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Jugendliche und Suchtmittelkonsum
Zigarettenkonsum bei 11- bis 15jährigen Jugendlichen
Die Studie "Health Behavior in
School-Children" (HBSC) ist ein kooperatives Forschungsprojekt, der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) und hat das Ziel, zu einem
erweiterten Verständnis gesundheitsbezogener Einstellungen und
Verhaltensweisen junger Menschen beizutragen und die Bedingungen
ihrer Entwicklung zu untersuchen. Ein zentrales Thema ist dabei der
Substanzkonsum Jugendlicher in seiner Verbreitung und in seinen
Ursachen und Folgen. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche
im Alter von 11 bis 15 Jahren in einer repräsentativen
Auswahl von Schulen. Die Datengewinnung erfolgt mittels einer
schriftlichen Befragung in den Schulen.
Quelle: Hurrelmann K., Klocke, A., Melzer, W. &
Ravens-Sieberer, U. (Hrsg.) (2003). Jugendgesundheitssurvey.
Weinheim, München: Juventa Verlag.
(gekürzt nach http://www.landesstelle-berlin.de/e269/
e3665/e3679/e3680/index_ger.html (05-11-05), W.S.)
Siehe auch Jugendsüchte
Die Jugendlichen wurden in der Befragung gebeten, Angaben über ihren Zigarettenkonsum zu machen. Es wurde gefragt, wie häufig die 11- bis 15jährigen rauchen. Bei einem regelmäßigen, mindestens wöchentlichen Zigarettenkonsum werden die Befragten als gewohnheitsmäßige bzw. regelmäßige Raucher eingestuft. Wir haben 15-jährige Raucherinnen und Raucher danach gefragt, wann sie mit dem (regelmäßigen) Rauchen begonnen haben. Daraus ermittelten wir ein durchschnittliches Einstiegsalter von 11,8 Jahren bei Jungen und 12,3 Jahren bei Mädchen. Gegenüber der Befragung von 1998 zeigt sich hier eine weitere Vorverlagerung des Einstiegsalters um etwa ein halbes Jahr. Der Trend des immer früheren Einsetzens von Substanzkonsum hält weiter an. Die beschleunigte körperliche Entwicklung und der frühere Wunsch nach dem Ausfüllen einer erwachsenen Identität ist hier die treibende Kraft. Rauchen ist eins der entscheidenden Symbole des Erwachsenseins.
Unter den 11-Jährigen rauchen daher noch relativ wenige Jungen und Mädchen regelmäßig. Jungen tun dies mit 3,3 % etwa dreimal so häufig wie Mädchen mit 1,1%. Dies sind im Vergleich zur vorherigen Studie weniger Mädchen dafür aber doppelt so viele Jungen. Unter den 13jährigen steigt der Anteil regelmäßiger Raucher/-innen dann sprunghaft an. In diesem Alter zeigen sich deutsche Jugendliche schon längere Zeit im internationalen Vergleich als Spitzenreiter: 13,6 % der Jungen und 14,6% der deutschen 13jährigen Mädchen rauchen. Hier sind die Raten im Vergleich zu 1998 nur bei den Mädchen um etwa 1% gestiegen, bei den Jungen jedoch gleich geblieben. In der Gruppe der 15jährigen ist eine weitere Steigerung der Raucherraten zu verzeichnen: 32,2 % der Jungen und 33,7 % der Mädchen sind Raucher. Es ist interessant, dass hier die Raten der Jungen seit 1998 deutlich zugenommen haben (1998: 27,6 %), während sie bei Mädchen leicht rückläufig sind (1998: 35,8 %).
Ein Vergleich der ermittelten Raucherquoten zwischen den Befragungen aus den Jahren `94, `98 und 2002 zeigt bei den Jugendlichen in Deutschland einen moderat ansteigenden, aber ungebrochenen Trend hin zum Rauchen, während die Anteile der regelmäßigen Raucher unter Jugendlichen in der überwiegenden Zahl der anderen beteiligten Länder stagnieren oder gleich bleiben. Der internationale Vergleich der Raucherquoten unter 11- bis 15jährigen Jugendlichen verdeutlicht ein eindeutiges Defizit in den deutschen Bemühungen um den Gesundheitsschutz und die nationalen Strategien der Rauchprävention. Eine Gegenüberstellung der vergleichenden Daten mit entsprechenden gesetzlichen Regelungen zur Altersbeschränkung, zur Werbung, zur Preisgestaltung und zum Verkauf von Zigaretten an Jugendliche in den beteiligten Ländern zeigt, daß dort, wo entsprechende Beschränkungen eingeführt wurden, die Raucherzahl stagniert. Die Einführung von Verboten ist demgegenüber weniger erfolgreich: In der überwiegenden Zahl der beteiligten Länder zeigen die nationalen Strategien zur Reglementierung des Rauchens in der Öffentlichkeit eine Wirkung, jedoch nur in geringem Maße. Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass das Rauchverhalten in erster Linie durch den Preis von Zigaretten im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen beeinflußt wird.
