[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Kommunikation: Die Augen

Wen das Auge nicht überzeugen kann,
überredet auch der Mund nicht.
Franz Grillparzer

Der Augenkontakt

Literatur
Levy, J., Foulsham, T. & Kingstone, A. (In press). Monsters are people too. Biology Letters.

Man bezeichnet häufig die Augen als das Fenster zur Seele. Wenn dieser Blick versperrt ist, kann dies sehr irritierend sein: Wenn man einmal ein Gespräch mit einer Person hatte, die während des Gesprächs eine nicht-entspiegelte Sonnenbrille trug, wird man wissen, wie unangenehm es sein kann, wenn man dem Gegenüber nicht in die Augen sehen kann. Denn so kann man nicht mitbekommen, wie der Gegenüber reagiert. Beispielsweise deuten Menschen häufige Blickzuwendungen als Aufmerksamkeit, Zuneigung oder Freundlichkeit. Umgekehrt, wenn ein Gegenüber den Blickkontakt vermeidet, denken wir z.B., der andere ist desinteressiert, gleichgültig, abwesend oder auch einfach nur ängstlich oder scheu. Werden wir allerdings zu intensiv und zu lange angeschaut, empfinden wir dies häufig als aufdringlich, als aggressiv. Wir neigen dann uns zu fragen: "Warum starrt der mich so an"? In einer solchen Situation fühlen wir uns unwohl und neigen wir häufig dazu, die Szene zu verlassen. 

Levy, Foulsham, & Kingstone (In press) präsentierten in einer Untersuchung 22 Studenten am Bildschirm Fantasy-Bilder aus dem Spiel Dungeons & Dragons, wobei mit einer Kamera nicht nur erfasst wurde, wohin die Testpersonen schauten, sondern auch wie lange. Es zeigte sich, dass die Teilnehmer immer die Augen ihres digitalen Gegenübers suchten, gleichgültig, ob diese im Gesicht waren oder an den Händen. Damit fixierten sie Augen weitaus länger als alles andere, allerdings wurden bei Menschen und Humanoiden die Augen schneller entdeckt als bei Monstern. Man vermutet daher, dass das Gehirn der Primaten die Augen des Gegenübers scannt, um Informationen zu gewinnen, denn für Primaten ist es evolutionär betrachtet lebensnotwendig, zu erkennen, ob der Gegenüber wütend, kampflustig oder ängstlich schaut.

Augen und Angst

Literatur

Jessen, S., & Grossmann, T. (2014). Unconscious discrimination of social cues from eye whites in infants. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Published ahead of print October 27. Doi:10.1073/pnas.1411333111.

Menschen blicken ihrem Gegenüber in die Augen, denn diese sagen, wie sich der Gesprächspartner fühlt, wobei die weiße Sclera zentrale Signalfunktion hat, die etwa verrät, ob ein Mensch Angst hat und wohin er gerade blickt. Die Augen sind dann geweitet und die Lederhaut erscheint dadurch größer. Schweift der Blick ängstlich umher, ist das ein Hinweis auf Gefahr in der Umgebung. schaut er auf diese Weise sein Gegenüber direkt an, drückt er damit Angst vor seinem Gesprächspartner aus.

Auch Neugeborene registrieren Blicke und reagieren darauf, wobei sie auf Angst erst ab einem Alter von sieben Monaten reagieren, denn die dafür notwendigen Gehirnstrukturen wie etwa die Amygdala sind davor offenbar noch nicht voll funktionsfähig. In Experimenten hat man Babys mit Bildern von schematisierten Augen konfrontiert, von denen nur die Sclera zu sehen war, und die die Säuglinge direkt anblickten oder an ihnen vorbeisahen. Ängstlich blickende Augen lösten im Gehirn der Säuglinge stärkere elektrische Potenziale, wobei sich das Gehirn dabei ausschließlich an der Lederhaut orientiert. Diese Reaktion läuft unbewusst ab, denn zeigte die Bilder immer nur für 50 Millisekunden. also zu kurz, um von den Säuglingen in diesem Alter bewusst wahrgenommen zu werden. Das Gehirn reagierte zudem teilweise stärker, wenn die Augen die Säuglinge direkt anzusehen schienen, denn ein ängstlicher Blick am Kind vorbei rief schwächere elektrische Potenziale in jenen Gehirnregionen hervor, die für höhere geistige Fähigkeiten und Aufmerksamkeit zuständig sind. Schon im Alter von sieben Monaten können Säuglinge demnach Angst aus den Augen ihres Gegenübers lesen, ohne dass diesen das bewusst wird, denn sie verlassen sich dabei ausschließlich auf die Form der Sclera.

