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Die Moral sitzt im Vorderhirn

Gehirne sind wie Fingerabdrücke individuell und sind daher bei jedem Menschen anders, auch wenn Menschen in ihrem Verhalten immer davon ausgehen, jeder denke so wie man selbst. Zwar ist das Gehirn anatomisch bei jedem Menschen gleich aufgebaut, d.h., es hat die gleichen Elemente und Bestandteile, aber es hat auch fundamentale Unterschiede. Neurologisch kann man sich daher in einen anderen Menschen nie völlig hineinversetzen und wissen, wie es ist, der andere Mensch zu sein, denn das Innere der Menschen ist sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Die Entwicklung des Gehirns ist eine komplexe Interaktion von genetischer Ausstattung und der Umgebung, in der es sich entwickelt, wobei Umgebung hier auch vorgeburtlich eine wichtige Rolle spielt. Alle Gene, die ein Mensch von Geburt an mitbringt, sowie jede Erfahrung, die er oder sie jemals macht, also alle Kindheitserfahrungen, Giftstoffe im Wasser oder in der Luft, erlebte Gewalt oder sogar Missbrauch, der Umgang mit Nahrung oder Drogen. All diese Aspekte beeinflussen die Richtung, in die sich das individuelle Gehirn entwickelt, daher ist das Endergebnis immer sehr unterschiedlich, sodass es nicht einmal klar ist, dass Menschen überhaupt einen freien Willen besitzen. Aber nicht nur individuelle Einflüsse prägen das Gehirn des Menschen, sondern auch Sozialnormen und die soziale Umgebung. Aber vermutlich ist der freie Wille wesentlich kleiner, als man bisher angenommen hat, denn seine Möglichkeit, das System Mensch zu beeinflussen ist eher gering, denn er Weg, den ein Mensch in seinem Leben geht, wurde bereits immer vor langer Zeit eingeschlagen, d.h., er ist rückwirkend nur noch wenig zu korrigieren, was bis zurück zu den Gene der Vorfahren reicht, die einem Menschen das Gehirn gaben, das er nun hat. Aber auch im fortgeschrittenem Alter entwickelt sich das Gehirn Tat weiter, wenn auch nicht mehr mit der gleichen Geschwindigkeit wie kurz nach der Geburt, es kommt also immer auf das Leben einer konkreten Person an, die Ereignisse, die Gemeinschaft in der er sich befindet, d.h., Gehirne entwickeln sich genauso, wie sich die Umstände und Möglichkeiten um sie herum verändern, wobei das Ergebnis eine Gleichung mit beinahe unendlich vielen Variablen ist und daher in seinem Verhalten nie genau vorausberechnet werden kann.

Quelle: http://www.theeuropean.de/david-eagleman/7608-gehirnentwicklung-und-moral (11-08-08)

Menschen mit Verletzungen in bestimmten Regionen des Vorderhirns verlieren die Fähigkeit, Moralbegriffe und soziales Verhalten zu erlernen. Je früher die Verletzung auftritt, desto gestörter ist ihr Benehmen: Sie lügen, stehlen, schlagen und bereuen all das nicht. Ihre Intelligenz bleibt hingegen unberührt, schreiben der US-Neurologe Antonio Damasio und seine Kollegen von der University of Iowa im Fachjournal "Nature Neuroscience".

Ihre Erkenntnis stützt sich auf eine Studie an einer 20-jährigen Frau und einem 23-jährigem Mann, die beide im frühen Kindesalter eine Verletzung im vorderen Stirnlappenbereich der Hirnrinde erlitten. Beide hatten sich äußerlich gut erholt und wuchsen in stabilen Familien auf. Als sie älter wurden, zeigte sich ihre Unfähigkeit, sich an ethischen Normen zu orientieren.

Neurologen wissen seit dem klassischen Fall des amerikanischen Schienenarbeiters Phineas Gage im Jahr 1848, dass eine Verletzung im vorderen Hirnbereich die Persönlichkeit verändert. Bei dem Arbeiter hatte sich während einer Explosion eine Eisenstange ins Gehirn gebohrt. Er überlebte den Unfall, wandelte sich jedoch vom verantwortungsbewussten Mitarbeiter zu einem unzuverlässigen Menschen.

