Mobbing, Bossing, Stalking |
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Der Ursprung des Begriffs Mobbing liegt im lateinischen mobile vulgus - "aufgewiegelte Volksmenge“. Mobbing in der heute üblichen Verwendung leitet sich vom englischen "mob" für Meute, randalierender Haufen her. "To mob" heißt demnach pöbeln. Doch nicht jeder Krach, jede Streiterei, Schikane oder Ungerechtigkeit ist Mobbing.
Sie auch |
Früher hieß es "triezen", "schikanieren", "intrigieren", "einschüchtern", "bloßstellen", "ignorieren" oder "fertig machen", heute heißt es "Mobbing" und ist durch diese Bezeichnung stärker und problembewusster in die Diskussion eingedrungen. Im Fernsehen werden Gesprächforen angeboten, es gibt viele Ratschläge und Selbsthilfe-Gruppen, Anlaufstellen und Beratungsstellen für Menschen, die gemobbt werden. Während früher Betroffene, die Probleme mit ihren Nachbarn, am Arbeitsplatz oder innerhalb der Familie hatten im schlimmsten Fall depressiv wurden oder Selbstmord begingen, rotten manche heute gleich die ganze Familie aus. Der relativ neue Begriff des "Mobbings" wurde in der Verhaltensforschung geprägt. Mit dem Begriff wurden 1963 von Konrad Lorenz Gruppenangriffe von unterlegenen Tieren auf einen überlegenen Gegner dort von Gänsen auf einen Fuchs - bezeichnet. Peter-Paul Heinemann verwendete 1969 den Begriff für das Phänomen, dass Gruppen eine sich von der Norm abweichend verhaltende Person attackieren. Heute wird der Begriff Mobbing überwiegend angewendet, um psychische Gruppengewalt im Arbeitsleben zu charakterisieren. Was den sprachlichen Aspekt anlangt, ist er schon nach kurzer Zeit auf dem besten Wege, den Charakter eines Fremdwortes zu verlieren und zu einem "Lehnwort" zu werden, also zu einem Wort, von dem man zwar noch weiß, dass es einmal aus einer fremden Sprache kam, das aber nicht mehr als fremd empfunden wird. Das sieht man daran, dass aus dem Hauptwort "Mobbing" bereits Verben wie "mobben" und "anmobben" entstanden sind. Im Hinblick auf die soziologische Weiterentwicklung Ursprünglich nur auf die Arbeitswelt bezogen, wird die Bedeutung miittlerweile auf zahlreiche andere Lebensbereiche wie Sport, Kultur, Politik, Schule, Staat und Kirche ausgedehnt. Dennoch: Zentral für die Betrachtung von Mobbing ist immer noch der Arbeitsplatz, denn dieser wird immer wertvoller, die wenigsten Menschen könnten es sich leisten, ihn zu verlieren. Personalmangel, hohe Arbeitsbelastung, Stress, Rivalität, aber auch Gewalt von Seiten der KollegInnen. Firmenchefs müssen sich fragen, wie psychisch gesund ist der Betrieb? Wie gradlinig und vernünftig wird kommuniziert? Ein Personalchef, der meint, private Probleme hätten am Arbeitsplatz nichts verloren, ist naiv, denn gute Chefs sehen den Menschen als Ganzes. Die öffentliche Diskussion zum Thema Mobbing ist polarisierend, denn auf der einen Seite finden sich dramatische Schilderungen von Mobbingvorgängen, auf der anderen Seite stehen jene, die die Existenz des Phänomens bestreiten und die individuellen psychischen Probleme der Mobbingopfer nicht als Folge von Ausgrenzung am Arbeitsplatz sondern eher als deren Ursache betrachten. Das Mobbingkonzept ist in wissenschaftlichen Betrachtung ein noch wenig erforschtes Phänomen, das sich über eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Disziplinen erstreckt: Psychologie, Soziologie, Psychiatrie, Juridik, Politische Wissenschaft, Sozialpsychologie, Betriebswirtschaft usw. Die weitaus meiste Forschung wurde bisher hauptsächlich von Psychologen durchgeführt. Weniger Arbeiten kommen aus der medizinischen Wissenschaft, z. B. der Psychiatrie. Forscher aus anderen Wissenschaftzweigen haben bisher eher selten Beiträge geleistet, obwohl sich diese Situation schon sehr geändert hat. Somit sind erste Beiträge aus der Arbeitsjuridik, der Soziologie und der Betriebswirtschaftslehre vorhanden (Leymann o.J.). Eine wissenschaftlich ehrliche Kritik des Mobbingkonzeptes