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Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke Wahrheit.
Die glaubt niemand!
Max Frisch

Lügen, Täuschen und Verdecken

Man geht in der Psychologie davon aus, dass Lügen lebensnotwendig sind, denn sie dienen dazu, das Selbstwertgefühl zu erhöhen und einen leichteren Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu ermöglichen bzw. weil sie auch das Miteinander mit anderen Menschen erleichtern. In den 70er Jahren hat der amerikanische Psychologe John Frazer Alltagsgespräche analysiert und die bis heute nicht unumstrittene These aufgestellt, dass Menschen etwa zweihundertmal am Tag lügen, wobei Wahrheit auch in der Lügenforschung nicht eindeutig definierbar ist. Im Alltag lügen Menschen meist aus prosozialen Gründen, oder um das Gesicht zu wahren, eher seltener aus antisozialen Absichten, denn prosoziale Lügen helfen, dem Gegenüber ein besseres Gefühl zu geben. Nur mit den antisozialen Lügen nimmt man in Kauf, dass sie Schaden beim Gegenüber oder einem Dritten anrichten. Zwar gibt es Menschen mit einer pathologischen Neigung, die Unwahrheit zu sagen, doch denen begegnet man eher selten. Übrigens: Die einzigen Menschen, die sicher nicht lügen, weil sie nicht in der Lage dazu sind, sind Autisten, denn ihnen fehlt die Wahrnehmung für das soziale und emotionale Miteinander.

Nicht zuletzt sind es Selbstlügen, die manchen Menschen das Leben erträglich machen, wobei diese Schwindeleien allmählich in die Persönlichkeit integriert werden und es zunehmend schwieriger wird, diese von einer objektiven Position aus noch als Unwahrheit zu definieren. Die wichtigsten Lügen dienen dem Selbstschutz (41%), also um sich Ärger zu ersparen, 14% lügen, um sich mit einer Konfliktsituation nicht auseinandersetzen zu müssen (Selbstschutz), 8,5% lügen aus Angst, um geliebt zu werden oder um Anerkennung nicht zu verlieren, 6% lügen, um sich besser darzustellen. Kleine Lügen bzw. "selektive Informationsangaben" gehören also zum alltäglichen Miteinanderumgehen: Man setzt häufig kleine Lügen ein, um jemanden nicht zu kränken, um komplizierte Auseinandersetzungen und Erklärungen zu umgehen. Häufig wird dadurch niemand so recht benachteiligt. Bei vielen Spielen sind Lügen, Täuschen oder Pokern sogar wesentliche Bestandteile. Problematisch werden Lügen dann, wenn sie gezielt eingesetzt werden, um andere zu täuschen und in unvertretbarer Form zu benachteiligen, zu desinformieren oder in die Irre zu führen. Vermieter oder Verkäufer informieren Interessenten bewusst nicht über bestimmte Mängel der Objekte. Politiker machen Versprechungen, von denen sie von vornherein wissen, dass sie diese nicht einhalten können. Antragsteller von Sozialhilfe unterschlagen die Angabe vorhandener Ersparnisse oder die Existenz von Besitz, um in den unberechtigten Genuss von Sozialhilfe zu gelangen. Aus diesem Grunde kann es wichtig sein, herauszufinden, wann Personen Lügen einsetzen oder ihr Gegenüber zu täuschen versuchen. 

