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Didaktisch- theoretische Modelle von "Unterricht"

Quand les maitres cesseront dénseigner,
les élèves pourront enfin apprendre.
Montesquieu

Wenn die Meister aufhören zu lehren,
werden die Schüler endlich lernen können.

Zum Begriff "Didaktik"


Didaktik leitet sich ab vom altgriechischen didaskein ("didáskeín" = mitteilen, vortragen, instruieren, unterrichten) bzw. didaktike techne ("didaktiké téchne" = "Kunst des Unterrichtens"; vgl. z. B. Menck 1978, 178ff.). Siehe auch die Definition von Didaktik

In diesem ursprünglichen Sinne bezeichnet "Didaktik" vorwissenschaftliche Kunstlehren über erfolgreiche Techniken zur Beeinflussung anderer Menschen (Lernender, Schüler) durch gezielte sprachliche bzw. bildhafte Mitteilungen (z. B. Appell, Information, Instruktion).

Aus heutiger Sicht bezieht sich der ursprüngliche Begriff "Didaktik" auf Methoden zur Gestaltung und/oder Vermittlung von Inhalten, also die Erziehungs- bzw. Unterrichtsmethodik.

Nach der heute vorherrschenden Auffassung ist Didaktik im wesentlichen als Wissenschaft vom Unterricht, vom Unterrichten bzw. von Lehr-Lern-Prozessen zu beschreiben. Unterricht (i. w. S.) wird dabei verstanden als

Die Entwicklung der Didaktik zu einer Wissenschaft ist gekennzeichnet durch eine weitgehende Ausgliederung künstlerisch-handwerklicher Elemente sowie eine zunehmende Stützung auf prinzipiell kontrollier-, prüf- bzw. nachvollziehbare Methoden der Erkenntnisgewinnung.

In Verbindung damit veränderten sich der Gegenstandsbereich und die Bedeutung von "Didaktik": Außer methodischen Regeln widmet sich die Didaktik auch der (eigentlich "pädagogischen") Problematik von Unterrichts- und Ausbildungszielen sowie den dafür zu vermittelnden Inhalten.

Didaktik als Wissenschaft

zielt auf

Die diesen Zielen dienenden wissenschaftlichen Methoden umfassen

Trotzdem ist nicht zu übersehen, daß Didaktik als wissenschaftlich gestützte Praxis auch Elemente einer Kunst enthält: Lehrer müssen auch spontan, phantasievoll und schöpferisch handeln, weil Unterricht nicht völlig exakt vorausplanbar ist.

Wir vernachlässigen bei unserer didaktisch ausgerichteten Betrachtung jedoch diese Gesichtspunkte, weil sie primär für das tatsächliche Realisieren von Unterricht durch den einzelnen Lehrer bedeutsam sind, und daher in das Gebiet der Psychologie führen.

Didaktische Modelle

Siehe auch die Nürnberger-Trichter-Didaktik

Ein wissenschaftlich-didaktisches Modell ist eine zweckgerichtete und theoriegeleitete Vereinfachung (Abstraktion, Abbildung) eines (Original-) Unterrichtsgeschehens (ursprünglicher, tatsächlicher Unterrichtsablauf, Realsituation). Insoferne Wissenschaft auf das theoretische Herausarbeiten (Beschreiben und Erklären) von Zusammenhängen unter Weglassung von dafür weniger wesentlichen Einzelheiten zielt, ist die Konstruktion von Modellen ein typisches Kennzeichen von Wissenschaft.

Die einschlägige Literatur bietet eine Vielfalt von Varianten "didaktischer" Theorien und Modelle, damit aber auch des Begriffes "Didaktik".

Die folgende Übersicht enthält nur die wichtigsten Theorievarianten mit allgemeinerem wissenschaftlichem Gültigkeitsanspruch und faßt sie zu drei Hauptrichtungen zusammen.

Diese Richtungen unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem ziel- bzw. problembezogenen und wissenschaftsmethodischen Schwerpunkt, in ihrem damit zusammenhängenden Geltungs- bzw. Anwendungsbereich sowie in ihrer historischen Entstehungs- bzw. Verbreitungzeit.

Gemeinsam ist den in der Übersicht angeführten Varianten von "Didaktik" die Auseinandersetzung mit Bedingungen, Formen der methodischen Durchführung sowie Ergebnissen bzw. Wirkungen geplanter Lehr-Lern- Prozesse.

Hauptrichtungen und Bedeutung von Didaktik

Hauptrichtungen und Bedeutung von Didaktik

Einteilung von Didaktik nach verschiedenen Gegenstandsfeldern

Der inhaltliche Begriffsumfang dieser fünf Didaktik-Begriffe nimmt von erstens bis fünftens ab. Der erste Begriff stellt die umfangreichste Definition von Didaktik dar (Josef Dolch). Didaktik wird als erklärende und verstehende Sozial- und Kulturwissenschaft aufgefaßt und beschäftigt sich daher mit dem Verhältnis von Lernen und kulturellen Eingliederungsprozessen, wie der Enkulturation und der Sozialisation.

