Psychotherapie - Ein Überblick
Wolfgang Müller-Funk
- Tiefenpsychologische Ansätze
Psychische Störungen sind durch vergangene Konflikte bedingt. Im Vordergrund der Therapie stehen Aufdeckung und Auflösung dieser Konflikte sowie unbewußter Motive: Psychoanalyse (Freud), Analytische Therapie (Jung), Individualtherapie (Adler), Ich-Analyse (A. Freud), Fokaltherapie (Balint), Psychodrama (Moreno), Katathymes Bildererleben (Leuner), Transaktionsanalyse (Berne). - Kognitiv-Verhaltenstherapeutische Ansätze
Psychische Störungen entstehen durch Lernprozesse, aufrechterhaltende situative Bedingungen und kognitive Verzerrungen. Im Vordergrund der Therapie stehen dementsprechend Veränderungen des Verhaltens, der situativen Bedingungen und der kognitiven Verzerrungen. Therapieschulen im engeren Sinne gibt es kaum, es kann eher von Strömungen innerhalb einer breiten Grundorientierung an der empirischen Psychologie gesprochen werden: Verhaltensanalyse (Skinner), Verhaltenstherapie (Eysenck), Systematische Desensibilisierung (Wolpe), Reiz-Konfrontationstherapie ("Exposure", Marks), Rational-Emotive Therapie (Ellis), Multimodale Verhaltenstherapie (A. Lazarus), Kognitive Verhaltenstherapie (Beck/ Meichenbaum). - Humanistisch-Existentialistische Ansätze
Diese uneinheitliche Gruppe von Verfahren konzentriert sich auf Selbstheilungskräfte im Menschen, die in der Therapie gefördert werden sollen. Wahrnehmung und Erleben sollen im Hier-und-Jetzt aktiviert und das Wachstum der Persönlichkeit gefördert werden. Dabei wird die Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehung in der Therapie betont: Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie (Rogers), Gestalttherapie (Perls), Focusing (Gendlin), Primärtherapie ("Urschrei") (Janov), Neurolinguistisches Programmieren (Bandler & Grinder). - Systemische Ansätze
Psychische Störungen sind kein individuelles Problem, sondern Ergebnis eines fehlgesteuerten Systems bzw. fehlerhafter Kommunikation (meist Familie oder Partnerschaft). Die Therapie dient daher der Veränderung des Systems, d.h. der Beziehungs- und Interaktionsmuster in Partnerschaft, Familie oder Gruppe: Kommunikationstherapie (Watzlawick/Jackson), Systemische Familientherapie (Haley/Satir/Selvini-Palazoli), strukturelle Familientherapie (Minuchin), dynamische Familientherapie (Stierlin), Kollusion/Koevolution (Willi), Familienaufstellung (Hellinger). - Körperorientierte Therapieformen
Hierbei handelt es sich um eine sehr heterogene Gruppe ohne gemeinsamen theoretischen Ursprung. Grundidee ist, dass durch systematische Körperübungen die Sensibilität für den eigenen Körper gesteigert, ein höherer Bewußtseinsgrad erreicht und dadurch die psychische und körperliche Gesundheit gefördert werden soll: Charakteranalyse (Reich), Bioenergetik (Lowen), Strukturanalyse (Rolf), Autogenes Training (Schultz), Progressive Muskelrelaxation (Jacobson), Bewußtheit der Bewegung (Feldenkrais), Atemtherapie (Middendorf), Rebirthing (Ort), Kinesiologie und Edu-Kinestetik (Dennison).
Aus der umfangreichen Psychotherapieforschung im Hinblick auf wissenschaftliche Überprüfung und praktische Bewährung lassen sich die Therapieformen in vier Wirksamkeitsgruppen zusammenfassen:
- Keine Wirkungsnachweise: Klassische Psychoanalyse nach Freud, Analytische Therapie nach C.G. Jung, Humanistisch-existentialistische Ansätze, Neurolinguistische Programmieren, Primärtherapie nach Janov, Rebirthing, Orgon/Vegetotherapie (Reich).
- Negative Befunde: Autogenes Training.
- Ungenügende Wirkungsnachweise: Individualtherapie nach Adler, Katathymes Bilderleben, Transaktionsanalyse, Psychodrama, Bioenergetik, Gestalttherapie, Systemorientierten Familientherapie.
- Hinlängliche Wirksamkeitsnachweise: Verhaltenstherapie, Gesprächspsychotherapie, Psychoanalytischen Therapien, Kurztherapien (nicht die klassische Psychoanalyse).
Eva Jaeggi (2001) hat in ihrem Buch "Und wer therapiert die Therapeuten?" (Stuttgart: Klett-Cotta) die psychische Befindlichkeit von PsychotherapeutInnen untersucht und kommt zu dem Schluß: "Natürlich ist nie auszumachen, ob sich zum Beruf des Psychotherapeuten eventuell besonders labile Naturen hingezogen fühlen" (S.113). Die Autorin berichtetet Zahlen über schwere psychische Störungen bei Therapeuten: 73 % schwere Angststörungen, 90 % (undifferenzierte) schwere psychische Störungen, 82 % schwere persönliche Probleme infolge Beziehungsschwierigkeiten, 57 % Depressionen, 11 % Süchtige und 2 % Suizidversuche. Sie folgert daraus, dass der Beruf des Psychotherapeuten nicht unbedingt der gesündeste ist bzw. nicht unbedingt die gesündesten Menschen anzieht.
Auch Rolf Degens "Lexikon der Psycho-Irrtümer" (2000, Frankfurt/Main: Eichborn-Verlag), der 600 konkurrierende Therapierichtungen untersuchte, entlarvte großer Teile der Psycho-Zunft als reine "Quacksalberei" und meint: "Psychotherapeuten können Neurosen nicht besser heilen als jeder wohlmeinende Laie, und sie leiden selbst in erhöhtem Maße an den 'Verrücktheiten', die sie bei anderen therapieren wollen" (S. 63f).
Ulrich Gresch (2003; Hervorhebungen von mir; W.S.) schreibt zur Kritik an der Psychoanalyse: "Zum Beispiel Psychoanalyse oder Verhaltenstherapie. Um das Prestige der Wissenschaft zur Steigerung der Suggestivwirkung zu nutzen, heben diese Schulen ihre wissenschaftliche Fundierung hervor. Gemäß dem heute vorherrschenden postmodernen Selbstverständnis der Wissenschaft ist diese jedoch, als empirisch orientierte, antidogmatisch und hypothetisch. Sie bildet also keine Grundlage für Heilsgewissheiten mehr. Dies ist ein Dilemma für die Protagonisten der Psychotherapie. Einerseits wollen sie dem Klienten bzw. dem Patienten die Gewissheit geben, dass ihm mit der gewählten Methode geholfen werden kann; und andererseits wissen sie aber auch (oder sollten sie wissen), dass die Wissenschaft keine Grundlage für solche Gewissheiten bieten kann. Es entsteht also eine schmerzliche Gewissheitslücke, die durch Glaubenskraft gefüllt wird. Dies führt zu irrationalem Denken, da eine Überlegenheit des einen oder anderen Therapieverfahrens gegenüber den Mitbewerbern auf wissenschaftlicher Basis nicht erhärtet werden kann. Die Glaubenskraft nährt sich also aus außerwissenschaftlichen Quellen. Kurz: Das implizite (uneingestandene, oft unbewusste) Motto lautet: Wenn es auch ungewiss ist, ob wir überhaupt besser helfen können als ein Placebo, dann sind wir aber auf alle Fälle effektiver als die Konkurrenz. Und so entstehen Glaubensgemeinschaften, die Glaubenskriege gegeneinander ausfechten. (...) Die entscheidende Frage lautet für mich: Wird Psychotherapie tatsächlich effizienter, wenn bestimmte Methoden prinzipiell ausgeschlossen und bestimmte Qualifikationen zwingend gefordert werden? Daher würden mich Leistungsvergleiche bespielsweise zwischen psychotherapeutisch tätigen Heilpraktikern und langjährig ausgebildeten Psychologischen Psychotherapeuten interessieren. (Man könnte dann auch noch hübsche Methodenvarianten realisieren, z. B. beide Gruppen praktizieren Verhaltenstherapie oder die Heilpraktiker arbeiten irgendwie esoterisch und die PPn hochwissenschaftlich abgesichert etc.). (...) Bis zum Beweis des Gegenteils halte ich die Wirkung von Psychotherapie allerdings für einen Placeboeffekt. Das ist freilich besser als gar kein Effekt oder gar eine Verschlechterung. Dass Psychotherapie zumindest einen Placeboeffekt hervorruft, darf als gesichert betrachtet werden. Die Psychotherapie erzeugt die Erwartung, dass sie dem Patienten helfen werden, und gestärkt durch diesen Glauben kann der Patient seine Lage dann auch tatsächlich verbessern. Es ist daher, so will es beim Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis scheinen, auch unerheblich, welche Methoden angewendet werden. Entscheidend ist vielmehr die Suggestivkraft der Behandlung (wobei natürlich bei entsprechend gestrickten Patienten gewisse Methoden, Ausbildungen oder Titel (Doktor, Professor, Medizinalrat etc.) eine hohe Suggestivkraft entfalten können). Wie auch immer: Entscheidend ist, ob des dem Klienten hinterher besser geht als zuvor. Und eine Hilfe zur Veränderung im Kopf wären Studien, die überprüfen, ob die angebliche Überlegenheit von Methoden und Qualifikationen den Tatsachen entspricht. Meine These Placebo-kontrollierte Studien werden so vehement abgelehnt, weil die Ablehner sehr genau wissen, dass deren Ergebnisse nicht zuletzt auch die Suggestivkraft der Methoden mindern und somit die Therapieergebnisse verschlechtern würden. Aber Scherz beiseite: Was eigentlich ist so fürchterlich schlimm daran, dass Psychotherapie auf Suggestion beruht? Freud hat die suggestiven Verfahren als minderwertig dargestellt... und selbst ein Verfahren begründet, das uneingestanden nicht minder suggestiv ist als ausgesprochene Hypnosetherapie. So what? "Bei mir gibt's keine Suggestionen" ist doch die unverfrorenste Suggestion überhaupt."
In der Newsgroup de.sci.psychologie (Posting vom 24. Sept. 2006 10:25:31; gekürzt; Hervorhebungen von mir, W.S.) bringt Gresch die Wirksamkeit der meisten wenn nicht aller Formen der Psychotherapie auf den Punkt: "Psychotherapie ist keine Krankenbehandlung. Die Heilung ist nicht die Folge einer ärztlichen Handlung, der mit einer bewährten Methode eine gestörte Funktion in der Seele eines Patienten korrigiert. Die vorliegenden Daten der Psychotherapieforschung sprechen eine andere Sprache. Es gibt gar keine psychischen Krankheiten. Es gibt aber Lebenssituationen, die durch eine Änderung des Denkens, der emotionalen Reaktionen, der Einstellungen und des Verhaltens besser gemeistert werden könnten als ohne diese. Psychotherapie ist Hilfe zur Selbsthilfe. Verändern muss sich der Klient selbst, und wenn sich etwas in der Innenwelt des Klienten verändert, dann war der Klient dafür verantwortlich, sonst niemand. Der "Therapeut" kann Anregungen geben, Ideen und Wissen einbringen, neue Perspektiven eröffnen, auf blinde Flecken hinweisen, aber er ist kein Heiler. Prinzipiell kann jeder die Rolle des Therapeuten (des Begleiters) übernehmen; dazu ist keine besondere Ausbildung erforderlich, wohl aber eine Haltung, eine Einstellung, die Bereitschaft zu bescheidener, verständnisvoller Unterstützung. Jede Heilung der Seele ist Selbstheilung."
Siehe auch den Kurzüberblick: Psychotechnische Schulen
If you want to know what is wrong with a client, ask him; he might tell you.
George A. Kelly, The Psychology of Personal Constructs.
