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Keine Macht den Drogen - No Drugs Jugendliche und Suchtmittelkonsum

Zigarettenkonsum bei 11- bis 15jährigen Jugendlichen

Die Studie "Health Behavior in School-Children" (HBSC) ist ein kooperatives Forschungsprojekt, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und hat das Ziel, zu einem erweiterten Verständnis gesundheitsbezogener Einstellungen und Verhaltensweisen junger Menschen beizutragen und die Bedingungen ihrer Entwicklung zu untersuchen. Ein zentrales Thema ist dabei der Substanzkonsum Jugendlicher in seiner Verbreitung und in seinen Ursachen und Folgen. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren in einer repräsentativen Auswahl von Schulen. Die Datengewinnung erfolgt mittels einer schriftlichen Befragung in den Schulen.
Quelle: Hurrelmann K., Klocke, A., Melzer, W. & Ravens-Sieberer, U. (Hrsg.) (2003). Jugendgesundheitssurvey. Weinheim, München: Juventa Verlag.
(gekürzt nach http://www.landesstelle-berlin.de
/e269/e3665/e3679/e3680/index_ger.html (05-11-05), W.S.)

Siehe auch Jugendsüchte und Suchprävention bei Kindern und Jugendlichen

Die Jugendlichen wurden in der Befragung gebeten, Angaben über ihren Zigarettenkonsum zu machen. Es wurde gefragt, wie häufig die 11- bis 15jährigen rauchen. Bei einem regelmäßigen, mindestens wöchentlichen Zigarettenkonsum werden die Befragten als gewohnheitsmäßige bzw. regelmäßige Raucher eingestuft. Wir haben 15-jährige Raucherinnen und Raucher danach gefragt, wann sie mit dem (regelmäßigen) Rauchen begonnen haben. Daraus ermittelten wir ein durchschnittliches Einstiegsalter von 11,8 Jahren bei Jungen und 12,3 Jahren bei Mädchen. Gegenüber der Befragung von 1998 zeigt sich hier eine weitere Vorverlagerung des Einstiegsalters um etwa ein halbes Jahr. Der Trend des immer früheren Einsetzens von Substanzkonsum hält weiter an. Die beschleunigte körperliche Entwicklung und der frühere Wunsch nach dem Ausfüllen einer erwachsenen Identität ist hier die treibende Kraft. Rauchen ist eins der entscheidenden Symbole des Erwachsenseins.

Unter den 11-Jährigen rauchen daher noch relativ wenige Jungen und Mädchen regelmäßig. Jungen tun dies mit 3,3 % etwa dreimal so häufig wie Mädchen mit 1,1%. Dies sind im Vergleich zur vorherigen Studie weniger Mädchen dafür aber doppelt so viele Jungen. Unter den 13jährigen steigt der Anteil regelmäßiger Raucher/-innen dann sprunghaft an. In diesem Alter zeigen sich deutsche Jugendliche schon längere Zeit im internationalen Vergleich als Spitzenreiter: 13,6 % der Jungen und 14,6% der deutschen 13jährigen Mädchen rauchen. Hier sind die Raten im Vergleich zu 1998 nur bei den Mädchen um etwa 1% gestiegen, bei den Jungen jedoch gleich geblieben. In der Gruppe der 15jährigen ist eine weitere Steigerung der Raucherraten zu verzeichnen: 32,2 % der Jungen und 33,7 % der Mädchen sind Raucher. Es ist interessant, dass hier die Raten der Jungen seit 1998 deutlich zugenommen haben (1998: 27,6 %), während sie bei Mädchen leicht rückläufig sind (1998: 35,8 %).