Wasserpfeife - Shisha, Narghileh, Hubble Bubble, Hookah
Die Wasserpfeife (Shisha, Narghileh, Arghileh, Hookah oder Hubble Bubble) besteht aus einem wassergefüllten Glas- oder Stahlgefäß, einem Tongefäß für den Tabak, einer Rauchsäule mit Ventil und einem Schlauch mit Mundstück. Der Wasserpfeifentabak ist ein feuchter Tabak, der aus einer Mischung von Tabak, Melasse und Glycerin besteht und deutlich feuchter ist als Pfeifen- oder Zigarrentabak. Vor allem wird aromatisierter Tabak geraucht, der in zahllosen Geschmacksrichtungen erhältlich ist: Doppelapfel, Kirsche, Minze, Orange, Zitrone, Mango, Vanille, Banane, Cappuccino, Karamell, Lakritze, Kokosnuss, Multifrucht, Rose, Traube, Erdbeere, Pfirsich, Melone und Cola. Unter Jugendlichen kommt der vermeintlich harmloser Rauchgenuss durch die Wasserpfeife (Shisha) immer mehr in Mode. Aromatisiert durch Fruchtstücke gleicht die Masse eher vitaminreichen Fruchtcocktails als nikotinhältigem, abhängig machendem Tabak. Der Tabak in der Wasserpfeife wird bei einer Temperatur von 450° erhitzt und verdunstet, während er bei der Zigarette bei 900° verbrennt. Damit gleicht die Wasserpfeife den Alkopops, die Jugendliche schon früh an den regelmäßigen Alkoholkonsum gewöhnen. Während bei Zigaretten 35 ml Zugvolumen inhaliert werden, sind es bei Wasserpfeifen rund 0,5 bis ein Liter. Während der ca. 50 Minuten, in denen man eine Wasserpfeife raucht, wird bedeutend mehr Rauch inhaliert als beim Rauchen einer Zigarette. Das große Rauchvolumen wird unter anderem durch das kühlende Wasser ermöglicht, da der Rauch tiefer in die Lungen gesogen wird und dort länger verweilt. Die weit verbreitete Annahme, dass Wasser die Schadstoffe aus dem Rauch filtert, ist schlichtwegs falsch, denn der wassergekühlte und mit Früchten aromatisierte Rauch kratzt nur weniger in der Lunge als andere Tabakwaren. Nikotin, ein wichtiger Faktor in der Kanzerogenese, ist fettlöslich und kann daher durch das Wasser gar nicht abgefangen werden. Besonders für unerfahrene Raucher wie Kinder und Jugendliche kann die Shisha zum Einstiegsmittel in den Nikotinkonsum werden. Nach einer repräsentativen Studie der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2007 haben 38 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren schon einmal Wasserpfeife geraucht, 14 Prozent gaben an, im letzten Monat Wasserpfeife geraucht zu haben. Zehn Prozent rauchen ein- bis dreimal pro Monat, drei Prozent wöchentlich und 0,4 Prozent sogar täglich Shisha. Die Schädlichkeit des Shisha-Rauchens schätzen viele Jugendliche als vergleichsweise gering ein. Dabei enthält die Wasserpfeife in etwa so viel Gift wie zehn Zigaretten, wobei die Schadstoffe im Rauch sogar noch höher konzentriert sind als im Zigarettenrauch: Arsen, Chrom, Cobalt, Blei und Nickel, entstehen bei der Erhitzung, aber auch für Teer und Kohlenmonoxid. Die Nikotinaufnahme nach Wasserpfeifenkonsum ist somit deutlich höher als nach Zigarettenkonsum. Auch wird beim Wasserpfeifenrauchen beinahe die 20-fache Menge an Teer aufgenommen, als beim Rauchen filterloser Zigaretten. Es wurden im Rauch mehr als 4.000 Substanzen identifiziert, darunter Schwermetalle, radioaktive Stoffe, aromatische Kohlenwasserstoffe und Kohlenmonoxid. Was die Shisha für Jugendliche besonders beliebt macht, ist das gesellige Zusammenrauchen, also das Teilen einer Pfeife durch mehrere Personen. Durch das Mundstück steigert sich das Übertragungsrisiko von Krankheiten (Pilzinfektionen, Helicobacter Pylori, Tuberkulose, Viren, etwa Hepatitis oder Herpes) signifikant. Durch das Rauchen der Wasserpfeife kommt es auch zu einer deutlich erhöhten Belastung von lungengängigem Feinstaub in der Innenraumluft, sodass Anwesende dem Passivrauch der Wasserpfeife noch stärker ausgesetzt sind als in der Umgebung von Zigarettenrauch. Es existieren deshalb wenige Studien über die gesundheitlichen Risiken des Wasserpfeiferauchens, da jemand, der Wasserpfeife raucht, häufig auch Zigaretten raucht. Es ist auch ein noch relativ junges Phänomen im europäischen Raum und es liegen deshalb erst wenige Daten vor, die für die wissenschaftliche Forschung genutzt werden können. Nach neueren Studien an Ratten erreicht das mit dem Passivrauchen aufgenommene Nikotin vermutlich auch beim Menschen das Gehirn und besetzt dort Rezeptoren, sodass auch eine biologische Grundlage für das Abhängigkeitspotenzial des Passivrauchens nachgewiesen ist. Werden nämlich Ratten über längere Zeit in verrauchten Käfigen gehalten, kommt es nach einiger Zeit zur Abhängigkeit, und nach dem Beenden des Passivrauchens zeigen sich Entzugssymptome.