Klientenzentrierte Therapie: Carl Ransom Rogers (1902 -1987)
Die
psychoanalytische Therapie nimmt traumatische Erlebnisse aus der
Vergangenheit des Patienten auf und will ihn von den Symptomen derselben
befreien. In den sechziger Jahren entstehen in der Reaktion darauf eine
Reihe von Therapieformen, die die Bewußtwerdung (Awareness) der
Erfahrungen und Verhaltensweisen des Klienten sowie die Begegnung
(Encounter) in den Mittelpunkt der therapeutischen Bemühungen stellen.
Dieser Therapieansatz stützt sich auf Elemente wie Offenheit,
Selbstbewußtsein, Verantwortlichkeit, Aufmerksamkeit für Gefühle,
Empathie und das bewußte Erleben der Gegenwart.
Roger hat daher eine klinisch orientierte Theorie entwickelt, die auf jahrelanger Erfahrung im Umgang mit seinen Klienten basiert. In dieser Hinsicht gibt es also zum Beispiel Parallelen zu Freud. Eine weitere Gemeinsamkeit liegt in der ausgesprochen reichhaltigen und ausgereiften Theorie mit breiter Anwendungsmöglichkeit. Eine Differenz besteht darin, dass die Menschen in Rogers Sicht grundlegend gut oder gesund sind - oder doch zumindest nicht böse oder krank. Er betrachtet psychische Gesundheit somitz als den normalen Werdegang des Lebens, während psychische Erkrankungen, Kriminalität und andere menschliche Schwierigkeiten als eine Störung dieser natürlichen Entwicklungsneigung angesehen werden. Anders als Freuds Theorie ist Rogers Theorie zudem relativ einfach, denn sie ist auf einer einzigen "Lebenskraft" (force of life) aufgebaut, die er als die "actualizing tendency" bezeichnet. Man kann sie als die dem Menschen eigene Motivation definieren, die eigenen Potentiale zu einem größtmöglichen Ausmaß auszubauen - eine Motivation, die jeder Lebensform eigen ist. Rogers geht davon aus, dass alle Lebewesen danach streben, aus ihrer Existenz das Beste herauszuholen. Gelingt es ihnen nicht, liegt es nicht daran, dass ihnen das Sehnen danach fehlt. Damit vereint Rogers in einem einzigen großen Bedürfnis oder einer einzigen Motivation all die anderen Motive, von denen die übrigen Theoretiker sprechen. Er fragt: Warum brauchen wir Luft und Wasser und Nahrung? Warum suchen wir Sicherheit, Liebe und das Gefühl der eigenen Kompetenz? Warum suchen wir eigentlich nach neuen Medikamenten, erfinden neue Energiequellen oder erschaffen neue Kunstwerke? Weil es in unserer Natur als lebendigen Wesen liegt, das Beste zu tun, das wir können. Rogers wandte diesen Grundgedanken auch auf Ökosysteme an, dass etwa ein Wald in all seiner Komplexität ein weit größeres Aktualisierungspotential hat, als ein simpler aufgebautes Ökosystem wie ein Getreidefeld. Würde in einem Wald eine Käferart aussterben, werden andere Lebewesen die so entstandene Lücke wahrscheinlich ausfüllen; andererseits aber führt ein Befall mit Getreideschädlingen dazu, dass ein ganzes Kornfeld vernichtet wird. Ähnliches gilt für Menschen als Individuen: Leben sie so, wie sie sollten, entwickeln sie sich zu zunehmender Komplexität wie der Wald und bleiben so angesichts der größeren und kleineren Katastrophen des Lebens flexibel. Während Menschen ihre Potentiale aktualisierten, haben sie die Gesellschaft und die Kultur erschaffen. Menschen sind soziale Wesen und es entspricht ihrer Natur. Doch als sie die Kultur erschufen, entwickelten sie ein Eigenleben. Statt nah an ihrer menschlichen Natur orientiert zu bleiben, entwickelte sich die Kultur zu einer eigenständigen Kraft, sodass eine Kultur, die dem Bedürfnis nach Aktualisierung widerspricht, auf lange Sicht aussterben wird.
Meistens findet die Encounter-Therapie in der Gruppe statt, auch wenn Einzeltherapien oder eingeschobene Einzelsitzungen nicht ausgeschlossen werden. Im Gegensatz zur klassisch psychoanalytischen Therapie, bei der der Therapeut sich passiv verhalten soll und dem Patienten lediglich seine schwebende Aufmerksamkeit widmet, wird in den Encounter Therapien verlangt, dass der Therapeut sich aktiv am Gruppengeschehen beteiligt. Nicht die rationale Verarbeitung früherer Traumen, sondern das gemeinsame Handeln und Erleben steht für die Gruppe im Mittelpunkt. Das erklärte Ziel ist dabei, die Teilnehmer der Therapiegruppe zu intensiver Interaktion zu bewegen, wobei der Therapeut Anleitungen gibt und unterstützend, unter Umständen auch korrigierend eingreift. Wie er das macht, bleibt ihm selbst überlassen; jede Technik kann sich als geeignet erweisen, wenn es ihm nur gelingt, blockierte Energien freizusetzen und er den Gruppenmitgliedern die Möglichkeit eröffnet, ihre versteckten Impulse und Fähigkeiten zum Ausdruck zu bringen. Mit der klientenzentrierten Therapie oder Gesprächstherapie untrennbar verbunden ist der Name Carl Ransom Rogers.
Rogers Arbeitsweise ist von den Theorien der Neofreudianer Karen Horney und Harry Stack Sullivan beeinflußt. Während seiner Zeit an einem Institut zur Prävention von Gewalttaten an Kindern entdeckt er das Werk des Analytikers Otto Rank (1884-1939), der die These vertritt, dass jeder Mensch über starke selbstregulative Möglichkeiten verfügt. Das Individuum, so Rank, ist dynamisch und trägt den Willen zur Gesundheit in sich. Deshalb muß es die Aufgabe des Therapeuten sein, das Individuum so zu begleiten, dass es sich selbst besser versteht und akzeptiert. Rogers erfährt in seiner Arbeit mit Kindern, dass sie genauso wie Erwachsene fähig sind, ihr Leben aus eigenem Antrieb zu verändern, wenn man ihnen mit Verständnis und Liebe begegnet. Der Therapeut braucht keinen Weg vorzugeben, um dem Patienten die Lösung seiner Probleme zu errnöglichen, weil der Patient selbst eine positive Haltung zu seinem Leben entwickeln kann. Anders gesagt, der Therapeut muß in diesem Prozeß nicht die Richtung bestimmen, weshalb diese Art der Therapie als non direktiv umschrieben wird. Für Rogers braucht der Therapeut eigentlich nicht mehr als eine bedingungslos positive Sichtweise. Er wird dem Klienten sein vollstes Vertrauen entgegenbringen und nie den Glauben daran aufgeben, dass er sich selbst verwirklichen möchte und alle dazu notwendigen Eigenschaften in sich trägt. Der Klient steht mit seiner Entwicklung im Zentrum der Therapie, daher die Bezeichnung klientenzentrierte Therapie. Die positive Veränderung seines Lebens verdankt der Klient der emotionalen Aufrichtigkeit und Empathie seines Therapeuten. Rogers Therapieform wird häufig auch nondirektive Therapie genannt. Im Mittelpunkt steht die Auffassung, dass der Mensch innerlich wächst und nach Selbstverwirklichung strebt. Die Therapie ist darauf gerichtet, das innere Wachstum störende Faktoren aus dem Weg zu räumen und dem Individuum auf diesem Weg eine Möglichkeit zu eigener Entwicklung zu geben. Der Patient, den Rogers durchwegs Klient nennt, um seine Gleichwertigkeit mit dem Therapeuten anzudeuten, kann seine Gefühle frei äußern, so wie es seinem Wesen entspricht, ohne dass er dabei vom Therapeuten behindert werden sollte. Der Therapeut interpretiert nicht, er stellt keine Diagnose, interveniert nicht und enthält sich überhaupt eines Urteils über seinen Klienten; alles was er tut ist, dem Klienten voller Mitgefühl zuzuhören und ihn zum Sprechen zu ermutigen, ihm insgesamt Mut zu machen, seine aktuellen Probleme zu lösen und seine Ziele zu verwirklichen. Dieser nondirektive Ansatz war es, der viele Scharlatane auf den Platz rief, die glaubte, dass sich Therapie in bloßer Anwesenheit des Therapeuten äußert und dafür keinerlei Ausbildung notwendig sei.
Die Persönlichkeitstheorie von Carl Rogers ist das Ergebnis seiner jahrzehntelangen therapeutischen Arbeit mit Menschen. Nach Rogers wird der Organismus des Menschen nicht durch Triebe, sondern von einer einzigen zentralen Energie, der angeborenen Tendenz zur Selbstaktualisierung, Selbsterhaltung und Selbstverwirklichung, gesteuert. Damit ist die Selbstaktualisierung das grundlegende Motiv für das Tätigwerden des Menschen, um Autonomie und Selbstständigkeit zu erlangen. Dabei entwickelt der Mensch die zunehmende Bereitschaft, sich für jede Art von Erfahrung zu öffnen und sich und andere so anzunehmen, wie sie sind. Das Kleinkind lernt etwa unter großen Anstrengungen den aufrechten Gang, obwohl es für es leichter ist zu krabbeln. Dadurch wird es von seiner Umwelt unabhängiger und erlangt somit einen kleinen Teil Autonomie.
Rogers meint, dass der Mensch die Erfahrungen, die er macht, in Beziehung zu dem grundlegenden Streben nach Selbsterhaltung und Selbstaktualisierung setzt. Das heißt, dass Erfahrungen, die die Selbstaktualisierung ermöglichen als positiv bewertet und deshalb weiterhin angestrebt werden, hingegen werdeb Erfahrungen, die diese verhindern oder gar bedrohen, negativ bewertet und vermieden werden (organismischer Bewertungsprozess). Rogers sieht den Menschen als bewußt handelndes Wesen, das von seinen Erfahrungen geleitet wird. All die individuellen Erfahrungen, die ein Mensch in seinem bisherigen Leben gemacht hat, verdichten sich zu einem für jede Person charakteristischen Wahrnehmungsfeld, seiner einzigartigen Realität. Entsprechend dieser Wahrnehmungen werden andere Personen, Dinge oder Ereignisse von einzelnen Personen unterschiedlich bewertet. Für einen Hardrock-Fan ist laute Rock-Musik ein Genuß, für einen Liebhaber klassischer Musik ist sie aber nur lautes Gedröhne ist, von dem er Kopfschmerzen bekommt.
Ein Teil dieses Wahrnehmungsfeldes entwickelt sich nach und nach zum Selbst oder Selbstkonzept der Person. Das Selbstkonzept ist also eine durch Erfahrungen gebildete und sich verändernde Struktur von Wahrnehmungen, Empfindungen und Werthaltungen, die diese Person bezogen auf sich selbst hat. Hat eine Person mehrfach die Erfahrung gemacht, dass ihr der Umgang mit fremden Menschen leicht fällt, dann wird sie sich als kontaktfreudig und aufgeschlossen betrachten. Sie wird gerne auf andere Menschen zugehen und gemeinsame Unternehmungen planen. Man unterscheidet beim Selbstkonzept einer Person zwischen dem Real-Selbst und dem Ideal-Selbst. Stimmen Real-Selbst und Ideal-Selbst weitestgehend überein, so ist man glücklich und ausgeglichen - er akzeptiert seine Schwächen und nutzt seine Stärken. Innere Spannungen, Ängste und Depressionen entstehen allerdings dann, wenn das Real-Selbst und das Ideal-Selbst zu sehr auseinander klaffen oder das Real-Selbst aufgrund der Ideale nicht akzeptiert wird.
Das Selbstkonzept wirkt nach dem Prinzip der "self-fulfilling prophecy", d-.h., dass ein positives Selbstkonzept oft auch zu positiven Erfahrungen führt und sich somit selbst bestätigt. Mißerfolge bei einem negativen Selbstkonzept bestätigen dieses genauso.
