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[werner.stangl]s arbeitsblätter 
 

 

Sexualisierung der Jugend

Aufklärung durch Medien und Schule

Sexualisierung geschieht vor allem in den Medien, denn Illustrierte, Fernsehprogramme, Videospiele und Musikvideos blenden in der Darstellung von Personen häufig alle Charakteristika aus, die nicht auf Sexappeal oder Sexualverhalten beruhen, was besonders bei jungen Mädchen zu einem Mangel an Vertrauen in den eigenen Körper, zu Depressionen, Essstörungen und zur negativen Beeinträchtigung der sexuellen Entwicklung führen kann. Goodin et al. (2011) untersuchte Kleidungsstücke für Mädchen auf dem Hintergrund der "Objektifizierungstheorie", die besagt, dass Frauen in westlichen Kulturen oft als Objekt männlicher Begierde dargestellt werden, was dazu führt, dass eine Art "Selbst-Objektifizierung" eintritt, d.h., die Mädchen verinnerlichen die Botschaft und betrachten ihren Körper selbst als eine Art Gegenstand, der ausschließlich unter dem Aspekt ihrer meist sexuellen Attraktivität beurteilt wird. Eine Untersuchung der Kleidungsstücke für Mädchen unter 12 Jahren auf den Online-Seiten von großen Kindermode-Ketten in den USA zeigte, dass ein bedeutender Anteil des Angebots Mädchen sexualisiert und dazu beiträgt, dass diese ihren Körper ausschließlich unter dem Aspekt der Attraktivität wahrnehmen. 69% der bewerteten Kleidung gehörte in die Kategorie kindlich, etwa aufgrund von Schleifen, Punktmustern oder Tieraufdrucken, 4% bewerteten sie als sexualisierend, wozu etwa Shirts mit Spitzenwäschestoff, Kleidung mit vorgetäuschten Brüsten oder Hosen mit aufmerksamkeitsheischendem Poaufdruck zählten. Bei 25% Prozent der Kleidung waren kindliche und sexualisierte Merkmale vermischt. Zwar wird sich nicht jedes Mädchen durch aufreizende Kleidung bereits als Sexualobjekt betrachten, doch wird dadurch die Botschaft vermittelt, dass die Frau ein Blickfang zu sein hat. Eltern sollten beim Einkauf daher gut überlegen, was sie für ihr Kind wollen.

Vom Strampler zu den Strapsen

Jugend ohne Kindheit: Geschlechtliche Attraktivität wird zum Maß der Dinge. Präpubertäre Mädchen sehen sich als Objekte, deren Hauptaufgabe es ist, Knaben zu gefallen. Diese wiederum haben Zugriff auf alle Spielarten von Sexualität im Internet. Ein Betrag auf 3sat:

Wirkung von Pornographie auf Jugendliche

Nach Schätzungen haben 30 Prozent der acht- bis 13-jährigen schon Kontakt mit Pornographie im Netz, denn in der Regel verhindert nur eine Klickbestätigung, schon 18 Jahre alt zu sein, um auf einschlägigen pornografischen Seiten im Internet somit Fotos und Videos anschauen zu können. Kinder und Jugendliche werden sehr früh mit einer Fülle von für sie völlig ungewohnten Bildern konfrontiert, was zu einer neuen Form der sexuellen Entwicklung führt, diese nämlich allein durch Anschauung kennenlernen zu können und zunächst ohne eigene Erfahrungen zu erleben. Vor allem bei Jugendlichen kann das Ausmaß der Pornographie im Internet die Individualität der geschlechtlichen Entwicklung verdrängen, wobei die Bewegungsabläufe, die Kinder auf den einschlägigen Seiten sehen, ein Lernen am Modell ermöglich und visuell die gesamte Bandbreite sexueller Handlungen zugänglich macht, und zwar auch solche, die ungewöhnlich sind und eher Rückschlüsse auf perverse Neigungen nahelegen. Demütigungspraktiken und Gewaltpräferenzen sind in vielen einschlägigen Internetangeboten an der Tagesordnung und es ist naiv anzunehmen, dass durch solche Bilder und Filme nicht auch die sexuelle Präferenzstruktur Heranwachsender beeinflusst wird. Die jungen NutzerInnen identifizieren sich bei der Betrachtung mit Rollen, die oft wirklichkeitsfern sind, wobei etwa Mädchen lernen, als Objekt behandelt zu werden und später sich genötigt sehen, durch Konformitätsdruck in Gruppen solche Rollen auch zu übernehmen.