Die systematische Herausarbeitung von komplexen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Faktoren (Intentionen, Themen, Verfahren, Medien, Individuum, Soziales Umfeld) innerhalb des Unterrichts wurde vor allem durch Heimann & Schulz geleistet. Diese Didaktikschule sieht nicht nur die klassischen Unterrichtssituationen als Wirkungsfelder ihrer Didaktik, sondern bezieht sich auch auf die Alltagssituationen, wo das Wechselspiel dieser Faktoren berücksichtigt wird.

Als Vertreter der Didaktik als Theorie der Bildungsinhalte wird meist Wolfgang Klafki angeführt. Sie beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Bildungsaufgabe, Bildungsprozeß und Bildungsinhalt. Hieraus entsteht eine Konzentration auf die kritische Hinterfragung dieser Bildungsinhalte und somit auf den ideologie- und gesellschaftskritischen Charakter dieser Didaktik .

Auf der Steuerung und Optimierung von Lernprozessen liegt der Schwerpunkt des vierten Didaktik-Begriffs. Sehr Technologie bezogen soll ein Ist- in einen Sollzustand umgewandelt werden, ohne Einbeziehung des Inhalts oder Sinns (von Cube). Außer im Bereich des programmierten Lernens, kommt dieser Ausrichtung der Didaktik eher weniger Bedeutung innerhalb der Didaktikdiskussion zu.

Das engste Gegenstandsfeld von Didaktik stellt die Forschungen der Lernpsychologie in ihren Mittelpunkt. Diese Forschungsrichtung hat eine Vielzahl von psychologischen Faktoren zu untersuchen, die Auswirkungen auf die Lehr- und Lernpraxis haben können. Neben individuellen Faktoren, z.B. kognitive Entwicklung (Aebli), Abstraktionsvermögen, Erfahrungen und Fähigkeiten, werden noch weitere Faktoren untersucht: Kulturelle, soziale, mediale und Faktoren der Zielsetzung von Lehr- und Lerntätigkeit. Neben H. Aebli ist H. Roth als Vertreter dieser Didaktikrichtung der Verwertung psychologischer Erkenntnisse zur Verbesserung von Lehr- und Lernprozessen zu nennen.

Linkempfehlung

Das Zentrum für Didaktik der Universität Jena bietet einen noch im Aufbau befindlichen - aber dennoch schon empfehlenswerten - Überblick über die verschiedenen Modelle der Didaktik an.

"Klassische" Literatur

Becker, Georg E. (1984). Planung von Unterricht. Handlungsorientierte Didaktik Teil I. Weinheim: Beltz.

Becker, Georg E. (1984). Durchführung von Unterricht. Handlungsorientierte Didaktik Teil II. Weinheim: Beltz.

Becker, Georg E. (1986). Auswertung und Beurteilung von Unterricht. Handlungsorientierte Didaktik Teil III. Weinheim: Beltz.

Gudjons, Herbert & u.a. (Hrsg.) (1982). Unterrichtsmethoden. Grundlegung und Beispiele. Braunschweig: Pedersen.

Gudjons, Herbert (1997). Handlungsorientiert lehren und lernen. Schüleraktivierung - Selbsttätigkeit - Projektarbeit. (5) Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Gudjons, Herbert (1998). Didaktik zum Anfassen. Lehrer/in-Persönlichkeit und lebendiger Unterricht. Bad Heilbrunn: Klinhardt.

Jank, Werner & Meyer, Hilbert (1991). Didaktische Modelle. Grundlegung und Kritik. Frankfurt a. M.: Cornelsen.

Meyer, Hilbert (1980). Leitfaden zur Unterrichtsvorbereitung. Königstein: Scriptor.

Meyer, Hilbert (1987). UnterrichtsMethoden. I: Theorieband. Frankfurt: Scriptor.

Meyer, Hilbert (1987). UnterrichtsMethoden. II: Praxisband. Frankfurt: Scriptor.

Peterßen, Wilhelm H. (1994). Anschaulich unterrichten. Ein Lern- und Arbeitsbuch. München: Oldenbourg.

Peterßen, Wilhelm H. (1998). Handbuch Unterrichtsplanung. Grundfragen -Modelle - Stufen - Dimensionen. München: Oldenbourg.

Peterßen, Wilhelm H. (1999). Kleines Methoden-Lexikon. München: Oldenbourg

Scheller, Ingo (1981). Erfahrungsbezogener Unterricht. Praxis, Planung, Theorie. Königstein: Scriptor .

Wiechmann, Jürgen (1999). Zwölf Unterrichtsmethoden. Vielfalt für die Praxis. Weinheim: Beltz.

Bildquelle: http://www.socsci.kun.nl/ped/whp/histeduc/im/wilson01.jpg

Literaturauswahl zu "Grundzüge der Erziehungswissenschaft"

     

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