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Angst bei Kindern

Elterliche Erziehung und Schulerziehung haben oft ein merkwürdig ambivalentes Verhältnis zu Angst, denn auf der einen Seite wird Angst kaum positiv bewertet, auf der andern Seite sind völlig angstfreie Kinder nicht eben pflegeleicht bzw. beliebt. In beiden Erziehungsfeldern wird mit Angst sehr viel Erziehung, Verhaltenssteuerung und Motivation betrieben, denn ein Schüler oder eine Schülerin, der oder die sich von Tadel, Strafaufgaben oder schlechten Noten wenig beeindrucken lässt, gilt bald als schwierig oder gar schwer erziehbar. Ab dem Zeitpunkt, wo in der Erziehung Grenzen vermittelt werden, wird oft unbewusst mit Ängsten gearbeitet. Bei genauer Betrachtung muss man feststellen, dass ein grosser Teil unserer institutionalisierten aber auch unserer traditionellen Erziehung auf Angsterzeugung beruht. Strafe wirkt nämlich nur dort, wo sie abschreckt, d.h., Angst steht manchmal versteckt hinter der Konkurrenz und dem Wettbewerb etwa durch die Noten, die bei vielen Kindern nur deshalb motivierend wirken, weil diese - meist sozialisationsbedingt - Angst haben vor dem Verlieren oder dem Unterliegen, Angst vor einer Blamage oder gar Angst vor der Einschränkung ihrer existentiellen Möglichkeiten in Form von Zukunftsangst haben. Unsere Kultur ist nach wie vor durchsetzt von Angstmachen und Ausbeutung dieses Affektes. Diese Ausbeutung wird dadurch ermöglicht, dass Erziehung oft die Angst von ihrer ursprünglichen Wahrnehmungsfunktion als Warnung vor Gefahren trennt - eine klassische Form der Entfremdung - und damit nicht mehr sinnvoller Teil der Wahrnehmung ist. Zwar löst sich eine Angst auf, wenn man analysierend die Spur zurückgeht, doch sind Kinder in ihrer Weltsicht und Orientierung an den erziehenden Personen häufig damit überfordert. Sie verinnerlichen diese Angst, denn sie können nicht ausreichend selbstdistanzierend fragen: Was ist wirklich gefährlich dabei? Was kann mir denn passieren? Ist es tatsächlich so schlimm, wenn das eintrifft, was ich befürchte? Welche eigenen Möglichkeiten stehen mir alternativ noch zur Verfügung? Kinder erleben Angst daher oft nur als dumpfes Gefühl des Unwohlfühlens, des Nichtgeliebtwerdens oder gar des Nutzlosseins.

Entwicklungspsychologisch typische Ängste

Die verschiedenen Formen der Angst differenzieren sich im Laufe des Lebens, wobei Ängste den Menschen seit der Geburt begleiten, möglicherweise sogar schon vorgeburtliche Wurzeln bzw. Entwicklungen haben. Fünf entwicklungsbedingte Angstformen begleiten Menschen ein Leben lang: die Körperkontaktverlustangst, die Achtmonatsangst und die Trennungsangst sind die Ängste, die bis zum dritten Lebensjahr maßgeblich sind. Um das dritte Lebensjahr kommt es zur Ausbildung der Vernichtungsangst. Zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr dann außerdem zur Entwicklung des Todesangst. Als Eltern kann man die Ausbildung dieser Ängste nicht verhindern, man kann aber das Kind bei der Angstverarbeitung unterstützen und ihm Sicherheit geben.

Im ersten Lebensjahr sind plötzliche, laute Geräusche, Schmerz, das Gefühl zu fallen, Blitze und Schatten angeborene Reize für Angstreaktionen. Als "lebenserhaltende" Reaktion schreit das Kind, wendet sein Gesicht ab und klammert sich an die Mutter.

In der beobachtbaren kindlichen Entwicklung treten am frühesten Separationsängste (Trennungsängste und Verlustängste) bei Kindern auf. Mit der Vergrößerung des Wahrnehmungsbereiches ergeben sich auch zusätzliche Angstreize. Die ersten sichtbaren Furchtreaktionen zeigen sich im 4. bis 6. Monat, das bekannte Fremdeln tritt etwa im 8. Monat auf ("Acht-Monats-Angst"), nachdem nun vom Kind erst zwischen "fremd" und "vertraut" unterschieden werden kann. Das Kind weint, wenn es etwa die Bezugsperson nicht mehr sieht. Die Trennungsangst wird besonders stark im Dunkeln und beim Alleinsein (Einschlafschwierigkeiten, Schlafstörungen, nächtliche Angstattacken). Nach Freud ist die Trennungsangst der Schlüssel für alle neurotischen Ängste. Nach Bolwby ist die Trennung von der geliebten Person oder deren Verlust der möglicher Schlüssel für alltägliche Ängste des Kindes.