Quellen:
OÖnachrichten vom 21.10.2008
http://de.wikipedia.org/wiki/Shisha (08-10-21)
http://www.aerztewoche.at/viewArticleDetails.do?articleId=6301 (08-10-21)
http://www.vivid.at/de/wissen/suchtlexikon/wasserpfeife_shisha/ (08-10-22)
Alkoholkonsum
Trotz der seit langem bekannten Gefahren und gesundheitsschädigenden Folgen erfreute sich kein anderes Rauschmittel über Jahrtausende so nachhaltiger Beliebtheit wie der Alkohol. Das hartnäckige Festhalten an den Trinkgewohnheiten lässt vermuten, dass elementare Empfindungen und Wunschvorstellungen durch das Alkoholtrinken angesprochen werden. Anders lässt es sich wohl kaum erklären, dass der Alkoholgebrauch bereits vor Tausenden von Jahren eine so große Verbreitung fand und sich daran bis heute - trotz des tiefgreifenden sozialen und kulturellen Wandels - nichts geändert hat. Heute ist Alkohol in fast allen Ländern der Welt das Suchtmittel Nummer eins.
Der Grundstein für einen gesundheitsgefährdenden Umgang mit Alkohol wird im Kindes- und Jugendalter gelegt. Die Kinder wachsen auf in einer sozialen Umwelt, in der Alkohol für verschiedene Zwecke verwendet wird. Sie lernen bereits früh dessen soziale Bedeutung und die vermeintlich positiven Auswirkungen kennen. In der Mehrzahl der europäischen Länder gilt der Umgang mit Alkohol als kulturell akzeptiert und als Teil der normalen Entwicklungserfahrungen für Kinder. Die Ergebnisse verschiedener Studien (HBSC, ESPAD) zeigen, daß junge Menschen bereits sehr früh an den Alkoholkonsum herangeführt werden. Das Trinken von Alkohol ist bei uns ein obligatorischer Teil sozialer Ereignisse im Familienkreis und in der Öffentlichkeit. So lernen Kinder bereits früh dessen soziale Bedeutung und die vermeintlich positiven Auswirkungen kennen. Es ist zu vermuten, dass überwiegend Eltern oder nah stehende Erwachsene den Erstkontakt mit Alkohol bei den Kindern provozieren. Kahl et al. konnten beispielsweise nachwiesen, dass 76% der von ihnen befragten Jugendlichen angaben, ihre ersten Erfahrungen mit Alkohol im Familienkreis gemacht zu haben.
Während das Experimentieren mit alkoholhaltigen Getränken nur in Ausnahmefällen eine unmittelbare gesundheitliche Bedrohung darstellt, muss ein regelmäßiger Konsum mit täglicher oder wöchentlicher Häufigkeit je nach Alter und Entwicklung der Jugendlichen als problematisch eingestuft werden. Im Rahmen der HBSC-Studie wurden die Schülerinnen und Schüler gefragt, wie häufig sie verschiedene alkoholische Getränke (Bier, Wein/Sekt, Spirituosen) zu sich nehmen.
Obwohl Deutschland weltweit nach wie vor an der Spitze im Pro-Kopf Alkoholkonsum liegt, konnte für die Gruppe der Jugendliche in der Vergangenheit eine erfreuliche Veränderungen beobachtet werden. So war seit 1973 der Alkoholkonsum in dieser Altersgruppe bis zu den 90er Jahren rückläufig.
Ein Vergleich der HBSC Ergebnisse aus Nordrhein-Westfalen seit 1993 zeigt: Nachdem die Raten der regelmäßigen Alkoholkonsumenten unter den 11-, 13- und 15-Jährigen im Verlauf der 90er Jahre wieder leicht angestiegen sind, konnte bei 15-jährigen Jungen im Jahr 2002 ein deutlicher Anstieg der Raten beobachtet werden. Bei Mädchen ist die Rate in dieser Altersgruppe dagegen nur leicht angestiegen.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die bayerische Jugendgesundheitsstudie "Jugend in Bayern" (2001). Hier konnte für den Zeitraum von 1995 auf 2000 bei 15- bis 17-jährige Jungen, jedoch nicht bei Mädchen, ein Anstieg des regelmäßigen Alkoholkonsums nachgewiesen werden. Bei den 13-jährigen Jungen hat sich der Anstieg von 1993/94 zu 1997/98 nicht fortgesetzt. Bei Mädchen in dieser Altersgruppe hat sich die Rate des regelmäßigen Alkoholkonsums jedoch etwas erhöht, so dass von einer Angleichung der Raten für Jungen und Mädchen gesprochen werden kann, die sich bereits 1993/94 andeutete.
Nur wenige 11- bis 15-Jährige trinken regelmäßig, die meistens trinken nicht oder nur sehr selten. Fasst man die verschiedenen Getränkearten zusammen, zeigt sich, dass insgesamt 53% der Jungen und 57% der Mädchen zum Befragungszeitpunkt abstinent waren. Etwa gleich viele Jungen und Mädchen, nämlich etwa ein Drittel, konsumieren gelegentlich Alkohol. Männliche Jugendliche trinken aber signifikant häufiger regelmäßig Alkohol als weibliche Jugendliche.
Regelmäßiger Alkoholkonsum finden wir im Bundesschnitt bei 2,4 % der 11-jährigen Jungen und bei lediglich 0,6 % der Mädchen dieses Alters. Wie beim Rauchen vollzieht sich zwischen dem 11. und dem 13. Lebensjahr die Initiation des Alkoholkonsums, so dass bei den 13-Jährigen bereits 11,3 % der Jungen und 8,5 % der Mädchen regelmäßig trinken. Unter den 15-Jährigen finden wir dann bei 37 % der Jungen und bei knapp 1Ú4 der Mädchen regelmäßigen Alkoholkonsum. Die Zahlen sind erschreckend hoch, drücken sie doch den Alkoholkonsum derer aus, die nach dem Jugendschutzgesetz noch keinen Alkohol erwerben dürfen und diesen eigentlich in der Öffentlichkeit auch nicht konsumieren dürfen.