Einer Umfrage zufolge wird im Internet als Selbstschutzmaßnahme besonders häufig die Notlüge angewendet, denn über die Hälfte der UserInnen hat im Internet schon geschummelt, wobei viele daran auch nichts Verwerfliches finden, da es sich um Selbstschutz vor Datendieben, böswilligen Lauschern oder Menschen mit unredlichen Absichten handelt. Jeder Vierte hat daher keine Skrupel beim Flunkern zum Beispiel im sozialen Netzwerk Facebook, was gewährleisten soll, dass man anonym bleibt und dadurch auch weniger anfällig für Belästigungen ist. Jeder Vierte gibt deshalb einen falschen Namen an, aber auch Alter und Kontaktdaten sind häufig falsch. Allerdings: Stopfer et al. (2013) analysierten Facebook-Profile mit Fotos, Selbstbeschreibungen, Pinnwandeinträgen und verlinkten Freunden, wobei sich zeigte, dass sich Menschen auf Facebook relativ authentisch verhalten und dabei eine realistische Einschätzung ihrer Wirkung auf andere haben. Menschen mit einer hohen Bescheidenheit, Gutherzigkeit und einem Fokus auf soziale Gemeinsamkeiten sind in den Netzwerken sehr beliebt, ebenso wie Menschen mit einer großen Offenheit für neue Erfahrungen und einer gewissen künstlerischen Ader. Selbstbewusste, extravertierte, dominante Personen mit einem Fokus auf das persönliche Vorankommen hingegen haben einen höheren sozialen Status. Offensichtlich funktionieren die sozialen Verhaltensweisen und Wahrnehmungen auf Facebook nach ähnlichen Prinzipien wie im realen Leben. Wie bei alltäglichen sozialen Begegnungen gibt es auch auf Facebook starke Unterschiede zwischen Menschen, wie extravertiert oder zurückhaltend, originell oder angepasst, freundlich oder motzig, organisiert oder planlos, selbstbewusst oder selbstmitleidig sie sind. Sie unterscheiden sich auch darin, wie viel und was sie über sich berichten, wie sie aussehen und welchen sozialen Gruppierungen sie sich anschließen. Diese Unterschiede lassen sich allesamt durch Persönlichkeitsunterschiede der Facebook-NutzerInnen erklären und werden bei sozialen Beurteilungen und den darauf aufbauenden sozialen Entscheidungen wie im realen Leben herangezogen. Offensichtlich dienen persönliche Profilseiten in sozialen Netzwerken daher weniger der Selbstidealisierung als man bisher vermutete, vielmehr scheinen die NutzerInnen weit ehrlicher und realistischer zu sein als angenommen.

Facebook Regeln - Facebook Manners And You


 [Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=iROYzrm5SBM]

Siehe dazu Ehrlichkeit in sozialen Netzwerken

David Larcker und Anastasia Zakolyukina (Stanford Universität) haben die Sprache und Wortwahl von Chefs analysiert und fanden, dass sie bei Lügen seltener in der ersten Person - „ich“ oder „wir“ - sprachen, sondern stattdessen lieber auf das Team oder„die Firma verwiesen. Sie verwendeten auch überzufällig oft Killerphrasen, die Nachfragen unterbinden sollten, beispielsweise "wie Sie sicherlich wissen...".

Häufig wird emotionales Verhalten intentional eingesetzt um emotionale Zustände vorzutäuschen. Das geschieht z.B. im Rahmen des "representation management" (Patterson, 1991). Um einen bestimmten Eindruck bei Dritten zu erwecken, wird ein z.B. positives, emotionales Verhalten gezeigt, oft überbetont. Patterson gibt folgendes Beispiel. Der Vorgesetzte des Ehemanns oder Ehefrau ist zum Essen eingeladen und es wird versucht das Bild einer "harmonischen" Familie vorzutäuschen, obwohl die aktuelle Beziehung nicht diesem Ideal entspricht. Dabei kann es zu ungewollten Effekten kommen. Einmal tritt das Problem auf, dass spontanes und willkürliches emotionales Verhalten sich unterscheiden. Z.B. in der zeitlichen Verlaufsstruktur des Lächelns, es wird zu lange gelächelt, das Lächeln fällt zu schnell ab oder es ist asymmetrisch, was ein Anzeichen für einen gestellten emotionalen Ausdruck ist. Ein weiteres Problem besteht darin, dass keine Identität zwischen dem vorgetäuschten und dem tatsächlichen emotionalen Zustand herrscht. Es kann also passieren, dass genuines emotionales Verhalten auftritt. Dieses Phänomen bezeichnet man als "leakage", es gibt eine undichte Stelle, ein Leck in der Täuschung. Es kann z.B. kurzzeitig eine Ärgermimik sichtbar werden. Wird die Person sich dieses der eigentlichen Intention widersprechenden Verhaltens bewusst, kann es durch ein sich unmittelbar anschließendes Lächeln maskiert werden.

