[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Vergleich der Schlußformen Abduktion, Induktion und Deduktion

Deduktion

Induktion

Abduktion

(A) Alle Kater sind schwarz.
(B) Felix ist ein Kater.

(C) Felix ist schwarz. (!)

(C) Felix ist schwarz.
(B) Felix ist ein Kater.

(A) Alle Kater sind schwarz. (?)

(A) Alle Kater sind schwarz.
(C) Felix ist schwarz.

(B) Felix ist ein Kater. (??)




Das war eine Deduktion (Schluss von der Praemissa maior und der Praemissa minor auf die Conclusio). Aus (A) und (B) folgt (C) zwingend. Diese Form des Schließens finden wir häufig in der Mathematik und in der klassischen Logik. Der Deduktionsschluss ist apodiktisch, das heißt notwendig wahr. Er ist Wahrheit bewahrend und insoweit konservativ.

Das war eine Induktion (Schluss von der Conclusio und der Praemissa minor auf die Praemissa maior). Nach (C) und (B) ist (A) zwar durchaus wahrscheinlich, aber keineswegs zwingend wahr. Sicher gegeben ist nur ein einziger Belegfall (zumindest der eine uns persönlich bekannte Kater Felix ist schwarz), von dem ausgehend auf alle anderen entsprechenden Fälle durch Verallgemeinerung geschlossen wird. Im Routinebetrieb der empirischen Wissenschaften werden generalisierende, d.h. wenig kreative Hypothesen auf induktivem Weg gewonnen. Der Induktionsschluss ist dialektisch, das heißt nicht zwingend wahr. Er bedarf zu seiner Absicherung unbedingt der Überprüfung mittels des Bootstrap-Modells durch Herstellung seiner (positiven) Einzelfälle). Der Induktionsschluss ist potenziell Wahrheit erweiternd.

Das war eine Abduktion (Schluss von der Praemissa maior und der Conclusio auf die Praemissa minor). Gemäß (A) und (C) ist (B) zwar möglich, aber keineswegs wahrscheinlich, denn beispielsweise auch Kohlen oder Schornsteinfeger sind schwarz. Der hier formulierte Schluss ist also ziemlich unsicher, er kann allenfalls "zufällig" wahr sein. Es gibt nämlich für seine Richtigkeit zunächst keinen einzigen gesicherten Belegfall. Das ist nicht nur ein quantitativer, sondern ein qualitativer Unterschied zur Induktion. Der abduktive Schluss spekuliert, er verwertet Indizien.



Das berühmte Beispiel von Charles Sanders Peirce:

Der Schluß "Alle Bohnen aus diesem Beutel sind weiß; diese Bohnen sind aus diesem Beutel, folglich sind sie weiß" ist ein deduktiver Schluß, in dem im Schlußsatz nichts ausgesagt wird, was nicht schon von den Prämissen impliziert wäre. Der Schluß ist daher analytisch, also nicht erkenntniserweiternd.

Der entsprechende Induktionsschluß lautet: "Diese Bohnen sind aus diesem Beutel; diese Bohnen sind weiß, folglich sind alle Bohnen aus diesem Beutel weiß." Der Schluß ist nicht allgemeingültig. Er gilt nur mit Wahrscheinlichkeit, die allerdings kaum quantifizierbar ist, wenn die Anzahl der in dem Beutel befindlichen Bohnen nicht bekannt ist. Der Schlußsatz geht allerdings in seiner Verallgemeinerung über das in den Prämissen Gesagte hinaus. Er ist also erkenntniserweiternd und synthetisch.

Der Abduktionsschluß schließlich lautet: "Alle Bohnen aus diesem Beutel sind weiß; diese Bohnen sind weiß, also sind diese Bohnen aus diesem Beutel." Auch dieser Schluß ist nicht allgemeingültig. Der Schlußsatz der Abduktion enthält vielmehr eine Hypothese, die eine Verbindung zwischen den Prämissen herstellt, indem in ihr eine Annahme ausgedrückt wird, die als Fall der Regel notwendig auf das Ergebnis, also die zweite Prämisse führen würde.

