[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Moralische Entwicklung

Dilemmata

Die Methode der Dilemma-Diskussion sollte nur von darin ausgebildeten LehrerInnen angewandt werden. Die Ausbildung benötigt zwei Semester (ca. 30 Stunden) mit Seminaren, praktischen Demonstrationen und Erprobungen unter Supervision.

Es ist davon abzuraten, ohne jede eigene Vorbereitung Schüler mit Dilemmas zu konfrontieren und sie aufzufordern, "darüber einmal zu reden", ohne dass man dieses Gespräch pädagogisch strukturiert und begleitet.

Details dazu auf Georg Linds Seite:
Moralische Dilemmas für den Unterricht
(http://www.uni-konstanz.de/ag-moral/moral/dildisk-d.htm)

Wichtiger Hinweis für Dilemmata im Unterricht

Zur Untersuchung des Prozesses der moralischen Urteilsbildung wandte Kohlberg folgende Methode an:

Hypothetisches Dilemma

Den Personen werden zu Beginn jeder Erhebung vom Interviewer hypothetische Dilemmata vorgelegt, in denen sich (mindestens) zwei moralische, miteinander unvereinbare, Werte gegenüberstehen, so daß sich der Befragte zwischen beiden entscheiden muß. Die Geschichten sollen die verschiedenen Befragten möglichst ähnlich ansprechen und zugleich eine richtige Mischung zwischen kultureller Nähe und Distanz bieten.

Strukturales Interview

Während des Interviews gilt es folgende vier Maßgaben zur Orientierung vom Interviewer zu befolgen.

Auswertung des Interviews

Die erhaltenen Antworten werden in diesem Schritt beurteilt, ausgewertet und den jeweiligen Stufen zugeordnet.

Die einzelnen Schritte werden wiederholt, bis alle Antworten ausgewertet sind und eine erste Stufeneinordnung zulässig ist, diedurch weitere Verfahren überprüft werden, bis abschließend die einzelnen Stufen der jeweiligen Antworten zu einem Gesamtwert zusammengefaßt werden, so daß als Endergebnis die jeweilige Stufenstruktur des Befragten feststeht.

Methode

In der Sozialpsychologie werden Dilemmata in Form von experimentellen Nichtnullsummenspielen - wie etwa dem Allmende-Klemme-Spiel - seit Mitte des vorigen Jahrhunderts zur Untersuchung von optimalen Kooperationsstrategien verwendet.

Eine Frau, die an einer besonderen Krebsart erkrankt war, lag im Sterben. Es gab eine Medizin, von der die Ärzte glaubten, sie könne die Frau retten. Es handelte sich um eine besondere Form von Radium, die ein Apotheker in der gleichen Stadt erst kürzlich entdeckt hatte. Die Herstellung war teuer, doch der Apotheker verlangte zehnmal mehr dafür, als ihn die Produktion gekostet hatte. Er hatte 2000 Dollar für das Radium bezahlt und verlangte 20000 Dollar für eine kleine Dosis des Medikaments.

Heinz, der Ehemann der kranken Frau, suchte alle seine Bekannten auf, um sich das Geld auszuleihen, und er bemühte sich auch um eine Unterstützung durch die Behörden. Doch er bekam nur 10000 Dollar zusammen, also die Hälfte des verlangten Preises. Er erzählte dem Apotheker, daß seine Frau im Sterben lag, und bat, ihm die Medizin billiger zu verkaufen bzw. ihn den Rest später bezahlen zu lassen. Doch der Apotheker sagte: "Nein, ich habe das Mittel entdeckt, und ich will damit viel Geld verdienen."

Heinz hat nun alle legalen Möglichkeiten erschöpft; er ist ganz verzweifelt und überlegt, ob er in die Apotheke einbrechen und das Medikament für seine Frau stehlen soll.

Sollte Heinz das Medikament stehlen oder nicht?

Das Heinz-Dilemma"

Kohlberg, L. (1995). Die Psychologie der Moralentwicklung. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Stufe

Pro

Contra

1

Heinz sollte das Medikament stehlen, da seine Frau vielleicht eine bedeutende Person ist (...)

Heinz sollte es nicht stehlen, da er dafür ins Gefängnis kommen kann.

2

Heinz sollte das Medikament stehlen, weil seine Frau ihm eines Tages auch einen Gefallen tun könnte.

Heinz sollte es nicht stehlen, wenn er seine Frau nicht liebt, denn dann wäre es die ganzen Schwierigkeiten nicht wert.

3

Heinz sollte das Medikament stehlen, selbst wenn er seine Frau nicht liebt oder es für einen Fremden ist, denn wir sollen bereit sein, anderen zu helfen.

Heinz sollte es nicht stehlen, um einen guten Eindruck in der Gemeinschaft zu hinterlassen.

4

Heinz sollte das Medikament stehlen, weil Menschen zum Nutzen der Gesellschaft Verantwortung für andere übernehmen müssen.

Man sollte das Gesetz achten, denn der Respekt vor dem Gesetz würde zerstört, wenn die Bürger meinten, sie könnten jederzeit Gesetze brechen , wenn sie nicht mit ihnen übereinstimmen.

5

Heinz sollte das Medikament stehlen, da das Recht auf Leben das Recht auf Eigentum verdrängt oder sogar übersteigt.

Man sollte das Gesetz achten, weil das Gesetz die grundlegenden Rechte einzelner gegenüber anderen sichert, die diese übertreten.

Pro-und Contra-Ansichten

Quelle: Colby,A., Kohlberg, L. et al., The Measurement of Moral Judgement, Vol 2, Cambridge University Preß, 1987, übersetzt von Fritz Oser, verteilt anläßlich der Tagung Berliner Seminarleiter im Max-Planck-Institut für Bildungsforschung im Oktober 1995

Argument

Stufe

Nein, es ist nicht recht, zu stehlen, aber es könnte nicht falsch sein, wenn er seine Ehefrau rettet; das Leben einer Person ist wichtig für ein Land. Sie könnte auch eine so wichtige Frau sein wie Betsy Roß (=berühmte Amerikanerin).

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Ja. Er rettet immerhin das Leben einer Person, sie ist ein Mensch, ob er sie liebt oder nicht. Die Menschen sollten das Beste tun, um das Leben der anderen Menschen zu erhalten.

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Er sollte die Medizin nicht stehlen, wenn er sie nicht liebt. Was wäre auch der Nutzen des Stehlens der Medizin, wenn er sich nicht darum kümmert, ob sie sterben würde.

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Wenn der Ehebund geschlossen ist, dann ist das im Grunde ein Vertrag. Sorge tragen für deine Ehefrau ist ein Teil davon. Der Ehemann ist niemals verpflichtet, die Medizin zu stehlen; er ist verpflichtet, alles zu tun, was innerhalb der Grenzen des Gesetzes steht und was in seiner Macht liegt, damit es seiner Frau besser geht.

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Ja, er sollte stehlen, wenn er fühlt. daß das Leben seiner Ehefrau so viel wert ist, wie die Möglichkeit, für den Diebstahl ins Gefängnis zu gehen.

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Er sollte stehlen. Weil, wenn jemand weiß, daß er sie hat sterben lassen, würde er ein schuldiges Gewissen haben. Selbst wenn er diese Person nicht genau kennen würde. Er würde es immer mit sich herumtragen, daß er das Leben dieser Person hätte retten können.

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Nein. Ich denke, er sollte nicht stehlen, was immer auch. Er könnte ins Gefängnis kommen, wenn er erwischt würde. Er sollte wirklich nicht stehlen.

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Jemand sterben zu lassen, ist schlechter, weil der Wert des menschlichen Lebens höher steht als der Wert des Eigentums, d.h. Eigentum kann ja gar keinen Wert bekommen, bevor das menschliche Leben berücksichtigt ist. Deswegen sollte er die Medizin stehlen.

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Er sollte die Medizin stehlen, weil ihn der Apotheker ausnützen wollte. Deshalb, warum sollte er nicht auch den Apotheker ausnützen..., wenn er das Leben seiner Ehefrau retten kann.

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Nein. Es ist wichtig, dem Gesetz zu gehorchen. Denn die Achtung für das Gesetz wird zerstört, wenn Bürger glauben, sie könnten das Gesetz brechen, wann immer sie damit nicht übereinstimmen. Wenn der Mensch einmal das Gesetz angenommen hat und durch die damit verbundenen Rechte profitiert, so muß er auch die Lasten und Einschränkungen in Kauf nehmen welche das Gesetz der Gesellschaft auferlegt.

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Stufenzuordnungsaufgaben

Colby,A., Kohlberg, L. et al., The Measurement of Moral Judgement, Vol 2, Cambridge University Preß, 1987, übersetzt von Fritz Oser, verteilt anläßlich der Tagung Berliner Seminarleiter im Oktober 1995

Lösungsvorschläge

Anselm S. lebt zusammen mit seiner Frau und den beiden Kindern in einem neuen Haus am Stadtrand, das sie erst vor drei Jahren bezogen haben. Er ist Chemiker in leitender Position bei einer Lebensmittelfirma, die ihre Zentrale direkt am Ort hat.

Er ist ein Mann mit recht konservativen Ansichten und daher auch stolz darauf, daß seine Frau jetzt nicht mehr mitarbeiten muß. "Das schaffe ich schon alleine!" ist eine seiner Standardredewendungen. Anselms Frau ist mit diesem Zustand ebenfalls sehr zufrieden. Ihr macht es Spaß, sich um Haus und Garten zu kümmern. Außerdem hat sie so genug Zeit für ihre Mutter, der es in letzter Zeit nicht gut geht. Aber selbst wenn sie arbeiten wollte (sie ist gelernte Biologielaborantin), würde es für sie vermutlich sehr schwierig sein, eine Anstellung zu finden, da sie schon seit zwanzig Jahren nicht mehr berufstätig ist.

In seiner Freizeit ist Anselm engagierter Mitarbeiter im örtlichen Tierschutzverein, den er vor etlichen Jahren mitbegründet hat, und der sich gerade wegen der von ihm mitinitiierten Aktionen zu einer in der Stadt anerkannten Institution entwickelt hat. Betreuung des Tierheims, Beratung für Haustierbesitzer, Aktionen gegen Tiertransporte und vor allem gegen Tierversuche, die in einer nahegelegenen Kosmetikfirma durchgeführt werden, charakterisieren die Arbeit, für die Anselm S. meist federführend ist. Dadurch ist er auch über die Grenzen der Stadt hinaus zu einer bekannten Persönlichkeit geworden. Auch im privaten Bereich hat Anselm S. mit den Mitgliedern der Tierschutzgruppe sehr viel zu tun. Sie und ihre Familien stellen den größten Teil seines Bekanntenkreises dar. Er ist bei allen sehr beliebt.

Beruf, Familie und Hobby bereiten Anselm sehr viel Freude und eigentlich war er mit seinem Leben bisher sehr zufrieden. Doch nun droht dies alles, was er sich mühsam aufgebaut hat, zusammenzustürzen. Von seinem Vorgesetzten hat er erfahren, daß der Stellenabbau, der in seiner Firma seit der Übernahme durch die neuen Besitzer forciert wird, nun auch seine Abteilung treffen soll. Da man ihn als langjährigen Mitarbeiter nicht direkt entlassen kann, soll er, zunächst für ein halbes Jahr, in einer Filiale in der 250 km entfernten Landeshauptstadt eingesetzt werden. Allerdings nicht seiner bisherigen Position entsprechend. Innerhalb dieses Zeitraumes muß er sich dann um eine neue Stelle bemühen. Für einen Mann Anfang Fünfzig keine einfache Sache.

Einige Tage später trifft er in dem kleinen Pub in der Altstadt, in dem er seit einiger Zeit auf dem Nachhauseweg noch einmal kurz ein Bier trinkt, seinen ehemaligen Schul- und Studienkameraden Benno F. Benno ist Chemiker und mittlerweile im Vorstand der großen Kosmetikfirma am Ort. Die einst gute Freundschaft der beiden ist in den letzten Jahren sehr abgekühlt. Der Grund dafür war, daß in dem Unternehmen, in dem Benno Karriere gemacht hat, gerade die Tierversuche durchgeführt werden, gegen die sich Anselm und seine Gruppe so vehement auflehnen.

Benno hat von den Schwierigkeiten in Anselms Firma gehört und kommt ohne große Umschweife darauf zu sprechen. Im Laufe der Unterredung deutet er an, daß bei seiner Firma sehr bald eine Stelle neu zu besetzen sei, für die jemand mit seinen Fähigkeiten sehr geeignet wäre. Er läßt durchblicken, daß Anselm sich sogar finanziell besser stellen würde- auf Dauer, versteht sich. Wenn Anselm sich mit dem Gedanken anfreunden könne, er würde sich gerne für ihn stark machen, da er Vorstandsmitglied sei, wäre dies sicher auch erfolgreich.

Anselm spricht Benno auf die Versuche in den Labors seines Unternehmens an, worauf ihm sein früherer Freund zu verstehen gibt, daß er, wie immer, Scheuklappen trage: Erstens basierten die meisten Produkte nicht auf derartigen Versuchen, sie vertrieben ja auch zahlreiche Naturprodukte. Zweitens würden die Versuche nur einen ganz kleinen Teil von Anselms zukünftigem Arbeitsbereich darstellen. Und drittens, ob Anselm denn meine, daß er sich in seiner jetzigen Situation diese Bedenken leisten könne?

Anselm bittet um eine längere Bedenkzeit, doch Benno teilt ihm mit, daß die Neubesetzung der Stelle schon bald ansteht und er innerhalb der nächsten zwei Wochen zu einer Entscheidung kommen müsse.

In den nächsten Tagen geht Anselm so einiges durch den Kopf, vor allem auch seine beiden Kinder. Die ältere Tochter hat gerade ihr Abitur bestanden und freut sich auf den einjährigen Studienaufenthalt in den USA, den ihr ihre Eltern versprochen haben. Wenn sich die finanzielle Situation der Familie verschlechtert, wird dieser Aufenthalt nicht zu finanzieren sein. Der jüngere Sohn, 14 Jahre alt, hat mit der Schule zur Zeit nicht so viel im Sinn. Wie sein Vater ist er ein großer Tierfreund und widmet den größten Teil seiner Freizeit der Arbeit im Tierschutzverein. Sein Vater ist für ihn das große Vorbild.

Soll sich Anselm S. für die Stelle in Bennos Firma entschließen oder soll er ablehnen?

Die Anselm-Geschichte

Anselm sollte Bennos Angebot annehmen

Stufe

weil er das Prinzip Tierschutz ja doch nicht in letzter Konsequenz durchhalten kann: Er müßte nämlich eigentlich Vegetarier sein.

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weil er als Lebensmittel-Chemiker zumindest in seiner Studienzeit bereits gegen das Tierschutzgebot verstoßen hat, also in Sachen Tierschutz sowieso keine reine Weste mehr hat

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weil er das Recht hat, seinen Wohlstand zu wahren.

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weil er Verantwortung für die übrigen Familienmitglieder hat, insbesondere für seine Frau, die 20 Jahre ohne Berufspraxis ist. Im Falle der Ablehnung wäre auch die gewohnte Pflege der Schwiegermutter stark in Frage gestellt.

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weil die Firma auch Naturprodukte vertreibt und Anselm sich für den verstärkten Vertrieb von Naturprodukten einsetzen könnte.

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weil im Zweifelsfall die Interessen von Menschen höher einzustufen sind als die von Tieren.

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weil der anhaltende Wohlstand sicherlich auch den zunächst enttäuschten Sohn versöhnen wird.

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Anselm sollte das Angebot von Benno ablehnen,

weil er sonst seine Glaubwürdigkeit verlieren würde
- im Hinblick auf sein Selbstkonzept (Verrat seiner Ideale, Weiterleben mit einer Lebenslüge),
seine Rolle als Vater (Vorbild, Wertorientierung für die Kinder),
- als Vertreter des Vereins.

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weil er sonst seine Freunde verlieren würde (die ihn im Falle der Ablehnung bei der Arbeitssuche unterstützen würden).

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weil es die Achtung vor Tieren verbietet, sie für die Herstellung von Kosmetika zu quälen.

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weil es zumutbar ist, daß der Sohn und die Tochter für Ausbildung und Studium z.T. selbst aufkommen.

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weil Anselm im Familienrat der Zustimmung seines Sohnes und zumindest der Achtung der übrigen Familienmitglieder sicher sein kann.

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weil das Absinken des Lebensstandards und der Statusverlust durchaus tragbar erscheinen.

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weil das Recht auf Leben und Unversehrtheit prinzipiell jedem Lebewesen zusteht und Tierversuche generell abzulehnen sind.

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Stufenzuordnungsaufgaben

Lösungsvorschläge

Frau Dr. Paul war sich während der Anfangsphase ihres praktischen Jahres im Krankenhaus vollkommen dessen bewußt, daß die Entnahme von Organen oder Hauttransplantaten von Toten ohne das Einverständnis der Angehörigen illegal ist. Außerdem verletzte eine solche Entnahme grundsätzlich ihren Glauben.

Sie erfuhr jedoch sehr schnell, daß es im Krankenhaus Engpässe gab, wenn es insbesondere darum ging, Menschen mit schweren Hautverletzungen mit Transplantaten zu versorgen.

Eines Tages teilt ihr ihr Chefarzt mit: Das Team benötigt sofort Hauttransplantat für eine Notoperation. Weil jedoch keines zur Verfügung steht, soll Frau Dr. Paul in die Pathologie gehen und Toten Haut entnehmen. Sie darf jedoch mit niemandem darüber sprechen.

Was soll Frau Dr. Paul tun?

Das Problem von Frau Dr. Paul

Quelle: Text von Dr.G. Lind, verteilt anläßlich der Tagung der American Association for Moral Education 1996 in New York. Überarbeitung: Ch. Hoenecke

Pro-Argumente

Stufe

Sie sollte es tun, denn im Grunde ist es eine Entscheidung für das Recht auf Leben.

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Wenn Dr. Paul durch diese Entscheidung das Leiden des Notfallopfers mildern kann, dann sollte sie es tun.

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Sie sollte es tun, denn wenn sie das Opfer eines Tages vollkommen entstellt auf der Straße sehen würde, hätte sie ein furchtbar schlechtes Gewissen.-

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Sie sollte es tun, denn dadurch wird die gesellschaftliche Stellung eines Menschen gesichert. Das Opfer kann dann wieder arbeiten.

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Es ist eine Ausnahmesituation. Sie hat nicht viel Zeit zum Überlegen.

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Wenn sie es nicht tut, ist ihre Karriere beendet.

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.... um dem Verletzten eine spätere Partnerschaft zu ermöglichen. Der Operierte ist dann nicht entstellt.

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Sie sollte es tun, sich jedoch dann selbst anzeigen, denn sie hat gegen Gesetze verstoßen.

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Contra- Argumente

Der Tote hatte keine eigene Entscheidung getroffen. Damit wäre die Entnahme illegal.

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Es ist letztlich nicht die Entscheidung von Dr. Paul, sondern die ihres Chefs. Denn Dr. Paul steht in einer Hierarchie, die sie nicht umgehen kann.

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Dr. Paul macht sich durch ein solches Vorgehen erpreßbar. Sie hat gegen Gesetze verstoßen und kann dadurch zu Entscheidungen gezwungen werden, die sie nicht will.

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Es könnte alles eine Probe sein. Vielleicht möchte der Chef nur sehen, ob Dr. Paul die Anweisungen befolgt.

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Ihre Karriere könnte beendet sein, wenn das rauskommt.

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Sie kann nicht vor sich selbst bestehen, wenn sie das täte.

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Es würde eine Verletzung ihres Glaubens darstellen.

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Sie sollte es nicht tun, denn sie wird durch die Anweisung gezwungen, sofort zu handeln. Persönliche Autonomie geht vor Gehorsam.

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Lösungsvorschläge

Diese Geschichte erzählt von Paula. Paula ist acht Jahre alt und klettert sehr gerne auf Bäume. Sie ist sogar die beste Kletterin in der Nachbarschaft. Eines Tages fällt sie von einem Baum , verletzt sich aber nicht. Ihr Vater sieht den Sturz. Er ist besorgt und sagt ihr, sie solle ihm versprechen, nicht mehr auf Bäume zu klettern. Paula verspricht es und beide geben sich die Hand. Am gleichen Tag trifft Paula ihre Freundin Anna und andere Freunde . Annas süßes Kätzchen sitzt auf einem Baum und kommt nicht mehr alleine herunter. Es muß sofort etwas getan werden, denn sonst könnte das Kätzchen vom Baum fallen. Da Paula die beste Kletterin ist, fragen die Kinder sie, ob sie auf den Baum klettern könnte, um das Kätzchen zu retten.

Doch Paula erinnert sich an das Versprechen, das sie ihrem Vater gegeben hat.

Paulas Problem

nach R. Selman, in : Lickona, T., (Hrsg.), Moral Development and Behaviour, New York 1976, adaptiert von P. Schuster.

Bastian hat Probleme. Er studiert Informatik im achten Semester. Er hat alle Scheine gemacht, muß aber noch seine Prüfungen und seine Abschlussarbeit machen. Aber Bastian fehlt die Zeit, sich auf seine Prüfungen vorzubereiten. Er jobbt bereits neben dem Studium, weil er es sich selbst verdienen muß. Gerade jetzt fällt viel Arbeit an und er kommt kaum zum Studieren. Andere Arbeit, die ihn weniger belasten würde und von der er leben könnte, kann er keine finden.

Da hat er eine coole Idee. Sein Freund Daoude, der Schwierigkeiten mit Deutsch hat, fragt ob er bereit wäre, seine Abschlussarbeit durchzulesen. Daoude kommt aus Ghana. Er hat dort seine Familie und eine gute Position in einem Ministerium. Er studiert hier nur, um einen Uni-Abschluß zu bekommen, weil das für seine weitere Karriere in Ghana wichtig ist. Informatik macht im Spaß, aber zuhause kann er damit wenig anfangen.

Beim Lesen von Daoudes Arbeit stößt Bastian nämlich auf eine heiße Sache. Daoude beschreibt ein Programm, das vermutlich eine Menge Geld bringt. Er erzählt dem Besitzer einer kleinen Softwarefirma davon so, als habe er das Programm entwickelt. Der ist sofort sehr interessiert. Er bietet Bastian an, ihn als gleichrangigen Partner in seine Firma aufzunehmen, wenn er der Firma das Programm überlässt. Bastian überlegt. So wie es jetzt läuft, wird es mit seinem Studium sowieso nichts mehr. Also nimmt er das Angebot an.

Stellen Sie sich vor, Sie seien ein guter Freund von Bastian. Was würden Sie ihm sagen? Sein Verhalten sei eher falsch oder eher richtig? Welche Gründe haben Sie für Ihre Meinung? Notieren Sie bitte mit einigen kurzen Sätzen, weshalb Sie so geurteilt haben.

Georg Lind:
Bastians coole Idee

Die Lehrerin kommt morgens in die Klasse und sagt zu den Kindern: "Hört mal alle her. Frau Scholz vom Sekretariat hat heute morgen einen 10 Euro-Schein im Treppenhaus verloren. Sollte ihn jemand finden, bitte ich euch, ihr das Geld zurückzugeben."

Britta hatte das Geld vor Unterrichtsbeginn gefunden. Es lag hinter einem Abfallkorb. Sie war sich vollkommen sicher, daß sie keiner sah, als sie den Schein aufhob. Und sie war froh über den Fund, denn ihre Mutter hatte in der nächsten Woche Geburtstag, und sie wollte ihr ein Geschenk kaufen. Doch was sollte sie tun? Britta mag Frau Scholz gern und sie weiß, daß Frau Scholz das Geld braucht, denn sie hat eine große Familie.

Das 10 Euro Dilemma

Lickona, Thomas (1989). Wie man gute Kinder erzieht! Die moralische Entwicklung des Kindes von der Geburt bis zum Jugendalter und was Sie dazu beitragen können, München: Kindt.

Henrik und Tobias sind die besten Freunde. Eines Tages verrät Henrik Tobias, daß er eine Höhle im Park gebaut hat, in der er eine Kiste mit Spielsachen und Heften versteckt hält. Henrik sagt, daß er nach der Schule zur Höhle gehen wird, um dort allein zu spielen. Tobias darf aber keinem davon erzählen. Tobias verspricht Henrik, daß er das große Geheimnis bei sich behalten wird.

Nach der Schule trifft Henrik auf die Eltern von Tobias, die ihren Sohn mit dem Auto von der Schule abholen wollten. Sie sind besorgt und fragen Henrik, wo Tobias ist, denn sie wollten vor einer Stunde mit ihm zur Großmutter fahren.

Das Geheimversteck

Lickona, Thomas (1989). Wie man gute Kinder erzieht! Die moralische Entwicklung des Kindes von der Geburt bis zum Jugendalter und was Sie dazu beitragen können, München: Kindt.

Jana ist 10 Jahre alt. Sie möchte am Samstag sehr gern mit ihrer Freundin in Begleitung von ihren Eltern ein Pop-Konzert besuchen. Ihre Mutter verspricht ihr, daß sie ins Konzert gehen kann, wenn sie die Karte aus eigener Tasche bezahlt. Jana betreut das Kind der Nachbarin und verdient sich dadurch Geld. Außerdem spart sie ihr Taschengeld. Sie hat daher genug Geld für eine Karte, die DM 20,- kostet, und darüber hinaus noch zusätzliche DM 10,-. Aber dann entscheidet sich Janas Mutter anders und sagt, daß Jana sich von dem Geld Sportkleidung für die Schule kaufen muß. Jana ärgert sich darüber und beschließt, trotzdem zum Pop-Konzert zu gehen. Sie kauft sich eine Karte und sagt ihrer Mutter, daß sie nur DM 10,- hat. Am Samstag muß Janas Mutter überraschend zur erkrankten Großmutter fahren. Sie weiß nicht, wann sie wiederkommt. Soll Jana ins Konzert gehen?

Als sie losgeht, ist ihre Mutter nicht zu Hause, doch ihre ältere Schwester Lilli weiß, was Jana vorhat. Jana bittet Lilli, der Mutter zu erzählen, daß sie zu einer Freundin gegangen ist und zum Abendbrot wieder zurückkommt. Kurze Zeit später kommt Janas Mutter nach Hause und fragt Lilli, wo Jana ist. Was soll Lilli tun?

Das Pop - Konzert

Lickona, Thomas (1989). Wie man gute Kinder erzieht! Die moralische Entwicklung des Kindes von der Geburt bis zum Jugendalter und was Sie dazu beitragen können, München: Kindt.

Sharon und ihre beste Freundin Jill gehen einkaufen. Als sie so durch das Geschäft streifen, sieht Jill eine Bluse, die ihr unheimlich gefällt. Während Jill die Bluse anprobiert, schaut sich Sharon noch etwas um.

Schon bald kommt Jill aus der Kabine und trägt ihren Mantel. Sie wirft Sharon einen vielsagenden Blick zu und guckt auf die Bluse unter ihrem Mantel. Ohne ein Wort dreht sich Jill um und geht aus dem Laden.

Kurze Zeit später gehen ein Sicherheitsbeamter, ein Verkäufer und der Verkaufsmanager auf Sharon zu: "Das ist sie - das ist eines der Mädchen. Kontrollieren Sie ihre Tasche" schreit der Verkäufer. Sharon gibt dem Sicherheitsbeamten die Tasche: "Keine Bluse". "Ja, dann weiß ich, daß die andere es war", sagt der Verkäufer. Der Sicherheitsbeamte fragt den Manager, ob er den Fall weiter verfolgen soll. "Auf jeden Fall", meint dazu der Manager. "Ladendiebstahl wird zum größten Kostenfaktor in diesem Geschäft. Ich kann Ladendiebe nicht einfach laufen lassen und erwarten, daß das Geschäft großartig geht."

Der Sicherheitsbeamte wendet sich Sharon zu und fragt sie: "Wie ist der Name des Mädchens?" Sharon guckt ihn nur an und sagt nichts. "Komm, spuck es aus", sagt der Sicherheitsbeamte. "Wenn du uns nichts sagst, kannst du für das Verbrechen oder zumindest der Mitschuld verantwortlich gemacht werden"

Der Kaufhausdiebstahl

Lickona, Thomas (1989). Wie man gute Kinder erzieht! Die moralische Entwicklung des Kindes von der Geburt bis zum Jugendalter und was Sie dazu beitragen können, München: Kindt.

Siehe auch das Beispiel unter "Moralische Dilemmas im Alltag"

Tommy hat Julia vor kurzem aus einer schwierigen Situation geholfen. Bei einer entscheidenden Klassenarbeit hat er ihr einen Spickzettel zugesteckt, der ihre "letzte Rettung" war. Ohne diesen Spickzettel wäre ihre Arbeit mit Sicherheit in die Hose gegangen und das hätte sehr unangenehme Folgen für sie gehabt: eine Fünf in diesem Fach wäre ihr gewiß gewesen und ihre Versetzung damit unwahrscheinlich geworden.

Nun hat Julia entdeckt, daß Tommy zu dealen angefangen hat, und zwar auch mit harten Drogen. Als Julia Tommy daraufhin anspricht und meint, das finde sie ganz hübsch beschissen, antwortet ihr Tommy, er müsse ja schließlich auch von etwas leben, wenn er den Stoff nicht verkaufe, würden andere Dealer das Geschäft machen, Drogenabhängigen könne sowieso nicht mehr geholfen werden, und ähnliches mehr. Als Julia diese Ausreden nicht akzeptiert, wird Tommy sauer und fährt sie an, sie solle gefälligst sonstwo den Moralapostel spielen, aber nicht bei ihm.

Julia fühlt sich nach diesem Gespräch sehr unglücklich und fragt sich, ob sie jetzt den Klassenlehrer ins Vertrauen ziehen soll. Auch Bekannte, denen sie von diesem Problem erzählt (ohne Tommys Namen zu nennen), meinen, in diesem Fall müsse der Klassenlehrer informiert .werden. Julia ist sich klar darüber, daß ein solcher Schritt sehr unangenehme Konsequenzen für Tommy haben kann.

Was würdest du an der Stelle von Julia tun, den Klassenlehrer informieren oder nicht? Versuche bitte, dich eindeutig zu entscheiden!

Julia und der Dealer

Günter Schreiner, "Julia und der Dealer" Erfahrungen aus einem Versuch, mit Schülern über ein lebensnahes moralisches Problem zu diskutieren. In: "Die Deutsche Schule" 2/82 S. 128 ff.

Gitta erinnert sich noch gut. Klaus hat ihr bei einer für die Versetzung wichtigen Kursarbeit ganz entscheidend geholfen. Ohne seinen Spickzettel hätte ihre Leistung in der für die gefährdete Versetzung entscheidenden Arbeit sicherlich nicht ausgereicht. Gitta weiß das zu schätzen.

Jetzt hat Gitta entdeckt, daß Klaus es ist, der die Schulwände mit Tags besprüht und damit gegen ein Abkommen verstoßen hat.

Alle Klassen der Oberschule hatten sich dafür ausgesprochen, daß die Wandflächen auf dem Schulgelände und in der Schulumgebung nicht mehr mit Tags verunstaltet werden sollten. Mit finanzieller Unterstützung der Eltern und einiger Sponsoren hatten mehrere Klassen einen Großteil der verunzierten Flächen am letzten Wochenende mit großem Arbeitsaufwand von den Schmiereien befreit. Es soll auch eine extra Wandfläche für ein Graffiti- ein Kunstprojekt im Hof angelegt werden. Erste Vorentwürfe wurden schon ausgestellt.

Als Gitta nun Klaus daraufhin anspricht und meint, das finde sie ganz unmöglich, antwortet ihr Klaus, er brauche den "Kick", das Überschreiten des Verbotenen reize ihn. Und überhaupt, wenn er und seine Crew es nicht machten, dann würden es andere tun. Gerade das Revier, in dem die Schule liegt, sei von mehreren Crews hart umkämpft.

Als Gitta diese Ausreden nicht akzeptiert, reagiert Klaus sauer und sagt energisch, daß sie sich gefälligst um ihre eigenen Sachen kümmern solle.

Gitta fühlt sich nach dem Gespräch sehr unwohl und fragt sich, ob sie mit einem Lehrer oder einer Lehrerin ihres Vertrauens darüber sprechen soll. Auch zwei Mitschüler, denen sie von diesem Problem erzählt- ohne Klaus namentlich zu erwähnen- meinen, in diesem Fall müsse man einen Lehrer hinzuziehen. Gitta ist sich darüber im klaren, daß ein solcher Schritt sehr unangenehme Folgen für Klaus haben kann.

Sollte Gitta ihren Freund Klaus bei einem Lehrer melden? Warum? Was spricht dafür? Was spricht dagegen?

Was ist schlimmer: Jemanden wegen einer unerlaubten Tat zu verraten und dessen Bestrafung in Kauf zu nehmen, oder die Absprachen der (Schul-)Gemeinschaft zu verletzen und die begonnene Mühe in Frage zu stellen? Was bedeutet überhaupt (Klassen- und) Schulgemeinschaft für dich?

Was würdest du an der Stelle von Gitta tun, einen Lehrer deines Vertrauens einbeziehen oder nicht?

Das Problem von Gitta ("Graffiti-Dilemma")

Noffiti - Ein Materialangebot für den Sekundarbereich I. Kledzik, U.J.; Boerner, H. (Hrsg.); Förderverein PluS. Berlin 1997. S. 21.

1.Stufe

Ja. Man muß es sagen, weil Klaus etwas Falsches gemacht hat.

Nein. Klaus würde dies sicherlich herausbekommen und sehr "sauer" reagieren. Der schreckt vor nichts zurück. Man kennt ihn ja.

2.Stufe

Ja. Man sollte es nicht decken, weil es schließlich für alle wichtig ist.

Nein. Schließlich hat Klaus ihr doch auch einen Gefallen getan. Eine Hand wäscht die andere. Einmal ist keinmal.

3.Stufe

Ja. Es wäre nicht fair gegenüber den anderen. Die Verdächtigungen, wer es getan hat, würden zunehmen.

