[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Schulangst

Erziehung und Schule haben ein merkwürdig ambivalentes Verhältnis zur Angst. Auf der einen Seite wird Angst kaum positiv bewertet, auf der andern Seite sind völlig angstfreie SchülerInnen nicht eben beliebt. Mit Angst wird sehr viel Erziehung, Verhaltenssteuerung und Motivation betrieben, wobei ein Schüler, der sich von Tadel, Strafaufgaben oder schlechten Noten wenig beeindrucken lässt, schon bald einmal als schwierig oder gar schwer erziehbar gilt. Bei genauer und vorurteilsfreier Analyse kann man feststellen, dass ein grosser Teil der institutionalisierten und traditionellen Erziehung auf Angsterzeugung beruht, denn Strafe wirkt nur, wo sie abschreckt, d.h., Angst macht. Konkurrenz und Wettbewerb etwa über die Noten wirken bei vielen nur deshalb motivierend, weil sie Angst haben vor dem Verlieren oder Unterliegen, Angst vor Blamage oder gar Angst vor der Einschränkung ihrer existentiellen Möglichkeiten. So ist unsere Kultur durchsetzt von Angstmachern und Ausbeutung dieses Affektes. Diese Ausbeutung wird dadurch ermöglicht, dass Erziehung oft Angst von ihrer ursprünglichen Wahrnehmungsfunktion trennt und damit nicht mehr sinnvoller Teil unserer Wahrnehmung ist. Oft löst sich eine Angst erst dann auf, wenn man auf der Spur zurückgeht und fragt: Was ist wirklich gefährlich dabei? Was kann mir passieren? Ist es tatsächlich so schlimm, wenn eintrifft, was ich befürchte? Welche eigenen Möglichkeiten stehen mir dann noch zur Verfügung?

Siehe dazu auch


Normalerweise ist der Schulbesuch für Kinder eine aufregende und interessante Angelegenheit, aber für einige von ihnen der Grund für Angst oder Panik. Die Angst vor dem Schulbesuch ohne ersichtliche Ursache tritt meistens in der Vorschule, dem Kindergarten oder im ersten Schuljahr auf und erreicht ihren Höhepunkt im zweiten Schuljahr. Kurz bevor sie zur Schule gehen sollen, treten bei den Kindern z.B. Kopf-, Hals- oder Magenschmerzen auf. Wenn sie zu Hause bleiben dürfen, läßt die "Krankheit" nach, tritt aber am nächsten Morgen vor dem Schulbesuch wieder auf. Manchmal weigern sich die Kinder auch nur, das Haus zu verlassen. Die Weigerung, zur Schule zu gehen, beginnt oft nach einer Zeit, die die Kinder zu Hause verbracht haben, mit viel Nähe zur Mutter, z.B. den Sommerferien oder einer kurzen Krankheit. Sie kann aber auch nach einem belastenden Ereignis wie dem Tod eines Haustiers oder eines Verwandten, einem Schulwechsel oder einem Umzug in eine neue Umgebung auftreten. Wenn ein Kind sich krank fühlt, "krank spielt" oder geringe körperliche Beschwerden vorbringt, um nicht zur Schule gehen zu müssen, sollten Eltern dies ernst nehmen. Für die Eltern ist es als emotional Beteiligte schwer, mit den Ängsten ihres Kindes umzugehen. Die möglichen Langzeitfolgen für ein Kind, das immer Ängste hat und keine adäquate Hilfe bekommt, sind schwerwiegend. Bei manchen Kindern müssen die tieferliegenden Ursachen geklärt und über einen längeren Zeitraum behandelt werden. Bei älteren Kindern oder Jugendlichen ist die Schulangst in machen Fällen eine schwerwiegendere Krankheit, die oft einer intensiven Behandlung bedarf. In jedem Fall kann die unbegründete Angst, das Haus oder die Eltern zu verlassen, erfolgreich behandelt werden und Eltern sollten nicht zögern, professionelle Hilfe bei (Schul)Psychologen zu suchen.