Ein Vergleich der ermittelten Raucherquoten zwischen den Befragungen aus den Jahren `94, `98 und 2002 zeigt bei den Jugendlichen in Deutschland einen moderat ansteigenden, aber ungebrochenen Trend hin zum Rauchen, während die Anteile der regelmäßigen Raucher unter Jugendlichen in der überwiegenden Zahl der anderen beteiligten Länder stagnieren oder gleich bleiben. Der internationale Vergleich der Raucherquoten unter 11- bis 15jährigen Jugendlichen verdeutlicht ein eindeutiges Defizit in den deutschen Bemühungen um den Gesundheitsschutz und die nationalen Strategien der Rauchprävention. Eine Gegenüberstellung der vergleichenden Daten mit entsprechenden gesetzlichen Regelungen zur Altersbeschränkung, zur Werbung, zur Preisgestaltung und zum Verkauf von Zigaretten an Jugendliche in den beteiligten Ländern zeigt, daß dort, wo entsprechende Beschränkungen eingeführt wurden, die Raucherzahl stagniert. Die Einführung von Verboten ist demgegenüber weniger erfolgreich: In der überwiegenden Zahl der beteiligten Länder zeigen die nationalen Strategien zur Reglementierung des Rauchens in der Öffentlichkeit eine Wirkung, jedoch nur in geringem Maße. Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass das Rauchverhalten in erster Linie durch den Preis von Zigaretten im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen beeinflußt wird.

Wasserpfeife - Shisha, Narghileh, Hubble Bubble, Hookah

Die Wasserpfeife (Shisha, Narghileh, Arghileh, Hookah oder Hubble Bubble) besteht aus einem wassergefüllten Glas- oder Stahlgefäß, einem Tongefäß für den Tabak, einer Rauchsäule mit Ventil und einem Schlauch mit Mundstück. Der Wasserpfeifentabak ist ein feuchter Tabak, der aus einer Mischung von Tabak, Melasse und Glycerin besteht und deutlich feuchter ist als Pfeifen- oder Zigarrentabak. Vor allem wird aromatisierter Tabak geraucht, der in zahllosen Geschmacksrichtungen erhältlich ist: Doppelapfel, Kirsche, Minze, Orange, Zitrone, Mango, Vanille, Banane, Cappuccino, Karamell, Lakritze, Kokosnuss, Multifrucht, Rose, Traube, Erdbeere, Pfirsich, Melone und Cola. In der Wasserpfeife wird eine Mischung aus Tabak, Melasse, Glycerin und Aromastoffen geraucht, und es werden größere Mengen an Schadstoffen wie Nikotin, Teer und Kohlenmonoxid aufgenommen als über Zigaretten. Die Menge an inhaliertem Kohlenmonoxid kann bis zu zehnfach höher sein und zu einer relevanten Kohlenmonoxid-Vergiftung führen. Krebsauslösende Substanzen, wie z.B. Arsen, Chrom und Nickel, befinden sich in vielfach höheren Konzentrationen im Rauch. Wasserpfeifen haben auch ein höheres Abhängigkeitspotential als Zigaretten - und gefährden die Zahn- und Mundgesundheit. Unter Jugendlichen kommt der vermeintlich harmloser Rauchgenuss durch die Wasserpfeife (Shisha) immer mehr in Mode. Aromatisiert durch Fruchtstücke gleicht die Masse eher vitaminreichen Fruchtcocktails als nikotinhältigem, abhängig machendem Tabak. Der Tabak in der Wasserpfeife wird bei einer Temperatur von 450° erhitzt und verdunstet, während er bei der Zigarette bei 900° verbrennt. Damit gleicht die Wasserpfeife den Alkopops, die Jugendliche schon früh an den regelmäßigen Alkoholkonsum gewöhnen. Während bei Zigaretten 35 ml Zugvolumen inhaliert werden, sind es bei Wasserpfeifen rund 0,5 bis ein Liter. Während der ca. 50 Minuten, in denen man eine Wasserpfeife raucht, wird bedeutend mehr Rauch inhaliert als beim Rauchen einer Zigarette. Das große Rauchvolumen wird unter anderem durch das kühlende Wasser ermöglicht, da der Rauch tiefer in die Lungen gesogen wird und dort länger verweilt. Die weit verbreitete Annahme, dass Wasser die Schadstoffe aus dem Rauch filtert, ist schlichtwegs falsch, denn der wassergekühlte und mit Früchten aromatisierte Rauch kratzt nur weniger in der Lunge als andere Tabakwaren. Nikotin, ein wichtiger Faktor in der Kanzerogenese, ist fettlöslich und kann daher durch das Wasser gar nicht abgefangen werden. Besonders für unerfahrene Raucher wie Kinder und Jugendliche kann die Shisha zum Einstiegsmittel in den Nikotinkonsum werden. Nach einer repräsentativen Studie der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2007 haben 38 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren schon einmal Wasserpfeife geraucht, 14 Prozent gaben an, im letzten Monat Wasserpfeife geraucht zu haben. Zehn Prozent rauchen ein- bis dreimal pro Monat, drei Prozent wöchentlich und 0,4 Prozent sogar täglich Shisha. Die Schädlichkeit des Shisha-Rauchens schätzen viele Jugendliche als vergleichsweise gering ein. Dabei enthält die Wasserpfeife in etwa so viel Gift wie zehn Zigaretten, wobei die Schadstoffe im Rauch sogar noch höher konzentriert sind als im Zigarettenrauch: Arsen, Chrom, Cobalt, Blei und Nickel, entstehen bei der Erhitzung, aber auch für Teer und Kohlenmonoxid. Die Nikotinaufnahme nach Wasserpfeifenkonsum ist somit deutlich höher als nach Zigarettenkonsum. Auch wird beim Wasserpfeifenrauchen beinahe die 20-fache Menge an Teer aufgenommen, als beim Rauchen filterloser Zigaretten. Es wurden im Rauch mehr als 4.000 Substanzen identifiziert, darunter Schwermetalle, radioaktive Stoffe, aromatische Kohlenwasserstoffe und Kohlenmonoxid. Was die Shisha für Jugendliche besonders beliebt macht, ist das gesellige Zusammenrauchen, also das Teilen einer Pfeife durch mehrere Personen. Durch das Mundstück steigert sich das Übertragungsrisiko von Krankheiten (Pilzinfektionen, Helicobacter Pylori, Tuberkulose, Viren, etwa Hepatitis oder Herpes) signifikant. Durch das Rauchen der Wasserpfeife kommt es auch zu einer deutlich erhöhten Belastung von lungengängigem Feinstaub in der Innenraumluft, sodass Anwesende dem Passivrauch der Wasserpfeife noch stärker ausgesetzt sind als in der Umgebung von Zigarettenrauch. Es existieren deshalb wenige Studien über die gesundheitlichen Risiken des Wasserpfeiferauchens, da jemand, der Wasserpfeife raucht, häufig auch Zigaretten raucht. Es ist auch ein noch relativ junges Phänomen im europäischen Raum und es liegen deshalb erst wenige Daten vor, die für die wissenschaftliche Forschung genutzt werden können.