Das Bewußtsein über sich selbst, über individuelle Fähigkeiten und Eigenschaften, Stärken und Schwächen erwirbt der Mensch schon in seiner Kindheit durch Beziehungsbotschaften von Eltern, Lehrern und Erziehern. Schon bevor ein Kind die Sprache versteht, erfährt es durch die Art, wie die Eltern mit ihm umgehen Botschaften wie, ob es erwünscht oder unerwünscht ist. Diese Beziehungsbotschaften prägen das Selbstkonzept des Kindes grundlegend. Später werden diese Botschaften durch konkrete Aussagen verdichtet. Die Entwicklung der Persönlichkeit wird also durch bedingungslose Wertschätzung und Annahme der Person gefördert. Diese Person vertraut auf ihre Gefühle und läßt ihr Handeln auch davon leiten. Sie strebt nach Selbstaktualisierung und Selbstverwirklichung. Werden Wertschätzung und die Annahme einer Person allerdings von einer Bedingung abhängig gemacht, so wird die Entwicklung der Persönlichkeit gehemmt. Diese Person hat wenig bzw. kein Vertrauen in das eigene Erleben und orientiert ihr Verhalten an den Bewertungsbedingungen. Sie sucht ständig die Bestätigung und Anerkennung durch andere.
Jeder Mensch wird immer wieder mit neuen Selbsterfahrungen konfrontiert, die bisweilen sehr stark vom bestehenden Selbstkonzept abweichen können. Rogers glaubt, dass der Mensch immer versucht, diese Diskrepanz möglichst klein zu halten. Dabei sei die Qualität des Selbstkonzepts (positiv oder negativ) dafür verantwortlich, wie mit diesen Selbsterfahrungen umgegangen wird: ob sie angenommen oder ignoriert werden. Eine Person ist dann kongruent, wenn ihr aktuelles Verhalten und Erleben mit dem bestehenden Selbstkonzept weitgehend übereinstimmen. Ist dies nicht der Fall, so spricht man von Inkongruenz. Eine Mutter ist beispielsweise verärgert und wütend über ihren Sohn. Zeigt sie ihre Gefühle in angemessener Weise, so stimmt ihr Verhalten mit ihrem aktuellen Selbstkonzept "Meine Gefühle sind mir wichtig" überein. Sie verhält sich kongruent. Hat sie dagegen das Selbstkonzept "Eine gute Mutter darf keine negativen Gefühle haben", dann passen Ärger und Wut natürlich nicht in ihr Selbstkonzept. Sie unterdrückt diese Gefühle oder nimmt sie vielleicht gar nicht wahr. Ihr Erleben ist dann inkongruent.
Ein positives Selbstkonzept ist flexibel genug, neue Erfahrungen
anzunehmen und sich ihnen anzupassen, wodurch es wieder zu einer
weitgehenden Übereinstimmung zwischen dem Selbstkonzept und den
gemachten Erfahrungen kommt, was wiederum dazu führt, dass die Person
ausgeglichen und zufrieden ist. Vor allem Menschen mit einem negativen
Selbstkonzept und geringer Selbstachtung versuchen, ihre verletzbare
Selbststruktur rigide zu verteidigen und zu schützen. Jede Erfahrung,
die ihr Selbstkonzept gefährdet und noch mehr in Frage stellt, wird als
bedrohlich wahrgenommen. Um die bestehende Selbststruktur zu schützen,
werden diese Erfahrungen abgewehrt. Zwei wesentliche Abwehrmechanismen
sind hierbei die Verleugnung und Verzerrung. Bei der
Verleugnung wird die Existenz einer Erfahrung völlig verneint. Bei der
Verzerrung tritt die Erfahrung zwar ins Bewusstsein, ihre Bedeutung ist
aber so verändert und entstellt worden, dass sie wieder mit dem
aktuellen Selbstkonzept in übereinstimmt.
Beispiel: Die liebevolle
Mutter (siehe oben) kann ihre negativen Gefühle völlig verneinen und
ignorieren. Sie kann sie auch als momentanes Unwohlsein entstellen und
damit ihre wahre Bedeutung verschleiern. Beide Abwehrreaktionen bewahren
den Menschen davor, dass ihr beschädigtes Selbstkonzept weiter verletzt
wird und ihre Selbstachtung noch mehr verloren geht. So lässt sich für
kurze Zeit ein gewisser Grad an Übereinstimmung zwischen dem
Selbstkonzept und den aktuellen Erfahrungen herstellen, eine
Auseinandersetzung mit der Realität und die daraus resultierende
Veränderung des Selbstkonzepts findet aber nicht statt. Wenn die
aktuellen Erfahrungen einer Person ganz offensichtlich von ihrem
Selbstkonzept abweichen, dann wird eine Abwehrreaktion immer
schwieriger. "Angst ist dann die Antwort des Organismus auf die
unterschwellige Wahrnehmung; eine solche Diskrepanz könnte gewahr werden
und würde in der Folge eine Veränderung des Selbstkonzeptes erzwingen (
Rogers, 1989). Eine Person etwa, deren Selbstkonzept es ist, niemals zu
hassen, wird Angst erleben, wenn die verleugneten Haßgefühle ganz
offensichtlich in ihrer Phantasie oder in ihrem nonverbalen Verhalten
auftreten. Gelingt die Abwehr der bedrohlichen Erfahrungen nicht mehr
und drängen diese immer heftiger in das Bewusstsein, dann zerbricht
schließlich die Selbststruktur und ein sehr widersprüchliches, psychisch fehlangepaßtes Verhalten
kann die Folge sein. So können verleugnete Haßgefühle ganz unvermittelt
hervorbrechen, indem die Person andere anschreit. Kurze Zeit später
entschuldigt sie sich für ihr unbeherrschtes Verhalten und verspricht,
dass es nie wieder vorkommt. Inkongruenz führt längerfristig zu seelischen Störungen.
Solche Personen brauchen dann therapeutische Hilfe, um die nicht
gelöste Diskrepanz zwischen dem Selbstkonzept und der Erfahrung
aufzuheben und ihr Selbstkonzept zu verändern.
Empathie zählt zu den wesentlichen Grundlagen der therapeutischen Kommunikation und bedeutet im weiteren Sinne "einfühlendes Verstehen". Der Begriff "Einfühlung" kommt dem Begriff "Empathie" zwar sehr nahe, ist mit ihm jedoch nicht identisch, denn Einfühlung heißt, das Gefühl des anderen selbst zu erleben und es ihm mitzuteilen, d.h. mit den Augen des anderen sehen, mit den Ohren des anderen hören. Rogers (1959) selbst definiert Empathie als den "Zustand der Einfühlung oder des Sich-Einfühlens (…), den inneren Bezugsrahmen eines anderen genau wahrzunehmen unter Einschluss der zugehörigen gefühlsmäßigen Komponenten und Bedeutungen, so, als ob man selbst der andere wäre, ohne aber jemals den Als-ob-Zustand zu verlassen. In diesem Sinne bedeutet es, den Schmerz oder die Freude des anderen zu erfühlen, so wie er sie fühlt, deren Ursachen wahrzunehmen, wie er sie wahrnimmt, aber ohne jemals die Erkenntnis zu verlieren, dass es so ist, als ob ich verletzt oder froh wäre". Empathie darf nicht verwechselt werden mit Mitgefühl, Sympathie oder sogenannter Gefühlsansteckung und sie entspricht auch nicht dem Begriff der Identifikation, denn im Unterschied zur Identifikation enthält Empathie ein "Als-ob". Sympathie ist eine "wertende Zustimmung zu den Gefühlen, Ideen und dem Geschmack des anderen" (DAHMER und DAHMER). Empathie bedeutet, das Erleben eines anderen so vollständig und genau nachzuvollziehen, als ob es das eigene wäre, ohne jemals diesen 'Als-ob-Status' zu verlassen. Empathie ist auch nicht zu verwechseln mit einem "Verständnisvoll-Sein" im Sinne einer humanen Haltung. Um mit dem Klienten in seinem Problem kommunizieren zu können, muss ich zwar die Fähigkeit besitzen, mich in ihn einzufühlen, es ist aber nicht erforderlich, dass ich menschlich berührt oder betroffen bin, vielmehr erschwert Betroffenheit die freie Kommunikation zwischen Klient und Patient eher als sie diese fördert. Zwei Bedürfnisse können die Entfaltung der Empathie erheblich erschweren: das Bedürfnis nach emotionaler Neutralität oder nach Dominanz. Empathie ist eine Art Brücke, die aus der Wirklichkeit des Therapeuten in die Wirklichkeit des Klienten hineinführt und es ermöglicht, eine gemeinsame Wirklichkeit zu finden, wodurch es gelingt, auch scheinbar inadäquate Verhaltensweisen und Reaktionen eines Klienten als in seiner Sicht durchaus adäquat und folgerichtig zu verstehen.
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Die "fully-functioning person"
Genau wie
Maslow
interessiert sich Rogers für den gesunden Menschen, für den er den
Begriff "voll funktionierend" ("fully-functioning") verwendet, worunter
er folgende Eigenschaften subsummiert:
Offenheit für Erfahrungen (openness to experience)
Als Gegenkonzept zur Defensivität versteht man darunter die akkurate Wahrnehmung der eigenen Erfahrungen in der Welt, eingeschlossen der eigenen Empfindungen. Sie umfasst zudem die Fähigkeit, die Realität zu akzeptieren, eingeschlossen der eigenen Empfindungen. Empfindungen spielen deshalb eine so wichtige Rolle, da sie organismisches Werten übermitteln. Wenn man seinen Empfindungen gegenüber nicht offen sein kann, ist man auch nicht offen für Aktualisierung. Der schwierige Teil besteht natürlich darin, die wirklichen Gefühle von den Ängsten zu unterscheiden, die durch die Wertbedingungen hervorgerufen werden.
Existentielles Leben. Das Leben im Hier und Jetzt
Rogers besteht darauf, dass Menschen nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben - die Vergangenheit ist vergangen, und die Zukunft ist noch nicht vorhanden! Die Gegenwart ist die einzige Realität, die Menschen haben. Dennoch soll das nicht heißen, dass sie sich nicht an die Vergangenheit erinnern und von ihr lernen sollen. Es bedeutet auch nicht, dass sie die Zukunft nicht planen oder Tagträume haben sollten. Wichtig ist, dass sie diese Dinge als das erkennen, was sie sind: Erinnerungen und Träume, die man hier in der Gegenwart durchlebt.
Organismisches Vertrauen (Organismic trusting)
Menschen sollte es sich erlauben, sich vom organismishen Bewertungsprozess leiten zu lassen. Sie sollten sich selbst vertrauen und das tun, was sich richtig anfühlt, was natürlicherweise zustande kommt. Die Menschen sagen und tun, was ihnen natürlich erscheint &endash; wenn man sadistisch veranlagt ist, verletzt man andere Menschen; ist man masochistisch veranlagt, verletzt man aich selbst; machen Drogen oder Alkohol einen Menschen glücklich, dann soll er sie konsumiere. Damit meint Rogers das Vertrauen in das reale Selbst, dass man nur erfahren kann, was das reale Selbst zu sagen hat, wenn man dafür offen ist, Erfahrungen wahrzunehmen und existentiell zu leben.
Freiheit der Erfahrung (experiential freedom)
Rogers ist der Auffassung, dass es irrelevant ist, ob Menschen einen freien Willen haben. Wichtig ist, dass sie davon ausgehen, dass sie einen freien Willen besitzen. Dennoch bedeutet das nicht, dass sie tun können, was sie wollen, denn sie sind von einem deterministischen Universum umgeben. Das bedeutet, dass Menschen sich frei fühlen können, wenn Auswahlmöglichen offen stehen. Rogers sagt, dass die voll funktionierende Person dieses Gefühl der Freiheit anerkennt und für ihre Wahl Verantwortung übernimmt.