Die mentiologische Forschung (lat. "mentiri" = "lügen") unterscheidet verschiedene Kategorien von Lügen:


Siehe auch Entdecken von Lügen


Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit

Pseudologen - so bezeichnet man krankhafte LügnerInnen - suchen durch ihr Lügen in der Regel kindliche Entbehrungen mit Hilfe von Lügengeschichten zu kompensierten bzw. dient die Lüge einer seelischen Entlastung in Situationen, die ein Pseudologe anders nicht bewältigen könne. Der Pseudologe lügt, weil ihm die Lüge Anerkennung und Zuwendung sichert, wobei die Anerkennung dabei auf das Umfeld des Pseudologen abstrahlt, das daher oft nicht die Lügengeschichten hinterfragt. Die Pseudologia Fantastica setzt immer zweierlei voraus: Den Lügner und den, der sich belügen lässt. Über die Anzahl der Pseudologen gibt es keine verlässlichen Zahlen, unter anderem auch deshalb, da die Pseudologia Fantastica in der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) nicht als Einzelphänomen verzeichnet ist. Die Pseudologia Fantastica zeigt dennoch ein charakteristisches Muster abnormen Verhaltens, eben dranghaftes Lügen, und ist eine charakteristische Störung der Impulskontrolle, wobei den Pseudologen Schuld- und Schamgefühle fehlen. Die Pseudologia Fantastica ist daher ein Syndrom, das unter die narzisstische Persönlichkeitsstörung fällt, das in der ICD aufgeführt ist, und ist somit nur Teil verschiedener Störungen wie etwa des Münchhausen-Syndroms, bei dem Menschen mit dem Ziel ärztlicher Behandlung Krankheiten erfinden oder selbst hervorrufen. Allerdings ist nicht jeder, der lügt, ist schon ein Pseudologe, denn Selbstwertkrisen kennt jeder und neigt daher auch mal dazu, sein Leben ein wenig schöner und spannender zu sehen, als es wirklich ist.


Nicht dass du mich belogst,
sondern dass ich dir nicht mehr glaube,
hat mich erschüttert.
Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

Lügen als gesellschaftliches Erbteil?

Nach Ansicht von Experten (Fetchenhaue & Goebbels, 2012, Kliche & Thiel, 2012) ist die Art, wie Menschen zur Aufrichtigkeit erzogen werden, wie sie die Regeln von Fairness und Solidarität befolgen, tief in der kulturellen Historie des Landes verwurzelt. Unterschiede dürften in der autoritaristischen Tradition eines Landes liegen, sodass Regulierungen und Kontrollen etwa zur Vermeidung von Korruption fragwürdige Therapiemöglichkeiten sind, denn eine korrupte Raubgesellschaft kann eine hermetische, perfekt rechtsstaatliche Fassade entwickeln, also ein seinerseits selbst von Korruption gesteuertes Justizwesen, das die Aufdeckung und Verfolgung einzelner Fälle aussichtslos macht und zugleich zu einer Art selbstverständlicher Öffentlichkeit der Korruption führt.

So zeigt der Corruption Perceptions Index 2012 von Transparency International, dass alle europäischen Staaten mit hoher Korruption sich in ökonomischen Schwierigkeiten befinden, während Staaten mit geringer Korruption prosperieren, d. h., je höher das Niveau an finanzieller Ehrlichkeit in einem Land ist, desto stärker wächst das Bruttosozialprodukt. Hinzu kommt, dass die Mehrheit der ehrlicheren Gesellschaften überwiegend protestantisch geprägt ist, meist verbunden mit einer demokratischen Tradition, während katholisch geprägte Gesellschaften bzw. ohne längere demokratische Geschichte es eher wenger mit der Ehrlichkeit halten.