Damasios Studie zeigt, dass solche seltenen Verletzungen im Vorderhirn sogar zur Psychopathie führen, wenn sie sich im Kleinkindalter ereignen. Die 20-jährige Patientin hatte im Alter von 15 Monaten einen Verkehrsunfall. Dem 23-Jährigen war kurz nach der Geburt ein Hirntumor entfernt worden.

Die Autoren der Studie nehmen an, dass bei den Patienten eine Region in der Hirnrinde zerstört wurde, die das Lernen durch Belohnen und Bestrafen ermöglicht. Das würde bedeuten, dass der Erwerb moralischer Fähigkeiten davon abhängt, Gefühle empfinden zu können, die durch Belohnung oder Bestrafung hervorgerufen werden. Offenbar kann keine andere Hirnregion diese Funktion übernehmen.

Moralische Werte und Entscheidungen werden übrigens im Gehirn von jenen Arealen getroffen, die für das Nachvollziehen von Gedanken oder Emotionen anderer Menschen wichtig sind. Es gibt also vermutlich keine speziell für moralische Entscheidungen zuständige Gehirnregion, sondern an diesen sind große Teile des medialen präfrontalen Cortex, des Präkuneus, der temporo-parietalen Junktion als auch die Amygdala und der posteriore zinguläre Cortex beteiligt. Die Entscheidungsprozesse finden in Arealen statt, die für die Verarbeitung unterschiedlichster abstrakter sozialkognitiver Überlegungen zuständig sind. Auf neurobiologischer Ebene scheint moralisches Denken also vor allem ein rationaler Prozess zu sein, der über das empathische Mitfühlen von Emotionen ins alltägliche zwischenmenschliche Leben eingebunden wird (vgl. Bzdok et al. 2012).

Frühe Hirn-Verletzungen beeinflussen das Verhalten
Nature Neuroscience, Bd. 2, S. 1032

Quelle: http://www.BerlinOnline.de/ (01-01-10)

Zum Thema Folgen von Hirnläsionen siehe auch "Das Korsakow-Syndrom"

Bzdok, D., Schilbach, L., Vogeley, K., Schneider, K., Laird, A.R., Langner, R. & Eickhoff, S. B. (2012). Parsing the neural correlates of moral cognition: ALE meta-analysis on morality, theory of mind, and empathy. Brain Struct Funct. DOI: 10.1007/s00429-012-0380-y.

Aus einer Pressemeldung

Kinder beurteilen im Laufe ihrer moralischen Entwicklung eine Handlung zunächst allein nach ihrem Resultat, also schuld ist, wer etwas angestellt oder kaputt gemacht hat. Ob dies mit Absicht geschah oder aus Versehen, spielt dabei zunächst keine Rolle, denn Kindern fehlt das Gespür für soziale Motive. Erst im Laufe des Erwachsenwerdens entwickelt jeder Mensch eine »Theory of Mind«, die es ihm gestattet, sich in das Denken und Fühlen anderer hineinzuversetzen.

Einer Forschungsgruppe um Liane Young (Massachusetts Institute of Technology) hat das Zentrum des moralischen Urteilsvermögens im Gehirn identifiziert, und zwar eine Gehirnregion hinter dem rechten Ohr, die dafür verantwortlich zeichnet, dass sich Menschen in die Absichten und Beweggründe anderer einfühlen können. In einem Experiment wurde die rechte temporoparietale Übergangsregion durch Magnetfelder stillgelegt. Danach sollten die Testpersonen eine moralische Beurteilung verschiedener Situationen - z.B. die Schuld einer Frau, die jemanden mit Absicht vergiften will, aber irrtümlicherweise ein ungiftiges Mittel wählt - abgeben und diese Beurteilung auch begründen. Es zeigte sich, dass die Probanden, bei denen diese Region deaktiviert war, anders urteilten, als die Kontrollgruppe, bei der andere Hirnregionen ausgeschaltet worden waren. Die Personen der Untersuchungsgruppe hielten sich bei der Beurteilung einer Handlung als gut oder schlecht lediglich an die Konsequenzen der Handlung , während die dahinter steckende Absicht dagegen weitgehend ausgeblendet wurde.