Schröder (1980) definiert Schulangst als das Erleben des Bedrohtseins durch Faktoren, welche direkt oder indirekt im Zusammenhang mit Schule stehen. Hierzu zählen überhöhte Lehrerforderungen, allgemeiner Leistungsdruck, Verachtung oder Bedrohung durch Mitschüler und Repressalien der Eltern bei Schulversagen. Schulangst ist daher eine Reaktion auf allgemeine Überforderung in der Schule und bewirkt eine Hemmung in der Leistungs-, Fähigkeits- und Persönlichkeitsentwicklung und manifestiert sich häufig im körperlichen Bereich. Das leistungsorientierte Schulsystem ist häufig mit einem umfangreichen Stoffpensum, hohem Lerntempo und frühem Wettbewerb und Konkurrenzkampf für viele Schülerängste verantwortlich. Hinzu kommt, daß die Schule in den letzten Jahrzehnten ein immer gewichtigerer Faktor im Leben der jungen Menschen wird. Abgesehen von einer hohen zeitlichen Inanspruchnahme, nimmt der Schulbesuch einen zentralen und oft selbstwertbedrohlichen Stellenwert bezüglich des künftigen Werdegangs eines Schülers ein. Hinzu kommen Faktoren wie die Anonymität an sehr großen Schulen und die daraus resultierenden Aggressionen der Schüler untereinander und gegen die Schule, übertrieben autoritäres und wenig verständnisvolles Lehrerverhalten. Die Auswirkungen der Schulangst reichen von Unlust und Konzentrationsmängeln über motorische Unruhe und Verhaltensstörungen bis hin zu psychosomatischen Beschwerden wie Kopfweh, Schlafstörungen, morgendliches Erbrechen, Kreislaufbeschwerden und Fieber.

Schulangst tritt auch als Komorbidität bzw. Begleitstörung bei anderen Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen des Sprechens und der Sprache, bei Lese-Rechtschreibstörungen und bei Rechenstörungen auf. Die Verlaufscharakteristik besteht darin, daß die Komorbidität bzw. die Begleitstörungen im Laufe der ersten Schulklasse bzw. in späteren Grundschuljahren im Zusammenhang mit schulischen Anforderungen verstärkt auftreten und z.B. an Wochenenden oder in Ferienzeiten geringer ausgeprägt erscheinen. Emotionale Probleme sind häufiger während der frühen Schulzeit, Störungen des Sozialverhaltens und Hyperaktivitätssyndrome eher in der Adoleszenz deutlich, dann auch verbunden mit niedrigem Selbstwertgefühl, Anpassungsproblemen in der Schule und Hausaufgabenkonflikten.

Angstlust bedeutet schließlich eine Verknüpfung der Angst mit erregenden und lustvollen Gefühlen. Angstgefühle machen gerade den Reiz durch den Nervenkitzel aus und macht das Wagnis interessant. Die Angst auszuhalten, intensiviert die Lust, ob nun bei einer Achterbahnfahrt oder einem öffentlichen Auftritt, etc. Es hat den Anschein als sei insbesondere bei jungen Menschen ein starkes Bedürfnis vorhanden, sich dieser Angstlust auszusetzen, läßt aber manchmal die scharfen Grenzen vermissen, die es zu einem selbstgefährdenden Verhalten, wie z.B. S-Bahn-Surfen, machen.

Siehe dazu auch

Prüfungsangst und Lehrerängste - Schülerängste.

 

Eine Lernkultur, die auf Angst aufbaut, macht aus wissbegierigen Kindern in kurzer Zeit Schüler, die sich fragen, wie man die Schule heil übersteht.

Ursachen kindlicher Angst vor der Schule

Fast jeder Erwachsene, der an die eigene Schulzeit zurückdenkt, erinnert sich auch an das Gefühl der Angst und Not vor Klassenarbeiten. In gewissem Umfang scheint dieses Gefühl "normal" zu sein, aber oft wird es zu einer quälenden Begleiterscheinung - und manchmal zum Grund für das Scheitern in der Schule. Übersteigerte Prüfungsangst ist daher ein ernsthaftes Problem, das so manche schulische Karriere nachhaltig beeinflusst hat, einige vielleicht auch zerstört hat.

