Steffen Fliegel: |
Prüfungsangst *) |
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Speziell für StudentInnen: |
Alle Menschen sind Zeit ihres Lebens vielfältigen Prüfungen ausgesetzt. Die "heiße" Prüfungszeit erlebt man in der Regel zwischen dem 16. und 30. Lebensjahr durch Schulabschluss, Führerschein, Ausbildungsabschluss, Bewerbungsgespräche. Aber schon viel eher beginnen die kleinen Prüfungen: Der Besuch will die ersten Worte hören, das erste Laufen sehen. Später das Gedicht unter dem Tannenbaum, die Rolle im Theaterstück der Schulklasse oder nach wochenlangem Training der sportliche Wettkampf. Dazwischen Diktate und Tests in der Schule, Referate vor der Klasse. Aus einer Untersuchung des "Hochschul-Informations-Systems (HIS)" an der Universität Münster geht hervor, dass ein Fünftel der Studierenden psychische Probleme im Studium hat und vor allem unter Prüfungsängsten leidet. Fast ein Viertel der StudienanfängerInnen verlässt die Hochschule vor dem Abschluss. Häufig werden Prüfungen auch aufgeschoben, da die KandidatInnen nicht wissen, wie sie sich am besten auf eine Klausur oder eine schriftliche Arbeit vorbereiten sollen. Nach einer repräsentativen Umfrage der Universität Konstanz mit 8350 Studenten an 16 Universitäten und neun Fachhochschulen leiden 36 Prozent der Studenten unter massiven Prüfungsängsten, 24 Prozent der angehenden Akademiker fühlen sich durch die hohen Leistungsanforderungen "stark belastet“. Weit verbreitet sind auch finanzielle Sorgen: Fast ein Drittel der Uni-Studenten und sogar 37 Prozent der Fachhochschüler fürchten ernsthaft um ihr Auskommen. Die Spannbreite der Ängste reicht von mangelndem Selbstwertgefühl über depressive Verstimmungen bis hin zu massiven Versagensängsten. Auch im mittleren Lebensalter ist nicht Schluss mit Prüfungen, wenn man z.b. im Betrieb oder auf einer gesellschaftlichen Veranstaltung eine Ansprache halten muss. Siehe dazu Bei all diesen Situationen handelt es sich um Bewertungssituationen. Tätigkeiten, die man eigentlich beherrscht, sollen nun vor wichtigen Menschen gezeigt werden, die das Handeln dann gegebenenfalls bewerten. Im Folgenden wird es um die Situationen gehen, in denen Überprüfung von Wissen und Fertigkeiten im Vordergrund stehen, um Prüfungsangst also im klassischen Sinne. Das alles lässt sich natürlich auch auf andere Situationen übertragen. |
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Das Problem
Für eine kindgerechte Darstellung siehe auch
"Angst essen Gedanken auf" http://www.stangl-taller.at/ http://lerntipp.stangl-taller.at/ 21/default.shtml (05-08-06) |
Prüfungsangst ist sehr häufig. Die Intensität der Angst hängt von vielen Faktoren ab: Bedeutung des Ergebnisses, wer ist anwesend, wie ist der Allgemeinzustand, wie ausgeprägt ist das verlangte Wissen vorhanden und verfügbar usw. ? Es kann unterschieden werden zwischen normaler Angst (eher: Unsicherheit), begründeter Angst (z.b., wenn der Wissensstoff nicht gelernt wurde) und phobischer, d.h. unbegründeter Angst. Bei phobischen Angstzuständen kann die Prüfungssituation nur mit sehr hoher Belastung absolviert werden. Die meisten Menschen, die unter Prüfungsangst leiden, haben mehr Angst vor mündlichen Prüfungen und Prüfungen, in denen etwas gezeigt werden muss, als vor schriftlichen Prüfungen. Auch der Ablauf schriftlicher Prüfungen ist nicht zu 100% vorhersehbar, dennoch kommen bei der mündlichen Prüfung mehr Unsicherheitsfaktoren ins Spiel. So ist der Prüfling allein mit einem oder gar mehreren Prüfern und außer seinem Fachwissen stehen implizit auch noch andere Fertigkeiten auf dem Prüfstand, wie Auftreten, die Fähigkeit ein Gespräch in Gang zu halten (und ggf. zum eigenen Vorteil zu lenken), sich auf sein Gegenüber einzustellen, dessen Fragen zu verstehen etc. Viele Katastrophenphantasien in bezug auf mündliche Prüfungen machen sich auch an der Person des Prüfers oder der Prüferin fest. Übrigens: StudentInnen mit heftiger Prüfungsangst haben in der Mehrzahl gar keine realen traumatischen Prüfungserlebnisse hinter sich, vielmehr weiß man aus Untersuchungen, dass je weniger Prüfungen StudentInnen in einem Fach durchlaufen müssen, desto wahrscheinlicher entwickeln diese Prüfungsangst. Dazu gehört auch, dass unter Studierenden oft regelrechte Mythen über die Prüfer kursieren, etwal, dass manche besonders gerne die Prüflinge durchfallen lassen, was aber in den wenigsten Fällen der Wirklichkeit entspricht. |
Wie äußert sich Prüfungsangst?