sollte zu kreativer Zusammenarbeit stimulieren. Kritik hat bisher davon gehandelt, seinen Mißmut darüber kundzutun, daß die Mobbingforschung sich nicht manierlich in altherkömmlichen Strukturen bewegt hat. Die Kritik, die ich mir statt dessen wünsche, sollte fachlich auf wissenschaftlich korrekte Weise die Methoden des wissenschaftlichen Vorgehens prüfen. Hier ist wirklich noch viel zu tun, sollte man sich die Mühe machen, die dazu nötigen Arbeitseinsätze zu leisten. Mein Beitrag war, dieses Phänomen erstmalig aufzuzeigen, zu konzipieren und einen wissenschaftlich ausgerichteten Zugang zu diesem Phänomen zu erarbeiten. Feinheiten einer statistischen Arbeitsweise kommen da zu Beginn immer erst einmal zu kurz. Allerdings ist die Forschung derzeitig so weit vorangetrieben, dass es sinnvoll geworden ist, sich um methodologische Verbesserungen zu bemühen. Dazu bedarf es stabiler, konstruktiver und gekonnter Kritik. Eine der wichtigsten Kritiken, die vorgebracht werden sollten, muss jedoch auf die Durchführung von Maßnahmen abzielen, um vorzubeugen, abzustellen, wiederherzustellen und zu rehabilitieren. Mobbing ist ein Phänomen in allen menschlichen Gesellschaften. Als besonders gefährdete Personengruppen gelten Menschen, die sich durch ein oder mehrere Merkmale von der Gruppe abheben, z.B. durch eine Behinderung, die Sprache, einen anderen Sozialstatus, äußere Auffälligkeiten wie Kleidung, Haare, Verhalten z.B. ein Nichtraucher unter Rauchern oder umgekehrt oder weltanschauliche Ansichten. Auch die besonders Engagierten und Leistungsorientierten sowie die eher Introvertierten gehören dazu. Jeder Mobbingprozess hat nach Leymann (1995) eine eigene Dynamik und verläuft in mehreren Phasen, wobei am Anfang eines Mobbing-Prozesses oft ein unausgetragener Konflikt steht, der mit der Zeit am Arbeitsplatz unterschwellig weiter wirkt und das Klima vergiftet. Gewalt am Arbeitsplatz ist ein langsamer und schleichender Prozess und reicht von anonymen Schreiben, Nötigung, Erpressung, Sachbeschädigung bis hin zu Gewaltakten. Allgemein herrscht eine aggressivere, gereizte Stimmung unter den Mitarbeitenden, es wird aber - zum Teil aus Angst - nichts dagegen unternommen. In einer zweiten Phase kommt es zu meist verbalen Feindseligkeiten durch spitze Bemerkungen und Gehässigkeiten. Es entsteht ein Ungleichgewicht. Die Feindseligkeiten nehmen zu und richten sich gezielt gegen eine bestimmte Person oder Gruppe. Der ursprüngliche Konflikt tritt dabei in den Hintergrund und es kommt zur Polarisierung in eine "Opferrolle" und eine "Täterrolle". Auch bilden sich "Mythen" über die betroffene Person (z. B.: "Wenn Frau Mayer nicht im Team wäre, könnten wir viel schneller arbeiten"). Es folgen Rechts- und Machtübergriffe, sodaß mit der gemobbten Person jetzt niemand mehr zusammenarbeiten will und sie nicht mehr akzeptiert und respektiert wird. Dadurch wird sie zusehends unsicher, macht Fehler und fällt auf. Ihr schlechtes Befinden, das erst durch Mobbing entstanden ist, dient zur Rechtfertigung weiter gehender Ausgrenzungen. Der reguläre Arbeitsablauf wird gestört, sodaß der Betrieb die Gemobbten zunehmend als lästig empfindet und es wird ihnen nahe gelegt zu kündigen. Der Gesamtzustand des Mobbing-Opfers, hervorgerufen u. a. durch die soziale Isolation und die Zurückweisungen, verschlechtert sich weiter bis hin zu schweren Erkrankungen. Durch ärztliche und psychologische Fehldiagnosen ihrer körperlichen und psychischen Mobbingfolgen ("Kindheitsneurose", "Wechseljahrdepression") machen die Betroffenen die Erfahrung, daß auch von dieser Seite keine Hilfe kommt. Es kommt schließlich zum Ausschluß aus der Arbeitswelt in Form von langfristiger Krankschreibung, Frührente oder Kündigung. Im Extremfall versuchen sie ihre Konflikte am Arbeitsplatz mit (Waffen-) Gewalt zu lösen oder Selbstmord zu begehen. |
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Evolutionäre Herkunft des Mobbing?