Kreativität
Fühlt man sich frei und verantwortlich, verhält man sich
entsprechend, man nimmt an der Welt teil. Eine voll funktionierende
Person, verbunden mit Aktualisierung, wird sich natürlich verpflichtet
fühlen, zur Aktualisierung anderer und sogar zum Leben an sich
beizutragen. Etwa durch Kreativität im Bereich der Künste und
Wissenschaften, durch soziales Engagement und elterliche Liebe, oder
schlicht indem man im Job sein Möglichstes tut. So wie Rogers den
Begriff versteht, liegt Kreativität dem Konzept von
Eriksons Generativität sehr nahe.
Entstanden unter Verwendung von http://www.ship.edu/~cgboeree/rogersdeutsch.html (05-11-06)
Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie: Jakob Levy Moreno
Der Psychiater Jakob Levy Moreno (1889-1974) entwickelte die triadische Aktionsmethode Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie. Diese sozial- und tiefenpsychologisch fundierte Methode wird weltweit in Psychotherapie, Sozialpädagogik und Organisationsentwicklung eingesetzt. Der triadischen Aktionsmethode liegt ein im weitesten Sinne spirituelles Menschenbild einerseits, ein interaktionistisches andererseits zugrunde: Der Mensch ist erfüllt von einem "Willen zum höchsten Wert" und zu einem Prinzip des "Alles Einschließens", (Moreno 1959), und entwickelt sich im Beziehungsnetz zu anderen Menschen und durch Interaktionen mit der sozialen und der natürlichen Umwelt. Er/sie lebt durch seine/ihre Beziehungen und Interaktionen und kann diese kreativ und spontan gestalten. Im Blickpunkt steht also nicht das isolierte Individuum, sondern das Individuum zusammen mit seinem sozialen Netzwerk und die letztlich auch spirituelle Verantwortung, mit der das Individuum in diesem Netzwerk steht. Persönliche Identität wird durch Spiritualität, Individualität und soziale Elemente gleichermaßen konstituiert. Dieses Menschenbild stellt eine theoretische Grundlage aller zeitgenössischen Therapieformen dar, die "systemisch" arbeiten. Gegenstand der Behandlung sind individuelle Funktionen und Merkmale sowie individuelle Formen der Wahrnehmung und Gestaltung von Beziehungen und Interaktionen - vergangene, gegenwärtige und zukünftige. Dies geschieht aber immer im Hinblick auf den gesamtgesellschaftlichen Kontext und in der Auseinandersetzung mit dem Wertsystem der jeweiligen Gesellschaft.
Im Zentrum der Methode stehen die eng miteinander verbundenen Begriffe Spontaneität und Kreativität. Spontaneität ist laut Moreno die "angemessene Antwort auf eine neue Situation oder die neue Antwort auf eine alte Situation". Er betrachtet dabei Spontaneität als die wahrscheinlich älteste, universell vorhandene, jedoch am schwächsten entwickelte Kraft eines Menschen. Oft ist sie durch Sozialisations- und Entkulturationsprozesse gehemmt und entmutigt. Ein grosser Teil der menschlichen Psycho- und Soziopathologie kann nach Moreno einer ungenügenden Entwicklung resp. einer Hemmung der Spontaneität zugeschrieben werden. Eng verbunden mit der Spontaneität ist die Kreativität. Beide machen aktives und schöpferisches Handeln möglich.
In der triadischen Aktionsmethode geht es letztlich immer darum, blockierte Kräfte zu befreien und Menschen bei ihrem schöpferischen Tun zu unterstützen. Damit wird der Mensch zum verantwortlichen Handeln für sich selbst, die menschliche Gemeinschaft und die Umwelt hingeführt. Die Befreiung der Spontaneität und Kreativität geht mit einer integrierenden Katharsis einher, die Moreno wie folgt konzipiert: "Mentale Katharsis wird hier als ein Prozess definiert, der jede Art des Lernens begleitet, nicht nur Konfliktlösung, sondern auch Selbstverwirklichung, nicht nur Spannungsabfuhr und Entlastung, sondern auch Gleichgewicht und Frieden. Sie ist keine Katharsis des Abreagierens, sondern eine Katharsis der Integration".
Das Psychodrama ist eine Methode der Psychotherapie, der Soziotherapie und der Pädagogik. Erlebte und phantasierte, u.U. konfliktbeladene Situationen werden handelnd auf einer therapeutischen Bühne dargestellt. Im protagonistenzentrierten Psychodrama stellt eine einzelne Person ("ProtagonistIn") für sie relevante Situationen und Ereignisse dar. Die in intrapsychischen Konflikten festgehaltenen (konservierten), ehemals interpsychischen Konflikte werden darstellend wiederbelebt, mit Distanz und Kompetenz erlebt und verändert und in einem schöpferischen, spontanen Akt auf neue Art konstruktiv in die Persönlichkeit der Protagonistin oder des Protagonisten integriert.
"Jedes wahre zweite Mal ist die Befreiung vom ersten. Man gewinnt zu seinem eigenen Leben, zu allem was man getan hat und tut, den Aspekt des Schöpfers, das Gefühl der wahren Freiheit, der Freiheit von seiner Natur. Das erste Mal bringt durch das zweite Mal zum Lachen".
Psychodrama ist eine tiefenpsychologische Methode, in der verdrängte Konflikte in frei assoziierten Szenen dargestellt und kathartisch wiedererlebt werden. Der Einsatz der vielfältigen Techniken ermöglicht ihre ganzheitliche Bearbeitung. Den mit dem Spiel verbundenen Regressionen wird nach ihrer Bearbeitung durch den Wechsel von der Spiel-Realität zur Hier-und-Jetzt-Realität der Gruppe begegnet. Dieser kontrollierte Umgang mit Regressionen ermöglicht eine tiefgreifende und rasche Integration verdrängt gewesener Inhalte in das gegenwärtige Erleben. Daraus ergeben sich Einsichten und neue Einstellungen, die in zukunftsorientiertem Probehandeln umgesetzt werden können. So kann bislang unbekanntes situationsadäquates Handeln entdeckt, erprobt und geübt werden. Die Betonung der schöpferischen Fähigkeiten jedes Menschen zur spontanen konstruktiven Selbstorganisation entspricht der Forderung zeitgenössischer Theorien, statt der Defizite von Menschen deren Ressourcen zu betonen.
Im Psychodrama wird zwischen Instrumenten und Techniken unterschieden. Die Instrumente sind die Psychodrama-Bühne, die Psychodrama-Gruppe, das Doppel, die Mitspielerinnen, die Therapeutinnen oder LeiterInnen, die ProtagonistInnen. Techniken sind das Doppeln, das Spiegeln und der Rollentausch. Sharing, Rollenfeedback und Prozeßanalyse werden zur Integration des Erlebten eingesetzt.
Die Technik des Doppelns fördert das Einfühlungsvermögen und unterstützt den therapeutischen Prozess, indem sich MitspielerInnen in die Protagonistin oder in den Protagonisten einfühlen lernen. Eine zu starke Ich-Regression wird verhindert, da der/die ProtagonistIn aufgefordert ist, die Entwürfe verschiedener Personen zu prüfen, zu integrieren, zu verändern oder abzuweisen.
Mit der Technik des Spiegelns kann dem/der ProtagonistIn durch die Gruppe sein/ihr eigenes Verhalten vorgezeigt werden, das er/sie möglicherweise selber nicht darstellen kann, da er/sie zu sehr im persönlichen Erleben verstrickt, oder auf ganz bestimmte Verhaltensweisen fixiert ist. In der Technik des Rollentauschs übernimmt der/die ProtagonistIn die Rolle eines anderen, speziell eines Interaktionspartners. So erlebt er/sie sich selbst in der Rolle des Gegenübers und erhält einen neuen Zugang zum eigenen Erleben und Handeln sowie demjenigen des anderen. Mit dem Rollentausch hat Moreno eine Technik entwickelt, die ein Welterleben, wie es im Rahmen zeitgenössischer Erkenntnistheorie diskutiert wird, der unmittelbaren Wahrnehmung des/der Einzelnen zugänglich macht. Im Sharing teilen die Gruppenmitglieder mit der Protagonistin oder mit dem Protagonisten real deren oder dessen Erlebnisse durch die Erzählung eigener analoger Erfahrungen und Gefühle. Dies entspricht einer starken emotionalen Unterstützung des Individuums in seiner Geschichte durch die andern Gruppenmitglieder. Im Rollenfeedback berichten die verschiedenen Rollenträger während des Spiels erlebte Erkenntnisse und Emotionen und helfen dadurch der Protagonistin oder den Protagonisten bei der kognitiven Verarbeitung ihrer oder seiner eigenen Erfahrungen, gewonnenen Einsichten und Handlungsmöglichkeiten.
In der Prozessanalyse wird die Entwicklung der ganzen Gruppe analysiert und es wird mit Gruppenprozessen bewusst umgegangen. Die psychodramatischen Instrumente und Techniken werden heute nicht mehr ausschließlich in Gruppen angewendet, sondern haben ihren festen Stellenwert auch in der Einzel-Psychotherapie oder der Supervision gefunden.
Das Psychodrama basiert auf der sozialpsychologischen Rollentheorie Morenos. Sein Rollenbegriff verbindet den aktionalen und den kategorialen Rollenbegriff. Der kategoriale Rollenbegriff, der unter "Rolle" sozial festgelegte Erwartungen und Normen versteht, wird erweitert durch den aktionalen Rollenbegriff, der das Moment des individuell aktiv gestaltenden Handlungsmusters betont. Für Moreno ist "Realität" also durch individuelles Handeln veränderbar. Aufbauend auf diesem erweiterten Rollenbegriff legte Moreno seine Theorie der psychischen Entwicklung vor. Die Rollenentwicklung führt nach Moreno im günstigen Fall zu den Fähigkeiten der Einfühlung und der Perspektivenübernahme, d.h. zum inneren Rollentausch mit InteraktionspartnerInnen. Beide Fähigkeiten sind Voraussetzung für die konstruktive Gestaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen. Im Psychodrama werden sie vor allem durch die Technik des Rollentauschs gefördert. Störungen der Rollenentwicklung an ganz bestimmten Stellen entsprechen psychopathologischen Kategorien Die Störungen in der Rollenentwicklung werden mit oben beschriebenen psychodramatischen Techniken bearbeitet, die ebenfalls aus den Phasen der Rollenentwicklung abgeleitet sind. Dabei werden Aspekte der vor- und nicht-sprachlichen Entwicklung besonders berücksichtigt; nicht Reden allein, sondern auch Handeln bildet den Schwerpunkt im Psychodrama.
Das Netzwerk interaktiver Beziehungen, in denen Menschen leben, ist der Ansatzpunkt der triadischen Methode: Rollen werden in Beziehungen entwickelt und gestaltet. Die Positionen der einzelnen Individuen in lebensgeschichtlich erfahrenen und aktuellen Netzwerken, ihre Rollengestaltung einerseits und die emotionalen Strukturen von Gruppen andererseits werden in ihrer Wechselwirkung soziometrische analysiert und psychodramatisch bearbeitet. Die Soziometrie Morenos ist ein Verfahren zur Analyse der bestehenden emotionalen Tiefenstrukturen in einer gegebenen Gruppe. Ferner kann das individuelle Beziehungsgefüge eines Menschen, in dem er/sie lebt und das er/sie zum Leben braucht ("soziales Atom") erhoben werden. Verzerrte Wahrnehmung und rigide Gestaltung von Beziehungen weisen auf Störungen und Wiederholungen unbefriedigender Beziehungsmuster hin. Solche Beziehungsmuster werden in der psychodramatischen Inszenierung von Beziehungsnetzwerken anschaulich erlebbar. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, Rollen und Beziehungen im Schutzraum der Gruppe und des Spiels neu zu gestalten.