Differenziert man die einzelnen Getränkearten, so zeigt sich, dass Bier bei den 13- bis 15-Jährigen das beliebteste Getränk ist. Alkoholische Mixgetränke, sogenannte "Alcopops", stehen inzwischen an zweiter Stelle mit einer regelmäßigen Konsumhäufigkeit. Spirituosen und Wein/Sekt folgen mit großem Abstand. Während Jungen signifikant häufiger regelmäßig Bier und Spirituosen zu sich nehmen, zeigt sich beim Wein- und Sektkonsum kein Geschlechtsunterschied. Hier deuten sich bereits geschlechtstypische Geschmackspräferenzen an: Bereits 3,6% der befragten Jungen aus der 5. Klasse greifen regelmäßig zu diesen Mixgetränken. In dieser Gruppe ist damit der Konsum von Mixgetränken etwa doppelt so häufig wie der von Bier. Die Mädchen dieser Altersgruppe gaben zu 1,1 % an Mixgetränke regelmäßig zu trinken. Unter den Schülerinnen und Schülern der 7. Klasse, die im Mittel 13 Jahre alt sind, gaben 8,2% der Jungen und 5,4% der Mädchen einen regelmäßigen Konsum von Mixgetränken an, in der 9. Klasse, mit im Durchschnitt 15-Jährigen, sind es bereits 22,1% der Jungen und 14,7% der Mädchen.
Eine Studie über jugendlichen Alkoholkonsum des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung (AutorInnen Irmgard Eisenbach-Stangl, Alexander Bernardis, Kurt Fellöcker, Judith Haberhauer-Stidl, Gabriele Schmied) zeigte, dass Jugendliche heute häufiger in der Öffentlichkeit trinken als früher. Sie konsumieren dabei vom Bier bis zum Tequila sowie vor allem Alkopops, vor allem Jugendliche sozialer Unterschichten trinken auf der Straße, im Park oder am Parkplatz und dann überwiegend härtere Getränke, etwa beim "Vorglühen". Die Trinkgewohnheiten von Mädchen und Burschen werden einander zwar immer ähnlicher, junge Männer trinken aber insgesamt mehr und Stärkeres, wobei sie damit ihre Männlichkeit unter Beweis stellen wollen. Mädchen stehen eher am Rand der Szenen, denn sie fürchten oft, sich zu blamieren oder zu sexuellen Handlungen gedrängt zu werden. Die traditionellen Geschlechterrollen verlieren etwa im Alter von 16 Jahren an Relevanz.
Der regelmäßige Konsum von Alkohol gilt als gesundheitlich bedenklich, beschreibt jedoch noch nicht zwangsläufig ein missbräuchliches und schädliches Verhältnis zum Alkohol. Regelmäßiger Konsum in kleinen Mengen ist vielmehr die Vorwegnahme eines normalen Verhaltens im Erwachsenenalter. Die Häufigkeit von Rauscherfahrungen kann dagegen als ein Indikator für schädlichem bzw. gesundheitsgefährdenden Konsum bei den Kindern und Jugendlichen angesehen werden. Die damit verbundenen unmittelbaren Auswirkungen auf die Gesundheit der Jugendlichen (z.B. Unfälle, Gewalt oder anderes abweichendes Verhalten) können dramatisch ausfallen. Starker Alkoholkonsum führt zu einem Verlust der motorischen Fähigkeiten und des Urteilsvermögens und lässt darüber hinaus die Hemmschwelle für deviantes Verhalten deutlich sinken. Gerade im frühen Jugendalter treten dieser negativen Effekte recht schnell auf, schon bei einer relativ kleinen Menge konsumierten Alkohols.
Die Jugendlichen wurden in der HBSC-Studie daher gefragt, wie häufig sie bereits soviel Alkohol getrunken haben, dass sie einen Rausch hatten. Dabei wurden die Angaben von mehr als zwei bisherigen Rauscherfahrungen zu einer Kategorie zusammengefasst. Dieser Grenzwert ist zwar willkürlich gewählt, markiert jedoch in gewisser Weise ein sich aufbauendes Gefährdungsmuster, das über einen reinen Genusskonsum hinausgeht und ein gesundheitliches Risiko markiert. Etwa 70% der 11- bis 15-Jährigen gaben an, in ihrem Leben noch nie einen Alkoholrausch gehabt zu haben. Unabhängig vom Geschlecht nimmt dieser Wert mit dem Alter deutlich ab, so dass im Alter von 15-Jahren nur noch 40,9% der Jungen und 45% der Mädchen diese Angabe machten. Betrachtet man die ermittelten Häufigkeiten zu mehr als zwei Rauscherfahrungen wird deutlich, dass Jungen aus jeder Altersstufe häufiger betrunken waren als gleichaltrige Mädchen. Bei der Betrachtung der Raten für mehr als 10 Rauscherfahrungen wird der Geschlechtsunterschied noch ausgeprägter. Dies berichten knapp dreimal so viele Jungen (15,4%) wie Mädchen (5,9%).