Schulpsychologische Erfahrung zeigt, dass Kinder mit Prüfungsängsten oft auch besonders ängstliche Eltern haben, die z.B. in ihrer eigenen Schulzeit ebenfalls unter Klassenarbeitsangst gelitten haben und insgesamt eher übervorsichtig sind. Dabei sollte man vermutlich nicht von einer vererbten Angst (im genetischen Sinn) ausgehen. Was sich da vererbt, dürften eher die Einstellungen sein, Meinungen und Gefühle. Die Kinder solcher Eltern haben auf der anderen Seite einen großen Vorteil: da sich die Eltern meist intensiv an die eigenen Nöte und Ängste erinnern, können sie verständnisvoller reagieren auf die Gefühle und Handlungsweisen ihrer Kinder.

In der Mehrzahl der Fälle ist aber nicht eine grundlegende "Veranlagung zur Prüfungsangst" anzunehmen, sondern übersteigerte und leistungshemmende Ängste sind in einem längeren Prozess irgendwie aus Erfahrungen entstanden. Oft entsteht Klassenarbeitsangst in einem einzigen Fach. Rechtschreibschwache Kinder entwickeln Angst vor dem Diktat, rechenschwache Kinder vor der Mathematikarbeit. Mit der Angst vor Arbeiten in einem einzigen Fach ließe es sich ja durchaus leben. Aber leider hat die Angst vor Prüfungssituationen die unangenehme Eigenschaft, sich auszubreiten. Aus der schlimmen Mathematikarbeit wird die schlimme Klassenarbeit, aus einem vielleicht noch überschaubaren Problem wird ein generelles.

Es gibt nur selten die eine Ursache für Prüfungsangst, sondern meist wird es sich um ein Bündel von Ursachen handeln, die sich teils gegenseitig bedingen.

Die völlig berechtigte Angst - Überforderung

Viele Schulkinder sind - oft bedingt durch die Wahl einer falschen Schulform - einfach überfordert. Wer andauernd erlebt, dass die Schule von ihm Leistungen fordert, die er auch mit großer Anstrengung nicht erbringen kann, entwickelt natürlich auch Angst - eine ganz richtige Reaktion. Hier besteht die Gefahr, dass man am Symptom der Prüfungsangst arbeitet, aber die Ursache außer Acht lässt; das ist zum Scheitern verurteilt. Bei extrem prüfungsängstlichen Kindern ist zuerst immer zu klären, ob sie nicht schulisch überfordert sind, durch (selbst)kritische Beobachtung, durch engen Kontakt zur Schule, notfalls durch eine schulpsychologische Untersuchung.

