[werner.stangl]s arbeitsblätter tests

Der HALB-Test

Die Lerntypentheorie, so wie sie heute von vielen vermittelt wird, richtet viel Schaden an, indem sie annimmt, dass sinnliche Wahrnehmung gleich Lernen wäre und vorgibt, eine bewährte Theorie zu sein. Das ist sie keinesfalls!

Der HALB-Test entstand im Rahmen der site "Benjamins und Werners Praktische Lerntipps", in der die in der Zeitschrift "Lernende Schule" (Heft 25, 7. Jahrgang, 2004) angebotenen Lerntipps in einer Online-Version angeboten werden. Ursprünglich als Papier-Bleistift-Verfahren mit direkter Auswertung durch SchülerInnen und StudentInnen konzipiert, kann in der Online-Version die digitalisierte Form genutzt werden, um nach der Testdurchführung sofort das Ergebnis auszugeben.

Mit diesem kleinen Screening-Testverfahren soll das "grassierende" und erstaunlich weit verbreitete Modell der Lerntypentheorie etwas relativiert werden, denn diesbezügliche Vorstellungen vom Lernen finden sich neuerdings sogar in Didaktiken, pädagogischen Zeitschriften, Ratgeberliteratur für SchülerInnen und LehrerInnen sowie auch Schulbüchern: "Lernen mit allen Sinnen", "ganzheitliches Lernen" und "handlungsorientiertes Lernen". Die dort unter Berufung auf vermeintliche und tatsächliche naturwissenschaftliche Ergebnisse behauptete Abhängigkeit des individuellen Lernerfolgs von der Berücksichtigung unterschiedlicher Wahrnehmungskanäle ist in dieser Form letztlich unhaltbar

Beschreibung des Verfahrens

Der HALB-Test besteht aus zehn Fragen mit jeweils vier Alternativen - die Kürze bot sich auch im Hinblick auf den Screening-Charakter des Verfahrens an -, wobei bei jeder Frage zwei Antwortalternativen gewählt werden müssen, um neben der bei jeder Frage am nächsten liegenden Wahrnehmungs- und Verarbeitungsform noch eine weitere zu evozieren. Durch diese Methode wird der von den Situationen ausgehende reaktionsspezifische Druck etwas relativiert und auch der Score der Probanden erhöht.

Papier-Bleistift-Version

Nach der Durchführung des Tests wird von den ProbandInnen in der Papier-Bleistift-Version mittels eines einfachen Auswertungsschemas das HALB-Profil berechnet und in ein vorgegebenes Profil-Raster eingetragen. Folgende vier Wahrnehmungs- und Verarbeitungsformen wurden operationalisiert:

Es wird in den Interpretationshinweisen explizit ausgeführt, dass man sich von diesem Wissen um Wahrnehmungs- und Verarbeitungspräferenzen nicht allzu viel im Hinblick auf effektiveres Lernen erwarten sollte. Als auch aus der Sicht der Psychologie wissenschaftlich vertretbare Empfehlung folgt jedoch der Hinweis, beim Lernen möglichst viele "Kanäle" in den Lernprozess einzubeziehen, um damit summativ die Behaltens- und Reproduktionsleistung zu erhöhen. Wie in Versuchsreihen von Niggemann (1977) gezeigt wurde, wird vermittelter Stoff bei der Kombination von verschiedenen Übermittlungsarten zumindest besser erinnert.

Online-Version

Die Online-Version wird auf zwei miteinander verknüpften Webseiten dargeboten. Beim Einstieg in die Testseite wird mittels eines noscript-Bereiches geprüft, ob Javascript aktiviert ist. Falls das nicht der Fall ist, wird vor dem eigentlichen Test ein Hinweistext ausgegeben, der auf darauf hinweist, dass ohne diese Einstellung im Browser keine Testdurchführung möglich ist, und mittels einer Informationsseite über die richtigen Einstellungen bei den gängigsten Browsern informiert.