Wie für den regelmäßigen Alkoholkonsum, kann auch für wiederholte Rauscherfahrungen bei 15-jährigen Jungen im Jahr 2002 ein deutlicher Anstieg der Raten beobachtet werden. Bei 15-jährigen Mädchen ebenso so wie für die 13-Jährigen lässt sich demgegenüber nur ein geringer Anstieg der alkoholbedingten Rauscherfahrungen nachweisen. Für 11-Jährige liegen die Raten über die drei Erhebungszeitpunkte auf etwa gleich niedrigem Niveau.
Einstiegsalter des ersten Alkoholkonsums und des ersten Alkoholrausches
Alkohol ist nach wie vor das am häufigsten konsumierte "Rauschmittel" im Jugendalter. Je früher junge Menschen erste Erfahrungen mit dem Alkoholkonsum machen oder aber ihren ersten Alkoholrausch erleben, um so größer gestaltet sich ihr Risiko, im späteren Lebenslauf Alkoholprobleme zu entwickeln. Dies ist zwar nicht zwangsläufig, stellt jedoch im Zusammenhang mit weiteren Risikofaktoren einen empirisch nachweisbaren Prädiktor für die Suchtentwicklung dar. In unserem Fragebogen ermittelten wir auch Durchschnittsalter des ersten Alkoholkonsums und Alkoholrausches. Um die Genauigkeit und Vergleichbarkeit der Daten zu erhöhen, wurde die Analysen auf die 15-Jährigen begrenzt.
Das Durchschnittsalter des ersten Alkoholkonsums liegt derzeit bei 12,8 Jahren; bei Jungen nur unwesentlich früher als bei Mädchen. Der erste Alkoholrausch findet mit durchschnittlich 13,8 Jahren statt, also in der Regel etwa ein Jahr nachdem erste Erfahrungen mit dem Alkohol gemacht wurden. Jungen erleben ihren ersten Alkoholrausch dabei signifikant früher als Mädchen.
Für den allgemeinen Anstieg des Alkoholkonsums unter den Jugendlichen gibt es wahrscheinlich zwei Gründe die eng miteinander verbunden sind: Zum einen führt ein früheres Einstiegsalter in den Alkoholkonsum zu einer leichten Steigerung der Konsumraten, viel bedeutender scheint jedoch ein verändertes Angebot alkoholischer Getränke zu sein. Fertig gemischte Schorlen, Biermixgetränke und mit Spirituosen versetzte Limonaden ("Alcopops") zielen zunehmend auf eine sehr junge Konsumentengruppe. Diese Entwicklung, die in Großbritannien bereits Ende der 90er Jahre zu beobachten war, zeigt sich nun auch in Deutschland. Eine Betrachtung des Suchtmittelkonsums bei Jugendlichen kommt um die kritische Auseinandersetzung mit diesen neuen Alkoholika nicht mehr herum. Ich will hier nur kurz auf die Gefahren dieser Getränke eingehen:
Am 11. Juni 2003 veröffentlichte die Deutsche Presse Agentur folgende Nachricht: "Frankfurt/Main - Neue Mischgetränke auf Wodka- oder Rum- Basis haben in Deutschland die Lust auf Spirituosen wieder entfacht. ... Die vorgemischten Drinks haben laut BSI ihren Siegeszug aus den Discotheken, Kneipen und Bars heraus seit Mitte 2002 im Lebensmittelhandel fortgesetzt und einen Anteil von neun Prozent am Spirituosenmarkt erreicht. Im Handel seien in den ersten vier Monaten 2003 rund 11 Prozent mehr Spirituosen verkauft worden. Durch diesen neuen Schwung hoffen die Anbieter von Hochprozentigem, den ProKopf-Verbrauch in diesem Jahr auf 5,9 Liter halten zu können. Vor allem junge Käufer sehen die süßen Long-Drinks in Flaschen als Bierersatz."
Bei den ersten Alkoholerfahrungen im Kindesalter, die im Durchschnitt etwa im 8. bis 9. Lebensjahr durch das Probieren kleiner Mengen vor sich gehen, sind zunächst in der Regel geschmackliche Aversionen zu überwinden. Es liegt auf der Hand, dass hier süsse Getränke mit moderatem Alkoholgehalt zu positiveren Erfahrungen führen als etwa bitteres Bier, trockene Weine oder scharfe Schnäpse. Sind geschmackliche Vorbehalte erst einmal abgebaut, kommt die physiologische Wirkung des Alkohols auf das sogenannte "neuronale Belohnungssystem" zum tragen. Die angenehme Alkoholwirkung wird als Wirkungserwartung tief im Gedächtnis gespeichert. Im frühen Jugendalter kommen im Zuge der Pubertät, beim Übergang vom Kindes- zum Erwachsenenalter, die sozialen bzw. kulturellen Aspekte des Alkoholkonsums hinzu. Durch ihr Produktdesign und durch die Art der Werbung lassen sich Alcopops eng mit dem Lifestyle junger Erwachsener assoziieren. Die Werbebotschaften befassen sich überwiegend mit Nonkonformität, Erotik, Parties und Urlaubsstimmungen und sind daher besonders attraktiv für Jugendliche.