Lügen als Folge der beruflichen Sozialisation

Ein wichtiges Modell der Sozialpsychologie besagt, dass alle Menschen im Lauf ihres Lebens zahlreiche verschiedene soziale Identitäten durch die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen entwickeln, wobei diese Identitäten auch mit unterschiedlichen sozialen Normen zusammenhängen, die immer dann zum Vorschein kommen, wenn eine Gruppenmitgliedschaft in einer gegebenen Situation besonders bedeutsam ist. Unter dieser Prämisse haben Cohn et al. (2014) untersucht, wie die Wertegeflechte und die ungeschriebenen Regeln innerhalb der Banken-Branche die Moral der Mitarbeiter prägt. Dazu ließ man 128 Angestellte einer großen internationalen Bank eine kurze Onlinebefragung absolvieren, wobei ein Teil der Probanden dabei nur ganz allgemeine Fragen zu ihren Lebensumständen beantworten musste, während man den anderen Probanden mit ganz gezielten Fragen ihren beruflichen Hintergrund in Erinnerung rief. Anschließend sollten alle Versuchspersonen zehnmal eine Münze werfen und das Ergebnis nennen, wobei sie in jedem Durchgang eine Belohnung von 20 US-Dollar gewinnen konnten, je nachdem ob sie "Kopf" oder "Zahl" nannten. Bei welchem Resultat das Geld winkte, war vorher stets bekannt, denn es ging auf diese Weise darum, die Ehrlichkeit der Probanden zu testen. Unter normalen Bedingungen zeigte sich, dass die Bankangestellten meist die Wahrheit sagten, denn im Durchschnitt nannten sie bei rund 51 Prozent aller Münzwürfe das Gewinn bringende Ergebnis. Waren die Teilnehmer aber zuvor an ihren beruflichen Hintergrund erinnert worden, kassierten sie stattdessen in 58 Prozent aller Fälle Geld. Aus statistischen Gesetzmäßigkeiten lässt sich eindeutig ableiten, dass die Probanden der zweiten Gruppe häufiger das tatsächliche Ergebnis zu ihren Gunsten abänderten. Zur Kontrolle führte man den gleichen Versuch mit Angestellten aus anderen Sektoren durch, bei denen sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen zeigte, wenn den Probanden zuvor ihr Beruf ins Gedächtnis gerufen wurde. Man kann daher annehmen, dass es vor allem die Bankenkultur ist, die die Ehrlichkeit der Bankangestellten grundsätzlich senkt.

Literatur
Cohn, A. Fehr, E. & Maréchal, M. A. (2014). Business culture and dishonesty in the banking industry. Nature, doi: 10.1038/nature13977.

Sprache, Wissenschaft, Wahrheit, Lüge

Friedrich Nietzsche stellt übrigens Sprache unter den Generalverdacht der Lüge, denn Sprache ist für ihn ein Gespinst aus Bildern und Metaphern, von denen man nur vergessen hat, dass sie nur Metaphern und Bilder sind. Wenn man wie häufig in der Wissenschaft den Anspruch hat, Wahrheit als Übereinstimmung von Sprache und Sachverhalt zu definieren, dann findet man letztlich als Wahrheit über die Dinge nur das heraus, was schon längst unerkannt in der verwendeten Sprache steckt, sodass die Befangenheit als Gefangenheit in der Sprache zu einer nicht mehr zu durchschauenden (Selbst)Lüge geworden ist.