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Prüfungsangst tritt zumeist nicht erst unmittelbar vor oder während der Prüfung auf, sondern beeinträchtigt die Kandidatinnen und Kandidaten schon lange vorher. Die Symptome der Angst sind vielfältig: Oft tritt bereits mit der Anmeldung zur Prüfung ein Gefühl von allgemeiner Anspannung ein. Die Betroffenen schlafen schlechter, berichten oft von Alpträumen und Angstgedanken. Die Gefühlsebene ist geprägt von Angst und Hilflosigkeit, Resignation, Hoffnungslosigkeit und depressiven Verstimmungen. Das Verhalten reicht von Vermeidung der Prüfung, Herausschieben des Vorbereitungsbeginns bis hin zu ununterbrochener Vorbereitungstätigkeit, die eher als ruheloser Aktionismus denn als sinnvolle Prüfungsvorbereitung zu bezeichnen wäre. Die Gedanken an die bevorstehende Prüfung rufen bei den Betroffenen ganz unterschiedliche körperliche Symptome hervor: Herzrasen, Schwindel, Schwitzen, flauer Magen oder "Schmetterlinge im Bauch", nervöser Durchfall oder Verstopfung, zittrige Hände und Beine, Kribbeln in den Fingerkuppen, beschleunigte Atmung usw. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein gewisses Maß an Erregung die Leistungsfähigkeit steigert, allerdings darf diese Erregung nicht zu hoch sein, da sonst die Konzentrationsfähigkeit wieder abnimmt. Ziel sollte also ein gewisses Ausmaß an Erregung sein (welches bei bevorstehenden Prüfungen in der Regel automatisch eintritt), das aber nicht überschritten werden sollte, da in diesem Fall die Leistungsfähigkeit wieder abnimmt. Ist die Erregung zu groß, kann es gut sein, dass tatsächlich die von manchen gefürchtete Situation des Blackout eintritt und die notwendige Konzentration überhaupt nicht mehr möglich ist. |
Gründe für Prüfungsangst
Siehe auch |
Die Erziehung eines Kindes und jungen Menschen trägt sicherlich entscheidend zur Ausgeprägtheit des eigenen Selbstbewusstseins bei. Menschen, die sich wenig zutrauen und die Erfolge nicht sich selbst zuschreiben, laufen eher Gefahr, Angst vor Prüfungen zu haben. Weitere Gründe für starke Prüfungsangst liegen in schlechten Lern- und Vorbereitungsstrategien, in fehlenden Kompetenzen der Bewältigung von Stress und Belastung, in negativen Vorerfahrungen mit Prüfungen, in zu hohen Erwartungen an das Ergebnis der Prüfung, in genereller Ängstlichkeit und Neigung zu Angst und natürlich in schlechter Vorbereitung und schlechten Leistungen. Wenn zum Zeitpunkt der Prüfung und Prüfungsvorbereitung schwierige Lebensumstände vorherrschen (Krankheit, Alltags- und Berufsstress usw.), erhöht dies die Anspannung und damit die Angst. Neben der Angst und der Bedrohung durch den Misserfolg kann aber auch die Angst vor dem Erfolg oder vor den Folgen des Erfolges eine Rolle spielen. Häufig stehen nach bestandenen großen Prüfungen, wie Abschlussprüfungen, nach der Ausbildung, nach einem Vorstellungsgespräch, private oder weitere Veränderungen an. Meist geht ein Lebensabschnitt zu Ende und die weitere Zukunft ist relativ ungewiss. Vielleicht ist auch der Prüfungserfolg mit einem Umzug verbunden, so dass man aus der gewohnten sozialen Umgebung wegziehen und Freunde und Familie verlassen muss. Dann bewirkt vermeintlich die Prüfung im Vorfeld eine Angst, die eigentlich einem anderen Aspekt gilt. |
Faktoren zur Genese von Prüfungsangst |