Im zweiten Lebensjahr kommen die Angst vor der Dunkelheit, die Angst vor Alpträumen, Räubern und Tod, die Angst vor Tieren und die Angst vor unbekannten Objekten, Situationen und Personen hinzu. Die Reaktionen sind auch hier Schreien, Anklammern an Bezugspersonen, Abwenden, Weglaufen, Suchen nach Sicherheit und sprachliche Mitteilung. Das Kind zeigt nun ein gezieltes Vermeiden der Angstreize und Unterdrücken der Angstreaktion; es gibt vor, keine Angst zu haben, obwohl sein mimischer Ausdruck seine Gefühle verrät. Im vierten bis fünften Lebensjahr zeigen Kinder Angst bei Anzeichen der Furcht bei anderen, bei Bedrohung, Verletzung, Unfall und Feuer. Im Vorschulalter kommt es manchmal zu einem plötzlichen Auftreten von Gefühlen, die jedoch nur eine kurze Dauer haben, aber dafür äußern sie sich mit voller Intensität und die Gefühle wechseln innerhalb von Minuten.

Hat das Kind schon einen gewissen Grad an Autonomie erlangt, dominiert die Angst davor, die Zuneigung der Eltern verlieren zu können. Nach und nach kommt die Angst vor Strafe dazu. Darüber hinaus verinnerlicht das Kind im Laufe der Entwicklung die Forderungen der Eltern und die sozialen Regeln. So entsteht das Über-Ich als innere Kontrollinstanz, die eine weitere Quelle der Angst darstellt und zwar der "Gewissensangst".

Aus der inzwischen entwickelten Fähigkeit des Kindes, Zeitlichkeit und Begrenztheit zu erfassen, entsteht die vielzitierte "Kastrationsangst", die die Erkenntnis ausdrückt, dass man das was man hat, auch wieder verlieren kann. Darüber hinaus ist der Körper schon in Ansätzen sexualisiert, und diese Tatsache macht die Angst vor Beschädigung des Körpers verständlich.

Bei Krankenhausaufenthalt stellt sich die Angst vor einer Trennung von der Familie ein.

Angst vor Liebesverlust tritt häufig auf, wenn das Kind eine Schwester oder einen Bruder bekommt.

Kindergarten- und Schulangst beruht teilweise auf wiederbelebter Trennungsangst von geliebten Personen und vertrauter Umgebung. Vor allem in der ersten Zeit des Kindergartens gibt es beim Abschied oft Tränen, und auch die Eltern gehen mit einem schlechten Gefühl im Magen in den Tag. Übergänge sind immer etwas, das Kindern mehr oder weniger stark zu schaffen macht, daher sollten sich die Eltern Zeit nehmen, ihr Kind in den Kindergarten einzugewöhnen und zu Beginn möglichst lange dort bleiben, wobei diese Phase in der Regel mehrere Tage bis Wochen dauern kann. Ein solcher tränenreiche Abschied ist oft nur eine Momentaufnahme, denn das Kind hat in diesem Augenblick ein Gefühl von Unsicherheit oder sich auch darin verbissen. Manchmal hilft ein Kuscheltier, das in der ersten Zeit mit in den Kindergarten kommen darf, vielleicht gibt es auch eine Betreuerin oder ein anderes Kind, zu dem das Kind bereits Vertrauen hat. Eltern sollten sich stets deutlich verabschieden und sich nicht leise davonstehlen, besser ist es etwa, noch einmal auf die Uhr zu zeigen, wann man wiederkommt. Es ist daher selbstverständlich, sich an die angekündigte Zeit genau zu halten und besser etwas früher zu kommen als zu spät. Auch manche Kinder, die schon länger in den Kindergarten gehen, können sich morgens manchmal nur schwer trennen, wobei etwa ein Streit mit anderen Kindern am Vortag daran schuld sein kann. Dann ist es notwendig, einfühlsam nachzufragen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, denn wenn Kinder spüren, dass sie und ihre Probleme Eltern ernst nehmen, dann sind sie eher zu beruhigen, während eine zu emotionale oder gar ärgerliche Reaktion der Eltern das Problem nur verstärkt. Ob sich hinter der Unlust ein größeres Problem verbirgt, merken Eltern oft am Verhalten ihres Kindes, denn die meisten Eltern haben ein recht gutes Gefühl dafür, ob etwas nicht stimmt oder das Kind heute schlicht keine Lust hat, in den Kindergarten zu gehen. Wirkt das Kind über längere Zeit bedrückt, zieht sich zurück, ist unbeteiligt oder aggressiv, sollten Eltern und Erzieher aufmerksam sein. Haben die Eltern den Eindruck, dass gravierende Probleme im Kindergarten wie übergriffiges Verhalten von anderen Kindern dahinterstecken, dann sollte man unbedingt mit der Betreuerin über die eigenen Befürchtungen sprechen. Manchmal sind es auch Veränderungen zu Hause, die ein Kind belasten und die Trennung schwer machen, etwa Streit zwischen den Eltern, ein Umzug oder die Geburt eines Geschwisterkindes. Auch in diesen Fällen sollten die Eltern gemeinsam mit dem Kind überlegen, wie man die Situation erklären und lösen kann, etwa indem man eine Betreuungsperson einbindet.