Es existieren noch wenige Untersuchungen, die die Wirkung von Pornographie auf Jugendliche direkt betreffen. Eine häufig geäußerte Hypothese lautet, Pornographie verursache Vergewaltigungen und Sexualstraftäter seien durch Pornographie beeinflußt. Diese Hypothese ist von entscheidender Bedeutung für das Verbot von Pornographie für Jugendliche. Forschungen an Sexualstraftätern zeigen aber, dass Sexualtraftäter selten durch von der Norm abweichende Moralvorstellungen auffallen, vielmehr sind diese im Gegenteil oft rigide Moralisten. Vergewaltiger konsumieren weniger Pornographie als Nicht-Vergewaltiger, dies gilt auch für die meist besonders kritisierte sado-masochistische Pornographie. Vergewaltiger sind sexuell weniger aufgeklärt und entstammen einem sexuell restriktiven Elternhaus. Vergewaltiger wurden häufig rigide religiös indoktriniert und verfügen über eine nur unzureichende Sexualausbildung. Sexualstraftäter kommen meist aus einem sexualrepressiven Elternhaus. Weitere Forschungen unterstützen darüber hinaus die Hypothese einer Triebabfuhr (Katharsis-Hypothese), die nach dem Konsum von Erotica auftritt.

Durch den vereinfachten Zugang zum Internet werden immer mehr Jugendliche mit sexuell expliziten Inhalten konfrontiert, wobei sich bisherige Forschungen vor allem auf die Auswirkungen von Internetpornografiekonsum auf Jugendliche konzentriert haben, nicht jedoch, wie Jugendliche Pornografie in ihren Alltag integrieren, welche Erfahrungen sie machen und welche Vorstellungen sie mit Internetpornografie in Verbindung bringen. Vor allem weibliche Jugendliche wurden bisher in Bezug auf ihren Internetpornografiekonsum überhaupt erst wenig erforscht. Nicht nur männliche Jugendliche, sondern auch Mädchen sehen häufig Pornografie im Internet, wobei sie sich eher schamhaft bzw. distanzierend verhalten und unbehagliche Kritik an sexistischen Darstellungen äußern. Der Kontakt mit Pornografie im Internet erfolgt bei den Mädchen sowohl zufällig als auch gezielt. Zwar kommen sie über Webportale oft unbeabsichtigt mit pornografischen Inhalten in Kontakt, doch geben sie zu, auch willentlich Pornos aufgerufen zu haben. Dabei zeigen sich als wesentliche Handlungsorientierung Neugier und "just for fun". Auffällig ist allerdings, dass diese Handlungen gleichzeitig einer Rechtfertigung in Bezug auf die Peergruppe bedürfen, wobei sich dieser Rechtfertigungsdrang zum einen in Erklärungen manifestiert, wie es zum Konsum gekommen ist, etwa durch nicht-pornografische Internetseiten, oder durch Gruppendruck im FreundInnenkreis, zum anderen auch in (distanzierenden) Bewertungen des Gesehenen. Trotz des betont lockeren Umgangs zeigt sich auch Verunsicherung einerseits gegenüber der Pornografie und anderseits gegenüber der eigenen Sexualität. Die Ergebnisse von Gruppendiskussionen zeigten, dass Mädchen durchaus Erfahrungen mit Internetpornografie machen, ihr aber durchaus distanziert gegenüber stehen und eine deutliche Kritik an der sexistischen Darstellung von Frauen äußern. Beim Umgang mit diesen Erfahrungen spielen verschiedene Distanzierungsstrategien sowie der Austausch mit der Freundinnengruppe eine essenzielle Rolle (De la Fuente Camps & Ruck (2018).

Nach einer Untersuchung am Castleton State College in Vermont hervor, dass Jugendliche, die vermehrt pornographischen Inhalten im Internet ausgesetzt sind, ihre Jungfräulichkeit früher verlieren als andere Altersgenossen. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass männliche Teenager zwischen zwölf und 17 Jahren, die regelmäßig pornographische Angebote im Netz konsumieren, zu einem früheren Zeitpunkt sexuell aktiv werden. Vor allem das Imitieren der im Internet gesehenen Sexualpraktiken birgt einiges an Gefahrenpotenzial. Allerdings können in solchen Studien Ursache und Wirkung nicht eindeutig bestimmt werden. Ähnlich wie bei vielen Untersuchungen über die Wirkung von Gewalt in Medien stellt sich auch in diesem Fall die Frage, was die Ursache und was die Wirkung ist. Das Internet hat jedoch einen beschleunigenden Effekt und beeinflusst und verändert die Verhaltensweisen, zeigte Shane Krauss (Castleton State Colleg) in einer Studie, in deren Rahmen Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren zu ihrem Sexualverhalten befragt worden sind. Vor allem orale Sexpraktiken werden im Durchschnitt drei bis vier Jahre früher von jenen Teenagern angewandt, die ähnliches bereits zuvor im Internet gesehen haben. Auch die erste sexuelle Handlung finde innerhalb dieser Gruppe von Erfahrenen zwei Jahre früher statt als bei Jugendlichen desselben Alters, die noch keinen Kontakt zu Pornoinhalten im Internet hatten. Viele Jugendliche beziehen ihre sexuelle Aufklärung über pornographische Inhalte im Web, wobei die mangelnde Medienkompetenz der Eltern in dieser Hinsicht ein zentrales Problem darstellt. Eine gemeinsame Diskussion und Reflexion über solche Problembereiche findet innerhalb der familiären Gemeinschaft praktisch nicht statt, wobei ein Verbot alleine nicht ausreicht.