In der Arbeit mit Gruppen werden zur Erforschung der psychosozialen Netzwerke und der Soziodynamik von Gruppen soziometrische Untersuchungen als Aktionsforschung mit der Gruppe durchgeführt und die Ergebnisse im psychodramatischen Gruppenspiel bearbeitet. Das gruppenzentrierte Psychodrama befaßt sich mit den dynamischen Gesetzmäßigkeiten der Gruppe, den zwischenmenschlichen Konstellationen und Interaktionen ihrer Mitglieder im Hier und Jetzt. Die Beziehungen, Konflikte und Potentiale zwischen verschiedenen sozialen Gruppen sind Gegenstand des Soziogramm, in dem Elemente des gruppenzentrierten und des individuumzentrierten Psychodramas zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen eingesetzt werden.
In Prozessanalysen werden einerseits die Entwicklung der Gruppe, andererseits die Befindlichkeit und Entwicklung des Individuums in der Gruppe sorgfältig reflektiert. Menschenbild, Theorie und Methodologie der triadischen Aktionsmethode sind nicht auf Krankheitsfälle beschränkt, sie sind genauso an der Entfaltung von Spontaneität und Kreativität, an Entwicklung und Gestaltung von Rollen und Beziehungen orientiert. Daher wird die Methode sowohl in der Psychotherapie, als auch in modifizierter Form in Bereichen der Pädagogik, der Sozialpädagogik und der Organisationsentwicklung angewandt. In letztgenannten Bereichen werden insbesondere die Lockerung rigider Verhaltens- und Beziehungsmuster, die Erweiterung sozialer Kompetenz und die Fähigkeit zur kreativen Lösungsfindung in sozialen Systemen angestrebt.
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Humanistische Psychologie: Abraham Maslow
Maslow geht davon aus, dass der Mensch von Natur aus gut ist und sich selbst entfaltet. Der Mensch wird in seinem Verhalten von hierarchisch strukturierten Bedürfnissen geleitet. Diese lassen sich als Pyramide darstellen, an deren Basis sich die grundlegenden körperlichen Bedürfnisse befinden, die zuerst befriedigt werden müssen, damit der Mensch zur Erfüllung seiner höheren Bedürfnisse voranschreiten kann. Zu letzteren gehören, und zwar in dieser Reihenfolge, das Bedürfnis nach Geborgenheit und Sicherheit, Liebe und Zusammengehörigkeit, die Achtung durch andere und Selbstachtung. An der Spitze steht mit dem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung das eigentliche Ziel des Menschen, das aber erst dann verwirklicht werden kann, wenn alle grundlegenderen Bedürfnisse befriedigt worden sind. Die Selbstverwirklichung, wie Maslow sie versteht, könnte mit einem mystischen Gipfelerlebnis verglichen werden; der Mensch geht über sich selbst hinaus, übersteigt seine eigenen Grenzen, wird eins mit der ganzen Menschheit und dem Kosmos. In Maslows Sicht hat er damit den Kern der Existenz überhaupt erreicht. Diese Selbstverwirklichung basiert auf einem persönlichen Wachstum durch die Erfüllung eines Lebensauftrags, der genauso in der Entfaltung der eigenen Kreativität liegen kann wie im selbstlosen Einsatz für eine gerechte Sache.
Gestalttherapie: Fritz Perls
Die unmittelbare Erfahrung sowohl des Klienten als auch des Therapeuten steht in der Gestalttherapie im Mittelpunkt. Deren Ziel ist es, dem Klienten bewusst zu machen, was er tut und wie er handelt und dabei gleichzeitig die Akzeptanz seiner eigenen Persönlichkeit sowie seine Selbstachtung zu stärken. In erster Linie geht es dabei immer um den fortlaufenden Prozeß der Behandlung, weniger um das, was im einzelnen gesagt wurde. Der Begriff Gestalt kennzeichnet die Konfiguration von Einzelheiten zu einem Ganzen, bei der sich alle einzelnen Teile aufeinander beziehen und gemeinsam eine Struktur oder einen Prozeß ergeben. Für die Persönlichkeit des Individuums bedeutet das, dass jeder Aspekt in seiner Funktion Teil eines Ganzen ist und erst im Zusarnmenhang der gesamten Persönlichkeit in seiner Bedeutung erfasst werden kann. Der Mensch lässt sich damit als eine Gestalt verstehen, die sich aus Teilgestalten zusammensetzt, die miteinander in einer Wechselwirkung stehen. Dieser Gedanke wurde zuerst durch die Gestaltpsychologen Max Wertheimer (1880- 1943) und Kurt Koffka (1886 1941) formuliert, die in ihren Untersuchungen nachweisen konnten, dass der Mensch eine Situation in ihrer Gesamtheit wahrnimmt und nicht als Ansammlung von Einzelheiten. In der Gestalttherapie werden die Gestaltgesetze therapeutisch angewendet sowie für den Einzelfall adaptiert: das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile; die Teile verleihen dem Ganzen seine Bedeutung; und der Zusammenhang von Figur und Hintergrund.
Begründer der Gestalttherapie ist Friedrich (Frederick) Salomon Perls (1893 1970). Ein schlechtes Verhältnis zu seinen Eltern und einige unglückliche Liebesverhältnisse bringen ihn dazu, sich einer Analyse zu unterziehen und dann auch gleich selbst Analytiker zu werden. Sein Wunsch, einmal Sigmund Freud erleben zu dürfen, wird Wirklichkeit, als er im Jahr 1936 einen Analytiker Kongreß besucht. Zu der Zeit ist Freud aber schon ein alter Mann, geschwächt durch endlose Krebsoperationen. Ganze vier Minuten steht er Perls Rede und Antwort, und bei Perls ist die Enttäuschung gross. In seiner Autobiographie (In and out the Garbage Pail, 1969) faßt er seine Gefühle in Worte, und sein erstes wichtiges Buch gerät zu einer Abrechnung mit dem Grossmeister der Psychoanalyse. "Ego Hunger. A Revision of Freud's Theory and Method" 1940) vollzieht dann endgültig den Bruch mit Freud und mit der Psychoanalyse überhaupt. 1947 emigriert Perls nach New York und gründet 1964 das Zentrum für Gestalttherapie in Esalen, das als Ausbildungszentrum für Gestalttherapeuten dient und wo er Workshops und Vorträge hält. Das Ziel der Gestalttherapie ist Bewusstwerdung; der Schwerpunkt liegt auf dem, was unmittelbar erlebt und empfunden werden kann, nicht darauf, was das bedeutet oder was damit vielleicht gemeint sein könnte. Immer steht die Frage im Vordergrund: "Was erlebst du jetzt?" Der Mensch schafft sich selbst immer wieder neu, und er entdeckt sich selbst immer wieder aufs Neue. Er ist auf der Suche nach neuen Horizonten und sieht sich dabei vor neue Herausforderungen und Möglichkeiten gestellt. Der Klient wird in der Therapie immer wieder dazu aufgefordert, mit seinem Verhalten zu experimentieren, um die Erfahrung des konkreten Augenblicks bewusst zu erleben. Die Gestalttherapie interessiert sich nicht dafür, welche biographischen Einzelheiten zu den gegenwärtigen Verhaltensmustern geführt haben, sie ist ganz auf die Gegenwart bezogen. In den Augen Perls entstehen neurotische Symptome aus der Unfähigkeit des Menschen, ein Gleichgewicht zwischen sich und seiner Umgebung herzustellen und zu bewahren. Deshalb lernt er in der Gestalttherapie, sich nach seinen Erfahrungen und Empfindungen zu richten, die er im Augenblick erlebt. Neurose ist nämlich ein Abwehrmechanismus gegen die Bedrohungen der Aussenwelt.
Die Taktiken der Gestalttherapie entspringen dem grundlegenden Ziel, die Aufmerksamkeit und die Bewußtheit des Patienten wieder zu integrieren und dem weiteren Ziel, seine Problemlösefähigkeit zu entwickeln. Nach Auffassung der Gestalttherapie demonstriert der Patient kontinuierlich seine Vermeidung mit seinem Erleben in bewußtem Kontakt zu stehen. Perls beschreibt die grundlegende therapeutische Strategie, um dieses Vermeidungsverhalten aufzubrechen folgendermaßen: "Deshalb ist das, was ich als Therapeut tue, als Katalysator in zwei Richtungen zu arbeiten: Situationen herstellen, in denen eine Person diese Festgefahrenheit erlebt - die Unbequemlichkeit -, und ich frustriere ihr Vermeidungsverhalten weiter, bis sie bereit ist, ihre eigenen Ressourcen zu mobilisieren".
Es gibt viele spezifische Methoden zur Durchführung der Gestalttherapie. Um die Vielfalt zu kategorisieren, lassen sie sich nach dem Ausmaß einteilen, in dem sie in erster Linie die Erweiterung der Zugänglichkeit des menschlichen Erlebensflusses oder eine Erweiterung des Sinns für das eigene Erleben intendieren. Die ersteren nennt man Bewußtheit-erzeugende Techniken (awareness-generating), die letzteren die Verantwortung-erzeugenden (responsibility-generating) -Techniken. In der Praxis müssen aber beide Ziele kombiniert werden, um die Ziele der Gestalttherapie zu erreichen.
Für Perls bedeutet "Frustration" die unvermeidbare Begleiterscheinung seiner grundlegenden therapeutischen Strategie, dem Patienten nicht aktiv zu helfen. Damit, dem Patienten nicht zu helfen, meint Perls, ihm nicht seine Bedürfnisse zu erfüllen, nicht seine Arbeit für ihn zu tun und nicht die fehlenden Teile des Patienten einzusetzen. Perls will den Patienten seine eigenen Ressourcen spüren lassen. Dies kann seiner Meinung nach nur geschehen, wenn der Therapeut dem Patienten nicht Dinge abnimmt, die er selber leisten kann. Diese mangelnde Bereitschaft des Therapeuten, den Patienten zu führen, wird unvermeidlich vom Patienten als Frustration erlebt.
Der leere Stuhl
"Was empfindest du? Bleibe dabei. Erlebe es!" Solche Aufforderungen wird der Klient von seinem Therapeuten zu hören bekommen. Er soll auf diese Art dazu ermutigt werden, seine Gefühle festzuhalten, wahrzunehmen, sie intensiv zu durchleben und sich ihrer dann bewusst zu werden. Auf diese Art bekommt er einen Zugriff auf seine Ängste und die lähmenden Gefühle der Ohnmacht und Unzulänglichkeit. Wer Gestalttherapie sagt, wird sofort an den leeren Stuhl denken. Dieser leere Stuhl hat die Aufgabe, die Rollen, die wir aus uns selbst verstossen haben und andere Menschen, die wir brauchen, um unseren Lebenstext verstehen zu können, zu vergegenwärtigen. In der Vorstellung nimmt jener andere dort Platz, auf den sich der Klient in der Therapie bezieht oder den er anders nicht erreichen kann. Manchmal bekommt der Klient auch den Auftrag, sich mit diesem anderen zu identifizieren, in diesem Fall tauscht er mit der vorgestellten Person den Platz und setzt sich selbst auf den leeren Stuhl, damit er sich besser in die abwesende Person hineinversetzen kann, um zu erfahren, wie der andere eine Situation erlebt. Die Aufträge, die der Klient während der Sitzungen bekommt, können auch als "Hausaufgaben" aufgegeben werden. Damit kann der Klient die neu gewonnenen Erfahrungen im häuslichen Rahmen erproben. Aber auch hier steht das unmittelbare Erleben, nicht die Reflexion im Vordergrund.
Die Systemischen Therapien
Die Entwicklung der systemischen Familientherapie begann in den USA in der Zeit der Blüte der sogenannten "humanistischen Psychologie". Allein waren damals Fritz Perls und Carl Rogers bekannt, wohingegen erst einige Zeit später die Begründer der 1. Palo-Alto-Gruppe prominent wurden, vor allem Gregory Bateson und Paul Watzlawick. Ihre theoretisch grundlegenden ersten Arbeiten erschienen äußerst trocken und fernab von der in dieser Zeit üblichen Orientierung am therapeutischen Handeln und der Entwicklung von Methoden. Damals interessierte allgemein mehr, wie Veränderung/Heilung durch therapeutische Interventionen praktisch erreicht werden kann, als ein theoretisches Erklärungsmodell dafür zu finden, wie sich der Weg vom Problem zur Lösung vollzieht.