"Will"-Hypothese vs "Grace"-Hypothese

Die "Will"-Hypothese besagt, dass Ehrlichkeit die Fähigkeit ist, der Versuchung zum Lügen zu widerstehen, und steht im Gegensatz zur "Grace"-Hypothese, die davon ausgeht, dass bei vielen ehrlichen Menschen überhaupt keine Versuchung zum Lügen besteht und sie folglich auch gar nicht dagegen ankämpfen müssen. Joshua Greene und Joseph Paxton (Harvard-Universität, Cambridge) ließen in einer Studie ProbandInnen den Ausgang eines Münzwurfs vorhersagen. Lagen diese mit ihrer Vorhersage richtig, erhielten sie einen kleinen Geldpreis, wobei man jedoch auch die Möglichkeit hatte, zu schwindeln und zu behaupten, den Ausgang des Wurfs richtig vorhergesagt zu haben. Die Gehirnaktivität der ProbandInnen war eindeutig: Bei ehrlichen Menschen gilt die "Grace"-Hypothese, denn es zeigte sich bei ihnen keinerlei Hirnaktivität im präfrontalen Cortex (Kontrollzentrum für die Steuerung von Handlungen), die auf einen inneren Zwiespalt oder auf ein aktives Ankämpfen gegen die Versuchung hinwies. Bei ProbandInnen, die in den Versuchen auch einmal logen, zeigte sich eine Hirnaktivität, die auf einen solchen Widerstreit schließen ließ, allerdings sowohl wenn sie die Wahrheit sagten, als auch wenn sie betrogen.

Quelle: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/305266.html (09-07-14)

Email WahrheitIn Emails wird mehr gelogen

Charles Naquin et al. (University of South Carolina) haben in zwei Experimenten die Ehrlichkeit ihrer Probanden (48 Studenten) getestet, die in einem Versuch eine imaginäre Kasse mit dem Inhalt von 89 Dollar geschenkt bekamen und einem unbekannten Versuchspartner entweder per E-Mail oder per Brief mitteilen sollten, wie viel Geld in der Kasse war und wie viel davon sie zu teilen bereit wären. Von den Studenten, die per E-Mail kommuniziert hatten, logen 92 Prozent und änderten den Wert der Kasse zu ihren eigenen Gunsten. Von den Briefschreibern logen hingegen nur 63 Prozent. In einem anderen Experiment sollten 177 Manager in Dreiergruppen gegeneinander antreten, wobei jeder von ihnen als Leiter einer Forschungsgruppe mit den anderen um Forschungsgelder wetteifern musste. Obwohl sich die Teilnehmer untereinander kannten und jede Lüge am Schluss aufgedeckt werden sollte, logen und betrogen wieder die Emailer öfter.

Quelle: http://www.psychologie-heute.de/news_kommunikation_gesellschaft/in_emails_wird_mehr_gelogen__100423.html (10-04-29)

Cheaten in Computerspielen

Auch in Computerspielen wird gelogen, wobei die Geschichte dieser Spiele auch eine Geschichte des Schwindelns ist, denn schon bei den ersten Spielen gab es Cheat-Codes, mit denen Spieler Unbesiegbarkeit erlangen oder schwierige Passagen überspringen konnten. Heute ist Cheating ein weit verbreitetes Phänomen, wobei etwa im Online-Shooter Counter-Strike oft eine Software nutzen, um den Gegner durch Wände hindurch sehen zu können, oder man verwendet Zielautomaten, um die Treffergenauigkeit zu steigern. Cheaten beruht vermutlich auf einem Verhalten, das auch im realen Leben benutzt wird, wo es mehr oder weniger toleriert, zum Teil sogar belohnt wird. Es sind die selben Denk- und Verhaltensstrukturen wie beim beschönigenden Lebenslauf, beim Versicherungsbetrug, der Steuerhinterziehung, in der Werbung und der Produktverpackung oder auch bei Kontaktanzeigen.