Umweltangst: Kleinkinder können Umwelt nur entsprechend ihrer allmählich sich entwickelnden Fähigkeiten begreifen; vieles bleibt unverständlich und erregt dadurch Angst, z.B. unbekannte Geräusche, Donner, Wasserspülung, Wasser, dunkle Farben; Veränderungen der gewohnten Raumordnung (z.B. umgestellte Möbel); Umzug in eine andere Wohnung, Stadt, Angst auf Reisen

Magisches Alter: Ab 3 Jahren haben Kinder oft Angst vor unbekannten Menschen, auch vor Tieren, bösen Menschen, Einbrechern, etc. Sie fürchten sich aber auch vor den Figuren aus Filmen oder Büchern; vor Gespenstern, Geistern, Hexen. Oft werden sie von bösen Träumen und Phantasien verfolgt (auch im Schulalter noch Furcht vor dem Keller, dem Dachboden, dass jemand unter dem Bett oder im Kasten versteckt ist, vor Schatten).

Carey Morewedge und Michael Norton (2009) befragten Studenten in den USA, Indien und Südkorea zu ihren persönlichen Traumtheorien, wobei sich zeigte, dass die überwältigende Mehrheit in allen drei Kulturen der Auffassung war, dass Träume verborgene Wahrheiten über sie persönlich und über die Welt enthalten. Menschen begegnen ihren Träumen offensichtlich als einer Art magisches Denken und schreiben diesem beinahe prophetische Qualitäten zu. Morewedge und Norton baten ihre ProbandInnen, sie sollten sich vorstellen, sie hätten eine Flugreise gebucht und in Gedanken sie vier unterschiedliche Szenarien durchspielen, die sich in der Nacht vor dem Flug ereignet hätten.

Das Traumszenario hinterließ bei allen ProbandInnen die nachhaltigste Wirkung, denn der Traum von einem Absturz veranlasste sie eher dazu, ihren hypothetischen Flug zu canceln, als das bewusste Nachdenken über eine solche Katastrophe. Die StudentInnen maßen einem Traum sogar mehr Einfluss auf sie selbst zu bei als einer behördlichen Sicherheitswarnung, wobei sie der Traum vom Absturz mit einem ähnlichen Ausmaß an Furcht wie ein realer Absturz in der Nacht vor ihrem Flug erfüllte.

Sozialisationsangst tritt im Kindergarten- und Schulalter auf. Angst vor dem Zusammensein mit vielen fremden Personen, mit Gleichaltrigen, vor Kindergärtnerin oder Lehrern. Kinder haben Angst davor, gerügt zu werden, bzw. davor ausgelacht oder verspottet zu werden.

