[werner.stangl]s arbeitsblätter 

 

Mögliche Bedingungen für eine Eskalation von Konflikten

Wenn dir ein Wort auf der Zunge brennt, lass es brennen.
Persisches Sprichwort

 

Das Problem der Konflikteskalation liegt darin, dass mit jeder Eskalationsstufe ganzen Kategorien von Handlungsmöglichkeiten aufgegeben werden und das eigene Verhalten sowie das des Gegners immer weiter eingeengt wird. Der Übergang von Stufe zu Stufe kann auch als das Abgleiten von einem Regressionsniveau zu einem noch niedrigeren Regressionsniveau dargestellt werden.

Konflikteskalation ist gefährlich, weil ...

Es geht also darum, einer Konflikteskalation Stufen der Deeskalation gegenüberzustellen. Antworten und Handlungsmöglichkeiten auf jeder Stufe zu finden, die Gewalt begrenzen oder ganz ausschließen sowie auf Kooperation und Verhandlungslösungen abzielen.

Quelle:
Gugel, Günther & Jäger, Uli (1999). So "gewinnst" du jeden Konflikt".
http://www.friedenspaedagogik.de (05-10-11)

Verhaltensbeschränkung durch räumliche Verhältnisse

In beengten räumlichen Verhältnissen nimmt bei steigender Kontaktdichte auch die Wahrscheinlichkeit zu, dass persönliche Interessen und Bedürfnisse berührt werden. Dies gilt in gleicher Weise für die Beziehung zu den Nachbarn in einem Wohnhaus oder in einer Siedlung wie etwa für die Benutzung eines gemeinsamen Zimmers.

So wird sich zwar jeder Vater freuen, wenn die Kinder lustig sind und fleißig auf ihren Musikinstrumenten üben, jedoch wird das Gefühl rasch ins Negative umschlagen, wenn er am Schreibtisch Ruhe benötigt, um eine dringende Arbeit fertigstellen zu können.

Verhaltensbeschränkung durch geringe Verfügbarkeit über Mittel

Die Verfügbarkeit über Macht, Prestige u.a. ist eine wichtige Ursache für das Entstehen von interpersonalen Konflikten. Wenn sich zwei oder mehr Parteien um den ausschließlichen Besitz oder Gebrauch dieser Mittel bemühen, ist ein Konflikt zwischen ihnen sehr naheliegend. Diese Aussage gilt zunächst generell, doch wird die Situation insbesondere dann verschärft, wenn beispielsweise in einer Institution bei unverändertem Umfang verfügbarer Mittel mehr Personen partizipieren müssen oder wenn bei gleicher Personenzahl die Ressourcen schrumpfen. In jedem Fall handelt es sich um das Problem einer Neuverteilung der Mittel, bei der zumindest einige der Beteiligten ihren Besitzstand nicht halten können. Gerade solche Probleme gewinnen nahezu unausweichlich existentielle Bedeutung und führen daher in der Regel zu einer starken Emotionalisierung und damit zur Gefahr einer raschen Eskalation des Konflikts. 

Verhaltensbeschränkungen durch Normen

Vor allem in Institutionen und größeren Organisationen ist es notwendig, für die Regelung des Verhaltens der Mitglieder bestimmte Vorschriften und Normen einzuführen. Diese betreffen beispielsweise die Art der auszuführenden Tätigkeiten, die formalen Kommunikationswege, die Arbeitszeit oder den Urlaub.

Gerade in zentralistisch strukturierten, bürokratischen Organisationen findet man häufig eine Überdeterminiertheit des Verhaltens der Mitglieder durch Verfügungen, Erlässe u.ä., in denen einzelne Verhaltensbereiche möglichst genau geregelt sind. Obwohl solche Regelungen häufig zum Schutze der Organisationsmitglieder erlassen werden, kann eine subjektiv wahrgenommene zu starke Reglementierung zu Frustrationen mit entsprechend negativen Konsequenzen führen.

Konflikt mit der Steuerfahndung?

Im Internet findet sich eine einfache Checkliste für Steuerfahndungen, die sehr viel kommunikative Aspekte enthält. um sachlich zu bleiben und um Konflikte zu vermeiden:

Quelle:
http://www.steuerdelikt.de/Bibliothek/checklisten/durchsuchung.html (06-11-11)

Wie man jeden Konflikt gewinnt

Quelle
Gugel, Günther & Jäger, Uli (1999). So "gewinnst" du jeden Konflikt".
http://www.friedenspaedagogik.de (05-10-11)