Quelle: Zeit online vom 29.11.2010

Ein Lügner hat kein gutes Gedächtnis.
Persisches Sprichwort

Siehe auch Kinder und Lügen
Gründe für Lügen geschlechtsspezifisch

Frauen lügen übrigens eher aus prosozialen Gründen, etwa wenn es um ihre Gefühle geht, während Männer dagegen eher für sich selbst lügen, etwa um sich in einem besseren Licht darzustellen. Peter Stiegnitz, Begründer der Mentiologie (lat. "mentiri" = "lügen"), der Lehre vom Lügen, hat Hitlisten männlicher und weiblicher Lügen aufgestellt. Nummer eins bei Männern: das Auto; Nummer eins bei den Frauen: das Gewicht. Frauen lügen auch häufig, um die Gefühle und das Selbstwertgefühl anderer nicht zu verletzen. Forschungen belegen auch, dass Frauen sich beim Lügen in der Regel unwohler fühlen als Männer, sie sind daher nervöser, fühlen sich nachher schuldbewusster und zeigen Angst vor der Aufdeckung. Übrigens zeigte sich bei unverheirateten Partnern, dass 85 Prozent ihre Partner in Bezug auf frühere Beziehungen und Verfehlungen belügen.


Dana Samson et al. (Universität Birmingham) haben im im temporoparietalen Übergangskortex eine Hirnregion entdeckt, die beim Einschätzen eines Gesprächspartners eine entscheidende Rolle spielt. Schlaganfallpatienten mit Hirnschäden in diesem Bereich können nicht mehr beurteilen, ob das Gegenüber lügt oder einen Witz erzählt. Die Probanden scheiterten in einem Experiment, die Gedanken einer Person in einem Video oder einer Erzählung nachzuvollziehen, obwohl sie in anderen Wahrnehmungstests gute Ergebnisse erzielten. Bisher wusste man nur, dass die Hirnregion hinter dem Ohr eine Rolle spielt, um Hinweise wie zum Beispiel die Blickrichtung eines Gegenübers zu verarbeiten

Yaling Yang & Adrian Raine (Universität von Südkalifornien) haben mittels Kernspintomographie die Gehirnstruktur von notorischen Lügnern vermessen. Demnach besitzen diese mehr weiße Hirnmasse in jenem Hirnareal, das für die Verknüpfung der Nervenzellen zuständig ist, woraus sie schließen, dass für eine ausgeklügelte Lüge ist eine bessere Vernetzung Voraussetzung ist.
Quelle: Nature Neuroscience 2004.

Wie kann man nach einer Lüge einen neuen Anfang finden?

Quelle: http://www.mdr.de/hier-ab-vier/unter-sex-augen/167858.html (06-02-02)

 

Wie es selten Komplimente gibt ohne Lüge,
so finden sich auch selten Grobheiten ohne alle Wahrheit.
Gotthold Ephraim Lessing

Ein gewisses Maß an Unkenntnis vom anderen ist die Voraussetzung dafür,
dass zwei Menschen Freunde bleiben.
Hermann Bahr

Geheimnisse - eine Form von Lüge oder Lebensnotwendigkeit?

