[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Free Writing, Mind Writing

Angesichts der Literaturfülle haben viele Studierende Schwierigkeiten, mit dem Schreiben einer Arbeit zu beginnen, denn sie haben Angst davor, durch eine Eingrenzung wichtige Inhalte der Literatur unberücksichtigt zu lassen. Somit wird die Entscheidung für eine Beschränkung des Themas hinausgezögert, was zur Folge hat, daß die Arbeit an Literatur oft ziellos verläuft. Dies und die Angst, etwas Wichtiges zu überlesen, führen dazu, dass das Lesen zuviel Zeit einnimmt und der Beginn des Schreibens immer weiter hinausgeschoben wird.

Ein weiterer Grund für das Hinauszögern des Schreibbeginns oder des Erstellens einer Gliederung ist das mangelnde Vertrauen in eigene Gedanken und Ideen. Sie erscheinen den Studierenden angesichts dessen, was in der Literatur gesagt wird, unwichtig. Manche befürchten, dass eigene Ansätze schlicht falsch sein könnten. Der Prozess der Loslösung von der Literatur verschiebt somit sich immer wieder.

Aber nicht nur StudentInnen haben häufig Schreibblockaden, sondern auch Experten und Wissenschaftler, denn bei komplexen Texten, Sachtexten, Gutachten, Konzepten glauben viele, ihre Gedanken nicht aufs Papier bringen zu können. Das liegt daran, dass man Hemmungen hat, einfach drauf los zu schreiben ohne auf Formulierungen oder die Rechtschreibung zu achten.

Bei solchen Problemen schreibt man zunächst am besten mit der Hand, denn der Computer verleitet eher dazu, an sprachlichen Dingen herumzufeilen. An den genauen Formulierungen sollte man erst später herumbasteln. Viele glauben, sie müssten perfekt formulierte Sätze zu Papier bringen. Die Methode, einfach drauf los zu schreiben, heißt "Mind Writing" oder "Free Writing" und kommt aus den USA. Es ist eine Art Tagebuch-Führen, nur mit fachlichen bzw. wissenschaftlichen Inhalten. In den USA hat an Schulen und an Universitäten Free Writing eine lange Tradition. Hierzulande kämpften Studenten oft jahrelang mit ihrer Diplomarbeit oder Dissertation, weil sie nicht wissen, wie sie wissenschaftlieh formulierte Sätze aus der Sekundärliteratur mit eigenen Worten wiedergeben und in ihre eigenen Gedanken einarbeiten können. An Unis lernt man zwar das methodisches Handwerk, etwa wie man richtig zitiert, aber nicht, wie man in den Schreibfluss kommt.

Wenn man nicht darüber nachdenkt, wie man den Text am besten strukturiert, und Assoziationen zulässt, kommen oft pointierte Ideen. Ein wesentlicher Vorteil: Man hat seine Ideen nicht nur im Kopf, sondern gleich schwarz auf weiß festgehalten, sodass sie nicht verloren gehen.

Der Fehler vieler Studenten ist, dass sie gleich mit der Endfertigung beginnen wollen. Wissenschaftliches Schreiben ist ein "Schreiben ohne Ich", aber man kann keinen komplexen Text ohne eigene Gedanken schreiben. Bei Diplomarbeiten sollten Studierenden ihre Idee ungeordnet zu Papier zu bringen, noch bevor sie mit der Materialsammlung beginnen. Diese Erstversion, die ja niemand zu Gesicht bekommen wird, kann schlecht formuliert, holprig und unvollständig sein. Das Wichtigste an einer Erstversion ist, dass sie da ist. Dabei hilft auch, sich in ein Cafe zu setzen, dort zu schreiben. Für das Endprodukt kann man wieder an den Arbeitstisch zurückkehren.

10 Regeln des Free- Writing

Siehe auch Themeneingrenzung & Schreibprobleme

Literatur

Goldberg, Natalie (1986). Writing Down the Bones. Boston: Shambala Publications

Elbow, Peter (1998). Writing with Power. New York: Oxford University Press.



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