Scheidung: Das Kleinkind hat große Angst, weil es noch völlig abhängig von den Eltern ist und die Welt aus egozentrischer Perspektive sieht. Führt oft zu Alpträumen, Aggressionen, schweren Schuldgefühlen, Trotzreaktionen, Regressionen. Erst im Volksschulalter gibt es ein erstes Verständnis für Motive der Eltern; trotzdem große Trauer und großer Wunsch nach Wiedervereinigung der Eltern. Schwere Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls der Kinder, weil sie der Scheidung machtlos gegenüberstehen. Depressionen können auftreten. Es wächst aber auch die Fähigkeit, sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden und die Probleme sachlicher zu betrachten.

Realangst wird von vielen Autoren erst mit 9./10. Lebensjahr angesetzt; Voraussetzung ist,dass die kognitive Entwicklung ist so weit fortgeschritten, dass Kind sich mit den Tatsachen auseinandersetzen kann, die ihm vorher verschwiegen wurden, z.B. Sexualität, Gewalt, Tod; Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Hunger, Atomkrieg, u.a. Die meisten Kinder werden aber schon viel früher durch die Medien mit diesen Problembereichen konfrontiert.

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Kinder schon immer Alpträume gehabt haben. Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich jedoch die Traumbilder verändert. So war in den 20er Jahren der "schwarze Mann" die häufigste bedrohliche Traumfigur. Heute werden zu 25% Monster, wie beispielsweise Horrorfilmgestalten, und zu 18% Dinosaurier und Tiere als bedrohliche Figuren angesehen. Die Angst vor anderen Menschen wird in 57% der Fälle genannt.

Literatur: Morewedge, C. K., & Norton, M. I. (2009). When dreaming is believing: The (motivated) interpretation of dreams. Journal of Personality and Social Psychology, 96(2), 249-264.


Siehe dazu auch Depressionen und Suizidalität im Kindes- und Jugendalter und im Detail Nachtängste (pavor nocturnus) und Alpträume


Erklärungen für kindliche Angst

Tiefenpsychologische Erklärung: Grund für Angstanfälle ist häufig ein Konflikt zwischen verdrängtem motorisch-aggressiven Impulsen und Triebregungen und dem Bemühen des Kindes um Folgsamkeit und Anpassung.

Psychoanalytische Erklärung: Angstneurosen beruhen auf Verdrängungsprozessen: Das "Ich" fühlt sich von einer libidinösen Triebregung aus dem "Es" bedroht und ist nicht stark genug, diese zu verarbeiten (d.h. mit den Ansprüchen des "Über-Ich" in Einklang zu bringen). Das führt dazu, dass die Triebregung verdrängt wird. Angst fungiert dabei als Gefahrensignal und wird durch Wahrnehmung einer potentiellen oder inneren Gefahr ausgelöst. Ängste sind weitgehend unbewusst und lassen sich erst im therapeutischen Prozess erschließen, haben aber nicht im eigentlichen Sinne Symptomcharakter, sondern sind Bestandteil der inner-psychischen Regulationsmechanismen.

Entstehen Angstsymptome, ist es zwar weiterhin gelungen, die Inhalte der Bedürfnisse verdrängt zu halten, doch dringt der körperliche Erregungsanteil in das Bewusstsein. Angst kann man in diesem Verständnis als Druck der ungelebten Möglichkeiten bezeichnen. Angst kann aber auch Ausdruck eines Autonomie-Abhängigkeitskonfliktes sein. Das Ausleben dieses Konfliktes bedeutet Neues, d.h. Veränderung. Besonders ausgeprägt ist diese Angst bei Menschen, die große Angst davor haben, Bezugspersonen zu verlieren, daher extrem nach Sicherheit streben. Das Streben nach Autonomie ist dann begleitet von Verlustangst. Das Angstsymptom bildet einen Kompromiss: die erregte Seite manifestiert sich im körperlichen Symptom und die ängstigenden Phantasien in den Befürchtungen. Gleichzeitig sichert die Hilflosigkeit des Angstkranken die bestehenden Bindungen, da sich die ihm nahestehenden Personen um den Hilfsbedürftigen kümmern müssen.

Beispiel: Man stelle sich ein Kind vor, das starke Angst vor dem Verlust einer wichtigen Person hat. Diese Angst kann zu Verdrängung von eigenen, als schlecht empfundenen Impulsen führen, die die wichtige Person veranlassen könnte, sich von ihnen abzuwenden. Wird die Verdrängung gelockert, wird auch die Angst wieder spürbar. Hier sind unterschiedliche Formen der Angst denkbar: z.B. Angst vor der eigenen Triebhaftigkeit, der Angst vor Kontrollverlust, usw.