Nach neueren Studien an Ratten erreicht das mit dem Passivrauchen aufgenommene Nikotin vermutlich auch beim Menschen das Gehirn und besetzt dort Rezeptoren, sodass auch eine biologische Grundlage für das Abhängigkeitspotenzial des Passivrauchens nachgewiesen ist. Werden nämlich Ratten über längere Zeit in verrauchten Käfigen gehalten, kommt es nach einiger Zeit zur Abhängigkeit, und nach dem Beenden des Passivrauchens zeigen sich Entzugssymptome.

Quellen:
OÖnachrichten vom 21.10.2008
http://de.wikipedia.org/wiki/Shisha (08-10-21)
http://www.aerztewoche.at/viewArticleDetails.do?articleId=6301 (08-10-21)
http://www.vivid.at/de/wissen/suchtlexikon/wasserpfeife_shisha/ (08-10-22)

Siehe auch Jugendliche und Alkoholkonsum.

Konsums illegaler Substanzen in einer kleinen Befragung

Wir haben die Jungen und Mädchen der ältesten Altersgruppe auch danach gefragt, wie häufig sie sog. harte und weiche illegale Drogen zu sich nehmen. Da es sich hier um eine anonyme Befragung handelte, gehen wir davon aus, dass die Angaben hier sehr verlässlich waren. Heroin und Kokain wurden auch abgefragt, ich verzichte hier jedoch auf eine Darstellung, weil diese Substanzen unter den 15-Jährigen eine fast nicht darstellbar kleine Rolle spielten. Anders ist dies bei den sog. Modedrogen. 2 bis 3 % der Jugendlichen gaben an, mindestens einmal oder öfter in den letzten 12 Monaten die Partydrogen Ecstasy und Amphetamin (Speed) genommen zu haben. Diese gefundene Rate für Amphetamine ist genau so groß wie in der vorherigen Untersuchung 1998, die Rate für Ecstasy ist hier um etwa einen Prozentpunkt gesunken. Stark angestiegen, und damit neben dem Alkohol die bedeutendste Droge der heutigen Jugend ist Cannabis. 22 % der 15-jährige Jungen und 15 % der Mädchen haben in den 12 Monaten vor der Befragung mindestens einmal Cannabis geraucht. Betrachtet man die Lebenszeitprävalenz, also die Frage: "Hast du jemals in deinem Leben Cannabis genommen"", so sind sogar 28 % der Jungen und 20 % der Mädchen mit Haschisch oder Marihuana in Kontakt gekommen.