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Tiere die in irgendeiner Weise von den üblichen Standarts ihrer Art abweichen sind so gut wie immer zum Tode verurteilt, da sie schlechter an ihre Umwelt angepaßt sind als ihre Artgenossen. Manchmal schaden sie damit nur sich selbst - wenn Wölfe Schafe jagen, suchen sie sich immer das schwarze Schaf aus der Herde aus, weil es sowohl in der Landschaft von weitem zu sehen, als auch in der Herde selbst auffälliger und leichter zu verfolgen ist. Die auffällige Farbe weißer Löwen führt dazu, daß das ganze Rudel keinen Jagderfolg hat. Es gibt deshalb Arten wie Schafe, die normalerweise duldsam gegenüber abweichend gefärbten oder sich verhaltenden Schafen sind. Tiere anderer Arten (z.B. Raben) dagegen verjagen oder töten Artgenossen, die anders sind als der Durchschnitt. Bei Menschen hat Mobbing offensichtlich dieselbe evolutionäre Wurzel: Jeder, der auffällig ist, hat ein erheblich erhöhtes Risiko, gemobbt zu werden. So werden Männer in Frauenberufen, Frauen in Männerberufen, Behinderte und Ausländer deutlich häufiger gemobbt als der Durchschnitt der Bevölkerung. Außerdem verhalten sich Tiere, die Artgenossen ausgrenzen nahezu genauso wie Menschen, die mobben . In der Evolution gibt es zwei grundsätzliche Strategien, mit der sich eine Art ihre ökologische Nische erkämpfen kann: Es gibt Spezialisten, die an eine sehr spezielle Lebensweise angepaßt sind und denen nahezu alles angeboren ist, was sie an Wissen und Strategien zum überleben brauchen, bis zum Aussehen der Beute oder Nahrung und es gibt Generalisten, die unter sehr unterschiedlichen Bedingungen überleben können, da sie durch ausprobieren - Neugierspiel - herausfinden was als Nahrung, Versteck, Nistmaterial verwendbar ist und was gefährlich ist. Doch auch bei diesen Arten ist normalerweise das Sozialverhalten weitgehend angeboren. Nur beim Menschen wird auch das Sozialverhalten sehr weitgehend erlernt, wenngleich es immer noch angeborenen Grundmustern entspricht. So haben wir Menschen eine sicherlich auch angeborene Alternative zu Ausgrenzung: Die Erfindung des Fachmanns/Rollenzuweisung. Deshalb werden auch unerfreuliche Rollen wie Klassenclown oft akzeptiert, um Schlimmeres zu vermeiden. |
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Das "normale" Mobbing am ArbeitsplatzQuelle:
Siehe auch:
Jemand spielt einem übel mit und man spielt wohl oder übel mit.
