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Förderung von Neugier und kognitiven Kompetenzen

Schon Piaget hat in seinen Arbeiten betont, wie wichtig die aktive Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Umwelt ist, denn nur das aktive Erkunden trägt zur Erfahrungsbildung und Entwicklung kognitiver Strukturen bei. Kinder fördern in der Regel diesen aus sich selbst heraus motivierten (intrinsischen) Prozess der Auseinandersetzung mit der Umwelt selbsttätig. Das Kind bedarf dazu keiner zusätzlichen "Belohnung". Voraussetzung dafür ist allerdings eine ansprechende und anregende Umwelt, die zum Erkunden einlädt und die Aufmerksamkeit fesselt. Burton White und Richard Held haben 1966 in einer Untersuchung mit Babies aus Waisenhäusern zeigen können, dass die Babies, denen ein einfaches Bild oder später ein Mobile über die Krippe gehängt wurde, 6 bis 8 Wochen früher Greifen lernten als die Babies, deren unmittelbare Umwelt nicht durch solche interessanten Reize bereichert wurde. Sie fanden aber auch, dass bei vielen und wechselnden Reizen die Kinder unruhig wurden, häufiger weinten und die Fähigkeit zum Greifen nicht so schnell entwickelten wie die Kinder, die nur mit einem zu bewältigenden Ausmaß an neuen Reizen stimuliert wurden.

"Überraschendes" dazu aus der Gehirnforschung: In einer deutschen Tageszeitung (sz-online) fand sich ein Hinweis auf eine "bahnbrechende Entdeckung der Gehirnforschung: "Eine reichhaltige Umwelt fördert die Bildung einer individuellen Hirnstruktur. Das haben Forscher aus Dresden, Berlin, Münster und Saarbrücken nun mithilfe neurobiologischer Untersuchungen von Mäusen bewiesen. Bei den Tieren beeinflussten Erfahrungen die Neubildung von Nervenzellen und führten zu messbaren Veränderungen im Gehirn. (…) Die Forscher hatten 40 genetisch identische Mäuse in ein Gehege mit reichhaltigem Angebot zur Beschäftigung und Erkundung gesetzt. Mithilfe besonderer Sender an den Tieren erstellte das Team Bewegungsprofile. Starke Aktivität habe zu einer höheren Neubildung von Nervenzellen in der für Lernen und Gedächtnis zuständigen Hirnregion geführt". Die Gehirnforscher sollten wohl öfter psychologische Literatur lesen ;-)

In der Gestaltung der unmittelbaren täglichen Umwelt des Kindes bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, auf die Entwicklung der kindlichen Neugier Einfluss zu nehmen, wenn auch der Grundsatz beachtet werden sollte, dass ein bloßes Mehr an Stimulation nicht immer die günstigste Entwicklungsbedingung darstellt.

Wood, Bruner und Ross haben 1976 diesen Prozess der optimalen Unterstützung des Kindes bei der Bewältigung eines Problems mit dem Begriff "scaffolding" umschrieben. Sie unterschieden verschiedene Aspekte, die hierbei von Nutzen sein können:

Kommt das Kind dem Ziel trotz ausdauernder Versuche nicht näher, kann der Erwachsene, die angefangenen Schritte des Kindes aufgreifen und richtig weiterführen und so als Vorbild ein ideales Vorgehen demonstrieren. Wichtig ist bei all diesen Bemühungen, dem Kind so wenig Hilfe wie möglich und so viel wie nötig zu geben. Die schönste Lösung ist immer noch die, die man mit einiger Anstrengung möglichst selbständig erreicht hat.

Quelle:
Mackowiak, Katja & Trudewind, Clemens (o.J.). Die Bedeutung von Neugier und Angst für die kognitive Entwicklung.
WWW: http://www.familienhandbuch.de/cms/Kindliche_Entwicklung-
Neugier_und_Angst.pdf (02-07-29)
http://www.sz-online.de/nachrichten/wissen/das-gehirn-waechst-an-seinen-aufgaben-257
4258.html (13-05-16)


Der "Situative Interessen Test", ein differentieller Test zur Bestimmung von Interessen für die Berufs- und Freizeitberatung, liefert in der Online-Version (Testdauer ca. 5 Minuten) das Testergebnis unmittelbar nach der Testdurchführung.


Die Neugier

Klassifikation des Neugierverhaltens

Die Schaulust

<Siehe dazu ergänzend:
Mackowiak, Katja & Trudewind, Clemens (o.J.). Die Bedeutung von Neugier und Angst für die kognitive Entwicklung. In Wassilios E. Fthenakis & Martin R. Textor (Hrsg.), Online-Familienhandbuch.
WWW: http://www.familienhandbuch.de/cms/Kindliche_Entwicklung-Neugier_und_Angst.pdf (02-07-29)

Quellen

Belsky, J., Goode, M. K., & Most, R. K. (1980). Maternal stimulation and infant exploratory competence: Cross-sectional, correlational, and experimental analyses. Child Development, 51, S. 1163-1178.
Berg, C. A. & Sternberg, R. J. (1985). Response to novelty: Continuity versus discontinuity in the developmental course of intelligence. Advances in Child Development and Behavior, 19, S. 1-47.
James, William (1890). The principles of psychology (Vol. 2). New York: Holt, Rinehart & Winston.
Mackowiak, Katja & Trudewind, Clemens (2001). Die Bedeutung von Neugier und Angst für die kognitive Entwicklung.
WWW: http://www.familienhandbuch.de/cms/Kindliche_Entwicklung-Neugier_und_Angst.pdf (99-11-17)
Lorenz, Konrad (1943). Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung. Zeitschrift für Tierpsychologie, 5, S. 235-409.
Roth, Gerhard (2002). Warum sind Lehren und Lernen so schwierig?
WWW: http://www.uni-koblenz.de/~odsssfg/seminar/wahlmodule2003/unterlagen/b07/b07.4.pdf (03-07-11)
White, Burton & Held, Richard (1966). Plasticity of sensorymotor development in the human infant (S. 60-70). In J.F. Rosenblith & W. Allinsmith (Eds.), The causes of behavior. Bosten, MA: Allyn and Bacon.
Wood, D. J., Bruner, J. S. & Ross, G. (1976). The role of tutoring in problem-solving. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 17, S. 89-100.
Zuckerman, M. (1979). Sensation seeking: Beyond the optimal level of arousal. Hillsdale: Erlbaum.
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/LERNTECHNIKORD/Motivation.html (99-11-17)



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