What is Abductive Reasoning ?

Man: "Hi there new neighbor, it sure is a mighty nice day to be moving."
Neighbor: "Yes, it is and people around here seem extremely friendly."
Man: "So what is you do for a living?"
Neighbor: "I am a professor at the University, I teach abductive reasoning."
Man: "Abductive reasoning, what is that?"
Neighbor: "Let me give you an example. I see you have a dog house out back. By that I abduce that you have a dog."
Man: "That is right."
Neighbor: "The fact you have a dog, leads me to abduce that you have a family."
Man: "Right again."
Neighbor: "Since you have a family I abduce that you have a wife."
Man: "Correct."
Neighbor: "And since you have a wife I can abduce that you are heterosexual."
Man: "Yup."
Neighbor: "That is abductive reasoning."
Man: "Cool."

Later that same day...

Man: "Hey I was talking to that new guy who moved in next door."
Neighbor2: "Is he a nice guy?"
Man: "Yes, and he has an interesting job."
Neighbor2: "Oh, yeah what does he do?"
Man: "He is a professor of abductive reasoning at the University."
Neighbor2: "Abductive reasoning, what is that?"
Man: "Let me give you an example. Do you have a dog house?"
Neighbor2: "No."
Man: "Fag."

Implizites Wissen

In Zusammenhang mit der kreativen Abduktion ist auch das Konzept des Impliziten Wissens zu sehen, mit dem sich nicht nur Psychologen ("Expertenwissen“, "Intuition“) beschäftigen, sondern auch Philosophen, Wirtschaftswissenschafter, Kommunikationswissenschafter ("Wissensmanagement“) und Pädagogen ("Wie kann implizites Wissen gelehrt werden?“). Was ist der Unterschied zwischen explizitem, artikulierbarem Wissen und implizitem Wissen, das sich nur schwer artikulieren lässt? Ist implizites Wissen eine Voraussetzung für explizites Wissen? Welche Rolle spielt das implizite Wissen in kreativen Prozessen, wenn es darum geht, völlig neues Wissen zu generieren? Intensiv hat sich Michael Polanyi damit beschäftigt, auf den der Begriff des "tacit knowing“ zurückgeht. Er interessierte sich nicht so sehr für Faktenwissen, sondern vielmehr für dynamische Prozesse, in denen Wissen bzw. "Könnerschaft“ zum Ausdruck kommen.

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Was ist Abduktion?

Siehe auch: Zusammenspiel von Induktion, Deduktion und Abduktion beim Lernen des Kindes

Quellen & Literatur

Altenseuer, Timo (2000). Abduktion: Die Bildung einer Hypothese.
WWW: http://www.uni-bielefeld.de/idm/forschung/publikation/
occpaper/occ160/occ160k3.htm (02-02-02)
Bauer Axel W. (2000). Deduktion, Induktion, Abduktion und die hypothetisch-deduktive Methode in den empirischen Wissenschaften.
WWW: http://www.uni-heidelberg.de/institute/fak5/igm/g47/bauerabd.htm (01-06-26)
Krems, Josef (o.J.). Schließen von Folgen auf Ursachen: Induktiv, deduktiv oder abduktiv?
WWW: http://private.addcom.de/eFelix/Politik/induktiv_deduktiv.htm (00-03-26)
Krems, J. & Johnson, T. (1995). Integration of Anomalous Data in Multicausal Explanations (S. 277-282). In J. Moore & J. Lehman (Eds.), Proceedings of the 17th Annual Conference of the Cognitive Science Society. Hillsdale: Erlbaum.
Peckhaus, Volker (1999). Abduktion und Heuristik.
WWW: http://www.phil.uni-erlangen.de/~p1phil/personen/peckhaus/texte/abduktion.html (02-02-02)
Wirth, Uwe (1995). Abduktion und ihre Anwendungen. Zeitschrift für Semiotik, 17, 405-424.
Wirth, Uwe (1999). Diskursive Dummheit. Abduktion und Komik als Grenzphänomene des Verstehens. Heidelberg: Winter.
Microsoft Encarta 1999.



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