Dass Menschen die Blicke und Gefühle anderer schon von frühester Kindheit an lesen können, ist ein Indiz dafür, wie wichtig diese Fähigkeit für das Zusammenleben ist, wobei die Konzentration auf die Augen und die Blickrichtung ein wichtiges Kennzeichnen für eine gesunde, soziale Entwicklung darstellt. Säuglinge, bei denen dies zwischen dem zweiten und sechsten Lebensmonat nachlässt, weisen später oft soziale Defizite auf oder erkranken an Autismus.

Augen als Abschreckung

In der Natur bieten vermeintliche Augenpaare etlichen Arten Schutz vor Angreifern, wobei augenähnliche Muster auf Schmetterlingsflügeln Vögel abdrehen lassen, und auch auf die großen Augenflecken mancher Raupen fallen Fressfeinde herein. Bewährt haben sich Scheinaugen auch beim Menschen, denn in Indien tragen Waldarbeiter Masken mit Gesichtern auf dem Hinterkopf, um Tiger abzuschrecken. Das Neueste: Auf das Hinterteil von Kühen aufgemalte Augenpaare sollen Rinder in Afrika vor Löwenangriffen schützen, denn anpirschende Löwen erhalten dadurch den Eindruck, sie seien bereits entdeckt und verzichteten vielleicht auf einen Angriff. Man stempelte daher in einem ersten Versuch Augenkonturen auf die Hinterteile von etwa zwei Dritteln der Tiere einer Rinderherde, und nach zehn Wochen waren drei der naturbelassenen Rinder von Löwen getötet worden und alle Tiere mit Augenpaar überlebten. Möglicherweise sind die Augenflecken eine kostengünstige Strategie gegen Löwenangriffe, denen viele Rinder zum Opfer fallen.

Sonnenbrillen als Hindernisse bei der Kommunikation


Quelle
:
Pander, Christine (2010). Sicherer durch Sonnenbrille.
WWW: http://stuttgarter-zeitung.de/
stz/page/2577895_0_9223_-psychologie
-sicherer-durch-sonnenbrille.html (10-08-03)
Bildquelle:
http://www.stangl-taller.at/ARKTOS/
blog/uploaded_images/1220280153
_5-751326.jpg (10-08-03)
Wenn jemand eine dunkle oder spiegelnde Sonnenbrille trägt, sind seine Emotionen schwerer lesbar, denn die Trägerin oder der Träger lässt sich durch diese nicht in die Gefühlswelt schauen, vor allem deshalb, weil keine mimische Darstellung der Augen mehr erkennbar ist. Mit einer Sonnenbrille kann man auch seine Blickbewegungen und Blickrichtungen verbergen, d.h., das Gegenüber weiß nie genau, wohin die Trägerin oder der Träger schaut, was für sehr viele Menschen störend wirkt. Das Tragen einer Sonnenbrille verstärkt daher bei manchen Menschen auch den Glauben, sie seien durch das Tragen der Brille besser vor der Kontrolle anderer geschützt, wobei man aus Untersuchungen weiß, dass Menschen sich dann auch eher dazu verleiten lassen, unehrlich und eigennützig zu sein. Markus Studtmann (Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung) hat in Experimenten gezeigt, dass große Sonnenbrillen, die die Augenbrauenpartie abdecken, auf Emotionen der TrägerInnen kaum mehr Rückschlüsse zulassen, d.h., als Gegenüber kann man nicht mehr oder nur schlecht erkennen, ob sich die Augenbrauen heben oder zusammenziehen, also Emotionsausdrücke wie Furcht, Überraschung und Ärger nicht mehr so leicht entdecken kann. Man kann auf Grund der Brillen natürlich auch nicht mehr erkennen, ob sich das Auge weitet oder das Oberlid hochgezogen wird, wodurch das Auge an sich die Emotionen nicht mehr verraten kann, sondern es bleibt als Identifikationsmerkmal für die Gefühlsregungen des Gegenüber nur mehr die Gesichtsmuskulatur rund um das Auge wie Lach- und Mimikfalten. An ProbandInnen im Alter zwischen 12 und 75 Jahren wurde auch überprüft, welche Gefühle sich auf Gesichtern noch erkennbar spiegeln, wenn bestimmte Teile des Gesichts abgedeckt sind: Ist nur die untere Gesichtshälfte bedeckt, ist es weniger schwierig, auf die Gefühlslage des Gegenübers zu schließen, denn die Mundpartie ist für das Zeigen von Emotionen offensichtlich weniger bedeutsam, aber aber wesentlich schwieriger wird es, wenn die obere Gesichtshälfte abgeschirmt ist wie dies eben beim Tragen von Sonnenbrillen der Fall ist. Übrigens zeigten in den Versuchen ältere Personen prinzipiell weniger Emotionen, wobei es nicht entscheidbar war, ob es ihnen schwerer fiel, Emotionen überhaupt zu zeigen, oder ob sie Emotionen einfach besser unterdrücken können (Pander, 2010).