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Mobbing findet zwischen Kolleginnen und Kollegen statt, und es geht von Vorgesetzten gegenüber Untergebenen aus oder umgekehrt. Als Täter kommen auch Vorgesetzte und Beschäftigte gemeinsam vor. Nach den Untersuchungen von Leymann sind die Mobber und Mobberinnen
Praktiker aus der Mobbing-Beratung gehen von einer weitaus höheren Beteiligungsrate der Vorgesetzten aus, nämlich zirka 70 Prozent. Häufig wird Mobbing von Vorgesetzten als strategisches Instrument zum Personalabbau genutzt oder zumindest toleriert. Zu den Tätern zählen besonders jene, die sich in ihrer Position und ihrem Ansehen durch andere bedroht fühlen. Nach Untersuchungen des Frankfurter Psychologen Prof. Dieter Zapf sind vor allem Angestellte und Beamte betroffen. In bestimmten Arbeitsbereichen sei das Risiko, zum Mobbingopfer zu werden, besonders hoch. Zapf nennt die Folgenden:
Der Psychologe erklärt das mit der Art der Tätigkeit im öffentlichen Dienst. Bei Lehrern, Kindergärtnerinnen, Krankenpflegern usw. gäbe es keine klaren Kriterien der Leistungsbeurteilung. Durch ihr starkes persönliches Eingebundensein in die Arbeit böten sie außerdem mehr Angriffsfläche. Bei Mobbing-Betroffenen führen die hohen seelischen Belastungen oft zu Erkrankungen des Körpers, also zu psychosomatischen Krankheiten. Schon nach wenigen Tagen können Beschwerden auftreten. Magen- und Darmprobleme, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und depressive Verstimmungen sind die ersten seelischen und körperlichen Reaktionen auf Mobbing. Je länger das Opfer dem Mobbing ausgesetzt ist, desto stärker entwickeln sich chronische Krankheiten wie z.B. des Herz-/Kreislaufsystems, des Magen- und Darmtraktes, Atemwegs- und Hauterkrankungen usw. Häufig treten nach langen Phasen der sozialen Stigmatisierung schwere Depressionen, Medikamentenabhängigkeit oder Suchterkrankungen auf, und die Suizidgefährdung steigt beträchtlich. |
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Konkurrenz und Erfolg |
In einer Konkurrenzgesellschaft wird Erfolg häufig damit gleichgesetzt, sich gegenüber anderen durchgesetzt zu haben, d.h., der eigene Erfolg bedarf des Misserfolgs anderer, von denen man sich deutlich absetzen kann, woraus ein Teufelskreis an Neid und Missgunst entstehen kann. Wenn ein Erfolgreicher im Beruf daher ständig seine eigenen Erfolge zur Schau stellt, macht sich damit keine Freunde, denn ausgeprägtes Wettbewerbsdenken kann KollegInnen schnell provozieren. Notorische Erfolgsmenschen sind oft von einer ruhelosen Extrovertiertheit geprägt, die manchmal anstrengend und oberflächlich wirkt, vor allem dann, wenn sie ihre Erfolge dauernd im Vergleich zu den anderen darstellen. Vor allem manche Vorgesetzte posieren auf diese Weise vor ihren MitarbeiterInnen. Aus diesem Circulus vitiosus kann man nur ausbrechen, wenn man seine eigene Bedeutung nicht mehr nur von den anderen abhängig macht, sondern sich persönliche Ziele setzt, die zu erreichen dann einen Erfolg bedeuten, ohne dass man dafür andere herabgesetzt hat. |
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Workplace Violence - Gewalt am ArbeitsplatzQuelle: |