Die Angst vor der Reaktion der Eltern

Wohl kaum ein Elternteil möchte seinem Kind bewusst Angst vor Prüfungen machen; dazu wissen die meisten Erwachsenen zu gut, wie leistungshemmend Angst sein kann. Und trotzdem passiert es oft, dass die Reaktion der Eltern auf schlechte Noten (oder auch schon die Reaktion, die ein Kind von seinen Eltern erwartet) zur Entwicklung übersteigerter Ängste führt. Das Klischee von brüllenden oder prügelnden Eltern trifft kaum zu. Meistens sind es die unterschweligen Erwartungen der Eltern, das Enttäuschtsein bei schlechten Noten, die "langen Gesichter", die endlosen Diskussionen über die Wichtigkeit schulischen Erfolges, die langsam und stetig zur Entwicklung von Prüfungsangst führen. Eine langfristige miese Stimmung zuhause, die durch schulische Misserfolge bedingt ist, kleine Sticheleien, die dauernde Verknüpfung von Erlaubnissen mit besseren Noten, die Schule insgesamt als Dauerthema... - das kann oft mehr Schaden anrichten als ein kurzes heftiges "Donnerwetter" nach einer missratenen Klassenarbeit. Viele dieser Reaktionen von Eltern sind eigentlich nicht gewollt, sie passieren einfach. Hintergrund sind oft letztlich Ängste der Eltern ("Was soll nur aus dem Jungen werden?"), eigene Erfahrungen im Beruf ("Du hast ja überhaupt keine Ahnung, wie wichtig heute ein guter Schulabschluss ist!"), manchmal auch Unkenntnis über den Ausbildungsstand ihres Kindes und die Anforderungen der Schule ("Meine Güte, wie kann man denn sowas Einfaches nicht kapieren?!"). Es gibt wirklich Schülerinnen und Schüler, die mitten in einer Klassenarbeit, an einer irgendwie schwierigen Stelle, plötzlich an die zu erwartenden Reaktionen ihrer Eltern denken. An diesem Punkt ist dann an Konzentration nicht mehr zu denken, die Angst hat die Oberhand gewonnen. Auf jeden Fall sollte es Eltern zu denken geben, wenn Kinder versuchen, Noten zu verschweigen (Versuch deshalb, weil es ja doch immer schief geht); dann liegt der Schluss schon ziemlich nahe, dass es die Reaktion der Eltern ist, vor denen das Kind Angst hat.

Die Angst vor der Reaktion in der Schule

Kinder geraten in Panik, weil sie aufgrund schlechter Noten schon von Klassenkameraden gehänselt worden sind. Das trifft seltener Kinder mit einer starken sozialen Position in der Klasse, aber manchmal die schüchternen Außenseiter. Schulpsychologinnen und Schulpsychologen hören oft von Lehrerinnen und Lehrern, zu welch dramatischen Situationen es beim Zurückgeben von Klassenarbeiten kommen kann. Interessanterweise gibt es in der Schullaufbahn Zeiten, in denen es geradezu "cool" ist, schlechte Noten zu schreiben, üblicherweise die Klassen 7 bis 9. Sozial starke Schülerinnen und Schüler werden beinahe bewundert wegen ihrer Faulheit und der schlechten Noten. Aber das kippt dann plötzlich; nach Ende der Pubertät (zumindest deren wilder Phase) ist das Zeigen von Leistung wieder sozial anerkannter.

Die Angst, weil zu wenige Klassenarbeiten geschrieben werden

Das mag sich zuerst merkwürdig anhören. Durch die Vorgaben der Lehrpläne werden immer weniger Klassenarbeiten geschrieben. Man sollte meinen, dass dies einem prüfungsängstlichen Kind nur recht sein kann. Das Gegenteil ist der Fall, denn durch die Seltenheit der Klassenarbeiten (in Realschule und Gymnasium oft nur drei pro Fach und Halbjahr) bekommt die einzelne Arbeit ungeheures Gewicht. Wer die erste Arbeit im Halbjahr schlecht geschrieben hat, steht bei der zweiten Arbeit schon unter Druck. Gerade für prüfungsängstliche Kinder wäre eine Erhöhung der Zahl von Klassenarbeiten wünschenswert, weil sich einerseits ein gewisser Gewöhnungseffekt einstellt, aber weil vor allem die einzelne Arbeit und ihr Ergebnis nicht eine derartige Bedeutung für die Gesamtnote hätte.Ein Einschub:

Der Autor dieses Textes fügt hier eine persönliche Erfahrung ein. Als seine älteste Tochter (Jahrgang 1977) in Köln auf das Gymnasium kam, waren in der Hauptfächern noch fünf Klassenarbeiten pro Halbjahr vorgeschrieben. Die damalige Englischlehrerin der Klasse verkündete den Kindern, sie werde trotzdem sechs Arbeiten schreiben. Unmittelbar vor der Zeugniskonferenz werde sie dann ihren "Lehrerkalender" in der Klasse herumgehen lassen, und jedes Kind könne das schlechteste Ergebnis der sechs Klassenarbeiten durchstreichen. Der Erfolg dieser Maßnahme war beeindruckend, was die Ruhe, Gelassenheit und Angstfreiheit der Kinder anging.