In einer Untersuchung zeigte man Probanden Fotos von wütenden und ängstlichen Gesichtern, damit diese die Emotionen nach ihrer Intensität einstufen sollten, wobei auf einigen Bildern die Augen direkt auf den Betrachter schauten, auf anderen die Augen leicht abgewandt waren. Einen wütenden Blick werteten die Probanden intensiver, wenn es direkten Augenkontakt gab. Bei ängstlichen Gesichtern hingegen ließ der abgewandte Blick eine höhere Intensität der Emotion vermuten.

Kurz vor einem Kampf fixieren Hunde einander, wenn sie die Rangordnung untereinander ausmachen, wobei aggressive Menschen sich ähnlich verhalten, denn kurz bevor ein Streit eskaliert, treffen sich die Blicke der Streitenden und klammern sich aneinander. Intensiver Blickkontakt aktiviert aber in vielerlei Hinsicht die Abwehr und kann als Dominanzgeste verstanden werden, denn wer in einer solchen Konfrontation zuerst wegsieht, steht schon fast als Verlierer fest. Untersuchungen zeigen übrigens, dass Menschen eher dann den Blickkontakt suchen, wenn sie mit ihrem Gegenüber einer Meinung sind, doch liegen die Meinungen auseinander, steigert der direkte Blickkontakt die Abwehrreflexe. Wenn man jemanden zunächst von einer Meinung überzeugen will, dann ist offensiver Blickkontakt daher zunächst kontraproduktiv.

Übrigens können über die Pupillenreflexe Gehirnvorgänge ähnlich exakt vorhergesagt werden wie durch weit aufwendigere Untersuchungen eines menschlichen Gehirns etwa in einem Kernspintomographen, denn wer z.B. eine Entscheidung trifft, verrät sich durch die Erweiterung seiner Pupillen. Wissenschaftler haben so in einer Versuchsreihe exakt vorhersagen können, wann eine Testperson einen Schalter mit einer bestimmten Ziffer betätigte. Der Augenreflex hat deutlich signalisiert, für welche Zahl aus einer Nummernfolge sich ein Proband entschied. Der Pupillenreflex ist eine Reaktion auf die Ausschüttung von Noradrenalin, das im Zusammenhang mit Entscheidungsprozessen und Gedächtnisleistungen im Gehirn steht. Wissenschaftler haben übrigens nachgewiesen, dass sich beim Anblick eines sexuell attraktiven Menschen sowohl bei Männern als auch Frauen die Pupillen weiten, wobei heterosexuelle Männer diese Reaktion bei einer attraktiven Frau zeigten, homosexuelle Männer hingegen beim Anblick attraktiver Männer. Bei heterosexuellen Frauen weiteten sich die Pupillen sowohl bei Männern wie auch bei Frauen, homosexuelle Frauen reagierten stärker auf Frauen. Diese Reaktion der Pupillen auf sexuelle Reize hatte sich vor über fünfzig Jahren die kanadische Regierung versucht zunutze zu machen, um Homosexuelle zu entdecken, wobei der Versuch jedoch wegen ungenauer Messungen abgebrochen wurde.