In einer Studie von Jens Hoffmann am Institut für Forensische Psychologie an der Technischen Universität Darmstadt wurden Ermittlungs- und Gerichtsakten von 20 Fällen von schwerer Gewalt am Arbeitsplatz untersucht, wobei sich zeigte, dass Gewalttaten am Arbeitsplatz ("Workplace Violence") fast immer im Vorfeld erkennbare Warnsignale aufweisen. Die individuelle Arbeitsgeschichte ist oftmals durch Probleme und Unbeständigkeit charakterisiert. Die Täter attackieren häufig Personen, die Entscheidungsmacht über ihr Leben hatten, wie Vorgesetzte, Mitarbeiter der Verwaltung, Richter, Anwälte oder Behördenmitarbeiter. Kurz vor der Tat kommen meist mehrere private und berufliche Krisen zusammen, wobei die späteren Täter paranoide oder querulatorische Persönlichkeitszüge zeigen und deshalb immer wieder in Konflikte mit ihrem Umfeld kommen. Die meisten Taten sind geplant, und in der Mehrzahl der Fälle spricht der Täter im Vorfeld über seine Pläne oder äußert sogar Gewaltdrohungen. Weitere Warnsignale sind Vorbereitungshandlungen wie Abschiedsbriefe oder das Beschaffen einer Waffe. |
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Abwehrstrategien gegen Schikane im BüroQuelle:
Mobbing und Bossing sind letztendlich nur Begriffe für |
"Wer Kollegen hat, braucht keine Feinde"Mobbing, der Psychoterror am Arbeitsplatz, gehört in Deutschland zum Alltag. Jeder vierte Erwerbstätige bekommt dies während seines Arbeitslebens am eigenen Leib zu spüren. In Zeiten der Globalisierung, Großfusionen und Umstrukturierungen wird laut Mobbing-Forscher Professor Dieter Zapf (Goethe-Universität Frankfurt) noch härter gemobbt als früher. Dies sagte Zapf in einem Interview mit der Zeitschrift Das Beste - Reader´s Digest, die in ihrer Mai-Ausgabe mit gängigen Vorstellungen über typische Mobbing-Opfer und Mobber-Persönlichkeiten aufräumt. "Es ist nicht generell so, daß die Mobbingopfer die Schwachen und Wehrlosen sind. Im Gegenteil. Viele sind kämpferische, leistungsorientierte Typen", so Zapf. Dennoch gerieten sie im Laufe eines zermürbenden Mobbingprozesses in eine unterlegene Position. In 70 Prozent der Fälle mobbt in Deutschland der Chef. Allen Mobbern ist entweder ein hohes Maß an Feindseeligkeit und Agression zueigen oder ein ausgeprägtes Minderwertigkeitsgefühl. Besonders gern wird im Büro und in den öffentlichen Verwaltungen gemobbt. Der Grund: ausgeprägte Hierachien und fehlende Möglichkeiten, die Stelle zu wechseln. Gemobbt wird in allen Altersklassen. Aber: "Ältere Arbeitnehmer fürchten sich vor Arbeitslosigkeit und setzen sich dem Mobbingkreislauf eher aus, weil sie nicht kündigen wollen", erklärt Dr. Beate Beermann von der Dortmunder Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Mobbing ist ein schleichender Prozess: Meist merkt der Betroffene erst im fortgeschrittenen Stadium, daß er gemobbt wird, weiß Bärbel Meschkutat von der Sozialforschungsstelle Dortmund, die im Oktober diesen Jahres die erste repräsentative Mobbing-Studie für Deutschland vorlegen will. Wenn Kollegen schlecht über einen reden, einen wie Luft behandeln, Gerüchte verbreiten oder wenn man sinnlose Arbeitsaufgaben zugeteilt bekommt, dann heißt es "Alarmstufe Rot". Fachleute raten, es erst gar nicht soweit kommen zu lassen. Denn wer von Anfang den Kontakt zu Kollegen pflegt und mit in die Kantine geht, der kann kaum erfolgreich gemobbt werden. Konflikte sollten am besten angesprochen werden, bevor sie eskalieren. Faustregeln gibt es jedoch nicht. Allerdings: "Kollegen, die bei den geringsten Dingen gleich anfangen, Zeter und Mordio zu schreien, sind nicht die angenehmsten Kollegen. Ein guter Kollege kann auch mal Nachteile in Kauf nehmen", sagt Mobbingforscher Zapf. Wenn aber ein Konflikt schon länger schwelt und bereits Krankheitssymptome bei den Betroffenen auftreten, kann kurzfristig eine Krankschreibung helfen, um Abstand zu gewinnen, empfehlen Fachleute. Langfristig sollten ein Psychotherapeut hinzugezogen sowie berufliche Alternativen innerhalb und ausserhalb des Unternehmens geprüft werden. Endgültig wird Mobbing häufig erst durch die Trennung der Parteien gelöst. Eigentlich müssten Vorgesetzte ein Interesse haben, Mobbing zu unterbinden. Denn die Schikanen am Arbeitsplatz kommen der Wirtschaft teuer zu stehen. Fehlzeiten, Kündigungen, Dienst nach Vorschrift und Rechtsstreitigkeiten sind die Folgen. Die Wirtschaft kann jedoch gegen die schleichende Vergiftung des Betriebsklimas ankämpfen. Beispiel: die Volkswagen AG in Wolfsburg. Als eines der ersten Unternehmen hat sie 1996 eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, die sich ausdrücklich gegen Mobbing ausspricht. Hier schaltet sich der Betriebsrat als Schlichter ein. Auch ohne Betriebsveeinbarung gilt: Wer nachweislich mobbt, macht sich strafbar. Mobbing gilt als Nötigung, üble Nachrede und Verleumdung. |
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Tipps gegen MobbingQuelle: |
Business-Coach Falko Graf gibt auf seinen Webseiten 14 Tipps gegen Mobbing mit den wichtigsten Verhaltensregeln, denn auch als von Mobbing Betroffener muss man in jedem Fall versuchen, sich in seiner Gegenweht nicht selbst ins Unrecht zu setzen. Nicht vorschnell sein! Lassen Sie nichts einreißen. Führen Sie ein Mobbing-Tagebuch. Halten Sie Ihre Hände sauber. Klären Sie Missverständnisse. Nicht in die Ecke drängen lassen. Beschweren Sie sich. Achten Sie auf das Timing. Greifen Sie Ihren Ansprechpartner nicht an!
Schildern Sie die Folgen. Belassen Sie es nicht bei einem Gespräch. Sprechen Sie sich aus. Argumentieren Sie auch im Interesse der Institution Schützen Sie Schwächere. |
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Neues Modewort: "Bossing"
Quelle:
http://oesterreich.orf.at/ oesterreich.orf?read=detail&channel=9 &id=214344 (02-07-28) Psychologie heute (2010).
Es war einer Pressemeldung zu entnehmen, dass 2011 der Oberste Gerichtshof in Österreich erstmals rechtskräftig festgestellt hat, dass seelische Qualen Körperverletzungen sind und dem Opfer Schmerzensgeld zusteht. Wichtige Grundlage war ein neuropsychiatrisches Gutachten, das den Zusammenhang zwischen der seelischen Erkrankung einer Arbeitnehmerin und den Mobbing-Attacken ihres Chefs eindeutig bestätigt. Schon das Landesgericht und das Oberlandesgericht Graz sprachen der Angestellten, die monatelang unter den Schikanen, Verleumdungen und Bedrohungen ihres Chefs gelitten hatte, Schmerzensgeld in Höhe von 5900 Euro zu. |
Mobbing kann sowohl von Mitarbeitern als auch von Vorgesetzten ausgehen. In letzterem Fall spricht man von Bossing. Nach internationalen Untersuchungen werden rund drei Prozent der Beschäftigten gemobbt. Zehn bis 15 Prozent aller Arbeitnehmer fühlen sich schikaniert. "Früher konnte man einen Job lange halten mit radfahren und kriechen, heute zählt mehr Leistung und Effizienz, daher Mobbing um die eigene Unfähigkeit zu überdecken, klappt aber meistens auch nur mit inkompetenten Chef's. Wie der Herr so's Gscherr." "Mobbing kann bei bestimmten Menschen ganz schwere Depressionen auslösen! Wenn Menschen von Führungskräften bewusst gemobbt werden, kommt das somit zu einer schweren Verletzung der Biologie des Gehirns und sollte entsprechend bestraft werden!!! Das Leid der Betroffenen ist so groß, daß sie sich oft umbringen." Führungspositionen werden am ehesten von Narzissten übernommen, diese sind jedoch - wie sich gezeigt hat - als egoistisch wahrgenommene Persönlichkeiten dafür nicht besser geeignet als andere. Amy Brunell (Universität Ohio) hat in einer Studie mit Studenten und Managern fiktive Situationen mit Organisationsproblemen durchgespielt. Narzissten neigten dabei zu sprunghaften, riskanten Entscheidungen. Nathaniel Fast (University of Southern California, Los Angeles) zeigte in einem Versuch, dass Vorgesetzte besonders dann aggressiv werden, wenn sie sich inkompetent fühlen. Führungskräfte