Unterschiedliche Varianten können als Übersetzungsversuche unterschiedlicher systemtheoretischer Ansätze in die klinische Praxis angesehen werden, also gibt es weder einen einheitlichen Systembegriff noch "die" systemische Therapie. Gemeinsam ist allen systemischen Ansätzen die Perspektive, Probleme und Symptome nicht als Pathologie eines Individuums, sondern als jeweilige Problemdefinitionen und Festschreibungen im Kontext eines sich entwickelnden sozialen bzw. familiären Bezugssystems zu sehen. Die systemische Therapie wurde ursprünglich als Familientherapie, später als systemische Familientherapie bezeichnet. Gegenwärtig wird sie meist verkürzt systemische Therapie oder systemische Psychotherapie genannt. Die "ursprüngliche" Familientherapie wurde in den 50er Jahren in den USA entwickelt und im Laufe der 70er Jahre nach Europa importiert. Seit Beginn der 80er Jahre entwickelte sich die systemische Therapie über den Rahmen der Familientherapie hinaus zu einem Ansatz mit eigenen klinischen Theorien und Praxisformen. Systemische Therapie bedeutet, dass alle Personen und/oder Institutionen, die an dem Problem beteiligt sind, welches zur Beratung oder Therapie ansteht, in den Beratungsprozeß mit einbezogen werden. Die systemische Therapie kann als eine Rahmentheorie verstanden werden, die es gestattet, die Komplexität menschlichen Erlebens und Handelns zu beschreiben, zu erklären und Veränderungsmöglichkeiten für verschiedene Arten menschlicher Systeme zu gestalten.
Die systemische Therapie versucht, die Gedanken der Systemtheorien für die Psychotherapie nutzbar zu machen. Im Begriff des Systems sind sowohl das Ganze als auch die Teile eines Systems beinhaltet. Systemtheorien lenken den Blick auf Muster, Zusammenhänge und Dynamiken. Sie beruhen auf dem Grundgedanken, dass sich Teilstrukturen und Teilprozesse eines sich in der Zeit wandelnden Systems wechselseitig beeinflussen und das Netzwerk der Interaktionen das entscheidende Band zwischen Teilen und Ganzem eines Systems ist.
Besonderes Interesse richtet sich dabei auf die Dynamik und Organisation interpersoneller Beziehungen, die individuellen Erlebens und Verhaltensmuster sowie auf die in Sprache gefaßte Bedeutung der Erlebens- und Verhaltensqualitäten.
Die Anwendung der Theorie der Selbstorganisation von Systemen hat für die psychosoziale Praxis, für die Diagnose und Therapie von Familien weitreichende Folgen. Im Sinne dieser Theorien ist eine Diagnose immer abhängig von den Handlungen und Unterscheidungen, die der Therapeut als Beobachter etwa eines Familiensystems vornimmt. Was er wahrnimmt, ist immer auch eine Folge seiner Handlungen und Interaktionen mit dem Klientensystem. Therapeuten können nicht von außen einseitig bestimmen, was Klienten zu denken, zu erleben und wie sie zu handeln haben. Was ein Klient wahrnimmt, erinnert, aus der Komplexität des therapeutischen Geschehens auswählt, ist abhängig von seinen Wahrnehmungsmustern, seinen Mustern der Sinnkonstruktion, oder, im Falle des sozialen Systems Familie, von dem Glaubenssystem, dem Lebensskript der Familienmitglieder oder von im Familiensystem vorherrschenden Regeln, Interaktions und Kommunikationsmustern.
Es ist daher ein Mythos, dass es der Therapeut ist, der soziale Systeme verändert. Therapie ist eher in der Bedeutung von Konsultation oder Konversation zu verstehen. Ein zentraler Fokus systemischer Therapie ist die Annahme, dass kognitive und kommunikative Konstruktionen wie auch die sprachlich in Geschichten gefaßten Erfahrungen (Narrationen) von Individuen oder Familien in Zusammenhang mit der Erzeugung von menschlichen Problemen stehen. Es wird angenommen, dass eine Veränderung dieser spezifischen Konstruktionen oder Narrationen zu einem veränderten Erleben und auch Verhalten führen kann. Die mit Klienten gemeinsam erarbeitete Thematisierung, Veranschaulichung und Veränderung des wechselseitigen Bezugs von vorgestellten Problemen und Symptomen mit interpersonellen Beziehungs- und Deutungsmustern ist daher ein wesentliches Mittel und Ziel systemischer Therapie.
Systemischen Familientherapie
Virginia Satir entwickelte ihren eigenen Stil in der Arbeit mit Familien und Gruppen, da sie davon ausging, dass der Körper oder das Selbst alles was geschieht von Anfang an speichert und dass der Körper entscheidet, welche dieser Erfahrungen im Bewusstsein bleiben und welche im Unbewußten aufgehoben werden. Satir sah als Ziel ihrer therapeutischen Arbeit, über Empfindungen des Körpers unbewusste Informationen über die Geschichte von Personen und Familien wieder zugänglich zu machen, sodass der Mensch Klarheit gewinnen und für ein neues Lernen frei werden kann. Virginia Satir setzte Kommunikationsformen in Familien in Körperhaltungen um und ließ die einzelnen Mitglieder des Systems sprachlos, also ausschließlich über ihren Körper interagieren. Diese Komplexitätsreduktion ließ die problemerhaltenden Kommunikationsmuster in einer Dichte und Deutlichkeit hervortreten, die es für die Betroffenen und Außenstehenden leichter machte, zu sehen und zu spüren, wofür es Lösungen bedurfte. Später nannte Satir diese in Körperhaltungen ausgedrückten Kommunikationsformen "Familienskulpturen". Der eigentliche Erfinder dieser Methode aber war David Kantor, der nach neuen Formen der Informationsvermittlung suchte und an Holzfiguren dachte, welche die Familienmitglieder repräsentieren und so zueinander positionieren sollten, dass sie die Beziehungen im Familiensystem darstellen. Um seine Idee zu erläutern, demonstrierte sie Kantor mit den Mitgliedern einer Gruppe. David Kantor, dessen ursprüngliche therapeutische Heimat das Psychodrama war, setzte seine Erfindung in Gruppen in einer sehr aufwendigen Form ein. Er nannte sie "Evocative Sculpture". Es beginnt mit einer Phase, in der die Klientin in Form einer Trancearbeit in eine bestimmte Zeit des Lebens versetzt wird, von der angenommen wird, dass sie einer neuen Sichtweise und eines neuen Erlebens bedarf. Dann werden sorgsam die passenden Rollenspieler ausgewählt und in einer aufwendigen Prozedur zueinandergestellt. Dabei wird die Beziehung durch Abstand (Nähe - Distanz), durch "Oben und Unten" (Macht und Einfluß) und durch Gestik und Mimik (Qualität der Beziehung) ausgedrückt. Nach Fertigstellung des "Problemgebildes" haben die Rollenspieler die Aufgabe, ohne Worte die Szene weiterzuspielen - und nach Lösungen zu suchen. Peggy Papp hat 1971 dann die "schnelle und statische Skulptur" entwickelt hat, um das Beziehungsgeschehen schneller zu erfassen und Lösungsbilder entwickeln zu können. Heute stellt die Skulpturtechnik einen Prozeß und eine "Sprache" dar, mit deren Hilfe Familien und Gruppenmitglieder die vielen Aspekte ihrer Beziehung umfassender und schneller darstellen können, als dies mit Worten möglich wäre.
Bei der Skulpturtechnik in der Einzel-, Paar-und Familientherapie wird ein Mitglied des Familiensystems gebeten, die anderen Personen so zueinander zu stellen, wie (gegenwärtig oder zu bestimmten Zeiten) die Familienbeziehungen erlebt wurden. Oft wird auch noch ein weiteres Familienmitglied aufgefordert, ein (unterschiedliches) Bild zu stellen. Sind keine weiteren Mitglieder im Therapieraum anwesend (wie in der Einzeltherapie), behilft man sich mit Sesseln oder anderen Gegenständen (z. B.: Holzklötzen auf einem Brett, Markierungsscheiben auf dem Boden . . . ), die die Plätze der Angehörigen markieren. In dieser Komplexitätsreduktion und damit auch Verdichtung des Beziehungsprozesses finden folgende Elemente ihren Ausdruck: Raum (ausgedrückt durch den Abstand zwischen den Personen und ihre Blickrichtung), Zeit (Zeitpunkt in der Familiengeschichte, der betrachtet wird) und Energie (ausgedrückt durch Mimik und Gestik und durch "oben" und "unten" in der Skulptur).
In den verbalen Rückmeldungen der Mitglieder des Familiensystems über ihr körperliches und emotionales Erleben in der Skulptur zeigt sich oft sehr schnell das Problem, das einer Lösung bedarf. Die Lösungsschritte können entweder vom Therapeuten aus der Außenperspektive angeboten werden, oder die Mitglieder entwickeln aus der Innenperspektive ein Beziehungsbild, das mehr ihren Wünschen und Sehnsüchten entspricht. Als Lösungsskulptur wird dann jene verstanden, in der sich alle mitwirkenden Personen wohl fühlen.
Die Skulpturarbeit in solch gewachsenen Systemen hat aber auch Beschränkungen. Die von einem Mitglied des Systems in die Skulptur gestellten anderen Mitglieder sind keine "neutralen" Stellvertreter, sondern haben verständlicherweise ihre Wünsche oder Widersprüche zu dem Problem- oder Lösungsbild. Sie halten sich in ihren Aussagen über den Platz im System entweder sehr bedeckt, oder sie lassen ihre eigenen Interessen einfließen. Ebenso nehmen diejenigen, die die Skulptur stellen, oft Rücksicht auf die anderen Familienmitglieder und halten die Unterschiede so klein, dass die Skulptur zu ja keiner Intervention im System führen kann. Vielleicht hat Virginia Satir sich deshalb in ihrer Arbeit mit Familien oft darauf beschränkt, ihre Bilder aus der Außenperspektive anzubieten, sowohl für das Problem, als auch für die Lösung.
Arbeitet man mit Materialien, die den Platz von Familienmitgliedern im System darstellen, so können die betroffenen Personen oft eine entlastende Außenperspektive zu ihrem Familiensystem einnehmen, aus der sie Erkenntnisse gewinnen, die ihnen aus der Innenperspektive nicht möglich waren. Aber Sesseln, Klötze usw. können wiederum nicht sprechen und keine Information über den Platz im System weitergeben; die Perspektive ist immer die der Person, die das System aufgestellt hat, und die Perspektive des Therapeuten, wenn dieser durch Umstellen neue Lösungen vorschlägt. Der systemische Ansatz der Gruppentherapie nutzt die Ressource der Gruppe, um Systeme zu rekonstruieren und neukonstruieren, deren Mitglieder als Personen nicht anwesend sind.
