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Moralische Entwicklung - Dilemmata

Das Heinz-Dilemma"

Eine Frau, die an einer besonderen Krebsart erkrankt war, lag im Sterben. Es gab eine Medizin, von der die Ärzte glaubten, sie könne die Frau retten. Es handelte sich um eine besondere Form von Radium, die ein Apotheker in der gleichen Stadt erst kürzlich entdeckt hatte. Die Herstellung war teuer, doch der Apotheker verlangte zehnmal mehr dafür, als ihn die Produktion gekostet hatte. Er hatte 2000 Dollar für das Radium bezahlt und verlangte 20000 Dollar für eine kleine Dosis des Medikaments.

Heinz, der Ehemann der kranken Frau, suchte alle seine Bekannten auf, um sich das Geld auszuleihen, und er bemühte sich auch um eine Unterstützung durch die Behörden. Doch er bekam nur 10000 Dollar zusammen, also die Hälfte des verlangten Preises. Er erzählte dem Apotheker, daß seine Frau im Sterben lag, und bat, ihm die Medizin billiger zu verkaufen bzw. ihn den Rest später bezahlen zu lassen. Doch der Apotheker sagte: "Nein, ich habe das Mittel entdeckt, und ich will damit viel Geld verdienen."

Heinz hat nun alle legalen Möglichkeiten erschöpft; er ist ganz verzweifelt und überlegt, ob er in die Apotheke einbrechen und das Medikament für seine Frau stehlen soll.

Sollte Heinz das Medikament stehlen oder nicht?

Kohlberg, L. (1995). Die Psychologie der Moralentwicklung. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Nein, es ist nicht recht, zu stehlen, aber es könnte nicht falsch sein, wenn er seine Ehefrau rettet; das Leben einer Person ist wichtig für ein Land. Sie könnte auch eine so wichtige Frau sein wie Betsy Ross (=berühmte Amerikanerin).

4

Ja. Er rettet immerhin das Leben einer Person, sie ist ein Mensch, ob er sie liebt oder nicht. Die Menschen sollten das Beste tun, um das Leben der anderen Menschen zu erhalten.

5/6

Er sollte die Medizin nicht stehlen, wenn er sie nicht liebt. Was wäre auch der Nutzen des Stehlens der Medizin, wenn er sich nicht darum kümmert, ob sie sterben würde.

2

Wenn der Ehebund geschlossen ist, dann ist das im Grunde ein Vertrag. Sorge tragen für deine Ehefrau ist ein Teil davon. Der Ehemann ist niemals verpflichtet, die Medizin zu stehlen; er ist verpflichtet, alles zu tun, was innerhalb der Grenzen des Gesetzes steht und was in seiner Macht liegt, damit es seiner Frau besser geht.

4

Ja, er sollte stehlen, wenn er fühlt. daß das Leben seiner Ehefrau so viel wert ist, wie die Möglichkeit, für den Diebstahl ins Gefängnis zu gehen.

2

Er sollte stehlen. Weil, wenn jemand weiß, daß er sie hat sterben lassen, würde er ein schuldiges Gewissen haben. Selbst wenn er diese Person nicht genau kennen würde. Er würde es immer mit sich herumtragen, daß er das Leben dieser Person hätte retten können.

3

Nein. Ich denke, er sollte nicht stehlen, was immer auch. Er könnte ins Gefängnis kommen, wenn er erwischt würde. Er sollte wirklich nicht stehlen.

1

Jemand sterben zu lassen, ist schlechter, weil der Wert des menschlichen Lebens höher steht als der Wert des Eigentums, d.h. Eigentum kann ja gar keinen Wert bekommen, bevor das menschliche Leben berücksichtigt ist. Deswegen sollte er die Medizin stehlen.

5/6

Er sollte die Medizin stehlen, weil ihn der Apotheker ausnützen wollte. Deshalb, warum sollte er nicht auch den Apotheker ausnützen..., wenn er das Leben seiner Ehefrau retten kann.

2

Nein. Es ist wichtig, dem Gesetz zu gehorchen. Denn die Achtung für das Gesetz wird zerstört, wenn Bürger glauben, sie könnten das Gesetz brechen, wann immer sie damit nicht übereinstimmen. Wenn der Mensch einmal das Gesetz angenommen hat und durch die damit verbundenen Rechte profitiert, so muß er auch die Lasten und Einschränkungen in Kauf nehmen welche das Gesetz der Gesellschaft auferlegt.