Die Angst wegen falscher Vorbereitung

Klassenarbeiten werden angekündigt. Im Idealfall müsste sich eigentlich kein Kind auf eine Klassenarbeit vorbereiten, sondern permanent so nahe am Stoff sein, dass eine Leistungsüberprüfung kein Problem wäre. Aber das ist natürlich reine Theorie.Um das Beispiel vom Autofahren noch einmal aufzugreifen: eigentlich müssten wir Autofahrer (also eine breite Mehrheit) jederzeit im Stande sein, die theoretische und die praktische Fahrprüfung ohne jede Vorbereitung zu bestehen. Wer glaubt das? Die meisten Schülerinnen und Schüler sind also darauf angewiesen, sich auf eine Klassenarbeit vorzubereiten. Und bei der Vorbereitung auf Prüfungssituationen werden oft große Fehler gemacht, die zu einer Verstärkung der Ängste führen. In aller Regel werden Klassenarbeiten rechtzeitig - also mit erheblichem Vorlauf - angekündigt. Viele Schülerinnen und Schüler warten aber mit den Vorbereitungen bis zum vorletzten oder letzten Tag. Intensives Lernen erst unmittelbar vor der Arbeit bewirkt aber kaum einen Kenntniszuwachs, sondern nur eine extreme Steigerung der Prüfungsangst. Manchmal wird einem ja erst in der Vorbereitung auf die Prüfung klar, welch riesige Wissenslücken man hat. In der verbleibenden Zeit ist daran meist nichts mehr zu ändern, aber die Angst steigt.

Natürlich gibt es auch hier eine Form der "berechtigten" Prüfungsangst. Wer nicht permanent auf dem aktuellen Stand ist (und wer ist das schon?), der muss sich auf eine Klassenarbeit vorbereiten. Wer das erstmal vor sich her schiebt und schließlich ganz unterlässt, der wird in der Prüfungssituation Angst entwickeln. Und die Angst wird dann nicht produktiv sein im Sinne einer erhöhten Leistungsbereitschaft, sondern übersteigert und leistungshemmend.Falsche Vorbereitung auf Klassenarbeiten dürfte &endash; neben der Reaktionen der Eltern &endash; die häufigste Ursache für Klassenarbeitsangst sein. Zum Glück kann man in diesem Bereich (ebenso wie bei der Reaktion der Eltern) durch Verhaltensänderung vielleicht einen besseren Zustand erzielen.

Ist Klassenarbeitsangst immer offensichtlich? Nicht unbedingt. Manche Kinder sprechen offen darüber, bei anderen Kindern ist die Angst so offensichtlich, dass man sie einfach nicht übersehen kann. Einige Schülerinnen und (besonders) Schüler schämen sich aber ihrer Angst. Achten Sie als Eltern auf bestimmte Anzeichen, z.B. ungewöhnliche Fahrigkeit, Schlafstörungen vor Klassenarbeiten, Appetitlosigkeit am Morgen einer Prüfung, aber auch unerklärlich aggressives Verhalten vor einer Arbeit. Es gibt ein weiteres Anzeichen, auf das Sie achten sollten. Bei vielen Kindern fällt auf, dass die erste Hälfte einer Klassenarbeit recht gut ist, sich die Fehler in der zweiten Hälfte aber extrem häufen. Das wird meist (von Eltern und Schule) interpretiert als mangelnde Konzentrationsfähigkeit, kann aber genauso ein Indiz für übersteigerte Prüfungsangst sein. Machen Sie sich die Mühe, die Arbeiten einmal genau anzuschauen. Oft kann man genau den Punkt des "Kippens" ermitteln, also den Punkt, ab dem sich die Fehler häufen. Das kann z.B. in einem Diktat ein mehrfach korrigiertes Wort sei, in einer Mathematikarbeit eine ganz chaotisch schief gegangene Rechnung. Das war dann der Punkt, an dem die Erkenntnis kam, etwas nicht zu können und damit oft der Punkt, an dem die Angst beherrschend wurde.