Nein. Weil Gitta Klaus nicht einem öffentlichen Verhör aussetzen möchte.

4. Stufe

Ja. Man muß die aufgestellten "Spielregeln" einhalten. Wie sonst kann Ordnung gehalten werden?

Nein. Es liegt nicht im Bereich der Verantwortung von Gitta, über das Schicksal von Klaus zu bestimmen. Sie sollte es auch nicht sagen, sollte es auch nicht sagen, weil es keine Regelung darüber gibt, wie es dann abläuft.

5./6. Stufe

Ja. Klaus muß sich vor der Schulgemeinschaft verantworten, weil er der Schulgemeinschaft erheblichen materiellen und ideellen Schaden zugefügt hat.

Nein. Eine gute Schulgemeinschaft muß auch einige "Schwarze Schafe" ertragen. Vielleicht kommt Klaus bald von selbst zur Besinnung.

 

Stufe 1

  • Ich habe Lust, das zu tun, also darf ich es auch machen.
  • Wenn man nicht erwischt wird, darf man es auch tun.
  • Ich habe mich falsch verhalten, denn ich bin sehr hart bestraft worden. 
  • Ich sollte das nicht tun, denn sonst wird meine Mutter/mein Vater traurig und dann fühle ich mich nicht wohl. 
  • Das ist richtig und gut so, denn meine Eltern (mein großer Bruder/mein Freund/meine nette Lehrerin) sehen das so. 
  • Wenn eine Sache nicht so wertvoll ist, dann ist Klauen auch nicht so schlimm.
  • Man sollte ihn hart bestrafen, denn er hat etwas Verbotenes getan.

Stufe 2

  • Jeder sollte sich um die eigenen Angelegenheiten kümmern.
  • Wenn ich was davon habe, kann ich es auch tun.
  • Es ist mir egal, was meine Eltern dazu sagen; Hauptsache, ich werde nicht erwischt. 
  • Es ist wichtig für sie, dann darf sie es auch machen. 
  • Ich muß das nur machen, wenn er auch das Gleiche für mich machen würde.
  • Bekomme ich genauso viel wie sie?
  • Wenn ich das nicht mache, dann macht es ein anderer, und dann hat der den Nutzen. 
  • Lügen hat sich hier gelohnt, denn ich habe doch machen können, wozu ich Lust hatte.
  • Ich habe etwas davon und meine Freundin auch; dann ist es in Ordnung.
  • Ich muß meinen Eltern helfen, weil sie auch viel für mich tun. 
  • Wenn das jemand mit mir machen würde, fände ich das ja auch nicht gut. 
  • Das ist unfair, weil es auf Kosten von dem anderen geht.

Stufe 3

  • Was denken die anderen darüber?
  • Wenn ich das mache, dient es meiner Clique. 
  • Man muß auch sehen, aus welchen Motiven jemand gehandelt hat. Wenn er es gut gemeint hat, darf man ihn nicht tadeln. 
  • Man tut das nicht!
  • Es ist nur natürlich, so zu handeln. Das machen doch alle so; alle erwarten das von mir. 
  • Es ist egoistisch, nur an sich zu denken. 
  • Wenn du das machst, fühlt sich der andere unwohl, deshalb wäre es falsch, so zu handeln. 
  • Wenn ich das tue, werde ich besser angesehen. 

Stufe 4

  • Wenn das alle täten, würde unser Gemeinwesen nicht mehr funktionieren. 
  • Das ist illegal, dann darf man es auch nicht machen. 
  • Diese Entscheidung überlasse ich den Gerichten.
  • Wenn der Gesetzgeber das so entschieden hat, dann ist das auch richtig so.
  • Man hat schließlich eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.
  • Du darfst nicht nur an dich oder eure GruppenInteressen denken.
  • Wenn ich das tun würde, würde ich Recht und Ordnung untergraben.
  • Ich habe diese Pflicht übernommen, dann muß ich sie auch so gut wie möglich erfüllen. 

Stufe 5/6

  • Schützt diese Regelung auch die Rechte dieses einzelnen?
  • Dieses legale Verfahren mißachtet in diesem Fall ein Menschenrecht; Rechtsbruch ist hier legitim und geboten.
  • Was"normal" ist, ist damit noch lange nicht richtig. 
  • Dem könnten nicht alle zustimmen.
  • Der Zweck heiligt nicht die Mittel; individuelle Ansprüche und Interessen müssen mit dem Interesse aller ( dem größten Wohl aller)vereinbart werden - und umgekehrt.
  • Könnte mein Handeln verallgemeinert werden? Wäre es vertretbar, wenn in diesem Fall alle so handeln würden? 
  • Meine Überzeugungen, die sowohl religiös wie auch auf Vernunft begründet sind, gebieten mir hier, so zu handeln, auch wenn die gesetzlichen Regelungen dem entgegenstehen.
  • Es ist nicht akzeptierbar, wenn Menschen zu Mitteln zum Zweck mißbraucht werden.

Typische Argumentationsmuster

Was moralische Fähigkeiten sind und wofür wir sie brauchen, zeigt sich am deutlichsten, wenn wir auf ein moralische Dilemma stoßen und unsere moralischen Prinzipien oder Ideale mit einander in Konflikt geraten.

Susanne ist mit Uli, ihrer besten Freundin, in ein Warenhaus gegangen, um Einkäufe zu machen. Sie schauen sich verschiedene Kleider an. Da sieht Uli eine Bluse, die ihr sehr gefällt. Sie sagt zu Susanne, dass sie die Bluse anprobieren wolle. Inzwischen schaut sich Susanne andere Sachen an. Susanne sieht, wie Uli aus der Umkleidekabine heraus kommt. Sie hat ihren Mantel an, winkt Susanne zu und zeigt kurz und auf die Bluse unter ihrem Mantel. Dann dreht sie sich um und verlässt schnell das Geschäft. Wenig später kommen der Detektiv des Geschäfts und der Geschäftsleiter auf Susanne zu und wollen ihre Tasche sehen. Dann verlangt der Detektiv, dass sie sagt, wer das Mädchens war, mit dem sie die ganze Zeit zusammen gewesen ist. Er sagt: "Sie hat eine wertvolle Bluse gestohlen. Du musst uns den Namen nennen, sonst kannst Du wegen Mithilfe bei einer kriminellen Tat bestraft werden." Susanne beschloss zu schweigen. War das richtig?