Prüfungsangst hängt meist mit den Erfahrungen in der Kindheit zusammen. Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle:
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Lösungen
Tipp: Langsame Bauchatmung
Lege die Hand flach etwa 2 cm unterhalb des Nabels auf die Bauchdecke. Atme tief ein und stellen dir vor, wie der Atem langsam bis hinunter zu der Hand fließt und schließlich die Hand hochhebt. Dann stell dir vor, wie der Atem langsam wieder über den Brustraum zurück über die Nase nach außen entweicht. Konzentriere dich darauf, wie die Hand wieder nach unten sinkt. Wiederhole diese Übung mehrere Minuten bzw. solange, bis du deutlich entspannter und ruhiger bist.
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Die Bewältigung der Prüfungsangst kann an allen Punkten ansetzen, die als Ursachen und Auslöser benannt wurden:
Da Betroffene die Prüfungsangst ja unter allen Umständen loswerden wollen, klingt es paradox, dass es zunächst wichtig ist, sie zu akzeptieren, ohne sich allerdings mit ihr abfinden zu müssen. Für eine bestimmte Zeit sollte diese Angst, die ja immer wichtige Gründe hat, angenommen und als zur eigenen Person dazugehörend gesehen werden, um sie einmal näher zu betrachten. Die Prüfungsangst kann wertvolle Informationen liefern über bislang nicht bewusst wahrgenommene eigene Bedürfnisse, z.b. nach Anerkennung. Die gewonnenen Informationen hierüber können wichtige Ansatzpunkte bieten für die Veränderung der Angst. Die Prüfungsangst selbst erfordert den Einsatz vieler Energien, Angst kostet Kraft. Es sollte versucht werden, diese Energien, die in der Prüfungsangst stecken, umzuleiten und für eine effektive Prüfungsvorbereitung zu nutzen. Wichtig ist es dabei, sich realistische Ziele zu setzen und nicht am Beginn der Vorbereitung gleich alles zu sehen, was noch zu leisten ist. Das kann gar nicht funktionieren. Das heißt, der gesamte Stoff (z.b. theoretische Kenntnisse für die Fahrschulprüfung in Teilziele formulieren: 1 Arbeitsblatt pro Woche). Und immer nur an diesem einen Ziel arbeiten und nicht alles sehen, was noch nicht erreicht ist. Genügend Zeit für die Vorbereitung einplanen, wenn es möglich ist. Je näher der Zeitpunkt der Prüfung kommt, umso mehr Unruhe wird verspürt, mehr Anspannung verhindert aber effektive Vorbereitung. Und das umso mehr, je umfangreicher der Stoff ist. Auseinandersetzung mit der Prüfung, anstatt den Blick wegzulenken. Das heißt, sich immer wieder Fragen stellen und beantworten, eventuell mit Hilfe von Menschen, die eine solche Prüfungsherausforderung hinter sich haben oder daran beteiligt sein werden. Wichtige Fragen sind:
Informationsquellen hierfür sind, der Prüfer/die Prüferin selber, Kolleginnen und Kollegen, Freunde, Bücher, Richtlinien, Internet, Broschüren, Menschen, die diesen Weg schon gegangen sind, ggf. vorherige Teilnahme, falls möglich, ein persönliches Vorgespräch. Überprüfung von Bereichen, in denen man bei sich möglicherweise Defizite aufdeckt und an denen man durch gezielte Maßnahmen arbeiten kann: Füllen von Wissenslücken, Verbessern des Arbeitsverhaltens, Verbessern des Darstellungs- und Gesprächsverhaltens (Kommunikation). Hier können andere Menschen sehr hilfreich sein. Im Rahmen eines allgemeinen Eine weitere Voraussetzung zur Angstreduktion sind Neben den Rahmenbedingungen und Plänen sind aber natürlich effektive Lernmethoden für einen