wurden dabei in ein Gefühl der Inkompetenz versetzt und sollten dann andere für einen Fehler bestrafen. Aus diesem Gefühl der Unsicherheit heraus verteilten sie entsprechend härtere Strafen. Führungskräfte brauchen offensichtlich mehr als andere das Gefühl von Stärke, denn sonst haben sie eher das Gefühl, den Erwartungen nicht gerecht zu werden, werden unsicher, sehen sichr grundlos von ihren Untergebenen bedroht und reagieren dann aggressiv. Einen unsicheren Chef sollte man daher nicht auch noch vorführen, sondern auch einmal loben. Sind allerdings MitarbeiterInnen schon Opfer eines mobbenden Vorgsetzten geworden, lässt sich diese Situation durch Schmeicheleien nicht mehr beenden. |
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Mobbing im Privatbereich |
Mobbing gibt es nicht nur im beruflichen Kontext, auch im privaten Leben werden Menschen mit Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und Mobbing konfrontiert. Im Bereich der Nachbarschaft ist Mobbing häufig, wobei Mieterinnen ebenso wir Haus- und Wohneigentümerinnen betroffen sind. Auch viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden im Freizeitbereich ausgegrenzt und gemobbt, ebenso tritt in Familien und Sippen Mobbing auf, wobei die psychischen und gesundheitlichen Schäden nicht kleiner sind als bei Mobbinghandlungen, die am Arbeitsplatz oder in der Schule passieren. GrenzüberschreitungenAlle Menschen besitzen ein Gespür und Vorstellungen davon, wo die ganz persönlichen Grenzen liegen, und wenn jemand diese Grenzen verletzt, hinterlässt es ein demütigendes Gefühl. Grenzüberschreitung werden als Entmachtung des Selbst erlebt, man fühlt sich hilflos, machtlos und ausgeliefert. Wer eine Grenzüberschreitung erfährt, versucht sich zu wehren. Oft gelingt dies auch und es bleibt bei einem einmaligen Verstoss. Manche Menschen kümmern sich jedoch nicht um die Grenzen anderer, verletzen diese immer wieder. Grenzüberschreitungen werden dann zum Mittel von Machtmissbrauch oder gar von systematischem Terror. MachtmissbrauchMachtmissbrauch tritt oft im Zusammenhang mit Abhängigkeiten auf, wobei deise persönlicher oder wirtschaftlicher Art sein können. So ist es nicht einfach, eine neue Wohnung zu suchen, einen Verein oder Klub zu wechseln. Die Familie kann man sich nicht aussuchen und man kann sie auch nicht einfach verlassen, um eine neue Familie zu suchen. Ein Kind oder Jugendlicher ist abhängig von seinen Eltern und kann aus der Situation von sich aus in der Regel nicht flüchten. Die existenziellen und persönlichen Bedürfnisse der Abhängigen werden aus einer Machtposition heraus eingeschränkt oder negiert. Dies beeinträchtigt die Selbstachtung, das Selbstwertgefühl und die Leistung der Betroffenen. |
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Mobbing in der PartnerschaftQuelle: |
Mobbing-Szenarien werden neuerdings in der Psychologie häufig auch auf Beziehungswelten transponiert, da die Mechanismen da wie dort einander sehr ähnlich sind. Die Beteiligten am Mobbingprozess sind ebenfalls stark voneinander abhängig und sind deswegen auch extrem verletzbar. Auch die psychosomatischen Begleiterscheinungen unterscheiden sich kaum, denn dauerhaft seelischer Gewalt in Beziehungen ausgesetzt zu sein zieht ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, Bandscheibenvorfälle, Migräne, Schlafstörungen und Depressionen nach sich. Diese Art von Dauerstress produziert Hormone, die den Körper sukzessive vergiften, was dann oft dann in die Krankheit und bis zum Krebs führen kann. Unbewusst werden in partnerschaftlichen Mobbing-Szenarien die Defizite der Kindheit nachgelebt, wobei die häufigste Konstellation jene ist, dass sich der Partner ein Gegenüber sucht, das dem gegengeschlechtlichen Elternteil, inklusive der damit verbundenen Kränkungen, am ehesten entspricht. Töchter, deren Vaterbeziehung durch emotionale Abwesenheit geprägt war, werden sich Männer mit einem verhaltenen bis nicht vorhandenen Zuwendungsvermögen aussuchen. Männer, die von dominierenden, sie erdrückenden Müttern großgezogen wurden, werden intuitiv Frauen suchen, die ihnen eine ähnliche Unterdrückungsdynamik zuteilwerden lassen. |