Viele Personen sitzen in dem Wartezimmer eines psychologischen Labors, bis sie von dem Versuchsleiter aufgerufen werden, um an einem Lernexperiment teilzunehmen. Da öffnet sich die Tür zum Untersuchungsraum. Heraus kommt ein Mann, offenbar ein anderer Versuchsteilnehmer. Der sackt plötzlich zusammen und liegt regungslos vor ihnen. Jeder fragt sich: Was ist passiert? Hatte der Mann einen Anfall? Ist er tot? Was soll ich tun? Soll ich helfen? Oder soll das einer der anderen tun? Kann ich helfen? Was ist, wenn ich etwas falsch mache?

Lara ist 16 und wohnt in einem armen, südamerikanischen Land. Sie hat keine Ausbildung und findet nirgends eine Anstellung. Die Aussichten sind gering, je eine zu bekommen, da es bereits viele Arbeitslose gibt. Auch ihre Eltern sind ohne Arbeit und ihre jüngeren Geschwister gehen noch zur Schule. Sie hört davon, dass ein große Pharmakonzern Embryonen für neue gentechnische Heilungsmethoden benötigt und junge Frauen sucht, die sich für fünf Jahre verpflichten, einmal pro Jahr künstlich befruchten zu lassen und den Embryo der Firma zu geben. Das Geld, das Lara angeboten wurde, würde genügen, sich und ihre Familie zu ernähren und dazu noch eine Ausbildung als Lehrerin zu machen. Lara plagen Zweifel. Sie ist streng katholisch erzogen worden und eine Abtreibung würde ihr schwer fallen. Aber sie weiß nicht mehr, wovon sie in Zukunft leben soll. Daher beschließt sie, den Vertrag zu unterschreiben, den ihr die Ärztin angeboten hat. War Laras Entscheidung richtig?

Der Geheimdienst eines Landes in Europa hat Beweise, dass eine terroristische Organisation einen Sprengstoffanschlag für den nächsten Tag plant. Dabei sollen viele hundert Menschen ums Leben kommen. Dem Geheimdienst gelingt es, eine Frau festzunehmen, die als eine Anführerin in dieser Organisation gilt. Man weiß, dass diese Frau an der Vorbereitung des geplanten Attentats beteiligt war. Man könnte das Attentat verhindern, wenn Sie sagen würde, was sie weiß. Die Frau wird lange verhört. Aber sie verweigert jede Aussage. Man muss befürchten, dass das Attentat jederzeit stattfindet. Deshalb beantragt der Geheimdienst, die Gefangene zu foltern, damit sie endlich sagt, was geplant ist. In dem Land ist Folter verboten. Der zuständige Richter, Herr Steinberg, entscheidet aber trotzdem, dass die Terroristin gefoltert werden darf, um das Attentat zu verhindern und Menschenleben zu retten. Hat Richter Steinberg richtig gehandelt?

Moralische Dilemmas im Alltag


In allen vier Fällen geht es um moralische Dilemmas, aber es handelt sich weniger um Konflikte zwischen Personen mit gegensätzlichen Interessen, sondern um das aufeinander Treffen von moralischen Prinzipien, die die Handelnden vor schwierige Entscheidungen stellen: Egal wie man sich entscheidet, man wird ein moralisches Prinzip, das man selbst für wichtig hält, verletzen müssen.

Wie soll man sich entscheiden, ohne gegen seine Prinzipien zu verstoßen? Nach welchen (übergeordneten) Prinzipien kann und soll man eine Entscheidung treffen? Dilemmas und Konflikte sind im Alltag oft nicht trennbar. Dilemmas sind häufig die Ursache von interpersonalen oder auch intrapersonalen Konflikten, auch wenn das den Beteiligten nicht immer bewusst ist.

Die Lösung solcher Dilemmas ist dann schon ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu ihrer Beilegung. In diesen Beispielfällen wird auch deutlich, dass es bei individuellem Fehlverhalten nicht immer einfach um die Frage von Moral oder Unmoral geht, sondern dass es oft um die Frage einer angemessenen und nachhaltigen Lösung von Problemen geht, die durch die Moral selbst aufgeworfen werden. Wenn es zu Konflikten zwischen moralischen Anforderungen mit ähnlichem Gewicht kommt, wird das Dilemma als besonders schwierig erlebt.

Siehe auch: Kann man Moral denn mit Magnetresonanz messen?

Zusammenstellung der Dilemmata nach einem Arbeitspapier der Arbeitsgruppe der Leiterinnen und Leiter der Berliner Schulpraktischer Seminare (H.-E. Böhmig / Ch. Hoenecke, H. Deeg, F. Harbrucker, M. Schaff, Th. Sylvester) unter Mitarbeit von Dipl.-Psych. P. Schuster, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin: Moralentwicklung und Moralerziehung nach Lawrence Kohlberg" als Thema in der Lehrerausbildung
WWW: http://bebis.cidsnet.de/weiterbildung/sps/allseminar/kohlberg.htm (00-11-05)

Literatur

http://www.uni-konstanz.de/ag-moral/edu/psychology-for-information-science.htm

Lind, Georg (2003). Moral ist lehrbar. Handbuch zur Theorie und Praxis moralischer und demokratischer Bildung. München: Oldenbourg-Verlag.



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