Geheimnisse haben ganz allgemein eher einen schlechten Ruf, denn etwas vor anderen Menschen zu verbergen, sie vielleicht zu täuschen oder gar zu belügen gilt als moralisch verwerflich. Doch kann es heilsam sein, manche Dinge für sich zu behalten, und zu mehr Selbstbestimmung zu kommen. Es berührt auch Menschen häufig unangenehm, wenn sie davon ausgehen müssen, dass Menschen, die sie gut kennen, etwas vor ihnen verbergen. Diese Reaktion ist verständlich, sie löst Unbehagen aus, und trägt dazu bei, dass Geheimnisse einen schlechten Beigeschmack haben. Allerdings: Wenn Menschen nichts für sich behalten könnten, wären sie anderen schutzlos ausgeliefert. Psychologen sind der Ansicht, dass Geheimnise unseren Lebensraum vor dem Zutritt Unbefugter schützen. Das soziale Miteinander würde nicht mehr funktionieren, wenn es keine Geheimnisse geben dürfte, denn die absolute Wahrheit wäre in vielen Fällen unerträglich. Die Geheimnisforscherin Anita E. Kelly glaubt, dass jeder Mensch zu irgendeinem Zeitpunkt seiner Lebens etwas vor anderen verbirgt. Eine ihrer Studien kommt zum Ergebnis, dass 99 Prozent der Menschen etwas verschweigen. Die wenigen Studien, die zum Thema Geheimnis vorliegen, bestätigen immer wieder, dass sich die meisten Geheimnisse um das Thema Sexualität drehen. Es wurden 200 Studenten gefragt, was sie vor wichtigen Menschen in ihrem Leben geheim halten: 22 Prozent der Befragten gaben zu, dass sie eine frühere sexuelle Beziehung in ihrem Herzen verschlossen halten. Acht Prozent verschwiegen ihrer Partnerin oder ihrem Partner einen Seitensprung. 14 Prozent wagten es nicht, einem angeblichen Freund zu gestehen, dass sie keine positiven Gefühle für ihn hegen. Vier Prozent liebten einen Ex-Partner noch immer. Drei Prozent erzählten nicht, dass sie als Kind sexuell missbraucht worden sind, und drei Prozent hatten heimlich im Leben eines Anderen geschnüffelt, zum Beispiel dessen Tagebuch gelesen. Ursula Nuber nennt in ihrem Buch "Lass mir mein Geheimnis! Warum es gut tut, nicht alles preiszugeben" die positiven Funktionen von Geheimnissen:

Siehe auch die Geheimnisse der Immobilienmaklersprache und Nonverbale Kommunikation

Quellen & Literatur:
http://sozialarbeitspsychologie.de/nonvkom.htm (01-01-19)
http://www.uni-saarland.de/fak5/krause/nonverb.htm (03-06-05)
http://www.rp-online.de (03-01-10)
http://www.magic-point.net/fingerzeig/grundlagen-deutsch/kommunikation/koerperspr/koerperspr.html (02-01-20)
http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-luegen-ist-schwerstarbeit-fuers-gehirn-1.969110-2 (10-07-03)

Carter, Nancy L. & Weber, J. Mark (2010). Not Pollyannas. Higher Generalized Trust Predicts Lie Detection Ability. Social Psychological and Personality Science, 1 (4), 274-279.

Ekman, P. (1989). Weshalb Lügen kurze Beine haben: Über Täuschungen und deren Aufdeckung im privaten und öffentlichen Leben. Berlin: de Gruyter.

Dietzsch,Steffen (1998). Kleine Kulturgeschichte der Lüge. Leipzig: Reclam.

Fetchenhauer, Detlef & Goebbels, Thomas (2012). Lügen haben kleine Brieftaschen - Ökonomische Konsequenzen und Determinanten finanzieller Ehrlichkeit. In E.H. Witte, T. Gollan (Hrsg.) Sozialpsychologie und Ökonomie. Pabst.

Kliche, Thomas & Thiel, Stephanie (Hrsg.) (2012). Korruption - Forschungsstand, Prävention, Probleme. Pabst.

Mayer, Christiane (2011). Streng geheim! Warum wir Geheimnisse brauchen.
WWW: http://sonntags.zdf.de/ZDFde/inhalt/8/0,1872,8244456,00.html?dr=1 (11-06-11)

Molcho, Samy (1988). Körpersprache als Dialog: Mosaik-Verlag.

Schmid-Fahrner, Christine (2001). Vertrauen und sich anvertrauen Geborgensein in der Partnerschaft. Herder.

Peale, Norman Vincent (2001). Die Kraft des positiven Denkens. Lübbe Verlag.

Stiegnitz, Peter (2001). Die Wahrheit: Wir lügen alle.
WWW: http://www.connection.de/cms/content/view/817/181/ (07-02-02)

Stopfer, J. M., Egloff, B., Nestler, S., & Back, M. D. (2013). Personality expression and impression formation in online social networks: An integrative approach to understanding the processes of accuracy, impression management, and meta-accuracy. European Journal of Personality.

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