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Klassifikation des Neugierverhaltens

NeugierverhaltenFür die Lernmotivation spielt die angeborene Neugier eine wichtige Rolle. In Verkennung der Darwinschen Evolutionstheorie wurde Neugierverhalten zunächst nicht als originärer oder primärer Trieb angesehen, da angeblich keine organismischen Bedürfnisse vorhanden seien. Es bestehe kein innerer Anreiz, da Objekte in der Außenwelt das Interesse auslösen würden. Da das aber kein Unterscheidungskriterium für primäre oder sekundäre Triebe ist, kann Explorationsverhalten Anpassungsvorteile für die Individuen mit sich bringen.

Auch Tiere zeigen im Zusammenhang mit Hunger und Durst Explorationsverhalten, auch dann, wenn diese Triebe gestillt sind. Explorationsverhalten hat sogar Belohnungswert, da Ratten und Affen auch neue Verhaltensweisen lernen, wenn sie dafür mit der Exploration eines neuen Labyrinthes belohnt werden. Nach Lorenz zeigen gerade Tiere, die sehr flexibel leben und kaum an eine ökologische Nische angepaßt sind wie etwa Ratten, in hohem Maße Neugierverhalten, da sie nur so die Vorteile und Gefahren der neuen Umwelt kennenlernen. Neugierverhalten nimmt mit ansteigender Entwicklungshöhe cortikaler Funktionen zu. Alle Tiere zeigen einen Abfall von Neugierde, je länger das Objekt bekannt ist. Das setzt Erinnerungsfähigkeit voraus. Mit zunehmender Entwicklung werden die Tiere freier von festgelegten Programmen und werden mit einem informationsverarbeitenden System ausgerüstet. Neugierverhalten dient also zum Erwerb mentaler Strukturen, die für erfolgreiches Handeln vonnöten ist. Ratten, die in einer angereicherten Umwelt aufwuchsen, weisen in einer Reihe von morphologischen und biochemischen Merkmalen eine bessere Gehirnentwicklung auf, als solche Tiere, die in einer reizarmen Umgebung aufwuchsen.

Das Neugiermotiv ist daher ein originäres, biogenes Motivsystem, das in der Ontogenese einer erfahrungsbedingten Modifikation unterworfen ist.

Die einfachste Form von Neugier ist die Orientierungsreaktion im Sinne Pawlows. Neben der zentralnervösen Aktivierung kommt es zu einer auf Handlung eingestellten Reaktionslage im autonomen Bereich. Sich im Verhalten manifestierende Orientierungsreaktionen gehen mit einer Synchronisation der elektromagnetischen Wellen im Hippocampus einher. Das bedeutet, daß die hemmende Wirkung des Hippocampus auf die Areale des Zentralnervensystems und auf den Cortex aufgehoben wird (Zunahme von Thetawellen verweist auf eine Desaktivierung des Hippocampus). Ähnliche Funktionen gehen von der Amygdala aus. Hier steht jedoch die emotionale Bewertung im Vordergrund, wobei damit sowohl die neugierinduzierende Wirkung, wie auch die Furcht gemeint ist. Man unterscheidet spezifisches und diversives Neugierverhalten:

Es gibt interindividuelle Unterschiede im Neugierverhalten, wobei diese auch intern bedingt sind und nicht nur vom Reiz abhängen müssen. Ein bekanntes Verfahren ist die Sensation Seeking Skala von Zuckerman. Sie war konstruiert worden, um interindividuelle Unterschiede im Ertragen von Isolation und sensorischer Deprivation vorherzusagen. Der Fragebogen umfaßt vier Skalen:

Einige Befunde deuten auf einen dispositionellen genetischen Faktor hin. In Zwillingsstudien fand sich ein Erblichkeitsanteil von 58 - 68 %.

Die Neugier

Förderung von Neugier und kognitiven Kompetenzen

Die Schaulust

Siehe dazu ergänzend:
Mackowiak, Katja & Trudewind, Clemens (o.J.). Die Bedeutung von Neugier und Angst für die kognitive Entwicklung. In Wassilios E. Fthenakis & Martin R. Textor (Hrsg.), Online-Familienhandbuch.
WWW: http://www.familienhandbuch.de/cms/Kindliche_Entwicklung-Neugier_und_Angst.pdf (02-07-29)

Quellen

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Berg, C. A. & Sternberg, R. J. (1985). Response to novelty: Continuity versus discontinuity in the developmental course of intelligence. Advances in Child Development and Behavior, 19, S. 1-47.
James, William (1890). The principles of psychology (Vol. 2). New York: Holt, Rinehart & Winston.
Mackowiak, Katja & Trudewind, Clemens (2001). Die Bedeutung von Neugier und Angst für die kognitive Entwicklung.
WWW: http://www.familienhandbuch.de/cms/Kindliche_Entwicklung-Neugier_und_Angst.pdf (99-11-17)
Lorenz, Konrad (1943). Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung. Zeitschrift für Tierpsychologie, 5, S. 235-409.
Roth, Gerhard (2002). Warum sind Lehren und Lernen so schwierig?
WWW: http://www.uni-koblenz.de/~odsssfg/seminar/wahlmodule2003/unterlagen/b07/b07.4.pdf (03-07-11)
White, Burton & Held, Richard (1966). Plasticity of sensorymotor development in the human infant (S. 60-70). In J.F. Rosenblith & W. Allinsmith (Eds.), The causes of behavior. Bosten, MA: Allyn and Bacon.
Wood, D. J., Bruner, J. S. & Ross, G. (1976). The role of tutoring in problem-solving. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 17, S. 89-100.
Zuckerman, M. (1979). Sensation seeking: Beyond the optimal level of arousal. Hillsdale: Erlbaum.
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/LERNTECHNIKORD/Motivation.html (99-11-17)



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