In der Online-Version wurden gegenüber der Papier-Bleistift-Version nur die Instruktion und die Auswertung dem Medium angepasst, die Testaufgaben sind aber inhaltlich mit dieser Version identisch. Im Gegensatz zu den Rohwerten bei der Papier-Bleistift-Version wird hier eine in Prozent umgerechnete Verteilung der vier Kategorien als Ergebnis geliefert. Die Interpretation der vier Variablen und auch die Hinweise auf die wissenschaftlichen Vorbehalte gegenüber diesem Ansatz ist in beiden Varianten identisch. Mediengemäß ist die Möglichkeit zu einem Feedback, die aber nur sporadisch und nicht immer testspezifisch genutzt wird.

Ende 2005 wurde ein Testforum eingerichtet, in dem man sein Testergebnis mit anderen TeilnehmerInnen diskutieren kann. Auch wurde zur verständlicheren Interpretation der Testergebnisse ein Testschema zum Ausdrucken und ein Interpretationsbeispiel angeboten.

Testdauer

Diese ist in beiden Verfahren etwa ca. 4-6 Minuten. Die Auswertung dauert in der Papier-Bleistift-Version ca. 2 Minuten, die Online-Version ist instantan.

Auswertung

Papier-Bleistift: Übertragung der gewählten Antworten in ein Auswertungsschema, Berechnung der Rohprofilwerte und Eintragung in ein vorgegebenes Profilschema.

Online: Unmittelbare Ausgabe der prozentualen Verteilung der vier Wahrnehmungs- und Verarbeitungspräferenzen durch ein Javascript in einem alert in Form der 4 prozentualen Verteilungen der Neigungen ausgegeben. Mittels script bzw. alert wird auch die Ausgabe des Testergebnisses bei unvollständiger Eingabe verweigert. Diese ist derzeit auf mindestens 10 Angaben festgelegt, auch wenn weniger als 20 Ankreuzungen nicht der Instruktion entspricht (etwa 90 Prozent aller TeilnehmerInnen halten sich an die Vorgaben).

Durch einen Klick auf einen weiteren button kommt man zur Interpretationsseite, auf der durch ein session-cookie diese Prozentwerte weitergeleitet werden und auch eine Reihung der Vorlieben angeboten wird. Eine einfach formulierte Beschreibung der vier Dimensionen bildet die Grundlage für die eigene Interpretation. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zu einem schriftlichen Feedback.

Eine grafische Ausgabe ist bei vier Kennzahlen nicht sinnvoll, es wurde jedoch nach Vorliegen einer größeren Anzahl von Onlinedaten ein Vergleich mit Durchschnittsprofilen von Männern und Frauen ermöglicht.

Ausgewertete Daten

Die anonym eintreffenden Daten werden in unregelmäßigen Abständen mit den üblichen teststatistischen Methoden ausgewertet und im Web veröffentlicht. Diese dienen weniger der Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern werden überwiegend zum individuellen Vergleich für die UserInnen bereitgestellt: Erste Ergebnisse - Ergebnisse 2003

Revision des Verfahrens HALB v1.4 --> HALB v 2.0

Aufgrund der Itemanalysen mit etwa 2000 Datensätzen wurde eine geringfügige Revision einzelner Items vorgenommen, wobei gleichzeitig durch die Unterstützung von Wolfgang Astleitner (Zentraler Informatik Dienst der Johannes Kepler Universität) auch eine verbesserte Rückmeldung der Daten durch eine Sortierung der Präferenzen ermöglicht wurde.

Hinweise zur Nutzung

Die Verwendung ist unter Einhaltung der im Wissenschaftsbetrieb üblichen Normen gestattet - siehe dazu auch die Hinweise unter http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/COPYRIGHT/. Der Autor ersucht alle NutzerInnen, Erfahrungen oder etwaige Daten mitzuteilen, die in eine Überarbeitung einfließen könnten. Beim Einsatz des Verfahrens im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung an einer größeren Probandengruppe bitte ich um Übermittlung der einschlägigen Kennzahlen.

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