Drohen besser als Ärger

In einer Studentenstichprobe untersuchten Sinaceur et al (2011), wie man in einer Verhandlung am besten seinen Verhandlungspartner unter Druck setzen kann: entweder man sagt (Ich-Botschaft), wie ärgerlich man gerade ist, oder man droht ihm (Beziehungsbotschaft). Wenn man in einer Verhandlung nur seinen Ärger ausdrückt, kommt das zwar gefühlsbestimmt und bewegt an, doch manchmal wird indirekt damit auch eine Drohung verbunden, die aber dadurch Unsicherheit und Unklarheit gekennzeichnet ist. Eine direkt ausgesprochene Drohung wirkt hingegen unaufgeregter, die einfach nur negative Folgen für den Verhandlungspartner ankündigt. Die Ergebnisse zeigten deutlich, dass Drohen besser war als seinen Ärger zu äußern, denn Drohungen führten zu mehr Zugeständnissen, auch je später in der Verhandlung die Drohung oder der Ärger ausgedrückt wurden. Eine ruhig ausgesprochene Drohung, die faktenbezogen war, war wirksamer als der offen ausgesprochene Ärger, wobei Faktenbezug und Unaufgeregtheit dabei die entscheidenden Größen sind, denn dadurch wird eine Drohung als weniger aggressiv, unangebracht und bedrängend wahrgenommen. Vermutlich ist auch Selbstsicherheit der entscheidende Wirkfaktor, um dem Gegenüber möglichst viele Konzessionen abzuringen.

Quelle:
Sinaceur, M., Van Kleef, G. A., Neale, M. A., Adam, H. & Haag, C. (2011). Hot or Cold: Is Communicating Anger or Threats More Effective in Negotiation? Journal of Applied Psychology, 96, 1018–1032.

Streit bei Eigentümerversammlungen

Eigentümerversammlungen haben oft ihre ganz eigene Dynamik, wobei Diskussionen e schnell in Streit ausarten und in Kleinkrieg enden, wobei die zerstrittenen Nachbarn aus ihrer Rolle dann nicht mehr herauskommen. In der Süddeutschen Zeitung analysiert Werner Schienle die Gründe:

Nachbarschaftliche Beziehungen sind grundsätzlich besonders heikel,, denn da schaltet sich das Großhirn aus, das Kleinhirn ein, und daher kommen dann die vielen Emotionen. Bei anderen Konflikten etwa am Arbeitsplatz kann man zumindest den Ort des Geschehens wechseln. Das geht in diesem Fall nicht ohne weiteres. Auch deshalb entsteht leicht der Eindruck, den anderen ausgeliefert zu sein. Das hat schon eine hohe Brisanz.

Wohnen hat eine existenzielle Dimension. Das hat auch etwas damit zu tun, dass ich mein Wohneigentum als mein Territorium empfinde. Und dann haben die Konflikte viel mit Gerechtigkeitsempfinden zu tun. Der Klassiker ist der Streit darüber, wie gemeinsame Kosten umgelegt werden, also zum Beispiel, ob bestimmte Ausgaben nach der Zahl der Parteien oder der Köpfe abgerechnet werden sollen.

Sich einigen geht, solange ein gewisser Goodwill vorhanden ist. Ist das Verhältnis der Wohnungseigentümer aber erstmal in eine Schieflage geraten, kann es sein, dass man wegen 20 Euro einen Aufstand macht, der von der Sache her überhaupt nicht gerechtfertigt ist. Und wenn man erst einmal einsteigt in diese Art von Kleinkrieg, verlieren am Ende alle Beteiligten. Es gibt dann Situationen, in denen man gar nicht mehr weiterkommt.

Es gibt eine Asymmetrie in der Wahrnehmung: Die Dinge, die ich erleide, wiegen immer viel schwerer als die, die ich anderen zufüge. Wenn ich einen Nachteil von einer Entscheidung habe, empfinde ich das als besonders stark. Dann können bei solchen Auseinandersetzungen auch Rangkämpfe eine Rolle spielen. Scheinbar geht es um den neuen Anstrich für die Fassade, aber eigentlich darum, dem anderen zu signalisieren «Du hast mir gar nichts zu sagen!».

Auf der Beziehungsebene kann es zwischen Nachbarn leicht Verwerfungen geben. Da hat der eine vielleicht ein großes Auto und der andere nur ein kleines. Und wenn der zweite dann nicht das entsprechende Selbstbewusstsein hat, versucht er das bei der nächsten Eigentümerversammlung wettzumachen.

Der Verwalter ist jedenfalls in einer schwierigen Situation und muss aufpassen, nicht selbst in die Schusslinie zu geraten. Das kann leicht passieren. Eine neutrale Person, die moderiert, kann aber durchaus hilfreich sein. Es muss dann jemand sein, der sehr ruhig ist und ausgleichend wirkt. Dann kann das vielleicht klappen.

Ergänzung: Als äußerst hilfreich kann sich ein gemeinsamer Außenfeind erweisen, etwa die Baufirma oder die Hausverwaltung. Ein solcher Gegner kann in vielen Fällen die bestehenden Konflikte unterdrücken bzw. gar nicht erst entstehen lassen.

Quelle:
Süddeutsche am 18. November 2013. Hervorhebungen und Kürzungen von mir; W.S.

Siehe auch die

Was ist ein Konflikt?
Konfliktmanagement
Konstruktive Konfliktlösung
Mögliche Bedingungen für eine Eskalation von Konflikten
Kommunikationsregeln Watzlawicks
Die elf Todsünden der Kommunikation - und wie man es besser macht ...

Quelle: http://www.schulleitung.de/sl/konflikte/i230.htm (01-03-07)
Bildquelle: http://www.vr.clemson.edu/credo/classes/lect7.pdf (01-05-14)



inhalt :::: kontakt :::: news :::: impressum :::: autor :::: copyright :::: zitieren
navigation:
linz 2016