Man könnte erwarten, dass der überwiegende Teil der Jugendlichen einmal Cannabis probiert und es dann wieder lässt. Unsere Daten zeigen, dass dies auf eine große Gruppe von 6,5 % von allen zutrifft, dass eine weitaus größere Gruppe sich jedoch als Gelegenheitskonsumenten outet. Dies sind 8 % aller Befragten. Regelmäßiger, extensiver Konsum wird dagegen nur von einer kleinen Gruppe von 2,9 % berichtet. Dies ist dann allerdings eine Gruppe, die durchaus relevant für eine Drogenberatung oder gar -therapie ist.

Die Häufigkeit des Cannabiskonsums ist in Mitteleuropa allgemein in den letzten Jahren angestiegen. Die Folie zeigt, dass Deutschland in der Mitte des Rankings steht. Besonders auffällig viele Jugendliche kiffen in der Schweiz und in England sowie in den Ländern, die eine tolerante Cannabispolitik verfolgen. Besonders geringe Raten zeigen sich dort, wo Drogenkonsum und -besitz streng verfolgt werden. Dies gilt jedoch nicht für die USA, die trotzdem eine hohe Rate aufweisen.

Kinder und Jugendliche sind heute wider Erwarten stärker den je suchtgefährdet. Die präferierten Drogen haben sich jedoch verändert. Heute ist es wieder einmal der Alkohol, der bereits früh im Lebenslauf zur attraktiven Alltagsdroge wird und damit, bei später möglicherweise auftauchenden kritischen Lebensereignissen, zur probaten Kompensationsdroge und zum Suchtstoff wird. Diejenigen, die Substanzen zur Veränderung ihres Befindens nutzen, tun dies zunächst durch Zigaretten, dann durch Alkohol, und dann durch Cannabis. Diese Folgerung, die klingt wie ein verstaubtes Vorurteil, lässt sich jedoch empirisch belegen. Wir finden unter den Unter-16-Jährigen bereits viele, die Alkohol und Cannabis gleichzeitig konsumieren. Die Größe dieser Gruppe kann auf etwa 20 % geschätzt werden, Jungen häufiger als Mädchen. Hier ist in den meisten Fällen bereits von einem riskanten Konsum auszugehen, der hoch beratungsrelevant ist.

Computersucht durch Computerspiele

Computerspiele sind heute nicht mehr aus Kindheit und Jugend wegzudenken und können durchaus unterhaltsam, spannend und lernfördernd sein. Manche Spiele verherrlichen und verharmlosen jedoch Töten und Gewalt, können darüber hinaus süchtig machen und zur Flucht Jugendlicher aus der Realität in eine Fantasiewelt beitragen - die in einem gewissen Ausmaß für Kinder und Jugendliche zwar normal ist, aber in dieser Form durch die mit diesen Medien verbundenen Nebenwirkungen kritisch zu betrachten ist. Vor allem sind männliche Jugendliche gefährdet, denn manche verbringen immer mehr Stunden vor dem Computer statt in der realen Welt. Das Kriminologische Institut Niedersachsen hat in einer Untersuchung herausgefunden, dass Jugendliche im Durchschnitt 140 Minuten am Tag Computerspiele spielen. Bei männlichen Jugendlichen stehen Computerspiele auf dem zweiten Platz der beliebtesten Freizeitaktivitäten, sie werden nur vom Fernsehen übertroffen. In der Untersuchung an 44610 Jugendlichen stellte man fest, dass 23,2 Prozent der Knaben täglich zwischen 2,5 Stunden und 4,5 Stunden spielen und weitere 15,8 Prozent über 4,5 Stunden. Der Bayerische Lehrerverband bietet eine Broschüre zum Download an: http://www.bllv.de/cms/index.php?id=4864&no_cache=1&eID=irre_downloads&fileUid=572