Quelle:
Liese, Leonard (2004). Die Angst vor der Klassenarbeit - ein "Dauerbrenner" schulpsychologischer Arbeit.
WWW: http://www.schulpsychologie.de/downloads/wallberg/klassenarbeitsangst.pdf (04-05-15)

Was hilft bei Schulangst? Was können Eltern tun?

Für einige Kinder ist der Schulbesuch Auslöser von Panik und Stress und tritt manchmal schon im ersten Schuljahr auf. Besonders bei Tafelklasslern ist die Umstellung groß, vor allem, wenn sie vorher nicht im Kindergarten gewesen sind. Auslöser von Angst kann hier die Unsicherheit gegenüber der neuen Situation sein, demm plötzlich lernt man 25 Kinder und eine Lehrerin oder einen Lehrer kennen, mit denen man dann den gesamten Vormittag verbringt. Das fordert ein Kind. Aber auch der Druck aus dem Elternhaus, besonders gut sein zu müssen, kann negativen Stress auslösen und das Kind ängstlich werden lassen. Wer immer Angst hat, dessen Denken engt sich ein. Misserfolge in der Schule sind dann häufig vorprogrammiert.

Im Prinzip ist eine gewisse Skepsis vor Unbekanntem und Neuem normal. Eltern, sollten daher in solchen Phasen der Veränderung ihr Kind beobachten, wie es mit der Situation umgeht. Die Anzeichen der Schulangst können vielfältig sein, z.B. Kopf- oder Bauchschmerzen, das Kind will nicht aufstehen, kann nicht mehr schlafen oder will nichts mehr essen. Wenn die Eltern das beobachten, sollten sie dies vorsichtig ansprechen und mit dem Kind darüber reden. Hält jedoch dieser Zustand länger an, ist es ratsam, die Symptome medizinisch abklären zu lassen. Sind die Beschwerden organisch nicht zu begründen, sollte man sich an einen Psychologen wenden. Wer früh erkennt, dass sich das Kind Sorgen macht, kann reagieren kann ihm beistehen und ihm helfen, mit der schwierigen Situationen zurechtzukommen und die Freude an der Schule und am Lernen wiederzuerlangen. Prinzipiell gilt die Regel, dass Schulangst mit der Schulstufe steigt, vor allem ab der ersten Klasse Hauptschule und im Gymnasium nimmt die Angst zu. Das hat teilweise mit den steigenden Anforderungen zu tun, etwa mit den Schularbeiten oder der Angst vor bestimmten Gegenständen. Wichtig ist, immer mit seinem Kind im Gespräch zu bleiben und über alles zu reden - auch über unangenehme Gefühle. Eltern sollten einmal von ihrer eigenen Schulzeit erzählen!

Unter Verwendung von "Reden hilft gegen Schulangst".http://www.nachrichten.at/leben/588745 (07-09-07)

Siehe auch Schulangst – Ursache, Folgen und Bewältigung

 

Linkempfehlung#Eine umfangreiche und qualitativ hochwertige Zusammenstellung psychologischen Wissens zum Thema Angst - insbesondere auch im Bereich der Angst bei Kindern und Jugendlichen findet sich auf der ausgezeichneten site von Hans Morschitzky http://www.panikattacken.at/, auf die sich dieses Arbeitsblatt teilweise stützt. Ein Artikel zur Schulangst.

Buchempfehlungen

Literatur:
http://gd.tuwien.ac.at/uni/skripten/skriptenforum/psychologie/skripten/PS_Epsy_Hartmann-SS99.doc (02-08-04)
http://www.panikattacken.at/angststoerungen/angst.htm (02-08-05)
http://www.kjp.uni-marburg.de/fff/NO07.HTM (01-09-05)
Schröder, H. (1980). Schulangst. In Arnold, W., Eysenck, H. J. & Meili, R. (Hrsg.), Lexikon der Psychologie. Freiburg: Herder.

 



inhalt :::: kontakt :::: news :::: impressum :::: autor :::: copyright :::: zitieren ::::
navigation: