen und Literatur:

Beham, Martina (1997). FÖRDERLICHE UND HEMMENDE FAKTOREN ZUR BEWÄLTIGUNG DER ENTWICKLUNGSAUFGABEN IN FAMILIEN MIT PUBERTIERENDEN. Nummer 4. Österreichisches Institut für Familienforschung.
Dekovic, M., Noom, M. J., & Meeus, W. (1997). Expectations regarding development during adolescence: Parental and adolescent perceptions. Journal of Youth and Adolescence, 26, 253-272.
Dreher, E. & Oerter, R. (1986). Children's and Adolescents' Conceptions of Adulthood: The Changing view of a Developmental Task. In Silbereisen, R.K. & Eyferth, K. & Rudinger, G. (Hrsg.), Development as action in context. (S. 109 - 120). Berlin: Springer.
Erikson, E. (1988). Der vollständige Lebenszyklus. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.
Flammer, A. (1991). Entwicklungsaufgaben als Initiationsrituale? Entwicklungsaufgaben anstelle von Initiationsritualen? (S. 89-101). In G. Klosinski G. (Hg.), Pubertätsriten -- Aequivalente und Defizite in unserer Gesellschaft. Bern: Huber. Havighurst, R. J. (1948). Developmental tasks and education. New York: Longman.
Havighurst, R.J. (1953). Human development and education. New York: Longmans & Green.
Hurrelmann, K. & Rosewitz, B. & Wolf, H.K. (1985). Lebensphase Jugend. Weinheim und München: Juventa.
Morschitzky, Hans (1999). Wenn Jugendliche ängstlich sind. Ratgeber für Eltern, Lehrer und Erzieher. Wien: ÖBV & HPT.
Oerter, R. & Montada, L. (1995). Entwicklunspsychologie. Vollständig überarbeitete Auflage. Weinheim: Psychologie Verlags Union.
Olbrich, E. & Todt, E. (1984). Probleme des Jugendalters. Berlin: Springer.
Schenk-Danzinger, L. (1993). Entwicklungspsychologie. Wien: Österreichischer Bundesverlag.
Oberösterreichische Jugendstudie (2000). w3: http://www.ooe.gv.at/presse/archiv/LK/2000/LK2000-32_ vom_8_Februar_2000.htm (00-05-26)



inhalt :::: kontakt :::: news :::: impressum :::: autor :::: copyright :::: zitieren
navigation:
linz 2016