Kontrovers Kurt Starke (2010), der meint Pornografie hat keine schädlichen Wirkungen auf Jugendliche: "Eine schädliche Wirkung von Pornografie per se auf Jugendliche kann nicht belegt werden. Es gibt zwar eine Fülle von Hypothesen und Vermutungen über die Schädlichkeit, aber genaue und übergreifende Befunde liegen nicht vor. Wenn Pornografie verdammt wird, dann werden auch jugendliche Motive der Zuwendung zu Pornografie entwertet. Neugier, Erkenntnisdrang, Lernlust, Spaß, Erfahrungssammlung, Bewertungsübung, vor allem aber sexuelle Lust und sexuelle Befriedigung Jugendlicher werden ins sittliche Abseits gestellt. Die Pornografie ist dann nur der Sack, der geprügelt wird - gemeint ist die sexuelle Selbstbestimmtheit Jugendlicher. Gewalt oder rückständige Frauen- und Männer-Rollen sind nicht pornografiespezifisch und keine invarianten Merkmale von Pornografie. Sie müssen nicht nur dort und nicht nur in Medienangeboten überhaupt, sondern primär da bekämpft werden, wo sie sich real finden und ihren Boden haben, nämlich in der gesellschaftlichen Wirklichkeit; sie müssen nicht als Symptom therapiert, sondern in ihren Ursachen erkannt werden, um ihnen entgegentreten zu können. Geschieht dies nicht, hat der Kampf gegen Pornografie nur eine Alibifunktion (...) So groß und bunt und schreiend und verzweifelt werbend die pornografische Welt auch ist und so sehr sie durch Verbote auch Auftrieb erhält - die überkommenen Standards von Pornografie, die noch die Erwachsenengenerationen in Aufregung versetzen konnten, werden allmählich unspektakulär und blasser. Die übliche Pornografie ist altmodisch geworden und wird in der jugendlichen Popkultur persifliert, verspottet und entsexualisiert und zunehmend durch neue Formen sexueller Darstellungen ersetzt, die insbesondere bei jungen Menschen Anklang finden. Dass realer Sex von denen, die ihn haben, per Handy verbreitet oder ins Internet gestellt wird, ist ein Ausdruck dafür. Jugend ist anders geworden. Pornografie wird anders verbreitet und aufgenommen. Damit sind die vermuteten schädlichen Wirkungen auf Jugendliche reine Fiktion geworden - sofern sie denn je bestanden haben" (Zusammengefasst nach Möller, 2000).

Literatur

De la Fuente Camps, Alba & Ruck, Nora (2018). „Wenn man da aus Versehen draufklickt“. Vorstellungen und Erfahrungen weiblicher Jugendlicher im Umgang mit Internetpornografie. Psychologie & Gesellschaftskritik, 42, 27-52.

Goodin, Samantha M., Denburg, Alyssa. Murnen, Sarah K. & Smolak. Linda (2011). 'Putting on' Sexiness: A Content Analysis of the Presence of Sexualizing Characteristics in Girls’ Clothing. Sex Roles, DOI: 10.1007/s11199-011-9966-8.

Erik Möller (2000). Wirkung von Pornographie auf Jugendliche.
WWW: http://www.scireview.de/vortrag/ (03-08-30)

http://www.csc.vsc.edu (12-11-21)

Nonhoff, Katja & Orth (2009). Prävention von sexuellem Missbrauch - Sexuelle Aufklärungsbeiträge von Eltern, Schulen, Organisationen. Kindesmisshandlung- und Vernachlässigung, Heft 12.

Oerter, R. & Montada, L. (2002). Entwicklunspsychologie. Weinheim: Psychologie Verlags Union.

Trautner, H.M. (1995). Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. 2 Bände. Göttingen: Hogrefe.

Schenk-Danzinger, L. (1983). Entwicklungspsychologie. Wien: Österreichischer Bundesverlag.

Diverse Texte aus dem psychoblogger



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