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Stalking |
bezeichnet ein obsessives Verfolgen, Belästigen und Bedrohen einer Person gegen deren erklärten Willen, auch durch Telefonanrufe (Telefonterror), Droh-SMS und -mails (Cyberstalking), Überwachen und Ausspionieren der Zielperson. Die Opfer sind häufiger weiblich als männlich, die Täter häufiger männlich als weiblich. Das Stalking kann sich bis zur körperlicher Gewalt hin entwickeln. Siehe dazu im Detail die Arbeitsblätter zum Stalking und Internet-Stalking |
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Eine Typologie des Arbeitskollegen
Quelle: Wirtschafts-Woche vom 8. März 2002 |
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Eine ähnliche Typologiefand sich in den Oberösterreichischen Nachrichten vom 23.5.1006 Quelle: Müller, Meike (2006). Nervensägen im Griff. Eichborn-Verlag. |
BesserwisserKollege "Besserwisser" verträgt keine Kritik. Er ist der festen Überzeugung, der Beste zu sein. So manch ein Besserwisser leidet aber unter Minderwertigkeitsgefühlen. Expertentipp: Lassen Sie sich mit dieser "Nervensäge" nie auf eine Wer-hat-Recht-Debatte ein. Spannen Sie den Besserwisser für sich ein und schenken Sie ihm Anerkennung. Kritik an ihm in Frageform kleiden. AggressiveDer Choleriker schüchtert Kollegen verbal ein und gibt immer den anderen schuld. Er wittert überall Feinde, ist unberechenbar, launisch und schreit oft. Die Wurzeln sind meist in der Kindheit zu suchen (nicht ausreichend erfüllter Wunsch nach Liebe). Wer mit ihm zu tun hat, sollte darauf achten, keine Angst zu zeigen. Wenn "er" schreit, sagen Sie: "Ich möchte versehen, was Sie so ärgert." MiesmacherSie sind mit allem und jedem unzufrieden, sehen immerzu Probleme. Das Dauer-Nörgeln kann der Versuch sein, Macht auszuüben. Miesmacher am besten meiden. Sagen Sie einfach: "Ich sehe das anders..." LeidendeSie wirken gestresst, scheinen Unglück anzuzuiehen. Leidende lechzen nach Mitgefühl! Stellen Sie klar: Sie sind nicht für Aufheiterung zuständig! In diesem Artikel fanden sich auch Hinweise darauf, wie man auf solche KollegInnen reagieren sollte:
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Literatur zum Thema Mobbing |
Kolodej, Christa (1999). Mobbing. Psychoterror am Arbeitsplatz und seine Bewältigung. Wien: WUV-Univ.-Verl. Leymann, Heinz (1993). Mobbing. Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann. Hamburg: Reinbeck. Leymann, Heinz (Hrsg.) (1995). Der neue Mobbing-Bericht. Erfahrungen und Initiativen, Auswege und Hilfsangebote. Reinbek: Rowohlt. Litzcke, Sven & Schuh, Horst (2003). Belastungen am Arbeitsplatz - Strategien gegen Stress, Mobbing, Bum-out. Köln: Deutscher Instituts-Verlag. Neuberger, O. (1999). Mobbing: Übel mitspielen in Organisationen, Schriftenreihe Organisation & Personal, Bd. 5, 3. München: Hampp. Resch, M. (1994). Wenn Arbeit krank macht. Frankfurt: Ullstein. |
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Links zum Thema Mobbing |
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Hauptquelle |
Fliegel, Steffen (2000). Mobbing in der Schule. Die Erlaubnis des Autors liegt vor. |
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