Prüfungserfolg unerlässlich. Das Behalten von Gelerntem hängt zum einen von dem Stoff ab, zum anderen von der Lernmethode. Hilfreich ist es auch, sich von anderen befragen zu lassen. Angst ist mit Unruhe, Nervosität, Bauchflattern und Anspannung verbunden. Diese Anspannung verhindert, wenn sie zu groß wird, eine effektive Vorbereitung und genügend Aufmerksamkeit während der Prüfung (Lampenfieber z.b. steigert die Leistung, ist es zu stark, lähmt es.) Hilfreich können hier verschiedene Oft sind es auch die negativen und mit Horrorvorstellungen besetzten Gedanken, die Prüfungsängstlichen einen Strich durch die (Konzentrations-)Rechnung machen. Gedanken und Gefühle hängen sehr eng miteinander zusammen. Daher sollte man seine Angstgedanken aufspüren und vor allem auf den Realitätsbezug und Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Die Allgemeine-Angst-Auskunft.de (www.angst-auskunft.de/AAA_Pruefungsangst.htm) schlägt folgende Wege aus der Prüfungsangst vor:
Zuletzt sei noch auf eine gute Technik hingewiesen, um die Angst zu bewältigen: Soviel wie möglich von der Prüfung vorwegnehmen. Wenn dabei die Angst zu groß und kaum aushaltbar ist, kleine Schritte wählen:
Motto: Konfrontieren statt vermeiden und fliehen.Man kann selber einiges tun und ausprobieren, um seine Angst vor Prüfungen in den Griff zu bekommen. Wenn man allerdings feststellt, dass man alleine oder auch mit Hilfe vertrauter Menschen nicht damit fertig wird, ist es ratsam sich professionelle Hilfe zu suchen. An den Universitäten oder in der Schulpsychologie, sowie in Beratungsstellen werden häufig Unterstützungen in Gruppen angeboten. Wenn die Angst zu stark ist und lähmt, wenn die körperlichen Symptome sehr ausgeprägt sind, wenn die Vermeidung überhand nimmt, sollte die rechtzeitige Durchführung einer Psychotherapie in Betracht gezogen werden. Die Kosten dafür übernimmt dann in der Regel die Krankenkasse. |
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Quelle: |
In einer Untersuchung zum Zusammenwirken kognitiver, affektiver und sozialer Faktoren beim Lernen im Physikunterrichtwurden in 24 Klassen neben kognitiven Konstrukten (Vorwissen, Lernergebnisse und Lernstrategien) auch kognitiv-emotionale (Selbstkonzept, Interesse), affektive (Motivation, Angst, Langeweile, Wohlbefinden) und soziale Variablen (Sozialklima, familiales Erziehungsverhalten) erhoben. Dabei kamen sowohl quantitative als auch qualitative Methoden zum Einsatz. Interesse und Emotionen wurden in situationsbezogene und in überdauernde, eher biografisch gefestigte Komponenten differenziert. Über die bekannte Erfahrung hinaus, daß kognitive Merkmale wie das Vorwissen sehr wesentliche Prädiktoren für das schulische Lernen sind, wurde nachgewiesen, daß das positive Unterrichtserleben für die lernorientierte Erarbeitungsphase bedeutsam ist , weniger für die leistungsorientierte Übungsphase. Zusätzlich zeigten sich positive Zusammenhänge mit der wahrgenommenen Fürsorglichkeit des Lehrers und dem lernfördernden Elternverhalten. Die Fachangst steht in negativem Zusammenhang mit dem Lernerfolg in beiden Unterrichtsphasen. Die situative Angst im Sinn einer Besorgtheit um den Lernerfolg zeigte hingegen einen positiven Zusammenhang mit dem Leistungsvermögen am Ende der Übungs-phase. Hier bestätigt sich, dass Ängste ambivalent auf Handlungen wirken. |