Angstprävention: Vermeidung von angstauslösenden Situationen in der Erziehung (bekommt ein Kind z.B. Bilderbuch mit Darstellung einer Angstsituation, müssen gleichzeitig Bewältigungsstrategien angeboten werden, um diese Angst auszuräumen).

Angst und Gefahr - die Entwicklung eines Gefahrenbewusstseins

Eine für die Entwicklung wichtige Rolle haben Ängst und Furcht insofern, als sie helfen, ein Gefahrenbewusstsein zu entwickeln, denn Kleinkinder haben noch kein direktes Gefahrenbewusstsein. Damit sie ein solches Bewusstsein entwickeln, müssen sie in gewissem Ausmaß Angst und Schmerz erleben dürfen. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder nicht in Watte packen, sondern ihnen ermöglichen, überschaubare Risiken zu bewältigen. Dazu gehöre etwa auf einer Mauer zu balancieren oder allmählich alleine eine Straße zu überqueren. Gleichzeitig sind aber Regeln und Verbote notwendig, die aber den Kindern immer erklärt werden sollten. Erst ab zehn Jahren entwickeln Kinder ein stabiles eigenes Gefahrenbewusstsein.


Angstverarbeitungsstrategien bei Kindern, Angstbilderbücher

Angstverarbeitungsstrategien sind Verhaltensweisen, die eingesetzt werden, um das unangenehme Gefühl der Angst zu vermeiden oder zu reduzieren. Angst kann bewältigt werden durch adäquate Angstverarbeitsungsstrategien. Angstbewältigung ist ein Sonderfall des Coping (Fähigkeit des Menschen, mit Problemen fertig zu werden).

Ausleben von Emotionen wie z.B. Weinen, Streiten, Dampf ablassen

Vermeidungsstrategien sind ein sehr weitverbreitetes Coping-Verhalten = Flucht und Vermeidung der Auseinandersetzung mit der Angst, z.B. sich Einigeln, Alleinsein-Wollen, sich ins Bett legen, grübeln,...

Aktive Angstbewältigungsstrategien: z.B. die Ursache des Problems finden oder mit anderen Menschen darüber reden

Selbstkontrolle: z.B. sich Zusammenreißen, sich mit dem Angstauslöser aktiv auseinandersetzen

Freiwillige Konfrontation mit dem Angstauslöser: Dieses Verhaltensmodell bewirkt Stärkung des Selbstwertgefühls des Kindes; Gefühl der Tüchtigkeit und des Stolzes auf die eigene Willensanstrengung

Auftreten einer Phantasiefigur: Durch eine Phantasiefigur, mit der sich Kind identifizieren kann, wird Ich des ängstlichen Kindes gestärkt. Sind freundliche, emphatische Menschen, die Kinderängste ernst nehmen und mittels ausgedachter Schutz-Figuren Ich-Stärke des Kindes so lange unterstützen, bis diese es nicht mehr brauchen.

Konfrontation mit dem Angstauslöser unter dem Schutz von ausgedachten Figuren.

Identifikation mit dem Stärkeren: Identifikation mit dem Starken, Mächtigen, Erfolgreichen = sehr beliebt

Projektion der Angst nach außen: Wenn eigne Angst so stark wird, dass das eigene Ich zu sehr bedroht wird -> Abwehrmechanismus der Projektion tritt in Kraft: die eigenen unangenehmen Gefühle werden nach außen, in eine andere Person verlegt, an der man sie dann abwehren kann

Unfreiwillige Konfrontation mit der Angst wird in Verhaltenstherapie oft angewandt (Konfrontationsmethode). Klient wird mit Angstauslöser konfrontiert, ohne die Möglichkeit zur Flucht zu haben oder den Angstauslöser abzuwehren = Reizüberflutung mit gleichzeitiger Reaktionsblockade -> erhöhte Erregung, die nach bestimmter Zeit abnimmt. Wird nur bei massiven Angstproblemen angewandt, die auf schonendere Methoden nicht ansprechen. Durch abrupte Konfrontation mit der Angst kommt es zu einer Abreaktion, zu emotionaler Erschöpfung, daneben aber auch zum ersten Mal zu Angstwahrnehmung, die früher nicht möglich war, weil Patient immer sofort Vermeidungsreaktion durchführte. Manche warnen davor, diese Methode bei Kindern anzuwenden, weil sie dadurch an ihre emotionale Belastungsgrenze geführt werden. Da Erfolg nicht immer eintritt, ist Risiko zu hoch. Erwachsene können hingegen selbständig entscheiden, ob sie mit dieser Methode arbeiten wollen.