Virginia Satir nannte später ihre Arbeit "Familienrekonstruktion" und nützte vor allem die damals bekannten Rollenspielmethoden aus dem Psychodrama und Elemente aus der Gestalttherapie. Im Laufe der Hunderten Familienrekonstruktionen, die sie geleitet hat, entwickelte sie einen eigenen Stil, der über das Rollenspiel des Psychodramas hinausführte. Vor allem der Einsatz der Skulpturarbeit ermöglichte es in kurzer Zeit, Informationen aus der Familiengeschichte zu bündeln, ihre problemaufrechterhaltende Bedeutung zu verstehen und Lösungen (z. B. die Veränderung von einschränkenden Lebensregeln, die mit "du mußt" oder "du darfst nicht" beginnen) zu entwickeln. Die Klientin oder der "Star", wie Virginia Satir sie nennt, bekommt in der Familienrekonstruktion die Gelegenheit, die Geheimnisse ihres Lebens zu rekonstruieren und die fehlenden Teile des Puzzles, also die Quellen des frühen Lernens, aufzuspüren. Satir gibt einer ihrer Beobachtung eine besonders große Bedeutung, dass nämlich Kinder, die in Familien mit unterschiedlichen Botschaften über Ereignisse und Erwartungen aufwachsen, den Widersprüchen einen Sinn zu geben versuchen. Denn diese subjektiven Reaktionsmuster wurden zu einer Zeit gelernt, als die Person höchst verletzbar war (in den ersten fünf Jahren) und das Gelernte nicht relativieren konnte. "Es ist deswegen beinahe mit Blut in das Buch der persönlichen Geschichte eingeschrieben." Satir glaubt aber auch, dass Menschen in jedem Alter lernen können, von der Fülle ihrer Möglichkeiten wieder Gebrauch zu machen. Die Entwicklung eines Bildes der Menschlichkeit der Eltern. Denn auch diese waren als Kinder Lernerfahrungen ausgesetzt, die ihnen nicht ermöglichen, ihr volles Potential als liebende Eltern auszuschöpfen. Der "Star" erhält die Möglichkeit, die eigene Familiengeschichte neu zu schreiben. "Wenn man das menschliche Leben als heilig betrachtet - so wie ich das tue -, dann wird Familienrekonstruktion zu einer spirituellen Erfahrung und führt zu Erkenntnissen, die die menschliche Energie aus den Fesseln der Vergangenheit befreien und den Weg zur vollen menschlichen Entfaltung öffnen" (Satir 1985).
Sydow et al. (2007) geben einen aktuellen Überblick zur systemischen/familientherapeutischen Psychotherapieforschung und stellen systematisch den aktuellen Stand der systemischen/familientherapeutischen Forschung dar. Insbesondere werden die derzeit vorliegenden kontrollierten randomisierten Outcome-Studien sowie Studien zum Psychotherapieprozess vorgestellt. Insgesamt werden in diesem Buch 33 Studien zusammengefasst. Als Name für das Verfahren schlagen die Autoren "Systemische Therapie/Familientherapie" vor, unter Anerkennung der Tatsache, dass Familientherapie primär ein therapeutisches Setting und keine theoretische Orientierung bezeichnet (S. 14). Die verfügbaren Forschungsdaten zur Wirksamkeit Systemischer Therapie machen deutlich, dass die Systemische Therapie/Familientherapie auch unter quantitativen Forschungsgesichtspunkten gegenüber anderen Psychotherapieverfahren durchaus bestehen kann, wenn sie diesen nicht sogar in einzelnen Bereichen überlegen ist. Insgesamt wird deutlich, dass die Wirksamkeit von Systemischer Therapie/ Familientherapie für eine Reihe von Störungsbildern gut belegt ist, sowohl im Kindes- und Jugendalter (z.B. für Störungen des Sozialverhaltens, Substanzstörungen, Depressionen und Suizidalität, Essstörungen und psychische/ soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten) als auch bei Erwachsenen (z.B. für Substanzstörungen, Depressionen, Essstörungen, psychische/soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten und Schizophrenie). Besondere Vorteile des systemischen/ familientherapeutischen Ansatzes sind die meist geringeren Drop-out-Raten, eine hohe Zufriedenheit der Patienten und Angehörigen mit der Therapie und eine günstige Kosten-Nutzen-Relation. Häufig können schon mit wenigen Sitzungen in größeren Abständen positive Ergebnisse erzielt werden (vgl. Levold 2007).
Quellen:
Fehlinger, Margarete (1998). Familien am Schachbrett
Skulptur-Rekonstruktion-Aufstellung - Umstrittene Methoden in der
Familientherapie. Wiener Zeitung vom 18.12.
Sydow, K. v., Beher, S., Retzlaff, R. & Schweitzer-Rothers, J.
(2007). Die Wirksamkeit von Systemischer Therapie/Familientherapie.
Göttingen: Hogrefe.
Levold, Tom (2007). Rezension von Sydow, K. v., Beher, S., Retzlaff,
R. & Schweitzer-Rothers, J. (2007). Die Wirksamkeit von Systemischer
Therapie/Familientherapie. Göttingen: Hogrefe.
WWW: http://www.systemagazin.de/buecher/neuvorstellungen/2006/12/sydow_wirksamkeit.php (07-03-12)
Kognitive und Verhaltenstherapie: Joseph Wolpe, Hans J. Eysenck
Der Beginn der verhaltenstherapeutischen Orientierung datiert auf die fünfziger Jahre. In Südafrika experimentiert der Psychiater Joseph Wolpe mit Tieren und stellt fest, dass Angst neurotische Reaktionen verursacht. Dabei gründet er seine Schlussfolgerungen auf die Pawlowschen Prinzipien der Konditionierung und das Stimulus-Response Modell. Verhaltenstherapie zielt darauf ab, unerwünschtes Verhalten durch erwünschtes Verhalten zu ersetzen: "korrektive Konditionierung" nennt er das. Der Klient lernt, auf sein unerwünschtes Verhalten zu verzichten und erwirbt dazu neue, bessere Kommunikationsmittel. Auf diese Art kann er emotionale Konflikte überwinden, die ihn bei seiner Entwicklung behindern.
Der deutsch englische Psychologe Hans J. Eysenck (*1916) führt den Begriff Neurotizismus ein. Man muß nur das Symptom zum Verschwinden bringen, schon ist die Neurose geheilt. Im Jahr 1963 wird die erste Zeitschrift ("Behaviour Research and Therapy") gegründet, die sich ganz der Erforschung und Therapie des Verhaltens widmet. Die Verhaltenstherapie unterscheidet sich grundsätzlich von der Psychoanalyse und anderen dynamischen Therapien, denn Antriebe, Motive, Konflikte, die nach diesen Theorien das Verhalten des Individuums im wesentlichen steuern, werden von den Verhaltenstherapeuten als ungenaue, d.h. unüberprüfbare. Vorstellungen abgetan. In diesen Therapien würde eine Diagnostik betrieben, die mit willkürlichen Kategorien wie Neurose oder Psychose hantiert. Im Gegensatz dazu stellt Eysenck eine Theorie der Persönlichkeit vor, die von empirischen Methoden Gebrauch macht.
Eysenck teilt seine Patienten einer Skala entsprechend ein, die von der introvertierten bis zur extrovertierten Persönlichkeit reicht, und setzt dazu die emotionale Stabilität bzw. den Neurotizismus einer Person in Beziehung, das heisst, seine Einteilung reicht von leicht erregbaren Persönlichkeiten bis zu ausgeglichen stabilen Persönlichkeiten. Eysenck zufolge sprechen introvertierte Persönlichkeiten besser auf korrektive Konditionierungen an als extrovertierte. Darum kann anhand der Einordnung in seine Skala schon abgeschätzt werden, wie der Patient auf die Therapie reagieren wird. Eysenck geht davon aus, dass es sich bei Neurosen und Psychosen um zwei grundsätzlich verschiedene Phänomene handelt. Eine Neurose entwickelt sich aus den äusseren Umständen; sie ist die Folge falscher Konditionierung, deshalb kann durch eine gezielte Dekonditionierung unerwünschtes in erwünschtes Verhalten umgewandelt werden. Diese radikale Haltung der Verhaltenstherapie stieß unter anderem von seiten der humanistischen Psychologie auf heftige Kritik. Ihr wichtigster Einwand lautet, dass die Verhaltenstherapeuten den Menschen als ausschliesslich von außen determiniert betrachten, während weder von innerem Wachstum noch von persönlicher Verantwortung die Rede ist. In der Verhaltenstherapie lernt der Klient neue Fähigkeiten und verlernt sein unerwünschtes Verhalten.
Modeling Therapie
Albert Bandura
hat in der Modeling Therapie auch einen enormen Einfluss auf die
Persönlichkeitstheorie und -therapie genommen: Wenn man jemanden mit
einer psychischen Erkrankung dazu bringt, jemanden zu beobachten, der
mit der selben Problematik in produktiverer Weise umgeht als man selbst,
dann kann man dadurch lernen, dass man die zweite Person imitiert.
Ursprünglich erforschte Bandura diesen Bereich anhand von Herpephobikern
(Menschen, die eine neurotische Furcht vor Schlangen haben). Der Klient
wird zu einem Fenster geführt, von dem aus er das Labor einsehen kann.
In diesem Labor befindet sich nur ein Stuhl, ein Tisch, ein Käfig auf
dem Tisch mit verschlossenem Riegel, und in diesem Käfig befindet sich
gut sichtbar eine Schlange. Dann beobachtet der Klient eine andere
Person - einen Schauspieler - der sich langsam und unter Qualen der
Schlange nähert. Zunächst wirkt er entsetzt, legt dies aber ab, sagt
sich selbst, er muss sich entspannen, normal atmen und sich Schritt für
Schritt der Schlange nähern. Auf halbem Weg mag er innehalten, wieder in
Panik verfallen und wieder von Neuem beginnen. Schließlich gelangt er
zu dem Punkt, an dem er den Käfig öffnet, die Schlange heraus nimmt,
sich auf den Stuhl setzt und sich die Schlange um den Hals legt während
er sich weiter selbst beruhigend zuspricht. Nachdem der Klient das
beobachtet hat, wird er ermutigt, es selbst zu versuchen. Allerdings
weiß der Klient, dass die andere Person, die er beobachtet hatte, ein
Schauspieler ist - er wird nicht hintergangen, sondern es geht um die
Nachahmung.
Bandura schlägt zur Selbstregulierung - also das eigene Verhalten zu kontrollieren - drei Schritte vor:
- Selbstbeobachtung (Self-observation): Wir beobachten uns selbst und unser Verhalten ganz genau und detailliert.
- Beurteilung (Judgment): Wir vergleichen das, was wir sehen, mit einem traditionellen Standard, also etwa mit "Regeln der Etikette" vergleichen. Wir können auch willkürliche Standards erstellen, wie "Ich werde ein Buch pro Woche lesen." Wir können dadurch mit anderen oder uns selbst wetteifern.
- Belohnende Rückmeldung (Self-response): Wenn wir im Vergleich mit dem von uns gesetzten Standard gut abgeschnitten haben, gibt man sich ein belohnendes Feedback, wenn man schlecht abgeschnitten hat, ein bestrafendes. Diese self-responses können vom Offensichtlichen ("Eis als Belohnung") bis zum Versteckten ("Gefühle von Stolz oder Scham)" reichen.
Ein sehr wichtiges Konzept in der Psychologie, das mit der Vorstellung der Selbstregulierung gut nachvollzogen werden kann, ist das Selbstkonzept (Selbstachtung ). Wenn man über die Jahre feststellst, dass man seinen Standards entsprechen kannt und das Leben mit Hochachtung und Belohnung ausfüllen kannt, dann hast man ein positives Selbstkonzept (hohes Selbstwertgefühl). Wenn man aber zu der Einsicht gelangst, dass man seinen Standards nicht entspricht und sich selbst bestrafen muss, verfügst man über ein negatives Selbstkonzept (geringes Selbstwertgefühl). Bandura sieht drei mögliche Ergebnisse exzessiver Selbstbestrafung:
- Kompensation (compensation) - ein umgekehrter Minderwertigkeitskomplex zum Beispiel, und auch illusorische Erhabenheitsgefühle.
- Untätigkeit (inactivity) - Apathie, Langeweile, Depression.
- Flucht (escape) - Drogen und Alkohol, Fernsehfantasien oder sogar die ultimative Flucht, der Suizid.
Diese ähneln den Persönlichkeitstypen
Alfred Adlers und Karen Horneys: aggressiver, unterwürfiger und vermeidender Typ.
Banduras empfiehlt Menschen mit geringem Selbstkonzept seine drei Schritte der Selbstregulierung:
- Selbstbeobachtung - erkenne dich selbst und stelle sicher, dass du ein zutreffendes Bild von deinem eigenen Verhalten hast.
- Standards - stelle sicher, dass deine Standards nicht zu hoch angesetzt sind. Setz dich nicht mutwillig Versagenserfahrungen aus. Auf der anderen Seite bleiben zu niedrige Standards wirkungslos.
- Rückmeldung - belohne dich selbst, statt dich zu bestrafen. Feiere deine Siege, statt an den Misserfolgen hängen zu bleiben.