Informationen, Literatur |
Selbsthilfe: Seminare und Kurse für Prüfungsängstliche bieten Volkshochschulen, Familienbildungsstätten und andere regionale Institutionen an. Häufig hilft ein Blick ins Internet (Suchmaschine: Prüfungsangst/-Ort-) Entspannungskurse gibt es in jeder Stadt (Volkshochschule, Gesundheitszentrum, Familienbildungsstätten)
Literatur
Ceh, Johann: Keine Angst vor Prüfungen. München / Landsberg am Lech: MVG-Verlag im Verlag Moderne Industrie 1993. 11,80 DM Knigge-Illner, Helga: Keine Angst vor Prüfungsangst. Frankfurt/M.: Eichborn 1999. Unverzagt, Gerlinde: Endlich geschafft, Prüfungsängste bewältigen. Zürich: Kreuz-Verlag 1997. WDR2-Westzeit-Informationsblatt zum Thema "Entspannungsverfahren"
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Quelle: Steffen Fliegel (1998). Prüfungsangst. Der Text der Seite basiert in wesentlichen Teilen auf dieser Webpage. Die Erlaubnis des Autors liegt vor. |
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Zum Autor
Dr. Steffen Fliegel ist der Psychologe der WDR2 WESTZEIT. Steffen Fliegel (Jahrgang 1949) wurde in Dresden geboren. Psychologie studierte er in Münster, wo er heute auch wohnt und arbeitet. Er ist ausgebildet als Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut und als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut. Nach beruflichen Stationen als Hochschulassistent, Psychologischer Leiter einer Fachklinik und Geschäftsführer eines Psychotherapiezentrums arbeitet Steffen Fliegel heute bei der Münsteraner Gesellschaft für Klinische Psychologie und Beratung und ist Ausbildungsleiter der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. Schwerpunkte seiner Arbeit sind neben Ausbildungsaktivitäten die Durchführung von Psychotherapie, die Tätigkeit als Gutachter sowie Öffentlichkeits- und Medienarbeit.
(Quelle: http://www.wdr.de/radio/wdr2/westzeit/fliegel.html - 01-11-08) |
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Strategien gegen Prüfungsangst
Quelle:
http://www.asn-ibk.ac.at/ schulpsychologie/psycho/angst1.html (00-10-06)
Siehe dazu auch |
Menschen mit Prüfungsangst beschreiben ihr Problem häufig als etwas, was ihnen passiert und sie überwältigt. Angst ist allerdings immer eine aktive Leistung des Organismus, mit der Situation "fertig" zu werden, aber dem Ergebnis "Prüfungsangst". Jemand mit Prüfungsangst hat also innere und meist unbewußte Strategien (Denkmuster), diese zu erzeugen und aufrecht zu erhalten. Fragt man nach den bisherigen Lösungsversuchen, erfährt man meist nur von Versuchen, die wenig gebracht haben (z.B. sich zusammenreißen, ...) So stellen sich also z.B. Fragen wie:
Nachfolgende Strategien sind nicht frei erfunden, sondern wurden in der Arbeit mit betroffenen Schülern gesammelt, ausprobiert und als sehr effektiv gefunden, wenn es darum ginge, Prüfungsangst zu entwickeln:
Aus dieser Sammlung läßt sich unschwer erkennen, wie wichtig es ist andere Denkmuster zu entwickeln, die auch zu einem anderen Erleben führen werden. |
Psychoanalytische Erklärung der Prüfungsangst
Quelle:
http://www.wilhelm-griesinger-institut.de/ vortraege/pruefung.html (03-01-06) |