 

EU-Drogenbericht 2005 - Europa und Österreich

Die Zahl der Cannabis-Konsumenten ist zwar europaweit gestiegen, und Jugendliche greifen immer früher zum Joint (mit 15-16 Jahren), wobei die meisten Verbraucher den Cannabis-Konsum unter Kontrolle haben. Angesichts der Gefährlichkeit legaler Drogen wie Alkohol und Tabak ist der Fortbestand des Verbots für Cannabis nicht völlig nachzuvollziehbar. Es ist beunruhigender, wenn Kinder und Jugendliche zu psychoaktiven Substanzen greifen - egal, ob zu Cannabis, Nikotin oder Ritalin. Auch sei zu beobachten, dass Drogen, darunter auch Alkohol, immer öfter exzessiv konsumiert würden. Komasaufen gehört da dazu, denn der Wunsch, "sich ganz schnell völlig wegzusprengen", kommt daher, dass sich immer mehr Jugendliche in einem fragilen psychischen Zustand befinden.

In Europa gibt es nach dem EU-Drogenbericht 2005 (EU-Drogenbeobachtungsstelle EBDD) rund drei Millionen Menschen, die täglich Cannabis konsumieren (bis zu zehn Joints am Tag), rund neun Millionen Europäer haben mindestens ein Mal Kokain ausprobiert, wobei Italien (4,6 Prozent), Spanien (4,9 Prozent) und das Vereinigte Königreich (6,8 Prozent) an der Spitze liegen. Die Zahl der Drogentoten in den EU-15-Staaten und in Norwegen sank von 8394 im Jahr 2001 auf 7122 im Jahr 2002, was einen Rückgang um 15 Prozent bedeutet. Im Vergleich zu den USA hat Europa allerdings weiterhin ein deutlich geringeres Problem mit illegalen Drogen.

Die gängigste illegale Droge innerhalb der EU ist Cannabis. Nach den Ergebnissen der Europäischen Schülerstudie 2003 (die unter 15- bis 16-Jährigen) haben 44 Prozent der tschechischen Schüler Cannabis bereits probiert, der europäiscche Spitzenwert. Die niedrigsten Raten wurden mit unter zehn Prozent in Griechenland, Zypern, Schweden, Norwegen, Rumänien und in der Türkei ermittelt. Bei mehr als 25 Prozent lagen Staaten wie Deutschland, Italien (je 27 Prozent) und die Niederlande (28 Prozent). Darüber liegen mit 32 bis 40 Prozent Jugendliche in Belgien, Frankreich, Irland und Großbritannien.

Aus Österreich wurden 21 Prozent zumindest einmaliger Cannabis-Konsum unter den 15- bis 16-Jährigen, 17 Prozent im vorangegangenen Jahr und zehn Prozent in den vorangegangenen 30 Tagen berichtet. So gab ein Fünftel der Befragten in Österreich an, bereits einmal im Leben eine illegale Substanz konsumiert zu haben, meist um Cannabis, gefolgt von Ecstasy und Amphetaminen. Damit liegt Österreich im Mittelfeld.

Während die Studien die Trends der vergangenen Jahre bestätigen und eine stabile Situation hinsichtlich des Drogenkonsums aufzeigen, ist die Anzahl der Anzeigen durch bessere Kontrollen deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden in Österreich 25.215 Anzeigen verzeichnet (2003: 22.245). Analog zu den Anzeigen ist auch die Anzahl der Verurteilungen nach dem Suchtmittelgesetz mit 5706 Fällen (4532 im Jahr 2003) erheblich angestiegen.