Banduras Gedanken der Selbstregulierung sind auch in die Selbstkontroll-Therapie eingeflossen, die bei relativ einfachen psychischen Problemen wie Gewohnheiten (Rauchen, übermäßiges Essen) eingesetzt werden. Hier wird in analoger Weise vorgegangen:
- Erstellung einer Liste der Verhaltensweisen (behavioral charts): Selbstbeobachtung erfordert, dass man sein Verhalten genau aufzeichnet, sowohl bevor man Änderungen vornimmt, als auch daran anschließend. Man kann zum Beispiel einfach zählen, wie viele Zigaretten man täglich raucht oder auch komplexe Aufzeichnungen in einem Tagebuch (behavioral diary) durchführen. Verwendet man ein Tagebuch, führt man alle Details auf, also das wann und wo der jeweiligen Gewohnheit. So lässt sich herausfinden, welche Regelmäßigkeiten hinter dem gewohnheitsmäßigen Verhalten stecken: Rauchst man mehr nach dem Essen, beim Kaffee, beim Zusammensein mit bestimmten Freunden oder an bestimmen Orten.
- Planung der Umgebung (environmental planning): Ausgehend von diesen Aufzeichnungen kann man beginnen, seine Umgebung zu verändern. Zum Beispiel kannst man einige der Faktoren entfernen, die zu den schlechten Angewohnheiten beitragen: Aschenbechern entfernen, Tee statt Kaffee trinken usw. Man kann Zeit und Raum herausfinden, die den guten, alternativen Verhaltensweisen besonders förderlich sind: Wann und wo raucht man am wenigsten?
- Verträge mit dir selbst (self-contracts): Schließlich sollte an sich selbst belohnen, wenn man seinen Plan realisisert hat, oder sich vielleicht auch bestrafen, wenn man sich nicht an den Plan gehalten hat. Diese Verträge sollten schriftlich und bezeugt sein (z.B. von einem Therapeuten), wobei die Details genau festgehalten werden sollten: "Ich gehe am Samstag aus, wenn ich in dieser Woche weniger rauche als in der vergangenen Woche. Schaffe ich es nicht, mache ich statt dessen am Samstag Wohnungsputz."
Man sollte in diese Selbstkontroll-Therapie andere Menschen miteinbeziehen, so dass diese die Belohnungen und Strafen kontrollieren, wenn man sich selbst gegenüber nicht streng genug ist.
Banduras Argumentationsstil ist für die meisten Menschen sehr gut
nachvollziehbar und sein handlungsorientierter, problemlösender Zugang
ist auch für jene ansprechend, die ihre persönlichen Schwierigkeiten so
schnell wie möglich bearbeiten möchten, statt wie die
Psychoanalyse
über das Es oder über Archetypen zu philosophieren. Bedeutende
Psychologen haben Banduras Ansätze weiter geführt: Julian Rotter, George
Kelly, Walter Mischel, Michael Mahoney, David Meichenbaum, Aaron Beck
(Kognitive Therapie) und Albert Ellis (Rational-emotive Therapie).
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Kurzzeittherapeutischen Schulen
Der lösungsorientierte- kurzzeittherapeutische Ansatz nach Steve de Shazer
- Es gibt mehr als eine mögliche Lösung
- Lösung und Problem sind nicht notwendigerweise miteinander verbunden
- Änderungen geschehen ständig und werden bewußt gemacht
- Fokussierung auf Stärken und Ressourcen und nicht auf Schwächen und Defizite
Steve de Shazer, geb. am25.06.1940, gilt als einer der erfahrensten und inovativsten Kurzzeittherapeuten. Er ist Begründer und Leiter des Brief Family Therapy Center am Wisconsin Institute on Family Studies in Milwaukee. De Shazer baut in großem Maße auf den Erkenntnissen des Begründers der modernen Hypnotherapie, M.H. Erickson, auf.
Der rational-emotive & kognitive-verhaltenstherapeutische Ansatz nach Albert Ellis
- Ellis verbindet Kognition (Denken), Emotion und Verhalten. Wichtig in diesem Ansatz ist die klare Unterscheidung zwischen Gefühlen und Emotionen.
- Gefühle sind eine sensorische Empfindung und Wertung, z.B. heiß, kalt, bestimmte Schmerzen usw.
- Emotion ist die Verknüpfung mit einem Gefühl, das durch Gedanken bewertet wird. Die Bewertung findet zwischen gut und schlecht statt, die aufgrund der eigenen oder von außen übernommenen Erfahrungen entstehen. Dieses führt zu einem Gefühl oder Handeln des Wollens (Appetenz) oder der Ablehnung (Aversion) der Sache gegenüber.
- Daraus ergibt sich der therapeutische Ansatz, dass durch Verändern des Denkens über eine Sache ein bewußtes Beeinflussen und Verändern der Emotion stattfinden kann.
Albert Ellis, geb. 1913 in Pittsburg, USA, entwickelte ab 1952 nach mehrjähriger Ausbildung und Tätigkeit als klinisch-analytischer Psychologe (Karen Horney-Schule) und Ehe-, Familien- und Sexualberater sein REVT-Therapiemodell. Dazu bediente er sich sowohl philosophischer (Taoismus, Buddismus, Existenzialismus) wie auch psychologischer Ansätze (zeitgenössische Psychoanalyse, Behaviorismus). Der wichtigste Ansatz stammt von den griechischen Stoiker Epiktet (100 n.Ch.) aus seinem "Handbuch der Moral": "Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellungen von den Dingen."
Körperorientierte Therapien: Wilhelm Reich
Wilhelm Reich(1897-1957), ein weiterer Schüler Freuds hatte sich zum Ziel gesetzt, die Triebenergie "Libido" als physische Kraft zu erforschen. 1940 fand er sie und nannte sie "Orgon". Er entdeckte sie in allen Lebewesen, am Himmel und in der Atmosphäre und fand einen Weg, Orgon effektiv für die heilende Arbeit einzusetzen: den Orgon-Akkumulator. Wilhelm Reich ist der "Vater aller Körper-Psychotherapien", er entdeckte die energetische Ursache der Klimakatastrophe und legte Grundsteine dafür, dass wir heute in rationaler Weise mit "Bioenergie" und "feinstofflicher" Energie naturwissenschaftlich, psychiatrisch, medizinisch und spirituell arbeiten können.
Verschiedene Körper- und Gymnastikübungen lassen uns Verspannungen, Energieblockaden oder Charakterpanzerungen im Körper spüren. Zahlreiche körperorientierte Therapieformen arbeiten mit diesen im Körper abgelagerten Informationen und führen in entspanntes lustvolles Erfahren des Daseins.
Östlicher Therapieansatz
Im Tai Chi Chuan wird jede Bewegung durch eine Gegenbewegung ergänzt und ermöglicht damit das Aufheben oder Transzendieren der Dualität Yin und Yang, Weiblich und Männlich, Erde und Himmel. Diese Bewegungsharmonie entstammt dem Taoismus und wird nachweislich seit dem 12. Jh. in China praktiziert.
Focusing
"Focusing ist eine Art innerer, körperlicher Aufmerksamkeit, die einige wenige Menschen natürlicherweise kennen." ... "Es bedeutet nicht einfach, mit Emotionen oder Gefühlen in Kontakt zu sein, und es bedeutet auch nicht, sich über sich selbst "im Kopf" Gedanken zu machen und Vermutungen anzustellen. Es ist vielmehr ein Weg, eine körperliche Empfindung - wir nennen sie einen FELT SENSE - dazu zu bekommen, wie es einem in einer bestimmten Lebenssituation geht. Dieser felt sense ist zunächst unklar und vage. Wenn wir ihm jedoch Aufmerksamkeit schenken, wird er sich in Worten oder Bildern ausdrücken, was oft zu kleinen Veränderungs- und Handlungsschritten und neuen Gedanken führt. Um diesen Vorgang zu erlernen, braucht man gewöhnlich einige Tage mit entsprechender Anleitung."
George A. Kelly, "The Psychology of Personal Constructs".
Psychologische Beratung im Internet - die "eTherapie"
"Wie kann ich Ihnen helfen?" - "Ich verstehe die Frauen einfach nicht." - "Warum verstehen Sie die Frauen nicht?" - "Sie sind so furchtbar kompliziert." - "Wünschen Sie sich, dass sie weniger kompliziert wären?" - "Oh ja, das wäre toll!" - "Was meinen Sie genau damit?" - "Ich müsste dann nicht mehr stundenlang rumdiskutieren." Der Name der Therapeutin ist Eliza - die erste virtuelle Psychotherapeutin, die auf der Basis eines Computerprogramms arbeitet, das Joseph Weizenbaum in den Sechzigerjahren entwickelt hatte, wodurch er aufzeigen wollte, dass der Computer den Menschen als Gesprächspartner nie ersetzen kann. Tatsächlich gibt Eliza immer nur Standardantworten von sich, die sie je nach Stichwort des Patienten abändert. Eliza - im Internet leicht zugänglich (http://www-ai.ijs.si/eliza-cgi-bin/eliza_script) - hat unter manchen Psychologen heute noch Kultstatus.
In den USA ist die psychologische Beratung über das Internet - die "e-therapy" - längst etabliert und auch mmer mehr europäische Psychologen nützen das neue Medium in der Überzeugung, dass auch im Internet tragfähige therapeutische Beziehungen mit therapeutischen Effekten entstehen können. Bei welchen psychischen Problemen die Beratung über das Internet besonders angebracht ist, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Erste Untersuchungen liefern positive Ergebnisse. So hat eine Studie im Theratalk-Projekt der Universität Göttingen (http://www.theratalk.de) gezeigt, dass eine Online-Paartherapie zu ebenso guten oder gar besseren Resultaten führte als eine verhaltenstherapeutische Kurzzeit-Paartherapie. Dass der Kontakt von Mensch zu Mensch - und damit die nonverbalen Signale wie Mimik und Gestik - fehlt, kann, muss aber nicht ein Nachteil sein, denn in manchen Fällen kann erst der anonymere Mail-Kontakt eine Blockierung gegenüber einem Therapeuten lösen.
"Salut" (http://www.aramis-research.ch/d/12788.html) ist ein internationales Forschungsprogramm, das sich an 18- bis 30-jährige Frauen richtet, die an
Essstörungen
leiden. Integriert ist ein Selbsthilfeprogramm, das die Patientinnen in
sieben Schritten zur Selbsttherapie befähigen soll. Unterstützt werden
sie dabei auch von einer virtuellen Beraterin namens Sarah, wobei der Austausch über E-Mail. erfolgt.
Am häufigsten in Anspruch genommen, weil kostenlos, werden die Angebote von Institutionen wie Jugendberatungsstellen. Die Jugendlichen erhalten zum Beispiel einen konkreten Ratschlag für ein Problem oder eine Adresse, wo man ihnen weiterhilft. Für Jugendliche ist es wichtig, bei Tabuthemen wie Sexualität nur eine geringe Hemmschwelle überwinden zu müssen wie im Internetl. Die Beratung über das Internet kommt den Kommunikationsbedürfnissen der jungen Menschen entgegen.
Gresch, Ulrich (2003). Re: Kritik an der Psychoanalyse. Newsgroup: de.sci.psychologie. Sun, 05 Oct 2003 13:06:25 (03-10-05)
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/PSYCHOLOGIEORD/PsychologieSchulen.html
http://www.4real.ch/psy-thrp.html (01-11-17)
http://www.kriseundberatung.de/methodik.htm (02-02-15)
http://www.pdh.ch/moreno-triade/ (02-03-05)
http://www.beratung-therapie.de/therapie/therapiemethoden/therapiemethoden.html (02-07-31)
http://www.ifap-index.de/bda-manuale/angst1/6psychoth/65.html (02-08-10)
http://www.swr.de/laemmle/therapieformen/index.html (02-05-27)
http://www.eBund.ch (03-10-25)
http://www.ship.edu/~cgboeree/rogersdeutsch.html (05-11-06)
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