4

Stufenzuordnungsaufgaben

Colby, A., Kohlberg, L. et al., The Measurement of Moral Judgement, Vol 2, Cambridge University Press, 1987, übersetzt von Fritz Oser, verteilt anläßlich der Tagung Berliner Seminarleiter im Oktober 1995

Analysierte man das Heinz Dilemma in Bezug auf Immanuel Kants formale Maxime des Kategorischen Imperativs, so müßte Heinz so handeln, wie er meint, daß es auch zugleich allgemeingültigen Anspruch habe. Heinz müßte durch den Gebrauch seiner Vernunft eine ihm sinnvolle und allgemeingültige Lösung des Dilemmas finden, die er mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Sein Handeln aber muß Heinz dann immer unter seiner von ihm entwickelten Maxime stellen, d.h., alles, was er tut, muß sich jederzeit an dem Gebot des Kategorischen Imperativs messen lassen. Dies bezeichnet man als Formale Ethik.
Dabei ergibt sich jedoch das Problem der inhaltlichen Bestimmung der formalen Maximen (Kategorischer Imperativ). Einerseits soll die vernünftige Entscheidung Allgemeingültigkeitsanspruch haben, andererseits ist das Subjekt/das vernünftige Wesen bei seiner Entscheidung nur sich selbst verantwortlich. Was ist nun für Heinz vernünftig und gleichzeitig allgemeingültig richtig?
Quelle: http://www.phil-o-sophie.de/
wastun/KANT/bezug.htm (03-05-01)

 

The American version

In Europe a woman was near death from a very special kind of cancer. There was one drug that doctors thought might save her. It was a form of radium that a druggist in the same town had recently discovered. The drug was expensive to make, but the druggist was charging ten times what the drug cost him to make. He paid $200 for the radium and charged $2,000 for a small dose of the drug. The sick woman's husband, Heinz, went to everyone he knew to borrow the money, but he could only get together about $1,000, which is half of what it cost. He told the druggist that his wife was dying, and asked him to sell it cheaper or let him pay later. But the druggist said, "No, I discovered the drug and I'm going to make money from it." So Heinz got desperate and broke into the man's store to steal the drug for his wife. Should Heinz have done that? Why?

(Stage 1) "You shouldn't steal the drug because you'll be caught and sent to jail if you do. If you do get away, your conscience would bother you thinking how the police would catch up with you any minute."

(Stage 3) "No one will think you're bad if you steal the drug, but your family will think you're an inhuman husband if you don't. If you let your wife die, you'll never be able to look anyone in the face again."

(Stage 4) "He should steal it. Heinz has a duty to protect his wife's life; it's a vow he took in marriage. But it's wrong to steal, so he would have to take the drug with the idea of paying the druggist for it and accepting the penalty (of) breaking the law later."

(Stage 5) "Although there is a law against stealing, the law wasn't meant to violate a person's right to life. . . . Heinz is justified in stealing in this instance. If Heinz is prosecuted for stealing, the law needs to be reinterpreted to take into account (certain) situations. . . ."

(Stage 6) "If Heinz does not do everything he can to save his wife, then he is putting some value higher than the value of life. It doesn't make sense to put respect for property above respect for life itself."


Stage I: Obedience orientation

Pro-stealing: If you let your wife die, you will get in trouble. You will be blamed for not spending the money.
Anti-stealing: You shouldn't steal because you will be caught and will go to jail.

Stage 2: Instrumental orientation

Pro-stealing: The druggist should do what he wants to make money and Heinz should do what he wants to save his wife. She will do something nice in return for him in return.
Anti-stealing: I know Heinz will be unhappy if his wife dies, but he shouldn't steal because he will go to jail and then he won't have a happy life anyway.

Stage 3: Interpersonal norms

Pro-stealing: No one will think you are bad if you steal the drug, but your family will think you are cruel if you don't.  If you let your wife die, everyone will be disappointed in you.
Anti-stealing: If you steal everyone will think you are a criminal and you will bring dishonor to yourself and to your family.

Stage 4: Social system morality 

Pro-stealing: It's Heinz's duty to protect his wife.  It's a vow he took in marriage. But it's wrong to steal.  He will have to accept the penalty for breaking the law.
Anti-stealing: It's natural for Heinz to want to save his wife, but you can't go around breaking the law regardless of how you feel or regardless of special circumstances.  If everyone started breaking the law when they are in a jam, there'd be no civilization, just crime and violence.

Stage 5: Social contract orientation 

Pro-stealing: Although there is a law against stealing, the law wasn't meant to violate a person's right to life. Taking the drug does violate the law, but it is justified here. The law should be changed or reinterpreted so that it takes into account people's rights to medical treatment.
Anti-stealing: -

Stage 6: Universal ethical principles

Pro-stealing: Heinz must have no higher value than the value of life.  It doesn't make sense to put respect for property over respect for life. People can live together without private property at all, but respect for human life and dignity is absolute and people have a duty to save others' lives.
Anti-stealing: -

Sources:
http://www.cce.umn.edu/dis/courses/CPSY1301_8283_02.www/course/13.html (02-04-10)
http://www-rcf.usc.edu/~manis/MoralReasoning.htm (02-04-10)

 

Works Cited
Berk, L. E. (1991). Child development. Boston: Allyn and Bacon.
Kohlberg, L. (1969). Stage and sequence: The cognitive-developmental approach to socialization. In D. A. Goslin (Ed.), Handbook of socialization theory and research (pp. 347-480). Chicago: Rand McNally.
Rest, J. R. (1979). Development in judging moral issues. Minneapolis: University of Minnesota Press.

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