Wenn die Aktivität der temporoparietalen Übergangsregion gestört wird, werden die moralischen Urteile also offensichtlich von dem Grundsatz geleitet: Solange jemand keinen Schaden angerichtet hat, hat er auch nichts Schlimmes getan. Versuchspersonen ohne funktionierende rechte temporoparietale Übergangsregion agierten zeitweilig mit einem Gehirn, das faktisch über keine »Theory of Mind« verfügte. Damit wird deutlich, dass das menschliche Moralempfinden nicht allein auf neurobiologischen Grundlagen beruht, sondern auch darauf, dass ein Mensch im Laufe seiner Entwicklung all das produktiv verarbeitet, was in seiner sozialen Umwelt geschieht. Nur so gelingt es ihm, die Welt aus der Perspektive anderer Personen zu betrachten und deren Motive und Wünsche zu verstehen.

Liane Young, Joan Albert Camprodon, Marc Hauser, Alvaro Pascual-Leone, & Rebecca Saxe (2010). Disruption of the right temporoparietal junction with transcranial magnetic stimulation reduces the role of beliefs in moral judgments PNAS 200914826; published ahead of print March 29, 2010, doi:10.1073/pnas.0914826107

Siehe auch: Kann man Moral denn mit Magnetresonanz messen?

Computer games stunt teen brains

Computer games are creating a dumbed-down generation of children far more disposed to violence than their parents, according to a controversial new study.

The tendency to lose control is not due to children absorbing the aggression involved in the computer game itself, as previous researchers have suggested, but rather to the damage done by stunting the developing mind.

Using the most sophisticated technology available, the level of brain activity was measured in hundreds of teenagers playing a Nintendo game and compared to the brain scans of other students doing a simple, repetitive arithmetical exercise. To the surprise of brain-mapping expert Professor Ryuta Kawashima and his team at Tohoku University in Japan, it was found that the computer game only stimulated activity in the parts of the brain associated with vision and movement.

In contrast, arithmetic stimulated brain activity in both the left and right hemispheres of the frontal lobe - the area of the brain most associated with learning, memory and emotion.

Most worrying of all was that the frontal lobe, which continues to develop in humans until the age of about 20, also has an important role to play in keeping an individual's behaviour in check.

Whenever you use self-control to refrain from lashing out or doing something you should not, the frontal lobe is hard at work.

Children often do things they shouldn't because their frontal lobes are underdeveloped. The more work done to thicken the fibres connecting the neurons in this part of the brain, the better the child's ability will be to control their behaviour. The more this area is stimulated, the more these fibres will thicken.

The students who played computer games were halting the process of brain development and affecting their ability to control potentially anti-social elements of their behaviour.

"The importance of this discovery cannot be underestimated," Kawashima told The Observer.

"There is a problem we will have with a new generation of children - who play computer games - that we have never seen before.

"The implications are very serious for an increasingly violent society and these students will be doing more and more bad things if they are playing games and not doing other things like reading aloud or learning arithmetic."

Kawashima, in need of funding for his research, originally decided to investigate the levels of brain activity in children playing video games expecting to find that his research would be a boon to manufacturers.

He expected it to reassure parents that there are hidden benefits to the increasing number of hours their children were devoting to computer games and was startled by what he discovered.

He compared brain activity in children playing Nintendo games with those doing an exercise called the Kraepelin test, which involves adding single-digit numbers continuously for 30 minutes.

The students were given minute doses of a radioactive pharmaceutical through an intravenous drip which allowed a computer to map a complex picture of their brains at work. A subsequent study was conducted using magnetic resonance images.

Both studies confirmed the high level of brain activity involved in carrying out simple addition and subtraction and that this activity was particularly pronounced in the frontal lobe, in both the left and right hemispheres.

Though it is often thought that only the left hemisphere is active for mathematical work and that the right hemi sphere is stimulated by more creative thinking, the professor found that arithmetic produced a high level of activity in both hemispheres.

In subsequent studies, Kawashima established that arithmetic exercises also stimulate more brain activity than listening to music or listening to reading. Reading out loud was also found to be a very effective activity for activating the frontal lobe.

Kawashima, visiting the UK to speak at this weekend's annual conference of the private learning programme Kumon Educational UK, said the message to parents was clear.

"Children need to be encouraged to learn basic reading and writing, of course," he said. "But the other thing is to ask them to play outside with other children and interact and to communicate with others as much as possible. This is how they will develop, retain their creativity and become good people."

Hi-tech maps of the mind show that computer games are damaging brain development and could lead to children being unable to control violent behaviour

by Tracy McVeigh
education editor

Quelle:
http://www.observer.co.uk/international/story/0,6903,539166,00.html

      

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