Siehe auch den Augengruß

Die Glabellafalte

oder auch Zornesfalte, die direkt über den Augen liegt, führt bei manchen Menschen zu einem chronisch übel gelaunten Gesichtsausdruck, der auch ihr Sozialleben beeinflussen kann, weil sie auch im Normalzustand auf ihr Gegenüber so wirken, als ob sie die Stirn bewusst runzeln. Diese anatomische Besonderheit kann zu einer ganz erheblichen seelischen Belastung führen, da Menschen im Gespräch meist unbewusst auf die vermutete schlechte Laune reagieren, was zum Abbruch der Konversation oder sogar zu einer ebenfalls zornigen Reaktion führen kann. Auch wird dieses Gesichtsareal auch häufig mit Müdigkeit in Verbindung gebracht, denn wer so grimmig dreinschaut, gleichgültig, ob aus Müdigkeit oder auf Grund der Anatomie, wird oft als desinteressiert, gelangweilt oder wenig dynamisch wahrgenommen.

Die Ausprägung der Glabellafalte ist teilweise anlagebedingt, kann aber vom natürlichen Verlauf des Lebens aber immer ausgeprägter werden, denn die Glabellafalte gehört zu den typischen Falten der menschlichen Mimik, die sich durch häufiges Zusammenziehen der Augenbrauen weiter verstärken. Normalerweise entsteht die Zornesfalte meist im Alter zwischen vierzig und fünfzig Jahren, wobei das Bedürfnis, sich zu konzentrieren, ein Nachlassen der Sehschärfe und auch eine erhöhte Stressbelastung zu der Angewohnheit führen, diese Anspannung durch Mimik im Augenbereich auszudrücken. Im übrigen ist diese Falte auch ein typisches Merkmal von RadfahrerInnen, da diese häufig im Fahrtwind die Stirn runzeln.

Wie wichtig die Falten über den Augen auch für die menschliche Kommunikation sind, zeigt sich in einem Experiment mit Botox. Es zeigte auch, wie stark Mimik und Gehirn zusammenhängen, denn Frauen, die eine Spritze in die Glabellafalte zwischen die Augenbrauen bekommen hatten, brauchten in dem Experiment länger, um negative Sätze zu verstehen. Das liegt daran, dass man offensichtlich den Körper braucht, um zu fühlen, denn positive Inhalte konnten sie sofort verstehen, da hier die Glabellafalte keine Rolle spielt, doch wegen des Botox konnten sie die Stirn nicht mehr runzeln und brauchten daher länger, um negative Informationen zu verarbeiten.

Silberblick und Schielen

Schielen, als Krankheit Strabismus, löst bei anderen Menschen den Reflexe des Kindchenschemas aus, denn die Evolution hat für den Nachwuchs, solange er noch hilflos ist, den besonderen Schutzstatus, ihn deshalb instinktiv zu mögen, weil er ansonsten keine Chance hätte, eingerichtet. Diese Zuneigung lösen bestimmte Körpermerkmale aus, die besonders Kindern zueigen sind, etwa ein überproportional großer Kopf, unterproportional kleine Ohren und auch das Schielen: beide Pupillen möglichst nah an der Nase und die Augen dabei weit aufgemacht. Da es besonders unter Kindern weit verbreitet - etwa fünf Prozent aller Kleinkinder schielen sogar sehr deutlich - kommt der Eindruck einer gewissen Hilflosigkeit hinzu.

Bei Männer weckt leichtes Schielen, gemeinhin als Silberblick bezeichnet, vermutlich daher den Beschützerinstinkt. Der Begriff "Silberblick" hat seinen Ursprung in der Malerei, denn in der Porträtmalerei, bei der die abgebildete Person entweder frontal oder im Dreiviertelprofil gezeigt wird, ist man seit der Renaissance dazu übergegangen, die Iris beider Augen nicht mehr wie früher symmetrisch darzustellen, sondern das entferntere Auge ein wenig mehr in die Mitte zur Nase hin zu positionieren - Musterbeispiel ist dabei Leonardo da Vincis Mona Lisa. Dadurch stellt sich beim Betrachter das Gefühl ein, die Person blicke ihn unmittelbar in die Augen, wobei ihm die Augen auf dem Bild folgen, wenn man einen oder zwei Schritte nach rechts oder links bewegt. Bei früheren Porträts, bei denen die Augen symmetrisch dargestellt wurden, schauen die Portraitierten durch den Betrachter hindurch in die Ferne. Besonders häufig findet man das auch in Darstellungen des Jesuskindes, das einem Betrachter mit seinen Augen verfolgt.