Angstmachgeschichten: Angst wird als Erziehungsmittel verwendet, oder die Ängste von Erwachsenen werden an die Kinder herangetragen (z.B. Struwwelpeter, Hadschi Bratschis Luftballon)

Wie können Angstbilderbücher helfen?

Anteilnahme und Betreuung durch Erwachsene ist bei Büchern, die Angst darstellen aber unbedingt erforderlich

Wichtig ist ein positiver Schluss des Buches: erfolgreiche Angst durch die Hauptfigur soll dem Leser Mut und Selbstvertrauen zur Bewältigung der eigenen Ängste geben!

Einige konkrete Buchtipps finden sich auf der site Angst bei Kindern
http://www.beebie.de/service/entwicklung/angst_bei_kindern.htm (03-06-08)


Stabilität von Temperament und Emotionen

Kagan fand Anfang der 80er, dass kindliche Schüchternheit zu einem der stabilsten Merkmale zählt. So heiraten ehemals schüchterne Kinder später und sind auch emotional von ihren Ehepartnern abhängiger. In einer Studie, die Kagan zusammen mit Reznick und Snidmann (1987, 1988) durchführte, kam er zu folgendem Schluss: 75% der Kinder, die mit 21 Monaten gehemmt bzw. ungehemmt waren, waren dies auch noch mit 7,5 Jahren.

Bell, Weller und Waldorp führten 1971 eine Untersuchung zur Umkehrung des Aktivitätsniveaus bei Kindern durch. Dabei zeigte sich, dass sehr aktive und in ihrem Verhalten heftige Neugeborene sich im Vorschulalter eher passiv und zurückhaltend verhalten. LaGrasse, Gruber und Lipsitt untersuchten 1989 die Erhöhung der Saugrate von Säuglingen durch die Beimenung von Süßstoff. Säuglinge, die dabei die Saugrate überdurchschnittlich erhöhten, entwickelten sich in weiterer Folge zu eher gehemmten Kindern. Auf der anderen Seite entwickelten sich diejenigen Säuglinge die ihre Saugrate nur unterdurchschnittlich erhöhten zu eher ungehemmten Kindern.

Kagan und Snidmann führten 1991 eine Untersuchung mit 100 4 Monate alten Kindern durch, welche auf ihre Reaktion auf Reize getestet wurden. Hoch reaktive Kinder (solche mit ausgeprägtem Schreiverhalten und hoher motorischer Aktivität) entwickelten sich eher zu nicht explorativen, ängstlichen Kindern. Niedrig reaktive hingegen zeigten sich explorativ und wenig ängstlich. Dies konnte in weiteren Studien bis zum Schulalter bestätigt werden.

Kagan, Snidmann, Zentner und Peterson stellten 1999 in einer Studie fest, dass hoch reaktive Kinder mit einem erhöhten Risiko im Schulalter unter Angststörungen zu leiden haben. Thomas und Chess fanden in einer 1977 durchgeführten Studie, dass besonders schüchterne Kinder zur Entwicklung von Symptomem neigen.

Linkempfehlung

Eine umfangreiche und qualitativ hochwertige Zusammenstellung psychologischen Wissens zum Thema Angst - insbesondere auch im Bereich der Angst bei Kindern und Jugendlichen findet sich auf der ausgezeichneten site von Hans Morschitzky
http://www.panikattacken.at/, auf die sich dieses Arbeitsblatt teilweise stützt.

 

Literatur

http://gd.tuwien.ac.at/uni/skripten/skriptenforum/psychologie/skripten/PS_Epsy_Hartmann-SS99.doc (02-08-04)

http://www.panikattacken.at/angststoerungen/angst.htm (02-08-05) http://www.kjp.uni-marburg.de/fff/NO07.HTM (01-09-05)

Quellen: Fliegel, Steffen (1998). Alpträume bei Kindern.
WWW: http://www.wdr.de/ (02-11-15) Schröder, H. (1980). Schulangst. In Arnold, W., Eysenck, H. J. & Meili, R. (Hrsg.), Lexikon der Psychologie. Freiburg: Herder



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