Quelle: Oberösterreichische Nachrichten vom 25.11.2005


Einstieg zur Sucht immer früher

Laut einer internationalen Erhebung der WHO haben in Österreich bereits neun Prozent der unter 13-jährigen Mädchen und 16 Prozent der Burschen in dieser Altersklasse Rauscherfahrung gemacht. Bei den 15-Jährigen liegen die Anteile bei 30 Prozent für Mädchen bzw. bei 46 Prozent für Burschen. Ein besonderes Problem im Bereich Alkohol ist das "Binge Drinking", also spontanes, exzessives Betrinken in größerer Runde. "Die Kinder haben heute mehr Geld als früher. Sie sind längst Zielgruppe geworden, der Markt wurde ausgeweitet", analysierte der Suchtforscher Michael Musalek die Studie. "Suchtmittel werden immer dazu verwendet, um aus jener Welt auszusteigen, in der man nicht zurechtkommt". Stark unterschätzt wird auch die Abhängigkeit von Internet und Glücksspielen. Laut Austrian Internet Monitor ist die Zahl internetsüchtiger Österreicher in den vergangenen Jahren von 30.000 auf 60.000 gestiegen. Sichtbares Merkmal ist die starke Fokussierung, denn alles dreht sich nur mehr darum, online zu sein, und der gesamte Tags- und Nachtablauf wird darauf ausgerichtet. Körperliche Schäden oder der komplette Verlust sozialer Kontakte sind keine Ausnahmefälle mehr.

Quelle: APA 12:39 26.01.2007

Erziehung zur Drogenmündigkeit

Drogen, obwohl verboten und riskant, verlieren ihre Attraktivität nicht, sodass nach Ansicht mancher Experten eine grundsätzliche Vermeidung daher kaum realisierbar ist, sondern eine verantwortungsbewusste Toleranz angestrebt werden sollte. Nach Gundula Barsch ist es nicht nur notwendig, über drogen- und sozialpolitische Veränderungen nachzudenken, sondern es muss auch auf Ansätze und Methoden der Pädagogik zurückgegriffen werden, um bewusst und planmäßig die Entwicklung von Drogenmündigkeit voranzutreiben. Das Leben ist ist ihrer Ansicht nach komplexer geworden und stellt daher höhere Ansprüche an das Individuum, da in der heutigen Gesellschaft nicht nur großer Wert auf eine gute und genaue Gestaltung des Handelns gelegt wird, sondern in vielen Lebensbereichen erhält auch die Normentreue ein größeres Gewicht, was von den Menschen mehr Selbstbeherrschung, willensstarken Triebverzicht und die Zügelung intrinsischer Lüste verlangt. Gleichzeitig entwickeln sich auch neue Bedürfnisse, diesen auferlegten Zwängen zumindest zeitweilig zu entkommen, wobei die bisher vorgenommene bloße Diskriminierung solcher Bedürfnisse und deren Ausleben mit Hilfe psychoaktiver Substanzen etwa zu kurz greift. Es gilt daher ein neues Gleichgewicht zu finden zwischen Selbstzwang und persönlicher Freiheit und nicht das in vielen pädagogischen Feldern Ausgrenzen und Tabuisieren des Konsums legaler psychoaktiver Substanzen, was nämlich zur Folge hat, dass bisher kaum Anstrengungen unternommen wurden, den Prozess der Auseinandersetzung etwa mit der Rauch- und Alkohol-Kultur in unserer Gesellschaft zu fördern und die Aneignung mündiger Formen des Umgangs mit Alkohol, Nikotin und Medikamenten zu unterstützen. Nach Auffassung von Barsch kann Pädagogik nicht darauf hinarbeiten, dass junge Menschen die normativen Erwartungen der Gesellschaft in Bezug auf  Enthaltsamkeit, Abstinenz und Mäßigung einfach fraglos übernehmen, also auf den selbstbestimmten, eigenverantwortlichen Substanzkonsum verzichten.  


Die neuen Drogen

Nach Ansicht von Drogenexperten ist die Droge der Zukunft nicht Haschisch, sondern sie kommt von der Pharmaindustrie. Die neuen Drogen kommen als Medikamente daher, sie machen leistungsfähiger, verbessern die Stimmung, nehmen die Angst, machen fit für den permanenten Konkurrenzkampf im Beruf. Zu diesen Drogen zählen Koffein, Nikotin, Schlafmitteln, Aufputschern, Beruhigungsmitteln, der Partydroge Ecstasy und anderen Pharma-Drogen. Der Mensch ist offensichtlich nicht mehr schnell genug, um der rasanten Hightech-Entwicklung zu folgen, doch es gibt Medikamente, um angeblich schneller und stärker zu werden.



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