Durch ihre Neuartigkeit und durch ihr Produktdesign umgehen diese Mixgetränke mögliche Resentiments gegenüber den klassischen alkoholischen Getränken. Dies macht sie um so attraktiver für Jugendliche, die wegen alterstypischer Abgrenzungswünsche gegenüber Erwachsenen, nicht zu den gleichen Getränken wie Vater und Mutter greifen möchten. Eine amerikanische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass nach Meinung vieler Erwachsener, besonders aber der meisten Teenager, Alcopops speziell für Jugendliche hergestellt werden . Auch die Verpackung bzw. die Beschriftung der Etiketten verrät den tatsächlichen Alkoholgehalt, der mit durchschnittlich fünf Volumenprozent immerhin höher als beim Bier ist, nur bei genauem Hinsehen. Sie erhöhen dadurch auch die Toleranz der Erwachsenen, die aus Unkenntnis diese alkoholischen Getränke unterschätzen und daher als unbedenklich einstufen. Dies führt immer wieder dazu, dass selbst Eltern den Konsum dieser Getränke tolerieren, da sie ja scheinbar wenig schädlich sind.
Sozioökonomische Unterschiede im Alkoholkonsum
Vom Alkoholkonsum wie auch vom Tabakkonsum wird erwartet, dass dieser durch die sozialen Lage der Jugendlichen variiert wird. Es wird häufig erwartet, dass Jugendliche aus sozial benachteiligten Lagen häufiger trinken und auch häufiger betrunken sind. Dies wurde mit den aktuellen Daten aus unserer Studie überprüft. Bezüglich des regelmäßigen Alkoholkonsums lässt sich nur für Jungen ein signifikanter Effekt entlang des Wohlstandsindikators nachweisen. Interessanterweise zeigt sich hier ein inverser sozialer Gradient. Jungen aus dem niedrigsten Wohlstandsquintil haben ein signifikant niedrigeres relatives Risiko, regelmäßig Alkohol zu trinken als diejenigen aus dem höchsten Wohlstandsquintil. Soziale Mängellage verhindert hier in gewissem Sinne offenbar den regelmäßigen Alkoholkonsum.
Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass Alkohol zusammen mit Freunden konsumiert wird. Die Zahlen in der voranstehenden Tabelle zeigen, dass es in der Tat häufige Treffen mit den Freunden am Abend sind, die Gelegenheiten für regelmäßigen Alkoholkonsum und für Rauscherfahrungen sind. Dies gilt besonders für die 13-Jährigen, und hier besonders für Mädchen. So ist das Risiko, bereits mehrfache Rauscherfahrungen zu haben bei 13-jährigen Mädchen um das vierfache erhöht, wenn diese sich häufig am Abend treffen. Bei Jungen erhöht sich dieses Risiko "lediglich" um das 3,4-fache. Unter den 15-jährigen lässt dieser Einfluss der Gleichaltrigengruppe wieder leicht nach.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, welche starke Rolle das andere Geschlecht bei der Motivation zum Alkoholkonsum spielt. Während die Anzahl gleichgeschlechtlicher Freunde bei 13-jährigen keine signifikante Rolle spielt, ist es der Kontakt zu Freunden des anderen Geschlechts, der in diesem Alter den regelmäßigen Alkoholkonsum bei Jungen um das 1,5-fache und bei Mädchen um das 2,5-fache erhöht. Ähnliches zeigt sich auch in Bezug auf die Rauscherfahrungen.
Konsums illegaler Substanzen
Wir haben die Jungen und Mädchen der ältesten Altersgruppe auch danach gefragt, wie häufig sie sog. harte und weiche illegale Drogen zu sich nehmen. Da es sich hier um eine anonyme Befragung handelte, gehen wir davon aus, dass die Angaben hier sehr verlässlich waren.
Heroin und Kokain wurden auch abgefragt, ich verzichte hier jedoch auf eine Darstellung, weil diese Substanzen unter den 15-Jährigen eine fast nicht darstellbar kleine Rolle spielten. Anders ist dies bei den sog. Modedrogen. 2 bis 3 % der Jugendlichen gaben an, mindestens einmal oder öfter in den letzten 12 Monaten die Partydrogen Ecstasy und Amphetamin (Speed) genommen zu haben. Diese gefundene Rate für Amphetamine ist genau so groß wie in der vorherigen Untersuchung 1998, die Rate für Ecstasy ist hier um etwa einen Prozentpunkt gesunken.
Stark angestiegen, und damit neben dem Alkohol die bedeutendste Droge der heutigen Jugend ist Cannabis. 22 % der 15-jährige Jungen und 15 % der Mädchen haben in den 12 Monaten vor der Befragung mindestens einmal Cannabis geraucht. Betrachtet man die Lebenszeitprävalenz, also die Frage: "Hast du jemals in deinem Leben Cannabis genommen"", so sind sogar 28 % der Jungen und 20 % der Mädchen mit Haschisch oder Marihuana in Kontakt gekommen.
Man könnte erwarten, dass der überwiegende Teil der Jugendlichen einmal Cannabis probiert und es dann wieder lässt. Unsere Daten zeigen, dass dies auf eine große Gruppe von 6,5 % von allen zutrifft, dass eine weitaus größere Gruppe sich jedoch als Gelegenheitskonsumenten outet. Dies sind 8 % aller Befragten. Regelmäßiger, extensiver Konsum wird dagegen nur von einer kleinen Gruppe von 2,9 % berichtet. Dies ist dann allerdings eine Gruppe, die durchaus relevant für eine Drogenberatung oder gar -therapie ist.
Die Häufigkeit des Cannabiskonsums ist in Mitteleuropa allgemein in den letzten Jahren angestiegen. Die Folie zeigt, dass Deutschland in der Mitte des Rankings steht. Besonders auffällig viele Jugendliche kiffen in der Schweiz und in England sowie in den Ländern, die eine tolerante Cannabispolitik verfolgen. Besonders geringe Raten zeigen sich dort, wo Drogenkonsum und -besitz streng verfolgt werden. Dies gilt jedoch nicht für die USA, die trotzdem eine hohe Rate aufweisen.