Sehr viel häufiger als Strabismus treten Weit- beziehungsweise Kurzsichtigkeit auf. Da die Ursachen dafür meistens vererbt werden, gibt es viele Familien, die nahezu ausschließlich aus Brillenträgern bestehen, oder aber aus Menschen, die eigentlich eine Brille bräuchten, diese aber nicht tragen wollen. Brillen werden von manchen Menschen als störend, unangenehm oder unschön empfunden, und sie fühlen sich unwohl, wenn sie die eigentlich benötigte Sehhilfe auf der Nase tragen. Auch wenn diese Ablehnung völlig unnötig ist, da eine schöne Brille durchaus zum Accessoire werden kann, das nicht nur hilfreich sondern zugleich ein Modestatement ist, so waren Kontaktlinsen doch eine bahnbrechende Erfindung.

Ende der 1940er Jahre kamen die ersten harten Kontaktlinsen auf den Markt, zehn Jahre später weiche. Natürlich waren diese frühen Modelle noch meilenweit entfernt von den Kontaktlinsen, die man heute beim Optiker kaufen oder aber im Internet bei zahlreichen Anbietern bestellen kann. Während die ersten Kontaktlinsen noch aus Glas gefertigt wurden und damit alles andere als angenehm zu tragen waren, so bestehen sie heute aus weniger hartem Material.

Damit bilden Kontaktlinsen heutzutage eine komfortable Alternative zur Brille. Zudem ist es leichter Gesichtsausdrücke zu deuten, wenn die Augen nicht von einer Brille eingerahmt oder sogar teilweise verdeckt werden. An den Augen sind Emotionen und Launen am besten zu erkennen. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort „Ein Blick sagt mehr als tausend Worte“.

Augendetektor als Alternative zum Lügendetektor

Blicke verraten also viel über das Innenleben eines Menschen, so hat eine lügende Person oft geweitete Pupillen, doch sind die Unterschiede oft so minimal, dass es sehr feine Messinstrumente braucht. Bisher waren Augenbewegungen also nicht mit der nötigen Zuverlässigkeit messbar, doch John Kircher, Douglas Hacker und David Raskin (Universität Utah) haben nun eine Eye-Tracking-Method entwickelt, das diese minimalen Botschaften des Auges messen soll, wobei dieses neue Gerät eine kostengünstige Alternative zum Lügendetektor darstellt. Ein Lügendetektor (eigentlich Polygraph) zeichnet bekanntlich körperliche Reaktionen einer Person wie Blutdruck, Atmung, Hautwiderstand oder die Stimme während einer systematischen Befragung auf, und ob jemand die Wahrheit sagt, ergibt sich aus der nachträglichen Auswertung der Messungen. Beim Augendetektor werden unter anderem die Pupillenausdehnung, die Antwortzeit, die Zeit für das Lesen und die Lesewiederholung sowie Fehler systematisch und kontinuierlich registriert. Der Grundgedanke dahinter ist, dass Lügen für das Gehirn anstrengender ist, als bei der Wahrheit zu bleiben.Darum konnten die Blickbewegungen erst jetzt als mögliche Alternative zum Lügendetektor ins Spiel kommen, denn die bisherigen Ergebnisse sind teilweise besser als die des Lügendetektors.

Augenfarbe Braun vermittelt Vertrauen

Tschechische Wissenschaftler legten Probanden Fotos von 80 Männern und Frauen vor, wobei diese die Aufnahmen nach Augenfarbe und Gesichtsform bewerten sollten. Generell galt für beide Geschlechter, dass man den Braunäugigen wesentlich mehr Vertrauen entgegen brachte. Allerdings liegt das vermutlich weniger an der Augenfarbe alein als an der für Braunäugige typischen Gesichtsstruktur, denn diese weisen im Durchschnitt auch Gesichter mit einem eher breitem Mund, einem runderen Kinn und größeren Augen auf, wobei die Verkettung von Augenfarbe und Gesichtsmerkmalen genetische Ursachen haben dürfte.
Quelle: Kleisner, Karel, Priplatova, Lenka, Frost, Peter & Flegr, Jaroslav (2013). Trustworthy-Looking Face Meets Brown Eyes. PLoS ONE 8(1): e53285. doi:10.1371/journal.pone.0053285

Siehe auch Distanzzonen und Territorialität - Der Umgang mit Raum und olfaktorische Kommunikation

Überblick: Was ist nonverbale Kommunikation?



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