Prüfungsängste rühren häufig aus der individuellen Lebens- und Lerngeschichte her, denn Kinder strenger Eltern entwickeln häufig Minderwertigkeitsgefühle und geringes Selbstvertrauen: "Das schaffst du nicht. Das kannst du nicht. Das machst du nicht schnell genug. Du bist sowieso doof. Ich habe es dir immer gesagt, daß du das nicht kannst. Dummheit kennt keine Grenzen, laß mal, ich mach das selber. Aus dir wird sowieso nichts." Auch eine kritische Bemerkung wie: "Naja!" zu einer befriedigenden, guten oder fast sehr guten Zensur zerstört möglicherweise das Selbstwertgefühl des Kindes. Das Zweifeln am eigenen Können ist daher manchmal Ausdruck elterlicher, zerstörerischer Beziehungsgewalt, die zu einem fehlenden Selbstvertrauen führt. Auch Lehrer können erhebliche Zweifel in ein Kind setzen, indem sie es verspotten oder häßliche Bemerkungen zu guten Leistungen machen wie: "Ein blindes Huhn findet auch mal einen Korn". Prüfungsängstliche sehen im Prüfer, in Lehrern oder Vorgesetzten die kritischen Eltern und fühlt sich in die Kindheit zurückversetzt, in der er sich ohnmächtig fügen mußte. Der Zorn, die Angst und die damals erlebte Ohnmacht überschwemmen das Ich und führen zu einer Blockade. Aber auch eine ungelöste Symbiose mit Mutter oder Vater ist eine häufige Ursache von Prüfungsangst ist, denn Symbiose geht mit Angst, Depressivität und Passivität einher. Das Versorgtsein im Mütterlichen, die fehlende Verantwortung für das eigene Leben, die erlernte Hilflosigkeit und das alleinige Vertrauen in die Kraft der Eltern erschüttern - falls es zu keiner allmählichen Ablösung kommt - den Glauben an sich selbst und entwickelt nur eine geringe Ich-Stärke. Häufig ist es die mangelnde Erlaubnis, sich von seinen Eltern und den verinnerlichten Elternfiguren zu lösen. Eine häufige implizite Botschaft ist: "Werd nicht erwachsen! Bleib mir treu! Bleib ein Kind, das ich bemuttern kann!", sodaß daraus Minderwertigkeitsgefühle entstehen dadurch, daß der Prüfling diese Erlaubnis nicht hat, erwachsen zu werden. Manche Formen der Prüfungsangst können erst durch eine therapeutisch geleitete Verarbeitung des elterlichen Autoritätskonfliktes, die Überwindung der krankmachenden Symbiose mit den Eltern, durch das Stärken des Selbstvertrauens und das Erlernen eines strukturierten Arbeitsverhaltens überwunden werden. Das Bewußtmachen der psychologischen Hintergründe kann dabei unterstützen, allmählich zu lernen, sich auch für kleine Erfolge zu loben und somit das Selbstbewußtsein dauerhaft zu stärken: "Ich bin wichtig, ruhig und gelassen! Ich schaffe es! Ich bin erfolgreich!" Allerdings ersetzen solche "Formeln" nicht das aktive Lernen bzw. die effektive Prüfungsvorbereitung. |
Schüler sollen lieber fernsehen als büffeln !Die beste Vorbereitung auf eine Prüfung: Fernsehen? Quelle: |
Nicht lernen bis knapp vor dem Termin, sondern fernsehen ist das Beste vor Prüfungen. Das hat der britische Wissenschafter Kevin Warwick von der Reading University nach einem Bericht in "Psychologie heute" heraus-gefunden. Büffeln bis zuletzt verkrampfe nur. Dagegen sorgen vor allem Talkshows dafür, daß das Gehirn vor dem Testtermin ausgeruht wird. Warwick und Kollegen haben 200 Personen im Alter von 18 und 19 Jahren getestet. Sie sollten meditieren, Kreuzworträtsel lösen, klassische Musik hören, etc. Die Überraschung: Nach einer halben Stunde einer seichten Talkshow stieg der IQ um bis zu sechs Punkte an. Freilich: Ohne Lernen im Vorfeld einer Prüfung geht gar nichts. Auch das betonen die Wissenschaftler. |

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