Kinder und Jugendliche sind heute wider Erwarten stärker den je suchtgefährdet. Die präferierten Drogen haben sich jedoch verändert. Heute ist es wieder einmal der Alkohol, der bereits früh im Lebenslauf zur attraktiven Alltagsdroge wird und damit, bei später möglicherweise auftauchenden kritischen Lebensereignissen, zur probaten Kompensationsdroge und zum Suchtstoff wird. Diejenigen, die Substanzen zur Veränderung ihres Befindens nutzen, tun dies zunächst durch Zigaretten, dann durch Alkohol, und dann durch Cannabis. Diese Folgerung, die klingt wie ein verstaubtes Vorurteil, lässt sich jedoch empirisch belegen. Wir finden unter den Unter-16-Jährigen bereits viele, die Alkohol und Cannabis gleichzeitig konsumieren. Die Größe dieser Gruppe kann auf etwa 20 % geschätzt werden, Jungen häufiger als Mädchen. Hier ist in den meisten Fällen bereits von einem riskanten Konsum auszugehen, der hoch beratungsrelevant ist.
Computersucht durch Computerspiele
Computerspiele sind heute nicht mehr aus Kindheit und Jugend wegzudenken und können durchaus unterhaltsam, spannend und lernfördernd sein. Manche Spiele verherrlichen und verharmlosen jedoch Töten und Gewalt, können darüber hinaus süchtig machen und zur Flucht Jugendlicher aus der Realität in eine Fantasiewelt beitragen - die in einem gewissen Ausmaß für Kinder und Jugendliche zwar normal ist, aber in dieser Form durch die mit diesen Medien verbundenen Nebenwirkungen kritisch zu betrachten ist. Vor allem sind männliche Jugendliche gefährdet, denn manche verbringen immer mehr Stunden vor dem Computer statt in der realen Welt. Das Kriminologische Institut Niedersachsen hat in einer Untersuchung herausgefunden, dass Jugendliche im Durchschnitt 140 Minuten am Tag Computerspiele spielen. Bei männlichen Jugendlichen stehen Computerspiele auf dem zweiten Platz der beliebtesten Freizeitaktivitäten, sie werden nur vom Fernsehen übertroffen. In der Untersuchung an 44610 Jugendlichen stellte man fest, dass 23,2 Prozent der Knaben täglich zwischen 2,5 Stunden und 4,5 Stunden spielen und weitere 15,8 Prozent über 4,5 Stunden. Der Bayerische Lehrerverband bietet eine Broschüre zum Download an: http://www.bllv.de/cms/index.php?id=4864&no_cache=1&eID=irre_downloads&fileUid=572
EU-Drogenbericht 2005 - Europa und Österreich
Die Zahl der Cannabis-Konsumenten ist zwar europaweit gestiegen, und Jugendliche greifen immer früher zum Joint (mit 15-16 Jahren), wobei die meisten Verbraucher den Cannabis-Konsum unter Kontrolle haben. Angesichts der Gefährlichkeit legaler Drogen wie Alkohol und Tabak ist der Fortbestand des Verbots für Cannabis nicht völlig nachzuvollziehbar. Es ist beunruhigender, wenn Kinder und Jugendliche zu psychoaktiven Substanzen greifen - egal, ob zu Cannabis, Nikotin oder Ritalin. Auch sei zu beobachten, dass Drogen, darunter auch Alkohol, immer öfter exzessiv konsumiert würden. Komasaufen gehört da dazu, denn der Wunsch, "sich ganz schnell völlig wegzusprengen", kommt daher, dass sich immer mehr Jugendliche in einem fragilen psychischen Zustand befinden.
In Europa gibt es nach dem EU-Drogenbericht 2005 (EU-Drogenbeobachtungsstelle EBDD) rund drei Millionen Menschen, die täglich Cannabis konsumieren (bis zu zehn Joints am Tag), rund neun Millionen Europäer haben mindestens ein Mal Kokain ausprobiert, wobei Italien (4,6 Prozent), Spanien (4,9 Prozent) und das Vereinigte Königreich (6,8 Prozent) an der Spitze liegen. Die Zahl der Drogentoten in den EU-15-Staaten und in Norwegen sank von 8394 im Jahr 2001 auf 7122 im Jahr 2002, was einen Rückgang um 15 Prozent bedeutet. Im Vergleich zu den USA hat Europa allerdings weiterhin ein deutlich geringeres Problem mit illegalen Drogen.
Die gängigste illegale Droge innerhalb der EU ist Cannabis. Nach den Ergebnissen der Europäischen Schülerstudie 2003 (die unter 15- bis 16-Jährigen) haben 44 Prozent der tschechischen Schüler Cannabis bereits probiert, der europäiscche Spitzenwert. Die niedrigsten Raten wurden mit unter zehn Prozent in Griechenland, Zypern, Schweden, Norwegen, Rumänien und in der Türkei ermittelt. Bei mehr als 25 Prozent lagen Staaten wie Deutschland, Italien (je 27 Prozent) und die Niederlande (28 Prozent). Darüber liegen mit 32 bis 40 Prozent Jugendliche in Belgien, Frankreich, Irland und Großbritannien.
Aus Österreich wurden 21 Prozent zumindest einmaliger Cannabis-Konsum unter den 15- bis 16-Jährigen, 17 Prozent im vorangegangenen Jahr und zehn Prozent in den vorangegangenen 30 Tagen berichtet. So gab ein Fünftel der Befragten in Österreich an, bereits einmal im Leben eine illegale Substanz konsumiert zu haben, meist um Cannabis, gefolgt von Ecstasy und Amphetaminen. Damit liegt Österreich im Mittelfeld.
Während die Studien die Trends der vergangenen Jahre bestätigen und eine stabile Situation hinsichtlich des Drogenkonsums aufzeigen, ist die Anzahl der Anzeigen durch bessere Kontrollen deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden in Österreich 25.215 Anzeigen verzeichnet (2003: 22.245). Analog zu den Anzeigen ist auch die Anzahl der Verurteilungen nach dem Suchtmittelgesetz mit 5706 Fällen (4532 im Jahr 2003) erheblich angestiegen.
Quelle: Oberösterreichische Nachrichten vom 25.11.2005
Einstieg zur Sucht immer früher
Laut einer internationalen Erhebung der WHO haben in Österreich bereits neun Prozent der unter 13-jährigen Mädchen und 16 Prozent der Burschen in dieser Altersklasse Rauscherfahrung gemacht. Bei den 15-Jährigen liegen die Anteile bei 30 Prozent für Mädchen bzw. bei 46 Prozent für Burschen. Ein besonderes Problem im Bereich Alkohol ist das "Binge Drinking", also spontanes, exzessives Betrinken in größerer Runde. "Die Kinder haben heute mehr Geld als früher. Sie sind längst Zielgruppe geworden, der Markt wurde ausgeweitet", analysierte der Suchtforscher Michael Musalek die Studie. "Suchtmittel werden immer dazu verwendet, um aus jener Welt auszusteigen, in der man nicht zurechtkommt". Stark unterschätzt wird auch die Abhängigkeit von Internet und Glücksspielen. Laut Austrian Internet Monitor ist die Zahl internetsüchtiger Österreicher in den vergangenen Jahren von 30.000 auf 60.000 gestiegen. Sichtbares Merkmal ist die starke Fokussierung, denn alles dreht sich nur mehr darum, online zu sein, und der gesamte Tags- und Nachtablauf wird darauf ausgerichtet. Körperliche Schäden oder der komplette Verlust sozialer Kontakte sind keine Ausnahmefälle mehr.
Quelle: APA 12:39 26.01.2007
Erziehung zur Drogenmündigkeit
Drogen, obwohl verboten und riskant, verlieren ihre Attraktivität nicht, sodass nach Ansicht mancher Experten eine grundsätzliche Vermeidung daher kaum realisierbar ist, sondern eine verantwortungsbewusste Toleranz angestrebt werden sollte. Nach Gundula Barsch ist es nicht nur notwendig, über drogen- und sozialpolitische Veränderungen nachzudenken, sondern es muss auch auf Ansätze und Methoden der Pädagogik zurückgegriffen werden, um bewusst und planmäßig die Entwicklung von Drogenmündigkeit voranzutreiben. Das Leben ist ist ihrer Ansicht nach komplexer geworden und stellt daher höhere Ansprüche an das Individuum, da in der heutigen Gesellschaft nicht nur großer Wert auf eine gute und genaue Gestaltung des Handelns gelegt wird, sondern in vielen Lebensbereichen erhält auch die Normentreue ein größeres Gewicht, was von den Menschen mehr Selbstbeherrschung, willensstarken Triebverzicht und die Zügelung intrinsischer Lüste verlangt. Gleichzeitig entwickeln sich auch neue Bedürfnisse, diesen auferlegten Zwängen zumindest zeitweilig zu entkommen, wobei die bisher vorgenommene bloße Diskriminierung solcher Bedürfnisse und deren Ausleben mit Hilfe psychoaktiver Substanzen etwa zu kurz greift. Es gilt daher ein neues Gleichgewicht zu finden zwischen Selbstzwang und persönlicher Freiheit und nicht das in vielen pädagogischen Feldern Ausgrenzen und Tabuisieren des Konsums legaler psychoaktiver Substanzen, was nämlich zur Folge hat, dass bisher kaum Anstrengungen unternommen wurden, den Prozess der Auseinandersetzung etwa mit der Rauch- und Alkohol-Kultur in unserer Gesellschaft zu fördern und die Aneignung mündiger Formen des Umgangs mit Alkohol, Nikotin und Medikamenten zu unterstützen. Nach Auffassung von Barsch kann Pädagogik nicht darauf hinarbeiten, dass junge Menschen die normativen Erwartungen der Gesellschaft in Bezug auf Enthaltsamkeit, Abstinenz und Mäßigung einfach fraglos übernehmen, also auf den selbstbestimmten, eigenverantwortlichen Substanzkonsum verzichten.
Die neuen Drogen
Nach Ansicht von Drogenexperten ist die Droge der Zukunft nicht Haschisch, sondern sie kommt von der Pharmaindustrie. Die neuen Drogen kommen als Medikamente daher, sie machen leistungsfähiger, verbessern die Stimmung, nehmen die Angst, machen fit für den permanenten Konkurrenzkampf im Beruf. Zu diesen Drogen zählen Koffein, Nikotin, Schlafmitteln, Aufputschern, Beruhigungsmitteln, der Partydroge Ecstasy und anderen Pharma-Drogen. Der Mensch ist offensichtlich nicht mehr schnell genug, um der rasanten Hightech-Entwicklung zu folgen, doch es gibt Medikamente, um angeblich schneller und stärker zu werden.
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